Medientechnologe/in Siebdruck: Ausbildung und Karriere
Textilien, Glas, Kunststoff, Metall, gewölbte Flaschen, Leiterplatten – kaum ein Verfahren ist so vielseitig wie der Siebdruck. Medientechnologinnen und Medientechnologen Siebdruck bedrucken Werkstoffe, an denen andere Verfahren scheitern, mit deckenden Farbschichten.
Kurzüberblick: Medientechnologe/in Siebdruck
Medientechnologinnen und Medientechnologen Siebdruck bedrucken unterschiedlichste Werkstoffe: Sie beschichten und belichten Siebe, richten Druckmaschinen ein, mischen Farben nach Vorgabe, drucken auf Textil, Glas, Kunststoff oder Metall, steuern die Trocknung und prüfen Haftung und Farbwerte.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag ist vielseitiger als in anderen Druckberufen: Jeder Werkstoff verlangt eigene Farben, Siebe und Trocknungsverfahren. Ein Betrieb druckt vielleicht T-Shirts, der nächste Frontplatten für Geräte – die Unterschiede sind erheblich.
Siebe herstellen
Gewebe spannen, beschichten, belichten, auswaschen und prüfen.
Farben mischen
Nach Farbvorgabe ansetzen, auf Werkstoff und Haftung abstimmen.
Maschine einrichten
Sieb einspannen, Rakel einstellen, Absprung und Passer justieren.
Auflage fahren, Farbauftrag und Schichtdicke überwachen.
Trocknen und härten
Trockner, UV-Anlagen und Einbrennverfahren steuern.
Prüfen
Haftung, Deckkraft, Farbwerte und Beständigkeit kontrollieren.
Ein Verfahren, das fast alles bedruckt
Der Siebdruck kann gewölbte, raue und unsaugende Oberflächen bedrucken und trägt dabei eine dicke, deckende Farbschicht auf. Genau das können Offset und Digitaldruck nicht – deshalb hat das Verfahren seinen festen Platz.
Technischer Druck als Zukunftsfeld
Siebdruck wird nicht nur für Optik genutzt: Leiterbahnen, Sensoren, Solarzellen und Frontplatten entstehen mit funktionalen Pasten. Dieses Feld ist technisch anspruchsvoll und stabil.
Textildruck als großes Segment
Bedruckte Shirts, Taschen und Arbeitskleidung sind ein beständiger Markt. Hier zählen Farbbeständigkeit, Waschfestigkeit und Griff der Farbschicht.
Haftung ist das A und O
Auf Glas, Metall oder Kunststoff muss die Farbe dauerhaft haften. Vorbehandlung, Farbwahl und Trocknung entscheiden darüber – ein fachlicher Kern des Berufs.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Siebherstellung
Gewebe, Spannung, Beschichtung, Belichtung und Auswaschen.
Werkstoffkunde
Textil, Papier, Glas, Kunststoff, Metall und Vorbehandlung.
Farbtechnik
Farbsysteme, Mischung, Viskosität, Deckkraft und Haftung.
Drucktechnik
Rakel, Absprung, Anpressdruck, Passer und Schichtdicke.
Maschinenkunde
Flachbett-, Rundlauf- und Karussellmaschinen, Automaten.
Trocknung
Lufttrocknung, UV-Härtung, Einbrennen und Energieführung.
Qualitätsprüfung
Haftung, Waschfestigkeit, Beständigkeit und Farbmessung.
Sicherheit und Umwelt
Lösemittel, Absaugung, Entsorgung und Arbeitsschutz.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Sorgfalt, technisches Verständnis und Farbgefühl. Wer Vielseitigkeit schätzt, findet einen ungewöhnlich breiten Druckberuf. Genau diese Passungsfrage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. In einer Berufsberatung wird sie mit wissenschaftlich validierten Verfahren geprüft – bevor eine Bewerbung geschrieben wird.
Formale Voraussetzungen
- Meist Hauptschul- oder Realschulabschluss
- Technisches Verständnis
- Normales Farbsehen erforderlich
- Sorgfalt beim Umgang mit Chemikalien
- Keine Allergien gegen Lösemittel
- Körperliche Belastbarkeit
Persönliche Eigenschaften
- Sorgfalt bei Siebherstellung und Farbansatz
- Farbgefühl und Auge für Deckkraft
- Technisches Verständnis für Werkstoffe
- Geduld beim Einrichten
- Sicherheitsbewusstsein bei Chemikalien
- Neugier auf unterschiedliche Materialien
RIASEC-Profil: RCI – Realistic · Conventional · Investigative
Der Beruf verbindet praktische Druck- und Siebarbeit (R) mit rezeptur- und prüfgebundener Ausführung (C) sowie technischem Verständnis für Haftung und Werkstoffe (I).
Im technischen Druck wächst das I deutlich, im Textildruck ein A-Anteil. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Drucken auf alles?
Textil, Glas, Metall und Elektronik. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung folgt dem Tarif der Druckindustrie oder wird betrieblich vereinbart.
Vergütung und Profil nach Einsatzfeld
Fragen Sie, auf welchen Werkstoffen gedruckt wird und ob der Betrieb technische Anwendungen bedient. Der technische Siebdruck für Elektronik und Industrie ist anspruchsvoller und in der Regel besser vergütet als reiner Textildruck.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung sind Fachkräfte gesucht, weil der Beruf klein ist. Am aussichtsreichsten ist der technische Siebdruck; daneben führen Wege zum Meister und in den eigenen Betrieb.
Ausbildungsablauf: Vom Sieb zum bedruckten Werkstoff
Die dreijährige Ausbildung führt von der Siebherstellung über Farbtechnik und Werkstoffkunde bis zur eigenständigen Auflagenfertigung.
Grundlagen
Siebherstellung, Beschichten, Belichten, Farbansatz und Sicherheit.
Drucktechnik
Rakel, Absprung, Passer, Werkstoffe und Vorbehandlung.
Etwa nach der Hälfte
Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Trocknung und Qualität
UV-Härtung, Einbrennen, Haftungsprüfung und Sonderanwendungen.
Abschlussprüfung
Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.
Karrierewege: Technischer Druck, Meister, eigener Betrieb
Die interessanteste Entwicklung liegt im technischen Siebdruck – dort wird funktional statt dekorativ gedruckt. Weil diese Wege sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, lohnt eine frühe Standortbestimmung – etwa in einer Berufsberatung mit diagnostischer Grundlage.
Technischer Siebdruck
Das anspruchsvollste Feld.
- Leiterbahnen und Sensorik
- Frontplatten und Tastaturen
- Solar- und Dünnschichtanwendungen
- Funktionale Pasten
Industriemeister
Der klassische Aufstiegsweg.
- Industriemeister/in Printmedien
- Schicht- und Produktionsleitung
- Ausbildungsberechtigung
- Prozessverantwortung
Spezialisieren
Gefragte Vertiefungen.
- Textildruck und Waschfestigkeit
- Glas- und Keramikdruck
- Kunststoffvorbehandlung
- Großformat und Displays
Techniker und Selbstständigkeit
Weitere Wege.
- Geprüfte/r Techniker/in Druck- und Medientechnik
- Eigener Siebdruckbetrieb
- B.Eng. Medientechnik
- Verfahrenstechnik
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Der vielseitigste Druckberuf – mit technischem Zukunftsfeld und Chemikalienumgang.
Was für den Beruf spricht
- Bedruckt fast jeden Werkstoff
- Technischer Siebdruck als Zukunftsfeld
- Sehr abwechslungsreiche Aufträge
- Kleines Berufsfeld mit geringer Konkurrenz
- Eigener Betrieb realistisch erreichbar
- Deckende Farbschichten als Alleinstellung
Was Sie wissen sollten
- Umgang mit Lösemitteln und Chemikalien
- Sehr wenige Ausbildungsplätze
- Schichtarbeit in größeren Betrieben
- Körperlich fordernd, viel Stehen
- Digitaldruck verdrängt einfache Aufträge
- Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden
Siebdruck vs. Medientechnologe Druck vs. Schilder- und Lichtreklamehersteller
Drei Berufe rund um bedruckte Oberflächen.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Der interessanteste Teil dieses Berufs ist der technische Siebdruck: Hier wird nicht für die Optik gedruckt, sondern funktional – Leiterbahnen, Sensoren, Solarzellen, Frontplatten. Dieses Feld ist anspruchsvoll, stabil und meist besser vergütet als Textildruck. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, auf welchen Werkstoffen gedruckt wird.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Was diesen Beruf technisch fordert, ist die Haftung. Auf Glas, Metall oder Kunststoff muss die Farbe dauerhaft halten – und ob sie das tut, entscheidet sich bei Vorbehandlung, Farbwahl und Trocknung. Jeder Werkstoff verhält sich anders. Wer neugierig auf Materialien ist und gern ausprobiert, findet hier viel Abwechslung.“
Medientechnologe/in Siebdruck – FAQ
In tarifgebundenen Betrieben nach dem Tarifvertrag der Druckindustrie, der regional ausgehandelt wird und Sonderzahlungen sowie Zuschläge für Schichtarbeit vorsieht. Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden – besonders kleinere Druckereien und Werbetechnikbetriebe vergüten betrieblich. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch ausdrücklich nach der Tarifbindung; der Unterschied ist über die Ausbildungszeit beträchtlich.
Er bedruckt fast jeden Werkstoff – auch gewölbte, raue und unsaugende Oberflächen wie Glas, Metall und Kunststoff. Zudem trägt er eine dicke, deckende Farbschicht auf, die auch auf dunklen Untergründen leuchtet. Genau diese beiden Eigenschaften erreichen Offset- und Digitaldruck nicht.
In mehreren Schritten. Ein Gewebe wird auf einen Rahmen gespannt und mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet. Nach dem Trocknen wird es mit der Druckvorlage belichtet: Belichtete Stellen härten aus, unbelichtete werden ausgewaschen und bleiben farbdurchlässig. Durch diese offenen Stellen drückt die Rakel später die Farbe.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Druck mit funktionaler statt dekorativer Aufgabe. Statt Farbe werden leitfähige oder isolierende Pasten aufgetragen – für Leiterbahnen, Sensoren, Heizelemente, Solarzellen und Gerätefrontplatten. Weil die Schichtdicke exakt stimmen muss, ist dieses Feld technisch anspruchsvoll und entsprechend gut vergütet.
Er hat sich verschoben, nicht aufgelöst. Rückläufig sind Zeitungen und Werbedrucksachen; stabil bis wachsend sind dagegen Verpackungsdruck, Etiketten, Digitaldruck und Spezialanwendungen. Weil zugleich sehr wenige Menschen diese Berufe erlernen und viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen, sind qualifizierte Maschinenführer knapp. Entscheidend ist, in welchem Marktsegment Ihr Ausbildungsbetrieb arbeitet.
Die Farbe wird durch ein Gewebe hindurchgedrückt. Das Sieb ist an den nicht druckenden Stellen verschlossen; an den offenen Stellen presst die Rakel die Farbe hindurch auf den Werkstoff. Weil die Farbschicht dabei deutlich dicker wird als bei anderen Verfahren, deckt sie auch auf dunklen Untergründen und hält auf schwierigen Materialien.
Durch das passende Trocknungs- oder Härtungsverfahren. Manche Farben trocknen an der Luft, andere werden mit UV-Licht in Sekunden ausgehärtet, wieder andere – etwa auf Glas und Keramik – werden bei hohen Temperaturen eingebrannt. Welches Verfahren passt, hängt vom Werkstoff und von der geforderten Beständigkeit ab.
Meist genügt ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen die mittlere Reife. Wichtig sind technisches Verständnis, Sorgfalt und normales Farbsehen. Weil mit Lösemitteln und Chemikalien gearbeitet wird, sollten keine Allergien oder Hauterkrankungen vorliegen – klären Sie das vorab.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Der vielseitigste Druckberuf mit technischem Zukunftsfeld. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Medientechnologe/Medientechnologin Siebdruck nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
- Verfahrensprinzip: Farbauftrag durch ein teilweise offenes Gewebe mittels Rakel; Siebherstellung durch Beschichtung, Belichtung und Auswaschen.
- Anwendungsbreite: Bedruckung von Textil, Papier, Glas, Kunststoff und Metall einschließlich gewölbter und unsaugender Oberflächen mit deckender Farbschicht.
- Technischer Siebdruck: Auftrag funktionaler Pasten für Leiterbahnen, Sensorik, Heizelemente und Solaranwendungen mit definierter Schichtdicke.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.