Revierjäger/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Jagd als Beruf – nicht als Hobby: Revierjägerinnen und Revierjäger betreuen Jagdreviere und Wildbestände hauptberuflich. Sie hegen und bejagen Wild, schützen die Waldverjüngung, betreuen Gäste und verarbeiten Wildbret. Ein sehr kleiner Beruf mit hohen Zugangshürden.
Kurzüberblick: Revierjäger/in
Revierjägerinnen und Revierjäger bewirtschaften Jagdreviere: Sie beobachten und zählen Wildbestände, erstellen Abschusspläne und setzen sie um, betreuen Wildäcker und Fütterungen, bauen und pflegen jagdliche Einrichtungen, schützen Kulturen vor Wildschäden, versorgen erlegtes Wild und führen Jagdgäste.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Beruf richtet sich nach Jahreszeit und Tageszeit: Ansitz in der Dämmerung, Drückjagden im Winter, Revierarbeit im Sommer. Wochenenden und frühe Morgen gehören dazu. Vieles geschieht allein – Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit sind deshalb entscheidend.
Wild beobachten und zählen
Bestände erfassen, Verhalten dokumentieren und Entwicklungen einschätzen.
Bejagen
Abschusspläne umsetzen, waidgerecht erlegen und Nachsuchen durchführen.
Reviere hegen
Wildäcker anlegen, Fütterungen betreuen, Deckung und Ruhezonen schaffen.
Wildschäden verhüten
Verbiss und Schäl kontrollieren, Kulturen schützen und Zäune bauen.
Wildbret versorgen
Wild fachgerecht aufbrechen, kühlen, zerwirken und hygienisch vermarkten.
Jagdgäste führen
Ansitze zuweisen, Drückjagden organisieren und Sicherheit gewährleisten.
Vom Jäger zum Wildtiermanager
Der Beruf hat sich gewandelt: Im Vordergrund steht heute das Wildtiermanagement – angepasste Bestände, die eine natürliche Waldverjüngung ermöglichen. Hinzu kommen Wildbrethygiene und Tierseuchenprävention als fest geregelte Aufgabenfelder.
Wald und Wild
Der Waldumbau zu klimastabilen Beständen gelingt nur, wenn junge Bäume nicht verbissen werden. Damit ist die Regulierung der Schalenwildbestände zu einer forstlichen Kernaufgabe geworden – und der Revierjäger zur Schlüsselfigur.
Wildbret als Lebensmittel
Erlegtes Wild ist ein Lebensmittel und unterliegt strengen Hygienevorschriften. Fachgerechtes Aufbrechen, Kühlung, Zerwirken und Dokumentation gehören fest zur Ausbildung.
Hohe Zugangshürden
Ausbildungsplätze sind sehr selten. Meist wird der Jagdschein bereits vorausgesetzt, dazu praktische Vorerfahrung im Revier. Wer den Beruf anstrebt, sollte früh Kontakte aufbauen.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Wildbiologie
Arten, Lebensweise, Äsung, Fortpflanzung und Populationsdynamik.
Hege und Lebensraum
Wildäcker, Deckung, Ruhezonen, Fütterung und Biotoppflege.
Jagdbetrieb
Ansitz, Pirsch, Drückjagd, Nachsuche und Jagdhundewesen.
Waffen und Ballistik
Handhabung, Sicherheit, Pflege und rechtliche Vorgaben.
Wildschadensverhütung
Verbiss, Schäl, Schutzmaßnahmen und Zaunbau.
Wildbrethygiene
Aufbrechen, Kühlkette, Zerwirken, Untersuchung und Vermarktung.
Tierseuchen
Afrikanische Schweinepest, Tollwut, Monitoring und Meldewege.
Recht und Naturschutz
Jagd-, Waffen-, Tierschutz- und Naturschutzrecht.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Naturkenntnis, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Wer bereit ist, Jagd als Arbeit statt als Freizeit zu verstehen, findet einen seltenen Beruf. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.
Formale Voraussetzungen
- Meist Jagdschein vor Ausbildungsbeginn erwartet
- Praktische Vorerfahrung im Revier hilfreich
- Mindestens Hauptschulabschluss, oft mittlere Reife
- Gesundheitliche und waffenrechtliche Eignung
- Führerschein ist praktisch Voraussetzung
- Wetterfestigkeit und körperliche Belastbarkeit
Persönliche Eigenschaften
- Selbstständigkeit – vieles geschieht allein
- Geduld und Ausdauer beim Ansitz
- Beobachtungsgabe für Wild und Lebensraum
- Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Waffen
- Emotionale Stabilität beim Erlegen von Tieren
- Kommunikationsstärke gegenüber Jagdgästen
RIASEC-Profil: RIE – Realistic · Investigative · Enterprising
Der Beruf verbindet praktische Arbeit im Revier (R) mit wildbiologischem Verständnis und Bestandsbeurteilung (I) sowie eigenverantwortlicher Revierführung und Gästebetreuung (E).
Das I ist gewachsen: Wildtiermanagement verlangt Daten und Beurteilung. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Jagd als Beruf?
Sehr selten, mit hohen Zugangshürden. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung liegt im Agrar- und Forstbereich; häufig kommen Sachbezüge wie Dienstwohnung oder Fahrzeug hinzu.
Vergütung und Rahmenbedingungen
Klären Sie vorab, ob eine Dienstwohnung gestellt wird und wie sie angerechnet wird. Fragen Sie zudem, ob der Betrieb staatlich oder privat ist – staatliche Reviere bieten meist planbarere Bedingungen und klarere Aufstiegswege.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind die Stellen rar, die Konkurrenz aber ebenfalls gering. Wege führen zum Berufsjäger, in die Revierleitung sowie in das Wildtiermanagement bei Forstbetrieben und Behörden.
Ausbildungsablauf: Von der Wildbiologie zur Revierverantwortung
Die dreijährige Ausbildung führt von Wildkunde und Hege über Jagdpraxis und Recht bis zur eigenständigen Betreuung eines Reviers.
Grundlagen
Wildbiologie, Lebensraum, Reviereinrichtungen, Waffenhandhabung und Sicherheit.
Jagdpraxis und Hege
Bejagung, Nachsuche, Wildäcker, Wildschadensverhütung und Hundewesen.
Etwa nach der Hälfte
Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Management und Hygiene
Abschussplanung, Wildbrethygiene, Tierseuchen, Recht und Gästeführung.
Abschlussprüfung
Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.
Karrierewege: Berufsjäger, Revierleitung, Management
Der Beruf führt in ein sehr kleines, aber stabil nachgefragtes Feld – besonders bei staatlichen Forstbetrieben. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.
Berufsjäger und Revierleitung
Der klassische Weg.
- Geprüfte/r Berufsjäger/in
- Revierleitung
- Ausbildungsberechtigung
- Verantwortung für mehrere Reviere
Fachlich spezialisieren
Gefragte Vertiefungen.
- Wildtiermanagement und Monitoring
- Nachsuche und Jagdhundewesen
- Wildbretvermarktung
- Wildschadensgutachten
Forst und Behörde
Weg aus dem eigenen Revier.
- Landesforstbetriebe
- Untere Jagdbehörden
- Wildparks und Naturparke
- Tierseuchenmonitoring
Fortbildung und Studium
Mit Meister auch ohne Abitur möglich.
- B.Sc. Forstwirtschaft
- Wildtiermanagement
- Naturschutz und Landschaftsplanung
- Agrarwissenschaften
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein sehr seltener Beruf mit hoher Selbstständigkeit – und einem Alltag, der sich nicht nach Wochentagen richtet.
Was für den Beruf spricht
- Beruf mit hoher Eigenverantwortung
- Arbeit in der Natur zu jeder Jahreszeit
- Wildtiermanagement gewinnt forstlich an Bedeutung
- Sehr geringe Bewerberkonkurrenz
- Häufig Dienstwohnung im Revier
- Wildbretvermarktung als Zusatzstandbein
Was Sie wissen sollten
- Sehr wenige Ausbildungsplätze
- Jagdschein meist bereits vorausgesetzt
- Arbeit zu Dämmerungs- und Nachtzeiten
- Wochenend- und Feiertagseinsätze
- Emotional fordernd – Töten gehört dazu
- Jagd wird gesellschaftlich kritisch diskutiert
Revierjäger vs. Forstwirt vs. Tierpfleger
Drei Berufe mit Natur- und Tierbezug und klarer Abgrenzung.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Die Zugangshürde ist hier die entscheidende Information: In aller Regel wird der Jagdschein bereits vor Ausbildungsbeginn erwartet, dazu praktische Vorerfahrung im Revier. Wer diesen Beruf anstrebt, sollte früh Kontakte zu Revieren und Forstbetrieben aufbauen. Fachlich hat sich der Beruf gewandelt: Wildtiermanagement für eine gelingende Waldverjüngung steht heute im Vordergrund.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Zwei Punkte spreche ich hier immer an. Erstens: Jagd als Beruf ist etwas anderes als Jagd als Hobby – Sie töten Tiere nach Plan, auch wenn Sie keine Lust haben, und Sie versorgen sie anschließend. Das verlangt emotionale Stabilität. Zweitens: Jagd wird gesellschaftlich diskutiert. Wer den Beruf wählt, sollte sachlich erklären können, warum Bestandsregulierung für den Waldumbau notwendig ist.“
Revierjäger/in – FAQ
In aller Regel ja. Auch wenn er rechtlich nicht überall zwingend vorgeschrieben ist, erwarten die meisten Ausbildungsbetriebe den Jagdschein bereits bei Bewerbung – häufig zusammen mit praktischer Vorerfahrung im Revier. Weil Plätze sehr selten sind, entscheidet oft genau diese Vorleistung.
Sehr wenige – der Beruf gehört zu den kleinsten in Deutschland. Ausgebildet wird in privaten und staatlichen Revieren, bei Forstbetrieben und in Wildparks. Rechnen Sie mit bundesweiter Suche und einem Umzug. Dafür ist die Konkurrenz bei entsprechender Vorbereitung überschaubar.
Für die Grünen Berufe handeln die Tarifpartner der Landwirtschaft eigene Sätze aus; die Landwirtschaftskammern erklären sie als angemessen im Sinne von § 17 BBiG. Die aktuellen Werte gelten seit dem 1. Mai 2026 und liegen über der gesetzlichen Untergrenze von 724 / 854 / 977 €. Bei Unterbringung im Betrieb werden zudem Sachbezüge angerechnet – fragen Sie danach, weil sie die Auszahlung spürbar verändern.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Die Steuerung von Wildbeständen auf ein Maß, das der Lebensraum verträgt. Zentral ist heute die Waldverjüngung: Der Umbau zu klimastabilen Mischwäldern gelingt nur, wenn junge Bäume nicht verbissen werden. Dazu gehören Bestandserfassung, Abschussplanung, Lebensraumgestaltung und die Kontrolle von Verbiss- und Schälschäden.
Meist genügt ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe erwarten die mittlere Reife. Deutlich wichtiger als der Abschluss sind Jagdschein, praktische Vorerfahrung und ein Führerschein. Hinzu kommen die waffenrechtliche Zuverlässigkeit sowie gesundheitliche Eignung und Wetterfestigkeit.
Sehr unregelmäßig. Der Beruf richtet sich nach Jahres- und Tageszeit: Ansitz in der Dämmerung, Drückjagden im Winter, Revierarbeit im Sommer. Wochenenden und frühe Morgenstunden gehören fest dazu. Dafür arbeiten Sie weitgehend selbstbestimmt und teilen sich vieles selbst ein.
Das ist eine Frage, die man sich vorher ehrlich stellen sollte. Bejagung erfolgt planmäßig und nicht nach Stimmung; hinzu kommen Nachsuchen auf verletztes Wild und die Versorgung von Fallwild. Viele Berufsjäger beschreiben ihre Haltung als von Respekt geprägt – erforderlich sind emotionale Stabilität und eine klare eigene Begründung.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein sehr seltener Beruf mit hohen Zugangshürden. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Revierjäger/Revierjägerin nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung im Ausbildungsbereich Landwirtschaft.
- Jagdrecht: Bundesjagdgesetz und Jagdgesetze der Länder; Waffen- und Tierschutzrecht als weitere Grundlagen.
- Wildtiermanagement: Regulierung der Schalenwildbestände als Voraussetzung für eine gelingende natürliche Waldverjüngung im Zuge des Waldumbaus.
- Wildbrethygiene: erlegtes Wild als Lebensmittel mit Anforderungen an Aufbrechen, Kühlkette, Untersuchung und Vermarktung.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €); Sachbezüge für Unterkunft mit neuen Werten seit Januar 2026.
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.