Duale Ausbildung · 3 JahreVom Korn zum fertigen Bier

Brauer/in und Mälzer/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere

Vier Zutaten, unzählige Stellschrauben: Brauerinnen und Brauer steuern einen biologischen Prozess, bei dem Temperatur, Zeit und Hefe über den Geschmack entscheiden. Der Markt wandelt sich – alkoholfreies Bier und Craft-Spezialitäten wachsen, während der Gesamtabsatz zurückgeht.

3 Jahre
Duale Ausbildung
4 Stufen
Mälzen, Sud, Gärung, Abfüllung
Alkoholfrei
Stärkstes Wachstumssegment
RIC
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Brauer/in und Mälzer/in

Brauerinnen und Brauer stellen Bier vom Rohstoff bis zur Flasche her: Sie vermälzen Getreide oder prüfen zugekauftes Malz, schroten es, maischen und läutern im Sudhaus, kochen die Würze mit Hopfen, führen die Gärung und Reifung, filtrieren und füllen ab – und überwachen dabei laufend Werte und Sensorik.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortBrauerei oder Mälzerei plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussAbschlussprüfung vor der zuständigen Stelle
VergütungTarif der Brauwirtschaft oder betrieblich
EinsatzorteGroßbrauereien, Privatbrauereien, Gasthäuser, Mälzereien
ZugangMeist mittlerer Schulabschluss
PerspektiveBraumeister, Studium Brauwesen, Gastbrauerei
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Beruf verbindet Anlagentechnik mit Biologie: Die Hefe arbeitet nach eigenen Regeln und reagiert auf Temperatur und Druck. Gearbeitet wird in einer feuchtwarmen Produktionsumgebung mit hohen Hygieneanforderungen – und häufig im Schichtbetrieb, weil Sudfolgen nicht warten.

01

Malz herstellen und prüfen

Getreide weichen, keimen und darren oder zugekauftes Malz beurteilen.

02

Maischen und läutern

Schroten, Maischeprogramm fahren, Rasten einhalten und Würze abläutern.

03

Würze kochen

Hopfen dosieren, Kochzeit steuern, Trub abtrennen und kühlen.

04

Gärung führen

Hefe zugeben, Temperatur und Druck steuern, Gärverlauf verfolgen.

05

Reifen und filtrieren

Lagern, klären, filtrieren und auf Verkaufsqualität einstellen.

06

Abfüllen und reinigen

Flaschen, Fässer und Dosen befüllen sowie Anlagen im CIP-Verfahren reinigen.

Markt im Wandel

Weniger Bier – aber mehr Vielfalt

Der Bierabsatz in Deutschland geht seit Jahren zurück. Gleichzeitig wachsen zwei Segmente kräftig: alkoholfreies Bier und Spezialitäten. Beides ist technisch anspruchsvoller als Standardbier – und genau dort entstehen die interessanten Aufgaben.

Alkoholfrei ist anspruchsvoll

Alkoholfreies Bier entsteht durch gestoppte Gärung oder Entalkoholisierung. Beide Wege verlangen genaue Prozessführung, damit Geschmack und Haltbarkeit stimmen – das ist Brauhandwerk auf hohem Niveau.

Hygiene entscheidet

Bier ist ein unpasteurisiertes Lebensmittel in vielen Fällen – eine Kontamination verdirbt ganze Sude. Reinigung im CIP-Verfahren und mikrobiologische Kontrolle nehmen deshalb viel Raum ein.

Sensorik gehört dazu

Neben Messwerten entscheidet die Verkostung: Fehlaromen früh zu erkennen, ist Teil der Qualitätssicherung. Diese geschulte Wahrnehmung unterscheidet Fachkräfte von Anlagenbedienern.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Rohstoffkunde, Verfahrenstechnik und Mikrobiologie mit Anlagenbedienung und Sensorik.
01

Rohstoffkunde

Gerste, Weizen, Hopfen, Hefe und Brauwasser mit ihren Eigenschaften.

02

Mälzerei

Weichen, Keimen, Darren, Malztypen und Qualitätsprüfung.

03

Sudhaustechnik

Schroten, Maischverfahren, Rasten, Läutern und Würzekochung.

04

Gärung und Reifung

Hefeführung, Temperatur, Druck, Diacetylrast und Lagerung.

05

Filtration und Stabilisierung

Klärung, Filtermittel, Trübung und Haltbarkeit.

06

Abfüllung

Flaschen-, Fass- und Dosenlinien, Sauerstoffeintrag und Etikettierung.

07

Hygiene und Mikrobiologie

CIP-Reinigung, Kontaminationen, Probenahme und HACCP.

08

Sensorik und Recht

Verkostung, Fehlaromen, Reinheitsgebot und Kennzeichnung.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt technisches Verständnis, Sorgfalt und einen guten Geschmackssinn. Wer Lebensmittelherstellung mit Prozesstechnik verbinden will, ist hier richtig. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.

Formale Voraussetzungen

  • Meist mittlerer Schulabschluss erwartet
  • Gute Noten in Chemie, Biologie und Mathematik
  • Gesundheitszeugnis und Hygienebelehrung
  • Guter Geruchs- und Geschmackssinn
  • Körperliche Belastbarkeit
  • Bereitschaft zu Schichtarbeit

Persönliche Eigenschaften

  • Sorgfalt – eine Kontamination verdirbt ganze Sude
  • Technisches Verständnis für Anlagen
  • Geduld bei Gärung und Reifung
  • Aufmerksamkeit für Messwerte und Aromen
  • Belastbarkeit bei Hitze, Nässe und Schicht
  • Teamfähigkeit in der Produktion
R
I
C

RIASEC-Profil: RIC – Realistic · Investigative · Conventional

Der Beruf verbindet praktische Arbeit an Sudhaus und Abfüllanlage (R) mit biologisch-verfahrenstechnischem Verständnis (I) sowie hygiene- und rezepturgebundener Arbeitsweise (C).

Ein A-Anteil kommt bei Spezialitäten hinzu – Rezepturen zu entwickeln ist Gestaltung. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Bier brauen als Beruf?

Biologie, Technik und Sensorik. Der Berufswahltest hilft bei der Einordnung.

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Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Großbrauereien sind meist tarifgebunden; kleine Privatbrauereien vereinbaren häufig betrieblich – die Unterschiede sind spürbar.

Vergütung und Profil nach Betriebstyp

Betriebstyp
Schwerpunkt
Vergütungsniveau
Hinweis
Großbrauerei
Serienproduktion, moderne Anlagen
gut, meist tarifgebunden
Schichtbetrieb üblich
Privatbrauerei
breiteres Sortiment
mittel
vielseitigere Ausbildung
Gasthaus- oder Craftbrauerei
Spezialitäten, kleine Sude
mittel
sehr handwerklich
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG

Fragen Sie, ob der Betrieb selbst mälzt und wie breit das Sortiment ist. Betriebe mit eigener Mälzerei und Spezialitäten vermitteln den ganzen Prozess – reine Abfüllbetriebe nur einen Ausschnitt.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung ist die Lage stabil, weil trotz rückläufigem Absatz Fachkräfte gebraucht werden. Wege führen zum Braumeister, in die Qualitätssicherung sowie über ein Studium der Brauwissenschaft in die Betriebsleitung.

Einstieg
Branchentarif plus Schichtzulagen
In der Produktion
Mit Erfahrung
höher
Sudhaus- und Gärkellerverantwortung
Braumeister
oberes Segment
Produktions- und Rezepturverantwortung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Korn zur Flasche

Die dreijährige Ausbildung folgt dem Prozess: Mälzerei, Sudhaus, Gärkeller, Filtration und Abfüllung – mit wachsender Eigenverantwortung.

1. Jahr

Rohstoffe und Mälzerei

Getreide, Hopfen, Hefe, Wasser, Mälzungsverfahren und Hygiene.

2. Jahr

Sudhaus und Gärung

Maischen, Läutern, Würzekochung, Hefeführung und Gärkontrolle.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Filtration und Abfüllung

Klärung, Stabilisierung, Abfülltechnik, Sensorik und Recht.

Abschluss

Abschlussprüfung

Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Braumeister, Qualität, Studium

Der Braumeister ist das klassische Ziel – und mit ihm die Verantwortung für Rezepturen und Produktion. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.

Braumeister

Der zentrale Aufstiegsweg.

  • Geprüfte/r Braumeister/in
  • Produktions- und Schichtleitung
  • Ausbildungsberechtigung
  • Rezepturverantwortung

Fachlich spezialisieren

Wachsende Felder.

  • Alkoholfreie Biere und Entalkoholisierung
  • Spezialitäten und Rezepturentwicklung
  • Hefeführung und Mikrobiologie
  • Abfüll- und Verpackungstechnik

Qualität und Technik

Weg aus der Schicht.

  • Qualitätssicherung und Labor
  • Sensorikpanel-Leitung
  • Anlagen- und Prozesstechnik
  • Technischer Vertrieb

Studium

Mit Meister auch ohne Abitur möglich.

  • Brauwesen und Getränketechnologie
  • Lebensmitteltechnologie
  • B.Sc. Getränketechnologie
  • Betriebswirtschaft
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Ein traditionsreicher Lebensmittelberuf mit Prozesstechnik – in einem Markt, der sich verändert.

Was für den Beruf spricht

  • Verbindung von Biologie und Technik
  • Alkoholfrei und Spezialitäten wachsen
  • Sensorik als gestaltender Anteil
  • Klarer Aufstieg zum Braumeister
  • Studium der Brauwissenschaft möglich
  • Produkt mit hoher Identifikation

Was Sie wissen sollten

  • Bierabsatz insgesamt rückläufig
  • Schichtarbeit ist üblich
  • Feuchtwarme, laute Produktionsumgebung
  • Reinigung nimmt viel Zeit ein
  • Körperlich fordernd bei Fass- und Gebindearbeit
  • Kleine Betriebe zahlen deutlich weniger
Abgrenzung

Brauer und Mälzer vs. Milchtechnologe vs. Fachkraft für Lebensmitteltechnik

Drei Produktionsberufe der Lebensmittelindustrie im Vergleich.

Kriterium
Brauer/in und Mälzer/in
Milchtechnologe/in
Fachkraft Lebensmitteltechnik
Produkt
Bier
Milcherzeugnisse
alle Lebensmittel
Biologieanteil
sehr hoch
hoch
mittel
Sensorik
sehr hoch
hoch
mittel
Dauer
3 Jahre
3 Jahre
3 Jahre
Schichtarbeit
häufig
ja
ja
Selbstständigkeit
möglich
selten
selten
RIASEC-Profil
RIC
RIC
RCI
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Der Markt ist zweigeteilt: Der Bierabsatz insgesamt geht zurück, aber alkoholfreie Biere und Spezialitäten wachsen deutlich – und beide sind technisch anspruchsvoller als Standardbier. Genau dort entstehen die interessanten Aufgaben. Fragen Sie bei der Betriebswahl, ob selbst gemälzt wird und wie breit das Sortiment ist. Reine Abfüllbetriebe vermitteln nur einen Ausschnitt des Prozesses.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was diesen Beruf ausmacht, ist die Arbeit mit einem lebenden Organismus. Die Hefe folgt eigenen Regeln und reagiert auf Temperatur und Druck – man kann sie steuern, aber nicht zwingen. Wer beobachtet, misst und daraus Schlüsse zieht, findet hier eine erstaunlich analytische Aufgabe. Wichtig zu wissen: Reinigung nimmt sehr viel Zeit ein, weil Hygiene über alles entscheidet.“

Häufige Fragen

Brauer/in und Mälzer/in – FAQ

Er stellt Bier her – vom Rohstoff bis zur Flasche. Dazu gehören das Vermälzen von Getreide, das Maischen und Läutern im Sudhaus, das Kochen der Würze mit Hopfen, die Führung von Gärung und Reifung sowie Filtration und Abfüllung. Hinzu kommen Hygiene, Qualitätskontrolle und sensorische Beurteilung.

Auf zwei Wegen. Bei der gestoppten Gärung wird der Prozess beendet, bevor nennenswert Alkohol entsteht. Bei der Entalkoholisierung wird fertiges Bier nachträglich vom Alkohol befreit. Beide Verfahren sind anspruchsvoll, weil Geschmack und Haltbarkeit leiden können – genau darin liegt das brauerische Handwerk dieses Wachstumssegments.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

In der Regel ja. Produktionsanlagen laufen durchgehend, weil An- und Abfahren aufwendig und teuer ist. Üblich sind Wechselschichtmodelle mit Früh-, Spät- und Nachtschicht, teils auch am Wochenende. Dafür gibt es erhebliche Zuschläge und häufig zusätzliche freie Tage – viele schätzen die langen Freiblöcke. Wer feste Zeiten braucht, sollte das vorher prüfen.

In sehr unterschiedlichen Betrieben: Großbrauereien mit hochautomatisierten Anlagen, Privatbrauereien mit breiterem Sortiment, Gasthaus- und Craftbrauereien mit sehr handwerklicher Arbeitsweise sowie in Mälzereien. Hinzu kommen Betriebe der Getränkeindustrie, in denen das Verfahrenswissen ebenfalls gefragt ist.

Spürbar. Gearbeitet wird in einer feuchtwarmen und lauten Umgebung, teils mit Temperaturwechseln zwischen Sudhaus und Gärkeller. Hinzu kommen das Bewegen von Fässern und Gebinden sowie Reinigungsarbeiten in beengten Behältern. Moderne Betriebe entlasten durch Automatisierung, groß ist der Unterschied vor allem zwischen Industrie und Gasthausbrauerei.

Solide, aber im Wandel. Der Bierabsatz geht insgesamt zurück, was zu Konsolidierung führt. Gleichzeitig wachsen alkoholfreie Biere und Spezialitäten, und Fachkräfte sind knapp, weil wenige den Beruf wählen. Die Kompetenz ist zudem übertragbar – auf andere Getränke und die Lebensmittelindustrie allgemein.

Meist einen mittleren Schulabschluss. Hilfreich sind gute Noten in Chemie, Biologie und Mathematik, weil Gärung und Verfahrenstechnik naturwissenschaftlich zu verstehen sind. Hinzu kommen ein guter Geruchs- und Geschmackssinn für die Sensorik sowie ein Gesundheitszeugnis.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Ein Lebensmittelberuf zwischen Biologie und Technik. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Brauer und Mälzer/Brauerin und Mälzerin nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
  • Prozessstufen: Mälzung (Weichen, Keimen, Darren), Sudhaus (Schroten, Maischen, Läutern, Würzekochung), Gärung und Reifung, Filtration sowie Abfüllung.
  • Alkoholfreie Biere: Herstellung durch gestoppte Gärung oder nachträgliche Entalkoholisierung; wachsendes Marktsegment bei insgesamt rückläufigem Bierabsatz.
  • Hygiene: CIP-Reinigung und mikrobiologische Kontrolle als zentrale Anforderungen der Bierherstellung.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.