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Kurswechsel im Bologna-Prozess gefordert - für mehr Qualität

24.3.2009 Vertreter von Wirtschaft, GEW und Studierenden haben einen Kurswechsel im Bologna-Prozess an den Hochschulen gefordert.

24.3.2009 Vertreter von Wirtschaft, GEW und Studierenden haben einen Kurswechsel im Bologna-Prozess an den Hochschulen gefordert.

Bachelor-Studiengänge dürften nicht „alter Wein in neuen Schläuchen sein“, kritisierte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt am 18. März in Berlin. GEW-Hochschulexperte Andreas Keller verlangte eine „Entschleunigung“ der Umstellung des Studiums auf die gestufte Struktur. „Qualität geht vor Tempo“.

Zehn Jahre nach Beginn des Bologna-Prozesses sind 75 Prozent des deutschen Studienangebots auf Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Dies berichtete Bundesbildungsministerin Annette Schavan am 18. März im Bundeskabinett in einer Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2007/08 studierten 30 Prozent aller Studierenden in Bachelor- und Masterstudiengängen. Im 2005/06 waren es erst 12,5 Prozent. „Die Umsetzung des Bologna-Prozessen gewinnt an Fahrt“, erklärte Schavan.

Nach ihrer Zwischenbilanz können die Studierenden ihre BAföG-Förderung leichter mit ins Ausland nehmen. Außerdem würden im Ausland erworbene Studienabschlüsse und -leistungen besser anerkannt. Im Hinblick auf die soziale Dimension sagte sie: „Wir haben beispielsweise mit dem Ausbau des Stipendiensystems und den Aufstiegsstipendien schon einiges erreicht“.

Arbeitgeber fordern zweite Reformwelle
Nach Worten von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hingegen habe die Umstellung der Studienstruktur nach dem Motto „Verschulen, Verdichten Umbenennen“ dazu geführt, dass sich Mobilität verringert und Abbruchquoten nicht sinken. Im Zuge einer Qualitätsreform müsse auch die studentische Arbeitsbelastung kritisch überprüft werden. „Studiengänge müssen studierbar sein, andernfalls werden zentrale Ziele der Reform auch künftig nicht erreicht.“ Dazu betonte Sarina Schäfer vom studentischen Dachverband fzs: „Viel zu oft wurde versucht, alte Diplom-Studiengänge vollständig in einen sechs Semester umfassenden Bachelor-Studiengag zu überführen. Die daraus resultierende Arbeitsbelastung (Workload) sprengt oftmals jede Skala und kann kaum noch bewältigt werden.“

Hundt forderte Bund und Länder auf, „im Rahmen einer zweiten Reformwelle für eine angemessene Gegenfinanzierung zu sorgen. Denn Bachelor-Abschlüsse kosten meist mehr als die bisherigen Studiengänge, die Mittel wurden aber nicht aufgestockt.“ Mehr Studienplätze und ein besseres Betreuungsverhältnis in der Lehre verlangte auch der Hochschulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller. Hierfür seien nach Berechnungen der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zusätzlich 3,7 Milliarden Euro jährlich notwendig, sagte er. (ol)

Quelle: dpa
02.04.2009 11:27 Alter: 1 Jahre