Notar werden: Zwei Wege, 15 Jahre und ein öffentliches Amt
Notarin oder Notar zu werden ist der langsamste juristische Karriereweg – und der einzige, bei dem am Ende ein öffentliches Amt in wirtschaftlicher Selbständigkeit steht. Welcher Weg offensteht, entscheidet nicht die eigene Planung, sondern das Bundesland: Deutschland kennt zwei völlig verschiedene Notariatssysteme nebeneinander.
Was Notare wirklich tun
Der Notar ist unabhängiger und unparteiischer Betreuer der Beteiligten – kein Interessenvertreter einer Seite. Er beurkundet Grundstückskaufverträge, Gesellschaftsgründungen und Umwandlungen, Eheverträge, Testamente und Erbverträge. Die Beurkundung selbst ist der sichtbare Teil; die Arbeit davor besteht aus Sachverhaltsermittlung, Gestaltung und Belehrung.
Genau dort liegt auch die Haftung. Wer eine steuerliche Folge oder ein Vorkaufsrecht übersieht, haftet persönlich – unabhängig davon, ob die Beteiligten danach gefragt haben. Die Amtspflichten aus der Bundesnotarordnung sind streng, die Aufsicht durch Präsident und Notarkammer real.
Die zwei Wege im Vergleich
Weg: Prädikatsexamen → Bewerbung als Notarassessor beim Land → rund drei Jahre Anwärterdienst → Bewerbung auf eine ausgeschriebene Notarstelle.
Charakter: Hauptberuf, keine Anwaltstätigkeit daneben. Planbarer Zugang, aber harte Notenkonkurrenz und Wartezeit auf freie Stellen.
Weg: Zulassung als Rechtsanwalt → mindestens fünf Jahre Anwaltstätigkeit, davon drei im vorgesehenen Amtsbereich → notarielle Fachprüfung → 160 Stunden Praktika → Bewerbung.
Charakter: Amt neben der Kanzlei. Die Fachprüfung ist anspruchsvoll – vier fünfstündige Klausuren und eine mündliche Prüfung, bestanden ab 4,0 Punkten.
Der Weg im Nur-Notariat, Stufe für Stufe
- Jurastudium und Erstes Staatsexamen (4,5 – 5 Jahre)Wie bei allen juristischen Staatsberufen. Ein Schwerpunkt im Zivil-, Gesellschafts- oder Erbrecht ist von Vorteil.
- Referendariat und Zweites Staatsexamen (2 Jahre)Die Notarstation im Wahlteil ist der beste Realitätstest. Auch hier gilt: Ohne Prädikat wird es im Nur-Notariat schwierig.
- Notarassessor (ca. 3 Jahre)Anstellung im Landesdienst bzw. bei der Notarkammer, Mitarbeit in Notariaten, Vertretungstätigkeit. Hier entsteht die Praxis, die für die spätere Bestellung zählt.
- Bewerbung auf eine NotarstelleNotarstellen werden öffentlich ausgeschrieben; die Auswahl richtet sich nach Examensnote, Dauer des Anwärterdienstes und fachlicher Beurteilung. Freie Stellen sind knapp, Wartezeiten normal.
- Bestellung und AmtsführungMit der Bestellung folgt die Amtspflicht: Urkundentätigkeit, Verwahrung, Aufsicht durch die Notarkammer. Bewerbungen sind nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres möglich.
Einkommen: die größte Spanne aller juristischen Berufe
Notare sind keine Beamten und beziehen kein Gehalt. Sie rechnen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab – die Gebühren sind gesetzlich festgelegt und richten sich nach dem Geschäftswert. Was am Ende bleibt, hängt vollständig von Amtsbereich und Urkundenaufkommen ab.
| Konstellation | Kontext | Praxisüberschuss/Jahr |
|---|---|---|
| Notarassessor | Anwärterdienst, angestellt | 55.000 – 75.000 € |
| Anwaltsnotar, ländlich | Notariat als Zusatzgeschäft zur Kanzlei | 80.000 – 150.000 € |
| Nur-Notar, mittlerer Amtsbereich | Immobilien und Erbrecht als Schwerpunkt | 150.000 – 300.000 € |
| Nur-Notar, Ballungsraum | hohes Urkundenaufkommen, Gesellschaftsrecht | 300.000 – 500.000 € |
| Großstadtnotariat, M&A-Schwerpunkt | Umwandlungen, große Geschäftswerte | über 500.000 € |
Zu berücksichtigen ist die Kehrseite der Selbständigkeit: keine Pension, keine Beihilfe, volle Verantwortung für Personal und Büro, und eine Berufshaftpflicht, die dem Risiko entspricht. Der Vergleich mit der Richterbesoldung fällt beim Bruttowert eindeutig, beim Sicherheitsniveau gar nicht eindeutig aus.
Eignungsprofil
Das RIASEC-Profil ist CIE – Conventional vor Investigative und Enterprising. Der ordnende Anteil dominiert deutlich: Notarielle Arbeit ist Präzisionsarbeit an Formulierungen, Fristen und Registerabläufen. Der unternehmerische Anteil kommt hinzu, weil ein Notariat ein Betrieb mit Personalverantwortung ist.
Häufige Fragen
Wie wird man Notar?
Das hängt vom Bundesland ab. Im Nur-Notariat über zwei Staatsexamen mit Prädikat und rund drei Jahre Notarassessorzeit. Im Anwaltsnotariat über die Anwaltszulassung, mindestens fünf Jahre Anwaltstätigkeit, die notarielle Fachprüfung und 160 Stunden Praktika.
Wie lange dauert es, Notar zu werden?
Insgesamt rund 15 Jahre ab Studienbeginn. Im Nur-Notariat: fünf Jahre Studium, zwei Jahre Referendariat, drei Jahre Anwärterdienst und danach Wartezeit auf eine freie Stelle. Im Anwaltsnotariat verschiebt sich die Zeit in die fünf Jahre Anwaltspraxis.
Was verdient ein Notar?
Notare beziehen kein Gehalt, sondern rechnen nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz ab. Der Praxisüberschuss reicht von rund 80.000 € im ländlichen Anwaltsnotariat bis über 500.000 € in großen städtischen Notariaten mit Gesellschaftsrechtsschwerpunkt.
Was ist der Unterschied zwischen Nur-Notar und Anwaltsnotar?
Der Nur-Notar übt ausschließlich das Notaramt aus, der Anwaltsnotar daneben weiter seine Kanzlei. Welches System gilt, bestimmt das Bundesland: Nur-Notariat in Baden-Württemberg, Bayern und den ostdeutschen Ländern, Anwaltsnotariat unter anderem in Berlin, Hessen und Norddeutschland.
Braucht man ein Prädikatsexamen?
Für das Nur-Notariat praktisch ja, weil der Zugang über ein Auswahlverfahren mit starker Notengewichtung läuft. Im Anwaltsnotariat zählt daneben die bestandene notarielle Fachprüfung, was den Weg auch mit schwächerem Examen öffnet.
Kann man als Notar angestellt arbeiten?
Nicht dauerhaft. Das Notaramt ist ein persönliches öffentliches Amt und wird selbständig geführt. Angestellt tätig ist man nur als Notarassessor während des Anwärterdienstes oder als Notarvertreter.
Gibt es eine Altersgrenze?
Ja. Eine Bewerbung um das Notaramt ist nur bis zur Vollendung des 60. Lebensjahres möglich; die Amtszeit endet mit dem 70. Lebensjahr.
Wechseln im öffentlichen Dienst – ohne die Sicherheit aufzugeben
Die meisten, die im öffentlichen Dienst über Veränderung nachdenken, wollen nicht raus, sondern woandershin. Genau dafür gibt es Zwischenschritte, die zurückholbar sind: Laufbahnwechsel, Abordnung, Versetzung, Beurlaubung. Nur eine Entscheidung ist es nicht – die Entlassung auf eigenen Antrag. Was rechtlich möglich ist, was rückholbar bleibt und was ein Ausstieg bei der Altersversorgung kostet, steht unter Neuorientierung im öffentlichen Dienst.
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15 Jahre sind eine lange Festlegung
Bevor Sie einen Weg einschlagen, dessen Ende von ausgeschriebenen Stellen abhängt, lohnt die nüchterne Prüfung: Passt das Profil – oder passt eigentlich die Kanzlei, das Syndikusamt oder die Justiz besser?
Kostenlosen Eignungstest startenPasst dieser Beruf zu Ihnen?
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