Beruf · Klassisches Bauhandwerk⚡ HWK-Beruf · 3 Fachrichtungen · Energetische Sanierung als Boom

Maler/in und Lackierer/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere

Maler und Lackierer ist das klassische Bauhandwerk für Oberflächen – einer der traditionsreichsten Handwerksberufe Deutschlands. Von der Wohnungsrenovierung über die Fahrzeuglackierung bis zur Denkmalpflege historischer Bauwerke: Maler und Lackierer gestalten und schützen die sichtbaren Oberflächen unserer gebauten Welt. Mit der Ausbildungsverordnung 2003 wurden drei Fachrichtungen geschaffen: Gestaltung und Instandhaltung, Kirchenmalerei und Denkmalpflege sowie Bauten- und Korrosionsschutz – plus die früher selbstständige Fachrichtung Fahrzeuglackierung. Mit der Energiewende und der Sanierungs-Offensive (Wärmedämmung) ist der Beruf gefragter denn je. Wir zeigen Aufgaben, sechs Branchen, das RIASEC-Profil RAE und Karrierewege bis zum Malermeister.

~8.500
Neue Verträge 2025
730–1.030€
Ø Ausbildungsvergütung Monat
3 Jahre
Reguläre Ausbildungsdauer
92,3%
Übernahmequote nach Ausbildung
Steckbrief

Kurzüberblick: Maler/in und Lackierer/in

Maler und Lackierer/innen gestalten, schützen und sanieren Oberflächen an Innenräumen, Fassaden, Bauwerken und Fahrzeugen. Anders als Industrieberufe wird Maler und Lackierer vor der Handwerkskammer (HWK) ausgebildet und geprüft. Mit der Ausbildungsverordnung vom 03.07.2003 wurde der Beruf in drei Fachrichtungen strukturiert – nach 1,5 Jahren gemeinsamer Grundausbildung erfolgt die Spezialisierung. Wer sich später selbstständig machen will, muss den Malermeister haben – Maler und Lackierer steht auf der Anlage A der Handwerksordnung („zulassungspflichtiges Handwerk"). Mit der Energiewende und der Sanierungs-Offensive (Wärmedämmung WDVS) ist der Beruf einer der gefragtesten Bauberufe.

Ausbildungsdauer3 Jahre (mit Abitur Verkürzung möglich)
Empfohlener AbschlussHauptschule (55 %), mittlere Reife (35 %)
Vergütung730–1.030 € (Tarif Maler-/Lackiererhandwerk)
RIASEC-ProfilRAE – Realistic · Artistic · Enterprising
EinsatzortBaustellen, Werkstatt, Innenräume, Fassaden
PrüfungsinstanzHWK (Handwerk, nicht IHK!)
Was macht ein Maler?

Aufgaben & Arbeitsalltag

Maler und Lackierer arbeiten dort, wo Oberflächen gestaltet, geschützt oder erneuert werden müssen. Das umfasst weit mehr als „Wände streichen" – Putz auftragen, Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) montieren, Bodenbeschichtungen aufbringen, historische Stuckaturen restaurieren, Schiffe oder Brücken vor Korrosion schützen. Die Ausbildungsordnung 2003 definiert neun zentrale Tätigkeitsfelder, die je nach Fachrichtung unterschiedlich gewichtet werden.

1

Untergrundvorbereitung

Wände, Decken, Bauteile reinigen, schleifen, grundieren, alte Beschichtungen entfernen, Risse spachteln. Die Basis jeder Maler-Arbeit.

2

Wand- und Deckenbeschichtung

Streichen, Rollen, Spritzen mit verschiedensten Farb- und Lacksystemen. Innen, außen, mit Pinsel, Rolle oder Airless-Spritzgerät.

3

Tapezierarbeiten

Tapeten anbringen: Raufaser, Mustertapete, Vlies, Fototapete. Untergrundbehandlung, präzises Anlegen und Glätten.

4

Wärmedämmung & WDVS

Wärmedämmverbundsysteme an Fassaden anbringen – einer der wichtigsten Wachstumsbereiche. Energetische Sanierung im Aufwind.

5

Bodenbeschichtungen

Industriebodenbeschichtungen, Estriche versiegeln, Epoxid-Beschichtungen, dekorative Beton-Optiken (Cire-Lava-Stil).

6

Fassadensanierung

Putz erneuern, Risse sanieren, Fassadenanstriche, Putz-Sanierung an Altbauten, Schimmel-Sanierung.

7

Spezialtechniken (Fachrichtung Gestaltung)

Lasuren, Marmorierung, Vergoldung, Schablonentechnik, Stuckmalerei, Wandgestaltungen mit Designern.

8

Denkmalpflege & Restaurierung (Fachrichtung Kirchenmalerei)

Historische Fassaden, Sakralbauten, Stuckaturen, Wandmalereien restaurieren. Höchste Handwerkskunst.

9

Korrosionsschutz (Fachrichtung Bauten- und Korrosionsschutz)

Stahlbau-Anstriche, Brücken, Schiffe, Industrieanlagen, Tanks. Spezialbeschichtungen gegen Rost.

⚡ 3 Fachrichtungen seit VO 2003

Die 3 Fachrichtungen des Maler- und Lackiererhandwerks

Nach 1,5 Jahren gemeinsamer Grundausbildung spezialisieren sich Auszubildende in eine von drei Fachrichtungen. Die Wahl prägt den Berufsalltag fundamental – von der Innenausstattung im Wohnungsbau bis zur Restaurierung gotischer Kirchen. Achtung: Die früher eigenständige Ausbildung zum Fahrzeuglackierer ist heute ein separater Beruf mit eigener Ausbildungsordnung – nicht Teil dieser drei Fachrichtungen.

1. Gestaltung und Instandhaltung

Die mit Abstand größte Fachrichtung (~85 %). Wohnungen, Büros, Geschäftshäuser, Fassaden. Klassische Maler-Arbeiten plus Wärmedämmung. Hier sind die meisten Jobs.

2. Kirchenmalerei und Denkmalpflege

Sehr kleine, hochspezialisierte Fachrichtung (~3 %). Sakralbauten, Burgen, denkmalgeschützte Altbauten. Höchste handwerkliche Tiefe, oft mit Restaurator-Weiterbildung.

3. Bauten- und Korrosionsschutz

Mittlere Fachrichtung (~12 %). Brücken, Schiffe, Industrieanlagen, Stahlkonstruktionen. Höchste Vergütung der drei Fachrichtungen, oft Reise-/Außendienst.

Branchen

In welcher Branche soll ich anfangen?

Die Wahl der Branche prägt die Karriere fundamental. Wer im Wohnungsbau anfängt, lernt klassische Renovierung. Wer im Industriebau anfängt, lernt Hochleistungs-Beschichtungen. Wer in der Denkmalpflege anfängt, lernt höchste Handwerkstradition. Hier die sechs wichtigsten Branchen.
WOHN

Wohnungsbau

Renovierungen, Wohnungs-Anstriche, Hausverwaltungen, Privatkunden. Klassisches Einsatzfeld, ca. 60 % aller Maler. Sichere Ausbildung.

GEW

Gewerbe- & Objektbau

Büros, Hotels, Shops, Schulen, Krankenhäuser. Größere Projekte, Generalunternehmer, hohe Anforderungen an Logistik und Termintreue.

DAEMM

Wärmedämmung / WDVS-Spezialist

Wachstumsmarkt durch Energiewende und KfW-Förderung. Fassadendämmung mit WDVS-Systemen. Höhere Wertschöpfung pro qm.

DENK

Denkmalpflege / Kirchen

Restaurierung historischer Bauten, Sakralmalerei, Stuckaturen. Höchste Handwerkstradition, oft mit Restaurator-Weiterbildung.

IND

Industrielackierung & Korrosionsschutz

Brücken, Schiffe, Tanks, Stahlkonstruktionen. Sehr gut bezahlt, oft Reisetätigkeit, Großprojekte (Hochrhein-Brücken, Hafenanlagen).

DESIGN

Design-Maler / Wandgestaltung

Boutique-Hotels, Praxen, gehobene Privatkunden. Lasuren, Marmorierung, Vergoldung, dekorative Techniken. Nische mit Top-Vergütung.

Voraussetzungen & Eignung

Passt der Beruf zu mir?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 55 % der Auszubildenden Hauptschulabschluss mit, 35 % mittlere Reife, 10 % Abitur. Bei renommierten Betrieben und in der Denkmalpflege wird tendenziell Realschule erwartet. Wichtiger als Schulnoten sind handwerkliches Geschick, Sorgfalt und körperliche Belastbarkeit – Maler arbeiten oft auf Leitern und Gerüsten, mit Lösemitteln und in beengten Räumen.

Formale Voraussetzungen

  • Hauptschulabschluss reicht oft (55 %), Realschule (35 %) im Vorteil
  • Gute Noten in Mathematik, Kunst und Werken
  • Räumliches Vorstellungsvermögen (Farbgestaltung)
  • Gesundheitliche Eignung – keine Lösemittel-Allergien
  • Schwindelfreiheit für Arbeiten auf Leiter und Gerüst
  • Gute Sehkraft, Farbsehen (keine Farbenblindheit!)

Persönliche Eigenschaften

  • Handwerkliches Geschick – ruhige Hand für präzise Kanten
  • Gestalterischer Sinn – Farben kombinieren, Wirkungen erkennen
  • Sorgfalt – Saubere Übergänge entscheiden über Qualität
  • Körperliche Belastbarkeit – heben, klettern, in unbequemen Positionen
  • Schwindelfreiheit – Gerüst-Arbeit Pflicht
  • Teamfähigkeit – Großbaustellen sind Teamprojekte
  • Kundenfreundlichkeit – Sie arbeiten in deren Wohnung
  • Sicherheitsbewusstsein – Absturzgefahr, Atemschutz
R
A
E

RIASEC-Profil: RAE – Realistic · Artistic · Enterprising

Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil des Malers ist klar definiert: Realistic (handwerklich-praktisches Arbeiten mit Farben, Lacken, Werkzeugen, körperlicher Einsatz auf Gerüsten) als dominante Primärdimension. Ergänzt durch Artistic (Farbgestaltung, Wandgestaltung, Lasuren, dekorative Techniken) und Enterprising (Kundenkontakt direkt vor Ort, Selbstständigkeit als typischer Karriereweg). Im Vergleich zum Tischler (RAI) ist E statt I dominant – Maler arbeiten mehr im direkten Kundenkontakt und haben sehr starke Selbstständigkeits-Tendenz. Im Vergleich zum Anlagenmechaniker SHK (RIC) ist A statt C dominant – Maler haben deutlich mehr gestalterische Anteile. Reine R-Typen ohne A scheitern an Farbgestaltung, reine A-Typen ohne R an der körperlichen Realität.

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Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Maler-Vergütung liegt im mittleren Handwerks-Bereich – etwas niedriger als Tischler, deutlich höher als Friseur. Der Tarifvertrag des Maler- und Lackiererhandwerks ist seit 2003 allgemeinverbindlich – das heißt, alle Betriebe müssen mindestens nach Tarif zahlen, auch wenn sie nicht Tarif-Mitglied sind. Das ist ein wichtiger Unterschied zu anderen Handwerksberufen mit niedriger Tarifbindung. Nach dem Meister explodieren die Möglichkeiten – als Betriebs-Inhaber sind 50.000–200.000 € jährlicher Gewinn realistisch.

Ausbildungsvergütung 2025 (Tarif Maler-/Lackiererhandwerk, allgemeinverbindlich)

Lehrjahr
Tarif West
Tarif Ost
Bandbreite real
1. Jahr
~730 €
~700 €
650–870 €
2. Jahr
~870 €
~830 €
770–960 €
3. Jahr
~1.030 €
~980 €
910–1.150 €

Werte gerundet. Quellen: Tarifvertrag Maler- und Lackiererhandwerk 2025 (allgemeinverbindlich), Mindestausbildungsvergütung 2025, BIBB-Vergütungserhebung 2025. Vorteil: Allgemeinverbindlichkeit schützt vor Untertarif-Bezahlung – alle Betriebe müssen mindestens nach Tarif zahlen.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Maler-Geselle
28.000–36.000 €
Brutto/Jahr nach Tarifvertrag
WDVS / Korrosionsschutz
36.000–50.000 €
Spezialisten mit Hochpreis-Aufträgen
Malermeister / Betriebs-Inhaber
50.000–200.000 €
Eigener Betrieb: hohe Bandbreite
Verlauf

Ausbildungsablauf: Was passiert in den 3 Jahren?

Die Ausbildung erfolgt dual: 4 Tage pro Woche im Betrieb (Baustelle), 1 Tag in der Berufsschule. Eine Besonderheit ist die gemeinsame Grundausbildung in den ersten 18 Monaten – erst danach erfolgt die Spezialisierung in eine der drei Fachrichtungen. Die Prüfung folgt der gestreckten Gesellenprüfung (GAP).

1. Jahr

Grundlagen gemeinsam für alle Fachrichtungen

Werkstoffkunde, Farbenlehre, Untergrundbehandlung, einfache Anstriche, Tapezieren, Sicherheitsvorschriften. Erste Baustellen-Praxis.

Mitte 2. J.

Gesellenprüfung Teil 1 (GAP)

Schriftliche und praktische Prüfung über Grundlagen. 30 % der Endnote. Danach: Spezialisierung in eine der drei Fachrichtungen.

2. Jahr

Fachrichtungs-Vertiefung

Gestaltung: Lasuren, Marmorieren, Dekortechniken. Denkmalpflege: Restaurierung, Stuck. Korrosionsschutz: Beschichtungssysteme, Stahlbau.

3. Jahr

Eigenständige Bauarbeiten

Komplette Bauaufträge selbstständig planen und ausführen, Kalkulationen erstellen, Kunden betreuen, Auszubildende anleiten.

Ende

Gesellenprüfung Teil 2 (GAP)

Schriftliche Prüfungen plus Gesellenstück: komplexe Beschichtungs- oder Gestaltungsaufgabe in der gewählten Fachrichtung über mehrere Tage. Abschluss: „Maler/in und Lackierer/in".

Nach der Ausbildung

Karrierewege: Vom Maler zum eigenen Betrieb

Das Maler-Handwerk hat eine der höchsten Selbstständigkeits-Quoten aller Ausbildungsberufe – etwa 30 % aller Maler-Gesellen werden später Selbstständige mit eigenem Betrieb. Drei Hauptwege sind typisch: die Selbstständigkeits-Karriere mit eigenem Malerbetrieb, die Spezialisten-Karriere im Korrosionsschutz oder in der Denkmalpflege, und das Studium für die Akademiker-Schiene (Bautechnik, Architektur).

Selbstständigkeits-Karriere

Der klassische und finanziell stärkste Weg. Meisterzwang als Hürde, aber starke Förderung über Aufstiegs-BAföG.

  • Malermeister (HWK, DQR 6 = Bachelor)
  • Eigener Malerbetrieb (1–3 Mann)
  • Mittelständischer Malerbetrieb (5–25 Mitarbeiter)
  • Generalunternehmer / Großbaustellen
  • Inhaber-Gewinn 50.000–200.000 €

Spezialisten-Karriere

Spezialisierung als Schlüssel zu höherer Vergütung.

  • WDVS-Spezialist / Energetische Sanierung
  • Korrosionsschutz-Experte (DIN EN 1090)
  • Geprüfter Restaurator im Maler- und Lackiererhandwerk
  • Fachkraft Schimmel-Sanierung
  • Industriebodenbeschichter

Studium nach der Ausbildung

Mit Meister oder 3 Jahren Berufserfahrung uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung.

  • Bautechnik (B.Eng.)
  • Architektur (B.A./B.Sc.)
  • Bauingenieurwesen
  • Innenarchitektur (B.A.)
  • Restaurierung (Bachelor, HAWK Hildesheim)

Polier & Quereinstiege

Mit Maler-Hintergrund öffnen sich vielfältige Wege.

  • Geprüfter Polier Ausbau (Bauleiter)
  • Maler-Techniker (Fachschule)
  • Berufsschullehrer Malerhandwerk
  • Außendienst Farben-/Beschichtungsindustrie
  • Personalreferent im Bauhandwerk

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Ehrlicher Blick

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen

Maler und Lackierer ist ein außergewöhnlich unternehmerischer Handwerksberuf mit Boom durch Energiewende – aber auch mit körperlichen Belastungen und Lösemittel-Risiken.

Was für den Beruf spricht

  • Sehr hohe Selbstständigkeits-Quote (~30 %)
  • Inhaber-Einkommen bis 200.000 € möglich
  • Sichtbare Ergebnisse – Sie sehen, was Sie geschaffen haben
  • Krisensicher – Wände und Fassaden müssen erneuert werden
  • Energiewende-Boom (WDVS) als Wachstumstreiber
  • Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag schützt vor Untertarif
  • Mo–Fr Bürozeiten, sonntags frei
  • Aufstiegs-BAföG übernimmt Meisterkurs-Kosten

Was Sie wissen sollten

  • Körperlich anstrengend – heben, kniend arbeiten, über Kopf streichen
  • Lösemittel-Belastung – Atemschutz und Hautschutz Pflicht
  • Absturzrisiko bei Gerüst- und Leiterarbeit
  • Witterungsabhängig im Außenbereich
  • Saison-Schwankungen (Außenarbeit im Winter eingeschränkt)
  • Frauenanteil sehr niedrig (~7 %)
  • Konkurrenz durch DIY-Markt und Schwarzarbeit
  • Vergütung niedriger als Mechatroniker (IG-Metall)
Berufsvergleich

Maler vs. ähnliche Bau- & Beschichtungs-Berufe

Drei verwandte Berufe werden häufig mit dem Maler verglichen. Diese Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede.

Kriterium
Maler/Lackierer
Fahrzeuglackierer
Bodenleger
Schwerpunkt
Wände, Fassaden, Decken
Autos, Karosserien
Bodenbeläge (Parkett, PVC)
Aufsicht
HWK (Handwerk)
HWK (Handwerk)
HWK (Handwerk)
Dauer
3 Jahre
3 Jahre
3 Jahre
Empfohlener Abschluss
Hauptschule (55%)
Mittlere Reife
Hauptschule
Ø Vergütung 1. J.
~730 €
~850 €
~720 €
Selbstständigkeit
Meisterzwang
Meisterzwang
Frei (kein Meisterzwang)
Einsatzort
Baustellen, Innenräume
Werkstatt (Karosseriebau)
Baustellen, Wohnungen
RIASEC-Profil
RAE
RAI (mehr technisch)
RC (sehr handwerklich)
Höchster Karriereweg
Malermeister, eigener Betrieb
Karosseriemeister
Eigener Bodenleger-Betrieb
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Maler und Lackierer ist arbeitsmarkt-strategisch ein hochinteressanter Beruf: Mit der Energiewende und der KfW-Sanierungsförderung ist der Bedarf an Fachkräften für Wärmedämmung und energetische Sanierung explodiert – Malerbetriebe können sich vor Aufträgen kaum retten. Mein Rat aus Headhunting-Sicht: Wer Karriere machen will, sollte direkt nach 2–3 Gesellenjahren den Malermeister machen und gezielt eine Nische besetzen – WDVS-Spezialist, Korrosionsschutz-Experte oder Denkmalpflege. Mit dieser Strategie sind 80.000–200.000 € Inhaber-Gewinn mit eigenem Betrieb realistisch. Aufstiegs-BAföG zahlt fast den kompletten Meisterkurs – das nutzen viel zu wenige."

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Bei Maler-Interessenten frage ich gerne: Stell dir vor, du arbeitest 8 Stunden auf einem Gerüst in 12 Metern Höhe, im Sommer bei 30 Grad mit Schutzanzug oder im Winter bei eisigem Wind. Du atmest Lösemittel ein und du sollst trotzdem millimetergenaue Kanten ziehen. Wer dann sagt: „Ich liebe es trotzdem, weil ich am Ende ein fertiges Haus sehe" – hat das richtige Profil. Wer sagt „das wäre mir körperlich zu hart" – sollte vielleicht den Industriekaufmann erwägen. Maler sind robuste Macher mit gestalterischem Auge – eine seltene und wertvolle Kombination."

Häufige Fragen

Maler- und Lackierer-Ausbildung – FAQ

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 55 % der Auszubildenden Hauptschulabschluss mit, 35 % mittlere Reife, 10 % Abitur. Bei renommierten Betrieben und in der Denkmalpflege wird tendenziell Realschule erwartet. Wichtig: Farbsehen ist Voraussetzung – Farbenblindheit (Daltonismus) macht den Beruf unmöglich. Gute Noten in Mathematik (Maße, Kalkulation), Kunst (Farbgestaltung) und Werken sind wichtig.

Nach 1,5 Jahren gemeinsamer Grundausbildung folgt die Spezialisierung: (1) Gestaltung und Instandhaltung (~85 % aller Auszubildenden) – Wohnungsbau, Büros, Fassaden, Wärmedämmung. (2) Kirchenmalerei und Denkmalpflege (~3 %) – Sakralbauten, denkmalgeschützte Altbauten, Restaurierung. (3) Bauten- und Korrosionsschutz (~12 %) – Brücken, Schiffe, Industrieanlagen, höchste Vergütung. Achtung: Die früher eigenständige Fahrzeuglackierer-Ausbildung ist kein Teil dieser drei Fachrichtungen, sondern ein separater Beruf mit eigener Ausbildungsordnung.

Maler liegt im mittleren Handwerks-Bereich: nach Tarif West 2025 ~730 € im 1., 870 € im 2. und 1.030 € im 3. Lehrjahr. Im Osten ~30–50 € niedriger. Bandbreite real 650–1.150 €. Wichtiger Vorteil: Der Tarifvertrag ist allgemeinverbindlich – das heißt, alle Maler-Betriebe in Deutschland müssen mindestens nach Tarif zahlen, auch wenn sie nicht Tarif-Mitglied sind. Anders als beim Friseur oder Tischler, wo die Tarifbindung niedrig ist.

Hängt von Karriereperspektive und Persönlichkeit ab. Gestaltung und Instandhaltung: breite Karriere im Wohnungs-/Objektbau, sichere Auftragslage, klassische Selbstständigkeit – der Mainstream. Kirchenmalerei und Denkmalpflege: höchste handwerkliche Tiefe, sehr spezialisiert, oft mit Restaurator-Weiterbildung. Bauten- und Korrosionsschutz: höchste Vergütung, oft Reisetätigkeit, Industriekunden, Brücken/Schiffe/Stahlbau. Wer am meisten verdienen will, geht Korrosionsschutz. Wer Selbstständigkeit anstrebt, wählt Gestaltung. Wer höchste Handwerkstradition liebt, geht in die Denkmalpflege.

Hängt von der Karriereperspektive ab. Wohnungsbau: klassisches Einsatzfeld, ca. 60 % aller Maler, sichere Ausbildung. Gewerbe- und Objektbau: größere Projekte, Generalunternehmer. Wärmedämmung / WDVS-Spezialist: Wachstumsmarkt durch Energiewende. Denkmalpflege / Kirchen: höchste Handwerkstradition. Industrielackierung & Korrosionsschutz: sehr gut bezahlt, oft Reisetätigkeit. Design-Maler / Wandgestaltung: Boutique-Hotels, gehobene Privatkunden, Nische mit Top-Vergütung.

Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist RAE (Realistic-Artistic-Enterprising). Wer handwerklich mit Farben und Beschichtungen arbeitet (R), gestalterischen Sinn für Farben und Wirkungen hat (A) und direkten Kundenkontakt sucht (E), ist hier richtig. Im Vergleich zum Tischler (RAI) ist E statt I dominant – Maler arbeiten mehr im direkten Kundenkontakt und haben sehr starke Selbstständigkeits-Tendenz. Wer eher technisch-analytisch ist, sollte den Anlagenmechaniker SHK erwägen.

Vier Hauptpfade: (1) Selbstständigkeits-Karriere: Malermeister (HWK, DQR 6 = Bachelor) plus eigener Betrieb (Inhaber-Gewinn 50.000–200.000 €). Maler hat eine der höchsten Selbstständigkeits-Quoten aller Handwerksberufe (~30 %). (2) Spezialisten-Karriere: WDVS-Spezialist, Korrosionsschutz-Experte (DIN EN 1090), geprüfter Restaurator. (3) Studium: Bautechnik, Architektur, Bauingenieurwesen, Restaurierung (HAWK Hildesheim). (4) Polier/Techniker: Geprüfter Polier Ausbau, Maler-Techniker, Berufsschullehrer.

Als Maler-Geselle 28.000–36.000 € Brutto/Jahr nach Tarifvertrag. Mit Spezialisierung (WDVS, Korrosionsschutz) 36.000–50.000 €. Als Malermeister im Angestelltenverhältnis 45.000–60.000 €. Als Betriebs-Inhaber hochgradig variabel: 1-Mann-Betrieb 50.000–80.000 €, mittelständischer Malerbetrieb mit Mitarbeitern 80.000–180.000 €, Generalunternehmer mit Großbaustellen 150.000–250.000 €. Wer Korrosionsschutz oder Denkmalpflege macht, erzielt oft 30 % mehr als der Mainstream-Maler.

Der Malermeister-Lehrgang kostet je nach Anbieter 10.000–14.000 € (Vollzeit) oder 6.000–9.000 € (Teilzeit). Das Aufstiegs-BAföG (früher „Meister-BAföG") übernimmt bis zu 50 % als Zuschuss plus ein zinsgünstiges Restdarlehen, bei bestandener Prüfung erlässt der Staat weitere 50 % des Darlehens. Effektiv zahlt man oft nur 1.500–3.500 € selbst. Außerdem: Während der Vollzeit-Meisterschule Lebenshaltungskosten als BAföG. Aufgrund der niedrigen Kosten ist der Malermeister der „bezahlbarste" aller Handwerksmeister.

Ein Ausbildungsabbruch oder Berufswechsel ist kein Versagen. Bei Malern sind die häufigsten Wechselgründe: körperliche Überlastung, Lösemittel-Allergien, Witterungsbelastung, Höhenangst auf Gerüsten. Die handwerklichen Grundlagen aus 1–2 Jahren Ausbildung sind in vielen Berufen wertvoll – Wechsel zu Tischler, Bodenleger, Anlagenmechaniker SHK, Fliesenleger oder ins Bautechnik-Studium sind erprobt. Eine fundierte berufliche Neuorientierung oder eine persönliche Berufsberatung hilft bei der Klärung.

Klarheit vor der Bewerbung schaffen

Maler und Lackierer ist ein Bauhandwerk mit Energiewende-Boom und höchster Selbstständigkeits-Quote – aber nur, wenn das Profil wirklich passt. Bevor Sie sich für 3 Jahre Ausbildung entscheiden, sollten Sie wissen, ob Ihr RAE-Profil mit handwerklichem Geschick, gestalterischem Sinn und körperlicher Belastbarkeit stimmt. Wir bieten wissenschaftlich validierte Diagnostik und persönliche Beratung – an sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Verordnung über die Berufsausbildung zum Maler und Lackierer vom 03.07.2003.
  • Handwerksordnung (HwO) – Maler und Lackierer in Anlage A (zulassungspflichtiges Handwerk).
  • BIBB-Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe, Stichtag 30.09.2025. Bundesinstitut für Berufsbildung, veröffentlicht 03.03.2026.
  • Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag Maler- und Lackiererhandwerk 2025.
  • Aufstiegs-BAföG (AFBG) 2025 – Förderung für Meisterausbildung.
  • Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz: Branchenbericht 2025.
  • DIN EN 1090 – Ausführung von Stahltragwerken (Korrosionsschutz).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices", 3. Auflage, PAR.
  • Hinweis zu Gehaltsangaben: Bandbreiten beziehen sich auf tarifliche und marktübliche Vergütungen 2025. Tatsächliche Vergütungen variieren stark nach Bundesland, Fachrichtung und Spezialisierung.