Duale Ausbildung · RechtsanwaltskammerVergütungsempfehlungen 2026 erneut erhöht

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r: Ausbildung, Gehalt und Karriere

ReFa und ReNo sind das organisatorische Rückgrat jeder Kanzlei: Fristen, Akten, Zwangsvollstreckung, Kostenrecht. Der Fachkräftemangel ist so ausgeprägt, dass die Kammern die Vergütungsempfehlungen mehrfach deutlich angehoben haben. Wir zeigen Aufgaben, Vergütung nach Kammerbezirk, Gehalt und Karrierewege.

3 Jahre
Duale Ausbildung, verkürzbar
1.012–1.215 €
Empfehlung im Bundesdurchschnitt 2026
bis 1.400 €
Spitzenempfehlung im 3. Jahr (Koblenz)
CSE
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r

Rechtsanwaltsfachangestellte und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte organisieren den Kanzleibetrieb: Sie führen Akten, überwachen Fristen, berechnen Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, betreuen Mandanten und wickeln Zwangsvollstreckungen ab. In der Notarvariante kommen Beurkundungsvorbereitung und Grundbuchsachen hinzu. Ausgebildet wird dual in Kanzleien, zuständig ist die Rechtsanwaltskammer.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortAnwalts- oder Notariatskanzlei plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussPrüfung vor der Rechtsanwaltskammer
VergütungKammerempfehlung, bundesweit im Schnitt 1.012 bis 1.215 €
EinsatzorteAnwaltskanzlei, Notariat, Rechtsabteilung, Gericht
ZugangMeist mittlere Reife
PerspektiveRechtsfachwirt, Büroleitung, Spezialisierung
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Kanzleialltag läuft nach Fristen. Eine versäumte Notfrist kann einen Prozess verlieren und Haftungsansprüche auslösen – deshalb ist das Fristenwesen die verantwortungsvollste und am strengsten kontrollierte Aufgabe des Berufs. Dazu kommen Mandantenkontakt, Kostenrecht und ein hoher Anteil an Schriftverkehr.

01

Fristen überwachen

Notfristen, Berufungs- und Begründungsfristen im Kalender führen, Vorfristen setzen, Erledigung kontrollieren. Die haftungsrelevanteste Tätigkeit im Beruf.

02

Akten führen und Schriftsätze erstellen

Vorgänge anlegen, Dokumente strukturieren, Schriftsätze nach Diktat oder Vorlage fertigen und den elektronischen Rechtsverkehr bedienen.

03

Gebühren berechnen

Abrechnung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz und der Kostenordnung: Gegenstandswert, Gebührentatbestände, Auslagen und Umsatzsteuer.

04

Zwangsvollstreckung betreiben

Vollstreckungsaufträge, Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse, Vermögensauskünfte – ein eigenständiges Fachgebiet innerhalb des Berufs.

05

Mandanten betreuen

Termine koordinieren, Unterlagen anfordern, Sachstände mitteilen – häufig in emotional angespannten Situationen.

06

Notariatsaufgaben (ReNo)

Beurkundungen vorbereiten, Urkundenrolle führen, Grundbuch- und Handelsregisteranmeldungen abwickeln, Treuhandaufträge überwachen.

Fachkräftemangel & Vergütung

Warum die Kammern die Vergütungsempfehlungen erhöhen

Der Fachkräftemangel in Kanzleien ist massiv – und die Rechtsanwaltskammern reagieren darauf mit steigenden Vergütungsempfehlungen. Nach kräftigen Erhöhungen in den Vorjahren liegt der bundesweite Durchschnitt 2026 bei rund 1.012 € im ersten, 1.115 € im zweiten und 1.215 € im dritten Ausbildungsjahr. Mehrere Kammern haben zusätzlich ein Ausbildungssiegel eingeführt, das die Einhaltung der Empfehlung zur Bedingung macht.

Kammerempfehlung, kein Tarif

Die Empfehlungen sind keine Tarifverträge. Kanzleien können sie in begründeten Fällen unterschreiten – die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung bleibt aber immer die Untergrenze.

Große regionale Spanne

Die Empfehlungen unterscheiden sich erheblich: Koblenz liegt mit bis zu 1.400 € im dritten Ausbildungsjahr an der Spitze, Kassel und Brandenburg deutlich darunter.

Ausbildungssiegel als Qualitätsmerkmal

Mehrere Kammern vergeben ein Ausbildungssiegel. Voraussetzung ist neben inhaltlichen Kriterien die zwingende Einhaltung der Vergütungsempfehlung – ein nützliches Auswahlkriterium bei der Kanzleiwahl.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung ist ungewöhnlich rechtslastig. Anders als in kaufmännischen Berufen steht nicht Betriebswirtschaft im Mittelpunkt, sondern Verfahrensrecht, Kostenrecht und Fristenmanagement.
01

Zivilprozessrecht

Ablauf des Verfahrens, Zuständigkeiten, Zustellungen, Rechtsmittel und die daraus folgenden Fristen.

02

Fristen- und Terminwesen

Notfristen, Vorfristen, Wiedereinsetzung, Fristenkalender und Kontrollmechanismen. Das haftungsrechtliche Herzstück.

03

Kostenrecht

Rechtsanwaltsvergütungsgesetz, Gerichtskostengesetz, Gegenstandswert, Vergütungsvereinbarungen und Kostenfestsetzung.

04

Zwangsvollstreckung

Titel, Klausel, Zustellung, Pfändung in Forderungen und bewegliche Sachen, Vermögensauskunft.

05

Materielles Recht im Überblick

Grundzüge von Bürgerlichem Recht, Arbeits-, Familien- und Strafrecht als Verständnisgrundlage.

06

Notariatskunde

Beurkundungsverfahren, Urkundenrolle, Grundbuch- und Registerrecht, Treuhandabwicklung – in der ReNo-Variante.

07

Elektronischer Rechtsverkehr

Elektronisches Anwaltspostfach, elektronische Akte, Signaturen und Formvorschriften bei der Einreichung.

08

Kanzleiorganisation

Aktenführung, Buchhaltung mit Fremdgeldkonten, Mandantenkommunikation und Verschwiegenheitspflichten.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt eine seltene Kombination: höchste Sorgfältigkeit bei Fristen und gleichzeitig Belastbarkeit im Umgang mit Mandanten in Konfliktsituationen. Wer unter Zeitdruck flüchtig wird, ist hier fehl am Platz – die Fehlerfolgen sind unmittelbar und haftungsrelevant. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.

Formale Voraussetzungen

  • In der Praxis wird meist die mittlere Reife erwartet
  • Sehr gute Deutschkenntnisse in Rechtschreibung und Grammatik
  • Solides Zahlenverständnis für die Gebührenberechnung
  • Zuverlässigkeit und einwandfreies Führungszeugnis
  • Sicherer Umgang mit Textverarbeitung und Kanzleisoftware
  • Häufig Probearbeiten oder Diktattest im Auswahlverfahren

Persönliche Eigenschaften

  • Höchste Sorgfalt – eine versäumte Frist hat unmittelbare Folgen
  • Organisationsstärke bei vielen parallelen Vorgängen
  • Diskretion und absolute Verschwiegenheit
  • Belastbarkeit im Umgang mit Mandanten in Konfliktlagen
  • Interesse an Recht und Freude an präziser Sprache
  • Stressresistenz bei Fristendruck und Terminlagen
C
S
E

RIASEC-Profil: CSE – Conventional · Social · Enterprising

Der Beruf verbindet ausgeprägt regelgebundenes, formgenaues Arbeiten (C) mit Mandantenbetreuung (S) und der Durchsetzung von Ansprüchen etwa in der Zwangsvollstreckung (E).

Das C ist hier dominanter als in fast jedem anderen Beruf dieses Sets: Verfahrensrecht lebt von Formen, Fristen und Nachweisen. Wer Struktur als Sicherheit erlebt, findet hier ein ideales Umfeld; wer Regeln als Einengung empfindet, wird unzufrieden. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Kanzlei, Justiz oder Verwaltung?

ReFa, Justizfachangestellte und Verwaltungsfachangestellte arbeiten alle rechtsnah – mit sehr unterschiedlichem Arbeitgeber und Alltag. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.

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Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung folgt keinem Tarifvertrag, sondern den Empfehlungen der Rechtsanwaltskammern. Diese sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen – 2024 um 11 bis 13 Prozent, 2025 um 2,5 bis 3,3 Prozent, 2026 nochmals um rund 1,3 bis 1,4 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt liegt damit inzwischen über dem vieler kaufmännischer Berufe.

Vergütungsempfehlungen der Kammern 2026

Ausbildungsjahr
Bundesdurchschnitt
Spitzenempfehlung
Gesetzliches Minimum
1. Ausbildungsjahr
1.012,00 €
deutlich darüber
724 €
2. Ausbildungsjahr
1.115,24 €
deutlich darüber
854 €
3. Ausbildungsjahr
1.215,08 €
bis 1.400 € (Koblenz)
977 €
Entwicklung
+1,3 bis 1,4 % (2026)
nach +11 bis 13 % (2024)
jährlich angepasst

Die Empfehlungen sind keine Tarifverträge: Kanzleien können sie in begründeten Fällen unterschreiten, die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG bleibt jedoch bindend. Die Unterschiede zwischen den Kammerbezirken sind erheblich – prüfen Sie vor Vertragsunterschrift die Empfehlung Ihrer zuständigen Kammer und fragen Sie nach dem Ausbildungssiegel.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung liegt das mittlere Einstiegsgehalt bei etwa 2.360 bis 2.420 € brutto monatlich. Das klingt zunächst moderat, entwickelt sich aber gut: Der Fachkräftemangel gibt erfahrenen Fachangestellten eine starke Verhandlungsposition, und in Großkanzleien sowie Wirtschaftskanzleien liegen die Gehälter deutlich höher. Der größte Sprung kommt mit dem Rechtsfachwirt, der in vielen Kanzleien Büroleitungsfunktionen eröffnet.

Einstieg
2.360–2.420 €
Mittleres Einstiegsgehalt brutto/Monat
Großkanzlei
deutlich höher
Besonders in Ballungsräumen
Rechtsfachwirt/in
oberes Segment
Mit Büroleitung und Kostenverantwortung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Aktenanlegen zur Fristenverantwortung

Die Ausbildung führt schrittweise an die haftungsrelevanten Aufgaben heran. Fristenverantwortung wird erst übertragen, wenn die Kontrollmechanismen sitzen. Am Ende steht die Prüfung vor der Rechtsanwaltskammer.

1. Jahr

Kanzleiorganisation und Grundlagen

Aktenführung, Schriftverkehr, Grundzüge des Zivilprozesses, erste Termin- und Fristeneinträge unter Kontrolle.

2. Jahr

Kostenrecht und Zwangsvollstreckung

Gebührenberechnung nach RVG, Vollstreckungsaufträge, elektronischer Rechtsverkehr. Der fachlich anspruchsvollste Abschnitt.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Schriftliche Prüfung über die bisherigen Inhalte, Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung.

3. Jahr

Eigenverantwortung und Notariat

Eigenständige Sachbearbeitung, Fristenverantwortung, in der ReNo-Variante Beurkundungsvorbereitung und Grundbuchsachen.

Abschluss

Prüfung vor der Kammer

Schriftliche Teile zu Verfahrensrecht, Kostenrecht und Kanzleiorganisation sowie eine praktische Prüfung. Die Übernahmequote ist wegen des Fachkräftemangels sehr hoch.

Perspektiven

Karrierewege: Rechtsfachwirt, Spezialisierung, Justiz

Der Beruf hat einen klar definierten Aufstiegsweg: den Rechtsfachwirt. Er qualifiziert für Büroleitung, Kostenwesen und Personalverantwortung in der Kanzlei – und ist der wirtschaftlich wirksamste Schritt. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.

Aufstiegsfortbildungen

Berufsbegleitend und über Aufstiegs-BAföG förderfähig.

  • Geprüfte/r Rechtsfachwirt/in
  • Notarfachwirt/in
  • Fachassistent/in Zwangsvollstreckung
  • Ausbildereignung (AEVO)

Kanzleityp wählen

Einzelkanzlei, Boutique und Großkanzlei unterscheiden sich in Tempo, Spezialisierung und Bezahlung erheblich.

  • Wirtschafts- oder Großkanzlei
  • Notariat
  • Fachanwaltskanzlei mit Schwerpunkt
  • Rechtsabteilung eines Unternehmens

Fachlich spezialisieren

Bestimmte Gebiete sind besonders anspruchsvoll und gefragt.

  • Zwangsvollstreckung und Insolvenz
  • Kostenrecht und Kostenfestsetzung
  • Familien- und Erbrecht
  • Gewerblicher Rechtsschutz

Seitenwege

Die Ausbildung öffnet Türen über die Kanzlei hinaus.

  • Justizfachangestellte oder Gerichtsdienst
  • Rechtsabteilungen und Compliance
  • Studium Rechtswissenschaft
  • Wirtschaftsrecht berufsbegleitend
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Der Beruf profitiert derzeit stark vom Fachkräftemangel: Die Vergütungsempfehlungen steigen, die Übernahmechancen sind exzellent. Die Belastung liegt in der Verantwortung und im Fristendruck.

Was für den Beruf spricht

  • Steigende Vergütungsempfehlungen durch Fachkräftemangel
  • Praktisch garantierte Übernahme und Beschäftigung
  • Fachlich anspruchsvoll mit echtem Rechtswissen
  • Klarer Aufstiegsweg über den Rechtsfachwirt
  • Geregelte Arbeitszeiten ohne Schicht- oder Wochenenddienst
  • Bundesweit übertragbare Qualifikation

Was Sie wissen sollten

  • Hohe Haftungsverantwortung beim Fristenwesen
  • Vergütung folgt Empfehlungen, nicht bindenden Tarifverträgen
  • Große regionale Unterschiede zwischen den Kammerbezirken
  • Emotional fordernde Mandantengespräche in Konfliktlagen
  • Sehr formenstrenges Arbeiten mit wenig Gestaltungsspielraum
  • Einstiegsgehalt moderat gemessen an der Verantwortung
Abgrenzung

ReFa vs. Justizfachangestellte vs. Notarfachangestellte

Drei rechtsnahe Ausbildungsberufe mit unterschiedlichem Arbeitgeber, Verfahrensbezug und Vergütungssystem.

Kriterium
ReFa / ReNo
Justizfachangestellte
Notarfachangestellte
Arbeitgeber
Kanzlei
Gericht, Staatsanwaltschaft
Notariat
Zuständige Stelle
Rechtsanwaltskammer
öffentlicher Dienst
Notarkammer
Vergütungssystem
Kammerempfehlung
TVAöD
Kammerempfehlung
Fristenverantwortung
sehr hoch
hoch
hoch
Mandantenkontakt
hoch
gering
hoch
Schwerpunkt
Verfahren und Kosten
Gerichtsorganisation
Beurkundung und Register
RIASEC-Profil
CSE
CSE
CSE
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Dieser Beruf hat sich in wenigen Jahren stark verändert. Der Fachkräftemangel in Kanzleien ist so gravierend, dass die Kammern die Vergütungsempfehlungen 2024 um bis zu 13 Prozent angehoben haben. Wer heute eine gute Kanzlei findet, hat eine sichere Perspektive und ein exzellentes Verhandlungspolster. Mein Rat: Fragen Sie gezielt nach dem Ausbildungssiegel der Kammer – es ist ein zuverlässiger Qualitätsindikator.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was diesen Beruf trägt, ist Gewissenhaftigkeit im engeren Sinn. Sie tragen Verantwortung für Fristen, deren Versäumnis unmittelbar Schaden auslöst. Menschen, die unter Druck schneller statt sorgfältiger werden, geraten hier in eine dauerhafte Belastung. Wer dagegen Ordnung und klare Regeln als Entlastung erlebt, arbeitet in diesem Umfeld ausgesprochen zufrieden.“

Häufige Fragen

Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r – FAQ

Die Vergütung folgt den Empfehlungen der Rechtsanwaltskammern. Der bundesweite Durchschnitt liegt 2026 bei rund 1.012 € im ersten, 1.115 € im zweiten und 1.215 € im dritten Ausbildungsjahr. Die Unterschiede zwischen den Kammerbezirken sind erheblich: Koblenz empfiehlt bis zu 1.400 € im dritten Jahr, Kassel und Brandenburg liegen deutlich darunter. Prüfen Sie die Empfehlung Ihrer zuständigen Kammer vor Vertragsunterschrift.

Nein. Es handelt sich um Empfehlungen, nicht um Tarifverträge – Kanzleien können sie in begründeten Fällen unterschreiten, und die Kammern lassen das in einem gewissen Rahmen zu. Bindend ist allein die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Mehrere Kammern vergeben allerdings ein Ausbildungssiegel, bei dem die Einhaltung der Empfehlung zwingende Voraussetzung ist – ein nützliches Auswahlkriterium.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Sie darf nie unterschritten werden. Nicht tarifgebundene Betriebe dürfen eine einschlägige Tarifvergütung um höchstens 20 Prozent unterschreiten.

Rechtsanwaltsfachangestellte (ReFa) arbeiten ausschließlich im anwaltlichen Bereich. Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte (ReNo) haben zusätzlich die notarielle Ausbildung: Beurkundungsvorbereitung, Führung der Urkundenrolle, Grundbuch- und Handelsregisteranmeldungen sowie Treuhandabwicklung. Die ReNo-Variante ist breiter und in Regionen mit Anwaltsnotariat besonders gefragt.

Das mittlere Einstiegsgehalt liegt bei etwa 2.360 bis 2.420 € brutto monatlich. Wegen des ausgeprägten Fachkräftemangels ist die Verhandlungsposition erfahrener Fachangestellter jedoch stark; in Wirtschafts- und Großkanzleien sowie in Ballungsräumen liegen die Gehälter deutlich höher. Den größten Sprung bringt die Fortbildung zum Rechtsfachwirt.

Es ist die verantwortungsvollste Aufgabe des Berufs. Eine versäumte Notfrist kann ein Verfahren verlieren und Haftungsansprüche gegen die Kanzlei auslösen. Deshalb arbeiten Kanzleien mit doppelten Kontrollmechanismen, Vorfristen und klaren Zuständigkeiten. Auszubildende übernehmen Fristenverantwortung erst schrittweise. Wer sorgfältig arbeitet und Kontrollroutinen ernst nimmt, kommt damit gut zurecht.

Eindeutig der Geprüfte Rechtsfachwirt. Er qualifiziert für Büroleitung, Kostenwesen und Personalverantwortung in der Kanzlei und ist der wirtschaftlich wirksamste Schritt – berufsbegleitend möglich und über Aufstiegs-BAföG förderfähig. Daneben lohnen Spezialisierungen in Zwangsvollstreckung, Insolvenz und Kostenrecht.

Ausgesprochen sicher. Der Fachkräftemangel in Kanzleien ist einer der Gründe, warum die Kammern die Vergütungsempfehlungen mehrfach deutlich angehoben haben. Die Übernahmequote nach der Ausbildung ist sehr hoch, und die Qualifikation ist bundesweit übertragbar. Die Digitalisierung über den elektronischen Rechtsverkehr verändert Abläufe, ersetzt aber weder Fristenverantwortung noch Kostenrecht.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Der Beruf verlangt höchste Sorgfalt und Belastbarkeit im Mandantenkontakt – und er bietet derzeit ausgezeichnete Perspektiven. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Verordnung über die Berufsausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten und zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten nach dem Berufsbildungsgesetz.
  • Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK): Vergütungsempfehlungen der Rechtsanwaltskammern, Stand 2026 – bundesweiter Durchschnitt 1.012,00 / 1.115,24 / 1.215,08 €; Entwicklung 2024 bis 2026.
  • Ausbildungssiegel der Rechtsanwaltskammern (initiiert von der RAK Koblenz, u. a. auch Bamberg, Berlin, Düsseldorf, Hamm, Freiburg, Karlsruhe, München, Nürnberg und Sachsen).
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) und Gerichtskostengesetz (GKG) als Grundlage der Gebührenberechnung.
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.
  • Hinweis: Die Kammerempfehlungen sind keine Tarifverträge und können in begründeten Fällen unterschritten werden. Maßgeblich ist die Empfehlung der jeweils zuständigen Rechtsanwaltskammer.