Assessment Center Übungen: alle Aufgaben im Detail
Postkorb, Gruppendiskussion, Fallstudie, Rollenspiel: Wer die typischen AC-Übungen kennt, weiß im Verfahren genau, worauf es ankommt. Dieser Leitfaden erklärt jede Aufgabe — mit konkreten Tipps und den Kriterien, nach denen Beobachter bewerten.
im Detail erklärt
in der Eignungsdiagnostik
in einem typischen AC
Aus diesen Bausteinen besteht ein Assessment Center
Kein Assessment Center gleicht dem anderen — aber die Bausteine wiederholen sich. Wer sie kennt, verliert keine Zeit mit dem Format und kann sich auf den Inhalt konzentrieren.
Welche Übungen konkret zum Einsatz kommen, hängt vom Arbeitgeber und der ausgeschriebenen Position ab. Bei der Auswahl von Auszubildenden liegt der Schwerpunkt oft auf Selbstpräsentation und Gruppendiskussion, bei Führungspositionen kommen Fallstudie und Postkorbübung stärker zum Tragen. Die folgenden acht Übungstypen decken das ab, was Ihnen in der Praxis am häufigsten begegnet.
Eine Einordnung, wie diese Übungen ins Gesamtverfahren passen, finden Sie auf unserer Assessment-Center-Übersicht. Wie Sie die Übungen gezielt vorbereiten, zeigt unser Leitfaden zur AC-Vorbereitung.
Wichtig zu wissen
In jeder Übung bewerten geschulte Beobachter nicht nur Ihr Ergebnis, sondern vor allem Ihr Verhalten: Wie strukturieren Sie? Wie kommunizieren Sie? Wie gehen Sie mit Druck und Widerspruch um? Genau deshalb lohnt es sich, jede Übung im Vorfeld einmal praktisch erprobt zu haben.
Selbstpräsentation
Sie stellen sich in wenigen Minuten der Gruppe und den Beobachtern vor — meist mit kurzer Vorbereitungszeit. Häufig ist der Einsatz von Medien wie Flipchart oder Karten erlaubt. Es ist Ihre erste und oft wichtigste Gelegenheit, einen prägnanten Eindruck zu hinterlassen.
- Klare Struktur: Werdegang, Stärken, Motivation — nicht alles aufzählen
- Roten Faden vorbereiten, aber nicht auswendig aufsagen
- Medien sparsam und gezielt einsetzen
- Auftreten, Körpersprache und Stimme
- Struktur und Nachvollziehbarkeit
- Authentizität statt einstudierter Fassade
Fachvortrag & Präsentation
Sie bereiten ein Thema strukturiert auf und tragen es vor — das kann ein Fachthema des Arbeitgebers sein, ein allgemeines Thema oder bei Auszubildenden auch ein persönliches. Bewertet werden Aufbau, Medieneinsatz und Überzeugungskraft.
- Klarer Dreiklang: Einstieg, Hauptteil, Schluss
- Eine Kernbotschaft statt vieler Nebenpunkte
- Blickkontakt halten, frei sprechen
- Logischer Aufbau und Zeitmanagement
- Sicherer Umgang mit Medien
- Reaktion auf Rückfragen
Gruppendiskussion
Mehrere Teilnehmer diskutieren ein vorgegebenes Thema — entweder frei oder mit zugewiesenen Rollen und Standpunkten. Die Themen reichen von Fachfragen des Arbeitgebers bis zu allgemeinen gesellschaftlichen Themen. Im Fokus steht Ihr Verhalten in der Gruppe.
- Beiträge einbringen, aber andere ausreden lassen
- Auf Vorredner eingehen statt nur eigene Punkte setzen
- Auch mal moderieren oder zusammenfassen
- Teamfähigkeit und Gesprächsverhalten
- Durchsetzungsfähigkeit ohne Dominanz
- Sachlichkeit auch bei Widerspruch
Postkorbübung
Sie erhalten zahlreiche Aufgaben, E-Mails und Notizen, die in der vorgegebenen Zeit unmöglich vollständig zu erledigen sind. Gefragt sind Priorisierung, Struktur und Entscheidungsfähigkeit. Im Anschluss präsentieren Sie meist Ihr Vorgehen.
- Zuerst alle Aufgaben sichten, dann priorisieren
- Wichtig von dringend unterscheiden
- Delegieren, wo es möglich ist — und das begründen
- Systematik bei der Priorisierung
- Entscheidungsfreude unter Zeitdruck
- Nachvollziehbare Begründungen
Fallstudie
Sie lösen ein realistisches Unternehmensproblem — etwa Umsatzrückgang, eine Produkteinführung oder eine organisatorische Änderung. Dazu erhalten Sie meist umfangreiche Unterlagen. Gefragt sind Analyse, Priorisierung und klare Empfehlungen.
- Relevante Informationen herausfiltern, Nebensächliches ausblenden
- Vom Problem zur Lösung argumentieren
- Klare Empfehlung statt vieler Optionen
- Analytisches Vorgehen und Urteilsvermögen
- Priorisierung des Wesentlichen
- Überzeugende Begründung der Empfehlung
Rollenspiel
Sie simulieren ein berufliches Gespräch — etwa ein Verkaufs-, Beschwerde-, Kritik- oder Motivationsgespräch. Die genaue Situation richtet sich nach der ausgeschriebenen Stelle. Ihr Gegenüber ist meist ein geschulter Gesprächspartner.
- Erst zuhören und Anliegen verstehen, dann reagieren
- Sachlich und lösungsorientiert bleiben
- Auch in der Simulation ernsthaft agieren
- Gesprächsführung und Empathie
- Umgang mit Konflikt und Einwänden
- Lösungsorientierung statt Rechthaberei
Strukturiertes Interview
Das Einzelgespräch mit Beobachtern oder Personalverantwortlichen vertieft Werdegang, Motivation und Selbsteinschätzung. Anders als ein lockeres Kennenlernen folgt es einem festen Frageleitfaden, der bei allen Kandidaten vergleichbar ist.
- Konkrete Beispiele statt allgemeiner Aussagen
- Eigene Motivation klar und ehrlich benennen
- Auch Schwächen souverän einordnen können
- Selbstreflexion und Glaubwürdigkeit
- Passung zur Position und zum Unternehmen
- Konsistenz der Aussagen
Leistungs- & Konzentrationstests
Standardisierte Tests prüfen logisches Denken, Konzentration, sprachliches oder numerisches Verständnis. Sie ergänzen die verhaltensorientierten Übungen um objektiv messbare Werte und laufen meist am Bildschirm oder auf Papier ab.
- Aufgabentypen vorab kennen, um keine Zeit zu verlieren
- Tempo und Genauigkeit ausbalancieren
- Ausgeruht antreten — Konzentration ist trainierbar
- Kognitive Leistungsfähigkeit im Vergleich
- Sorgfalt unter Zeitdruck
- Belastbarkeit der Konzentration
Diese Kompetenzen werden übergreifend bewertet
So unterschiedlich die Übungen sind — die Beobachter achten in allen auf einen gemeinsamen Kern an Kompetenzen.
Kommunikation
Wie klar, strukturiert und adressatengerecht Sie sich ausdrücken — mündlich wie im Auftreten.
Analyse & Urteil
Wie gut Sie komplexe Informationen erfassen, Wesentliches erkennen und tragfähige Entscheidungen treffen.
Sozialverhalten
Wie Sie mit anderen umgehen: Teamfähigkeit, Empathie und der Umgang mit Widerspruch.
Belastbarkeit
Wie souverän Sie unter Zeitdruck und Beobachtung handlungsfähig bleiben.
Auftreten
Welchen Gesamteindruck Sie hinterlassen — von Körpersprache bis Selbstsicherheit.
Motivation
Wie glaubwürdig Ihr Interesse an Position und Unternehmen wirkt.
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Begleitet von erfahrenen Experten
Jan Bohlken leitet das Profiling Institut und kennt Auswahlverfahren aus über zwei Jahrzehnten Beratungspraxis — von der Ausbildungsplatzvergabe bis zur Besetzung von Führungspositionen.
Raphaela Peitsch verbindet psychologische Diagnostik mit systemischer Beratungskompetenz und begleitet Klienten bei Selbstpräsentation, Verhaltenstraining und der realistischen Einschätzung der eigenen Wirkung.
Franz Toussaint begleitet Klientinnen und Klienten in der praktischen Vorbereitung auf Auswahlverfahren — mit Schwerpunkt auf dem Training einzelner AC-Übungen und konkretem Feedback.
Fragen zu den AC-Übungen
Am häufigsten sind Selbstpräsentation, Fachvortrag, Gruppendiskussion, Postkorbübung, Fallstudie, Rollenspiel, strukturiertes Interview sowie Leistungs- und Konzentrationstests. Welche davon konkret eingesetzt werden, hängt vom Arbeitgeber und der Position ab — selten kommen alle acht in einem einzigen Verfahren vor.
Das ist individuell. Viele Kandidaten empfinden die Postkorbübung wegen des engen Zeitlimits als besonders fordernd, andere die Gruppendiskussion, weil sich das eigene Verhalten dort schwer steuern lässt. Genau deshalb hilft es, jede Übung vorab einmal praktisch erprobt zu haben.
Ja. Selbstpräsentation und Präsentation lassen sich gut allein vorbereiten, Postkorb und Fallstudie mit Übungsmaterial. Gruppendiskussion und Rollenspiel brauchen ein Gegenüber — hier ist ein AC-Training mit anderen Teilnehmern und professionellem Feedback besonders wertvoll.
Sie erhalten eine Vielzahl an Aufgaben, E-Mails und Notizen, die in der vorgegebenen Zeit bewusst nicht vollständig zu erledigen sind. Ihre Aufgabe ist es, sich einen Überblick zu verschaffen, zu priorisieren und gut organisiert vorzugehen. Im Anschluss präsentieren oder begründen Sie meist Ihr Vorgehen.
Quer durch alle Übungen geht es um einen gemeinsamen Kern an Kompetenzen: Kommunikation, Analyse- und Urteilsvermögen, Sozialverhalten, Belastbarkeit, Auftreten und Motivation. Bewertet wird dabei nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem, wie Sie zu diesem Ergebnis kommen.
Übungen kennen ist gut — sie zu beherrschen ist besser
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