Professor werden: Zwei Wege, W-Besoldung 2026 und die ehrliche Chancenrechnung
Die Professur ist einer der wenigen Berufe, bei denen man zehn Jahre investiert, ohne zu wissen, ob es die Stelle am Ende gibt. Wer den Weg geht, sollte beide Varianten kennen – die forschungsorientierte Universitätsprofessur und die praxisorientierte HAW-Professur – und die zweite nicht als Trostpreis missverstehen. Sie ist für viele die realistischere und oft die passendere.
Was Professorinnen und Professoren wirklich tun
Das Bild vom forschenden Gelehrten trifft auf die wenigsten zu. Der Alltag besteht aus vier Blöcken, von denen die Forschung häufig der kleinste ist: Lehre und Prüfungen, Betreuung von Promovierenden und Mitarbeitenden, Einwerbung von Drittmitteln und akademische Selbstverwaltung – Berufungskommissionen, Prüfungsausschüsse, Akkreditierungen.
Der größte Unterschied zwischen Universität und Hochschule für angewandte Wissenschaften liegt im Lehrdeputat: acht bis neun Semesterwochenstunden an der Uni, achtzehn an der HAW. Das ist keine Nuance, sondern bestimmt, ob überhaupt Zeit für eigene Forschung bleibt.
Die zwei Wege im Vergleich
Schwerpunkt: Forschung, Publikationen, Drittmittel. 8–9 SWS Lehre.
Besoldung: W2 oder W3.
Realität: Der längere und unsicherere Weg. Ohne internationale Publikationsliste und Drittmitteleinwerbung praktisch aussichtslos.
Schwerpunkt: Lehre, Praxisbezug, angewandte Projekte. 18 SWS Lehre.
Besoldung: in der Regel W2.
Realität: Der planbarere Weg – und der einzige, bei dem Industrieerfahrung ein Vorteil statt eines Karriereknicks ist.
Der Weg zur Universitätsprofessur
- Studium mit Master (5 Jahre)Sehr gute Abschlussnote ist faktisch Voraussetzung für eine Promotionsstelle in der eigenen Wunschgruppe.
- Promotion (3 – 5 Jahre)Meist auf einer befristeten Qualifikationsstelle mit halber oder ganzer Stelle nach TV-L E13. Erste Publikationen und Konferenzbeiträge entstehen hier – sie zählen später mehr als die Note.
- Postdoc-Phase: Habilitation oder Juniorprofessur (4 – 6 Jahre)Klassisch die Habilitation, zunehmend die W1-Juniorprofessur, im besten Fall mit Tenure Track – also einer verbindlichen Zusage auf Entfristung bei positiver Evaluation. Ohne Tenure Track bleibt es eine Befristung mit offenem Ausgang.
- Bewerbung und Berufungsverfahren (12 – 18 Monate)Ausschreibung, Bewerbung, externe Gutachten, Probevorlesung, Berufungsliste. Auf Platz eins der Liste zu stehen bedeutet noch keine Berufung – die Verhandlung über Ausstattung und Leistungsbezüge kann scheitern.
- Ruf, Berufungsverhandlung, ErnennungVerhandelt werden Personalstellen, Sachmittel, Fläche und die Leistungsbezüge. Wer hier schlecht verhandelt, arbeitet die gesamte Amtszeit mit zu wenig Ausstattung.
W-Besoldung 2026
Professorenbesoldung besteht aus zwei Teilen: einem gesetzlich festgelegten Grundgehalt und individuell verhandelten Leistungsbezügen. Letztere machen häufig den größeren Teil der Differenz zwischen zwei Professuren derselben Besoldungsgruppe aus – und sie werden bei der Berufung verhandelt, nicht später.
| Gruppe | Typische Position | Grundgehalt/Monat | Grundgehalt/Jahr |
|---|---|---|---|
| TV-L E13 | Promotionsstelle, oft 50 – 100 % | 2.400 – 5.000 € | 29.000 – 60.000 € |
| W1 | Juniorprofessur, befristet 3+3 Jahre | ca. 6.777 € | ca. 81.000 € |
| W2 | Professur, auch HAW | 7.658 – 8.508 € | 92.000 – 102.000 € |
| W3 | Lehrstuhl, Leitungsfunktion | 8.654 – 9.614 € | 104.000 – 115.000 € |
| W3 + Leistungsbezüge | stark nachgefragte Fächer, Bleibeverhandlung | bis über 12.000 € | bis über 145.000 € |
Wichtig für die Planung: In nur vier Besoldungsräumen – Bund, Bayern, Hessen und Sachsen – steigt das Grundgehalt über Erfahrungsstufen. In den übrigen zwölf Ländern bleibt es flach; Einkommenszuwachs entsteht dort ausschließlich über Leistungsbezüge.
Eignungsprofil
Das RIASEC-Profil ist IAE – Investigative, Artistic, Enterprising. Der forschende Anteil ist selbstverständlich; unterschätzt wird der unternehmerische: Eine Professur zu führen heißt, Drittmittel einzuwerben, ein Team zu führen und die eigene Arbeit sichtbar zu machen.
Häufige Fragen
Wie wird man Professor?
An der Universität über Promotion und anschließend Habilitation oder Juniorprofessur, danach ein Berufungsverfahren. An der Hochschule für angewandte Wissenschaften über Promotion plus mindestens fünf Jahre Berufspraxis, davon drei außerhalb der Hochschule – dort ohne Habilitation.
Wie lange dauert der Weg zur Professur?
Realistisch zehn bis vierzehn Jahre ab Studienbeginn: fünf Jahre Studium, drei bis fünf Jahre Promotion, vier bis sechs Jahre Postdoc-Phase, dazu ein Berufungsverfahren von zwölf bis achtzehn Monaten.
Was verdient ein Professor?
Das Grundgehalt liegt 2026 bei rund 6.777 € monatlich in W1, 7.658 bis 8.508 € in W2 und 8.654 bis 9.614 € in W3. Hinzu kommen individuell verhandelte Leistungsbezüge, die in gefragten Fächern die Gesamtvergütung auf über 145.000 € im Jahr heben können.
Braucht man eine Habilitation?
Für die Universitätsprofessur in der Regel ja, oder habilitationsäquivalente Leistungen über eine Juniorprofessur. Für die HAW-Professur nicht – dort zählt stattdessen einschlägige Berufspraxis.
Was ist Tenure Track?
Eine Juniorprofessur mit verbindlicher Zusage auf eine unbefristete Professur, sofern die Evaluation positiv ausfällt. Das ist der einzige Weg im deutschen System, der die Unsicherheit der Postdoc-Phase substanziell reduziert – entsprechend begehrt sind diese Stellen.
Ist die FH- oder HAW-Professur der schlechtere Weg?
Nein, nur ein anderer. Das Lehrdeputat ist mit 18 Semesterwochenstunden doppelt so hoch, die Besoldung meist W2 statt W3. Dafür ist der Zugang planbarer, Industrieerfahrung ist ein Plus, und wer gern lehrt, findet dort mehr davon.
Wie hoch sind die Chancen auf eine Professur?
Gering, gemessen an der Zahl der Promovierten. Die Zahl der Professuren wächst kaum, während jedes Jahr Zehntausende promovieren. In den MINT-Fächern sind die Aussichten besser als in den Geisteswissenschaften. Ein belastbarer Plan B gehört zur Karriereplanung.
Wechseln im öffentlichen Dienst – ohne die Sicherheit aufzugeben
Die meisten, die im öffentlichen Dienst über Veränderung nachdenken, wollen nicht raus, sondern woandershin. Genau dafür gibt es Zwischenschritte, die zurückholbar sind: Laufbahnwechsel, Abordnung, Versetzung, Beurlaubung. Nur eine Entscheidung ist es nicht – die Entlassung auf eigenen Antrag. Was rechtlich möglich ist, was rückholbar bleibt und was ein Ausstieg bei der Altersversorgung kostet, steht unter Neuorientierung im öffentlichen Dienst.
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