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Profiling-Blog

In diesem Blog setzt sich Jan Bohlken, der Gründer des Profiling Instituts, regelmäßig mit den verschiedensten Themen des Bildungsbereiches auseinander. Angefangen bei Studienberatung, über Studienwahl, Bildungs- und Berufsberatung, Bachelor & Master & Co., Vorteile/Nachteile privater/staatlicher Hochschulen, die Entwicklungen auf dem deutschen Hochschulsektor usw. Er kritisiert, lobt, bezieht Stellung und sinniert... Viel Spaß bei der Lektüre!

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G8 oder G9 – die zentrale Frage?

Zwar ist das „Turbo-Abi“ in den meisten Bundesländern inzwischen angekommen und es zeigen sich auch Verbesserungen – beispielsweise durch Kürzungen in den Lehrplänen. Dennoch sind sich viele Eltern unsicher, wenn es darum geht, den Nachwuchs in acht oder neun Jahren das Abitur machen zu lassen.

Wie so oft im Bildungsbereich gibt es auch hierbei in den 16 Bundesländern keine einheitlichen Regelungen. Nicht selten bieten Gesamtschulen weiterhin das Abitur nach neun Jahren an und in Baden-Württemberg können etwa Fach- und Berufsgymnasien weiterhin neun Jahre auf dem Weg zum Abitur veranschlagen. In NRW wird darüber diskutiert, die einzelnen Schulen entscheiden zu lassen, ob sie das achtjährige oder das neunjährige Abitur anbieten möchten.

Noch vor zwei Jahren waren sehr viele Eltern und Schüler mit dem G8 unzufrieden. Inklusive Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen mussten teilweise 50 Stunden pro Woche veranschlagt werden, da die Wochenstundenzahl von etwa 30 auf 33-36 angestiegen ist. Durch die Entrümpelung der Lehrpläne konnte dieses Problem teilweise entschärft werden.

Vergleicht man das deutsche Bildungssystem mit den Schulzeiten inner- und außereuropäischer Länder, sind neun Jahre bis zum Abitur in der Tat ungewöhnlich. Daher sollte es nun weniger darum gehen, durch Wahlmöglichkeiten wieder zum alten G9 zu gelangen, sondern der Unterrichtsstoff sollte so gestaltet sein, dass er zum selbständigen Denken anregt und nicht zu sehr aufs Auswendiglernen setzt. Das bedeutet, dass auch noch Zeit für Sportvereine, Gesangsgruppen und viele andere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten und soziale Aktivitäten bleibt. Denn diese – und nicht das reine Lernen – bilden sehr stark die eigene Persönlichkeit, die später im Studium – und vor allem im Berufsleben von größter Bedeutung ist. Auch in der Schulzeit schon die Möglichkeit zu haben, sich selbst zu entdecken – um eine eigene Identität aufzubauen, sollte mit auf jedem Stundenplan stehen. Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn den Schülern genug Zeit bleibt, um sich eigenständig mit selbst gewählten Themen zu befassen. Die Pisa-Sieger machen es uns vor. Sie lassen den Schülern viele Freiräume, mit dem Ergebnis, dass neben guten Leistungen auch die Freude am Lernen in diesen Ländern überzeugt – und dies ganz ohne ständige Bewertung durch Noten.

Nicht zuletzt ist die Option, ein Auslandsjahr als Austauschschüler einzulegen - eine Erfahrung, die genutzt werden sollte. Auch dies muss der Lehrplan berücksichtigen, statt mit zu viel Inhalten und Zeitdruck Angst zu schüren. Letztlich entscheidet nicht die Menge an Inhalten über die Qualität des Unterrichts – genauso wenig wie die Anzahl der Wochenstunden, die bis zum Abitur belegt wurden.

Alleine schon der unterschiedliche Wissensstand etwa zwischen einem Abiturienten aus Bayern und einem aus Berlin zeigt, dass die annähernd gleiche Stundenzahl nicht unbedingt annähernd gleiche Ergebnisse produzieren muss.

Eltern sollten daher bei der Wahl einer Schule nicht in erster Linie darauf achten, ob diese G8 oder G9 anbietet – sondern sie sollten ein Auge darauf werden, inwiefern die Schule ihren Schülern die Möglichkeit zum selbständigen Lernen eröffnet und inwiefern alternative Lernkonzepte zum klassischen Frontalunterricht und dem Auswendiglernen für Klassenarbeiten eingesetzt werden. Nichts ist wertvoller als eine Schule, die neben dem natürlich wichtigen Schulstoff ihren Schülern die Möglichkeit bietet, sich selbst näher kennen zu lernen. Dies kommt den Schülern spätestens – aber längst nicht nur - bei der Studien- und Berufswahl zugute.




Erstellt von: Jan Bohlken am 01.03.2010 00:00 Kommentar hinzufügen
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