Motivationstheorien

McClellands Motivationstheorie: Leistung, Macht und Anschluss

David McClelland erklärte menschliches Verhalten über drei erlernte Motive: das Bedürfnis nach Leistung, nach Macht und nach Anschluss. Welches überwiegt, prägt, wie wir arbeiten, führen und mit anderen umgehen.

Lesezeit ca. 8 Min.  ·  Fachlich geprüft  ·  Aktualisiert Juni 2026

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McClellands Bedürfnistheorie – kurz erklärt

Der US-Psychologe David McClelland beschrieb drei zentrale Motive, die das Verhalten antreiben: Leistung, Macht und Anschluss. Diese Motive gelten als weitgehend erlernt und sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Was ist McClellands Motivationstheorie?

McClelland ging davon aus, dass Menschen im Lauf ihres Lebens bestimmte Motive entwickeln, die ihr Handeln prägen. Anders als bei Maslow gibt es keine feste Hierarchie: Die drei Motive wirken nebeneinander, und ihr individuelles Verhältnis bestimmt, was jemanden besonders antreibt.

Die drei Motive

  1. Leistungsmotiv: der Wunsch, etwas gut zu machen, Ziele zu erreichen und sich an einem Gütemaßstab zu messen.
  2. Machtmotiv: der Wunsch, Einfluss zu nehmen, zu gestalten und andere zu führen.
  3. Anschlussmotiv: der Wunsch nach guten Beziehungen, Zugehörigkeit und Harmonie.

Das Leistungsmotiv ist besonders gut erforscht – ausführlich auf unserer Seite zur Leistungsmotivation.

Wie werden die Motive gemessen?

McClelland erfasste die Motive nicht über direkte Fragen, sondern über implizite Verfahren: Menschen erzählen frei Geschichten zu mehrdeutigen Bildern, die dann inhaltsanalytisch ausgewertet werden. Der Gedanke dahinter: Echte Motive zeigen sich eher im spontanen Erzählen als in der bewussten Selbsteinschätzung. In der Praxis werden heute auch Fragebögen eingesetzt.

Personalisierte und sozialisierte Macht

Beim Machtmotiv unterschied McClelland zwei Ausprägungen: personalisierte Macht dient dem eigenen Vorteil und der Dominanz, sozialisierte Macht dem Wohl der Gruppe oder Organisation. Erfolgreiche Führungskräfte zeigen häufig ein ausgeprägtes, aber sozial verantwortetes Machtmotiv.

Bedeutung für Führung und Beruf

Das individuelle Motivprofil beeinflusst, welche Rollen zu jemandem passen: Leistungsmotivierte blühen in zielorientierten Aufgaben auf, machtmotivierte Menschen in Führungs- und Gestaltungsfunktionen, anschlussmotivierte in teamorientierten und beratenden Tätigkeiten. Für die Personalauswahl und -entwicklung ist dieses Wissen wertvoll.

Kritik

Die impliziten Messverfahren sind aufwendig und in der Auswertung anspruchsvoll. Zudem erfassen drei Motive nicht das gesamte Spektrum menschlicher Beweggründe – weshalb moderne Verfahren wie unser Test mehrere Dimensionen kombinieren.

Die drei Motive im Berufsalltag

Leistungsmotiv: jemand, der sich eigene Ziele setzt und stolz auf gute Ergebnisse ist. Machtmotiv: jemand, der gern Projekte leitet, überzeugt und Entscheidungen trifft. Anschlussmotiv: jemand, dem ein gutes Betriebsklima und enge Zusammenarbeit besonders wichtig sind. Die meisten Menschen tragen alle drei Motive in unterschiedlicher Stärke in sich.

Lassen sich Motive entwickeln?

McClelland war überzeugt, dass Motive erlernbar sind, und entwickelte Trainings, um etwa das Leistungsmotiv gezielt zu stärken. Auch im Berufsleben lassen sich Motive fördern – durch passende Aufgaben, Vorbilder und Rückmeldung. Das macht das Modell besonders praxisrelevant für Personalentwicklung und Berufsberatung.

McClelland im Vergleich zu Maslow und Herzberg

Anders als die Maslowsche Bedürfnispyramide kennt McClelland keine feste Stufenfolge: Die drei Motive wirken nebeneinander und sind individuell verschieden stark. Mit der Zwei-Faktoren-Theorie teilt der Ansatz den Fokus auf den Arbeitskontext, betont aber stärker die Persönlichkeit.

Bedeutung für die Personalauswahl

In der Eignungsdiagnostik hilft das Motivprofil, Menschen und Rollen passend zusammenzubringen. Im Profiling Institut fließt dieser Gedanke in die Berufsberatung ein: Wer seine dominanten Motive kennt, trifft tragfähigere berufliche Entscheidungen.

Welche Motive treiben Sie an?

Ob bei Ihnen Leistung, Einfluss oder Anschluss überwiegt, zeigt der kostenlose Motivationstest. Er greift McClellands Motive auf und ergänzt sie um weitere Dimensionen wie Sinn, Autonomie und Sicherheit.

Quellen

Dieser Beitrag stützt sich auf etablierte Standardwerke der Motivationspsychologie:

  1. McClelland, D. C. (1987). Human Motivation. Cambridge: Cambridge University Press.
  2. Atkinson, J. W. (1957). Motivational determinants of risk-taking behavior. Psychological Review, 64, 359–372.
  3. Heckhausen, J. & Heckhausen, H. (Hrsg.) (2018). Motivation und Handeln (5. Aufl.). Berlin/Heidelberg: Springer.
Autor: Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom Fachlich geprüft von Raphaela Peitsch, Diplom-Psychologin (DGSF) Aktualisiert: Juni 2026

Häufige Fragen

Sie besagt, dass drei erlernte Motive das Verhalten antreiben: das Bedürfnis nach Leistung, nach Macht und nach Anschluss. Ihr individuelles Verhältnis prägt das Handeln.
Das Leistungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv.
Klassisch über implizite Verfahren, bei denen Menschen frei Geschichten zu Bildern erzählen. Heute werden ergänzend auch Fragebögen genutzt.
Personalisierte Macht dient dem eigenen Vorteil, sozialisierte Macht dem Wohl der Gruppe oder Organisation.
Häufig ein ausgeprägtes, aber sozial verantwortetes Machtmotiv, kombiniert mit Leistungsorientierung.
Nein, McClelland verstand sie als weitgehend erlernt. Sie entwickeln sich über Erfahrungen und lassen sich fördern.
Das Leistungsmotiv ist eines der drei Motive und zugleich das am besten erforschte Konzept der Leistungsmotivation.
Ja, in der Regel sind alle drei Motive vorhanden, aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Das individuelle Verhältnis prägt das Verhalten.
McClelland hielt Motive für erlernbar und entwickelte entsprechende Trainings. Passende Aufgaben, Vorbilder und Rückmeldung können Motive stärken.
McClelland kennt keine feste Stufenfolge. Die drei Motive Leistung, Macht und Anschluss wirken nebeneinander und sind bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.
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