Duale Ausbildung · 3 JahreChemie und Handwerk · sehr kleines Feld

Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik

Eine rohe Haut würde binnen Tagen verderben – erst das Gerben macht daraus haltbares Leder. Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik steuern diesen chemisch-technischen Prozess: ein sehr kleiner Beruf mit anspruchsvoller Verfahrenstechnik.

3 Jahre
Duale Ausbildung
Gerben
Aus Haut wird Leder
Sehr klein
Wenige Gerbereien bundesweit
RCI
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik

Fachkräfte für Lederherstellung und Gerbereitechnik verarbeiten Häute zu Leder: Sie beurteilen Rohware, führen die Wasserwerkstatt, steuern Gerbverfahren, färben und fetten, trocknen und richten zu, prüfen die Qualität und dokumentieren die Prozesse.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortGerberei oder Lederfabrik plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussAbschlussprüfung vor der zuständigen Stelle
VergütungBranchentarif oder betrieblich
EinsatzorteGerbereien, Lederfabriken, Polster- und Fahrzeugleder, Lederhandel
ZugangMeist Hauptschul- oder Realschulabschluss
PerspektiveIndustriemeister, Labor, Qualitätssicherung
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Arbeitsplatz ist feucht, warm und chemikaliengeprägt – gearbeitet wird an großen Fässern, Walzen und Spannrahmen. Der Beruf verbindet körperliche Arbeit mit chemischem Prozessverständnis.

01

Rohware beurteilen

Häute sortieren, Qualität und Verwendung festlegen.

02

Wasserwerkstatt führen

Weichen, Äschern, Entkalken und Beizen steuern.

03

Gerben

Gerbfässer beschicken, Rezepturen dosieren und den Verlauf überwachen.

04

Färben und fetten

Farbstoffe und Fettungsmittel einbringen und Egalität prüfen.

05

Trocknen und zurichten

Spannen, Trocknen, Stollen, Pressen und Beschichten.

06

Qualität prüfen

Fläche, Dicke, Farbe, Griff und Echtheiten kontrollieren.

Verfahren

Wie aus Haut haltbares Leder wird

Beim Gerben werden die Kollagenfasern der Haut chemisch stabilisiert – sie können dann nicht mehr verrotten und bleiben dauerhaft geschmeidig. Welches Gerbmittel eingesetzt wird, bestimmt Eigenschaften, Farbe und Verwendung des Leders.

Chromgerbung und pflanzliche Gerbung

Die Chromgerbung ist schnell und ergibt weiches, gut färbbares Leder – sie dominiert die Produktion. Die pflanzliche Gerbung mit Rindenextrakten dauert Wochen, liefert aber festes, formbares Leder für Sattlerei und Sohlen.

Ein Nebenprodukt wird veredelt

Häute fallen als Nebenprodukt der Fleischwirtschaft an. Ohne Verarbeitung müssten sie entsorgt werden – die Gerberei macht daraus einen langlebigen Werkstoff.

Umweltauflagen prägen die Branche

Gerbereien verbrauchen Wasser und Chemikalien. Abwasserbehandlung, Chromrückgewinnung und chromfreie Verfahren sind deshalb zentrale Themen – und ein wachsender Teil der Arbeit.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Hautkunde, Gerbchemie und Anlagentechnik mit Qualitätsprüfung.
01

Hautkunde

Aufbau der Haut, Tierarten, Fehler und Verwendbarkeit.

02

Wasserwerkstatt

Weichen, Äschern, Entfleischen, Spalten und Entkalken.

03

Gerbverfahren

Chrom-, pflanzliche und alternative Gerbung im Vergleich.

04

Nasszurichtung

Neutralisieren, Nachgerben, Färben und Fetten.

05

Trocknung

Spannen, Vakuum, Hängetrocknung und Feuchtesteuerung.

06

Zurichtung

Stollen, Millen, Schleifen, Pressen und Beschichten.

07

Qualitätsprüfung

Dicke, Fläche, Reißfestigkeit, Farbechtheit und Griff.

08

Umwelt und Sicherheit

Abwasser, Chemikalien, Chromrückgewinnung und Arbeitsschutz.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt technisches Verständnis, Belastbarkeit und Sorgfalt im Umgang mit Chemikalien. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.

Formale Voraussetzungen

  • Meist Hauptschul- oder Realschulabschluss
  • Interesse an Chemie und Technik
  • Körperliche Belastbarkeit
  • Normales Farbsehen erforderlich
  • Keine Allergien gegen Chemikalien
  • Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen

Persönliche Eigenschaften

  • Prozessverständnis für chemische Abläufe
  • Sorgfalt bei Rezepturen und Dosierung
  • Auge für Farbe und Oberfläche
  • Körperliche Ausdauer
  • Sicherheitsbewusstsein bei Chemikalien
  • Zuverlässigkeit bei langen Prozessen
R
C
I

RIASEC-Profil: RCI – Realistic · Conventional · Investigative

Der Beruf verbindet körperlich-praktische Anlagenarbeit (R) mit rezeptur- und vorgabengebundener Prozessführung (C) sowie chemisch-technischem Verständnis für die Gerbung (I).

Im Labor und in der Qualitätssicherung wächst das I deutlich. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Aus Haut wird Leder?

Chemie, Technik und Handwerk. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.

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Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung folgt dem Branchentarif oder wird betrieblich vereinbart.

Vergütung und Profil nach Einsatzfeld

Einsatzfeld
Schwerpunkt
Marktlage
Hinweis
Polster- und Fahrzeugleder
Großflächen, hohe Anforderungen
stabil
größtes Segment
Technische Leder
Funktion und Beständigkeit
stabil
anspruchsvoll
Manufaktur und Sattlerleder
pflanzliche Gerbung
Nische
hochwertig
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG

Fragen Sie, welche Gerbverfahren der Betrieb einsetzt und ob ein eigenes Labor vorhanden ist. Wer beide Verfahren und die Prüfung kennt, ist deutlich breiter einsetzbar – und findet leichter Anschluss in verwandte Branchen.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind Fachkräfte gesucht, weil der Beruf sehr klein ist. Wege führen zum Industriemeister, ins Labor und in die Qualitätssicherung.

Einstieg
Branchentarif
In der Produktion
Mit Prozesskompetenz
höher
Gerbführung und Rezeptur
Meister oder Labor
oberes Segment
Mit Produktions- und Prüfverantwortung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Von der Haut zum fertigen Leder

Die dreijährige Ausbildung folgt dem Prozess: Rohware, Wasserwerkstatt, Gerbung, Färbung und Zurichtung.

1. Jahr

Grundlagen

Hautkunde, Wasserwerkstatt, Chemikalien und Arbeitssicherheit.

2. Jahr

Gerbung

Gerbverfahren, Rezepturen, Nachgerbung und Färbung.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Zurichtung und Qualität

Trocknung, Zurichtverfahren, Prüfung und Umweltauflagen.

Abschluss

Abschlussprüfung

Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Meister, Labor, Qualität

Wer die Gerbführung beherrscht, ist in dieser kleinen Branche schnell unentbehrlich. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.

Industriemeister

Der klassische Aufstiegsweg.

  • Industriemeister/in Leder
  • Produktions- und Schichtleitung
  • Ausbildungsberechtigung
  • Prozessverantwortung

Labor und Rezeptur

Der analytische Weg.

  • Gerbrezepturen entwickeln
  • Farbnachstellung
  • Echtheits- und Festigkeitsprüfung
  • Musterentwicklung

Qualität und Umwelt

Wachsendes Feld.

  • Qualitätssicherung
  • Abwasser und Chromrückgewinnung
  • Chromfreie Verfahren
  • Audits und Zertifizierung

Techniker und Studium

Mit Erfahrung möglich.

  • Techniker/in Lederverarbeitung
  • B.Eng. Ledertechnik
  • Chemietechnik
  • Umwelttechnik
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Ein chemisch-technischer Nischenberuf mit stabilen Segmenten – und fordernder Arbeitsumgebung.

Was für den Beruf spricht

  • Verbindung von Chemie und Handwerk
  • Polster- und Fahrzeugleder als stabiles Feld
  • Praktisch keine Bewerberkonkurrenz
  • Nachhaltige Verwertung eines Nebenprodukts
  • Umweltverfahren als Zukunftsthema
  • Klare Wege ins Labor und zum Meister

Was Sie wissen sollten

  • Feuchte, warme und geruchsintensive Umgebung
  • Umgang mit Chemikalien
  • Körperlich fordernd
  • Sehr wenige Ausbildungsbetriebe
  • Umzug für die Ausbildung wahrscheinlich
  • Branche steht unter Umweltdruck
Abgrenzung

Lederherstellung vs. Fachkraft für Lederverarbeitung vs. Produktveredler Textil

Drei Berufe der Materialveredelung im Vergleich.

Kriterium
Fachkraft für Lederherstellung
Fachkraft für Lederverarbeitung
Produktveredler/in Textil
Aufgabe
Haut zu Leder gerben
Leder zu Produkten
Textilien färben und ausrüsten
Dauer
3 Jahre
2 Jahre
3 Jahre
Chemieanteil
sehr hoch
gering
sehr hoch
Körperliche Belastung
hoch
mittel
mittel
Näharbeit
keine
zentral
keine
Berufsfeldgröße
winzig
winzig
klein
RIASEC-Profil
RCI
RCA
RCI
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Wirtschaftlich am stabilsten sind Polster- und Fahrzeugleder sowie technische Leder – dort gelten hohe Anforderungen, die standortnahe Fertigung begünstigen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, welche Gerbverfahren der Betrieb einsetzt und ob es ein eigenes Labor gibt. Wer beide Verfahren kennt, ist deutlich breiter einsetzbar.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was mich an diesem Beruf interessiert, ist der Gedanke dahinter: Häute fallen als Nebenprodukt der Fleischwirtschaft an und müssten sonst entsorgt werden. Die Gerberei macht daraus einen sehr langlebigen Werkstoff. Man sollte allerdings wissen, dass die Arbeitsumgebung feucht, warm und geruchsintensiv ist – ein Praktikum klärt das schnell.“

Häufige Fragen

Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik – FAQ

Sie verarbeitet Häute zu Leder: Rohware beurteilen und sortieren, in der Wasserwerkstatt weichen, äschern und entkalken, die Gerbfässer beschicken und den Verlauf steuern, färben und fetten, das Leder trocknen und durch Stollen, Pressen und Beschichten zurichten sowie Dicke, Farbe, Griff und Festigkeit prüfen.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

Die Kollagenfasern der Haut werden chemisch stabilisiert. Eine rohe Haut würde binnen Tagen verrotten; durch das Einlagern von Gerbstoffen zwischen die Fasern wird sie dauerhaft haltbar und bleibt geschmeidig. Zugleich verändern sich Wärmebeständigkeit und Wasserverhalten. Welcher Gerbstoff verwendet wird, bestimmt die späteren Eigenschaften des Leders.

Tempo und Ergebnis. Die Chromgerbung dauert nur Stunden bis Tage und liefert weiches, gut färbbares und wärmebeständiges Leder – sie dominiert die Produktion für Polster, Bekleidung und Schuhe. Die pflanzliche Gerbung mit Rindenextrakten dauert Wochen und ergibt festes, formbares Leder, wie es in Sattlerei, Taschenbau und für Sohlen gebraucht wird.

Mit erheblichem Aufwand. Gerbereien verbrauchen viel Wasser und Chemikalien, weshalb Abwasserbehandlung und Kreislaufführung Standard sind. Chrom wird zunehmend zurückgewonnen statt eingeleitet, und chromfreie Gerbverfahren gewinnen an Bedeutung. Diese Themen sind fester Ausbildungsinhalt – und ein wachsendes Aufgabenfeld.

Meist genügt ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen die mittlere Reife. Wichtig sind Interesse an Chemie, technisches Verständnis und körperliche Belastbarkeit. Voraussetzung ist zudem, dass keine Allergien gegen Chemikalien bestehen – und eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber Gerüchen.

Je nach Verfahren Tage bis Wochen. Die Wasserwerkstatt beansprucht mehrere Tage, die Chromgerbung selbst nur Stunden bis wenige Tage. Die pflanzliche Gerbung dagegen zieht sich über Wochen bis Monate hin, weil die großen Gerbstoffmoleküle langsam in die Haut eindringen. Danach folgen Färbung, Trocknung und Zurichtung.

Der erste Abschnitt der Lederherstellung vor der eigentlichen Gerbung. Die konservierten Häute werden geweicht, um Salz und Schmutz zu lösen, im Äscher von Haaren und Oberhaut befreit, entfleischt und gespalten sowie anschließend entkalkt und gebeizt. Erst danach kann der Gerbstoff in die Faserstruktur eindringen.

Klein, aber beständig. Die Lederverarbeitung ist in Deutschland stark geschrumpft – geblieben sind hochwertige Nischen: Polsterleder für Fahrzeuge und Möbel, technische Leder, Reitsport, Orthopädie und Manufakturprodukte. Weil kaum jemand diese Berufe erlernt, sind Fachkräfte knapp und gesucht. Die Betriebe liegen verstreut, sodass ein Umzug wahrscheinlich ist.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Ein chemisch-technischer Nischenberuf. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Fachkraft für Lederherstellung und Gerbereitechnik nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
  • Gerbung: chemische Stabilisierung der Kollagenfasern zur dauerhaften Haltbarmachung der Haut bei erhaltener Geschmeidigkeit.
  • Gerbverfahren: Chromgerbung mit kurzer Prozessdauer und weichem Ergebnis gegenüber pflanzlicher Gerbung mit langer Dauer und festem, formbarem Leder.
  • Umweltaspekte: Wasser- und Chemikalieneinsatz mit Abwasserbehandlung, Chromrückgewinnung und zunehmender Bedeutung chromfreier Verfahren.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.