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Thermometermacher/in: Ausbildung und Karriere
Ein Glasthermometer misst nur dann richtig, wenn Kapillare, Füllung und Skala exakt zusammenpassen – und das lässt sich nicht rechnen, sondern muss geprüft werden. Thermometermacherinnen und -macher fertigen diese Messgeräte: einer der seltensten Berufe Deutschlands.
Kurzüberblick: Thermometermacher/in
Thermometermacherinnen und -macher fertigen und prüfen Glasthermometer: Sie ziehen und bearbeiten Kapillarrohre, formen Vorratsgefäße, füllen Messflüssigkeit ein, schließen die Geräte, kalibrieren gegen Referenzpunkte, bringen die Skala auf und prüfen die Messgenauigkeit.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Gearbeitet wird an der Flamme und am Prüfplatz – sitzend, hochkonzentriert, mit feinsten Glasröhren. Das Besondere: Das Produkt ist nicht das Glas, sondern die Messgenauigkeit. Sie entsteht erst durch Prüfen und Justieren.
Kapillaren prüfen
Rohre auf gleichmäßigen Innendurchmesser messen und auswählen.
Glas formen
Vorratsgefäß anblasen, Kapillare ansetzen und Verbindungen herstellen.
Füllen
Messflüssigkeit einbringen, entlüften und den Gerätekopf verschließen.
Kalibrieren
Gegen Fixpunkte prüfen und die Anzeigepunkte bestimmen.
Skala aufbringen
Teilung anreißen oder drucken, ätzen und einbrennen.
Prüfen und dokumentieren
Messabweichung ermitteln, bewerten und Prüfnachweise erstellen.
Warum jede Kapillare vermessen wird
Kein gezogenes Glasrohr ist über seine ganze Länge exakt gleich weit. Weil die Steighöhe der Flüssigkeit direkt vom Innendurchmesser abhängt, wird jede Kapillare vermessen und die Skala individuell angepasst – nicht umgekehrt.
Fixpunkte statt Rechnung
Kalibriert wird gegen physikalisch definierte Fixpunkte – etwa den Gefrier- und Siedepunkt von Wasser unter festgelegten Bedingungen. Zwischen diesen Punkten wird die Teilung aufgetragen.
Vom Quecksilber zu Ersatzflüssigkeiten
Quecksilberthermometer sind weitgehend durch Alternativen ersetzt worden. Die Ersatzflüssigkeiten verhalten sich anders – das verändert Füllung, Steigverhalten und Justage.
Glas bleibt in Nischen unersetzt
Digitale Sensoren dominieren den Alltag. In Labor, Referenzmessung und Prüfwesen werden Glasthermometer aber weiter gebraucht – robust, ohne Strom und langzeitstabil.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Werkstoffkunde Glas
Glasarten, Ausdehnung, Erweichung und Spannungen.
Kapillartechnik
Ziehen, Vermessen, Auswahl und Kalibrierung der Rohre.
Flammenarbeit
Anblasen, Ansetzen, Verschmelzen und Entspannen.
Fülltechnik
Messflüssigkeiten, Entlüften, Einfüllen und Verschließen.
Messtechnik
Temperaturskalen, Fixpunkte, Ausdehnung und Fehlerquellen.
Kalibrierung
Referenzmessung, Justage, Toleranzen und Klassen.
Skalentechnik
Teilung, Ätzen, Einbrennen und Beschriftung.
Prüfwesen und Sicherheit
Nachweise, Dokumentation, Gefahrstoffe und Arbeitsschutz.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt höchste Präzision, Geduld und Interesse an Messtechnik. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.
Formale Voraussetzungen
- Meist mittlerer Schulabschluss erwartet
- Gute Noten in Physik und Mathematik
- Ruhige Hand und Feinmotorik
- Sehr gutes Sehvermögen
- Hitzeverträglichkeit
- Geduld und Ausdauer
Persönliche Eigenschaften
- Höchste Präzision bei Skala und Justage
- Ruhige Hand an der Flamme
- Geduld bei Prüfreihen
- Interesse an physikalischen Zusammenhängen
- Sorgfalt bei der Dokumentation
- Konzentration über lange Zeiträume
RIASEC-Profil: RCI – Realistic · Conventional · Investigative
Der Beruf verbindet feinhandwerkliche Glasbearbeitung (R) mit norm- und nachweisgebundener Fertigung (C) sowie physikalisch-messtechnischem Verständnis (I).
In der Kalibrierung wächst das I deutlich. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Messtechnik aus Glas?
Präzision und Physik, sehr selten. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung wird betrieblich vereinbart; die Betriebe sind sehr klein.
Vergütung und Rahmenbedingungen
Fragen Sie, ob der Betrieb auch Kalibrierung und Prüfwesen abdeckt. Wer Messgeräte justieren und Nachweise führen kann, ist auch in der allgemeinen Messtechnik gefragt – das erweitert die beruflichen Möglichkeiten deutlich.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung ist das Feld winzig, die Konkurrenz praktisch nicht vorhanden. Wege führen in die Kalibrierung, die Qualitätssicherung und in die Messtechnik allgemein.
Ausbildungsablauf: Vom Glasrohr zum geprüften Messgerät
Die dreijährige Ausbildung führt von Glaskunde und Flammenarbeit über die Fülltechnik bis zur Kalibrierung.
Grundlagen
Glaskunde, Flammenarbeit, Kapillartechnik und Arbeitssicherheit.
Fertigung
Formen, Füllen, Verschließen und erste Messreihen.
Etwa nach der Hälfte
Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Kalibrierung
Fixpunkte, Justage, Skalentechnik, Toleranzen und Nachweise.
Abschlussprüfung
Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.
Karrierewege: Kalibrierung, Qualität, Messtechnik
Wer kalibrieren und Nachweise führen kann, ist weit über diesen Beruf hinaus gefragt. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.
Kalibrierung vertiefen
Der wertvollste Weg.
- Referenzmessungen durchführen
- Justage und Toleranzklassen
- Prüfnachweise erstellen
- Ringversuche begleiten
Qualitätssicherung
Verantwortungsvoller Weg.
- Prüfplanung und Freigaben
- Fehleranalyse
- Dokumentation und Audits
- Einweisung von Kolleginnen
In die Messtechnik
Breiteres Feld.
- Industrielle Messtechnik
- Prüflabore
- Gerätebetreuung
- Technischer Kundendienst
Fortbildung
Mit Erfahrung möglich.
- Techniker/in Feinwerktechnik
- Qualitätsmanagement
- Messtechnische Lehrgänge
- Glasapparatebau als Vertiefung
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein winziger Präzisionsberuf mit physikalischem Kern – und sehr wenigen Plätzen.
Was für den Beruf spricht
- Feinhandwerk mit physikalischem Anspruch
- Kalibrierkompetenz ist übertragbar
- Praktisch keine Bewerberkonkurrenz
- Ruhige, saubere Werkstattarbeit
- Glasthermometer bleiben in Nischen unersetzt
- Klarer Weg in die Qualitätssicherung
Was Sie wissen sollten
- Extrem wenige Ausbildungsplätze
- Umzug für die Ausbildung fast sicher
- Digitale Sensoren verdrängen viele Anwendungen
- Sehr monotone Prüfreihen
- Belastung für Augen und Nacken
- Vergütung meist ohne Tarifbindung
Thermometermacher vs. Glasbläser und Glasapparatebauer vs. Werkstoffprüfer
Drei Berufe zwischen Glas und Prüftechnik.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Dieser Beruf ist einer der seltensten überhaupt – entsprechend gibt es kaum Konkurrenz, aber auch nur wenige Plätze. Wirtschaftlich hilfreich ist, dass die Kalibrierkompetenz übertragbar ist: Wer Messgeräte justieren und Prüfnachweise führen kann, wird auch in der allgemeinen Messtechnik gebraucht. Fragen Sie, ob der Betrieb diesen Bereich abdeckt.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Ein Detail erklärt diesen Beruf gut: Kein Glasrohr ist über seine ganze Länge exakt gleich weit. Weil die Steighöhe vom Innendurchmesser abhängt, wird jede Kapillare vermessen – und die Skala danach angepasst, nicht umgekehrt. Das Produkt ist also nicht das Glas, sondern die Genauigkeit.“
Thermometermacher/in – FAQ
Er fertigt und prüft Glasthermometer: Kapillarrohre auf gleichmäßigen Innendurchmesser vermessen und auswählen, das Vorratsgefäß anblasen und die Kapillare ansetzen, Messflüssigkeit einfüllen und verschließen, gegen Fixpunkte kalibrieren, die Skala aufbringen sowie die Messabweichung ermitteln und dokumentieren.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Weil die Steighöhe der Flüssigkeit direkt vom Innendurchmesser abhängt. Kein gezogenes Glasrohr ist über seine gesamte Länge exakt gleich weit – schon geringe Abweichungen würden die Anzeige verfälschen. Deshalb wird jede Kapillare einzeln vermessen und die Skala individuell angepasst, statt eine Standardteilung aufzubringen.
Vor allem als Referenz und in rauen Umgebungen. Sie arbeiten ohne Strom und Elektronik, sind unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen und über lange Zeiträume stabil – digitale Sensoren driften dagegen und müssen nachkalibriert werden. Deshalb dienen Glasthermometer in Laboren und im Prüfwesen häufig als Bezugsnormal.
Meist einen mittleren Schulabschluss. Wichtig sind gute Noten in Physik und Mathematik, weil Ausdehnung, Skalenteilung und Messabweichungen verstanden werden müssen. Hinzu kommen eine ruhige Hand, sehr gutes Sehvermögen und Geduld – die Arbeit an der Flamme und am Prüfplatz verlangt anhaltende Konzentration.
Ruhig und stark gegliedert. Ein Teil der Zeit entfällt auf die Flammenarbeit – Kapillaren ansetzen, Gefäße formen, verschließen. Der andere Teil ist Messen und Prüfen: kalibrieren, Skalenpunkte bestimmen, Abweichungen erfassen und dokumentieren. Gearbeitet wird überwiegend sitzend in gleichmäßiger Umgebung.
Physikalisch genau definierte Temperaturen, die sich reproduzierbar herstellen lassen – klassisch der Gefrier- und der Siedepunkt von Wasser unter festgelegtem Druck. Sie dienen als Bezug: Zwischen diesen bekannten Punkten wird die Anzeige geprüft und die Teilung aufgetragen. Ohne solche Referenzen ließe sich kein Messgerät zuverlässig kalibrieren.
Kaum noch. Quecksilber ist weitgehend durch Ersatzflüssigkeiten abgelöst worden – etwa gefärbte Alkohole. Diese verhalten sich physikalisch anders: Sie dehnen sich stärker aus, benetzen die Glaswand und haben andere Einsatzgrenzen. Für die Fertigung bedeutet das veränderte Füllverfahren und eine andere Justage.
Klein, aber mit stabilen Nischen. Digitale Sensoren haben viele Alltagsanwendungen übernommen. Glasthermometer bleiben jedoch dort gefragt, wo Robustheit, Stromunabhängigkeit und Langzeitstabilität zählen – in Laboren, in der Referenzmessung und im Prüfwesen. Weil kaum jemand den Beruf erlernt, sind Fachkräfte knapp.
Klein, aber beständig. Das Feld ist deutlich geschrumpft, und die Zahl der Betriebe ist gering – dafür erlernen kaum noch Menschen diese Techniken, sodass gute Fachkräfte knapp und gefragt sind. Tragfähig sind vor allem Restaurierung, Sonderanfertigung und Reparatur, wo maschinelle Fertigung nicht weiterhilft. Viele arbeiten später selbstständig oder mit mehreren Standbeinen.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein winziger Präzisionsberuf mit physikalischem Kern. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Thermometermacher/in nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
- Kapillarvermessung: individuelle Ermittlung des Innendurchmessers als Grundlage der Skalenteilung, da die Steighöhe unmittelbar davon abhängt.
- Kalibrierung: Bezug auf physikalisch definierte Fixpunkte wie Gefrier- und Siedepunkt von Wasser unter festgelegten Bedingungen.
- Messflüssigkeiten: weitgehende Ablösung von Quecksilber durch Ersatzflüssigkeiten mit abweichendem Ausdehnungs- und Benetzungsverhalten.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.