Immobilienkaufmann/-frau: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Immobilienkaufmann ist der Beruf zwischen Verwaltung, Verkauf und Provision – Immobilienkaufleute verwalten Wohnungsbestände bei Vermietern wie Vonovia, LEG Immobilien und Deutsche Wohnen, verkaufen Eigentumswohnungen bei Engel & Völkers, von Poll oder RE/MAX, oder beraten Bauträger bei der Vermarktung neuer Projekte. Mit ~5.000 Neuverträgen 2025 ist Immobilienkaufmann BIBB-Top-35. Die Ausbildungsverordnung vom 14.02.2006 umfasst keine Fachrichtungen, dafür drei wählbare Vertiefungsbereiche: Steuerung und Kontrolle im Unternehmen, Maklergeschäft sowie Wohnungseigentumsverwaltung (WEG). Im Vergleich zum Bankkaufmann und Versicherungskaufmann ist die Branche extrem konjunkturabhängig – aber mit höchstem Provisions-Hebel im kaufmännischen Bereich. Wir zeigen Aufgaben, fünf Branchen, das RIASEC-Profil CES und Karrierewege bis zum Immobilien-Sachverständigen.
Kurzüberblick: Immobilienkaufmann/-frau
Immobilienkaufleute arbeiten an der Schnittstelle von Vermietung, Verwaltung, Verkauf und Beratung – sie betreuen Wohnungsbestände, kümmern sich um Mieterwechsel, erstellen Betriebskostenabrechnungen, vermitteln Eigentumswohnungen oder Häuser im Maklergeschäft und beraten Eigentümer bei der Bestandsoptimierung. Die Ausbildungsverordnung 2006 definiert keine Fachrichtungen, lässt aber drei Vertiefungs-Schwerpunkte wählen, die das Berufsprofil prägen. Anders als beim Bankkaufmann ist die Branche extrem konjunkturabhängig – in Boom-Zeiten extrem lukrativ (Provisionen!), in Krisenzeiten herausfordernd. Aufsicht und Prüfung erfolgen vor der IHK.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Arbeitsalltag teilt sich zwischen Büro (60 %, Korrespondenz, Verwaltung, Marketing) und Außendienst/Besichtigungen (40 %, Wohnungsbesichtigungen, Übergaben, Eigentümerversammlungen). Klassisch beginnt der Tag mit dem Sichten neuer Anfragen, danach ggf. eine Besichtigung mit einem Interessenten, dann Nachbereitung im Büro. Anders als beim reinen Bankkaufmann ist die Mischung aus Büro und Außendienst typisch. Die Ausbildungsverordnung definiert neun zentrale Tätigkeitsfelder.
Vermietung & Mieterauswahl
Wohnungen vermieten: Inserate erstellen, Besichtigungen organisieren, Mieter-Selbstauskunft prüfen (SCHUFA, Einkommen), Mietverträge nach BGB §535ff aufsetzen, Übergaben durchführen.
Bestandsverwaltung & Korrespondenz
Mieterkorrespondenz, Mieterhöhungen, Kündigungen, Räumungsverfahren vorbereiten. Beschwerden, Wartungs-Anfragen, Schadensmeldungen koordinieren.
Nebenkosten- & Betriebskostenabrechnung
Heiz- und Betriebskostenabrechnungen für Wohnungsmieter erstellen, Verteilerschlüssel anwenden (Wohnfläche, Verbrauch), Abrechnungen nach BetrKV. Hochsaison: Januar–März.
Verkauf & Maklertätigkeit
Eigentumswohnungen und Häuser verkaufen: Exposés erstellen, Hochwertige Fotos beauftragen, ImmobilienScout24/ImmoWelt-Listings, Notartermine begleiten. Provisions-Hebel!
Wohnungseigentumsverwaltung (WEG)
Verwaltung von Eigentümergemeinschaften nach WEG-Gesetz: Eigentümerversammlungen organisieren, Beschlussvorlagen erstellen, Hausgeldabrechnung, Beirat-Beratung.
Instandhaltung & Sanierung koordinieren
Reparaturen beauftragen, Handwerker koordinieren, Sanierungsbudgets planen, energetische Modernisierungen (GEG) begleiten, Bauüberwachung vor Ort.
Finanzierung & Wirtschaftlichkeit
Wirtschaftlichkeit von Objekten bewerten (Rendite, Cashflow, Bewertung nach Sachwert-/Ertragswert-Methode), Finanzierung mit Banken besprechen, Förderprogramme (KfW) prüfen.
Marketing & Digitalisierung
Online-Inserate optimieren, Social Media für Maklerunternehmen (Instagram, LinkedIn), virtuelle 360°-Touren erstellen lassen, Kundendaten in CRM-Systemen (FlowFact, Onoffice) pflegen.
Rechtliche Beratung & Vertragsgestaltung
Mietverträge, Kaufverträge, WEG-Beschlüsse rechtssicher gestalten. BGB-Mietrecht, WEG-Gesetz, MaBV (Makler- und Bauträgerverordnung) anwenden. Bei komplexen Fällen Notar-/Anwalt-Einbindung.
Die 3 Vertiefungs-Schwerpunkte
Anders als bei vielen Industrie-Berufen hat Immobilienkaufmann keine offiziellen Fachrichtungen. Stattdessen werden im 3. Lehrjahr drei Vertiefungs-Schwerpunkte angeboten, die das Berufsprofil prägen. Die Wahl hängt vom Ausbildungsbetrieb ab: Bestandshalter (Vonovia, LEG) wählen typisch Wahlqualifikation 1, Makler (Engel & Völkers, von Poll) wählen Wahlqualifikation 2, Hausverwaltungen wählen Wahlqualifikation 3.
1. Steuerung und Kontrolle im Unternehmen
Controlling-Schwerpunkt: Kennzahlen, Bestandsanalyse, Bewertung von Immobilien-Portfolios, Wirtschaftlichkeitsberechnung. Typisch bei Wohnungsbaugesellschaften wie Vonovia, LEG, Deutsche Wohnen.
2. Maklergeschäft
Verkauf und Vermittlung: Akquise von Verkäufern, Käufermarketing, Marktanalyse, Beurteilung des Marktwerts, Provisions-orientiertes Arbeiten. Typisch bei Engel & Völkers, von Poll, RE/MAX, Sotheby's.
3. Wohnungseigentumsverwaltung (WEG)
Verwaltung von Eigentümergemeinschaften nach WEG-Gesetz: Eigentümerversammlungen, Hausgeldabrechnung, Beirat-Betreuung. Typisch bei klassischen Hausverwaltungen wie der HEIMSTADEN-Tochter HEIMSTADEN Verwaltungs- & Servicegesellschaft.
In welcher Branche soll ich anfangen?
Wohnungsbaugesellschaften (Bestand)
Vonovia (Marktführer mit 550.000+ Wohnungen), LEG Immobilien, TAG Immobilien, Deutsche Wohnen, Heimstaden. Größte Arbeitgeber der Branche (~40 % aller Ausbildungsplätze). Sichere Stellen, gute Tarifbindung, Großstadtfokus.
Makler-Unternehmen
Engel & Völkers, von Poll Immobilien, RE/MAX, Sotheby's International Realty, McMakler, Christie's International Real Estate. Provisions-orientiertes Modell – höchste Verdienstchancen, aber sehr abhängig vom Marktzyklus.
Hausverwaltungen
Klassische Hausverwaltungen (regional): WIRO Rostock, Gewobag Berlin, GAGFAH-Nachfolger, kleinere lokale Hausverwaltungen mit 10–100 Mitarbeitern. WEG-Verwaltung-Schwerpunkt. Stabiles Geschäft, moderate Gehälter.
Bauträger & Projektentwickler
Strabag Real Estate, Instone Real Estate, Aurelis Real Estate, BPD Immobilienentwicklung, ZECH-Group. Vermarktung neu gebauter Immobilien, Vertriebs-Schwerpunkt, Großprojekte. Mittlere Karriereoptionen.
Gewerbeimmobilien
Colliers, JLL (Jones Lang LaSalle), CBRE, Cushman & Wakefield, Savills. Verkauf und Vermietung von Bürogebäuden, Logistik-Hallen, Einzelhandelsflächen. Hoch spezialisierter Bereich, höchste Gehälter, internationale Ausrichtung.
Passt der Beruf zu mir?
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 45 % der Auszubildenden mittlere Reife mit, 45 % Abitur, 10 % Hauptschulabschluss. Bei Großkonzernen (Vonovia, LEG) und Premium-Maklern (Engel & Völkers, Sotheby's) wird Abitur fast immer erwartet. Im Gewerbeimmobilien-Sektor (JLL, CBRE, Colliers) wird oft sehr gutes Abitur plus Englisch-Kenntnisse erwartet. Wichtiger als Schulnoten sind Kommunikationsstärke, kaufmännisches Verständnis und Verkaufstalent – besonders im Maklergeschäft.
Formale Voraussetzungen
- Mittlere Reife klarer Standard (45 %), Abitur (45 %) ebenso häufig
- Bei Konzernen (Vonovia, LEG) und Premium-Maklern Abitur erwartet
- Bei Gewerbeimmobilien (JLL, CBRE) sehr gutes Abitur + Englisch
- Sehr gute Noten in Mathematik, Deutsch, Wirtschaft
- Eintragungsfreies Führungszeugnis (Pflicht für Maklertätigkeit nach §34c GewO!)
- Führerschein Klasse B sehr wichtig (Besichtigungen)
- Repräsentatives Auftreten (Kundenkontakt!)
- Englisch-Grundkenntnisse für internationale Kunden
Persönliche Eigenschaften
- Kommunikationsstärke – intensive Kundenkontakte
- Verkaufstalent – essentiell im Maklergeschäft
- Selbstvertrauen und Selbstmotivation
- Stressresistenz (Marktvolatilität, Provisions-Druck)
- Genauigkeit bei Verträgen, Abrechnungen
- Diplomatie bei Konflikten (Mieter, Eigentümer, Handwerker)
- Flexibilität (Besichtigungen oft abends/wochenends)
- Unternehmerisches Denken (für Selbstständigkeit als Makler)
RIASEC-Profil: CES – Conventional · Enterprising · Social
Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist klar definiert: Conventional (genaues Arbeiten nach Verträgen, Abrechnungen, Verordnungen wie BGB/WEG/MaBV) als dominante Primärdimension. Ergänzt durch Enterprising (verkaufsorientiertes Handeln, Provisions-Mentalität, eigenverantwortliches Arbeiten) und Social (intensive Kundenkontakte, Beratung, Mediation zwischen Mietern, Eigentümern, Handwerkern). Identisches Profil zur Versicherungskauffrau (CES) und Kaufmann Groß-/Außenhandel (CES) – aber mit klarem Immobilien-/Sachwert-Schwerpunkt. Anders als beim Bankkaufmann (ESC) dominiert C statt E – Immobilienkaufmann ist regelbasierter und weniger reines Verkaufsgeschäft.
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Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Immobilienkaufleute werden überwiegend nach dem Tarifvertrag der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (AGV) ausgebildet. Die Vergütung liegt im oberen Bereich der kaufmännischen Berufe – etwas unter Bankkaufmann aber deutlich über Büromanagement. Der wahre Hebel liegt nach der Ausbildung: Provisionsbasierte Vergütung im Maklergeschäft kann Top-Verdiener auf 100.000–300.000 €+ pro Jahr bringen – aber das ist Boom-Markt-abhängig.
Ausbildungsvergütung 2025 (AGV-Tarif)
Werte gerundet. Quellen: AGV-Tarif Wohnungs-/Immobilienwirtschaft 2025, BIBB-Vergütungserhebung 2025. Bei Vonovia, LEG und großen Konzernen am oberen Tarifrand. Premium-Makler (Engel & Völkers, von Poll) zahlen oft etwas mehr, dafür aber häufig keine Übernahmegarantie.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Ausbildungsablauf: Was passiert in den 3 Jahren?
Die Ausbildung erfolgt dual: 3–4 Tage pro Woche im Unternehmen, 1–2 Tage in der Berufsschule. Klassisch beginnt es mit den Grundlagen der Immobilienwirtschaft, danach folgen Bestandsverwaltung, Verkauf und Wohnungseigentumsverwaltung. Die Prüfung erfolgt als Zwischenprüfung und Abschlussprüfung vor der IHK.
Grundlagen der Immobilienwirtschaft
Mietrecht-Grundlagen (BGB §535ff), Mieterauswahl, Mietverträge, Übergaben, Bestandsverwaltung, Korrespondenz, einfache Betriebskostenabrechnung, Branchenkundeschwerpunkt.
Zwischenprüfung (IHK)
Schriftliche und praktische Prüfung über Grundlagen. Klassischer IHK-Stil.
Vertiefung & Spezialisierung
WEG-Verwaltung, komplexere Betriebskosten, Verkauf und Maklertätigkeit, Marktanalyse, erste eigene Verkaufs-/Vermietungsakte, Buchhaltung der Immobilienwirtschaft.
Wahlqualifikation & Projektarbeit
Wahl einer der drei Vertiefungs-Qualifikationen, eigenständige Bearbeitung von Aufträgen, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung, ggf. erste selbstständige Maklerprovisionen.
Abschlussprüfung (IHK)
Schriftliche Prüfung in vier Bereichen (Immobilienwirtschaft, Kaufmännische Steuerung, Wirtschafts-/Sozialkunde, Wahlqualifikation) plus 20-minütige mündliche Prüfung mit Fallaufgabe. Abschluss: „Immobilienkaufmann/-frau".
Karrierewege: Vom Immobilienkaufmann zum Sachverständigen
Die Immobilienkaufmann-Ausbildung bietet einen besonders vielfältigen Karriereweg – von der sicheren Verwaltung bis zum Makler-Top-Verdiener oder Sachverständigen. Vier Hauptwege sind typisch: der Immobilien-Fachwirt-Pfad, die Makler-Selbstständigkeits-Karriere, der Sachverständigen-Pfad und das Immobilien-Studium.
Immobilien-Fachwirt-Pfad
Klassischer Aufstieg mit Personalverantwortung.
- Geprüfter Immobilienfachwirt (IHK, DQR 6 = Bachelor)
- Abteilungsleiter Bestandsverwaltung
- Standortleitung bei Vonovia, LEG, TAG
- Property Manager (Bestandsverwaltung für Investoren)
- 55.000–80.000 € mit Verantwortung
Makler-Karriere + Selbstständigkeit
Höchster Provisions-Hebel, aber marktabhängig.
- Selbstständiger Makler mit Gewerbeerlaubnis §34c GewO
- Franchise-Modelle (Engel & Völkers, RE/MAX, von Poll)
- Provision-Standard 3,57 % vom Kaufpreis (oft hälftig getragen)
- Top-Verdiener: 150.000–400.000 € in Boom-Märkten
- Sehr volatil – in Krisenzeiten oft < 50.000 €
Sachverständigen-Karriere
Höchst-spezialisierter Premium-Pfad.
- Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (IHK)
- Diplom-Sachverständiger DIA Allendorf, Spengler-Institut
- Verkehrswertgutachten nach ImmoWertV
- Gerichtsgutachten in Erbstreitigkeiten, Scheidungen
- 800–1.500 €/Stück Gutachtenhonorar, 80.000–150.000 € möglich
Studium nach der Ausbildung
Mit Meister oder 3 Jahren Berufserfahrung uneingeschränkte HZB.
- Immobilienwirtschaft (B.Sc., EBZ Bochum, HfWU Nürtingen, HS Aschaffenburg)
- Real Estate Management (Master, IREBS Regensburg, EBS Wiesbaden)
- BWL mit Immobilien-Schwerpunkt
- Bauingenieurwesen mit Immobilien-Fokus
- Karriere als Asset Manager bei JLL, CBRE, Colliers (70.000–120.000 €)
Sie sind bereits in der Ausbildung und planen den nächsten Schritt? Eine berufliche Neuorientierung oder Studienberatung hilft bei der fundierten Karriereplanung.
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen
Immobilienkaufmann bietet den höchsten Provisions-Hebel der kaufmännischen Berufe – aber ist auch der konjunkturabhängigste. Wichtigster Tipp: Festgehalt-Position bei Wohnungsbaugesellschaft sichern und Maklerei als Zusatz-Option offen halten.
Was für den Beruf spricht
- Höchster Provisions-Hebel im kaufmännischen Bereich
- Krisenresistent in der Bestandsverwaltung (Vonovia, LEG)
- Vielseitige Tätigkeiten – kein Bürostuhl-Beruf
- 40 % Außendienst mit Besichtigungen
- Selbstständigkeit als Makler sehr realistisch
- Hoher Frauenanteil (~55 %)
- Sachverständigen-Pfad als Premium-Karriere
- Akademisierung mit Top-Studiengängen möglich
Was Sie wissen sollten
- Extrem konjunkturabhängig – Boom/Bust-Zyklen
- Maklerbranche aktuell unter Druck (Zinsen!)
- Hohe Verkaufs-/Provisions-Erwartungen
- Abend-/Wochenend-Termine bei Besichtigungen
- Konfliktmanagement zwischen Mietern/Eigentümern
- Hohe Rechtshaftung (Mietrecht, WEG-Recht)
- Bestellerprinzip (2020) hat Maklerprovision reduziert
- Bei Premium-Maklern kein Festgehalt nach Ausbildung
Immobilienkaufmann vs. verwandte Kauf-/Beratungs-Berufe
Drei verwandte kaufmännische Berufe werden häufig verglichen. Diese Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede.
Einschätzung unserer Berater
Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Immobilienkaufmann ist einer der spannendsten kaufmännischen Berufe – aber auch einer mit der höchsten Marktzyklus-Abhängigkeit. Der Niedrigzins-Boom der 2010er und frühen 2020er hat Top-Makler zu Millionären gemacht. Seit dem Zinsanstieg 2022 ist die Branche unter Druck – viele Maklerbüros mussten schließen. Mein klarer Rat aus 20 Jahren Headhunting-Erfahrung: Starten Sie bei einer großen Wohnungsbaugesellschaft wie Vonovia, LEG oder Deutsche Wohnen. Dort lernen Sie Bestandsmanagement professionell, haben sicheren Tariflohn und können später flexibel ins Maklergeschäft wechseln. Wer direkt bei Engel & Völkers oder von Poll startet, riskiert in Krisenzeiten arbeitslos zu werden. Karriere-Tipp: Sachverständigen-Karriere verfolgen – öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige sind in Erbstreitigkeiten, Scheidungen und Insolvenzen extrem gefragt und verdienen 100.000–200.000 € sehr stabil. Im Gewerbeimmobilien-Sektor (JLL, CBRE, Colliers) ist der Einstieg sehr selektiv, aber Top-Karrieren möglich (Asset Manager 80.000–150.000 €)."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Bei Immobilienkaufmann-Interessenten frage ich gerne: Stell dir vor, du führst eine Eigentümerversammlung mit 35 streitenden WEG-Mitgliedern, einer will dringend die Fassade dämmen, ein anderer schäumt vor Wut über die Mehrkosten, ein dritter denkt nur an seine Vermietungs-Rendite. Klingt das nach deinem Ding? Wer dann sagt: „Genau diese Mediation zwischen unterschiedlichen Interessen reizt mich" – hat das richtige Profil. Wer sagt „ich will nur Häuser verkaufen", sollte vorsichtig sein – das Makler-Geschäft ist nur 30 % vom Berufsbild und sehr volatil. Immobilienkaufleute sind Mediator-Verkäufer mit kaufmännischer Genauigkeit – das ist ein wertvolles Profil. Sehr wichtig: Wer schlecht mit Konflikten umgehen kann oder Schwierigkeiten hat, „Nein" zu sagen, sollte einen anderen kaufmännischen Beruf wählen – wir haben hier täglich Streit zwischen Mietern und Vermietern."
Immobilienkaufmann-Ausbildung – FAQ
Beide sind IHK-Industrieberufe (3 Jahre, kaufmännisch). Der zentrale Unterschied: Immobilienkaufmann arbeitet mit Sachwerten (Wohnungen, Häuser, Grundstücke), hat 40 % Außendienst mit Besichtigungen, und der Provisions-Hebel ist extrem hoch aber konjunkturabhängig. Bankkaufmann arbeitet mit Geld-/Finanzprodukten, ist überwiegend im Büro, hat höhere Ausbildungsvergütung (1.200 vs. 1.100 €) und stabilere Karriereperspektiven. Faustregel: Wer Sachwerte mag und Außendienst sucht → Immobilienkaufmann. Wer stabile Karriere im Büro will → Bankkaufmann.
Hängt vom Karriereziel ab. Wohnungsbaugesellschaften (Vonovia, LEG, TAG, Deutsche Wohnen, Heimstaden): sicherste Stellen, gute Tarifbindung, Schwerpunkt Bestandsverwaltung. Klassischer Lehrbetrieb (~40 %). Premium-Makler (Engel & Völkers, von Poll, RE/MAX, Sotheby's): provisions-orientiert, höchste Verdienstchancen, aber sehr abhängig vom Markt. Klassische Hausverwaltungen: WEG-Schwerpunkt, stabile Branche. Bauträger (Strabag Real Estate, Instone, Aurelis): Vermarktung neuer Projekte, Großprojekte. Gewerbeimmobilien (JLL, CBRE, Colliers, Cushman & Wakefield, Savills): höchste Gehälter, internationaler Bereich, sehr selektiv. Mein Rat: bei Großkonzernen starten, später ggf. wechseln.
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 45 % der Auszubildenden mittlere Reife mit, 45 % Abitur, 10 % Hauptschulabschluss. Bei Großkonzernen (Vonovia, LEG) und Premium-Maklern (Engel & Völkers, Sotheby's) wird Abitur fast immer erwartet. Im Gewerbeimmobilien-Sektor (JLL, CBRE, Colliers) wird oft sehr gutes Abitur plus Englisch-Kenntnisse erwartet. Wichtige formelle Voraussetzung: ein eintragungsfreies Führungszeugnis für die spätere Maklertätigkeit nach §34c GewO.
AGV-Tarif Wohnungs-/Immobilienwirtschaft: ~1.100 € im 1., 1.200 € im 2. und ~1.350 € im 3. Lehrjahr. Bei Vonovia, LEG und großen Konzernen am oberen Tarifrand mit zusätzlichen Leistungen (Vermögenswirksame Leistungen, Erholungsbeihilfe). Bei Premium-Maklern (Engel & Völkers, von Poll) oft etwas höher (1.220–1.430 €), aber meist ohne Übernahmegarantie. Im Vergleich: etwa 5 % unter Bankkaufmann, aber deutlich über Büromanagement.
Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist CES (Conventional-Enterprising-Social). Wer genau nach Verträgen und Vorschriften arbeitet (C), verkaufsorientiert und eigenverantwortlich handelt (E) und intensiven Kundenkontakt schätzt (S), ist hier richtig. Identisches Profil zur Versicherungskauffrau und zum Kaufmann Groß-/Außenhandel – aber mit Immobilien-Schwerpunkt und höherem Außendienst-Anteil. Anders als beim Bankkaufmann (ESC) dominiert C – Immobilienkaufmann ist regelbasierter und weniger reines Verkaufsgeschäft.
Vier Hauptpfade: (1) Immobilien-Fachwirt-Pfad: Geprüfter Immobilienfachwirt (IHK, DQR 6), Abteilungsleitung, Standortleitung, Property Manager (55.000–80.000 €). (2) Makler-Karriere + Selbstständigkeit: §34c-Gewerbeerlaubnis, Franchise (Engel & Völkers, RE/MAX, von Poll). Top-Verdiener 150.000–400.000 € in Boom-Zeiten, aber sehr volatil. (3) Sachverständigen-Karriere (Premium!): Öffentlich bestellt und vereidigt durch IHK, Gutachten in Erbstreitigkeiten/Scheidungen, 100.000–200.000 €. (4) Studium: Immobilienwirtschaft (B.Sc., EBZ Bochum, HfWU Nürtingen), Real Estate Management (Master, IREBS Regensburg, EBS Wiesbaden), Asset Manager bei JLL, CBRE, Colliers (70.000–120.000 €).
Sehr unterschiedlich nach Position. Direkter Einstieg in der Verwaltung (Wohnungsbaugesellschaft) 36.000–48.000 € Festgehalt. Maklerei (Festgehalt + Provision) 40.000–100.000+ €, stark provisionsabhängig und marktzyklus-abhängig. Gewerbeimmobilien (JLL, CBRE, Colliers) 55.000–80.000 € im hochwertigen B2B-Bereich. Top-Karrieren: Mit Immobilien-Studium als Asset Manager 70.000–120.000 €, als Sachverständiger 100.000–200.000 €, als Top-Makler in Boom-Zeiten 150.000–400.000 €. Im Krisenmarkt fallen die Makler-Gehälter dramatisch.
Sehr differenziert: Die Bestandsverwaltung (Vonovia, LEG, Hausverwaltungen) ist hochgradig krisensicher – Mieten müssen auch in Wirtschaftskrisen gezahlt werden. Die Maklerbranche ist dagegen extrem konjunkturabhängig: Seit dem Zinsanstieg 2022 sind die Immobilienverkäufe um 30–40 % eingebrochen, viele Maklerbüros mussten schließen. Das Bestellerprinzip im Wohnungsverkauf (2020) hat die Maklerprovisionen halbiert. Gewerbeimmobilien sind im Zinsanstieg ebenfalls unter Druck. Strategischer Rat: bei einer Wohnungsbaugesellschaft starten, später flexibel wechseln.
Ein Ausbildungsabbruch oder Berufswechsel ist kein Versagen. Bei Immobilienkaufleuten sind die häufigsten Wechselgründe: Marktzyklus-Frust, Konfliktbelastung, Provisions-Druck im Maklergeschäft, fehlender Verkaufstalent. Wechsel zum Bankkaufmann (stabilere Branche), Versicherungskaufmann (vergleichbares Profil), Büromanagement (weniger Außendienst-Druck) oder ins Immobilienwirtschaft-Studium sind erprobt. Eine fundierte berufliche Neuorientierung oder eine persönliche Berufsberatung hilft bei der Klärung.
Klarheit vor der Bewerbung schaffen
Immobilienkaufmann ist einer der spannendsten kaufmännischen Berufe mit dem höchsten Provisions-Hebel – aber nur, wenn das Profil wirklich passt. Bevor Sie sich für 3 Jahre Ausbildung entscheiden, sollten Sie wissen, ob Ihr CES-Profil mit Kommunikationsstärke, Verkaufstalent und kaufmännischer Genauigkeit stimmt. Wir bieten wissenschaftlich validierte Diagnostik und persönliche Beratung – an sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Immobilienkaufmann/zur Immobilienkauffrau vom 14.02.2006.
- BIBB-Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe, Stichtag 30.09.2025. Bundesinstitut für Berufsbildung, veröffentlicht 03.03.2026.
- AGV-Tarifvertrag Wohnungs- und Immobilienwirtschaft 2025.
- BGB §535ff: Mietrecht.
- WEG-Gesetz: Wohnungseigentumsgesetz.
- MaBV (Makler- und Bauträgerverordnung).
- §34c GewO: Gewerbeerlaubnis für Makler.
- ImmoWertV (Immobilienwertermittlungsverordnung): Verkehrswertgutachten.
- BIBB-Vergütungserhebung 2025: Tarifliche Ausbildungsvergütungen.
- BetrKV (Betriebskostenverordnung): Heiz-/Betriebskostenabrechnung.
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices", 3. Auflage, PAR.
- Hinweis zu Gehaltsangaben: Bandbreiten beziehen sich auf tarifliche und marktübliche Vergütungen 2025. Tatsächliche Vergütungen variieren stark nach Marktzyklus und Position.