Übung 4 von 8

Die Postkorbübung: Beispiel, Ablauf und Lösungsstrategie

Zwanzig Vorgänge, sechzig Minuten — und die Aufgabe ist bewusst nicht vollständig lösbar. Genau darin liegt ihr diagnostischer Zweck: Nicht Fleiß wird gemessen, sondern Ihre Priorisierungslogik unter Zeitdruck. Diese Seite zeigt den Ablauf, ein durchgerechnetes Beispiel mit acht Vorgängen und eine Strategie, die sich allein trainieren lässt. Alle weiteren Aufgabentypen erklärt unsere Übersicht der AC-Übungen.

Lesedauer 12 Minuten Stand: August 2026 Mit Beispielaufgabe
20+ Jahre Eignungsdiagnostik Postkorb-Simulation im Training Zertifiziert nach DIN 33430 7 Standorte deutschlandweit

Das Wichtigste in Kürze

  • Üblicher Umfang: 15 bis 25 Vorgänge in 45 bis 90 Minuten — bewusst nicht vollständig zu schaffen.
  • Bewertet wird die Begründung Ihrer Reihenfolge, nicht die Anzahl bearbeiteter Vorgänge.
  • Der zentrale Denkfehler: dringend mit wichtig zu verwechseln.
  • Delegieren ist keine Faulheit, sondern ein positiv bewertetes Verhalten — wenn es begründet ist.
  • Eine der wenigen AC-Übungen, die sich vollständig allein trainieren lässt.
Die Grundidee

Was eine Postkorbübung ist — und warum sie unlösbar ist

Sie übernehmen für einen Tag eine fiktive Position — meist eine Abteilungs- oder Teamleitung — und finden einen vollen Posteingang vor: E-Mails, Notizen, Telefonvermerke, Anträge, eine Beschwerde, ein Terminkonflikt. Dazu erhalten Sie ein Organigramm, einen Kalender und die Information, dass Sie in wenigen Stunden für zwei Wochen auf Dienstreise gehen.

Der entscheidende Konstruktionsgrundsatz: Die Aufgabe ist bewusst so bemessen, dass sie in der verfügbaren Zeit nicht vollständig zu bearbeiten ist. Wer alles abarbeiten will, hat die Übung bereits missverstanden. Gemessen werden soll, welche Vorgänge Sie als erste anfassen, was Sie abgeben, was Sie liegen lassen — und ob Sie das begründen können.

Damit prüft die Postkorbübung etwas, das im Repertoire der AC-Übungen sonst kaum vorkommt: Entscheidungsverhalten unter Informationsüberfluss. In Verfahren für Berufseinsteiger und besonders im Management-AC ist sie deshalb Standard. Im Ausbildungs-AC begegnet sie Ihnen dagegen selten — wenn, dann in stark vereinfachter Form.

Woher der Name kommt

Der Begriff stammt aus der Zeit, als Vorgänge tatsächlich als Papierstapel im Postkorb auf dem Schreibtisch lagen. Die Übung selbst gehört zu den ältesten Instrumenten der Personalauswahl und wird seit den 1950er-Jahren eingesetzt. Heute läuft sie überwiegend am Bildschirm ab — siehe digitaler Postkorb.

Der Verlauf

Ablauf und Zeitrahmen

Phase 1 · 5 bis 10 Minuten

Rahmen erfassen

Sie lesen die Rollenbeschreibung, das Organigramm und den Kalender. Diese Minuten wirken wie verlorene Zeit, sind aber entscheidend: Ohne Kenntnis Ihrer Befugnisse und Ihres Teams können Sie nicht delegieren — und Delegation ist der wichtigste Hebel der gesamten Übung.

Phase 2 · 10 bis 15 Minuten

Sichten und sortieren

Alle Vorgänge überfliegen, ohne einen einzigen zu bearbeiten. Jeder bekommt eine Kurzmarkierung: A für sofort selbst, B für später selbst, C für delegieren, D für liegen lassen. Erst jetzt entsteht ein Bild vom Gesamtaufkommen.

Phase 3 · 25 bis 55 Minuten

Bearbeiten

In der Reihenfolge Ihrer Priorisierung. Zu jedem Vorgang notieren Sie die Entscheidung und in einem Satz die Begründung. Die Begründung ist der eigentlich bewertete Teil — nicht die Formulierung der Antwort.

Phase 4 · 10 bis 20 Minuten

Nachbesprechung

Häufig, aber nicht immer: Sie erläutern Ihr Vorgehen mündlich. Dieser Teil ist oft aussagekräftiger als das Papier — hier zeigt sich, ob hinter Ihren Entscheidungen ein System steht oder ob Sie sich durchgehangelt haben.

Die Übungsaufgabe

Beispiel-Postkorb: acht Vorgänge, 20 Minuten

Ihre Ausgangslage

Sie sind seit drei Monaten Teamleiterin Kundenservice mit sechs Mitarbeitenden. Es ist Donnerstag, 14:00 Uhr. Um 17:00 Uhr fahren Sie zu einer zweitägigen Fortbildung und sind bis Montag nicht erreichbar. Ihre Stellvertretung ist Herr Alt (erfahren, aktuell gut ausgelastet), Ihre Vorgesetzte ist Frau Berg (Bereichsleitung). Frau Cimen ist neu im Team und in der Einarbeitung.

Nehmen Sie sich zwanzig Minuten Zeit. Entscheiden Sie für jeden Vorgang: sofort selbst, später selbst, delegieren an wen oder nicht bearbeiten — und notieren Sie jeweils einen Satz Begründung. Die Auflösung steht im nächsten Abschnitt.

Nr.VorgangIhre Entscheidung
1E-Mail von Frau Berg: Sie braucht bis morgen 09:00 Uhr die Krankheitsquote des Teams für die Bereichsleitungsrunde. Die Zahlen liegen im gemeinsamen Laufwerk. 
2Beschwerde eines Großkunden per E-Mail: Eine Lieferung ist zum zweiten Mal fehlerhaft. Der Kunde droht mit Kündigung des Rahmenvertrags und erwartet heute eine Rückmeldung. 
3Telefonnotiz: Ein Kollege aus dem Vertrieb bittet um einen Rückruf „wegen einer Idee für die Weihnachtsfeier“. 
4Urlaubsantrag von Herrn Alt für den übernächsten Monat. Genehmigungsfrist laut Betriebsvereinbarung: vier Wochen vor Antritt. 
5Frau Cimen schreibt, sie komme mit dem neuen Ticketsystem nicht zurecht und habe seit gestern Anfragen liegen, die sie nicht zuordnen kann. 
6Einladung zu einem Fachkongress in vier Monaten, Anmeldeschluss in drei Wochen. 
7IT meldet: Am Samstag wird das Ticketsystem aktualisiert. Bis Freitag 12:00 Uhr wird eine Liste der Nutzerkonten benötigt, die weiterhin erweiterte Rechte brauchen. 
8Rundmail der Personalabteilung: Erinnerung an die freiwillige Teilnahme an der jährlichen Mitarbeiterbefragung, Laufzeit noch sechs Wochen. 
Die Auflösung

Wie ein Beobachter dieses Beispiel bewerten würde

Vorweg: Es gibt nicht die eine richtige Lösung. Bewertet wird, ob Ihre Entscheidungen nachvollziehbar begründet sind und ob ein System erkennbar ist. Die folgende Auflösung zeigt eine gut begründbare Variante — und benennt jeweils die typische Falle.

Nr.EinordnungBegründung und typische Falle
2Sofort selbst — Priorität 1Wichtig und dringend: Ein Rahmenvertrag steht auf dem Spiel, und der Kunde erwartet heute Rückmeldung. Als Teamleitung ist das Ihre Eskalationsebene. Falle: an Herrn Alt abgeben — bei einer Kündigungsdrohung erwartet der Kunde die Führungskraft.
5Sofort delegieren — Priorität 2Dringend, weil bereits Anfragen liegen bleiben, aber nicht zwingend von Ihnen zu lösen. Herrn Alt oder eine erfahrene Kollegin um eine kurze Einweisung bitten. Falle: als Kleinigkeit einstufen — hier stauen sich Kundenanfragen, und eine neue Mitarbeiterin verliert in der Einarbeitung schnell die Sicherheit.
7Heute selbst erledigen — Priorität 3Harte Frist Freitag 12:00 Uhr, und Sie sind ab 17:00 Uhr nicht erreichbar. Kurz zu erledigen, aber unumkehrbar, wenn es liegen bleibt. Falle: als IT-Kram abtun — ohne Rechte steht das Team am Montag still.
1Delegieren mit Kontrolle — Priorität 4Feste Frist morgen früh, aber inhaltlich einfach: Die Zahlen liegen bereit. An Herrn Alt mit klarer Ansage übergeben und Frau Berg kurz informieren, dass Sie ab 17:00 Uhr nicht erreichbar sind. Falle: selbst machen, weil es von der Chefin kommt — das kostet Zeit, die Vorgang 2 braucht.
4Vor Abreise erledigen — Priorität 5Zwei Minuten Aufwand, aber wenn Sie erst Montag entscheiden, wird die Vier-Wochen-Frist knapp. Zudem ist Herr Alt der Kollege, dem Sie gerade zwei Aufgaben übertragen. Falle: als unwichtig zurückstellen — Verlässlichkeit gegenüber dem eigenen Team wird mitbeobachtet.
6Nach der Rückkehr — terminierenWichtig für die eigene Entwicklung, aber drei Wochen Frist. Termin im Kalender setzen, jetzt nicht bearbeiten. Falle: die interessanteste Aufgabe zuerst anfassen, weil sie Freude macht.
8Nach der Rückkehr — ohne AufwandFreiwillig, sechs Wochen Laufzeit, keine Führungsaufgabe. Zur Kenntnis nehmen und ablegen.
3Nicht bearbeitenWeder wichtig noch dringend. Der einzige Vorgang, den Sie guten Gewissens komplett liegen lassen können. Falle: zurückrufen, weil es das angenehmste To-do auf dem Stapel ist — genau dieses Ausweichverhalten sucht die Übung.

Was in dieser Lösung positiv auffällt

  • Die eigene Abwesenheit ab 17:00 Uhr wird konsequent mitgedacht
  • Delegation an eine konkrete Person mit klarem Auftrag statt vager Weitergabe
  • Frau Berg wird über die Abwesenheit informiert — proaktive Kommunikation nach oben
  • Auslastung von Herrn Alt wird berücksichtigt, statt ihm alles zu übertragen
  • Ein Vorgang wird bewusst gar nicht bearbeitet — und das begründet

Woran die meisten scheitern

  • Der Reihe nach von 1 bis 8 abarbeiten, statt vorher zu sichten
  • Vorgang 1 zuerst, weil er von der Vorgesetzten kommt — Hierarchie schlägt Sachlogik
  • Gar nicht delegieren, weil man als neue Führungskraft alles selbst können will
  • Vorgang 5 übersehen, weil eine ruhige Mitarbeiterin höflich fragt
  • Entscheidungen treffen, aber keine einzige begründen

Einen vollständigen Postkorb unter Zeitdruck

Im AC-Training in Düsseldorf bearbeiten Sie eine vollständige Simulation — mit anschließender Analyse Ihrer Priorisierungslogik.

Die Methode

Strategie in fünf Schritten

1 · Erst sichten, dann entscheiden

Alle Vorgänge einmal überfliegen, bevor Sie den ersten bearbeiten. Ohne Gesamtüberblick können Sie nicht priorisieren — und genau das ist der Kern der Übung. Rechnen Sie ein Viertel der Zeit dafür ein.

2 · Wichtig von dringend trennen

Dringend heißt: Die Zeit läuft. Wichtig heißt: Es hat Folgen. Der Großkundenverlust ist wichtig und dringend, die Rundmail keines von beiden. Diese Trennung ist die häufigste Bruchstelle.

3 · Bewusst delegieren

Delegation wird positiv bewertet — aber nur mit Adressat, Auftrag und Frist. „Gebe ich ab“ zählt nicht, „Herr Alt erstellt die Liste bis morgen 08:00 Uhr“ zählt. Auslastung des Empfängers mitdenken.

4 · Kalender und Abwesenheiten prüfen

In fast jedem Postkorb sind Zeitfallen versteckt: eine Frist während Ihrer Abwesenheit, ein Termin, der mit einer Aufgabe kollidiert, ein Kollege im Urlaub. Wer sie findet, hebt sich sofort ab.

5 · Jede Entscheidung begründen

Ein Satz pro Vorgang genügt. Diese Begründungen sind das eigentliche Bewertungsmaterial — ohne sie sieht der Beobachter nur ein Ergebnis, aber nicht Ihr Denken.

Und: Zeit im Blick behalten

Setzen Sie sich selbst eine Marke bei der Hälfte der Zeit. Wer dann noch beim zweiten Vorgang sitzt, hat sich festgelesen — und sollte den Rest bewusst gröber bearbeiten.

Die Bewertung

Was die Beobachter tatsächlich bewerten

KompetenzPositiv bewertetNegativ vermerkt
Priorisierungerkennbares System, wichtig und dringend werden getrenntBearbeitung in der vorgefundenen Reihenfolge
Entscheidungsfreudeklare Festlegung auch bei unvollständiger Informationalles offenlassen, überall Rückfragen ankündigen
Delegationkonkreter Adressat, klarer Auftrag, Frist, Auslastung bedachtgar nicht delegieren oder pauschal alles abgeben
Strukturvollständiger Überblick vor der Bearbeitungsich im ersten interessanten Vorgang festlesen
Begründungsfähigkeitje ein nachvollziehbarer Satz zur EntscheidungEntscheidungen ohne jede Erläuterung
Belastbarkeitbis zum Ende handlungsfähig, gröber statt gar nichtin der letzten Viertelstunde aufgeben oder hektisch werden

Auffällig ist auch hier, was nicht bewertet wird: die Anzahl bearbeiteter Vorgänge und die sprachliche Qualität Ihrer Antworten. Wer fünf Vorgänge sauber begründet, schneidet besser ab als jemand, der zwölf ohne erkennbares System durcharbeitet. Zur grundsätzlichen Aussagekraft solcher Verfahren siehe unsere Seite zu Kritik und Grenzen des Assessment Centers.

Die moderne Variante

Der digitale Postkorb: E-Tray und Simulationen

In größeren Unternehmen und im öffentlichen Dienst läuft die Übung heute überwiegend am Bildschirm. Statt eines Papierstapels bearbeiten Sie ein simuliertes E-Mail-Postfach — teils mit einer Besonderheit, die den Druck deutlich erhöht: Während der Bearbeitung treffen neue Nachrichten ein. Eine Zusage wird zurückgezogen, ein Termin verschoben, eine Eskalation kommt hinzu.

Damit prüft der E-Tray zusätzlich Ihre Flexibilität: Passen Sie eine einmal getroffene Priorisierung an, wenn sich die Lage ändert? Wer stur seinen Plan abarbeitet, obwohl der Großkunde inzwischen gekündigt hat, verliert genau hier Punkte. Praktisch heißt das: Prüfen Sie den Posteingang zwischendurch bewusst noch einmal, statt sich in einen Vorgang zu vergraben.

Bei Behördenverfahren ist der digitale Postkorb inzwischen Standard, besonders im gehobenen Verwaltungsdienst — mehr dazu auf unserer Seite zum Auswahlverfahren bei Polizei und Behörden.

Was Punkte kostet

Die häufigsten Fehler

Alles schaffen wollen

Der Grundirrtum. Die Übung ist konstruiert unlösbar. Wer im Eiltempo alles antippt, produziert viele oberflächliche Entscheidungen ohne erkennbare Logik.

Der Reihe nach arbeiten

Ohne vorheriges Sichten fehlt die Vergleichsbasis. Der wichtigste Vorgang liegt in Postkörben erfahrungsgemäß selten an erster Stelle.

Hierarchie vor Sachlogik

Was von der Chefin kommt, zuerst zu erledigen, ist menschlich verständlich und diagnostisch aufschlussreich — es zeigt, dass die Sachpriorität nicht trägt.

Nicht delegieren

Besonders verbreitet bei Bewerbern für erste Führungsrollen. Alles selbst machen zu wollen wird nicht als Einsatz gelesen, sondern als fehlende Führungsfähigkeit.

Nichts liegen lassen

Zu jedem Vorgang irgendetwas zu tun, wirkt fleißig und ist doch der Beleg, dass nicht priorisiert wurde. Ein bewusst unbearbeiteter Vorgang ist ein Qualitätsmerkmal.

Ohne Begründung entscheiden

Der teuerste Fehler überhaupt: Ohne Begründung ist Ihr Ergebnis für den Beobachter nicht interpretierbar — und im Zweifel zählt es dann gar nicht.

Die Vorbereitung

So üben Sie die Postkorbübung allein

Anders als die Gruppendiskussion braucht diese Übung kein Gegenüber. Sie können sie vollständig allein trainieren — und das ist der wirksamste Vorbereitungsschritt, den es für diesen Aufgabentyp gibt.

Schritt 1

Eigenen Postkorb bauen

Schreiben Sie zwölf bis fünfzehn fiktive Vorgänge auf Karten — gemischt aus dringenden, wichtigen, delegierbaren und belanglosen. Legen Sie eine Rolle, ein Team und eine Abwesenheit fest. Dann eine Woche liegen lassen, damit Sie die Konstruktion vergessen.

Schritt 2

Unter Zeitdruck bearbeiten

Wecker auf 30 Minuten, Handy weg. Erst sichten, dann priorisieren, dann bearbeiten — und zu jedem Vorgang einen Satz Begründung. Ohne echten Zeitdruck bringt die Übung wenig.

Schritt 3

Am nächsten Tag prüfen

Mit Abstand durchgehen: Ist ein System erkennbar? Haben Sie delegiert? Haben Sie etwas bewusst liegen gelassen? Hierarchie oder Sachlogik — was hat entschieden?

Schritt 4

Im Alltag mitdenken

Übertragen Sie die Systematik auf Ihren echten Posteingang. Wer die Trennung von wichtig und dringend zur Gewohnheit macht, muss sie im AC nicht mehr bewusst herstellen.

Ihre Ansprechpartner

Begleitet von erfahrenen Experten

Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom und Geschäftsführer des Profiling Instituts

Jan Bohlken

Diplom-Sozioökonom · Gründer & Geschäftsführer

Jan Bohlken verantwortet die eignungsdiagnostische Ausrichtung des Profiling Instituts und kennt simulationsorientierte Verfahren aus über zwei Jahrzehnten Praxis — auch aus Sicht der Auswertung.

Raphaela Peitsch, Diplom-Psychologin beim Profiling Institut

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

Raphaela Peitsch verbindet psychologische Diagnostik mit systemischer Beratungskompetenz und arbeitet mit Klienten an Entscheidungsverhalten und Belastbarkeit unter Zeitdruck.

Franz Toussaint, Berater für Karriere und Eignungsdiagnostik

Franz Toussaint

Berater · Karriere & Eignungsdiagnostik

Franz Toussaint begleitet Klientinnen und Klienten in der praktischen Vorbereitung auf Auswahlverfahren. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Training einzelner AC-Übungen und einem konkreten, umsetzbaren Feedback.

Häufige Fragen

Postkorbübung — kurz beantwortet

Sie übernehmen eine fiktive Führungsposition und finden 15 bis 25 Vorgänge vor: E-Mails, Notizen, Anträge, Beschwerden. Dazu erhalten Sie Organigramm und Kalender. In 45 bis 90 Minuten entscheiden Sie, was Sie selbst erledigen, was Sie delegieren und was liegen bleibt — jeweils mit kurzer Begründung. Häufig folgt eine mündliche Nachbesprechung Ihres Vorgehens.

In fünf Schritten: zuerst alle Vorgänge sichten, ohne einen zu bearbeiten. Dann wichtig von dringend trennen. Anschließend bewusst delegieren — mit Adressat, Auftrag und Frist. Kalender und eigene Abwesenheiten auf versteckte Zeitfallen prüfen. Und zu jeder Entscheidung einen Satz Begründung notieren, denn das ist das eigentliche Bewertungsmaterial.

Nein — und das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Die Aufgabe ist bewusst so bemessen, dass sie in der verfügbaren Zeit nicht vollständig lösbar ist. Wer fünf Vorgänge sauber begründet bearbeitet, schneidet besser ab als jemand, der zwölf ohne erkennbares System durcharbeitet. Ein bewusst liegen gelassener Vorgang ist ein Qualitätsmerkmal.

Dringend bedeutet, dass die Zeit drängt — eine Frist läuft ab. Wichtig bedeutet, dass die Sache erhebliche Folgen hat. Eine drohende Kündigung eines Großkunden ist beides. Eine Rundmail mit sechs Wochen Laufzeit ist keines von beidem. Ein Rückruf wegen der Weihnachtsfeier fühlt sich dringend an, ist es aber nicht. Diese Trennung ist die häufigste Bruchstelle in der Übung.

Unbedingt. Delegation wird ausdrücklich positiv bewertet — aber nur, wenn sie konkret ist: mit Adressat, klarem Auftrag und Frist. Ein pauschales „gebe ich ab“ zählt nicht. Wichtig ist außerdem, die Auslastung des Empfängers zu berücksichtigen. Wer gar nicht delegiert, zeigt aus Sicht der Beobachter fehlende Führungsfähigkeit, nicht besonderen Einsatz.

Die Bildschirmvariante der Übung, heute besonders in Großunternehmen und im öffentlichen Dienst verbreitet. Sie bearbeiten ein simuliertes E-Mail-Postfach, in dem während der Bearbeitung neue Nachrichten eintreffen und die Lage verändern. Zusätzlich zur Priorisierung wird dabei geprüft, ob Sie einen einmal gefassten Plan anpassen, wenn sich die Ausgangslage ändert.

Selten. Bei Auswahlverfahren für Ausbildungsplätze liegt der Schwerpunkt auf Selbstpräsentation, Gruppenaufgabe und Einstellungstest. Wenn eine Postkorbübung vorkommt, dann stark vereinfacht und meist im dualen Studium großer Konzerne. Ihr eigentliches Zuhause ist das Verfahren für Berufseinsteiger und vor allem das Management-Assessment-Center.

Ja, besser als jede andere AC-Übung. Schreiben Sie zwölf bis fünfzehn fiktive Vorgänge auf Karten, legen Sie Rolle, Team und eine Abwesenheit fest, lassen Sie das Ganze eine Woche liegen und bearbeiten Sie es dann unter echtem Zeitdruck mit Wecker. Am Tag darauf mit Abstand prüfen, ob ein System erkennbar ist und ob Sie delegiert haben.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. DIN 33430 — Anforderungen an berufsbezogene Eignungsbeurteilungen. Deutsches Institut für Normung, Beuth Verlag, Berlin.
  2. Schuler, H.: Psychologische Personalauswahl. Hogrefe, Göttingen.
  3. Kanning, U. P.: Standards der Personaldiagnostik. Hogrefe, Göttingen.
  4. Höft, S. & Funke, U.: Simulationsorientierte Verfahren der Personalauswahl. In: Schuler, H. & Kanning, U. P. (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie. Hogrefe, Göttingen.

Die Beispielaufgabe auf dieser Seite ist eine Eigenkonstruktion des Profiling Instituts zu Übungszwecken. Sie bildet keine konkrete Aufgabe eines bestimmten Arbeitgebers ab.

Einen vollständigen Postkorb unter Zeitdruck bearbeiten

Im AC-Training in Düsseldorf durchlaufen Sie eine realistische Postkorb-Simulation — mit anschließender Analyse Ihrer Priorisierungslogik und ehrlichem Feedback aus über 20 Jahren diagnostischer Praxis.

Weitere Übungen im Detail

Weiterführende Themen

Zuletzt aktualisiert: 22. August 2026 · Redaktion: Jan Bohlken, Profiling Institut · Alle Angaben ohne Gewähr. Die Inhalte geben den Praxisstand August 2026 wieder und ersetzen keine individuelle Beratung.