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Berufsbild · Ingenieurwesen & Technik

Wirtschaftsingenieur: Studium, Aufgaben, Gehalt & Karriere 2026

Der Wirtschaftsingenieur ist das typisch deutsche Brückenprofil: technisches Denken trifft unternehmerisches Handeln. In keinem anderen Land der Welt ist dieses Doppelprofil so etabliert und nachgefragt wie in Deutschland – vom Maschinenbaukonzern über die Automobilindustrie bis zur Unternehmensberatung. Der vollständige Ratgeber 2026.

50.000 –
115.000 € Jahresgehalt
EIR
RIASEC-Idealprofil
Top 3
meistgewählte Ingenieurstudiengänge DE
→ CFO / COO
Klassische Karrierepfade
DIN 33430 zertifiziert
25+ Jahre Beratungspraxis
Gehaltsdaten 2025 / 2026
RIASEC-Eignungsprofil
Aktualisiert: Januar 2026

Was macht ein Wirtschaftsingenieur?

Der Wirtschaftsingenieur (kurz: WIng oder WI) ist ein Studienabschluss und Berufsprofil, das es in dieser Form fast nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt. Er kombiniert ingenieurwissenschaftliches Grundwissen aus einem technischen Fach (Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Informatik) mit einem vollwertigen betriebswirtschaftlichen Studium. Das Ergebnis ist kein halber Ingenieur und kein halber BWLer – sondern ein Spezialist an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft, der mit beiden Welten kommunizieren kann.

Was Wirtschaftsingenieure so wertvoll macht, beschreibt ein Phänomen das in deutschen Industrieunternehmen täglich zu beobachten ist: Der Einkäufer, der nicht versteht was er kauft – und das Entwicklungsingenieur, der nicht versteht was sein Design kostet. Der Wirtschaftsingenieur überbrückt diese Kommunikationslücke. Er spricht Ingenieur mit Ingenieuren und kaufmännisches Kalkül mit Controllern. Das macht ihn in Schnittstellenrollen unverzichtbar: Strategischer Einkauf, Supply Chain Management, technischer Vertrieb, Projektkalkulation, Operations Management und Unternehmensberatung für Industriemandate.

Der Studiengang ist einer der beliebtesten Ingenieurstudiengänge Deutschlands: Über 65.000 Wirtschaftsingenieur-Studenten sind aktuell an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Renommierte Standorte: Karlsruher Institut für Technologie (KIT), TU Berlin, RWTH Aachen, TU München, TU Darmstadt, TU Hamburg und die Fachhochschulen mit dualen Programmen in Kooperation mit Industrieunternehmen. Im internationalen Umfeld ist der Abschluss weniger bekannt – für Karrieren im angloamerikanischen Raum ist eine klare Erklärung des Profils nötig.

Strategischer Einkauf & Supply Chain
Lieferanten auswählen und verhandeln, Make-or-buy-Entscheidungen technisch und wirtschaftlich bewerten, globale Lieferketten aufbauen und resilient gestalten. Technisches Verständnis der Komponenten ist entscheidend für faire Preisverhandlungen.
Projektkalkulation & -controlling
Angebote für komplexe technische Projekte kalkulieren, Kostenpläne erstellen, während der Umsetzung Kosten und Termine steuern. Unterschied zum reinen PM: technisches Urteilsvermögen für Aufwandsschätzungen.
Operations & Prozessoptimierung
Produktionsprozesse analysieren und optimieren: Lean-Methoden (5S, Wertstromanalyse, Kaizen), Six Sigma, Kapazitätsplanung und Layoutoptimierung. Technisches Verständnis plus betriebswirtschaftliche Bewertung der Maßnahmen.
Technischer Vertrieb & Presales
Technische Produkte und Anlagen an Unternehmenskunden verkaufen – oft als Key Account Manager oder Solution Consultant. Vorteil: Wirtschaftsingenieure verstehen das Produkt tief genug um technische Einwände zu entkräften und ROI zu quantifizieren.
Unternehmensberatung (Industrie)
Operations-Consulting, Supply Chain Beratung, Digitalisierung in der Produktion, M&A Due Diligence für Industrieunternehmen. Top-Beratungen (McKinsey, BCG, Roland Berger) suchen gezielt Wirtschaftsingenieure für Industriemandate.
Produktmanagement (Industrie)
Technische Produkte durch den Lebenszyklus steuern: von der Anforderungsdefinition über die Markteinführung bis zur Auslaufplanung. Schnittstelle zwischen F&E, Fertigung, Vertrieb und Controlling.

Typischer Arbeitstag – Wirtschaftsingenieur im strategischen Einkauf eines Automobilzulieferers

08:00
Lieferantenbewertung & Kosten-Benchmark
Angebote für Spritzgussteile von drei Lieferanten vergleichen: Stückkosten, Werkzeugkosten, Logistik. Technische Zeichnung prüfen um Fertigungskomplexität richtig einzuschätzen.
09:30
Verhandlung mit Tier-2-Lieferant
Preisverhandlung um 6 % Kostenreduzierung: Rohstoffpreis-Entwicklung als Argument, Value Engineering Potenziale besprechen, Abnahmemengen als Hebel einsetzen.
11:00
Lieferanten-Risikoanalyse (Supply Chain)
Single-Source-Risiko für kritische Komponente identifiziert: Dual-Sourcing-Strategie erarbeiten, Alternativ-Lieferant qualifizieren, Risikobewertung für Einkaufsleiter erstellen.
13:30
Abstimmung Entwicklung & Einkauf
Neue Bauteil-Anforderung aus der Entwicklung: Kaufteil oder Eigenproduktion? Marktrecherche, erste Lieferantenanfragen, Machbarkeits- und Kostenbewertung für Design-Review vorbereiten.
15:00
Jahresbericht Einkaufs-KPIs
Einsparungen Q3 dokumentieren: Total Cost of Ownership-Verbesserungen, Lieferantenportfolio-Optimierungen, Qualitätskennzahlen. Präsentation für CPO-Meeting vorbereiten.
16:30
Weiterbildung & Marktbeobachtung
Rohstoffpreise verfolgen (Stahl, Kupfer, Halbleiter), Lieferantenmarkt-Newsletter lesen, Lean-Supply-Chain-Webinar absolvieren. Marktkenntnis ist entscheidender Verhandlungshebel.

Wirtschaftsingenieur vs. Ingenieur vs. BWLer: Die ehrliche Abgrenzung

Der Wirtschaftsingenieur ist kein Kompromiss zwischen zwei Professionen – sondern ein eigenständiges Profil mit spezifischen Stärken und klaren Grenzen, die man kennen sollte:

Wirtschaftsingenieur
Das Brückenprofil
Technisches Grundverständnis + Betriebswirtschaft
Stärke: Schnittstellenrollen zwischen Technik und Business
Einkauf, Supply Chain, Operations, Projektcontrolling
Früher in Führung und Management als reine Ingenieure
In Deutschland einzigartiger Abschluss mit hoher Anerkennung
Grenzen: Nicht so tief in Konstruktion und Entwicklung wie reine Ingenieure. Nicht so tief in Finanzierung und Rechnungslegung wie reine BWLer oder Controller.
Reiner Ingenieur (Maschinenbau, E-Technik)
Das Fachprofil
Tiefe technische Expertise in einer Disziplin
F&E, Konstruktion, Entwicklung, Inbetriebnahme
Klar strukturierte Fachkarriere mit anerkanntem Abschluss
Weniger breit einsetzbar, aber in seiner Domäne unschlagbar
Formaler Haftungsschutz als Grundlage für bestimmte Berufsbezeichnungen
Grenzen: Oft schlechtere Ausgangsbasis für kaufmännische Führungsrollen. Braucht bewussten Managementkarriere-Aufbau.
BWLer / Ökonom
Das Wirtschaftsprofil
Breite betriebswirtschaftliche Ausbildung
Finance, Marketing, HR, Strategie, Beratung
Sehr breit einsetzbar – in allen Branchen und Funktionen
In Industrieunternehmen oft schwerer als WI oder Ingenieur, weil technisches Verständnis fehlt
Ideale Ausgangsbasis für Finance, Consulting, Marketing
Grenzen: In technischen Unternehmen (Maschinenbau, Automotive, Chemie) ohne technisches Verständnis in bestimmten Rollen Glaubwürdigkeitsproblem.

Das Wirtschaftsingenieur-Studium: Aufbau, Schwerpunkte & Standorte

Das Wirtschaftsingenieur-Studium ist anspruchsvoller als sein Ruf: Mathematik auf Ingenieursniveau, Techniklehre auf Ingenieursniveau und BWL auf Wirtschaftsstudenten-Niveau – kombiniert in einem Programm. Wer glaubt, WI sei die einfachere Alternative zu einem reinen Ingenieurstudium, liegt falsch. Wer denkt, die BWL-Anteile machen es zur weichen Variante – ebenso.

Typischer Studienaufbau Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen (8 Semester)

Der Aufbau variiert je nach Hochschule und technischer Fachrichtung – aber das Grundprinzip ist überall ähnlich: technisch-mathematisches Fundament in den ersten Semestern, kaufmännische Kernfächer ab Semester 3, Schwerpunktwahl ab Semester 5.

Semester 1–2
Mathematisches & technisches Fundament
Höhere Mathematik (Analysis, Lineare Algebra), Technische Mechanik, Strömungslehre oder Elektrotechnik – je nach Fachrichtung. Der anspruchsvollste Teil des Studiums. Viele Studienabbrüche passieren hier.
Semester 3–4
Ingenieurtechnische Vertiefung + BWL-Einstieg
Werkstofftechnik, Fertigungstechnik, Thermodynamik. Parallel: Buchführung, Kostenrechnung, Statistik, Mikroökonomie. Erster Überblick über das kaufmännische Handwerkszeug.
Semester 5–6
Schwerpunktfächer & Spezialisierung
Wahlpflichtfächer: Logistik/Supply Chain, Produktionsmanagement, Controlling, Unternehmensführung, Internationales Management. Erstes Praxisprojekt oder Pflichtpraktikum (oft 6 Monate).
Semester 7–8
Vertiefung, Auslandssemester & Bachelor-Thesis
Auslandssemester empfohlen – erhöht internationale Marktfähigkeit erheblich. Bachelor-Thesis: oft in Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen (dualer Abschluss als Alternative über gesamtes Studium).

Typische Einsatzbereiche & Branchen

Wirtschaftsingenieure sind in nahezu allen technisch geprägten Branchen gefragt – aber mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Gehaltsniveaus:

Automotive & Fahrzeugtechnik
Klassische Heimat des WI: Einkauf, Supply Chain, Produktionsplanung, Qualitätssicherung. OEMs (BMW, Mercedes, VW) und Tier-1-Zulieferer suchen kontinuierlich.
Ø Einstieg: 55.000 – 65.000 €
Maschinenbau & Anlagenbau
Technischer Vertrieb, Projektmanagement, Kalkulation für komplexe Anlagenprojekte. Mittelständisch geprägt, international aktiv.
Ø Einstieg: 50.000 – 60.000 €
Chemie & Pharma
Produktionscontrolling, strategischer Einkauf von Rohstoffen, Prozessoptimierung in GMP-Umgebungen. Sehr gute Gehälter durch Tarifbindung (BAVC).
Ø Einstieg: 58.000 – 70.000 €
Unternehmensberatung
Operations Consulting, Supply Chain Beratung, Industrie 4.0. McKinsey, BCG, Roland Berger, Accenture – WIs sind im Industriebereich bevorzugte Profile.
Ø Einstieg: 65.000 – 95.000 €
Energie & Versorgung
Energiewende-Projekte, Netzbetrieb, erneuerbare Energien – massive Nachfrage durch Infrastrukturausbau und Energiewende bis 2030.
Ø Einstieg: 54.000 – 66.000 €
Bauwesen & Immobilien
Baukalkulation, Projektsteuerung, Facility Management, Immobilienbewirtschaftung. WI-Fachrichtung Bauingenieurwesen als Eingang.
Ø Einstieg: 48.000 – 58.000 €

Spezialisierungen im Wirtschaftsingenieurwesen

Supply Chain & Logistik
Strategischer Einkauf, Lieferantenmanagement, Lageroptimierung, Distributionsplanung. Einer der stärksten Arbeitsmärkte für WIs.
Produktionsmanagement
Lean Manufacturing, Six Sigma, Wertstromanalyse, Kapazitätsplanung. In Automotive und Maschinenbau sehr gefragt.
Technischer Vertrieb / Key Account
B2B-Vertrieb technischer Produkte und Anlagen. OTE-Vergütung möglich – sehr gute Verdienstmöglichkeiten bei Zielerreichung.
Projektmanagement & PMO
Technische Großprojekte steuern: Budgets, Meilensteine, Ressourcen. Besonders in Anlagenbau und Bauwesen.
Industrie 4.0 / Digitalisierung
IoT-Implementierung, digitale Zwillinge, Predictive Maintenance. Wachstumsfeld mit starker WI-Nachfrage.
Nachhaltigkeit & Energie
CO₂-Bilanzierung, Energiemanagement, Dekarbonisierungsstrategien. Massiver Wachstumsmarkt durch Klimaziele bis 2030.

Gehalt als Wirtschaftsingenieur 2026

Wirtschaftsingenieure verdienen in der Regel besser als reine BWLer in vergleichbaren Rollen – und häufig ähnlich oder besser als reine Ingenieure, weil sie früher in Management- und Führungsfunktionen wechseln. Gehaltstreiber: Branche (Chemie und Automotive zahlen mehr als Bauwesen), Unternehmensgröße und Karrierestufe.

50.000 €
Einstieg (Industrie)
0–2 Jahre, Bachelor
70.000 €
Berufserfahren
4–8 Jahre, Konzern
90.000 €
Führungsfunktion
Teamleitung, 10+ Jahre
150.000 €+
COO / CFO (Industrie)
Konzern, 20+ Jahre
Rolle / FunktionErfahrungJahresgehaltBranche / Kontext
Trainee / Einstieg0–2 Jahre48.000 – 60.000 €Automotive, Chemie, Maschinenbau
Referent / Specialist2–5 Jahre60.000 – 80.000 €Strategischer Einkauf, SCM, Controlling
Junior Manager / Teamleiter5–9 Jahre78.000 – 100.000 €Konzern, Beratung
Abteilungsleiter / Head of9–14 Jahre95.000 – 130.000 €Konzern, Mittelstand
COO / CFO / VP Operations15+ Jahre130.000 – 300.000 €+DAX-Konzern, internationaler Mittelstand

Quellen: Kienbaum Ingenieur-Vergütungsstudie 2025, VDI Gehaltsreport 2025, Stepstone Technik 2026. Unternehmensberatung: 65.000–95.000 € Einstieg (Top-Firmen). Technischer Vertrieb mit OTE: bis 120.000 € inkl. Provision bei Zielerreichung.

Welche Persönlichkeit passt zum Wirtschaftsingenieur?

RIASEC-Eignungsprofil: Wirtschaftsingenieur

Das Idealprofil ist EIR – Enterprising, Investigative, Realistic. Unternehmerisches Führungsdenken (E), analytische Problemlösung in komplexen technischen Sachverhalten (I) und praktisch-technisches Grundverständnis (R). Dieses Profil erklärt warum Wirtschaftsingenieure so häufig in Management-Rollen landen: E + I kombiniert mit technischer Glaubwürdigkeit ist die Formel für Führungspotenzial in Industrieunternehmen.

E
Enterprising
Management & Führung
I
Investigative
Analytisches Denken
R
Realistic
Technisches Verständnis
C
Conventional
Strukturierung
S
Social
Teamarbeit
A
Artistic
Wenig relevant
Der E-Typ (Enterprising) ist die treibende Kraft: Wirtschaftsingenieure wählen diesen Studiengang weil sie führen und gestalten wollen – nicht nur rechnen. Wer sich vorstellt ein Leben lang technische Berechnungen zu machen ohne Gestaltungseinfluss, ist in Wirtschaftsingenieurwesen falsch. Der Führungswunsch muss von Anfang an da sein. Der I-Typ (Investigative) sichert die analytische Substanz: Probleme strukturieren, Daten interpretieren, wirtschaftliche und technische Sachverhalte verbinden. Wer Mathe und Technik als notwendiges Übel betrachtet statt als interessantes Denksport, wird das Studium als Qual erleben. Der R-Typ (Realistic) ist der Unterschied zum reinen BWLer: Interesse an wie Dinge physisch funktionieren – Maschinen, Prozesse, Fertigungsabläufe. Wer dieses technische Grundinteresse nicht mitbringt, verliert im Industriekontext schnell die Glaubwürdigkeit, die das Profil ausmacht. Wichtiger Hinweis: Wer sehr stark R-betont ist (liebt es selbst mit den Händen zu arbeiten und Dinge zu bauen), ist oft in einem reinen Ingenieurstudium besser aufgehoben. WI ist für diejenigen, die Technik verstehen und dirigieren wollen – nicht selbst schrauben.
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Karrierestufen: Vom Traineeprogramm zum COO

Stufe 1
Trainee / Einstieg
0 – 2 Jahre
48 – 62 T €
Traineeprogramm in Automotive/Chemie/Maschinenbau. Rotation durch Einkauf, Produktion, Controlling. Mentoring, schnelle Lernkurve.
Stufe 2
Referent / Specialist
2 – 6 Jahre
62 – 85 T €
Eigenständige Fachverantwortung. Spezialisierung auf SCM, Einkauf, Controlling oder Vertrieb. Erste Projektverantwortung und Präsentationen vor Management.
Stufe 3
Manager / Abteilungsleiter
6 – 13 Jahre
85 – 120 T €
Team- und Bereichsverantwortung. Budget-Verantwortung, P&L-Mitverantwortung, strategische Weiterentwicklung des eigenen Bereichs. Internationale Mandate möglich.
Stufe 4
COO / CFO / VP
13+ Jahre
130 T – 300 T €+
Gesamtverantwortung Operations, Supply Chain oder Finance. C-Level-Kommunikation, Strategie und Umsetzung. WI-Abschluss als Startpunkt für diesen Track anerkannt.

Vorteile & Nachteile – eine ehrliche Einschätzung

Vorteile
Einzigartiges Brückenprofil – in Deutschland hoch anerkannt und gesucht
Sehr breites Einsatzfeld: von Einkauf über Beratung bis zum CFO
Früher in Management-Rollen als reine Ingenieure
Hervorragende Einstiegsmöglichkeiten in Traineeprogramme bei DAX-Konzernen
Gehalt über reinen BWLern in technischen Branchen
Krisensicher: Industrieunternehmen brauchen immer WIs an Schnittstellen
Exzellentes Netzwerk durch renommierte Hochschulen (KIT, TU München, RWTH)
Nachteile
Anspruchsvolles Studium – Mathe auf Ingenieursebene schreckt viele ab
Kein Quereinsteig möglich – Studium ist Pflichtvoraussetzung
Im internationalen Umfeld erklärungsbedürftig – kein weltbekannter Titel
Nicht tief genug in Konstruktion für R&D-Rollen
Remote-Potenzial begrenzt – viele Rollen erfordern Produktionsnähe
Hohe Semesterzahl (oft 5–6 Jahre inkl. Master) vs. schnellem BWL-Einstieg
In reinen Software-/Tech-Unternehmen seltener direkt gefragt

Verwandte Berufsbilder

Häufige Fragen zum Studium und Beruf Wirtschaftsingenieur

Die Wahl hängt von Ihrer Karriererichtung ab, nicht von Schwierigkeit oder Prestige. Wirtschaftsingenieur ist besser wenn: Sie in einem technischen Unternehmen (Automotive, Maschinenbau, Chemie, Energie) arbeiten wollen, Sie in Schnittstellenrollen zwischen Technik und Business sehen sich (Einkauf, SCM, Operations, Produktmanagement, technischer Vertrieb), und Sie Mathematik und Technik als interessantes Denksport betrachten – nicht als Pflichtübung. BWL ist besser wenn: Sie primär in Finance, Marketing, HR oder allgemeiner Unternehmensberatung arbeiten wollen, kein spezifisches Interesse an technischen Inhalten haben, und schnell ins Berufsleben einsteigen wollen (Regelstudienzeit 6 Semester vs. 8–10 beim WI). Ein häufiger Fehler: WI zu wählen weil man glaubt es sei das beste beider Welten. WI ist anspruchsvoll – wer Mathe auf Ingenieursebene nicht mag, wird über die ersten Semester sehr leiden.
Wirtschaftsingenieure wechseln typischerweise 3–7 Jahre früher in Management-Rollen als reine Ingenieure – weil sie von Anfang an als Führungskräfte wahrgenommen werden, nicht als Fachexperten. Reine Ingenieure die in die Führung wollen, machen das häufig über einen MBA (2 Jahre, 50.000–100.000 € Kosten) oder berufsbegleitende Management-Qualifikationen. WIs sparen sich diesen Umweg. Das bedeutet jedoch nicht, dass WIs automatisch bessere Führungskräfte werden – nur dass ihre Ausgangsbasis für Management-Karrieren strukturell günstiger ist. Reine Ingenieure die in F&E und Entwicklung bleiben wollen, sind dort deutlich besser aufgestellt als WIs – weil Konstruktionstiefe und Entwicklungs-Know-how entscheidend sind, nicht Management-Breite.
Top-Standorte für WI in Deutschland 2026: Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – konsistenter Spitzenplatz im CHE-Ranking, starke Industrienetzwerke; Technische Universität Berlin – Metropolnetzwerk, starke Beratungs- und Startupszene; RWTH Aachen – exzellente Industrie- und Maschinenbaukontakte; TU München – Kombination aus Spitzenforschung und bayerischem Industrienetzwerk (BMW, Siemens, MAN); TU Darmstadt – stark in Automobil und Chemie (Nähe Frankfurt/Darmstadt Industriecluster); WHU Otto Beisheim School – renommierteste Hochschule ohne Technik-Fokus, aber sehr starkes Netzwerk für BWL-affine WIs; FH-Standorte mit dualen Programmen: FH Aachen, HS München, DHBW Stuttgart – besonders praxisintensiv durch Unternehmenspartner. Für die Karriere entscheidend: Studienort und Firmennetzwerk korrelieren stark. Wer in der Automobilindustrie arbeiten will, ist in München oder Stuttgart gut positioniert. Für Chemie und Pharma ist Darmstadt oder Heidelberg ideal.
In der Mehrzahl der WI-Karrierefälle: ja, der Master lohnt sich. Für Führungsrollen in DAX-Konzernen und in der Unternehmensberatung ist der Master praktisch Standard-Anforderung – mit Bachelor allein wird man zwar eingestellt, kommt aber selten so schnell in Führungsfunktionen. Für Unternehmensberatung (McKinsey, BCG, Roland Berger): Master oder Diplom sind faktische Mindestanforderung für Direkteinstieg als Berater. Für Industriekarrieren in KMU oder regionalen Mittelstandsunternehmen: Der Bachelor reicht oft vollständig aus – wer nach dem Bachelor direkt in ein Traineeprogramm wechselt, hat meist keinen Nachteil durch fehlenden Master. Spezial-Fall MBA: Ein internationaler MBA (Harvard, INSEAD, WHU) nach 5–10 Jahren Berufserfahrung kann ein sehr starker Karrierebeschleuniger sein – aber er kostet erhebliche Zeit und 60.000–120.000 € und lohnt sich nur mit klarem Ziel (Venture Capital, internationales Großunternehmen, Beratungspartner-Track).
Zum Einstieg liegen WIs und reine Ingenieure (Maschinenbau, Elektrotechnik) in ähnlichen Gehaltsbereichen: 48.000–65.000 € je nach Branche und Unternehmen. Der Unterschied entsteht im Karriereverlauf: WIs wechseln häufiger und früher in kaufmännische Führungsrollen (Einkaufsleiter, COO, CFO) mit deutlich höheren Gehaltsräumen. Reine Ingenieure die technische Expertenlaufbahn einschlagen (Konstrukteur, Entwicklungsingenieur, CTO) verdienen ebenfalls sehr gut – aber die Karrieredecke ist häufig niedriger als auf dem Management-Track. Eine aussagekräftige Faustregel: WIs mit Managementambitionen verdienen nach 15 Jahren oft 20–40 % mehr als reine Ingenieure in vergleichbarer Hierarchiestufe – weil sie früher in Führung sind. Reine Ingenieure die selbst zum Manager werden (oft mit ergänzender BWL-Qualifikation), können diesen Gap schließen – aber der Weg ist bewusster und langwieriger.
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Jan Bohlken – Diplom-Sozioökonom, Gründer Profiling Institut
Autor & Fachexperte
Jan Bohlken
Diplom-Sozioökonom · Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Headhunter (Bohlken Consulting) · Schwerpunkte Automotive, Chemie, Maschinenbau
Jan Bohlken hat in seiner Headhunting-Praxis (Bohlken Consulting) über 25 Jahre Positionen in der Automobilindustrie, Chemie und dem Maschinenbau besetzt – Branchen, in denen der Wirtschaftsingenieur zu den meistgesuchten Profilen überhaupt gehört. Was ihn dabei immer wieder beeindruckt: Wie konsequent erfolgreiche WIs ihre technische Glaubwürdigkeit als Führungswerkzeug einsetzen – und wie oft WIs scheitern, weil sie das kaufmännische Handwerkszeug unterschätzen. Das Profiling Institut ist DIN 33430 zertifiziert und an 7 Standorten bundesweit tätig.
DIN 33430 zertifiziert Diplom-Sozioökonom nfb dvb 25+ Jahre Headhunting Industrie