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Berufsbild · Recht & Verwaltung

Richter werden in Deutschland: Notenhürde, Weg und Besoldung 2026

Der Weg zum Richteramt ist kein Bewerbungsverfahren im üblichen Sinn, sondern ein Notenmarkt. Entscheidend sind die Punkte aus zwei Staatsexamen – alles andere kommt danach. Dieses Berufsbild zeigt, welche Noten realistisch verlangt werden, wie die drei Jahre Probezeit ablaufen, was die R-Besoldung 2026 tatsächlich bringt und worin sich der Alltag vom Bild im Gerichtsfilm unterscheidet.

62.000 – 97.000 €Jahresbrutto R1, Einstieg bis Endstufe
8 – 12 Jahrevom Studienbeginn bis zur Ernennung auf Lebenszeit
9+ Punktefaktische Notenhürde in beiden Examina
IESRIASEC-Eignungsprofil
Die eine Hürde, die zählt: Für eine Einstellung in den richterlichen Dienst wird in der Regel ein Prädikatsexamen erwartet, faktisch in beiden Staatsprüfungen. Je nach Bundesland und Bewerberlage liegt die Grenze bei etwa neun Punkten („vollbefriedigend“) im Zweiten Examen; in Ballungsländern liegt sie höher, in Flächenländern mit Nachwuchsmangel teils darunter. Rund 15 Prozent eines Examensjahrgangs erreichen dieses Niveau. Wer es verfehlt, hat andere gute juristische Wege – aber nicht diesen.

Was Richterinnen und Richter wirklich tun

Der öffentlich sichtbare Teil – die Verhandlung – ist der kleinere. Der größere besteht aus Aktenarbeit: Sachverhalte erfassen, Beweisangebote prüfen, Rechtsfragen recherchieren, Entscheidungen schreiben, die vor der nächsten Instanz halten. Ein Zivilrichter am Amtsgericht bearbeitet mehrere hundert Verfahren im Jahr parallel; die Kunst besteht darin, in jedem einzelnen den entscheidungserheblichen Kern schnell zu finden.

Die richterliche Unabhängigkeit nach Art. 97 GG ist dabei mehr als ein Schlagwort: Niemand – auch kein Gerichtspräsident – darf vorgeben, wie zu entscheiden ist. Die Kehrseite ist Einsamkeit in der Verantwortung. Am Einzelrichterdezernat gibt es niemanden, mit dem sich die Entscheidung teilen lässt.

Fünf Gerichtsbarkeiten, fünf verschiedene Berufe

Die fünf Gerichtsbarkeiten unterscheiden sich in Verfahrensdichte, Aktenumfang und emotionaler Belastung erheblich. Quelle: Profiling Institut, Berufsbilder-Lexikon 2026.
GerichtsbarkeitTypische MaterieCharakter der Arbeit
Ordentliche Gerichtsbarkeit – ZivilVerträge, Miete, Bau, Verkehrsunfälle, ErbrechtHohe Fallzahl, starker Vergleichsdruck, viel Verhandlungsführung
Ordentliche Gerichtsbarkeit – Strafvon Ladendiebstahl bis KapitalverbrechenBelastende Sachverhalte, Zeugenvernehmung, hohe öffentliche Aufmerksamkeit
ArbeitsgerichtsbarkeitKündigungsschutz, Vergütung, BetriebsverfassungSchnelle Verfahren, hoher Güteanteil, ehrenamtliche Beisitzer
VerwaltungsgerichtsbarkeitBau, Asyl, Beamtenrecht, UmweltUmfangreiche Akten, Auseinandersetzung mit Behörden, viel Schriftlichkeit
Sozial- und FinanzgerichtsbarkeitRente, Pflege, Krankenversicherung, SteuernSpezialmaterie, Gutachterlastigkeit, oft existenzielle Bedeutung für Klagende

Der Weg: fünf Stufen bis zur Lebenszeiternennung

  1. Jurastudium mit Erstem Staatsexamen (4,5 – 5 Jahre)Neun bis zehn Semester Regelstudienzeit, danach die Erste Juristische Prüfung aus staatlichem Pflichtteil und universitärer Schwerpunktprüfung. Wer hier unter neun Punkten bleibt, sollte den Justizweg frühzeitig hinterfragen.
  2. Rechtsreferendariat (2 Jahre)Vorbereitungsdienst mit Stationen bei Gericht, Staatsanwaltschaft, Verwaltung und Anwaltschaft. Unterhaltsbeihilfe je nach Land rund 1.300 bis 1.600 € brutto monatlich. Abschluss ist das Zweite Staatsexamen – die Note, die über die Einstellung entscheidet.
  3. Bewerbung und EinstellungsverfahrenBewerbung beim Justizministerium des jeweiligen Landes, nicht bei einzelnen Gerichten. Die Einstellungsgrenzen schwanken jährlich mit dem Bedarf; ein Blick auf mehrere Bundesländer erhöht die Chancen deutlich.
  4. Richter auf Probe (3 Jahre)Erste Verwendung meist am Amtsgericht oder bei der Staatsanwaltschaft, häufig mit Wechsel zwischen beiden. In dieser Zeit wird die fachliche und persönliche Eignung beurteilt – mit vollem Dezernat und echter Entscheidungsverantwortung ab dem ersten Tag.
  5. Ernennung auf LebenszeitNach bestandener Probezeit folgt die Ernennung zum Richter auf Lebenszeit. Ab hier greift die volle Unabhängigkeit: Versetzung oder Amtsenthebung sind nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen möglich.

Besoldung 2026: Was Richter verdienen

Gehalt Richter 2026: 57.000 € im unteren Dezil, Median 82.000 €, 120.000 € im oberen Dezil, im Vergleich zum Berufsfeld Recht & öffentlicher Dienst
Gehalt Richter 2026. Die Spanne reicht von 57.000 € im unteren bis 120.000 € im oberen Dezil; der Median liegt bei 82.000 €.

Richter werden nicht nach Tarif bezahlt, sondern nach der Besoldungsordnung R des jeweiligen Landes. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich – beim Einstieg liegen zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Land rund 670 € im Monat.

R-Besoldung 2026, Bruttowerte ohne Familienzuschläge. Die Stufen steigen über acht Erfahrungsstufen in rund 23 Dienstjahren. Quelle: Länderbesoldungstabellen 2026.
Stufe / AmtTypische PositionBrutto/MonatBrutto/Jahr
ReferendariatRechtsreferendar/in1.300 – 1.600 €16.000 – 19.000 €
R1, EingangsstufeRichter auf Probe4.720 – 5.389 €57.000 – 65.000 €
R1, mittlere StufenRichter am Amts- oder Landgerichtca. 6.000 – 6.800 €72.000 – 82.000 €
R1, Endstufenach rund 23 Dienstjahren7.500 – 8.100 €90.000 – 97.000 €
R2Vorsitzender Richter am Landgerichtca. 7.700 – 9.000 €92.000 – 108.000 €
R3 und höherOberlandesgericht, Bundesgerichte, Präsidentenamtab ca. 9.500 €ab ca. 114.000 €

Hinzu kommen Familienzuschläge, Beihilfe im Krankheitsfall und die Pension. Im Nettovergleich mit der Großkanzlei sieht das Richteramt lange schlechter aus – bis man Arbeitszeit, Planbarkeit und Altersversorgung gegenrechnet. Die ausführliche Gegenüberstellung steht unter Öffentlicher Dienst oder Privatwirtschaft.

Eignungsprofil: Wer passt aufs Richterpult?

Das RIASEC-Profil des Richteramts ist IES – Investigative, Enterprising, Social. Der analytische Anteil dominiert, aber ohne die beiden anderen funktioniert es nicht: Verhandlungsführung verlangt Präsenz und Durchsetzungsfähigkeit, der Umgang mit Parteien in Ausnahmesituationen verlangt Zugewandtheit ohne Parteinahme.

Was den Beruf trägtFreude an sauberer Subsumtion. Die Fähigkeit, eine Entscheidung zu treffen und zu ihr zu stehen, auch wenn die Rechtslage nicht eindeutig ist. Belastbarkeit gegenüber Kritik von Parteien, Presse und Rechtsmittelinstanz. Ausgeprägte Selbstorganisation – niemand verteilt die Arbeit ein.
Was regelmäßig unterschätzt wirdDie schiere Aktenmenge. Die Einsamkeit der Einzelentscheidung. Der Umgang mit menschlichem Leid im Familien-, Straf- und Sozialrecht. Und dass juristische Exzellenz allein nicht reicht – wer Verhandlungen nicht führen kann, wird unabhängig von der Examensnote unlucklich.

Richter, Staatsanwalt, Notar: drei Wege aus demselben Examen

Alle drei Berufe setzen dieselbe Ausbildung voraus und verlangen ähnliche Noten. Was sie unterscheidet, ist die Rolle im Verfahren – und das entscheidet mehr über die Zufriedenheit als das Gehalt.

Vergleich der drei juristischen Staatsberufe nach Rolle, Weisungsbindung und Vergütungsmodell. Quelle: Profiling Institut, Berufsbilder-Lexikon 2026.
MerkmalRichterStaatsanwaltNotar
Rolleentscheidet neutralermittelt und klagt anbeurkundet und berät neutral
Weisungsbindungkeine (Art. 97 GG)hierarchisch weisungsgebundenunabhängiges öffentliches Amt
VergütungR-BesoldungR-Besoldung, identischGebühren nach GNotKG, unternehmerisch
Arbeitsrhythmusweitgehend selbst eingeteiltEildienst, Bereitschaft, FristendruckTermingeschäft, Mandantentakt
Typische Fehleinschätzung„viel Verhandlung“ – tatsächlich viel Akte„Ermittler wie im Krimi“ – tatsächlich Verfahrensleitung am Schreibtisch„nur Unterschriften“ – tatsächlich Haftung für Gestaltung
Ausführlichdiese SeiteBerufsbild StaatsanwaltBerufsbild Notar

Arbeitsmarkt: Die Pensionierungswelle verändert die Lage

Über die kommenden Jahre erreicht ein großer Teil der in den 1970er- und 1980er-Jahren eingestellten Richterschaft die Altersgrenze. Gleichzeitig zieht die Großkanzlei mit Einstiegsgehältern jenseits von 140.000 € genau die Kandidatinnen und Kandidaten ab, die die Justiz sucht. Mehrere Länder haben ihre Einstellungsgrenzen deshalb bereits gesenkt oder Zulagen eingeführt.

Für Bewerber heißt das: Die Chancen sind besser als der Ruf des Berufs vermuten lässt – vor allem in Flächenländern und in den weniger nachgefragten Gerichtsbarkeiten wie der Sozial- und Finanzgerichtsbarkeit.

Häufige Fragen zum Richterberuf

Welche Note braucht man, um Richter zu werden?

In der Regel ein Prädikatsexamen in beiden Staatsprüfungen, faktisch ab etwa neun Punkten („vollbefriedigend“) im Zweiten Examen. Die konkrete Grenze setzt jedes Bundesland nach Bedarf und Bewerberlage neu; sie schwankt jährlich und liegt in Ballungsländern höher als in Flächenländern.

Wie lange dauert es, Richter zu werden?

Realistisch acht bis zwölf Jahre: viereinhalb bis fünf Jahre Studium bis zum Ersten Examen, zwei Jahre Referendariat, danach drei Jahre als Richter auf Probe bis zur Ernennung auf Lebenszeit.

Was verdient ein Richter?

Der Einstieg in R1 liegt 2026 je nach Bundesland zwischen rund 4.720 und 5.389 € brutto im Monat, also etwa 57.000 bis 65.000 € im Jahr. In der Endstufe von R1 sind es 7.500 bis 8.100 € monatlich. Dazu kommen Familienzuschläge, Beihilfe und Pensionsanspruch.

Kann man ohne Prädikatsexamen Richter werden?

In Ausnahmefällen und abhängig vom Bundesland ja, insbesondere bei Nachwuchsmangel in bestimmten Gerichtsbarkeiten oder bei einschlägiger Zusatzqualifikation. Die Regel ist es nicht. Wer knapp unter der Grenze liegt, sollte gezielt mehrere Bundesländer prüfen und die weniger nachgefragten Gerichtsbarkeiten in Betracht ziehen.

Ist man als Richter wirklich unabhängig?

In der Sachentscheidung ja – Art. 97 GG schließt Weisungen aus, und Richter auf Lebenszeit können nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen versetzt werden. Nicht unabhängig ist man von der Geschäftsverteilung, von Personalausstattung und von der Überprüfung durch die Rechtsmittelinstanz.

Was unterscheidet Richter und Staatsanwalt?

Die Besoldung ist identisch, die Rolle nicht. Der Richter entscheidet neutral und ist weisungsfrei; der Staatsanwalt ermittelt, klagt an und ist in eine Weisungshierarchie eingebunden. In der Probezeit durchlaufen viele beide Stationen und entscheiden sich danach.

Wie belastend ist der Beruf?

Die Aktenlast ist hoch und in den meisten Ländern seit Jahren steigend. Hinzu kommt in Straf-, Familien- und Sozialsachen die inhaltliche Belastung durch die Sachverhalte selbst. Die Justiz bietet dafür Supervision an; die Selbstorganisation bleibt aber die entscheidende Schutzmaßnahme.

Wechseln im öffentlichen Dienst – ohne die Sicherheit aufzugeben

Die meisten, die im öffentlichen Dienst über Veränderung nachdenken, wollen nicht raus, sondern woandershin. Genau dafür gibt es Zwischenschritte, die zurückholbar sind: Laufbahnwechsel, Abordnung, Versetzung, Beurlaubung. Nur eine Entscheidung ist es nicht – die Entlassung auf eigenen Antrag. Was rechtlich möglich ist, was rückholbar bleibt und was ein Ausstieg bei der Altersversorgung kostet, steht unter Neuorientierung im öffentlichen Dienst.

Verwandte Berufsbilder

Diese Berufe liegen fachlich, im Eignungsprofil oder im Zugangsweg am nächsten – häufige Alternativen und Wechselziele:

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Prädikat knapp verfehlt – und jetzt?

Ein juristisches Examen unterhalb der Justizgrenze schließt viele sehr gute Wege nicht aus: Syndikus, Compliance, Verwaltung, Notariat über die Anwaltsschiene. Welcher davon zu Ihrem Profil passt, lässt sich diagnostisch klar beantworten.

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Quellen und Stand. Besoldungswerte aus den Länderbesoldungstabellen 2026 sowie der Justizübersicht von Irgendwas mit Recht; Anpassung von 2,8 Prozent ab April 2026 berücksichtigt. Zugangsvoraussetzungen und Verfahrensdauer nach Besoldungsrechner. Richterliche Unabhängigkeit: Art. 97 Grundgesetz. RIASEC-Zuordnung nach Holland, Eignungseinschätzung durch das Profiling Institut nach DIN 33430. Stand: August 2026. Zurück zur Übersicht: alle Berufsbilder von A–Z.

Passt dieser Beruf zu Ihnen?

Richter ist ein möglicher Weg – ob er zu Ihnen passt, entscheidet sich an drei Dingen: Fähigkeiten, Motiven und Marktbedarf. Der Ratgeber Welcher Beruf passt zu mir? führt durch alle drei Ebenen. Der kostenlose Berufswahltest für Erwachsene liefert in sieben Minuten Ihren Holland-Code.