Manufakturporzellanmaler/in: Ausbildung und Karriere
Die Farbe auf dem Pinsel sieht anders aus als das Ergebnis nach dem Brand – wer Porzellan bemalt, muss das Endbild vorausdenken. Manufakturporzellanmalerinnen und -maler beherrschen das: einer der wenigen künstlerischen Ausbildungsberufe in Deutschland.
Kurzüberblick: Manufakturporzellanmaler/in
Manufakturporzellanmalerinnen und -maler bemalen Porzellan von Hand: Sie bereiten Farben und Werkzeuge vor, übertragen Dekore, malen frei oder nach Vorlage, setzen Gold- und Lüsterdekore, überwachen die Brände und beurteilen das Ergebnis.
Manufakturporzellanmaler/in: Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die Vergütung ist tariflich geregelt.
Alle Eckdaten
| Beruf | Manufakturporzellanmaler/in |
|---|---|
| Ausbildungsdauer | 3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar |
| Ausbildungsvergütung | Betrieblich oder Branchentarif |
| Zugang | Meist mittlerer Schulabschluss, Mappe erwartet |
| Abschluss und Prüfung | Abschlussprüfung vor der zuständigen Stelle |
| Lernorte | Porzellanmanufaktur plus Berufsschule |
| Rechtsgrundlage | Ausbildungsverordnung nach BBiG |
| RIASEC-Interessencode | ARC |
| KI-Risiko | 17 Prozent automatisierbar, Platz 466 von 478 |
| Neue Ausbildungsverträge 2025 | 6 (BIBB) |
| Zukunftsscore | Note C+, 57 von 100 |
Aufgaben & Arbeitsalltag
Gearbeitet wird am Maltisch mit feinsten Pinseln – ruhig, im Sitzen, oft über Stunden an einem Stück. Die Besonderheit: Die Farben verändern sich im Brand, teils erheblich. Man malt nicht, was man sieht, sondern was entstehen soll.
Farben vorbereiten
Farbpulver anreiben, mit Medium mischen und Konsistenz einstellen.
Dekore übertragen
Vorlagen aufpausen, Konturen setzen und Aufteilung festlegen.
Malen
Flächen anlegen, Schattierungen aufbauen und Details ausarbeiten.
Goldauflagen setzen
Gold- und Lüsterdekore auftragen, Ränder ziehen und polieren.
Brand begleiten
Stücke einsetzen, Brandführung beachten und Ergebnis prüfen.
Beurteilen
Farbwirkung, Vollständigkeit und Qualität nach dem Brand bewerten.
Warum man nicht malt, was man sieht
Keramische Farben verändern sich im Brand – ein mattes Braun kann zu leuchtendem Rot werden. Wer Porzellan bemalt, muss deshalb wissen, wie jede Farbe reagiert, und das Endergebnis im Kopf vorwegnehmen.
Aufglasur oder Unterglasur
Bei der Aufglasurmalerei wird auf die fertige Glasur gemalt und bei niedrigerer Temperatur eingebrannt – das erlaubt viele Farben. Bei der Unterglasurmalerei wird vor der Glasur gemalt; die Farbe liegt geschützt darunter, die Palette ist aber begrenzt.
Korrigieren geht kaum
Ist eine Farbe eingebrannt, lässt sie sich nicht einfach entfernen. Fehler bedeuten oft, dass ein aufwendig bemaltes Stück verloren ist – das verlangt Konzentration und ruhige Hand.
Ein künstlerischer Ausbildungsberuf
Nur wenige Berufe verbinden Malerei als Kerntätigkeit mit einer regulären dualen Ausbildung. Betriebe erwarten deshalb fast immer eine Mappe mit eigenen Arbeiten.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Gestaltungslehre
Form, Farbe, Komposition, Ornament und Stilkunde.
Zeichnen und Malen
Naturstudium, Pinselführung, Strich und Fläche.
Farbenkunde
Keramische Farben, Veränderung im Brand und Mischung.
Maltechniken
Aufglasur, Unterglasur, Lasur, Deckfarbe und Schattierung.
Golddekor
Glanzgold, Poliergold, Lüster und Randziehen.
Werkstoffkunde
Porzellan, Scherben, Glasuren und ihr Verhalten.
Brandtechnik
Temperaturbereiche, Brennkurven und Fehlerbilder.
Dekorentwicklung
Vorlagen, Übertragung, Wiederholbarkeit und Dokumentation.
Passt dieser Beruf zu dir?
Der Beruf verlangt zeichnerisches Talent, große Geduld und Farbverständnis. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.
Formale Voraussetzungen
- Meist mittlerer Schulabschluss erwartet
- Arbeitsmappe fast immer gefordert
- Zeichnerisches Talent
- Normales Farbsehen zwingend
- Sehr gutes Sehvermögen und ruhige Hand
- Große Geduld
Persönliche Eigenschaften
- Ruhige Hand und höchste Konzentration
- Zeichnerisches Talent und Formgefühl
- Farbverständnis und Vorstellungsvermögen
- Geduld bei langen Arbeiten
- Sorgfalt – Korrekturen sind kaum möglich
- Freude an Wiederholung bei Dekoren
RIASEC-Profil: ARC – Artistic · Realistic · Conventional
Der Beruf führt mit malerisch-gestaltender Tätigkeit (A), verbindet sie mit feinhandwerklicher Ausführung am Werkstück (R) sowie vorlagen- und verfahrensgebundener Wiederholbarkeit (C).
In der Dekorentwicklung tritt das A noch stärker hervor. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest für Schüler.
Porzellan von Hand bemalen?
Künstlerisch und sehr selten. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung wird betrieblich oder nach Branchentarif gezahlt.
Vergütung und Rahmenbedingungen
Fragen Sie, ob Sie neben Seriendekoren auch an freier Malerei und Dekorentwicklung arbeiten. Wer eigene Entwürfe umsetzen kann, hat deutlich bessere Perspektiven als jemand, der ausschließlich Vorlagen nachmalt.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung ist das Feld winzig, aber die Konkurrenz gering. Wege führen in die Musterfertigung, die Dekorentwicklung und in die Restaurierung.
Ausbildungsablauf: Vom Strich zum fertigen Dekor
Die dreijährige Ausbildung führt von zeichnerischen Grundlagen über die Farbenkunde bis zur eigenständigen Dekormalerei.
Grundlagen
Zeichnen, Pinselführung, Farbenkunde und Werkstoffe.
Maltechniken
Aufglasur, Unterglasur, Schattierung und Golddekor.
Etwa nach der Hälfte
Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Dekor und Brand
Komplexe Dekore, Brandführung, Beurteilung und Dokumentation.
Abschlussprüfung
Anfertigung eines Prüfungsstücks sowie schriftliche Teile.
Karrierewege: Muster, Dekorentwicklung, Restaurierung
Wer eigene Dekore entwickeln kann, arbeitet im wertvollsten Bereich des Berufs. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.
Dekorentwicklung
Der anspruchsvollste Weg.
- Neue Dekore entwerfen
- Farbstellungen erproben
- Serienvorlagen erstellen
- Zusammenarbeit mit Gestaltung
Musterfertigung
Der praktische Weg.
- Erstmuster und Prototypen
- Schwierige Einzelstücke
- Qualitätsbeurteilung
- Einweisung von Kolleginnen
Restaurierung
Gefragte Nische.
- Historische Dekore ergänzen
- Farbanalyse und Nachstellung
- Zusammenarbeit mit Museen
- Sammlerbetreuung
Fortbildung und Studium
Mit Erfahrung möglich.
- Restaurierung und Konservierung
- Keramik- und Produktdesign
- Freie Kunst
- Betriebliche Weiterbildung
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein künstlerischer Ausbildungsberuf mit hoher Erfüllung – und sehr wenigen Plätzen.
Was für den Beruf spricht
- Malerei als Kerntätigkeit in einer dualen Ausbildung
- Sehr hoher gestalterischer Anteil
- Restaurierung als gefragte Nische
- Praktisch keine Bewerberkonkurrenz
- Ruhige, saubere Werkstattarbeit
- Sichtbares, hochwertiges Ergebnis
Was Sie wissen sollten
- Extrem wenige Ausbildungsplätze
- Mappe fast immer Voraussetzung
- Umzug für die Ausbildung fast sicher
- Fehler sind nach dem Brand kaum korrigierbar
- Belastung für Augen, Nacken und Hände
- Bei Seriendekoren viel Wiederholung
Manufakturporzellanmaler vs. Keramiker vs. Glasveredler
Drei gestaltende Berufe an Keramik und Glas.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Dies ist einer der wenigen Berufe, in denen Malerei die Kerntätigkeit einer regulären dualen Ausbildung ist – entsprechend erwarten Betriebe fast immer eine Mappe. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, ob Sie neben Seriendekoren auch an freier Malerei und Dekorentwicklung arbeiten. Das entscheidet über Ihre späteren Möglichkeiten.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Das Faszinierendste an diesem Beruf ist, dass man nicht malt, was man sieht. Keramische Farben verändern sich im Brand teils erheblich – ein mattes Braun kann zu leuchtendem Rot werden. Man muss also wissen, wie jede Farbe reagiert, und das Endergebnis im Kopf vorwegnehmen. Das ist Wissen und Erfahrung zugleich.“
Zukunftsaussichten Manufakturporzellanmaler/in: Wie robust ist der Beruf?
Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.
Dieser Beruf gehört zu den robusteren im Vergleich. Der Kern der Arbeit besteht aus Tätigkeiten, die sich schlecht in Regeln fassen lassen: Handarbeit am Objekt, Arbeit an und mit Menschen oder Entscheidungen unter wechselnden Bedingungen. Software übernimmt hier vor allem Dokumentation und Planung, nicht die Tätigkeit selbst. Wichtig bleibt die Leserichtung: Der Wert misst, was technisch möglich wäre, nicht was ein Betrieb tatsächlich tut. Kosten, Tarif, Regulierung und Kundenerwartung entscheiden mit. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist seit 2019 um 33,3 % gesunken – der Jahrgang schrumpft schneller als der Ausbildungsmarkt insgesamt.
Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Für diesen Beruf liegen 65 % der Gewichtung als Daten vor, der Rest wurde herausgerechnet. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.
Manufakturporzellanmaler/in – FAQ
Er bemalt Porzellan von Hand: Farbpulver anreiben und mit Medium mischen, Vorlagen aufpausen und Konturen setzen, Flächen anlegen und Schattierungen aufbauen, Details mit feinsten Pinseln ausarbeiten, Gold- und Lüsterdekore auftragen und Ränder ziehen sowie die Brände begleiten und das Ergebnis beurteilen.
Häufig ja. Gestaltende Berufe verlangen meist eine Arbeitsmappe mit eigenen Entwürfen, Zeichnungen oder Materialproben. Sie zeigt Formgefühl, Farbverständnis und Ausdauer – und wiegt im Bewerbungsverfahren meist schwerer als das Zeugnis. Fragen Sie beim Betrieb nach, was genau erwartet wird, und beginnen Sie früh mit dem Sammeln.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Der Zeitpunkt im Herstellungsprozess. Bei der Aufglasurmalerei wird auf die bereits gebrannte Glasur gemalt und bei niedrigerer Temperatur eingebrannt – das erlaubt eine große Farbpalette, die Farbe liegt aber auf der Oberfläche. Bei der Unterglasurmalerei wird vor dem Glasieren gemalt; die Farbe liegt anschließend geschützt unter der Glasur, die Auswahl ist wegen der hohen Brenntemperatur jedoch begrenzt.
Weil keramische Farben aus Metalloxiden und Flussmitteln bestehen, die erst durch die Hitze ihre endgültige Farbe entwickeln. Vor dem Brand wirken sie häufig matt und unscheinbar. Entscheidend sind Temperatur, Brenndauer und Ofenatmosphäre – dieselbe Farbe kann bei abweichender Brandführung anders ausfallen.
Ein Golddekor, das nach dem Brand von Hand poliert wird. Anders als Glanzgold, das bereits glänzend aus dem Ofen kommt, wirkt Poliergold zunächst matt und stumpf. Erst durch das Polieren mit Achat- oder Glasfaserwerkzeug entsteht der tiefe, warme Glanz. Poliergold enthält mehr Edelmetall und gilt als hochwertiger – ist aber deutlich aufwendiger.
Meist einen mittleren Schulabschluss – wichtiger ist jedoch die Mappe. Betriebe achten vor allem auf zeichnerisches Talent, Formgefühl und Ausdauer. Voraussetzung sind zudem normales Farbsehen und sehr gutes Sehvermögen, weil mit feinsten Pinseln und Farbabstufungen gearbeitet wird.
Nur sehr eingeschränkt. Vor dem Brand lässt sich Farbe noch abwischen oder auswaschen. Nach dem Brand ist sie fest mit der Glasur verbunden und kaum zu entfernen – ein Fehler bedeutet oft, dass ein aufwendig bemaltes Stück verloren ist. Deshalb wird konzentriert und in ruhiger Umgebung gearbeitet.
Klein, aber beständig. Das Feld ist deutlich geschrumpft, und die Zahl der Betriebe ist gering – dafür erlernen kaum noch Menschen diese Techniken, sodass gute Fachkräfte knapp und gefragt sind. Tragfähig sind vor allem Restaurierung, Sonderanfertigung und Reparatur, wo maschinelle Fertigung nicht weiterhilft. Viele arbeiten später selbstständig oder mit mehreren Standbeinen.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein künstlerischer Ausbildungsberuf mit hoher Erfüllung. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Manufakturporzellanmaler/in nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
- Aufglasur- und Unterglasurmalerei: unterschiedliche Zeitpunkte im Herstellungsprozess mit Auswirkungen auf Farbpalette, Brenntemperatur und Beständigkeit.
- Brandfarben: Entwicklung der endgültigen Farbwirkung erst durch Temperatur, Brenndauer und Ofenatmosphäre.
- Golddekor: Auftrag von Glanz- und Poliergold sowie Lüsterfarben mit anschließendem Einbrand und Politur.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.