Fachlagerist/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Fachlagerist ist die 2-jährige Einstiegs-Ausbildung in die Lagerlogistik – während die Fachkraft für Lagerlogistik in 3 Jahren auch SAP, Disposition und Versand-Planung lernt, fokussiert sich der Fachlagerist auf die operativen Kerntätigkeiten: Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand. Mit ~7.500 Neuverträgen 2025 ist Fachlagerist BIBB-Top-31. Die Ausbildungsverordnung vom 26.07.2004 regelt diesen Beruf zusammen mit der Fachkraft Lagerlogistik – nach 2 Jahren als Fachlagerist kann man die Ausbildung um 1 weiteres Jahr verlängern und als Fachkraft für Lagerlogistik abschließen (sehr häufig gewählt). Der Beruf boomt durch E-Commerce, Amazon-Effekt und Logistik-Wachstum. Wir zeigen Aufgaben, fünf Branchen, das RIASEC-Profil RCE und Karrierewege.
Kurzüberblick: Fachlagerist/in
Fachlageristen arbeiten im operativen Lagergeschäft – sie nehmen Waren entgegen, prüfen sie, lagern sie ein, kommissionieren Bestellungen und bereiten sie für den Versand vor. Anders als die Fachkraft für Lagerlogistik (3 Jahre) übernehmen Fachlageristen weniger planende und mehr ausführende Tätigkeiten: Sie disponieren nicht selbstständig, planen nicht die Tourenoptimierung und haben tiefere Stapler- und Kommissionierschein-Praxis als SAP-Kenntnisse. Die Ausbildungsverordnung 2004 regelt beide Berufe in einer Stufenausbildung: Wer nach 2 Jahren möchte, kann ohne Verlust um 1 Jahr verlängern und Fachkraft für Lagerlogistik werden. Aufsicht und Prüfung erfolgen vor der IHK.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Arbeitsalltag spielt sich fast vollständig in der Lagerhalle oder im Logistikzentrum ab. Klassisch beginnt der Tag mit dem Wareneingang (LKW entladen, Lieferscheine prüfen), gefolgt von Einlagerung mit Gabelstapler, dann Kommissionierung von Bestellungen, dann Versand-Vorbereitung. Im Vergleich zur Fachkraft Lagerlogistik ist der Fachlagerist stärker auf die operative Hands-on-Arbeit fokussiert, weniger auf Planung und Steuerung. Die Ausbildungsverordnung definiert neun zentrale Tätigkeitsfelder.
Wareneingang & Wareneingangskontrolle
Lieferscheine prüfen, Ware auf Beschädigungen kontrollieren, Mengen mit Bestellungen abgleichen, Reklamationen dokumentieren. Klassischer Beruf-Einstieg jeden Morgen.
Entladen & Auspacken
LKW entladen mit Gabelstapler oder Hubwagen, Ware aus Verpackung entnehmen, Verpackungsmaterial entsorgen, Palettenwechsel.
Einlagerung mit Stapler
Gabelstapler-Fahren (Schein-Pflicht!), Hochregalbedienung, Ware nach Lagersystem (FIFO, LIFO, chaotisch) einsortieren, Lagerorte dokumentieren.
Kommissionierung
Bestellungen zusammenstellen: Pick-by-Voice, Pick-by-Light, klassische Pickliste auf Papier. Genauigkeit und Geschwindigkeit zählen.
Verpackung & Versandvorbereitung
Bestellungen verpacken (Kartons falten, Polstern, Beschriften, Etikettieren), Versandscheine erstellen, Paletten für Speditionen vorbereiten.
Bestandskontrolle & Inventur
Lagerbestände erfassen, Differenzen aufklären, Mindestbestand prüfen, jährliche Inventur durchführen. Mit Barcode-Scanner und einfachen Warenwirtschaftssystemen.
Lagerorganisation
Lager sauber halten, Wege frei halten, Brandschutz beachten, Ladungssicherung im Lager. Wichtig für Effizienz und Sicherheit.
EDV-gestütztes Arbeiten
Bedienung von Lagerverwaltungssystemen (WMS), Buchen von Wareneingängen und -ausgängen, einfache SAP-Transaktionen. Weniger tief als Fachkraft Lagerlogistik.
Arbeitssicherheit & Gefahrgut
BG-Vorschriften für Stapler-Verkehr, Ladungssicherung, Gefahrgut-Basis (ADR), Sicheres Arbeiten in der Höhe. Schein-Pflicht für Gabelstapler.
Fachlagerist vs. Fachkraft für Lagerlogistik
Die Verordnung 2004 regelt beide Berufe in einer Stufenausbildung mit identischen Inhalten in den ersten 2 Jahren. Die Trennlinie ist klar: Fachlagerist = operativer 2-Jahres-Abschluss, Fachkraft für Lagerlogistik = 3 Jahre mit zusätzlichen planenden Inhalten. Etwa 60 % der Fachlageristen verlängern direkt um 1 Jahr und schließen als Fachkraft Lagerlogistik ab. Auch ein nachträglicher Wechsel ist möglich.
Fachlagerist (2 Jahre)
Operative Lagerarbeit: Wareneingang, Lagerung, Kommissionierung, Versand. Staplerschein, einfache WMS-Bedienung. Idealer schneller Einstieg in den Beruf, niedrigerer Lohn als Geselle.
Fachkraft für Lagerlogistik (3 Jahre)
Zusätzlich: Disposition, Tourenoptimierung, Bestellwesen, Beschaffung, SAP MM/WM, Statistiken, Kennzahlen. Höhere Karrierechancen, mehr Verantwortung, höherer Lohn.
Verlängerung nach 2 Jahren
Wer nach dem Fachlagerist-Abschluss 1 weiteres Jahr Ausbildung dranhängt, kann den Fachkraft-Lagerlogistik-Abschluss erwerben. Sehr verbreitet (~60 %), wird oft direkt im Lehrvertrag vereinbart.
Späterer Wechsel möglich
Auch nach mehreren Berufsjahren als Fachlagerist ist die Externenprüfung zur Fachkraft Lagerlogistik möglich – sinnvoll für mehr Karriere-Optionen und besseres Gehalt im Verlauf.
In welcher Branche soll ich anfangen?
E-Commerce & Online-Versand
Amazon (deutlich größter Arbeitgeber), Zalando, OTTO Group, About You, Lidl Online, MyToys. Hochleistungs-Kommissionierung mit Pick-by-Voice und automatisierten Systemen. Schichtbetrieb üblich.
Logistik-Dienstleister & Speditionen
DHL/Deutsche Post, DB Schenker, Hermes, Kühne+Nagel, DSV Panalpina, Dachser, Rhenus. Kontraktlogistik für Industriekunden, Distributionszentren, Cross-Docking.
Industrie-Lager (Werkslogistik)
Lager bei Industrieunternehmen: BMW, Daimler, VW, Bosch, ZF, Continental, BASF, Bayer. Just-in-Time-Belieferung der Produktion, hohe Anforderungen an Genauigkeit.
Handelszentrallager
EDEKA, REWE, Aldi, Lidl, Kaufland (Lebensmittelhandel); MediaMarkt-Saturn, OBI, Bauhaus (Fachhandel). Hohe Stückzahlen, oft 24/7-Betrieb, Schichtarbeit Standard.
Pharma- & Medizinprodukte-Logistik
Phoenix Pharmahandel, Sanacorp, AEP, Noweda (Pharmagroßhandel). Sehr hohe Hygiene- und Sicherheitsanforderungen, GDP-Standards, Kühlkette. Gehobenes Lohnniveau.
Passt der Beruf zu mir?
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 55 % der Auszubildenden Hauptschulabschluss mit, 35 % mittlere Reife, 10 % Abitur. Bei großen E-Commerce-Unternehmen (Amazon, Zalando) wird tendenziell mittlere Reife erwartet. Fachlagerist ist einer der hauptschulfreundlichsten Berufe Deutschlands und damit ein klassischer Einstiegsberuf für Bewerber ohne mittlere Reife. Wichtiger als Schulnoten sind körperliche Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit.
Formale Voraussetzungen
- Hauptschulabschluss reicht (55 %), mittlere Reife (35 %) ebenfalls häufig
- Bei großen E-Commerce-/Logistik-Unternehmen (Amazon, DHL) Realschule erwartet
- Gute Noten in Mathematik (Rechnen, Maße, Mengen)
- Deutsch-Grundkenntnisse für Lieferscheine und Dokumentation
- Gesundheitliche Eignung (G25 für Stapler-Schein, körperliche Belastbarkeit)
- Mindestalter 18 für Staplerschein-Erwerb (im 2. Lehrjahr Pflicht)
- Bei Schichtbetrieb: Schicht-Tauglichkeit
- Bei Pharma: höhere Sauberkeits-Standards
Persönliche Eigenschaften
- Körperliche Belastbarkeit – langes Stehen und Heben
- Zuverlässigkeit – Fehler kosten direkt Geld (Falschlieferungen!)
- Schnelles Arbeitstempo unter Druck (Saison-Spitzen)
- Teamfähigkeit – Schicht-Arbeit immer im Team
- Räumliches Vorstellungsvermögen (Lagerplätze finden)
- Routine-Toleranz – viele wiederkehrende Tätigkeiten
- Sicherheitsbewusstsein – Stapler-Verkehr ist gefährlich
- Pünktlichkeit – Schichtbeginn ist nicht verhandelbar
RIASEC-Profil: RCE – Realistic · Conventional · Enterprising
Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist klar definiert: Realistic (körperlich-praktisches Arbeiten mit Stapler, Waren, in Lagerhallen) als dominante Primärdimension. Ergänzt durch Conventional (genaues Arbeiten nach Lieferscheinen, Mengenkontrolle, Dokumentation, Lagerregeln) und Enterprising (zielorientiertes Arbeiten, Tempo, Effizienz – wie viele Pakete schaffe ich pro Stunde?). Identisches Profil zur Fachkraft für Lagerlogistik (RCE) – aber mit weniger Investigative-Anteil (weniger Planung, weniger SAP). Wer planerisch-analytisch arbeiten möchte, sollte die Fachkraft-Lagerlogistik-Variante wählen.
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Ist Fachlagerist wirklich der richtige Beruf für mich?
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Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Fachlageristen werden überwiegend bei IHK-Unternehmen mit gewerblichem Tarifvertrag ausgebildet. Die Vergütung ist auf dem Niveau anderer 2-jähriger IHK-Berufe. Nach der Ausbildung liegen die Einstiegsgehälter etwa 5–10 % unter denen der Fachkraft Lagerlogistik. Mit Berufserfahrung als Vorarbeiter oder Schichtleiter sind 40.000–55.000 € realistisch.
Ausbildungsvergütung 2025 (IHK-Logistik)
Werte gerundet. Quellen: IHK-Logistik-Tarif 2025, BIBB-Vergütungserhebung 2025. Bei Amazon, DHL und großen Versandhändlern oft am oberen Bandbreiten-Rand mit Schichtzulagen. Vergütung etwa 5–10 % unter Fachkraft Lagerlogistik im gleichen Betrieb.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Ausbildungsablauf: Was passiert in den 2 Jahren?
Die Ausbildung erfolgt dual: 3–4 Tage pro Woche im Unternehmen, 1–2 Tage in der Berufsschule. Klassisch beginnt es mit den Grundlagen des Wareneingangs und der Lagerung, danach folgen Stapler-Schein und vertieftes Lager-Wissen. Die Prüfung erfolgt klassisch als Zwischenprüfung und Abschlussprüfung vor der IHK.
Lagergrundlagen
Wareneingang und -kontrolle, Verpackung, Versand-Vorbereitung, einfache Kommissionierung mit Pickliste, Lagerhaltung und FIFO/LIFO-System, Hubwagen-Bedienung.
Zwischenprüfung (IHK)
Schriftliche und praktische Prüfung über Grundlagen. Klassischer IHK-Stil.
Stapler-Schein & Vertiefung
Gabelstapler-Schein-Erwerb (mit 18 Jahren!), Hochregalbedienung, Pick-by-Voice/Light, WMS-Bedienung, Inventur, Ladungssicherung, Gefahrgut-Basis.
Abschlussprüfung (IHK)
Schriftliche Prüfung plus praktische Prüfung (oft Kommissionierungs- und Stapler-Aufgaben) plus Fachgespräch. Abschluss: „Fachlagerist/in". Oder: Verlängerung um 1 Jahr zur Fachkraft für Lagerlogistik.
Karrierewege: Vom Fachlageristen zur Lagerleitung
Die Fachlagerist-Ausbildung ist als Einstiegs-Ausbildung gedacht – mit klar definierten Aufstiegswegen. Vier Hauptwege sind typisch: die Verlängerung zur Fachkraft Lagerlogistik (häufigster Weg), die Vorarbeiter-/Schichtleiter-Karriere, der Logistikmeister und der Wechsel ins kaufmännische Lager-Umfeld.
Aufstieg zur Fachkraft Lagerlogistik (HÄUFIG!)
Direkter Aufstieg ohne Verlust.
- Direkt nach Fachlagerist 1 weiteres Jahr Ausbildung
- Oder nach mehreren Berufsjahren als Externer
- Mehr Verantwortung, höheres Gehalt, mehr Karrierechancen
- Etwa 60 % aller Fachlageristen wählen diesen Weg
- Klassischer Aufstiegsweg im Lager
Logistikmeister + Lagerleitung
Klassischer Aufstieg mit Personalverantwortung.
- Geprüfter Logistikmeister (IHK, DQR 6 = Bachelor)
- Schichtleiter, Bereichsleiter, Lagerleiter
- Übernahme von 10–50 Mitarbeitern
- 45.000–65.000 € mit Personalverantwortung
- Aufstieg zum Logistikleiter möglich
Logistikfachwirt + Disposition
Kaufmännischer Aufstiegsweg.
- Geprüfter Logistikfachwirt (IHK)
- Disposition, Tourenplanung
- Lagerverwaltung, SAP-Spezialist
- Vom operativen Lagermitarbeiter zum Büromitarbeiter
- 45.000–70.000 €
Studium nach der Ausbildung
Mit Meister oder 3 Jahren Berufserfahrung uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung.
- Logistik (HS Bremerhaven, HS Heilbronn, FH Dortmund)
- Supply Chain Management
- BWL mit Logistik-Schwerpunkt
- Wirtschaftsingenieurwesen Logistik
- Wechsel ins Logistik-Management
Sie sind bereits in der Ausbildung und planen den nächsten Schritt? Eine berufliche Neuorientierung oder Studienberatung hilft bei der fundierten Karriereplanung.
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen
Fachlagerist ist der schnellste Einstieg in die Logistik-Branche – aber mit körperlicher Härte und niedrigem Gehalt am Anfang. Wichtigster Tipp: direkt zur Fachkraft Lagerlogistik verlängern, wenn die Voraussetzungen passen.
Was für den Beruf spricht
- Kürzeste Ausbildung in der Logistik – nur 2 Jahre
- Schneller Einstieg in den Job-Markt
- Sehr gute Übernahme-Quoten (~95 %)
- Auch mit Hauptschulabschluss möglich
- Klare Aufstiegsoption zur Fachkraft Lagerlogistik
- Krisensicher – Logistik wächst stetig
- E-Commerce-Boom (Amazon, Zalando, OTTO)
- Schichtarbeit ermöglicht freie Werktage
Was Sie wissen sollten
- Körperlich anstrengend – langes Stehen, Heben
- Niedrigeres Einstiegsgehalt als Fachkraft Lagerlogistik
- Schichtbetrieb (Nacht-, Wochenend-Arbeit oft Pflicht)
- Wiederkehrende Routine-Tätigkeiten
- Hoher Leistungsdruck (Pakete pro Stunde)
- Berufsunfähigkeitsrisiko (Rücken, Gelenke)
- Wenig Karriereoptionen ohne Weiterbildung
- Automatisierungsdruck (Roboter ersetzen einfache Tätigkeiten)
Fachlagerist vs. verwandte Logistik-/Lager-Berufe
Drei verwandte Berufe werden häufig verglichen. Diese Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede.
Einschätzung unserer Berater
Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Fachlagerist ist der schnellste Einstieg in eine der wachstumsstärksten Branchen Deutschlands. Der E-Commerce-Boom macht die Branche krisensicher – Amazon hat allein 30.000+ Lager-Mitarbeiter in Deutschland, DHL/Deutsche Post über 100.000. Mein klarer Rat aus 20 Jahren Headhunting-Erfahrung: Wer Fachlagerist macht, sollte direkt um 1 Jahr verlängern und Fachkraft Lagerlogistik werden – das ist die wichtigste Karriere-Entscheidung. Die Gehaltsdifferenz von 5.000–8.000 € jährlich rechtfertigt das eine zusätzliche Lehrjahr in 4–5 Jahren. Karriere-Tipp: Direkt Stapler-Schein machen (mit 18!), das ist der Türöffner. Wer langfristig vorankommen will, sollte den Logistikmeister oder Logistikfachwirt ins Auge fassen. Mit Meister sind 55.000–75.000 € als Schichtleiter bei Amazon, DHL oder Zalando realistisch."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Bei Fachlagerist-Interessenten habe ich eine wichtige Frage: Stell dir vor, du arbeitest in der Nachtschicht von 22 bis 6 Uhr bei Amazon, kommissionierst 200 Pakete pro Stunde, hast strenge Pausenzeiten und einen ständigen Leistungsdruck. Klingt das nach einem passenden Arbeitsumfeld? Wer dann sagt: „Genau diese körperliche Aktivität und das messbare Ergebnis pro Stunde geben mir Befriedigung" – hat das richtige Profil. Wer sagt „ich brauche mehr Abwechslung und Kreativität", sollte andere Berufe in Erwägung ziehen. Fachlagerist sind körperliche Macher mit Routine-Toleranz und Teamgeist. Sehr wichtig: Ich rate fast immer dazu, die Verlängerung zur Fachkraft Lagerlogistik in den Lehrvertrag aufzunehmen – das gibt mehr Optionen für den späteren Karriereverlauf."
Fachlagerist-Ausbildung – FAQ
Beide Berufe folgen der gleichen Verordnung 2004 mit identischen Inhalten in den ersten 2 Jahren. Unterschied: Fachlagerist = 2 Jahre, fokussiert auf operative Lagerarbeit (Wareneingang, Kommissionierung, Versand). Fachkraft für Lagerlogistik = 3 Jahre, zusätzlich mit Disposition, Tourenoptimierung, SAP MM/WM, Kennzahlen-Analyse. Etwa 60 % der Fachlageristen verlängern direkt um 1 Jahr und schließen als Fachkraft Lagerlogistik ab. Faustregel: Wer sicher in der Logistik bleiben will und Karriereoptionen offen halten möchte, sollte verlängern. Wer nur einen schnellen Berufseinstieg sucht, kann Fachlagerist machen.
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 55 % der Auszubildenden Hauptschulabschluss mit, 35 % mittlere Reife, 10 % Abitur. Bei großen E-Commerce-/Logistik-Unternehmen (Amazon, DHL, Zalando) wird mittlere Reife erwartet. Fachlagerist ist einer der hauptschulfreundlichsten Berufe Deutschlands. Gute Noten in Mathematik (Rechnen, Maße, Mengen) und Deutsch-Grundkenntnisse sind wichtig. Mindestalter 18 für den im 2. Lehrjahr verpflichtenden Staplerschein.
IHK-Logistik-Tarif: ~920 € im 1. und ~1.020 € im 2. Lehrjahr im Mittelstand. Bei Großbetrieben (Amazon, DHL, Zalando) bis 1.130 € im 2. Lehrjahr mit Schichtzulagen. Etwas niedriger als Fachkraft Lagerlogistik (1.050–1.300 €), aber höher als manche reine Handwerksberufe (Friseur, Bäcker im HWK). Bei Schichtbetrieb kommen oft Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge dazu.
Hängt vom Karriereziel ab. E-Commerce (Amazon, Zalando, OTTO, Lidl Online): Hochleistungs-Kommissionierung, Schichtbetrieb Standard. Logistik-Dienstleister (DHL, DB Schenker, Hermes, Kühne+Nagel, Dachser, Rhenus): Kontraktlogistik, Distributionszentren. Industrie-Lager (BMW, Daimler, VW, Bosch, ZF, BASF): Just-in-Time-Belieferung, hohe Genauigkeit. Handelszentrallager (EDEKA, REWE, Aldi, Lidl, MediaMarkt-Saturn): hohe Stückzahlen, 24/7. Pharma-Logistik (Phoenix, Sanacorp, AEP): höchste Hygiene-Standards, gehobenes Lohnniveau.
Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist RCE (Realistic-Conventional-Enterprising). Wer körperlich-praktisch mit Stapler und Waren arbeitet (R), genau nach Lieferschein und Lagerregeln dokumentiert (C) und zielorientiert/tempo-orientiert arbeitet (E), ist hier richtig. Identisches Profil zur Fachkraft für Lagerlogistik – aber mit weniger Investigative-Anteil (weniger SAP, weniger Planung).
Vier Hauptpfade: (1) Aufstieg zur Fachkraft Lagerlogistik (häufigster Weg!): 1 weiteres Lehrjahr oder Externenprüfung nach Berufsjahren. 60 % wählen diesen Weg. (2) Logistikmeister + Lagerleitung: Geprüfter Logistikmeister (IHK, DQR 6), Schichtleiter, Lagerleiter (45.000–65.000 €). (3) Logistikfachwirt + Disposition: kaufmännischer Aufstieg, Tourenplanung, SAP-Spezialist (45.000–70.000 €). (4) Studium: Logistik (HS Bremerhaven, Heilbronn, FH Dortmund), Supply Chain Management, BWL.
Direkter Einstieg 30.000–38.000 € Brutto/Jahr nach IHK-Tarif. Mit Schicht- und Wochenend-Zulagen bei Amazon, DHL oder Zalando 35.000–45.000 €. Als Vorarbeiter / Schichtleiter mit 3–5 Jahren Erfahrung 40.000–55.000 €. Wer den Logistikmeister oder Logistikfachwirt macht, erreicht 55.000–75.000 €. Mit Logistik-Studium ist der Sprung ins Logistik-Management mit 70.000–100.000 € möglich. Wichtig: Wer auf die Fachkraft Lagerlogistik verlängert, verdient durchgehend etwa 5.000–8.000 € mehr pro Jahr.
Mittelfristig sicher, langfristig gefährdet durch Automatisierung. Der E-Commerce-Boom sorgt für anhaltend hohe Nachfrage nach Lagermitarbeitern. Aber: Amazon Robotics ersetzt zunehmend einfache Kommissionierungs-Tätigkeiten. Wer als Fachlagerist langfristig sicher bleiben will, sollte sich auf komplexere Aufgaben spezialisieren: Pharma-Logistik (höchste Sicherheitsanforderungen), Gefahrgut-Spezialist (ADR), Roboter-Bediener (Cobots), oder direkt zur Fachkraft Lagerlogistik verlängern. Wer in der Lagerleitung oder Disposition arbeitet, ist KI-resistent.
Ein Ausbildungsabbruch oder Berufswechsel ist kein Versagen. Bei Fachlageristen sind die häufigsten Wechselgründe: körperliche Überlastung (Rücken!), Schichtbetrieb-Belastung, fehlende Abwechslung, Lohnniveau. Wechsel zu Verkäufer (auch 2 Jahre, mehr Kundenkontakt), Kaufmann im Einzelhandel (3 Jahre, mehr Karriere) oder ins kaufmännische Umfeld als Kaufmann für Büromanagement sind erprobt. Eine fundierte berufliche Neuorientierung oder eine persönliche Berufsberatung hilft bei der Klärung.
Klarheit vor der Bewerbung schaffen
Fachlagerist ist der schnellste Einstieg in eine der wachstumsstärksten Branchen Deutschlands – aber nur, wenn das Profil wirklich passt. Bevor Sie sich für 2 Jahre Ausbildung entscheiden, sollten Sie wissen, ob Ihr RCE-Profil mit körperlicher Belastbarkeit, Zuverlässigkeit und Routine-Toleranz stimmt. Wir bieten wissenschaftlich validierte Diagnostik und persönliche Beratung – an sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Verordnung über die Berufsausbildung im Bereich Lagerlogistik vom 26.07.2004, regelt Fachlagerist und Fachkraft für Lagerlogistik gemeinsam.
- BIBB-Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe, Stichtag 30.09.2025. Bundesinstitut für Berufsbildung, veröffentlicht 03.03.2026.
- IHK-Logistik-Tarif 2025: Tarifliche Ausbildungsvergütungen.
- BIBB-Vergütungserhebung 2025: Branchenvergütung in der Logistik.
- BGV D27 / DGUV Vorschrift 68: Flurförderzeuge / Gabelstapler-Verkehr.
- ADR (Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter): Gefahrgut-Vorschriften.
- BVL (Bundesvereinigung Logistik): Branchen-Statistiken zur Logistik in Deutschland.
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices", 3. Auflage, PAR.
- Hinweis zu Gehaltsangaben: Bandbreiten beziehen sich auf tarifliche und marktübliche Vergütungen 2025. Tatsächliche Vergütungen variieren stark nach Branche, Betriebsgröße und Schichtmodell.