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Berufsbild · Recht & Verwaltung

Notar werden: Zwei Wege, 15 Jahre und ein öffentliches Amt

Notarin oder Notar zu werden ist der langsamste juristische Karriereweg – und der einzige, bei dem am Ende ein öffentliches Amt in wirtschaftlicher Selbständigkeit steht. Welcher Weg offensteht, entscheidet nicht die eigene Planung, sondern das Bundesland: Deutschland kennt zwei völlig verschiedene Notariatssysteme nebeneinander.

ca. 15 Jahrevom Studienbeginn bis zur Bestellung
80.000 – 500.000 €Praxisüberschuss, sehr stark streuend
2 SystemeNur-Notariat und Anwaltsnotariat
CIERIASEC-Eignungsprofil
Zuerst die Landkarte prüfen, dann die Karriere planen. Im Nur-Notariat (Baden-Württemberg, Bayern und die ostdeutschen Länder) ist das Notaramt ein hauptberufliches Amt, in das man über einen dreijährigen Anwärterdienst gelangt. Im Anwaltsnotariat (Berlin, Hessen, Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und weitere) wird das Amt neben der Anwaltstätigkeit ausgeübt und setzt fünf Jahre Anwaltspraxis plus eine eigene Fachprüfung voraus. Wer im falschen Bundesland plant, verliert Jahre.

Was Notare wirklich tun

Der Notar ist unabhängiger und unparteiischer Betreuer der Beteiligten – kein Interessenvertreter einer Seite. Er beurkundet Grundstückskaufverträge, Gesellschaftsgründungen und Umwandlungen, Eheverträge, Testamente und Erbverträge. Die Beurkundung selbst ist der sichtbare Teil; die Arbeit davor besteht aus Sachverhaltsermittlung, Gestaltung und Belehrung.

Genau dort liegt auch die Haftung. Wer eine steuerliche Folge oder ein Vorkaufsrecht übersieht, haftet persönlich – unabhängig davon, ob die Beteiligten danach gefragt haben. Die Amtspflichten aus der Bundesnotarordnung sind streng, die Aufsicht durch Präsident und Notarkammer real.

Die zwei Wege im Vergleich

Nur-NotariatWo: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.

Weg: Prädikatsexamen → Bewerbung als Notarassessor beim Land → rund drei Jahre Anwärterdienst → Bewerbung auf eine ausgeschriebene Notarstelle.

Charakter: Hauptberuf, keine Anwaltstätigkeit daneben. Planbarer Zugang, aber harte Notenkonkurrenz und Wartezeit auf freie Stellen.
AnwaltsnotariatWo: Berlin, Hessen, Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen (in Teilen).

Weg: Zulassung als Rechtsanwalt → mindestens fünf Jahre Anwaltstätigkeit, davon drei im vorgesehenen Amtsbereich → notarielle Fachprüfung → 160 Stunden Praktika → Bewerbung.

Charakter: Amt neben der Kanzlei. Die Fachprüfung ist anspruchsvoll – vier fünfstündige Klausuren und eine mündliche Prüfung, bestanden ab 4,0 Punkten.

Der Weg im Nur-Notariat, Stufe für Stufe

  1. Jurastudium und Erstes Staatsexamen (4,5 – 5 Jahre)Wie bei allen juristischen Staatsberufen. Ein Schwerpunkt im Zivil-, Gesellschafts- oder Erbrecht ist von Vorteil.
  2. Referendariat und Zweites Staatsexamen (2 Jahre)Die Notarstation im Wahlteil ist der beste Realitätstest. Auch hier gilt: Ohne Prädikat wird es im Nur-Notariat schwierig.
  3. Notarassessor (ca. 3 Jahre)Anstellung im Landesdienst bzw. bei der Notarkammer, Mitarbeit in Notariaten, Vertretungstätigkeit. Hier entsteht die Praxis, die für die spätere Bestellung zählt.
  4. Bewerbung auf eine NotarstelleNotarstellen werden öffentlich ausgeschrieben; die Auswahl richtet sich nach Examensnote, Dauer des Anwärterdienstes und fachlicher Beurteilung. Freie Stellen sind knapp, Wartezeiten normal.
  5. Bestellung und AmtsführungMit der Bestellung folgt die Amtspflicht: Urkundentätigkeit, Verwahrung, Aufsicht durch die Notarkammer. Bewerbungen sind nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres möglich.

Einkommen: die größte Spanne aller juristischen Berufe

Gehalt Notar 2026: 80.000 € im unteren Dezil, Median 180.000 €, 500.000 € im oberen Dezil, im Vergleich zum Berufsfeld Recht & öffentlicher Dienst
Gehalt Notar 2026. Die Spanne reicht von 80.000 € im unteren bis 500.000 € im oberen Dezil; der Median liegt bei 180.000 €.

Notare sind keine Beamten und beziehen kein Gehalt. Sie rechnen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab – die Gebühren sind gesetzlich festgelegt und richten sich nach dem Geschäftswert. Was am Ende bleibt, hängt vollständig von Amtsbereich und Urkundenaufkommen ab.

Einkommenslage im Notariat 2026. Angegeben ist der Praxisüberschuss vor Steuern nach Abzug von Personal-, Raum- und Versicherungskosten. Die Streuung ist größer als in jedem anderen juristischen Beruf. Quelle: Profiling Institut, Berufsbilder-Lexikon 2026.
KonstellationKontextPraxisüberschuss/Jahr
NotarassessorAnwärterdienst, angestellt55.000 – 75.000 €
Anwaltsnotar, ländlichNotariat als Zusatzgeschäft zur Kanzlei80.000 – 150.000 €
Nur-Notar, mittlerer AmtsbereichImmobilien und Erbrecht als Schwerpunkt150.000 – 300.000 €
Nur-Notar, Ballungsraumhohes Urkundenaufkommen, Gesellschaftsrecht300.000 – 500.000 €
Großstadtnotariat, M&A-SchwerpunktUmwandlungen, große Geschäftswerteüber 500.000 €

Zu berücksichtigen ist die Kehrseite der Selbständigkeit: keine Pension, keine Beihilfe, volle Verantwortung für Personal und Büro, und eine Berufshaftpflicht, die dem Risiko entspricht. Der Vergleich mit der Richterbesoldung fällt beim Bruttowert eindeutig, beim Sicherheitsniveau gar nicht eindeutig aus.

Eignungsprofil

Das RIASEC-Profil ist CIE – Conventional vor Investigative und Enterprising. Der ordnende Anteil dominiert deutlich: Notarielle Arbeit ist Präzisionsarbeit an Formulierungen, Fristen und Registerabläufen. Der unternehmerische Anteil kommt hinzu, weil ein Notariat ein Betrieb mit Personalverantwortung ist.

Passt gutWer Sorgfalt über Tempo stellt. Wer Freude an Vertragsgestaltung hat und Konflikte lieber im Vorfeld ausräumt als vor Gericht austrägt. Wer Neutralität aushält, auch wenn eine Seite erkennbar unerfahren ist.
Passt schlechtWer den Nervenkitzel des Streits sucht – das ist die Anwaltsrolle. Wer mit persönlicher Haftung schlecht schläft. Und wer nicht 15 Jahre auf ein Berufsziel hinarbeiten möchte, dessen Verfügbarkeit von ausgeschriebenen Stellen abhängt.

Häufige Fragen

Wie wird man Notar?

Das hängt vom Bundesland ab. Im Nur-Notariat über zwei Staatsexamen mit Prädikat und rund drei Jahre Notarassessorzeit. Im Anwaltsnotariat über die Anwaltszulassung, mindestens fünf Jahre Anwaltstätigkeit, die notarielle Fachprüfung und 160 Stunden Praktika.

Wie lange dauert es, Notar zu werden?

Insgesamt rund 15 Jahre ab Studienbeginn. Im Nur-Notariat: fünf Jahre Studium, zwei Jahre Referendariat, drei Jahre Anwärterdienst und danach Wartezeit auf eine freie Stelle. Im Anwaltsnotariat verschiebt sich die Zeit in die fünf Jahre Anwaltspraxis.

Was verdient ein Notar?

Notare beziehen kein Gehalt, sondern rechnen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab. Der Praxisüberschuss reicht von rund 80.000 € im ländlichen Anwaltsnotariat bis über 500.000 € in großen städtischen Notariaten mit Gesellschaftsrechtsschwerpunkt.

Was ist der Unterschied zwischen Nur-Notar und Anwaltsnotar?

Der Nur-Notar übt ausschließlich das Notaramt aus, der Anwaltsnotar daneben weiter seine Kanzlei. Welches System gilt, bestimmt das Bundesland: Nur-Notariat in Baden-Württemberg, Bayern und den ostdeutschen Ländern, Anwaltsnotariat unter anderem in Berlin, Hessen und Norddeutschland.

Braucht man ein Prädikatsexamen?

Für das Nur-Notariat praktisch ja, weil der Zugang über ein Auswahlverfahren mit starker Notengewichtung läuft. Im Anwaltsnotariat zählt daneben die bestandene notarielle Fachprüfung, was den Weg auch mit schwächerem Examen öffnet.

Kann man als Notar angestellt arbeiten?

Nicht dauerhaft. Das Notaramt ist ein persönliches öffentliches Amt und wird selbständig geführt. Angestellt tätig ist man nur als Notarassessor während des Anwärterdienstes oder als Notarvertreter.

Gibt es eine Altersgrenze?

Ja. Eine Bewerbung um das Notaramt ist nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres möglich; die Amtszeit endet mit dem 70. Lebensjahr.

Wechseln im öffentlichen Dienst – ohne die Sicherheit aufzugeben

Die meisten, die im öffentlichen Dienst über Veränderung nachdenken, wollen nicht raus, sondern woandershin. Genau dafür gibt es Zwischenschritte, die zurückholbar sind: Laufbahnwechsel, Abordnung, Versetzung, Beurlaubung. Nur eine Entscheidung ist es nicht – die Entlassung auf eigenen Antrag. Was rechtlich möglich ist, was rückholbar bleibt und was ein Ausstieg bei der Altersversorgung kostet, steht unter Neuorientierung im öffentlichen Dienst.

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15 Jahre sind eine lange Festlegung

Bevor Sie einen Weg einschlagen, dessen Ende von ausgeschriebenen Stellen abhängt, lohnt die nüchterne Prüfung: Passt das Profil – oder passt eigentlich die Kanzlei, das Syndikusamt oder die Justiz besser?

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Quellen und Stand. Zugangswege und Systemunterschiede nach Bundesnotarordnung (BNotO) sowie der Übersicht von Jurinsight. Gebührenrahmen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG). Einkommensangaben sind Praxisüberschüsse vor Steuern aus Marktbeobachtung des Profiling Instituts, keine Zusicherung. RIASEC-Zuordnung nach Holland, Eignungseinschätzung nach DIN 33430. Stand: August 2026. Verwandt: Richter · Staatsanwalt · Rechtsanwalt · Steuerberater · alle Berufsbilder.

Passt dieser Beruf zu Ihnen?

Notar ist ein möglicher Weg – ob er zu Ihnen passt, entscheidet sich an drei Dingen: Fähigkeiten, Motiven und Marktbedarf. Der Ratgeber Welcher Beruf passt zu mir? führt durch alle drei Ebenen. Der kostenlose Berufswahltest für Erwachsene liefert in sieben Minuten Ihren Holland-Code.