Zurück zur Berufsbilder-Übersicht · 60+ Berufsprofile im Vergleich
Berufsbild · Bildung & Erziehung

Lehrer / Pädagoge: Studium, Referendariat, Gehalt & Karriere 2026

Lehrerinnen und Lehrer gestalten Bildung – das entscheidende Fundament für individuelle Lebenschancen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ein Beruf mit großem gesellschaftlichem Vertrauen, stabiler Beschäftigung und (als Beamter) sehr guter sozialer Absicherung – und gleichzeitig erheblichem Lehrermangel, wachsender Belastung und permanenter öffentlicher Debatte. Der vollständige Ratgeber 2026.

42.000 –
90.000 € Jahresgehalt / -bezüge
SAI
RIASEC-Idealprofil
40.000
fehlende Lehrer DE bis 2030 (KMK)
Verbeamtung
meist möglich · Unkündbarkeit
DIN 33430 zertifiziert
25+ Jahre Beratungspraxis
Gehaltsdaten 2025 / 2026
RIASEC-Eignungsprofil
Aktualisiert: Januar 2026

Was macht ein Lehrer / eine Lehrerin?

Lehrerinnen und Lehrer unterrichten Schülerinnen und Schüler in Fachgebieten, begleiten ihre persönliche Entwicklung und bereiten sie auf Prüfungen und das Leben vor. Das klingt nach einer klaren Beschreibung – aber der Lehrberuf ist so vielfältig wie die Schulen und Fächer, in denen er ausgeübt wird. Die Grundschullehrerin in der 2. Klasse und der Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik führen formal den gleichen Titel und haben fundamental verschiedene Ausbildungen, Tätigkeiten und Lebenswelten.

Was Lehren von fast allen anderen Berufen unterscheidet: Der Wirkungsradius. Wer in 35 Jahren Berufsleben 25–30 Schüler pro Klasse unterrichtet, hat direkten Einfluss auf etwa 2.000–3.000 Menschen in deren prägendsten Lebensjahren. Kein Unternehmensberater, kein Marketingmanager und kein Softwareentwickler hat diesen direkten, langfristigen Einfluss auf so viele Menschen. Diese gesellschaftliche Bedeutung ist kein abstraktes Ideal – sie zeigt sich jeden Tag im Unterricht, im Gespräch mit dem überforderten Schüler und in dem Moment wenn jemand 20 Jahre später schreibt: „Sie haben damals etwas in mir geweckt."

Der Beruf befindet sich 2026 unter erheblichem Druck: Die KMK (Kultusministerkonferenz) prognostiziert bis 2030 einen Fehlbedarf von 40.000 Lehrerstellen bundesweit. Besonders betroffen: MINT-Fächer, Sonderpädagogik und Grundschulen. Digitalisierung verändert den Unterricht: Tablets, KI-Lernassistenten und Lernplattformen sind in vielen Schulen bereits Realität. Inklusion erweitert die Anforderungen: Lehrer betreuen Klassen mit immer heterogeneren Lernvoraussetzungen, teils ohne ausreichende Unterstützung.

Unterrichtsvorbereitung
Stunden konzipieren, Materialien erstellen oder anpassen, Lehrplankonformität sicherstellen, Differenzierungsmaterial für verschiedene Leistungsniveaus entwickeln. Pro Unterrichtsstunde rechnet man mit 1–2 Stunden Vorbereitung – die wichtigste unsichtbare Arbeit.
Unterricht halten
Stoff vermitteln, Fragen stellen und beantworten, Diskussionen moderieren, Verständnis prüfen, auf spontane Schülerreaktionen eingehen. Kernaufgabe – aber nur ca. 50–60 % der Gesamtarbeitszeit. Der Rest ist unsichtbar.
Leistungsbeurteilung & Notengebung
Klassenarbeiten und Klausuren konzipieren, bewerten, korrigieren und besprechen. Mündliche Beiträge und Unterrichtsverhalten fair beurteilen. Zeugnisse schreiben. Für Gymnasiallehrer mit 6 Klassen: bis zu 150 Klausuren pro Halbjahr.
Elternarbeit & Beratung
Elternsprechtage, Elternabende, telefonische Gespräche bei Problemen. Schullaufbahnberatung: Welche Schulform passt? Welcher Abschluss ist realistisch? Als Klassenlehrkraft: erste Ansprechperson für Eltern und Schüler.
Klassenleitung & Verwaltung
Als Klassenlehrerin: Fehlzeiten erfassen, Entschuldigungen prüfen, Klassenkonferenzen leiten, Zeugnisse koordinieren, Klassenbuch führen, Ausflüge organisieren. Verwaltungsaufwand der in den letzten Jahren zugenommen hat.
Förderung & Inklusion
Schüler mit Lernschwierigkeiten, Hochbegabung oder sonderpädagogischem Förderbedarf individuell unterstützen. Differenziertes Material entwickeln, mit Sonderpädagogen und Schulbegleitern kooperieren. Wachsende Aufgabe durch Inklusion.

Typischer Arbeitstag – Lehrerin am Gymnasium (Deutsch / Geschichte, Klassenlehrerin 10b)

07:30
Vorbereitung & Material
Letzte Folie der 3. Stunde anpassen, Klausurkopien für 4. Stunde, Klassenbuch checken. Schüler mit häufigen Fehlzeiten – E-Mail an Eltern schreiben.
08:00
Unterricht: Deutsch 10b (2 Stunden)
Erörterung: Pro/Contra-Debatte zum Thema KI im Unterricht. Schüler vorbereitet – Debatte moderieren, Argumente strukturieren, Textbezüge einfordern. Lebendig, anstrengend, erfüllend.
10:00
Geschichte 11a (2 Stunden)
Weimarer Republik: Quellenkritik an Propagandapostern. Unterschiedliche Leistungsniveaus in der Klasse – Differenzierung notwendig. Fragen beantworten, Diskussion leiten.
12:00
Klausurkorrektur
18 Deutschklausuren korrigieren – im Lehrerzimmer, mit Mittagspause. Klausurkorrektur ist gedanklich anstrengend und zeitintensiv: 30–45 Min. pro komplexe Oberstufenklausur.
14:00
Elterngespräch & Klassenkonferenz
Elterngespräch über Versetzungsgefährdung: sensibles, konstruktives Gespräch führen. Danach Klassenkonferenz 10b: Notenvergleich, Beschlüsse über Maßnahmen bei problematischem Verhalten.
16:00
Unterrichtsvorbereitung & Fortbildung
Neue Unterrichtseinheit „Artificial Intelligence in der Literatur" planen: Materialrecherche, KI-Tool für Textanalyse ausprobieren. Fortbildungspflicht: 30 Stunden/Jahr. Notwendig und zeitintensiv.

Schulformen: Wo unterrichten Lehrer in Deutschland?

Die Wahl der Schulform beeinflusst Ausbildungsweg, Gehalt, Schülerklientel und Arbeitsalltag erheblich. Der Lehrermangel ist in verschiedenen Schulformen sehr unterschiedlich ausgeprägt:

Grundschule (Klasse 1–4)
Lehramt Grundschule: 6 Semester + Referendariat
Basisbildung, Lesen/Schreiben/Rechnen, soziales Lernen. Intensive Elternarbeit. Heterogenste Klassen. Niedrigstes Gehalt aller Schulformen (A12 vs. A13 Gymnasium).
⚠ Starker Mangel
Haupt- / Mittelschule
Lehramt Haupt-/Mittelschule: 7 Semester + Ref.
Berufsvorbereitung, Basisqualifikationen, Hauptschulabschluss. Schüler oft mit schwierigen Soziallagen. Hohe pädagogische Anforderungen, niedrigere Lehrerquote.
⚠ Mangel
Realschule / Gesamtschule
7 Semester + Referendariat
Mittlere Reife, breites Schülerfeld. Gesamtschulen: alle Schulabschlüsse unter einem Dach. Sehr heterogene Klassen, gute Entwicklungsmöglichkeiten für Schüler.
⚠ Mangel
Gymnasium (Klasse 5–12/13)
Master Lehramt + 2 Jahre Referendariat
Abitur als Ziel, akademische Fachorientierung. 2 Unterrichtsfächer auf universitärem Niveau. Höchstes Gehalt (A13), höchste Klausurbelastung durch Oberstufe.
Stabiler Markt
Berufsschule / Berufskolleg
Masterstudium Berufsbildung + Referendariat
Dual: Auszubildende unterrichten, Verbindung zwischen Theorie und Berufspraxis. Erfordert oft eigene Berufsausbildung oder -erfahrung. Sehr gute Beschäftigungsperspektiven.
⚠ Stark gefragt
Förderschule / Sonderpädagogik
Sonderpädagogik-Studium + Referendariat
Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Förderschulen und inklusiven Regelschulen. Spezialisierte Ausbildung, sehr kleine Klassen, hoher pädagogischer Tiefgang.
⚠ Massiver Mangel

Ausbildungsweg: Studium, Referendariat und Verbeamtung

Der Weg ins Lehramt (Gesamtdauer: 6–9 Jahre je Schulform)

Der Lehrberuf erfordert ein staatlich geregeltes Studium – Quereinsteig ist möglich, aber mit Einschränkungen. Der Weg ist je nach Bundesland und Schulform unterschiedlich geregelt, folgt aber diesem Grundschema:

01
Lehramtsstudium (Bachelor)
6–7 Semester · Fach + Didaktik + Pädagogik
Zwei Unterrichtsfächer (z. B. Mathe + Physik) auf Fachwissenschafts-Niveau + Bildungswissenschaften + Didaktik. Schulpraktika integriert. Bachelor Lehramt = Grundlage für Master.
02
Masterstudium Lehramt
4 Semester · Vertiefung + Praxissemester
Fachwissenschaftliche Vertiefung, Fachdidaktik vertiefen, Bildungswissenschaften vertiefen, Praxissemester in Schule (5 Monate Schulalltag intensiv kennenlernen). Erste Staatsexamensprüfung.
03
Referendariat (Vorbereitungsdienst)
18–24 Monate · je nach Bundesland
Vollständige Lehrpraxis unter Begleitung: eigene Klassen unterrichten, Seminar am Studienseminar, Lehrproben (Unterricht mit Beurteilung durch Seminarleiter). Zweites Staatsexamen = volles Lehramt.
04
Verbeamtung auf Probe / Lebenszeit
3 Jahre Probezeit → Lebenszeit
In den meisten Bundesländern folgt auf das bestandene Staatsexamen die Verbeamtung auf Probe (Altershöchstgrenze meist 42–45 Jahre). Nach 3 Jahren: Verbeamtung auf Lebenszeit. Alternativ: Angestelltenverhältnis.
05
Quereinsteig (Ausnahme)
Berufsbegleitend möglich in Mangelfächern
Wegen Lehrermangels: Quereinsteiger mit einschlägigem Uni-Abschluss (z. B. Informatiker als Informatiklehrer) werden zunehmend eingestellt und berufsbegleitend ausgebildet. Meist in angestelltem Verhältnis.

Verbeamtung vs. Angestelltenverhältnis: Was ist besser?

Die Wahl zwischen Beamtenstatus und Angestelltenverhältnis hat erhebliche finanzielle und soziale Konsequenzen – und ist nicht überall frei wählbar:

Verbeamtung
In den meisten Bundesländern Standard
Unkündbarkeit (außer grobe Pflichtverstöße) – absolute Jobsicherheit
Keine Beiträge zur gesetzl. Rentenversicherung – stattdessen: Pension (ca. 71,75 % des letzten Gehalts)
Private Krankenversicherung (Beihilfe + PKV) – teils günstiger als GKV, teils teurer
Netto-Vorteil: Beamte verdienen bei gleichem Bruttogehalt oft 300–600 € netto mehr als Angestellte
Altershöchstgrenze: In den meisten Ländern max. 42–45 Jahre bei Verbeamtung
Angestelltenverhältnis (TVöD-L)
Berlin, Hamburg und Quereinsteiger
TVöD-L Tarif: geringeres Brutto als Verbeamtete (E13/E14)
Gesetzliche Rentenversicherung und gesetzliche Krankenversicherung (wie alle Angestellten)
Kündigung theoretisch möglich (praktisch selten wegen Mangel)
Keine Altershöchstgrenze – Quereinsteiger > 45 haben hier Vorteile
Netto oft 200–500 € weniger als vergleichbarer Beamter trotz ähnlicher Arbeit

Gehalt als Lehrer / Lehrerin 2026

Lehrergehälter variieren erheblich nach Bundesland, Schulform und Dienstaltersstufe. Die höchsten Gehälter zahlen Bayern, Baden-Württemberg und NRW. Die niedrigsten findet man in ostdeutschen Ländern. Grundschullehrkräfte verdienen strukturell weniger als Gymnasiallehrkräfte – eine politisch umstrittene Praxis, die viele Länder gerade angleichen.

42.000 €
Grundschullehrerin (A12)
Berufsanfang, netto deutlich mehr als Brutto suggeriert
58.000 €
Gymnasiallehrer (A13)
Berufsanfang, ohne Zulagen
72.000 €
Gymnasiallehrer (A13)
15+ Jahre, Endstufe
85.000 €+
Schulleitung (A14–A16)
großes Gymnasium
Schulform / BesoldungsgruppeBerufsstartEndstufe (ca.)Bundesland-Varianz
Grundschule (A12)42.000 – 46.000 €58.000 – 64.000 €Bayern/BW am höchsten
Haupt-/Realschule (A12–A13)46.000 – 52.000 €62.000 – 70.000 €Stark unterschiedlich
Gymnasium (A13)55.000 – 62.000 €70.000 – 80.000 €NRW, Bayern, BW top
Berufsschule (A13–A14)56.000 – 64.000 €72.000 – 82.000 €Meist A13/A14
Schulleitung (A14–A16)70.000 – 90.000 € + AmtszulagenJe Schulgröße

Quelle: Besoldungstabellen der Bundesländer 2025. Alle Angaben Bruttogehalt (Beamte) – Netto oft deutlich höher als bei Angestellten wegen Beihilfe und geringerer Sozialabgaben. Netto-Vergleich: Ein A13-Beamter mit 5.200 € Brutto hat ca. 3.600–3.800 € netto. Referendariatsvergütung: ca. 1.200–1.800 € netto je Bundesland – sehr gering für den Aufwand.

Welche Persönlichkeit passt zum Lehrberuf?

RIASEC-Eignungsprofil: Lehrer / Pädagoge

Das Idealprofil ist SAI – Social, Artistic, Investigative. Genuines Interesse an jungen Menschen und ihrer Entwicklung (S), kommunikative und didaktische Kreativität (A) und Freude an der inhaltlichen Tiefe des Fachgebiets (I).

S
Social
Schüler begleiten
A
Artistic
Didaktik & Kreativität
I
Investigative
Fachliche Tiefe
C
Conventional
Verwaltung & Noten
E
Enterprising
Schulleitung
R
Realistic
Wenig relevant
Der S-Typ (Social) ist das unverzichtbare Fundament: Wer nicht genuines Interesse an jungen Menschen in ihrer Entwicklung mitbringt – nicht als abstrakte pädagogische Pflicht, sondern als persönliche Freude an der Begegnung mit Schülern – wird im Lehrberuf chronisch erschöpft sein. Die tägliche Energie, die aus Klassenzimmern zieht, ist real. Wer sie als lästig empfindet, ist falsch berufsorientiert. Der A-Typ (Artistic) macht guten Unterricht: Lehren ist ein kreativer Beruf. Wie erkläre ich Differentialrechnung so, dass der Schüler, der es seit Wochen nicht kapiert, plötzlich ein Leuchten in den Augen hat? Diese didaktische Kreativität – die Fähigkeit, komplexe Inhalte in neue, verständliche Formen zu gießen – ist der Unterschied zwischen durchschnittlichem und begeisterndem Unterricht. Der I-Typ (Investigative) sichert fachliche Qualität: Exzellente Lehrkräfte sind Fachleute, die ihr Gebiet lieben. Wer Mathematik begeistert liebt, strahlt das aus – und diese Begeisterung ist ansteckend. Wer das Fach als notwendiges Mittel zum Zweck betrachtet, unterrichtet anders als jemand der seine eigene Begeisterung weitergibt. Nuance: SAI ist das Ideal, aber verschiedene Schulformen brauchen verschiedene Schwerpunkte. Grundschullehrerinnen brauchen sehr hohen S-Anteil. Gymnasiallehrer für Oberstufen-Leistungskurse brauchen sehr hohen I-Anteil. Berufsschullehrer brauchen E-Anteile für praxisnahe Betriebsorientierung.
Eigenen RIASEC-Code ermitteln

Karrierestufen im Lehrberuf

Der Lehrberuf hat einen der flachsten Karrierehierarchien aller Akademikerberufe – was einerseits bedeutet, dass Beförderungen selten sind, andererseits dass auch der erste Tag nach dem Referendariat sofortige volle Eigenverantwortung bringt:

Stufe 1
Referendar/in
18–24 Monate
1.200 – 1.800 € netto
Unterrichten unter Aufsicht, Lehrproben, Seminare. Intensivste Lernphase – und am schlechtesten bezahlte Zeit des gesamten Berufslebens.
Stufe 2
Lehrkraft (Beamte auf Probe)
0 – 3 Jahre nach Ref.
A12/A13 Anfangsstufe
Erste eigene Klassen, volles Deputat, Bewährungsphase. Dienstaltersstufen steigen automatisch – Gehaltszuwächse ohne Beförderung nötig.
Stufe 3
Lehrkraft (Beamte auf Lebenszeit)
3 – 30 Jahre
A12/A13 Endstufe
Stetige Erfahrungsakkumulation, ggf. Fachbereichskoordination, Mentor für Referendare, Fortbildungsverantwortung. Keine Beförderung nötig für gutes Gehalt.
Stufe 4
Schulleitung / Konrektor
ab 10–15 Jahren
A14 – A16
Schulleitung mit Personalverantwortung, pädagogische Gesamtverantwortung, Vertretung nach außen. Sehr viel Verwaltung – wenig eigener Unterricht.

Vorteile & Nachteile – eine ehrliche Einschätzung

Vorteile
Absolute Jobsicherheit durch Verbeamtung – praktisch unkündbar
Exzellente Altersversorgung: Pension ca. 71 % des letzten Gehalts
Gesellschaftliche Bedeutung: direkter Einfluss auf 2.000–3.000 Menschen im Berufsleben
Ferien: 12–14 Wochen, die intensiv für Vor- und Nachbereitung genutzt werden
Flexible Zeiteinteilung: keine Stechuhr für Unterrichtsvorbereitung
Abwechslungsreiches Kollegium und Schülerschaft – nie langweilig
Starker Arbeitsmarkt: Lehrermangel bundesweit schafft sehr gute Einstellungschancen
Nachteile
Referendariat: sehr schlecht bezahlt für hohen Aufwand
Hohes Burnout-Risiko: Lehrer gehören zur Hochrisikogruppe in Deutschland
Große Heterogenität: Klassen werden durch Inklusion immer herausfordernder
Stundendeputat unterschätzt tatsächliche Arbeitszeit – 40+ Stunden/Woche sind real
Mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung trotz hoher Bedeutung
Wenige Karrierestufen – flache Hierarchie ohne Aufstiegsmöglichkeit im Unterricht
Bundesland-Wirrwarr: Studium in Bayern ist nicht vollständig in Berlin anerkannt

Verwandte Berufsbilder

Häufige Fragen zum Beruf Lehrer / Lehrerin

Das ist einer der hartnäckigsten Mythen über den Lehrerberuf – und eine der meistgesuchten Fragen. Die Realität: Studien zeigen, dass Lehrkräfte im Deutschen Durchschnitt 47–52 Stunden pro Woche arbeiten (Forsa-Studie im Auftrag des VBE, 2023). Das deutliche Mehr über die offiziell angerechneten Unterrichtsstunden hinaus entsteht durch: Unterrichtsvorbereitung (1–2 h pro Unterrichtsstunde), Klausurkorrektur (20–30 min bis mehrere Stunden pro Arbeit), Elterngespräche und Konferenzen, Verwaltungsaufgaben, Fortbildungen. Die Ferien: Lehrkräfte haben 12–14 Wochen Ferien pro Jahr – mehr als andere Berufe, aber häufig nicht komplett frei. Unterrichtsvorbereitung, Klausurkorrekturen (Abiturkorrektur im Frühjahr!) und Planungsarbeiten füllen erhebliche Ferienanteile. Netto bleibt real deutlich weniger als 12 Wochen vollständige Freizeit. Fazit: Das Narrativ „Lehrer haben so viel frei" ist falsch – aber auch das Gegennarrativ „Lehrer arbeiten wie alle anderen Vollzeitkräfte" ist unvollständig. Die Arbeitsverteilung ist grundlegend anders als in klassischen 9-to-5-Berufen: intensiver in Schulzeiten, ruhiger in Ferien. Das passt für viele – besonders für Familien mit schulpflichtigen Kindern. Für andere ist die Unplanbarkeit und Heimarbeit-Natur der Unterrichtsvorbereitung dauerhaft belastend.
Der Lehrermangel ist real und wächst. Die KMK (Kultusministerkonferenz) prognostiziert bis 2030 einen Fehlbedarf von rund 40.000 Lehrerstellen bundesweit. Besonders betroffen: MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Physik, Chemie), Sonderpädagogik (dramatisch), Grundschule und berufsbildende Schulen. Ursachen: Der Lehrerboom der 1970er und 1980er geht in Rente. Gleichzeitig stieg die Schülerzahl durch Migration. Zu wenige Studierende in bestimmten Mangelfächern. Für Berufseinsteiger bedeutet das: Sehr gute Einstellungschancen – Bewerber werden gesucht, nicht umgekehrt. Verhandlungsmacht bei Schulwahl und Dienstort. Quereinsteigerprogramme in fast allen Bundesländern – auch ohne klassisches Lehramtsstudium. Sonderprogramme und Zulage für Mangelfächer und -regionen. Risikokehrseite: Unterbesetzung an Schulen erhöht die Belastung der vorhandenen Lehrkräfte erheblich. Vertretungsstunden, übergroße Klassen und fehlende Unterstützung sind Begleiterscheinungen des Mangels, die trotz gutem Markt die Arbeitszufriedenheit belasten.
Ja – für die richtigen Menschen. Lehramt lohnt sich wenn: Sie genuines Interesse an jungen Menschen und ihrer Entwicklung haben (nicht als abstraktes Ideal, sondern als tägliche Freude), Sie Ihr Fachgebiet wirklich begeistert und genießen, Ihnen Jobsicherheit und Altersvorsorge wichtig sind, Sie eine familienfreundliche Arbeitszeitstruktur suchen, Sie gesellschaftliche Wirksamkeit über materiellen Wohlstand stellen. Lehramt lohnt sich nicht wenn: Sie primär wegen der Ferien wählen – das funktioniert nicht als langfristige Motivation, Sie hohe Gehaltsmaximierung anstreben (IT, Finance oder Consulting zahlen deutlich mehr), Sie Verwaltungsaufwand und Bürokratie als unerträglich empfinden, Sie Konfrontation mit 30 Schülern täglich als energieraubend erleben statt als energiespendend. Wichtigste Entscheidungshilfe: Schulpraktikum oder Langzeitpraktikum machen, bevor man sich festlegt. Wer nach 4 Wochen erschöpft nach Hause kommt und sich die nächsten 35 Jahre nicht vorstellen kann – sollte seinen Berufsweg überdenken. Wer nach 4 Wochen begeistert ist und mehr möchte – hat die richtige Wahl getroffen.
Lehramt (Staatsprüfung / Staatsexamen oder M.Ed.): Berufsqualifikation für den Schuldienst. Zwei Unterrichtsfächer auf Fachwissenschafts-Niveau + Didaktik + Bildungswissenschaften + Referendariat. Ziel: staatlich anerkannte Lehrkraft zu werden. Ohne Staatsexamen und Referendariat kein Zugang zum regulären Lehramt. Pädagogik / Erziehungswissenschaften (B.A./M.A.): Wissenschaftsstudium über Bildungs- und Erziehungsprozesse. Berufsfeldorientiert aber nicht schul-spezifisch. Berufsfelder: Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Corporate Learning, Soziale Arbeit, NGOs, Bildungsmanagement. Ein Erziehungswissenschaftler kann nicht einfach an einer Schule unterrichten – dafür braucht man das Staatsexamen und das Referendariat. Wichtige Konsequenz: Wer sicher in die Schule möchte, studiert Lehramt – kein anderer Abschluss führt direkt dorthin. Wer Bildung breiter und flexibler einsetzen möchte, studiert Erziehungswissenschaften. Der Irrtum passiert häufig: Pädagogik-Studierende denken, sie können danach unterrichten – können sie nicht ohne Lehramt.
Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert

Passt der Lehrberuf zu Ihrer Persönlichkeit?

Echtes Interesse an jungen Menschen, didaktische Kreativität und Fachbegeisterung – das sind die Kernvoraussetzungen. Das Profiling Institut ermittelt Ihr Eignungsprofil nach DIN 33430 – auch für die Entscheidung Lehramt vs. Soziale Arbeit vs. Pädagogik.

Jan Bohlken – Diplom-Sozioökonom, Gründer Profiling Institut
Autor & Fachexperte
Jan Bohlken
Diplom-Sozioökonom · Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert
Was Jan Bohlken in der Studienberatung immer wieder beobachtet: Die Menschen die am zufriedensten im Lehrberuf sind, haben eines gemeinsam – sie wurden nicht Lehrer wegen der Ferien oder der Jobsicherheit, sondern wegen eines echten Moments in ihrem Leben wo ein Lehrer etwas in ihnen geweckt hat. Und sie wollen das selbst tun. Das ist der Unterschied zwischen Beruf und Berufung. Das Profiling Institut ist DIN 33430 zertifiziert und an 7 Standorten bundesweit tätig.
DIN 33430 zertifiziert Diplom-Sozioökonom nfb DGfK dvb