Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in: Ausbildung
Pferde brauchen jeden Tag Versorgung – auch an Weihnachten und wenn es stürmt. Pferdewirtschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen diese tägliche Arbeit im Stall: Füttern, Ausmisten, Bewegen, Pflegen. Ein zweijähriger Einstieg mit klarem Anschluss.
Kurzüberblick: Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in
Pferdewirtschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen und bewegen Pferde: Sie füttern und tränken nach Plan, misten aus und pflegen die Einstreu, putzen und pflegen die Pferde, führen sie zur Weide, bewegen sie an der Hand oder longieren sie, pflegen Anlagen und Ausrüstung und erkennen Auffälligkeiten im Verhalten.
Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in: Die Ausbildung dauert 2 Jahre. Die Vergütung ist tariflich geregelt. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Beruf 2025 nicht als Engpassberuf. Im Beruf liegt das Medianentgelt bei 2.776 € brutto im Monat (Vollzeit, Bundesagentur für Arbeit).
Alle Eckdaten
| Beruf | Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in |
|---|---|
| Ausbildungsdauer | 2 Jahre, Anschluss auf 3 Jahre möglich |
| Ausbildungsvergütung | Agrartarif, im unteren Bereich |
| Medianentgelt im Beruf | 2.776 € brutto im Monat (Median, Vollzeit; mittlere 50 Prozent 2.377 bis 3.262 €), Bundesagentur für Arbeit |
| Zugang | Ohne festen Schulabschluss möglich |
| Abschluss und Prüfung | Abschlussprüfung vor der Landwirtschaftskammer |
| Lernorte | Pferdebetrieb, Reitanlage oder Gestüt plus Berufsschule |
| RIASEC-Interessencode | RSE |
| KI-Risiko | 29 Prozent automatisierbar, Platz 344 von 478 |
| Fachkräftelage | laut Bundesagentur für Arbeit kein Engpassberuf (2025) |
| Zukunftsscore | Note C+, 52 von 100 |
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Tag beginnt früh und draußen – bei jedem Wetter, sieben Tage die Woche im Wechsel. Die Arbeit ist körperlich und folgt einem festen Rhythmus, den die Tiere vorgeben.
Füttern und tränken
Rationen nach Plan zuteilen, Wasserversorgung sichern.
Ausmisten
Boxen und Ausläufe reinigen, Einstreu erneuern.
Pferde pflegen
Putzen, Hüfe auskratzen, Decken wechseln.
Bewegen
Führen, longieren, auf Weide und Paddock bringen.
Anlagen pflegen
Zäune, Reitplatz, Sattelkammer und Geräte instand halten.
Beobachten
Verhalten, Fressverhalten und Lahmheiten früh erkennen.
Warum Reiten und Arbeiten zweierlei ist
Viele kommen über das Hobby Reiten zu diesem Beruf – und erleben eine Umstellung. Im Betrieb steht nicht das eigene Reiten im Mittelpunkt, sondern die Versorgung fremder Pferde: ausmisten, füttern, Anlagen pflegen. Wer das nicht trennt, wird enttäuscht.
Der Anschluss ist eingeplant
Nach den zwei Jahren lässt sich ein drittes Jahr anhängen und der volle Abschluss als Pferdewirt erwerben – in einer von fünf Fachrichtungen. Die absolvierte Zeit wird angerechnet. Ohne diesen Schritt bleiben Vergütung und Aufstieg begrenzt.
Tiere kennen kein Wochenende
Pferde müssen täglich versorgt werden, auch an Feiertagen. Betriebe arbeiten mit Wochenenddiensten und Bereitschaft. Wer verlässliche freie Wochenenden braucht, sollte diesen Beruf nicht wählen – das ist keine Ausnahme, sondern der Normalfall.
Sicherheit ist ein Dauerthema
Pferde sind Fluchttiere mit erheblichem Gewicht. Tritte, Bisse und Zwischenfälle beim Führen gehören zu den häufigsten Unfallursachen in der Landwirtschaft. Ruhiges, vorhersehbares Verhalten im Umgang ist deshalb Teil der fachlichen Ausbildung.
Ausbildungsinhalte: Was in den zwei Jahren vermittelt wird
Pferdekunde
Anatomie, Rassen, Verhalten und Ausdruck.
Fütterung
Futtermittel, Rationen, Wasserbedarf und Fehler.
Haltung
Boxen, Offenstall, Einstreu und Stallklima.
Gesundheit
Anzeichen erkennen, Hufpflege, Impf- und Wurmpläne.
Umgang und Bewegung
Führen, Longieren, Verladen und Sicherheit.
Ausrüstung
Sättel, Zaumzeug, Decken und Pflege.
Anlagen und Technik
Zäune, Böden, Maschinen und Instandhaltung.
Arbeitssicherheit
Unfallverhütung, Hygiene und Tierschutzrecht.
Passt dieser Beruf zu dir?
Der Beruf verlangt körperliche Belastbarkeit, Ruhe im Umgang mit Tieren und echte Wetterfestigkeit. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.
Formale Voraussetzungen
- Ohne festen Schulabschluss möglich
- Körperliche Belastbarkeit
- Grundlegende Reit- oder Pferdeerfahrung erwünscht
- Bereitschaft zu Wochenend- und Feiertagsdienst
- Keine Allergien gegen Heu, Stroh und Tierhaare
- Wetterfestigkeit
Persönliche Eigenschaften
- Ruhe im Umgang mit großen Tieren
- Verlässlichkeit bei täglicher Versorgung
- Beobachtungsgabe für Verhalten und Gesundheit
- Bereitschaft zu körperlicher Arbeit
- Geduld und Durchhaltevermögen
- Verantwortungsbewusstsein gegenüber Tieren
RIASEC-Profil: RSE – Realistic · Social · Enterprising
Der Beruf verbindet körperliche Arbeit im Stall und an Anlagen (R) mit der Betreuung von Tieren und Einstellern (S) sowie eigenverantwortlichem Handeln im Betriebsablauf (E).
Wer Zucht, Sport oder Haltung fachlich vertiefen möchte, sollte den Pferdewirt prüfen. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest für Schüler.
Arbeiten mit Pferden?
Zwischen Leidenschaft und Berufsalltag liegt ein Unterschied. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung liegt im unteren Bereich. Viele Betriebe stellen zusätzlich Unterkunft oder Reitmöglichkeiten bereit.
Vergütung und Profil nach Betriebsart
Fragen Sie ausdrücklich nach der Arbeitszeitregelung und den freien Tagen – in dieser Branche gibt es große Unterschiede zwischen Betrieben. Klären Sie außerdem, ob der Betrieb Sie beim dritten Ausbildungsjahr unterstützt und ob eigenes Reiten möglich ist.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach zwei Jahren steht die Entscheidung an. Das dritte Jahr zum Pferdewirt ist der wichtigste Schritt für Vergütung und Perspektive.
Ausbildungsablauf: Vom Stalldienst zur eigenverantwortlichen Versorgung
Die zweijährige Ausbildung konzentriert sich auf die tägliche Arbeit mit dem Pferd.
Grundlagen
Pferdekunde, Fütterung, Haltung, Umgang und Sicherheit.
Nach etwa einem Jahr
Praktische und schriftliche Aufgaben.
Vertiefung
Bewegung, Gesundheitsvorsorge, Anlagen und Betriebsabläufe.
Abschlussprüfung
Praktische Aufgaben am Pferd und schriftliche Teile.
Drittes Jahr optional
Aufstocken zum Pferdewirt in einer Fachrichtung.
Karrierewege: Aufstocken, spezialisieren, führen
Der entscheidende Schritt ist das dritte Ausbildungsjahr zum Pferdewirt. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.
Zum Pferdewirt aufstocken
Der wichtigste Schritt.
- Pferdewirt/in in fünf Fachrichtungen
- Zwei Jahre werden angerechnet
- Zugang zum Meister
- Deutlich bessere Vergütung
Fachrichtung wählen
Nach dem dritten Jahr.
- Pferdehaltung und Service
- Pferdezucht
- Klassische Reitausbildung
- Pferderennen und Spezialreitweisen
Verantwortung übernehmen
Mit Berufserfahrung.
- Stallmeister/in
- Einarbeitung neuer Kräfte
- Futter- und Weidemanagement
- Anlagenverantwortung
Weiterbilden
Nach dem vollen Abschluss.
- Pferdewirtschaftsmeister/in
- Techniker/in Agrarwirtschaft
- B.Sc. Pferdewissenschaften
- Betriebswirt/in Agrar
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein Beruf für Menschen, die Tiere und körperliche Arbeit lieben – mit harten Rahmenbedingungen.
Was für den Beruf spricht
- Zugang ohne festen Schulabschluss
- Tägliche Arbeit mit Tieren
- Nur zwei Jahre bis zum ersten Abschluss
- Drittes Jahr rechnet die Zeit an
- Arbeit an der frischen Luft
- Häufig Unterkunft und Reitmöglichkeit
Was Sie wissen sollten
- Vergütung im unteren Bereich
- Wochenend- und Feiertagsdienst als Regel
- Körperlich sehr fordernd
- Arbeit bei jedem Wetter
- Unfallrisiko im Umgang mit Pferden
- Ohne drittes Jahr begrenzte Perspektive
Pferdewirtschaftlicher Mitarbeiter vs. Pferdewirt vs. Tierpfleger
Drei Berufe rund um Tiere im Vergleich.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Bei diesem Beruf sehe ich in der Beratung häufig eine Verwechslung von Hobby und Arbeitsplatz. Wer gerne reitet, arbeitet hier trotzdem vor allem mit Mistgabel und Futterwagen, und zwar auch sonntags. Das ist kein Argument dagegen – aber es sollte vorher klar sein. Wer es weiß und trotzdem will, sollte unbedingt das dritte Jahr einplanen.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Diagnostisch interessant ist die Anforderung an emotionale Konstanz. Pferde reagieren unmittelbar auf Unsicherheit und Hektik. Wer seine eigene Anspannung nicht regulieren kann, hat es im Umgang schwerer – und das Tier auch. Diese Selbstregulation lässt sich beobachten und trainieren.“
Zukunftsaussichten Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in: Wie robust ist der Beruf?
Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.
Dieser Beruf gehört zu den robusteren im Vergleich. Der Kern der Arbeit besteht aus Tätigkeiten, die sich schlecht in Regeln fassen lassen: Handarbeit am Objekt, Arbeit an und mit Menschen oder Entscheidungen unter wechselnden Bedingungen. Software übernimmt hier vor allem Dokumentation und Planung, nicht die Tätigkeit selbst. Wichtig bleibt die Leserichtung: Der Wert misst, was technisch möglich wäre, nicht was ein Betrieb tatsächlich tut. Kosten, Tarif, Regulierung und Kundenerwartung entscheiden mit. Als Engpassberuf ist die Berufsgruppe „Berufe in der Pferdewirtschaft (o.S.)“ 2025 nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,8 Arbeitsuchende.
Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Für diesen Beruf liegen 80 % der Gewichtung als Daten vor, der Rest wurde herausgerechnet. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.
Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in – FAQ
Er versorgt und bewegt Pferde: nach Plan füttern und tränken, Boxen und Ausläufe ausmisten und einstreuen, Pferde putzen, Hüfe auskratzen und Decken wechseln, sie führen, longieren und auf die Weide bringen, Zäune, Reitplatz und Ausrüstung pflegen sowie Auffälligkeiten im Verhalten und Fressverhalten früh erkennen.
In Dauer und Tiefe. Der Pferdewirt wird in drei Jahren in einer von fünf Fachrichtungen ausgebildet – etwa Pferdehaltung, Zucht oder klassische Reitausbildung – und übernimmt fachliche Verantwortung. Der pferdewirtschaftliche Mitarbeiter lernt in zwei Jahren die tägliche Versorgung. Beide Wege sind verbunden: Das dritte Jahr führt zum vollen Abschluss.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.
Ja, und es ist dringend zu empfehlen. Nach den zwei Jahren können Sie ein drittes Ausbildungsjahr anhängen und den Abschluss als Pferdewirt erwerben; die absolvierte Zeit wird angerechnet. Ohne diesen Schritt bleiben Sie auf die ausführende Versorgung beschränkt, mit deutlich geringerer Vergütung und ohne Zugang zum Meister.
Oft ja, aber es ist nicht der Kern des Berufs. Viele Betriebe ermöglichen Auszubildenden das Reiten, teils als Teil der Vergütung. Der Arbeitsalltag besteht jedoch überwiegend aus Versorgung, Ausmisten und Anlagenpflege. Wer vor allem reiten möchte, sollte das dritte Jahr in der Fachrichtung klassische Reitausbildung anstreben – dort steht die Arbeit am Pferd im Mittelpunkt.
Früh und unregelmäßig. Der Tag beginnt meist zwischen sechs und sieben Uhr, weil Pferde nach Plan gefüttert werden müssen. Wochenend- und Feiertagsdienste sind die Regel, nicht die Ausnahme – Tiere brauchen an allen 365 Tagen Versorgung. Betriebe arbeiten mit Dienstplänen und Ausgleichstagen. Fragen Sie diese Regelung vor Vertragsabschluss ausdrücklich ab.
Auf Reitanlagen, in Pensionsställen, Gestüten und Zuchtbetrieben – die gibt es bundesweit, oft im ländlichen Raum. Viele Betriebe schreiben nicht aus, sondern besetzen über persönliche Kontakte und Praktika. Der beste Weg ist deshalb, Betriebe direkt anzusprechen und ein Praktikum zu vereinbaren; dabei zeigt sich schnell, ob der frühe Tagesrhythmus und die körperliche Arbeit passen. Die Landwirtschaftskammern führen Listen ausbildungsberechtigter Betriebe.
Es gibt reale Risiken, die durch Ausbildung beherrschbar werden. Pferde sind Fluchttiere mit mehreren hundert Kilogramm Gewicht; Tritte, Bisse und Zwischenfälle beim Führen oder Verladen zählen zu den häufigen Unfallursachen. Deshalb sind ruhiges, vorhersehbares Verhalten, feste Abläufe und Schutzausrüstung fester Bestandteil der Ausbildung.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Körperliche Arbeit, Tierverantwortung und Wochenenddienst – passt das zu Ihnen? Wir klären das mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Pferdewirtschaftliche/r Mitarbeiter/in als zweijähriger dualer Beruf mit Anrechnung auf die dreijährige Ausbildung zum Pferdewirt.
- Pferdewirt/in mit fünf Fachrichtungen: Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Klassische Reitausbildung, Pferderennen und Spezialreitweisen.
- Tierschutzgesetz und Leitlinien zur Pferdehaltung als Rahmen für Haltung, Fütterung und Bewegung.
- Unfallverhütung im Umgang mit Großtieren nach den Vorgaben der landwirtschaftlichen Sozialversicherung.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 € im ersten und zweiten Jahr).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.