Glas- und Porzellanmaler/in: Ausbildung und Karriere
Farben auf Porzellan sehen vor dem Brand völlig anders aus als danach – ein stumpfes Braun wird zu leuchtendem Rot. Glas- und Porzellanmalerinnen und -maler arbeiten mit diesem Wissen im Kopf und malen Motive, die erst der Ofen sichtbar macht.
Kurzüberblick: Glas- und Porzellanmaler/in
Glas- und Porzellanmalerinnen und -maler dekorieren Glas, Porzellan und Keramik von Hand: Sie entwerfen oder übertragen Motive, reiben Farben an, malen mit Pinsel, Feder und Spritzpistole, setzen Gold- und Lusterdekore, führen den Brand und prüfen das Ergebnis auf Farbwirkung und Haftung.
Glas- und Porzellanmaler/in: Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die Vergütung ist tariflich geregelt.
| Beruf | Glas- und Porzellanmaler/in |
|---|---|
| Ausbildungsdauer | 3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar |
| Ausbildungsvergütung | Handwerkstarif, eher im unteren Bereich |
| Zugang | Hauptschulabschluss reicht häufig |
| Abschluss und Prüfung | Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer |
| Lernorte | Malwerkstatt oder Manufaktur plus Berufsschule |
| RIASEC-Interessencode | ARC |
| KI-Risiko | 17 Prozent automatisierbar, Platz 454 von 478 |
| Zukunftsscore | Note A, 83 von 100 |
Aufgaben & Arbeitsalltag
Gearbeitet wird sitzend am Maltisch mit ruhiger Hand – oft über Stunden am selben Stück. Der Brennofen entscheidet am Ende, ob die Arbeit gelungen ist.
Motive entwerfen
Skizzen anfertigen oder Vorlagen auf die Form übertragen.
Farben anreiben
Pigmente mit Medium mischen und auf Konsistenz bringen.
Malen
Mit Pinsel, Feder oder Spritzpistole auftragen.
Dekore setzen
Gold, Platin und Luster als Randdekor oder Fläche.
Brennen
Temperaturkurve wählen, Ofen beschicken und führen.
Prüfen
Farbwirkung, Haftung und Gleichmäßigkeit kontrollieren.
Warum der Brand alles entscheidet
Keramische Farben sind Metalloxide, die ihre Farbe erst im Feuer entwickeln. Was beim Malen graubraun wirkt, kann nach dem Brand kräftig rot leuchten. Wer malt, muss das Ergebnis also vorwegnehmen – und wissen, dass zu hohe Temperatur Farben ausbrennen lässt, zu niedrige sie nicht binden.
Aufglasur und Unterglasur
Bei der Aufglasurmalerei wird auf die fertige Glasur gemalt und bei etwa 800 Grad eingebrannt – das erlaubt viele Farben, ist aber weniger abriebfest. Die Unterglasurmalerei erfolgt vor dem Glasurbrand bei über 1.300 Grad: extrem haltbar, aber nur wenige Farben überstehen diese Hitze.
Ein Beruf mit zwei Werkstoffen
Die Ausbildung deckt Glas und Porzellan ab. Beide verlangen unterschiedliche Farben, Medien und Brenntemperaturen. Diese Breite ist ein Vorteil: Sie eröffnet Arbeit in Manufakturen ebenso wie bei Glasveredlern und in der Restaurierung.
Sehr klein, aber mit Nischen
Die deutsche Porzellanindustrie ist stark geschrumpft. Erhalten haben sich hochwertige Manufakturen, Restaurierung und Sonderanfertigungen – Bereiche, in denen Handmalerei unersetzlich bleibt und ordentlich bezahlt wird.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Werkstoffkunde
Porzellan, Steingut, Glas, Glasuren und ihre Eigenschaften.
Farbenkunde
Metalloxide, Medien, Farbveränderung im Brand.
Zeichnen und Entwurf
Motive, Proportionen und Übertragung auf gewölbte Formen.
Aufglasurmalerei
Pinseltechniken, Lasuren und Flächendeckung.
Unterglasurmalerei
Farbauswahl, Auftrag und Hochbrand.
Edelmetalldekor
Gold, Platin, Luster und Polierverfahren.
Brennführung
Temperaturkurven, Ofenbeschickung und Fehlerbilder.
Stilkunde
Historische Dekore, Epochen und Restaurierungsgrundsätze.
Passt dieser Beruf zu dir?
Der Beruf verlangt zeichnerisches Talent, ruhige Hände und die Fähigkeit, Ergebnisse vorauszudenken. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.
Formale Voraussetzungen
- Hauptschulabschluss reicht häufig aus
- Zeichnerisches Talent ist entscheidend
- Einwandfreies Farbsehvermögen
- Sehr gute Feinmotorik
- Mappe mit eigenen Arbeiten meist erwünscht
- Keine Allergien gegen Farbmedien
Persönliche Eigenschaften
- Gestalterisches Auge für Motiv und Farbe
- Geduld bei stundenlanger Feinarbeit
- Vorstellungsvermögen für das Brandergebnis
- Ruhe, wenn ein Stück im Ofen misslingt
- Interesse an Kunstgeschichte
- Sorgfalt bei Wiederholungsdekoren
RIASEC-Profil: ARC – Artistic · Realistic · Conventional
Der Beruf ist vor allem gestalterisch geprägt (A), verbindet dies mit handwerklicher Ausführung an Werkstoff und Ofen (R) sowie exaktem, regelgeleitetem Arbeiten bei Brennführung und Wiederholungsdekoren (C).
Wer Glas lieber schleift als bemalt, sollte den Glasveredler prüfen. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest für Schüler.
Malen mit Feuer?
Ein kleiner künstlerischer Beruf. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung liegt im unteren Bereich des Handwerks. Besser bezahlt werden Restaurierung und hochwertige Manufakturarbeit.
Vergütung und Profil nach Einsatzfeld
Fragen Sie, ob Sie eigene Entwürfe umsetzen oder nur vorgegebene Dekore wiederholen dürfen. Beides gehört dazu, doch nur wer entwerfen lernt, kann später in Restaurierung oder Selbstständigkeit gehen. Klären Sie außerdem, ob Sie Auf- und Unterglasur beide lernen.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Der Arbeitsmarkt ist klein, aber die Kompetenz ist selten. Die besten Aussichten bieten Restaurierung und Manufakturarbeit.
Ausbildungsablauf: Vom Pinselstrich zum Hochbrand
Die dreijährige Ausbildung beginnt bei Farbe und Pinsel und führt zur eigenständigen Gestaltung.
Grundlagen
Werkstoffe, Farben anreiben, Pinseltechnik und Zeichnen.
Techniken
Aufglasur, Unterglasur, Edelmetalldekor und Brennführung.
Etwa nach der Hälfte
Praktische Arbeitsprobe und schriftliche Aufgaben.
Gestaltung
Eigene Entwürfe, Stilkunde, Restaurierung und Kalkulation.
Gesellenprüfung
Prüfungsstück, Entwurf und Fachgespräch.
Karrierewege: Meister, Restaurierung, eigene Werkstatt
In einem so kleinen Beruf entscheidet die gestalterische Qualität über die Aussichten. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.
Meister werden
Der formale Weg.
- Meister/in im Glas- und Porzellanmalerhandwerk
- Eigene Werkstatt
- Ausbildungsberechtigung
- Sonderanfertigungen
Restaurierung vertiefen
Der wirtschaftlich stärkste Weg.
- Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk
- Historische Dekore
- Museen und Sammlungen
- Gutachten und Zuschreibung
Verwandte Felder
Mit übertragbaren Fähigkeiten.
- Glasveredelung und Werbetechnik
- Industrielle Dekortechnik
- Keramikdesign
- Kunsthandwerk und Galerien
Weiterbilden
Auch ohne Abitur möglich.
- Gestalter/in im Handwerk
- B.A. Keramik- und Glasdesign
- Restaurierung
- Kunstgeschichte
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein künstlerischer Beruf mit langer Tradition – in einem sehr kleinen Markt.
Was für den Beruf spricht
- Hoher gestalterischer Anteil
- Arbeiten von bleibendem Wert
- Praktisch keine Konkurrenz
- Restaurierung als tragfähige Nische
- Zwei Werkstoffe erweitern die Optionen
- Ruhige, saubere Tätigkeit
Was Sie wissen sollten
- Sehr kleiner Arbeitsmarkt
- Vergütung im unteren Bereich
- Wenige Ausbildungsbetriebe
- Misslungene Brände kosten Stunden Arbeit
- Sitzende, einseitige Belastung
- Abhängigkeit vom Luxus- und Sammlermarkt
Glas- und Porzellanmaler vs. Manufakturporzellanmaler vs. Glasveredler
Drei dekorierende Berufe im Vergleich.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Die deutsche Porzellanindustrie ist stark geschrumpft, das muss man wissen. Was geblieben ist, sind hochwertige Manufakturen und die Restaurierung – und dort ist Handmalerei nicht ersetzbar. Wer dieses Handwerk lernt und die Restaurierung anschließt, arbeitet in einer kleinen, aber beständigen Nische.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Psychologisch anspruchsvoll ist die zeitliche Distanz zwischen Arbeit und Ergebnis. Man malt stundenlang und sieht erst nach dem Brand, ob es gelungen ist – und manchmal ist alles verloren. Wer daraus lernt statt zu verzweifeln, entwickelt eine bemerkenswerte Gelassenheit.“
Zukunftsaussichten Glas- und Porzellanmaler/in: Wie robust ist der Beruf?
Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.
Dieser Beruf gehört zu den robusteren im Vergleich. Der Kern der Arbeit besteht aus Tätigkeiten, die sich schlecht in Regeln fassen lassen: Handarbeit am Objekt, Arbeit an und mit Menschen oder Entscheidungen unter wechselnden Bedingungen. Software übernimmt hier vor allem Dokumentation und Planung, nicht die Tätigkeit selbst. Wichtig bleibt die Leserichtung: Der Wert misst, was technisch möglich wäre, nicht was ein Betrieb tatsächlich tut. Kosten, Tarif, Regulierung und Kundenerwartung entscheiden mit.
Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Für diesen Beruf liegen 45 % der Gewichtung als Daten vor, der Rest wurde herausgerechnet. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.
Glas- und Porzellanmaler/in – FAQ
Er dekoriert Glas, Porzellan und Keramik von Hand: Motive entwerfen oder übertragen, Farben aus Metalloxiden anreiben, mit Pinsel, Feder oder Spritzpistole auftragen, Gold-, Platin- und Lusterdekore setzen, den Brand mit passender Temperaturkurve führen sowie Farbwirkung, Haftung und Gleichmäßigkeit prüfen.
Weil keramische Farben aus Metalloxiden bestehen, die ihre endgültige Farbe erst im Feuer entwickeln. Ein Rot wirkt beim Auftragen oft graubraun, ein Blau unscheinbar grünlich. Der Maler muss das Ergebnis daher im Kopf vorwegnehmen – eine Fähigkeit, die sich nur durch Erfahrung aufbaut und die Ausbildung besonders prägt.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Der Zeitpunkt und die Temperatur. Bei der Aufglasurmalerei wird auf die fertige Glasur gemalt und bei rund 800 Grad eingebrannt – das erlaubt eine große Farbpalette, ist aber weniger abriebfest. Die Unterglasurmalerei erfolgt vor dem Glasurbrand bei über 1.300 Grad: Das Dekor liegt geschützt unter der Glasur und ist praktisch unverwüstlich, doch nur wenige Farben überstehen diese Hitze.
Ja, das ist die wichtigste Voraussetzung. Bevor gemalt wird, muss ein Motiv entworfen und auf eine gewölbte Form übertragen werden – das verlangt Sicherheit in Proportion und Bildaufbau. Betriebe erwarten deshalb häufig eine Mappe mit eigenen Arbeiten. Maltechnik lässt sich lernen, gestalterisches Auge nur begrenzt.
Der Arbeitsmarkt ist klein, aber beständig. Die industrielle Porzellanfertigung in Deutschland ist stark zurückgegangen; geblieben sind hochwertige Manufakturen, Restaurierungswerkstätten und Sonderanfertigungen. Weil kaum jemand nachrückt, treffen Fachkräfte auf wenig Konkurrenz. Wer zusätzlich die Restaurierung anschließt, hat die besten Aussichten.
Die Arbeit ist meist verloren. Zu hohe Temperatur lässt Farben ausbrennen und verblassen, zu niedrige bindet sie nicht dauerhaft; falsche Auftragsstärke führt zu Blasen oder Abplatzern. Anders als beim Malen auf Papier gibt es keine Korrektur – das Stück muss neu gemalt werden. Deshalb gehört die Brennführung mit ihren Temperaturkurven und Fehlerbildern zum Kern der Ausbildung, und Probebrände sind bei neuen Dekoren selbstverständlich.
In den traditionellen Porzellan- und Glasregionen, vor allem in Oberfranken, Thüringen, Sachsen und im Bayerischen Wald. Es gibt nur wenige ausbildende Betriebe, und sie schreiben selten aus. Sprechen Sie Manufakturen und Malwerkstätten direkt an und bringen Sie eigene Zeichnungen mit. Rechnen Sie mit überregionaler Suche.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
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Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Glas- und Porzellanmaler/in als dreijähriger Beruf im Handwerk mit Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer.
- Aufglasurmalerei bei etwa 800 Grad mit großer Farbpalette gegenüber der Unterglasurmalerei im Hochbrand über 1.300 Grad mit höchster Haltbarkeit.
- Keramische Farben auf Basis von Metalloxiden, deren endgültiger Farbton sich erst im Brand entwickelt.
- Geprüfte/r Restaurator/in im Handwerk als Fortbildungsabschluss mit Zugang zu Museen und Denkmalpflege.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.