Duale Ausbildung · 3 JahreEiner der seltensten Berufe Deutschlands

Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in: Ausbildung

Eine Kerze muss gleichmäßig abbrennen, ohne zu rußen oder zu tropfen – das hängt von Wachs, Docht und Form ab. Kerzenherstellerinnen und Wachsbildner beherrschen dieses Zusammenspiel: einer der seltensten Ausbildungsberufe überhaupt.

3 Jahre
Duale Ausbildung
Docht und Wachs
Abstimmung entscheidet
Sehr selten
Nur wenige Betriebe
RAC
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in

Kerzenherstellerinnen und Wachsbildner fertigen und gestalten Kerzen und Wachsobjekte: Sie bereiten Wachse auf, ziehen und gießen Kerzen, wählen und setzen Dochte, verzieren und gestalten Oberflächen, prüfen das Abbrandverhalten und stellen Sonderanfertigungen her.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortKerzenmanufaktur oder Wachswarenbetrieb plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussAbschlussprüfung vor der zuständigen Stelle
VergütungBetrieblich vereinbart
EinsatzorteKerzenmanufakturen, Wachswarenbetriebe, Kirchenbedarf, Handel
ZugangMeist Hauptschul- oder Realschulabschluss
PerspektiveMusterfertigung, Produktentwicklung, Selbstständigkeit
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Gearbeitet wird an Zieh- und Gießanlagen sowie am Gestaltungstisch – warm, mit flüssigem Wachs. Der Beruf verbindet serienmäßige Fertigung mit gestalterischer Einzelarbeit: Von der Haushaltskerze bis zur verzierten Osterkerze.

01

Wachs aufbereiten

Wachsarten mischen, schmelzen, färben und Temperatur führen.

02

Kerzen ziehen

Dochte mehrfach durch das Wachsbad führen und Schicht für Schicht aufbauen.

03

Gießen und pressen

Formen befüllen, entformen und Oberflächen nacharbeiten.

04

Dochte wählen

Dochtart und -stärke auf Wachs und Durchmesser abstimmen.

05

Gestalten

Verzieren, Bemalen, Applizieren und Wachsobjekte formen.

06

Abbrand prüfen

Brennverhalten testen, Rußbildung und Abbrandzeit bewerten.

Abstimmung

Warum der Docht über alles entscheidet

Ein zu dünner Docht ertrinkt im Wachs, ein zu dicker rußt und lässt die Kerze tropfen. Dochtart und -stärke müssen auf Wachsart und Kerzendurchmesser abgestimmt sein – das ist die zentrale fachliche Leistung.

Ziehen oder Gießen

Beim Ziehen wird der Docht wiederholt durch flüssiges Wachs geführt, bis der gewünschte Durchmesser erreicht ist – das ergibt besonders gleichmäßige Kerzen. Beim Gießen entstehen Formen und Objekte, die sich anders nicht herstellen lassen.

Verschiedene Wachse, verschiedenes Verhalten

Paraffin, Stearin, Bienenwachs und pflanzliche Wachse unterscheiden sich in Schmelzpunkt, Schwindung und Abbrand. Die Mischung bestimmt, wie sich die Kerze verhält – und ob sie sich sauber entformen lässt.

Kirchenbedarf als stabile Nische

Oster-, Tauf- und Altarkerzen werden aufwendig gestaltet und beständig nachgefragt. Dieses Segment ist gestalterisch anspruchsvoll und wirtschaftlich verlässlicher als Massenware.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Wachskunde, Fertigungsverfahren und Gestaltung mit Abbrandprüfung.
01

Wachskunde

Paraffin, Stearin, Bienenwachs, pflanzliche Wachse und Zusätze.

02

Dochtkunde

Dochtarten, Stärken, Verhalten und Abstimmung.

03

Ziehverfahren

Wachsbad, Temperatur, Schichtaufbau und Gleichmäßigkeit.

04

Gieß- und Pressverfahren

Formen, Schwindung, Entformen und Nacharbeit.

05

Farbe und Oberfläche

Färben, Tauchen, Polieren und Beschichten.

06

Gestaltung

Verzieren, Applizieren, Bemalen und Wachsplastik.

07

Abbrandprüfung

Brennverhalten, Ruß, Tropfen und Sicherheit.

08

Recht und Sicherheit

Kennzeichnung, Brandschutz, heißes Wachs und Arbeitsschutz.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt Sorgfalt, Formgefühl und Geduld. Wer gestalten und zugleich fertigen möchte, findet einen seltenen Weg. Ob Sie diese Anforderungen mitbringen, ist keine Frage des Zutrauens, sondern der Diagnostik. Eine professionelle Berufsberatung liefert dazu eine belastbare Einschätzung.

Formale Voraussetzungen

  • Meist Hauptschul- oder Realschulabschluss
  • Handwerkliches Geschick
  • Formgefühl und Farbverständnis
  • Sorgfältiges Arbeiten
  • Hitzeverträglichkeit
  • Keine Allergien gegen Wachse und Farben

Persönliche Eigenschaften

  • Gefühl für Material und Temperatur
  • Formgefühl bei der Gestaltung
  • Geduld bei Zieh- und Musterarbeit
  • Sorgfalt bei Dochtwahl und Prüfung
  • Sauberkeit am Arbeitsplatz
  • Belastbarkeit in der Saison
R
A
C

RIASEC-Profil: RAC – Realistic · Artistic · Conventional

Der Beruf verbindet handwerkliche Fertigung an Wachs und Anlagen (R) mit gestaltender Verzierung und Objektarbeit (A) sowie rezeptur- und prüfgebundener Ausführung (C).

Bei Sonderanfertigungen und Kirchenbedarf tritt das A stärker hervor. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Kerzen und Wachsobjekte?

Fertigung und Gestaltung zugleich. Der Berufswahltest hilft weiter.

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Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung wird betrieblich vereinbart; die Betriebe sind meist klein.

Vergütung und Rahmenbedingungen

Merkmal
Ausgestaltung
Hinweis
Bedeutung
Betriebliche Vergütung
kleine Manufakturen
meist ohne Tarif
eher mittel
Ausbildungsplätze
sehr wenige bundesweit
hohe Seltenheit
Umzug wahrscheinlich
Kirchenbedarf
aufwendige Gestaltung
beständige Nachfrage
beste Perspektive
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG
bindende Untergrenze

Fragen Sie, ob der Betrieb auch gestaltete Kerzen und Sonderanfertigungen herstellt – etwa Kirchenbedarf. Dieses Segment ist gestalterisch anspruchsvoller und wirtschaftlich verlässlicher als reine Massenfertigung.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist das Feld winzig, die Konkurrenz gering. Wege führen in die Musterfertigung, die Produktentwicklung und in die Selbstständigkeit.

Einstieg
betrieblich vereinbart
In der Fertigung
Mit Gestaltungskompetenz
höher
Sonderanfertigungen und Kirchenbedarf
Muster oder Selbstständigkeit
sehr unterschiedlich
Abhängig von Auftragslage
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Wachs zur fertigen Kerze

Die dreijährige Ausbildung führt von Wachs- und Dochtkunde über die Fertigungsverfahren bis zur Gestaltung.

1. Jahr

Grundlagen

Wachskunde, Dochtkunde, Ziehverfahren und Arbeitssicherheit.

2. Jahr

Fertigung

Gießen, Pressen, Färben, Oberflächen und Abbrandprüfung.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Gestaltung

Verzieren, Wachsplastik, Sonderanfertigungen und Kennzeichnung.

Abschluss

Abschlussprüfung

Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Muster, Entwicklung, Selbstständigkeit

Wer gestalten und fertigen zugleich kann, findet in diesem kleinen Feld gute Möglichkeiten. Welcher Entwicklungsweg wirtschaftlich und persönlich trägt, sollte nicht dem Zufall überlassen bleiben. Eine Berufsberatung hilft, die Entscheidung fundiert vorzubereiten.

Musterfertigung und Gestaltung

Der anspruchsvollste Weg.

  • Sonderanfertigungen
  • Kirchen- und Anlasskerzen
  • Wachsplastik und Objekte
  • Entwurf und Umsetzung

Produktentwicklung

Der technische Weg.

  • Neue Wachsmischungen erproben
  • Dochtabstimmung optimieren
  • Abbrandverhalten verbessern
  • Serienvorbereitung

Selbstständigkeit

Häufiger Weg.

  • Eigene Manufaktur
  • Kurse und Workshops
  • Direktvertrieb und Märkte
  • Auftragsfertigung

Fortbildung

Mit Erfahrung möglich.

  • Industriemeister/in
  • Gestaltung und Design
  • Betriebswirtschaftliche Weiterbildung
  • Produktentwicklung
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Ein sehr seltener Beruf zwischen Fertigung und Gestaltung – mit starker Saison.

Was für den Beruf spricht

  • Fertigung und Gestaltung in einem Beruf
  • Kirchenbedarf als beständige Nische
  • Praktisch keine Bewerberkonkurrenz
  • Sichtbares, sinnliches Produkt
  • Selbstständigkeit gut möglich
  • Vielseitige Verfahren und Materialien

Was Sie wissen sollten

  • Extrem wenige Ausbildungsplätze
  • Starke Saisonspitzen zum Jahresende
  • Arbeit mit heißem Wachs
  • Vergütung meist ohne Tarifbindung
  • Umzug für die Ausbildung wahrscheinlich
  • Preisdruck durch Importware
Abgrenzung

Kerzenhersteller vs. Keramiker vs. Spielzeughersteller

Drei kleine Fertigungs- und Gestaltungsberufe.

Kriterium
Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in
Keramiker/in
Spielzeughersteller/in
Werkstoff
Wachs
Ton und Keramik
Holz, Kunststoff, Textil
Gestaltungsanteil
hoch
sehr hoch
mittel
Prüfanteil
mittel
gering
sehr hoch
Saisonalität
sehr hoch
mittel
hoch
Selbstständigkeit
häufig
sehr häufig
selten
Berufsfeldgröße
winzig
klein
sehr klein
RIASEC-Profil
RAC
ARC
RCA
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Wirtschaftlich am verlässlichsten ist der Kirchenbedarf: Oster-, Tauf- und Altarkerzen werden aufwendig gestaltet und beständig nachgefragt – anders als Massenware, die unter Importdruck steht. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, ob Ihr Betrieb dieses Segment bedient und ob Sie an Sonderanfertigungen mitarbeiten.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Der fachliche Kern dieses Berufs ist unscheinbar, aber entscheidend: der Docht. Ist er zu dünn, ertrinkt er im Wachs und die Kerze erlischt; ist er zu dick, rußt sie und tropft. Dochtart und -stärke müssen auf Wachs und Durchmesser abgestimmt sein. Wer dieses Zusammenspiel versteht, beherrscht das Handwerk.“

Häufige Fragen

Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in – FAQ

Er fertigt und gestaltet Kerzen und Wachsobjekte: Wachse mischen, schmelzen und färben, Kerzen durch wiederholtes Ziehen aufbauen oder in Formen gießen, den passenden Docht auswählen und setzen, Oberflächen verzieren und gestalten sowie das Abbrandverhalten prüfen.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

Weil sie über das gesamte Brennverhalten entscheidet. Ein zu dünner Docht erzeugt eine zu kleine Flamme – das Wachs schmilzt nicht vollständig ab, der Docht ertrinkt. Ein zu dicker Docht erzeugt eine zu große Flamme, die rußt und die Kerze tropfen lässt. Dochtart und -stärke müssen deshalb auf Wachsart und Durchmesser abgestimmt werden.

Verfahren und Ergebnis. Beim Ziehen wird der Docht wiederholt durch flüssiges Wachs geführt; mit jedem Durchgang wächst der Durchmesser um eine dünne Schicht. Das ergibt besonders gleichmäßige, dichte Kerzen. Beim Gießen wird Wachs in Formen gefüllt – so entstehen Formkerzen und Objekte, die sich durch Ziehen nicht herstellen ließen.

Mehrere mit unterschiedlichem Verhalten. Paraffin ist am verbreitetsten – günstig und gut verarbeitbar. Stearin brennt härter und formstabiler. Bienenwachs hat einen charakteristischen Duft und wird besonders im Kirchenbedarf verwendet. Hinzu kommen pflanzliche Wachse. Schmelzpunkt, Schwindung und Abbrand unterscheiden sich deutlich.

Meist genügt ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen die mittlere Reife. Wichtig sind handwerkliches Geschick, Formgefühl und Sorgfalt. Hitzeverträglichkeit ist Voraussetzung, weil mit flüssigem Wachs gearbeitet wird. Ein Praktikum zeigt schnell, ob die Arbeit zusagt.

Der gestaltende Teil des Berufs. Während die Kerzenherstellung auf Fertigung zielt, geht es hier um Verzierung und Objektarbeit: aufgelegte Wachsornamente, Reliefs, bemalte Flächen und frei geformte Wachsplastiken. Besonders bei Oster-, Tauf- und Anlasskerzen ist diese gestalterische Arbeit gefragt – oft als Einzelanfertigung.

Sehr ausgeprägt. Der größte Teil des Jahresumsatzes entfällt auf das Herbst- und Wintergeschäft; produziert wird dafür bereits im Frühjahr und Sommer. In der Hochphase sind Überstunden üblich. Kirchenkerzen folgen einem eigenen Rhythmus mit Spitzen vor Ostern und Weihnachten.

Klein, aber beständig. Das Feld ist deutlich geschrumpft, und die Zahl der Betriebe ist gering – dafür erlernen kaum noch Menschen diese Techniken, sodass gute Fachkräfte knapp und gefragt sind. Tragfähig sind vor allem Restaurierung, Sonderanfertigung und Reparatur, wo maschinelle Fertigung nicht weiterhilft. Viele arbeiten später selbstständig oder mit mehreren Standbeinen.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Ein sehr seltener Beruf zwischen Fertigung und Gestaltung. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Kerzenhersteller/in und Wachsbildner/in nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
  • Dochtabstimmung: Anpassung von Dochtart und -stärke an Wachsart und Kerzendurchmesser zur Vermeidung von Ertrinken, Rußbildung und Tropfen.
  • Fertigungsverfahren: Ziehen durch wiederholtes Führen des Dochts durch das Wachsbad sowie Gießen und Pressen für Formkerzen und Objekte.
  • Wachsarten: Paraffin, Stearin, Bienenwachs und pflanzliche Wachse mit unterschiedlichen Schmelzpunkten, Schwindungswerten und Abbrandeigenschaften.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.