Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit: Ausbildung
Nicht jeder Tourismusberuf verkauft Fernreisen: Kaufleute für Tourismus und Freizeit vermarkten eine Region – sie beraten Gäste vor Ort, entwickeln Angebote, organisieren Veranstaltungen und arbeiten für Kurverwaltungen, Tourismusverbände und Freizeiteinrichtungen.
Kurzüberblick: Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit
Kaufleute für Tourismus und Freizeit vermarkten touristische Angebote einer Region: Sie beraten und betreuen Gäste, entwickeln und kalkulieren Angebote und Pauschalen, organisieren Veranstaltungen, betreuen Werbemittel und Onlinekanäle, arbeiten mit Partnern zusammen und werten Gästezahlen aus.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag mischt Gästekontakt und Büroarbeit: vormittags Beratung am Tresen, nachmittags Angebotsplanung, Pressetexte oder Veranstaltungsorganisation. Prägend ist die Saisonalität – in der Hauptsaison auch an Wochenenden.
Gäste beraten
Auskunft zu Angeboten, Unterkünften, Wegen und Veranstaltungen geben.
Angebote entwickeln
Pauschalen und Themenangebote konzipieren und kalkulieren.
Veranstaltungen organisieren
Feste, Fuhrungen und Aktionen planen und durchführen.
Marketing betreuen
Prospekte, Website, soziale Medien und Pressearbeit pflegen.
Partner koordinieren
Mit Betrieben, Gemeinden und Anbietern zusammenarbeiten.
Auswerten
Gästezahlen, Übernachtungen und Resonanz erfassen und auswerten.
Die Region als Produkt
Anders als im Reisebüro verkaufen Sie nicht Reisen an ferne Orte, sondern machen eine Region attraktiv: Angebote entwickeln, Partner zusammenbringen, Gäste betreuen. Das verbindet Marketing, Organisation und Servicearbeit.
Saison prägt den Rhythmus
In der Hauptsaison ist viel los – auch an Wochenenden und Feiertagen. In der Nebensaison liegt der Schwerpunkt auf Planung, Konzeption und Auswertung. Wer diesen Wechsel mag, findet ihn abwechslungsreich.
Öffentliche Träger sind häufig
Viele Arbeitgeber sind kommunal oder verbandlich organisiert – Kurverwaltungen, Tourismusverbände, Gemeinden. Dort gilt oft der öffentliche Tarif mit geregelten Bedingungen.
Digitale Kanäle gewinnen
Sichtbarkeit entsteht heute über Website, Bewertungsportale und soziale Medien. Wer Texte schreiben, Bilder auswählen und Kanäle betreuen kann, ist besonders gefragt.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Destinationskunde
Region, Sehenswürdigkeiten, Infrastruktur und Zielgruppen.
Gästeservice
Beratung, Beschwerden, Barrierefreiheit und Servicequalität.
Angebotsentwicklung
Pauschalen, Themenrouten, Kalkulation und Preisgestaltung.
Veranstaltungsorganisation
Planung, Genehmigungen, Ablauf, Sicherheit und Nachbereitung.
Marketing
Zielgruppen, Werbemittel, Website, soziale Medien und Presse.
Vertrieb und Buchung
Buchungssysteme, Vermittlung, Provisionen und Abrechnung.
Recht
Reise- und Vertragsrecht, Datenschutz und Veranstaltungsrecht.
Steuerung
Kennzahlen, Übernachtungsstatistik, Budget und Auswertung.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Freundlichkeit, Organisationstalent und Freude an der eigenen Region. Genau diese Passungsfrage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. In einer Berufsberatung wird sie mit wissenschaftlich validierten Verfahren geprüft – bevor eine Bewerbung geschrieben wird.
Formale Voraussetzungen
- Meist mittlere Reife oder Abitur
- Gute Ausdrucksfähigkeit in Wort und Schrift
- Fremdsprachenkenntnisse von Vorteil
- Sicherer Umgang mit dem Computer
- Bereitschaft zu Wochenenddiensten
- Interesse an der eigenen Region
Persönliche Eigenschaften
- Freundlichkeit im täglichen Gästekontakt
- Organisationstalent bei Veranstaltungen
- Kreativität bei Angeboten und Texten
- Belastbarkeit in der Hauptsaison
- Teamfähigkeit mit vielen Partnern
- Serviceorientierung auch bei Beschwerden
RIASEC-Profil: ESC – Enterprising · Social · Conventional
Der Beruf verbindet vermarktende und organisierende Tätigkeit (E) mit Beratung und Betreuung von Gästen (S) sowie kaufmännischer Abwicklung und Auswertung (C).
Ein A-Anteil kommt durch Texte, Bildauswahl und Angebotsgestaltung hinzu. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Die eigene Region vermarkten?
Gäste, Angebote und Veranstaltungen. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung wird betrieblich oder bei kommunalen Trägern nach öffentlichem Tarif gezahlt.
Vergütung und Profil nach Arbeitgeber
Fragen Sie, ob der Arbeitgeber tarifgebunden ist – bei kommunalen Trägern gelten oft öffentliche Tarife mit besseren Bedingungen. Fragen Sie zudem, wie stark Sie in Marketing und Veranstaltungen eingebunden werden.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung führen Wege ins Destinationsmanagement, in Marketing und Veranstaltungsorganisation – sowie über ein Studium in die Tourismuswirtschaft.
Ausbildungsablauf: Von der Auskunft zur Angebotsentwicklung
Die dreijährige Ausbildung führt von Gästeservice und Destinationskunde über Veranstaltungen bis zu Marketing und Auswertung.
Grundlagen
Destinationskunde, Gästeservice, Buchungssysteme und Kaufmännisches.
Angebote und Events
Pauschalen kalkulieren, Veranstaltungen planen und Partner einbinden.
Etwa nach der Hälfte
Schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Marketing und Steuerung
Kanäle, Presse, Recht, Kennzahlen und Auswertung.
Abschlussprüfung
Schriftliche Teile sowie ein Fachgespräch.
Karrierewege: Destination, Marketing, Studium
Die interessantesten Wege führen dorthin, wo Konzepte und Kampagnen entstehen. Weil diese Wege sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, lohnt eine frühe Standortbestimmung – etwa in einer Berufsberatung mit diagnostischer Grundlage.
Destinationsmanagement
Der zentrale Weg.
- Angebotsentwicklung für die Region
- Kooperation mit Leistungsträgern
- Budget- und Projektverantwortung
- Strategische Positionierung
Marketing und Kommunikation
Gefragte Vertiefung.
- Online- und Social-Media-Marketing
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- Content und Bildredaktion
- Kampagnenplanung
Veranstaltungen und Events
Operativer Schwerpunkt.
- Veranstaltungsorganisation
- Messebeteiligungen
- Fuhrungen und Erlebnisangebote
- Sicherheitskonzepte
Fortbildung und Studium
Mit Erfahrung möglich.
- Fachwirt/in im Tourismus
- B.A. Tourismusmanagement
- Destinationsmanagement
- Marketing
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein abwechslungsreicher Tourismusberuf mit Regionsbezug – und ausgeprägter Saisonalität.
Was für den Beruf spricht
- Vielseitige Mischung aus Service, Marketing und Organisation
- Bei kommunalen Trägern öffentlicher Tarif
- Arbeit in der eigenen Region
- Veranstaltungen als sichtbares Ergebnis
- Digitale Kompetenzen sind gefragt
- Klare Wege ins Destinationsmanagement
Was Sie wissen sollten
- Saisonspitzen mit Wochenenddiensten
- Vergütung außerhalb des Tarifs eher mittel
- Abhängigkeit von Wetter und Konjunktur
- Beschwerden gehören zum Alltag
- Kleine Teams mit breitem Aufgabenzuschnitt
- Standorte oft in ländlichen Regionen
Tourismus und Freizeit vs. Tourismuskaufmann vs. Veranstaltungskaufmann
Drei Berufe im Tourismus- und Eventbereich.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Der entscheidende Unterschied zum Reisebüro: Sie verkaufen keine Reisen in die Ferne, sondern machen eine Region attraktiv. Wirtschaftlich interessant ist, dass viele Arbeitgeber kommunal organisiert sind – Kurverwaltungen, Gemeinden, Verbände. Dort gilt häufig der öffentliche Tarif mit geregelten Bedingungen. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch danach.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Man sollte die Saisonalität realistisch einschätzen: In der Hauptsaison ist viel los, auch an Wochenenden und Feiertagen – genau dann, wenn andere frei haben. Dafür gibt es in der Nebensaison Raum für Konzeption und Planung. Wer diesen Wechsel mag und gern mit Menschen arbeitet, findet einen sehr abwechslungsreichen Beruf.“
Kaufmann/-frau für Tourismus und Freizeit – FAQ
Die Blickrichtung. Der Tourismuskaufmann vermittelt und veranstaltet Reisen zu anderen Zielen – im Reisebüro oder bei einem Veranstalter. Kaufleute für Tourismus und Freizeit vermarkten dagegen die eigene Region: Sie betreuen Gäste vor Ort, entwickeln regionale Angebote und organisieren Veranstaltungen.
Ja, das ist üblich. Mit Abitur oder Fachhochschulreife wird die Ausbildungszeit häufig um sechs bis zwölf Monate verkürzt; bei guten Leistungen ist zudem eine vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung möglich. Die Entscheidung treffen Betrieb und zuständige Kammer gemeinsam. Sprechen Sie das Thema früh an – es sollte vor Vertragsabschluss geklärt sein.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
In sehr unterschiedlichen Einrichtungen: Tourist-Informationen, Kurverwaltungen, Tourismusverbände und Gemeinden, daneben in Freizeitparks, Bädern, Museen und Erlebniseinrichtungen. Viele Arbeitgeber sind kommunal organisiert; dort gelten häufig öffentliche Tarife mit geregelten Arbeitsbedingungen.
Deutlich spürbar. In der Hauptsaison – je nach Region Sommer oder Winter – ist der Gästeandrang hoch, und Dienste an Wochenenden und Feiertagen gehören dazu. In der Nebensaison verschiebt sich die Arbeit zu Planung, Konzeption, Marketing und Auswertung. Dieser Wechsel prägt den Jahresrhythmus.
Zweigeteilt. Ein Teil ist Gästekontakt am Tresen oder Telefon – Auskünfte, Buchungen, Beschwerden. Der andere Teil ist Büroarbeit: Angebote kalkulieren, Texte schreiben, Veranstaltungen vorbereiten, Statistiken auswerten. In kleinen Teams wechseln beide Bereiche oft mehrfach täglich – das macht den Beruf abwechslungsreich.
Ein gebündeltes Angebot aus mehreren Leistungen zu einem Gesamtpreis – etwa Übernachtung, Eintritt und Fuhrung. Der Reiz liegt darin, dass Gäste ein fertiges Erlebnis buchen können. Für die Kalkulation müssen Einkaufspreise der Partner, Provisionen und Marge stimmen – und rechtlich gelten je nach Ausgestaltung besondere Vorgaben.
Meist die mittlere Reife oder das Abitur. Wichtig sind gute Ausdrucksfähigkeit für Beratung und Texte sowie Freude am Umgang mit Menschen. Fremdsprachenkenntnisse sind ein deutlicher Vorteil, weil auch internationale Gäste betreut werden.
Mehr, als der Name vermuten lässt. Zur Arbeit gehören Prospekte, Website, soziale Medien und Pressetexte ebenso wie die Pflege von Bildmaterial und Einträgen in Portalen. Weil viele Gäste sich online informieren und bewerten, ist digitale Sichtbarkeit heute ein Kernthema der Destinationsarbeit.
Solide, aber regional unterschiedlich. Tourismus ist für viele Regionen ein wichtiger Wirtschaftszweig, und die Vermarktung wird zunehmend professionell betrieben. Gefragt sind besonders digitale Kompetenzen für Website, Bewertungsportale und soziale Medien. Die Stellen liegen häufig in ländlichen Regionen.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein vielseitiger Tourismusberuf mit Regionsbezug. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Kaufmann/Kauffrau für Tourismus und Freizeit nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung mit IHK-Abschluss.
- Tätigkeitsschwerpunkt: Vermarktung regionaler touristischer Angebote einschließlich Gästeberatung, Angebotsentwicklung und Veranstaltungsorganisation.
- Abgrenzung: Tourismuskaufleute vermitteln Reisen zu anderen Zielen, während dieser Beruf die eigene Destination vermarktet.
- Arbeitgeberstruktur: häufig kommunale Träger wie Kurverwaltungen, Gemeinden und Tourismusverbände mit öffentlicher Tarifbindung.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.