Berufsbegleitend studieren: Modelle, Aufwand, Kosten und wie Sie das passende Studium finden
Ein berufsbegleitendes Studium bringt einen Bachelor oder Master, ohne dass Sie den Job aufgeben. Hier steht, welche Studienmodelle es gibt, wie viele Stunden pro Woche realistisch sind, was es kostet, wer zahlt und wie Sie herausfinden, welches Fach sich für Sie lohnt.
Die Wahl des Fachs entscheidet mehr über den Erfolg als die Wahl der Hochschule.
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Berufsbegleitend studieren heißt: Sie arbeiten weiter, meist in Vollzeit, und studieren abends, am Wochenende oder online. Rechnen Sie mit 15 bis 20 Stunden Lernzeit pro Woche und bei einem Bachelor mit sieben bis neun Semestern.
Wichtiger als die Frage „wo“ ist die Frage „was“. Wer drei bis vier Jahre neben dem Beruf durchhalten will, braucht ein Fach, das zu Fähigkeiten, Interessen und Zielen passt. Genau hier scheitern viele: nicht am Stoff, sondern an der falschen Wahl.
Was ist ein berufsbegleitendes Studium?
Ein berufsbegleitendes Studium ist ein vollwertiges Hochschulstudium, das so organisiert ist, dass Sie parallel arbeiten können. Es endet mit denselben Abschlüssen wie ein Präsenzstudium, also Bachelor oder Master, und ist bei akkreditierten Studiengängen gleichwertig. Die Grundlagen fasst auch der Glossar-Eintrag berufsbegleitendes Studium zusammen.
Berufsbegleitend
Sie haben einen Job, der mit dem Studium nichts zu tun haben muss. Das Studium organisieren Sie selbst neben der Arbeit.
Dual (praxisintegriert)
Hochschule und Arbeitgeber sind vertraglich verbunden, Theorie- und Praxisphasen wechseln sich ab. Mehr dazu unter duales Studium.
Berufsintegriert
Das Studium baut auf Ihrer aktuellen Tätigkeit auf, Projekte aus dem Job fließen in Hausarbeiten und Abschlussarbeit ein. Oft vom Arbeitgeber mitgetragen.
Weiterbildung und Zertifikat
Kürzere Hochschulzertifikate oder einzelne Module ohne vollen Abschluss. Ein guter Test, ob Fach und Lernform passen.
Studienmodelle im Vergleich: Fern, Abend, Wochenende, Blended
Berufsbegleitend studieren kann sehr unterschiedlich aussehen. Entscheidend ist, wie gut das Modell zu Ihrem Arbeitsalltag und Ihrer Art zu lernen passt.
| Modell | So läuft es | Passt zu |
|---|---|---|
| Fernstudium | Lernen mit Skripten, Videos und Online-Tutorien, Prüfungen in Prüfungszentren oder online | Schichtarbeit, Reisetätigkeit, hoher Selbstdisziplin. Mehr unter Fernstudium |
| Abendstudium | zwei bis drei feste Abende pro Woche an der Hochschule | festen Arbeitszeiten und Wohnort nahe der Hochschule |
| Wochenendstudium | Präsenzblöcke an Freitagen und Samstagen, dazwischen Selbststudium | Menschen, die feste Termine und direkten Austausch brauchen |
| Blended Learning | Mischung aus Onlinephasen und wenigen Präsenzwochenenden | allen, die Flexibilität wollen, aber nicht allein lernen möchten |
| Teilzeitstudium an staatlichen Hochschulen | regulärer Studiengang in Teilzeit, Lehrveranstaltungen teils tagsüber | flexiblen Arbeitszeiten oder reduzierter Stelle, meist geringe Kosten |
Welche Studiengänge es berufsbegleitend gibt
Berufsbegleitend studieren lässt sich heute in fast allen Fachrichtungen, besonders breit ist das Angebot in Wirtschaft, Informatik, Sozialem und Technik. Medizin, Pharmazie oder Lehramt mit Staatsexamen gibt es dagegen kaum in dieser Form. Die aktuelle Studiengangsuche führt der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz.
| Fachrichtung | Typische Studiengänge | Oft gewählt von |
|---|---|---|
| Betriebswirtschaft, Management | Bachelor BWL, Wirtschaftspsychologie, Master MBA | kaufmännische Berufe, Aufstieg in Führung |
| Informatik und Digitalisierung | Wirtschaftsinformatik, Informatik, Data Science | IT-Fachkräfte, Quereinsteiger mit Technikbezug |
| Soziales und Gesundheit | Soziale Arbeit, Pflegemanagement, Gesundheitsökonomie | Erzieher, Pflegefachkräfte, Therapeuten |
| Ingenieurwesen und Technik | Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen | Techniker, Meister, Facharbeiter |
| Psychologie und Personal | Wirtschaftspsychologie, Personalmanagement, Psychologie (B.Sc.) | Personalwesen, Beratung, Coaching |
| Recht und Verwaltung | Wirtschaftsrecht, Public Management, Steuerrecht | Verwaltungsfachangestellte, Steuerfachangestellte |
Die Tabelle zeigt Schwerpunkte, keine Empfehlung. Ob ein Fach zu Ihnen passt, hängt weniger von der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ab als von Interessen und Fähigkeiten. Einen Überblick über alle Fachrichtungen gibt die Seite Studienfelder.
Wie viel Zeit ein Studium neben dem Beruf kostet
Ein Bachelor umfasst meist 180 ECTS-Punkte, ein Punkt steht für 25 bis 30 Stunden Arbeit. Das sind insgesamt rund 4.500 bis 5.400 Stunden. Verteilt auf sieben bis neun Semester ergibt das die typischen 15 bis 20 Stunden pro Woche, in Prüfungsphasen mehr.
Woher sollen diese 15 bis 20 Stunden kommen? Wer sie nicht konkret benennen kann, etwa zwei Abende, ein Wochenendtag, eine reduzierte Stelle, bricht häufiger ab. Hilfreich ist ein Probemonat: vier Wochen lang die geplanten Lernzeiten freihalten, bevor Sie sich einschreiben.
Voraussetzungen: berufsbegleitend studieren auch ohne Abitur
Viele berufsbegleitende Studiengänge richten sich ausdrücklich an Berufstätige ohne klassische Hochschulreife. Seit dem Beschluss der Kultusministerkonferenz von 2009 gilt bundesweit:
Meister, Fachwirt, Techniker
Eine Aufstiegsfortbildung berechtigt zum Studium aller Fächer, sie gilt als allgemeine Hochschulzugangsberechtigung.
Ausbildung plus Berufserfahrung
Mit abgeschlossener, mindestens zweijähriger Berufsausbildung und in der Regel drei Jahren Berufserfahrung können Sie ein fachlich verwandtes Studium aufnehmen, teils nach Eignungsprüfung oder Probestudium.
Master berufsbegleitend
Weiterbildende Master verlangen meist einen ersten Abschluss und ein bis zwei Jahre Berufserfahrung. Einige Hochschulen lassen Berufserfahrene über Eignungsprüfungen auch ohne Bachelor zu.
Die Details regeln die Länder und Hochschulen. Einen Überblick gibt die Seite Studieren ohne Abitur.
Kosten und Förderung: Wer zahlt das berufsbegleitende Studium?
An privaten Hochschulen kostet ein berufsbegleitender Bachelor je nach Anbieter und Dauer häufig zwischen 9.000 und 20.000 Euro. Staatliche Hochschulen sind in Teilzeitstudiengängen oft deutlich günstiger, weiterbildende Master kosten dort aber ebenfalls Gebühren. Die Kosten lassen sich auf mehreren Wegen senken:
| Weg | Was Sie wissen sollten |
|---|---|
| Arbeitgeber | Viele Arbeitgeber beteiligen sich an Gebühren oder geben Lernzeit frei, oft gegen eine Bindungsklausel. Diese sollte zeitlich gestaffelt und schriftlich fixiert sein. |
| Steuer | Nach einer abgeschlossenen Ausbildung sind Studienkosten meist in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar. Ein Erststudium ohne vorherige Ausbildung zählt nur als Sonderausgabe bis 6.000 Euro im Jahr. |
| Aufstiegsstipendium | Die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung fördert Berufserfahrene mit Ausbildung und mindestens zwei Jahren Berufspraxis, berufsbegleitend mit 3.045 Euro pro Jahr (Stand 2025/26). |
| Bildungsurlaub | In fast allen Bundesländern stehen Beschäftigten meist fünf Tage Bildungsurlaub pro Jahr zu, ausgenommen Bayern und Sachsen. Ob ein Studienmodul anerkannt wird, entscheidet das jeweilige Landesrecht. |
Weitere Stipendien listet die Seite Stipendien fürs Studium, einen Überblick über Studienkosten die Seite Was kostet ein Studium?.
Welches berufsbegleitende Studium passt zu mir?
Berufstätige wählen ein Studium oft nach dem Kriterium „bringt mich im Job weiter“. Das ist verständlich, aber zu wenig. Wer drei bis vier Jahre neben dem Beruf lernt, braucht einen Stoff, der ihn interessiert und seinen Fähigkeiten entspricht. Sonst wird jede Lerneinheit zur Pflichtübung.
1. Ziel klären
Aufstieg im aktuellen Unternehmen, Wechsel in ein anderes Feld oder ein akademischer Abschluss, der bisher gefehlt hat? Jedes Ziel führt zu anderen Studiengängen.
2. Interessen prüfen
Welche Themen lesen Sie freiwillig? Welche Aufgaben im Job machen Ihnen Freude? Das sind die besten Hinweise auf ein Fach, das Sie durchhalten.
3. Fähigkeiten einschätzen
Zahlenlastige Fächer wie BWL mit Controlling oder Informatik verlangen andere Stärken als Soziale Arbeit oder Psychologie. Ein kognitiver Test zeigt, wo Sie sicher stehen.
4. Lernform passend wählen
Wer Struktur und Austausch braucht, hält im reinen Fernstudium schwerer durch. Die Persönlichkeit entscheidet mit, welches Modell trägt.
Eine Studienberatung für Berufstätige verbindet diese vier Fragen: Mit normierten Tests zu Fähigkeiten, Interessen und Persönlichkeit nach DIN 33430 und einem ausführlichen Gespräch klären wir, welches Fach und welches Studienmodell zu Ihnen passen. Mehr unter Studienberatung.
Häufige Fragen zum berufsbegleitenden Studium
Sie arbeiten weiter, meist in Vollzeit, und studieren abends, am Wochenende oder online. Das Studium endet mit einem vollwertigen Bachelor oder Master, bei akkreditierten Studiengängen gleichwertig zum Präsenzstudium.
Meist sieben bis neun Semester, also dreieinhalb bis viereinhalb Jahre. Ein berufsbegleitender Master dauert in der Regel vier bis fünf Semester.
Rechnen Sie mit 15 bis 20 Stunden pro Woche, in Prüfungsphasen mehr. Ein Bachelor mit 180 ECTS entspricht insgesamt rund 4.500 bis 5.400 Arbeitsstunden.
Ja. Mit Meister, Fachwirt oder Techniker haben Sie eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung. Mit abgeschlossener Berufsausbildung und in der Regel drei Jahren Berufserfahrung können Sie ein fachlich verwandtes Studium aufnehmen.
An privaten Hochschulen häufig 9.000 bis 20.000 Euro für einen Bachelor. Teilzeitstudiengänge an staatlichen Hochschulen sind oft günstiger. Arbeitgeberzuschüsse, steuerliche Absetzbarkeit und das Aufstiegsstipendium senken die Kosten.
Nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung meist ja, in voller Höhe als Werbungskosten. Bei einem Erststudium ohne vorherige Ausbildung gelten die Kosten nur als Sonderausgaben bis 6.000 Euro pro Jahr.
Viele Arbeitgeber beteiligen sich, wenn das Studium zur Stelle passt, oft verbunden mit einer Bindungsklausel. Fragen Sie vor der Einschreibung nach Kostenübernahme, freien Lerntagen und flexiblen Arbeitszeiten.
Klären Sie zuerst Ziel, Interessen und Fähigkeiten, dann das Studienmodell und erst zuletzt die Hochschule. Eine Studienberatung mit normierten Tests zeigt, welches Fach und welche Lernform zu Ihnen passen.
Besonders viele in Betriebswirtschaft und Management, Wirtschaftsinformatik und Informatik, Sozialer Arbeit und Gesundheitsmanagement, Ingenieurwesen sowie Wirtschaftspsychologie und Personalmanagement. Medizin, Pharmazie und Staatsexamens-Studiengänge gibt es berufsbegleitend kaum.
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