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Profiling-Blog

In diesem Blog setzt sich Jan Bohlken, der Gründer des Profiling Instituts, regelmäßig mit den verschiedensten Themen des Bildungsbereiches auseinander. Angefangen bei Studienberatung, über Studienwahl, Bildungs- und Berufsberatung, Bachelor & Master & Co., Vorteile/Nachteile privater/staatlicher Hochschulen, die Entwicklungen auf dem deutschen Hochschulsektor usw. Er kritisiert, lobt, bezieht Stellung und sinniert... Viel Spaß bei der Lektüre!

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Warum nicht in Holland studieren?

Wenn Abiturienten an ein Studium im Ausland denken, dann stehen die USA, Großbritannien, aber auch Frankreich, Spanien und Neuseeland weit oben auf der Wunschliste. Nur wenige denken von sich aus an ein Studium in unserem kleinen Nachbarland – den Niederlanden.

Wer nun denkt, dass Holland außer Windmühlen wenig zu bieten hat, verkennt die Niederlande. Gerade im Studienbereich zeichnen sich die holländischen Hochschulen durch einige Vorzüge gegenüber der deutschen Hochschullandschaft aus.

Zunächst kann gesagt werden, dass deutsche Studierende in Holland gern gesehene Gäste sind. Das liegt auch daran, dass die Vorbildung meist etwas besser ist als bei holländischen Studienanfängern. Bei NC-Studiengängen ist es in den Niederlanden leichter, einen Platz zu ergattern als dies in Deutschland oftmals der Fall ist. Fächer, die in Deutschland häufig von privaten Instituten angeboten werden (z.B. Logopädie) können in Holland zu einem günstigeren Preis belegt werden

An erster Stelle der Vorzüge steht jedoch mit Sicherheit das weitaus bessere Betreuungsverhältnis der Studierenden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Studierenden die Privatnummer des Professors erhalten, um diesen bei Fragen - auch abends - anzurufen, z.B. während des Anfertigens eines Referats. Auf zehn Studierende kommt im Schnitt ein Lehrkörper – ein Verhältnis, in dessen Genuss deutsche Studierende höchstens an einigen privaten Hochschulen kommen.

Darüber hinaus unterscheidet sich das Studium dadurch, dass der Frontalunterricht in  – also die klassische Vorlesung –in den Niederlanden eine viel geringere Rolle spielt. Problemorientiertes Lernen steht stattdessen im Fokus: die Studierenden werden mit einem Problem konfrontiert und sie müssen prüfen, was sie mit ihrem bisherigen Wissen zur Lösung des Problems beitragen können. Anschließend werden Lernziele vereinbart und die Studierenden müssen in Kleingruppen Wissen zusammen tragen – etwa durch Recherchen im Internet oder in der Bibliothek. Dies ist nebenbei das Lernkonzept, mit dem auch Finnland zum Pisa-Sieger wurde und das von Pädagogen als sehr erfolgreich, weil motivationsfördernd angesehen wird. Viele niederländische Hochschulen schneiden zudem in zahlreichen Rankings sehr gut ab – so z.B. auch im Fach Medizin.

Der Erwerb von Soft Skills ist niederländischen Dozenten sehr wichtig. Durch das problemorientierte Lernen üben die Studierenden Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft sowie selbständiges und innovatives Denken – Eigenschaften, die im späteren Berufsleben von großer Bedeutung sind und deren Mangel Personalchefs zuhauf beklagen. Zudem wird das Führen von Verhandlungen oder das Präsentieren gezielt geschult. Diesen Luxus bieten nur wenige deutsche Hochschulen ihren Studierenden. Das Studium in den Niederlanden gilt als eher verschult. Einerseits ist dies in Deutschland seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge ähnlich, andererseits eröffnet jedoch das problemorientierte Lernen dennoch die Freiheit, eigenständig mit dem Lernstoff umzugehen.

Auch glänzen Absolventen niederländischer Hochschulen mit guten Fremdsprachenkenntnissen. Holländisch wird meist vor dem Studium in Crash-Kursen angeboten, da der Unterricht häufig in dieser Sprache stattfindet. Allerdings fällt gerade Deutschen das Erlernen der Sprache sehr leicht – in zwei bis drei Monaten ist man sattelfest fürs Studium. Da es nur wenig niederländische Fachliteratur gibt, sind die Bücher in der Mehrzahl der Fälle auf Englisch. Dadurch sind die Absolventen in nach dem Studium in Englisch und Niederländisch sehr fit.  Etwa 30 Prozent der Studierenden in Holland sind Ausländer. Wer ein multikulturelles Lernumfeld schätzt, ist somit an niederländischen Hochschulen sehr gut aufgehoben.

Nicht zuletzt bieten die holländischen Hochschulen einen weiteren, entscheidenden Vorteil: da in den Niederlanden der Master – und nicht der Bachelor als berufsqualifizierender Abschluss gilt, wird allen Bachelorstudenten ein Platz in einem weiterführenden Masterprogramm garantiert. Auch diese Annehmlichkeit ist in Deutschland kaum anzutreffen.


Bei den ganzen Diskussionen um Bachelor- und Masterabschlüsse in den letzten Monaten gerät eine Studienform etwas aus dem Blickfeld – das duale Studium. Zwar haben viele Jugendliche schon von dieser Option gehört, jedoch herrscht meist große Verunsicherung darüber, was es mit dieser Form des Studierens auf sich hat.

Das duale Studium verbindet Theorie und Praxis viel stärker als das klassische Hochschulstudium. An erster Stelle steht hierbei nicht der Kampf um einen Studienplatz, sondern der Wettbewerb um eine Ausbildungsstelle bei einem Unternehmen. Im Rahmen des dualen Studiums gehen die Auzbis dann jedoch nicht auf eine Berufsschule, sondern auf eine Berufsakademie oder eine Fachhochschule, mit der das Unternehmen kooperiert. Dort werden dann die zur Praxis gehörenden, theorietischen Kenntnisse vermittelt. Meist wechselt man zwischen Unternehmen und Theorieausbildung alle drei Monate während der drei- bis vierjährigen Ausbildungszeit.

Duale Studiengänge werden vor allem in wirtschaftlichen und technischen Bereichen angeboten, aber auch in der Informatik, im Sozial- und Pflegebereich sowie in der Verwaltung (Wirtschafts- und Verwaltungsakademien).  Das duale Studium ist gerade bei praxisorientierten Jugendlichen sehr beliebt – dementsprechend schwer ist es, einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Die Vorteile der dualen Ausbildung liegen auf der Hand: Die Studierenden bekommen während des gesamten Studiums eine Ausbildungsvergütung, der Unterricht findet meist in überschaubaren Gruppengrößen statt als eher in kleineren Gruppen als im Hörsaal mit 800 anderen Menschen. Der Praxisbezug, den viele Studierende vermissen, ist klar hergestellt und auch persönliche Faktoren, die so genannten „Soft Skills“ werden durch die Tätigkeit im Unternehmen weitaus besser geschult. Die Praxisferne, die Studienabsolventen oft unterstellt wird, trifft auf Absolventen eines dualen Studiums nicht zu. Sie finden sich schnell im Berufsalltag zurecht und sie wissen im Studium genau, was sie später erwartet und wozu sie bestimmte Inhalte lernen. Da die Unternehmen die Ausbildung bezahlen, wird  im Ausbildungsvertrag in der Regel auch eine Anstellung für die Zeit nach dem Studium vereinbart. Einen Arbeitsplatz haben dual Studierende somit in den meisten Fällen  sicher. Nicht zuletzt erhält man am Ende des Studiums nicht nur ein Abschlusszeugnis der Hochschule, sondern meist auch den Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf (z.B. Studienabschluss in BWL und Berufsabschluss als Industriekaufmann).

Bei den Abschlüssen werden jedoch auch die Nachteile eines dualen Studiums deutlich, denn dieses Modell bietet neben vielen Vorteilen, auch zahlreiche Nachteile. In Baden-Württemberg sind die Berufsakademien zur dualen Hochschule zusammen geschlossen. Sie dürfen somit vollwertige akademische Titel verleihen. Oftmals ist der duale Studienabschluss jedoch nicht mit einem akademischen Bachelorabschluss gleich zu setzen. Dieser wird dann nicht als gleichwertig anerkannt – was zu großen Schwierigkeiten führen kann, wenn auf das Erststudium noch ein Master folgen soll. Den Absolventen dualer Studiengänge werden – da sie die Hälfte der Ausbildungszeit im Unternehmen verbringen – oft mangelnde wissenschaftliche Kenntnisse unterstellt – noch in viel stärkerem Maße als dies gelegentlich bei Fachhochschulabsolventen der Fall ist. Zudem haben die Studierenden sich im Ausbildungsvertrag meist dazu verpflichtet, nach dem Studium weiter im Unternehmen zu arbeiten. Somit fehlt dann häufig die Zeit für einen Masterabschluss. Ein Ausstieg aus dem Vertrag ist zwar möglich, in der Regel muss dann jedoch die Ausbildungsvergütung zurück erstattet werden. Ein duales Studium ist stets mit einem straffen Zeitplan verbunden. Semesterferien gibt es nicht und viele Studierende empfinden die Doppelbelastung aus Studium und Tätigkeit im Unternehmen als sehr anstrengend.

Problematisch ist auch, dass eine eigene Profilbildung im dualen Studium kaum möglich ist. Sehr unterschiedliche, frei gewählte Praktika oder Auslandssemester sind selten möglich. Gerade dies sind aber wichtige Bestandteile, um für sich selbst den eingeschlagenen Weg zu überprüfen, Erfahrungen zu sammeln, persönlich zu wachsen und „über den Tellerrand“ zu gucken. Viele Studierende entdecken erst im Laufe des Studiums die Bereiche, auf die sie ihre Schwerpunkte setzen möchten – ob sie sich beispielsweise lieber um Controlling oder Personalwesen, um die Leitung eines Krankenhauses oder eines Altenheims kümmern möchten. Diese Schwerpunktsetzung ist bei der dualen Ausbildung jedoch nicht denkbar, da im Studium der spätere Einsatz mit dem Unternehmen schon vertraglich festgelegt wurde.

Im Schnitt merken gut ein Viertel aller Studierenden im Laufe der Zeit, dass das angegangene Studium nicht zu ihnen passt – und möchten den Fachbereich komplett wechseln. Auch dies ist natürlich deutlich schwieriger, wenn das Studium durch einen bezahlten Ausbildungsvertrag unterlegt ist.

Fazit: Für Jugendliche, die schon sehr genaue Vorstellungen von ihrer späteren Tätigkeit haben und in dem entsprechenden Bereich über ausreichend Praktikaerfahrungen verfügen, kann ein duales Studium eine sinnvolle Alternative sein. Für Freigeister, die sich im Studium ausprobieren möchten, die noch nicht genau  wissen, wo sie in einigen Jahren arbeiten möchten und die viel Wert auf Auslandserfahrungen legen ist das duale Studium nicht empfehlenswert. Dasselbe gilt für Jugendliche, die in jedem Fall höhere akademische Ziele (Master, Doktorarbeit…) anstreben.

Erstellt von: Jan Bohlken am 10.03.2010 00:00 Kommentar hinzufügen
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