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Berufsbild · Gesundheit & Pflege

Hebamme werden: Seit 2020 ein Studium – und ein Mangelberuf

Der Zugang zum Hebammenberuf hat sich grundlegend geändert: Seit 2020 ist die klassische Fachschulausbildung durch ein duales Studium ersetzt. Wer sich heute informiert, findet oft noch veraltete Angaben. Dieses Berufsbild beschreibt den aktuellen Weg, die tatsächliche Vergütung nach TVK und die beiden sehr verschiedenen Arbeitsformen – angestellt in der Klinik oder freiberuflich.

38.000 – 65.000 €Jahresbrutto angestellt nach TVK
6 – 8 Semesterduales Bachelorstudium seit 2020
MangelberufEngpass in Kreissaal und Wochenbettbetreuung
SIRRIASEC-Eignungsprofil
Die Reform in einem Satz: Mit dem Hebammengesetz von 2020 wurde der Beruf akademisiert. Die Ausbildung erfolgt seither als duales Bachelorstudium von sechs bis acht Semestern mit Praxisanteil an einer kooperierenden Klinik; Zugangsvoraussetzung ist in der Regel die Fachhochschulreife. Wer nach der alten Fachschulausbildung sucht, sucht ein Auslaufmodell.

Was Hebammen wirklich tun

Der Beruf reicht weit über die Geburt hinaus. Hebammen betreuen eigenverantwortlich die gesamte Spanne von der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit – und sie tun das mit einer Kompetenz, die im deutschen Gesundheitswesen selten ist: Die physiologische, also regelrecht verlaufende Geburt dürfen Hebammen ohne ärztliche Beteiligung leiten. Erst bei Regelabweichungen wird der Arzt hinzugezogen.

Die vier Tätigkeitsfelder im Hebammenberuf mit typischem Arbeitsort. Quelle: Profiling Institut, Berufsbilder-Lexikon 2026.
FeldInhaltWo
SchwangerenvorsorgeVorsorgeuntersuchungen, Beratung, GeburtsvorbereitungPraxis, Hausbesuch, ambulant
GeburtshilfeBegleitung und Leitung der Geburt, Überwachung von Mutter und KindKreissaal, Geburtshaus, Hausgeburt
WochenbettbetreuungRückbildung, Stillberatung, Versorgung des Neugeborenenüberwiegend Hausbesuch
Kurse und BeratungGeburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik, Still- und Ernährungsberatungeigene Praxis, Familienzentren

Der Weg seit der Reform

  1. ZugangsvoraussetzungIn der Regel Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife. Einige Länder lassen den Zugang auch mit abgeschlossener Pflegeausbildung und Berufserfahrung zu.
  2. Bewerbung um einen dualen StudienplatzDer Studienplatz ist an einen Praxisvertrag mit einer Klinik gekoppelt – ohne diesen kein Studium. Die Bewerbung läuft deshalb häufig zuerst über das Krankenhaus, nicht über die Hochschule.
  3. Duales Bachelorstudium (6 – 8 Semester)Theorie an der Hochschule, Praxis im Kreissaal, auf der Wöchnerinnenstation und in der ambulanten Betreuung. Die Praxisvergütung liegt je nach Träger bei rund 1.200 bis 1.400 € brutto monatlich.
  4. Staatliche Prüfung und BerufszulassungDer Bachelorabschluss ist mit der staatlichen Prüfung verbunden. Mit der Urkunde folgt die Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung.
  5. Angestellt, freiberuflich – oder beidesViele beginnen angestellt in der Klinik und bauen parallel eine freiberufliche Wochenbettbetreuung auf. Die Kombination ist der häufigste Weg, weil sie Sicherheit und Selbstbestimmung verbindet.

Vergütung 2026

Gehalt Hebamme 2026: 38.000 € im unteren Dezil, Median 48.000 €, 80.000 € im oberen Dezil, im Vergleich zum Berufsfeld Gesundheit & Medizin
Gehalt Hebamme 2026. Die Spanne reicht von 38.000 € im unteren bis 80.000 € im oberen Dezil; der Median liegt bei 48.000 €.
Vergütung im Hebammenberuf 2026. Angestellte werden nach TVK bzw. TVöD vergütet, Freiberufliche rechnen über den Hebammenhilfevertrag mit den Krankenkassen ab. Quelle: Profiling Institut, Berufsbilder-Lexikon 2026.
KonstellationKontextBrutto/Jahr
Studium, Praxisphaseduale Vergütung durch die Klinik14.000 – 17.000 €
Berufseinstieg, angestelltKlinik, TVK-Eingruppierung38.000 – 45.000 €
Erfahrene Hebamme, angestelltmit Zulagen für Schicht, Nacht und Wochenende45.000 – 58.000 €
Leitende HebammeKreissaalleitung55.000 – 65.000 €
Freiberuflich, Wochenbett und Kurseohne Geburtshilfe, planbarer35.000 – 55.000 € Überschuss
Freiberuflich mit GeburtshilfeBeleghebamme oder Hausgeburt50.000 – 80.000 € Überschuss

Bei der Freiberuflichkeit ist ein Posten entscheidend, der oft übersehen wird: die Berufshaftpflichtversicherung für Geburtshilfe. Ihre Prämie liegt im fünfstelligen Bereich pro Jahr und ist der Hauptgrund, warum viele freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe aufgegeben haben und sich auf Vor- und Nachsorge beschränken. Ein Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen federt das teilweise ab.

Eignungsprofil

Das RIASEC-Profil ist SIR – Social, Investigative, Realistic. Der soziale Anteil dominiert klar, aber der Beruf ist keine reine Beziehungsarbeit: Er verlangt medizinische Beurteilungsfähigkeit und praktisches Handwerk unter Zeitdruck.

Passt gutWer in Ausnahmesituationen ruhig bleibt. Wer Verantwortung für zwei Leben tragen kann, ohne daran zu zerbrechen. Wer Schichtdienst und Rufbereitschaft mit der eigenen Lebenssituation vereinbaren kann. Und wer Freude daran hat, Menschen in einem der prägendsten Momente ihres Lebens zu begleiten.
Passt schlechtWer planbare Arbeitszeiten braucht – Geburten richten sich nicht nach dem Dienstplan. Wer die emotionale Belastung unterschätzt: Auch Totgeburten und Komplikationen gehören zum Beruf. Und wer die körperliche Seite übersieht, die über Jahrzehnte fordert.

Häufige Fragen

Wie wird man Hebamme?

Seit 2020 über ein duales Bachelorstudium von sechs bis acht Semestern. Der Studienplatz ist an einen Praxisvertrag mit einer Klinik gekoppelt. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel die Fachhochschulreife. Die klassische Fachschulausbildung gibt es nicht mehr.

Was verdient eine Hebamme?

Angestellt in der Klinik liegt der Einstieg bei 38.000 bis 45.000 € im Jahr, mit Erfahrung und Zulagen bei 45.000 bis 58.000 €, als Kreissaalleitung bei 55.000 bis 65.000 €. Freiberuflich reicht der Überschuss je nach Leistungsspektrum von 35.000 bis 80.000 €.

Kann man ohne Abitur Hebamme werden?

In der Regel wird die Fachhochschulreife verlangt. Einige Bundesländer eröffnen den Zugang auch über eine abgeschlossene Pflegeausbildung mit Berufserfahrung. Die Regelungen unterscheiden sich, ein Blick in das jeweilige Landesrecht lohnt sich.

Dürfen Hebammen ohne Arzt entbinden?

Ja, bei einer physiologisch, also regelrecht verlaufenden Geburt. Hebammen leiten diese eigenverantwortlich. Erst bei Regelabweichungen ist ein Arzt hinzuzuziehen. Umgekehrt darf ein Arzt eine Geburt nicht ohne Hebamme leiten.

Warum haben so viele Hebammen die Geburtshilfe aufgegeben?

Wegen der Berufshaftpflichtprämie für freiberufliche Geburtshilfe, die im fünfstelligen Bereich pro Jahr liegt. Viele beschränken sich deshalb auf Vorsorge, Wochenbettbetreuung und Kurse. Ein Sicherstellungszuschlag der Krankenkassen gleicht das nur teilweise aus.

Ist Hebamme ein Mangelberuf?

Ja. Der Engpass betrifft besonders die Kreissaalbesetzung und die ambulante Wochenbettbetreuung; in vielen Regionen finden Schwangere nur schwer eine Nachsorgehebamme. Die Akademisierung soll die Attraktivität erhöhen, wirkt aber erst mittelfristig.

Können Männer Hebamme werden?

Ja. Die gesetzliche Beschränkung auf Frauen wurde bereits 1985 aufgehoben. Die Berufsbezeichnung lautet einheitlich Hebamme, unabhängig vom Geschlecht. Der Männeranteil ist gleichwohl verschwindend gering.

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Gesundheitsberuf – aber welcher?

Hebamme, Pflegefachkraft, Physiotherapie oder ein Studium der Medizin verlangen sehr unterschiedliche Belastbarkeit, Arbeitsrhythmen und Nähe zum Patienten. Eine strukturierte Eignungsanalyse hilft, das vor der Studienplatzbewerbung zu klären.

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Quellen und Stand. Zugangsweg und Akademisierung nach dem Hebammengesetz (HebG) in der Fassung von 2020 und der Studien- und Prüfungsverordnung für Hebammen (HebStPrV). Vergütung nach Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte bzw. TVöD-Pflege sowie Marktbeobachtung des Profiling Instituts zur freiberuflichen Tätigkeit. Abrechnung freiberuflicher Leistungen über den Hebammenhilfevertrag nach § 134a SGB V. RIASEC-Zuordnung nach Holland, Eignungseinschätzung nach DIN 33430. Stand: August 2026. Verwandt: Pflegefachkraft · Physiotherapeut · Arzt · alle Berufsbilder.

Passt dieser Beruf zu Ihnen?

Hebamme ist ein möglicher Weg – ob er zu Ihnen passt, entscheidet sich an drei Dingen: Fähigkeiten, Motiven und Marktbedarf. Der Ratgeber Welcher Beruf passt zu mir? führt durch alle drei Ebenen. Der kostenlose Berufswahltest für Erwachsene liefert in sieben Minuten Ihren Holland-Code.