Duale Ausbildung · 3 JahreEiner der seltensten Berufe · Formenbau für Keramik

Figurenkeramformer/in: Ausbildung und Karriere

Eine Porzellanfigur entsteht nicht am Stück – sie wird aus vielen einzeln gegossenen Teilen zusammengesetzt. Figurenkeramformerinnen und -former bauen die Formen dafür und garnieren die Teile: einer der seltensten Ausbildungsberufe überhaupt.

3 Jahre
Duale Ausbildung
Formenbau
Gipsformen für den Schlickerguss
Sehr selten
Nur wenige Manufakturen
RAC
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Figurenkeramformer/in

Figurenkeramformerinnen und -former bauen Formen für keramische Figuren und fertigen sie: Sie zerlegen ein Modell gedanklich in Formteile, bauen Gipsformen, gießen mit Schlicker, entformen, setzen die Einzelteile zusammen, verputzen die Nähte und bereiten die Stücke für den Brand vor.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortPorzellan- oder Keramikmanufaktur plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussAbschlussprüfung vor der zuständigen Stelle
VergütungBetrieblich oder Branchentarif
EinsatzortePorzellanmanufakturen, Keramikbetriebe, Figurenhersteller
ZugangMeist mittlerer Schulabschluss, Mappe häufig erwartet
PerspektiveModellbau, Musterfertigung, Restaurierung
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Gearbeitet wird in der Gießerei und im Formenbau – mit Gips, Schlicker und feinem Werkzeug. Die Arbeit ist feucht, staubig und hochkonzentriert: Eine Figur besteht oft aus einem Dutzend Teilen, die exakt zusammenpassen müssen.

01

Modell analysieren

Figur in Formteile zerlegen und Teilungen festlegen.

02

Formen bauen

Gipsformen und Mutterformen herstellen, Passungen und Entlüftung anlegen.

03

Gießen

Schlicker einfüllen, Scherbenstärke überwachen und überschüssige Masse abgießen.

04

Entformen

Teile im richtigen Trocknungszustand vorsichtig aus der Form nehmen.

05

Garnieren

Einzelteile mit Schlicker zusammensetzen und ausrichten.

06

Verputzen

Nähte und Grate entfernen, Oberfläche glätten und für den Brand vorbereiten.

Teilung

Warum eine Figur aus vielen Formteilen besteht

Eine Form muss sich öffnen lassen, ohne das Stück zu beschädigen. Bei Figuren mit Armen, Falten und Hinterschneidungen geht das nur, wenn sie in viele Teilformen zerlegt wird. Diese Teilung richtig zu planen, ist die Kernkompetenz des Berufs.

Schlickerguss braucht Gefühl

Beim Gießen zieht der Gips Wasser aus dem Schlicker, sodass sich an der Formwand eine Schicht aufbaut. Wann die richtige Scherbenstärke erreicht ist, entscheidet Erfahrung – und bestimmt die Wandstärke der Figur.

Garnieren ist die Kunst

Die Einzelteile werden im lederharten Zustand mit Schlicker verbunden. Sie müssen exakt sitzen und dieselbe Feuchte haben – sonst reißen die Nähte beim Trocknen oder Brennen auf.

Formen verschleißen

Eine Gipsform kann nur eine begrenzte Zahl von Güssen liefern, danach werden die Konturen unscharf. Deshalb werden aus Mutterformen laufend neue Arbeitsformen abgenommen.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Werkstoffkunde, Formenbau und Gießtechnik mit Garnier- und Verputzarbeit.
01

Werkstoffkunde

Tone, Porzellanmassen, Gips, Schlicker und Brennverhalten.

02

Modellanalyse

Hinterschneidungen erkennen, Teilungen und Aushebung planen.

03

Formenbau

Arbeits- und Mutterformen, Passmarken, Entlüftung und Trennmittel.

04

Gießtechnik

Schlickerführung, Scherbenstärke, Standzeit und Abgießen.

05

Trocknung

Lederharter Zustand, Schwindung, Rissvermeidung und Lagerung.

06

Garnieren

Anbringen von Teilen, Ausrichtung, Schlickerverbindung und Stabilität.

07

Verputzen

Nahtbearbeitung, Oberflächenglättung und Detailausarbeitung.

08

Brand und Sicherheit

Brennvorgänge, Schwindung, Gipsstaub und Arbeitsschutz.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt räumliches Denken, Feingefühl und große Geduld. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.

Formale Voraussetzungen

  • Meist mittlerer Schulabschluss erwartet
  • Ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen
  • Feinmotorik und ruhige Hand
  • Arbeitsmappe häufig gefordert
  • Geduld und Ausdauer
  • Keine Allergien gegen Gipsstaub

Persönliche Eigenschaften

  • Räumliches Denken bei der Formteilung
  • Feingefühl beim Entformen und Garnieren
  • Geduld bei vielteiligen Figuren
  • Auge für Form und Proportion
  • Sorgfalt bei Nähten und Oberflächen
  • Bereitschaft zu feuchter Arbeit
R
A
C

RIASEC-Profil: RAC – Realistic · Artistic · Conventional

Der Beruf verbindet handwerkliche Form- und Gießarbeit (R) mit gestaltendem Gespür für Figur und Oberfläche (A) sowie maß- und verfahrensgebundener Ausführung (C).

Im Modellbau tritt das A deutlicher hervor. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Formen für Keramik bauen?

Sehr selten, sehr fein. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.

Berufswahltest starten →
Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung wird betrieblich oder nach Branchentarif gezahlt.

Vergütung und Rahmenbedingungen

Merkmal
Ausgestaltung
Hinweis
Bedeutung
Manufakturbetrieb
Figuren und Serienteile
meist Branchentarif
solide Grundlage
Ausbildungsplätze
nur wenige bundesweit
sehr hohe Seltenheit
Umzug wahrscheinlich
Formenbaukompetenz
auch außerhalb gefragt
Modell- und Formenbau
erweitert die Wege
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG
bindende Untergrenze

Fragen Sie, ob Sie auch im Modellbau und an Mutterformen arbeiten. Wer Formen selbst entwickelt statt nur abzugießen, beherrscht den anspruchsvollsten Teil – und wird später auch außerhalb der Keramik gebraucht.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist das Feld winzig, die Konkurrenz aber praktisch nicht vorhanden. Wege führen in den Modellbau, in die Musterfertigung und in die Restaurierung.

Einstieg
betrieblich oder Branchentarif
In Formenbau und Gießerei
Mit Modellbaukompetenz
höher
Neuentwicklungen und Mutterformen
Muster oder Restaurierung
oberes Segment
Mit gestalterischer Verantwortung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Modell zur fertigen Figur

Die dreijährige Ausbildung führt von Werkstoff- und Formenkunde über die Gießtechnik bis zum eigenständigen Garnieren.

1. Jahr

Grundlagen

Werkstoffkunde, Gipsverarbeitung, einfache Formen und Sicherheit.

2. Jahr

Formenbau und Guss

Teilungen, Mutterformen, Schlickerguss und Trocknung.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Garnieren und Verputzen

Vielteilige Figuren, Nahtbearbeitung, Brandvorbereitung.

Abschluss

Abschlussprüfung

Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Modellbau, Muster, Restaurierung

Wer Formen selbst entwickelt, beherrscht den wertvollsten Teil dieses Berufs. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.

Modell- und Formenbau

Der anspruchsvollste Weg.

  • Neue Modelle umsetzen
  • Teilungen entwickeln
  • Mutterformen anfertigen
  • Zusammenarbeit mit Gestaltung

Musterfertigung

Der gestalterische Weg.

  • Prototypen und Erstmuster
  • Serienvorbereitung
  • Optimierung schwieriger Formen
  • Qualitätsbeurteilung

Restaurierung

Gefragte Nische.

  • Historische Figuren ergänzen
  • Formen nach Vorlage rekonstruieren
  • Zusammenarbeit mit Museen
  • Sammlerbetreuung

Fortbildung

Mit Erfahrung möglich.

  • Keramiker/in als zweite Ausbildung
  • Techniker/in Keramiktechnik
  • Gestaltung und Design
  • Betriebliche Weiterbildung
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Ein winziger, feinhandwerklicher Beruf – mit hoher Erfüllung und sehr wenigen Plätzen.

Was für den Beruf spricht

  • Feinhandwerkliche, gestalterische Arbeit
  • Formenbaukompetenz ist übertragbar
  • Praktisch keine Bewerberkonkurrenz
  • Sichtbares, hochwertiges Produkt
  • Restaurierung als reizvolle Nische
  • Verbindung von Technik und Gestaltung

Was Sie wissen sollten

  • Extrem wenige Ausbildungsplätze
  • Umzug für die Ausbildung fast sicher
  • Feuchte, staubige Arbeitsumgebung
  • Belastung für Hände und Rücken
  • Vergütung eher im mittleren Bereich
  • Sehr kleines Berufsfeld
Abgrenzung

Figurenkeramformer vs. Keramiker vs. Technischer Modellbauer

Drei Berufe rund um Form und Modell im Vergleich.

Kriterium
Figurenkeramformer/in
Keramiker/in
Technische/r Modellbauer/in
Schwerpunkt
Formenbau und Guss
Gestaltung und Drehen
technische Modelle
Werkstoff
Porzellan und Gips
Ton und Keramik
Holz, Kunststoff, Metall
Gestaltungsanteil
mittel
sehr hoch
mittel
Räumliches Denken
sehr hoch
hoch
sehr hoch
Berufsfeldgröße
winzig
klein
klein
CAD-Anteil
gering
gering
hoch
RIASEC-Profil
RAC
ARC
RCI
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Dieser Beruf ist einer der seltensten überhaupt – das bedeutet praktisch keine Konkurrenz, aber auch sehr wenige Plätze und meist einen Umzug. Wirtschaftlich hilfreich ist, dass die Formenbaukompetenz übertragbar ist: Wer Teilungen plant und Mutterformen baut, wird auch im Modell- und Formenbau anderer Branchen gebraucht.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was diesen Beruf so anspruchsvoll macht, ist das räumliche Denken. Eine Form muss sich öffnen lassen, ohne die Figur zu beschädigen – bei Armen, Falten und Hinterschneidungen geht das nur, wenn man sie in viele Teilformen zerlegt. Diese Teilung vorher im Kopf durchzuspielen, ist die eigentliche Kunst.“

Häufige Fragen

Figurenkeramformer/in – FAQ

Er baut Formen für keramische Figuren und fertigt sie: das Modell gedanklich in Formteile zerlegen und Teilungen festlegen, Gipsformen und Mutterformen herstellen, mit Schlicker gießen und die Scherbenstärke überwachen, die Teile entformen, sie im lederharten Zustand garnieren und die Nähte verputzen.

Häufig ja. Gestaltende Berufe verlangen meist eine Arbeitsmappe mit eigenen Entwürfen, Zeichnungen oder Materialproben. Sie zeigt Formgefühl, Farbverständnis und Ausdauer – und wiegt im Bewerbungsverfahren meist schwerer als das Zeugnis. Fragen Sie beim Betrieb nach, was genau erwartet wird, und beginnen Sie früh mit dem Sammeln.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

Das Gießverfahren für Hohlkeramik. Flüssige Tonmasse – der Schlicker – wird in eine Gipsform gefüllt. Der Gips entzieht ihr Wasser, sodass sich an der Formwand eine feste Schicht aufbaut. Nach der richtigen Standzeit wird der überschüssige Schlicker abgegossen; zurück bleibt ein Hohlkörper mit gleichmäßiger Wandstärke.

Das Zusammensetzen der einzelnen Gussteile zu einer Figur. Arme, Beine, Kopf und Attribute werden im lederharten Zustand mit Schlicker verbunden. Entscheidend ist, dass alle Teile dieselbe Feuchte haben und exakt sitzen – sonst reißen die Verbindungen beim Trocknen oder im Brand auf. Eine anspruchsvolle Figur kann ein Dutzend Teile umfassen.

Ein Zwischenzustand der Trocknung. Der Scherben ist nicht mehr weich und verformbar, aber auch noch nicht durchgetrocknet – er lässt sich schneiden, verputzen und mit Schlicker verbinden, ohne zu brechen. Nur in diesem Zeitfenster kann garniert werden, weshalb der Trocknungsverlauf genau beobachtet wird.

Meist einen mittleren Schulabschluss. Entscheidend ist ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen – Sie müssen Teilungen und Hohlräume dreidimensional durchdenken. Hinzu kommen Feinmotorik und Geduld. Viele Betriebe erwarten zusätzlich eine Arbeitsmappe mit plastischen oder zeichnerischen Arbeiten.

Weil sie bei jedem Guss Wasser aufnehmen und abgeben – das nutzt die Oberfläche ab. Nach einer begrenzten Zahl von Güssen werden die Konturen unscharf und feine Details verschwinden. Deshalb bewahrt man Mutterformen auf, von denen laufend neue Arbeitsformen abgenommen werden.

Klein, aber beständig. Das Feld ist deutlich geschrumpft, und die Zahl der Betriebe ist gering – dafür erlernen kaum noch Menschen diese Techniken, sodass gute Fachkräfte knapp und gefragt sind. Tragfähig sind vor allem Restaurierung, Sonderanfertigung und Reparatur, wo maschinelle Fertigung nicht weiterhilft. Viele arbeiten später selbstständig oder mit mehreren Standbeinen.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Ein winziger, feinhandwerklicher Beruf. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Figurenkeramformer/in nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
  • Schlickerguss: Aufbau der Scherbenstärke durch Wasserentzug der Gipsform mit anschließendem Abgießen des überschüssigen Schlickers.
  • Formteilung: Zerlegung des Modells in Teilformen zur beschädigungsfreien Entformung bei Hinterschneidungen.
  • Garnieren: Verbindung der Einzelteile im lederharten Zustand mit Schlicker unter Beachtung gleicher Materialfeuchte.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.