Duale Ausbildung · 3 JahreDrucken auf fast jeden Werkstoff

Medientechnologe/in Siebdruck: Ausbildung und Karriere

Textilien, Glas, Kunststoff, Metall, gewölbte Flaschen, Leiterplatten – kaum ein Verfahren ist so vielseitig wie der Siebdruck. Medientechnologinnen und Medientechnologen Siebdruck bedrucken Werkstoffe, an denen andere Verfahren scheitern, mit deckenden Farbschichten.

3 Jahre
Duale Ausbildung
Fast jeder Werkstoff
Textil, Glas, Kunststoff, Metall
Technische Anwendungen
Bis zur Elektronik
RCI
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Medientechnologe/in Siebdruck

Medientechnologinnen und Medientechnologen Siebdruck bedrucken unterschiedlichste Werkstoffe: Sie beschichten und belichten Siebe, richten Druckmaschinen ein, mischen Farben nach Vorgabe, drucken auf Textil, Glas, Kunststoff oder Metall, steuern die Trocknung und prüfen Haftung und Farbwerte.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortSiebdruckbetrieb plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG
AbschlussAbschlussprüfung vor der zuständigen Stelle
VergütungTarif der Druckindustrie oder betrieblich
EinsatzorteTextildruck, Werbetechnik, Glas- und Kunststoffdruck, technischer Druck
ZugangMeist Hauptschul- oder Realschulabschluss
PerspektiveIndustriemeister, technischer Druck, eigener Betrieb
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Alltag ist vielseitiger als in anderen Druckberufen: Jeder Werkstoff verlangt eigene Farben, Siebe und Trocknungsverfahren. Ein Betrieb druckt vielleicht T-Shirts, der nächste Frontplatten für Geräte – die Unterschiede sind erheblich.

01

Siebe herstellen

Gewebe spannen, beschichten, belichten, auswaschen und prüfen.

02

Farben mischen

Nach Farbvorgabe ansetzen, auf Werkstoff und Haftung abstimmen.

03

Maschine einrichten

Sieb einspannen, Rakel einstellen, Absprung und Passer justieren.

04

Drucken

Auflage fahren, Farbauftrag und Schichtdicke überwachen.

05

Trocknen und härten

Trockner, UV-Anlagen und Einbrennverfahren steuern.

06

Prüfen

Haftung, Deckkraft, Farbwerte und Beständigkeit kontrollieren.

Vielseitigkeit

Ein Verfahren, das fast alles bedruckt

Der Siebdruck kann gewölbte, raue und unsaugende Oberflächen bedrucken und trägt dabei eine dicke, deckende Farbschicht auf. Genau das können Offset und Digitaldruck nicht – deshalb hat das Verfahren seinen festen Platz.

Technischer Druck als Zukunftsfeld

Siebdruck wird nicht nur für Optik genutzt: Leiterbahnen, Sensoren, Solarzellen und Frontplatten entstehen mit funktionalen Pasten. Dieses Feld ist technisch anspruchsvoll und stabil.

Textildruck als großes Segment

Bedruckte Shirts, Taschen und Arbeitskleidung sind ein beständiger Markt. Hier zählen Farbbeständigkeit, Waschfestigkeit und Griff der Farbschicht.

Haftung ist das A und O

Auf Glas, Metall oder Kunststoff muss die Farbe dauerhaft haften. Vorbehandlung, Farbwahl und Trocknung entscheiden darüber – ein fachlicher Kern des Berufs.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Siebherstellung, Farbtechnik und Werkstoffkunde mit Maschinenführung.
01

Siebherstellung

Gewebe, Spannung, Beschichtung, Belichtung und Auswaschen.

02

Werkstoffkunde

Textil, Papier, Glas, Kunststoff, Metall und Vorbehandlung.

03

Farbtechnik

Farbsysteme, Mischung, Viskosität, Deckkraft und Haftung.

04

Drucktechnik

Rakel, Absprung, Anpressdruck, Passer und Schichtdicke.

05

Maschinenkunde

Flachbett-, Rundlauf- und Karussellmaschinen, Automaten.

06

Trocknung

Lufttrocknung, UV-Härtung, Einbrennen und Energieführung.

07

Qualitätsprüfung

Haftung, Waschfestigkeit, Beständigkeit und Farbmessung.

08

Sicherheit und Umwelt

Lösemittel, Absaugung, Entsorgung und Arbeitsschutz.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt Sorgfalt, technisches Verständnis und Farbgefühl. Wer Vielseitigkeit schätzt, findet einen ungewöhnlich breiten Druckberuf. Genau diese Passungsfrage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. In einer Berufsberatung wird sie mit wissenschaftlich validierten Verfahren geprüft – bevor eine Bewerbung geschrieben wird.

Formale Voraussetzungen

  • Meist Hauptschul- oder Realschulabschluss
  • Technisches Verständnis
  • Normales Farbsehen erforderlich
  • Sorgfalt beim Umgang mit Chemikalien
  • Keine Allergien gegen Lösemittel
  • Körperliche Belastbarkeit

Persönliche Eigenschaften

  • Sorgfalt bei Siebherstellung und Farbansatz
  • Farbgefühl und Auge für Deckkraft
  • Technisches Verständnis für Werkstoffe
  • Geduld beim Einrichten
  • Sicherheitsbewusstsein bei Chemikalien
  • Neugier auf unterschiedliche Materialien
R
C
I

RIASEC-Profil: RCI – Realistic · Conventional · Investigative

Der Beruf verbindet praktische Druck- und Siebarbeit (R) mit rezeptur- und prüfgebundener Ausführung (C) sowie technischem Verständnis für Haftung und Werkstoffe (I).

Im technischen Druck wächst das I deutlich, im Textildruck ein A-Anteil. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Drucken auf alles?

Textil, Glas, Metall und Elektronik. Der Berufswahltest hilft weiter.

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Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung folgt dem Tarif der Druckindustrie oder wird betrieblich vereinbart.

Vergütung und Profil nach Einsatzfeld

Einsatzfeld
Schwerpunkt
Marktlage
Hinweis
Technischer Siebdruck
Elektronik, Frontplatten, Sensorik
stabil bis wachsend
beste Vergütung
Textildruck
Shirts, Taschen, Arbeitskleidung
beständig
großes Segment
Werbetechnik und Glas
Schilder, Flaschen, Displays
stabil
vielseitig
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG

Fragen Sie, auf welchen Werkstoffen gedruckt wird und ob der Betrieb technische Anwendungen bedient. Der technische Siebdruck für Elektronik und Industrie ist anspruchsvoller und in der Regel besser vergütet als reiner Textildruck.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung sind Fachkräfte gesucht, weil der Beruf klein ist. Am aussichtsreichsten ist der technische Siebdruck; daneben führen Wege zum Meister und in den eigenen Betrieb.

Einstieg
je nach Segment
Technischer Druck besser
Mit Werkstoffkompetenz
höher
Haftung und Sonderanwendungen
Meister oder eigener Betrieb
oberes Segment
Mit Spezialisierung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Sieb zum bedruckten Werkstoff

Die dreijährige Ausbildung führt von der Siebherstellung über Farbtechnik und Werkstoffkunde bis zur eigenständigen Auflagenfertigung.

1. Jahr

Grundlagen

Siebherstellung, Beschichten, Belichten, Farbansatz und Sicherheit.

2. Jahr

Drucktechnik

Rakel, Absprung, Passer, Werkstoffe und Vorbehandlung.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Trocknung und Qualität

UV-Härtung, Einbrennen, Haftungsprüfung und Sonderanwendungen.

Abschluss

Abschlussprüfung

Praktische Aufgaben sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Technischer Druck, Meister, eigener Betrieb

Die interessanteste Entwicklung liegt im technischen Siebdruck – dort wird funktional statt dekorativ gedruckt. Weil diese Wege sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, lohnt eine frühe Standortbestimmung – etwa in einer Berufsberatung mit diagnostischer Grundlage.

Technischer Siebdruck

Das anspruchsvollste Feld.

  • Leiterbahnen und Sensorik
  • Frontplatten und Tastaturen
  • Solar- und Dünnschichtanwendungen
  • Funktionale Pasten

Industriemeister

Der klassische Aufstiegsweg.

  • Industriemeister/in Printmedien
  • Schicht- und Produktionsleitung
  • Ausbildungsberechtigung
  • Prozessverantwortung

Spezialisieren

Gefragte Vertiefungen.

  • Textildruck und Waschfestigkeit
  • Glas- und Keramikdruck
  • Kunststoffvorbehandlung
  • Großformat und Displays

Techniker und Selbstständigkeit

Weitere Wege.

  • Geprüfte/r Techniker/in Druck- und Medientechnik
  • Eigener Siebdruckbetrieb
  • B.Eng. Medientechnik
  • Verfahrenstechnik
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Der vielseitigste Druckberuf – mit technischem Zukunftsfeld und Chemikalienumgang.

Was für den Beruf spricht

  • Bedruckt fast jeden Werkstoff
  • Technischer Siebdruck als Zukunftsfeld
  • Sehr abwechslungsreiche Aufträge
  • Kleines Berufsfeld mit geringer Konkurrenz
  • Eigener Betrieb realistisch erreichbar
  • Deckende Farbschichten als Alleinstellung

Was Sie wissen sollten

  • Umgang mit Lösemitteln und Chemikalien
  • Sehr wenige Ausbildungsplätze
  • Schichtarbeit in größeren Betrieben
  • Körperlich fordernd, viel Stehen
  • Digitaldruck verdrängt einfache Aufträge
  • Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden
Abgrenzung

Siebdruck vs. Medientechnologe Druck vs. Schilder- und Lichtreklamehersteller

Drei Berufe rund um bedruckte Oberflächen.

Kriterium
Medientechnologe/in Siebdruck
Medientechnologe/in Druck
Schilder-/Lichtreklamehersteller/in
Bedruckstoffe
fast alle
Papier und Karton
Folie, Acryl, Metall
Farbschicht
dick und deckend
dünn
Folie statt Farbe
Technische Anwendungen
hoch
gering
gering
Montageanteil
keiner
keiner
sehr hoch
Gestaltungsanteil
gering
gering
hoch
Bereich
Industrie
Industrie
Handwerk
RIASEC-Profil
RCI
RCI
ARC
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Der interessanteste Teil dieses Berufs ist der technische Siebdruck: Hier wird nicht für die Optik gedruckt, sondern funktional – Leiterbahnen, Sensoren, Solarzellen, Frontplatten. Dieses Feld ist anspruchsvoll, stabil und meist besser vergütet als Textildruck. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch, auf welchen Werkstoffen gedruckt wird.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was diesen Beruf technisch fordert, ist die Haftung. Auf Glas, Metall oder Kunststoff muss die Farbe dauerhaft halten – und ob sie das tut, entscheidet sich bei Vorbehandlung, Farbwahl und Trocknung. Jeder Werkstoff verhält sich anders. Wer neugierig auf Materialien ist und gern ausprobiert, findet hier viel Abwechslung.“

Häufige Fragen

Medientechnologe/in Siebdruck – FAQ

In tarifgebundenen Betrieben nach dem Tarifvertrag der Druckindustrie, der regional ausgehandelt wird und Sonderzahlungen sowie Zuschläge für Schichtarbeit vorsieht. Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden – besonders kleinere Druckereien und Werbetechnikbetriebe vergüten betrieblich. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch ausdrücklich nach der Tarifbindung; der Unterschied ist über die Ausbildungszeit beträchtlich.

Er bedruckt fast jeden Werkstoff – auch gewölbte, raue und unsaugende Oberflächen wie Glas, Metall und Kunststoff. Zudem trägt er eine dicke, deckende Farbschicht auf, die auch auf dunklen Untergründen leuchtet. Genau diese beiden Eigenschaften erreichen Offset- und Digitaldruck nicht.

In mehreren Schritten. Ein Gewebe wird auf einen Rahmen gespannt und mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet. Nach dem Trocknen wird es mit der Druckvorlage belichtet: Belichtete Stellen härten aus, unbelichtete werden ausgewaschen und bleiben farbdurchlässig. Durch diese offenen Stellen drückt die Rakel später die Farbe.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

Druck mit funktionaler statt dekorativer Aufgabe. Statt Farbe werden leitfähige oder isolierende Pasten aufgetragen – für Leiterbahnen, Sensoren, Heizelemente, Solarzellen und Gerätefrontplatten. Weil die Schichtdicke exakt stimmen muss, ist dieses Feld technisch anspruchsvoll und entsprechend gut vergütet.

Er hat sich verschoben, nicht aufgelöst. Rückläufig sind Zeitungen und Werbedrucksachen; stabil bis wachsend sind dagegen Verpackungsdruck, Etiketten, Digitaldruck und Spezialanwendungen. Weil zugleich sehr wenige Menschen diese Berufe erlernen und viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen, sind qualifizierte Maschinenführer knapp. Entscheidend ist, in welchem Marktsegment Ihr Ausbildungsbetrieb arbeitet.

Die Farbe wird durch ein Gewebe hindurchgedrückt. Das Sieb ist an den nicht druckenden Stellen verschlossen; an den offenen Stellen presst die Rakel die Farbe hindurch auf den Werkstoff. Weil die Farbschicht dabei deutlich dicker wird als bei anderen Verfahren, deckt sie auch auf dunklen Untergründen und hält auf schwierigen Materialien.

Durch das passende Trocknungs- oder Härtungsverfahren. Manche Farben trocknen an der Luft, andere werden mit UV-Licht in Sekunden ausgehärtet, wieder andere – etwa auf Glas und Keramik – werden bei hohen Temperaturen eingebrannt. Welches Verfahren passt, hängt vom Werkstoff und von der geforderten Beständigkeit ab.

Meist genügt ein Hauptschulabschluss, viele Betriebe bevorzugen die mittlere Reife. Wichtig sind technisches Verständnis, Sorgfalt und normales Farbsehen. Weil mit Lösemitteln und Chemikalien gearbeitet wird, sollten keine Allergien oder Hauterkrankungen vorliegen – klären Sie das vorab.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Der vielseitigste Druckberuf mit technischem Zukunftsfeld. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Medientechnologe/Medientechnologin Siebdruck nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung.
  • Verfahrensprinzip: Farbauftrag durch ein teilweise offenes Gewebe mittels Rakel; Siebherstellung durch Beschichtung, Belichtung und Auswaschen.
  • Anwendungsbreite: Bedruckung von Textil, Papier, Glas, Kunststoff und Metall einschließlich gewölbter und unsaugender Oberflächen mit deckender Farbschicht.
  • Technischer Siebdruck: Auftrag funktionaler Pasten für Leiterbahnen, Sensorik, Heizelemente und Solaranwendungen mit definierter Schichtdicke.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.