Reliabilität
Reliabilität bezeichnet die Zuverlässigkeit einer Messung: Ein Verfahren ist reliabel, wenn es bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen zum gleichen Ergebnis führt.
Wie sie bestimmt wird
Vier Wege sind gebräuchlich. Die Retest-Reliabilität legt dasselbe Verfahren derselben Person nach einiger Zeit erneut vor – sie misst Stabilität, ist aber bei Merkmalen anfällig, die sich tatsächlich verändern. Die Paralleltest-Reliabilität vergleicht zwei gleichwertige Testversionen. Die Split-Half-Methode teilt den Test und vergleicht beide Hälften. Und die interne Konsistenz, meist als Cronbachs Alpha berichtet, prüft, wie einheitlich die einzelnen Aufgaben dasselbe Merkmal erfassen – das ist der am häufigsten angegebene Kennwert.
Ausgedrückt wird Reliabilität als Koeffizient zwischen 0 und 1. Als grobe Orientierung gelten Werte ab etwa 0,80 für Gruppenvergleiche und ab etwa 0,90 für Entscheidungen über Einzelpersonen als angemessen. Ein hoher Alpha-Wert kann allerdings auch schlicht bedeuten, dass viele Aufgaben fast dasselbe fragen. Praktisch am wichtigsten ist die Folge: Aus der Reliabilität ergibt sich der Standardmessfehler und damit ein Konfidenzintervall. Ein IQ-Wert von 112 ist streng genommen ein Bereich, kein Punkt – wer ihn als Punkt liest, überinterpretiert.
Verhältnis zu den anderen Gütekriterien
Reliabilität ist eines von drei Hauptgütekriterien, neben der Objektivität – dem Grad, in dem das Ergebnis unabhängig davon ist, wer den Test durchführt und auswertet – und der Validität, also der Frage, ob tatsächlich gemessen wird, was gemessen werden soll. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Reliabilität ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Validität. Ein Verfahren kann außerordentlich zuverlässig etwas messen, das mit der Fragestellung nichts zu tun hat – eine Personenwaage misst hochreliabel und sagt über Berufseignung nichts.
Für die Auswahl eines Verfahrens folgt daraus eine einfache Prüfregel: Die Kennwerte müssen veröffentlicht und an einer passenden Stichprobe ermittelt sein, gemeinsam mit der Normierung. Wo diese Angaben fehlen – und das ist bei den meisten frei verfügbaren Online-Tests der Fall –, lässt sich über die Qualität schlicht nichts sagen. Bei seriösen Verfahren liegen sie vor, etwa bei einem Intelligenztest oder einem Persönlichkeitstest. Die theoretische Grundlage liefert die Psychometrie, die Anwendung in Auswahlverfahren behandelt die Eignungsdiagnostik für Unternehmen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Reliabilität?
Die Zuverlässigkeit einer Messung: Ein Verfahren ist reliabel, wenn es unter gleichen Bedingungen wiederholt zum gleichen Ergebnis führt. Bestimmt wird sie über Retest, Paralleltest, Split-Half oder – am häufigsten – über die interne Konsistenz, angegeben als Cronbachs Alpha zwischen 0 und 1.
Was ist der Unterschied zwischen Reliabilität und Validität?
Reliabilität sagt, wie zuverlässig gemessen wird, Validität, ob das Richtige gemessen wird. Reliabilität ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Validität: Ein Verfahren kann sehr zuverlässig etwas erfassen, das für die Fragestellung ohne Bedeutung ist.
Was bedeutet das für Ihre Situation?
Begriffe erklären den Rahmen – die Entscheidung treffen Sie im eigenen Kontext. Unsere Beraterinnen und Berater ordnen ein, was für Ihren Weg wirklich zählt: in der Schul-, Studien- und Berufsberatung ebenso wie in der beruflichen Neuorientierung.