Profiling-Blog
In diesem Blog setzt sich Jan Bohlken, der Gründer des Profiling Instituts, regelmäßig mit den verschiedensten Themen des Bildungsbereiches auseinander. Angefangen bei Studienberatung, über Studienwahl, Bildungs- und Berufsberatung, Bachelor & Master & Co., Vorteile/Nachteile privater/staatlicher Hochschulen, die Entwicklungen auf dem deutschen Hochschulsektor usw. Er kritisiert, lobt, bezieht Stellung und sinniert... Viel Spaß bei der Lektüre!
Für viele Studieninteressierte ist die Höhe der Studiengebühren auch ein wichtiges Kriterium, wenn es darum geht, sich für einen Studienort zu entscheiden. Da die Festlegung der Gebühren eine Angelegenheit der Bundesländer – und nicht der Bundesregierung – ist, versuchen sich die einzelnen Landesregierung mit jeweils eigenen Konzepten zu profilieren. Die Meinung, dass im Osten keine und in unionsgeführten Ländern auf jeden Fall Studiengebühren anfallen, stimmte jedoch nur bedingt.
So einfach wird es den Studierenden nämlich nicht gemacht, wie der folgende Überblick zeigt. Im Baden-Württemberg müssen 500€ pro Semester berappt werden. Befreiungen gibt es für Studierende mit zwei oder mehr Geschwistern sowie für Hochbegabte, Behinderte und bei Studierenden, die Kinder unter 14 Jahre haben.
In Bayern fallen Studiengebühren zwischen 300€ und 500€ an den Unis und zwischen 100€ und 500€ an den FHs an. Die Höhe innerhalb dieses Spielrahmes wird von den Hochschulen festgesetzt. Für Studierende, deren Bruder oder Schwester schon studiert, kann es Rabatte geben. Im kleinen Saarland hat die neue Koalition die Studiengebühren abgeschafft.
Im benachbarten Rheinland-Pfalz fallen lediglich für Langzeitstudierende Gebühren von 650€ an, wenn diese fast das Doppelte der Regelstudienzeit benötigen. Hier könnte ein Regierungswechsel 2011 jedoch die Lage verändern. Ebenfalls fallen in Hessen nur Studiengebühren für Langzeitstudierende an. Hier allerdings gestaffelt nach der Länge der Überschreitung der Regelstudienzeit.
In NRW fallen bis zu 500€ Studiengebühren an. Die Höhe wird von den Hochschulen festgelegt. Ein Regierungswechsel im Mai 2010 könnte für Veränderungen sorgen. Die jetzige Regierung kann sich zudem vorstellen, die Obergrenze von 500€ zu kippen.
In Niedersachsen fallen ebenfalls 500€ an. Ausnahmen kann es für Studierende geben, die Kinder haben oder Angehörige pflegen müssen.
In Bremen fallen Studiengebühren an, wenn man nicht mit dem Erstwohnsitz in Bremen gemeldet ist.
Sie betragen ab dem dritten Semester 500€. Mit einem Wechsel des Erstwohnsitzes sind die Gebühren hinfällig. Eine Änderung könnte die Landtagswahl 2011 mit sich bringen.
Ein besonders elegantes Modell hat die schwarz-grüne Koalition in Hamburg entwickelt. Hier fallen zwar Studiengebühren von 375€ an. Diese können jedoch nach dem Studium beglichen werden und sie müssen nur bezahlt werden, wenn der spätere Job mit mindestens 30000€ brutto vergütet wird. Eine Überraschung bietet die schwarz-gelbe Koalition in Kiel, denn auch in Schleswig-Holstein gibt es keine Gebühren.
Hier hat die FDP dies ausdrücklich gewünscht. Sie stützt ihre Argumentation – nach eigener Aussage - auf neue Untersuchungen, die zeigen, dass Studiengebühren den Hochschulzugang erschweren. In Berlin fallen derzeit keine Studiengebühren an. Allerdings ist die Bundeshauptstadt massiv verschuldet und sie verfügt über den geringsten Lebensstandard aller 16 Bundesländer. Daher ist nicht auszuschließen, dass z.B. nach der Wahl 2011 Studiengebühren eingeführt werden.
Im Osten herrscht weitgehend Gebührenfreiheit. Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt erheben zwar Gebühren von bis zu 500€ für Langzeitstudierende (Sachsen auch für ein Zweitstudium), aber generell wollen die östlichen Bundesländer weiterhin die Gebührenfreiheit als Standortvorteil nutzen – denn selbst ohne Gebühren gelingt es den Hochschulen oftmals kaum, genügend Studierende aus dem Westen anzulocken. Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verzichten daher ganz auf Gebühren.
Wie man sieht, wird mit dem Thema Studiengebühren – selbst in Ländern, die von der gleichen Koalition regiert werden – sehr unterschiedlich umgegangen. Leicht ist es für Studieninteressierte nicht, sich in diesem Dschungel zurecht zu finden. Andererseits tun sich jedoch noch genügend Flecken auf der deutschen Landkarte auf, um Studiengebühren möglichst ganz aus dem Weg zu gehen – örtliche Flexibilität vorausgesetzt.
r hat es in den letzten Jahren einige Annäherungen zwischen den Studienwünschen von jungen Männern und Frauen gegeben – so entscheiden sich z.B. immer mehr Frauen auch für ein technisches Studium – dennoch sind die Vorlieben beider Geschlechter nach wie vor sehr groß – und in der Tendenz kaum überraschend. Das beliebteste Fach – darin sind sich weibliche wie männliche Studieninteressierte einig – ist nach wie vor BWL. Oftmals wird dieses Fach von Personen gewählt, die keine klare Vorliebe für einen Studiengang aufweisen. Aber auch diejenigen, die das Fach ganz gezielt wählen, führen vor allem die vielfältigen Optionen an, die einem später mit einem BWL-Abschluss offen stehen.
Danach ist jedoch schon Schluss mit den Gemeinsamkeiten. Während bei den jungen Frauen auf Platz zwei und drei Germanistik und Medizin folgen, entscheiden sich die Abiturienten häufig für ein Maschinenbau- oder ein Informatikstudium. An vierter und fünfter Stelle folgen bei den Männern dann das Wirtschaftsingenieurwesen sowie die Elektrotechnik, wohingegen bei den Abiturientinnen Jura an vierter und pädagogische Studiengänge an fünfter Stelle anzutreffen sind.
Mit Anglistik und Biologie folgen bei den Abiturientinnen weiterhin zwei Fächer, die meist eher Frauen zugeschrieben werden, wohingegen die Jungs sich an sechster und siebter Stelle für Jura und Wirtschaftswissenschaften entscheiden.
Die Wirtschaftswissenschaften folgen bei den Studentinnen dann auf dem achten Platz. Eine Überraschung bietet hier das Ende der Top Ten – so landet nämlich bei den Frauen die Mathematik noch vor der Psychologie auf Platz neun.
Bei den Studenten entfallen die Plätze acht bis zehn auf die Fächer Medizin, Physik und Wirtschaftsinformatik.
Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass es noch immer sehr geschlechtsspezifische Vorlieben bei der Studienwahl gibt. Die Ingenieurberufe wirken auf Abiturientinnen noch immer nicht besonders anziehend – und nur wenige Abiturienten entscheiden sich für ein Studium im sozialen oder sprachwissenschaftlichen Bereich. Auffällig ist auch, dass die klassischen Naturwissenschaften deutlich weniger beliebt sind als die Ingenieurwissenschaften. Zudem entscheidet sich die Mehrheit für klassische, weitgehend bekannte Fächer.
Langfristig wäre es natürlich wünschenswert, wenn sich mehr Studienbeginner für ein geschlechtsuntypisches Fach entscheiden würden, denn die häufig anzutreffenden Geschlechtsunterschiede können für die jeweiligen Fachdisziplinen durchaus fruchtbar sein.
So blicken Frauen in der Mehrheit sicher etwas anders technische Lösungen und Entwicklungen. Auf der anderen Seite ist es für die Psychologie und die Sozialarbeit wichtig, dass hier die Sichtweise, das Denken und Fühlen sowie die erfahrungen beider Geschlechter einfließen. Nicht zuletzt ist die Anzahl an behandlungsbedürftigen Männern und Frauen in der Psychotherapie etwa gleich hoch – und viele männliche Patienten wünschen sich einen gleichgeschlechtlichen Therapeuten.
Bleibt zum Schluss noch die Frage nach den Einstiegsgehältern. Zwar kann man kaum Prognosen für die jetzigen Erstsemester anstellen, da niemand die Folgen der Wirtschaftskrise kennt – und weil z.B. auch im sozialen Bereich zukünftig deutlich mehr Stellen geschaffen werden müssen – alleine aufgrund der Alterung der Bevölkerung. Dennoch können die aktuellen Einstiegsgehälter eine Orientierung bieten: bei den Medizinern ist das Anfangsgehalt mit 42000€ am höchsten, gefolgt von den Wirtschaftsingenieuren mit etwa 40000€. Ingenieure und Betriebswirte liegen mit 35000€ etwa gleichauf. Lediglich die Pädagogen liegen abgeschlagen bei 26000€. Die größte Spannbreite ist bei den Juristen auszumachen. Hier kann das Einstiegsgehalt zwischen 20000€ bei einer kleinen Kanzlei und über 60000€ bei internationalen Großkanzleien und Unternehmensberatungen liegen. Von wirtschaftlichen Boomzeiten profitieren hingegen vor allem die Betriebswirte – so lag deren Einstieggehalt vor wenigen Jahren noch bei deutlich über 40000€.
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