Agrarberuf · Landwirtschaftskammer⚡ Fünf Fachrichtungen

Pferdewirt/-in

Ein Beruf, in dem der Arbeitstag um sechs Uhr im Stall beginnt und das Wochenende Turniertag heißt. Pferdewirtinnen und Pferdewirte versorgen, bewegen, züchten und trainieren Pferde – je nach Fachrichtung in einem Reitbetrieb, einem Gestüt oder einem Rennstall. 2025 wurden bundesweit 642 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Diese Seite zeigt, was die fünf Fachrichtungen unterscheiden, was verdient wird und wie belastbar der Arbeitsmarkt ist.

642
neue Ausbildungsverträge 2025 (BIBB)
3 Jahre
Ausbildungsdauer
5
Fachrichtungen zur Wahl
29 %
KI-Risiko · Platz 345 von 478
Steckbrief

Kurzüberblick: Pferdewirt/-in

Pferdewirtin und Pferdewirt ist ein anerkannter Ausbildungsberuf der Agrarwirtschaft. Zuständig ist die Landwirtschaftskammer, die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in einer von fünf Fachrichtungen absolviert. Gemeinsam ist allen der Kern: Fütterung, Gesundheitskontrolle, Stallarbeit und der sichere Umgang mit einem großen Fluchttier.

Ausbildungsdauer3 Jahre, Verkürzung bei guten Leistungen möglich
Empfohlener AbschlussKein Abschluss vorgeschrieben; überwiegend Hauptschul- oder Realschulabschluss
Vergütungrund 700 bis 1.000 € je nach Bundesland und Betrieb
RIASEC-ProfilRSE – Realistic · Social · Enterprising
EinsatzortReitbetriebe, Gestüte, Pensionsställe, Renn- und Trainingsställe
PrüfungsinstanzLandwirtschaftskammer
Arbeitsalltag

Aufgaben und Arbeitsalltag

Der Alltag ist körperlich und wetterunabhängig getaktet. Pferde brauchen jeden Tag dasselbe, unabhängig von Feiertag, Urlaub oder Grippewelle – das ist die prägende Eigenschaft dieses Berufs.

1

Fütterung und Versorgung

Rationen nach Alter, Leistung und Gesundheitszustand zusammenstellen, Wasser und Heu kontrollieren, Veränderungen im Fressverhalten früh bemerken.

2

Stall- und Weidemanagement

Ausmisten, Einstreu, Weidepflege, Zäune prüfen. Unspektakulär, täglich, und der größte Zeitanteil des Berufs.

3

Gesundheitskontrolle

Lahmheiten, Koliksymptome und Hautveränderungen erkennen, Temperatur messen, Tierärztin oder Schmied hinzuziehen und Behandlungen begleiten.

4

Bewegung und Training

Longieren, Reiten, Führen an der Hand oder Fahren – je nach Fachrichtung mit unterschiedlichem Anspruch an das eigene reiterliche Können.

5

Ausbildung junger Pferde

In der klassischen Reitausbildung: Gewöhnung an Sattel und Reiter, Grundausbildung, Vorbereitung auf Prüfungen.

6

Zucht und Aufzucht

In der Fachrichtung Pferdezucht: Rossekontrolle, Bedeckung oder Besamung begleiten, Abfohlen überwachen, Fohlen aufziehen.

7

Kundenkontakt

Einstallungsgespräche, Reitunterricht, Beratung von Pensionskunden. In Service- und Reitbetrieben ein großer Teil des Tages.

8

Technik und Betrieb

Hoflader, Miststreuer, Fütterungsanlagen und Bewegungsgeräte bedienen und warten.

🏇 Die Entscheidung vor dem Vertrag

Fünf Fachrichtungen – und sie legen die Laufbahn früh fest

Die Fachrichtung steht im Ausbildungsvertrag und prägt den späteren Einsatzbereich stärker als bei den meisten anderen Ausbildungsberufen. Wer im Rennstall lernt, arbeitet anders als jemand in einem Pensionsbetrieb mit Reitschule.

Pferdehaltung und Service

Der breiteste Weg: Pensionshaltung, Betreuung von Kundenpferden, Reitbetrieb. Am ehesten mit geregelten Strukturen und Kundenkontakt.

Klassische Reitausbildung

Ausbildung von Pferd und Reiter, Turniervorstellung. Verlangt überdurchschnittliches reiterliches Können bereits vor Ausbildungsbeginn.

Zucht, Rennen, Spezialreitweisen

Drei enger gefasste Wege: Gestütsarbeit, Galopp- und Trabrennsport oder Westernreiten und Gangpferde. Wenige Betriebe, dafür klare Spezialisierung.

Voraussetzungen und Eignung

Passt dieser Beruf zu dir?

Formal ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Praktisch entscheidet etwas anderes über den Erfolg: Vorerfahrung im Umgang mit Pferden und die realistische Einschätzung, dass aus einem Hobby ein körperlich fordernder Beruf mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten wird.

Formale Voraussetzungen

  • Kein Abschluss vorgeschrieben, üblich sind Hauptschul- oder Realschulabschluss
  • Reiterliche Grundkenntnisse werden in fast allen Betrieben vorausgesetzt
  • Für die klassische Reitausbildung häufig Turniererfahrung erwartet
  • Gesundheitliche Eignung: Rücken, Gelenke, keine Heustauballergie
  • Führerschein wird in vielen Betrieben erwartet oder während der Ausbildung erworben

Persönliche Eigenschaften

  • Körperliche Belastbarkeit – der Beruf ist ganzjährig draußen und schwer
  • Verlässlichkeit – Tiere brauchen auch sonntags und an Weihnachten Versorgung
  • Ruhe und Konsequenz im Umgang mit einem Fluchttier
  • Beobachtungsgabe für kleine Veränderungen im Verhalten
  • Bereitschaft zu Wochenend- und Feiertagsdiensten
  • Im Servicebereich zusätzlich Freundlichkeit gegenüber Einstellern und Reitschülern
R
S
E

RIASEC-Profil: RSE – Realistic · Social · Enterprising

Der Beruf ist zuerst Realistic: körperliche Arbeit mit Tier, Gerät und Material. Die Social-Komponente kommt über Einsteller, Reitschüler und Teamarbeit im Stall dazu, die Enterprising-Komponente vor allem dort, wo der Betrieb ein Dienstleistungsbetrieb ist. Wer Tiere mag, aber Menschen meidet, wird in der Pensionshaltung nicht glücklich.

Unsicher, ob das Profil passt? Der Berufswahltest für Schüler ermittelt Ihr persönliches RIASEC-Profil, der Big-Five-Persönlichkeitstest ergänzt die Arbeitsweise.

Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung und Einstiegsgehalt

Die Vergütung liegt im unteren Drittel aller Ausbildungsberufe und hängt stark vom Bundesland und davon ab, ob der Betrieb tarifgebunden ist. Kost und Logis werden in vielen Betrieben gestellt und auf die Vergütung angerechnet – danach sollte man ausdrücklich fragen.

Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr

Lehrjahr
untere Spanne
obere Spanne
Hinweis
1. Jahr
700 €
850 €
häufig mit Kost und Logis
2. Jahr
780 €
920 €
Bundesland entscheidet
3. Jahr
850 €
1.000 €
Übernahme wird hier verhandelt

Angaben gerundet, Stand 2026. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch ausdrücklich nach der Anrechnung von Unterkunft und Verpflegung – sie verändert den auszahlbaren Betrag erheblich.

Nach der Ausbildung

Direkter Einstieg
24.000–30.000 €
Brutto pro Jahr als Pferdewirt im Reit- oder Pensionsbetrieb.
Mit Meisterbrief
32.000–42.000 €
Als Pferdewirtschaftsmeister mit Ausbildungsberechtigung oder Betriebsleitung.
Selbstständig
stark schwankend
Eigener Betrieb: hohe Kapitalbindung, Einkommen abhängig von Auslastung und Standort.
Verlauf

Ausbildungsablauf

Die Ausbildung ist dual organisiert: Betrieb und Berufsschule im Blockunterricht, dazu überbetriebliche Lehrgänge an einer Landesreit- oder Fachschule.

1. Jahr

Grundversorgung und Sicherheit

Umgang mit dem Pferd, Fütterung, Stallarbeit, Sicherheitsregeln, erste eigene Pflegepferde.

Mitte 2. J.

Zwischenprüfung

Praktische und schriftliche Prüfung vor der Landwirtschaftskammer.

2. Jahr

Fachrichtung vertiefen

Je nach Wahl Reitausbildung, Zuchtarbeit oder Trainingsbetrieb; zunehmend eigenverantwortliche Pferdegruppen.

3. Jahr

Selbstständiges Arbeiten

Eigene Verantwortung für Pferde und Abläufe, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.

Ende

Abschlussprüfung

Praktische Prüfung am Pferd, Fachgespräch und schriftliche Prüfungsbereiche.

Danach

Karrierewege: Vom Pferdewirt zur Betriebsleitung

Der klassische Weg führt über den Meisterbrief. Er ist in diesem Beruf mehr als ein Titel: Er ist Voraussetzung für Ausbildungsberechtigung, Betriebsleitung und die meisten besser bezahlten Positionen.

Fachlicher Weg

  • Spezialisierung als Bereiter oder Trainer in einer Disziplin
  • Verantwortung für Zuchtstuten oder Jungpferdeaufzucht im Gestüt
  • Turnierstall: Vorstellung und Beritt von Kundenpferden
  • Wechsel in Futtermittelberatung, Fachhandel oder Versicherung mit Pferdebezug

Fortbildung

  • Pferdewirtschaftsmeister mit Ausbilder- und Betriebsleiterbefugnis
  • Trainerlizenzen der FN in der jeweiligen Disziplin
  • Fachagrarwirt oder Techniker Agrarwirtschaft
  • Studium Pferdewissenschaften oder Agrarwirtschaft

Sie stecken bereits im Beruf und fragen sich, ob es das war? Eine berufliche Neuorientierung oder eine Orientierungsberatung klärt das mit Diagnostik statt Bauchgefühl.

Zukunftsprofil

Zukunftsaussichten Pferdewirtinnen und Pferdewirte: Wie robust ist der Beruf?

Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.

CZukunftsscore 48 von 100drei gewichtete Dimensionen, Methodik unten offengelegt
KI-Risiko29 %der Kerntätigkeiten sind automatisierbar · Platz 345 von 478 Berufen · geringe Automatisierbarkeit
FachkräftelageKein EngpassberufBA-Engpassanalyse 2025 · Berufe in der Pferdewirtschaft (Fachkräfte) · 6,8 Arbeitsuchende je gemeldete Stelle · Vakanzzeit 83 Tage
Neue Ausbildungsverträge 2025642BIBB, Stichtag 30. September · gegenüber 2024 -8,2 % · gegenüber 2019 -17,1 %
Ausbildungsmarkt36unbesetzte Ausbildungsplätze 2025 · dazu 63 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber · Stellenüberhang 5,1 % der Nachfrage

Versorgung, Ausbildung und Bewegung von Pferden sind körperliche Arbeit am Lebewesen und praktisch nicht automatisierbar. Technisierbar sind allenfalls Fütterungsanlagen und die Stallverwaltung. Als Engpassberuf ist die Berufsgruppe „Berufe in der Pferdewirtschaft“ 2025 nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,8 Arbeitsuchende. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist seit 2019 um 17,1 % gesunken – der Jahrgang schrumpft schneller als der Ausbildungsmarkt insgesamt.

Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.

Ehrlicher Blick

Pro und Contra

Dafür spricht

  • Arbeit mit Tieren, für viele der eigentliche Grund
  • Sehr geringes Automatisierungsrisiko – Platz 345 von 478
  • Früh eigene Verantwortung für Pferde und Abläufe
  • Klarer Aufstiegspfad über den Meisterbrief
  • Bundesweit Betriebe, auch im ländlichen Raum

Dagegen spricht

  • Vergütung und späteres Gehalt liegen deutlich unter dem Durchschnitt
  • Wochenend-, Feiertags- und Frühdienste sind die Regel
  • Körperlich fordernd, mit realem Verletzungsrisiko
  • Als Engpassberuf ist die Pferdewirtschaft nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen 6,8 Arbeitsuchende
  • Die Zahl der Ausbildungsverträge sinkt seit Jahren
FAQ

Pferdewirt/-in – häufige Fragen

Wie lange dauert die Ausbildung zum Pferdewirt?

Drei Jahre in dualer Form. Bei guten Leistungen oder einschlägiger Vorbildung ist eine Verkürzung möglich; sie wird gemeinsam mit Betrieb und Landwirtschaftskammer beantragt.

Welche Fachrichtungen gibt es?

Fünf: Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Klassische Reitausbildung, Pferderennen sowie Spezialreitweisen. Die Wahl steht im Ausbildungsvertrag.

Muss ich reiten können?

Formal nicht, praktisch fast immer. Für die klassische Reitausbildung erwarten Betriebe gefestigte reiterliche Grundlagen, häufig mit Turniererfahrung.

Was verdient man in der Ausbildung?

Rund 700 bis 1.000 Euro je nach Lehrjahr, Bundesland und Betrieb. Werden Unterkunft und Verpflegung gestellt, wird das auf die Vergütung angerechnet.

Wie sicher ist der Beruf vor Automatisierung?

Sehr sicher: 29 Prozent der Kerntätigkeiten sind nach unserer Auswertung von 478 Berufen automatisierbar, Platz 345. Automatisierbar sind Fütterungsanlagen und Verwaltung, nicht die Arbeit am Pferd.

Gibt es genug Stellen?

Der Arbeitsmarkt ist nicht angespannt: Die Bundesagentur für Arbeit führt die Pferdewirtschaft 2025 nicht als Engpassberuf, auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,8 Arbeitsuchende. Wer flexibel beim Standort ist, findet dennoch Betriebe.

Lohnt sich der Meisterbrief?

In diesem Beruf ja. Er ist Voraussetzung für Ausbildungsberechtigung und Betriebsleitung und der wichtigste Hebel für das Einkommen.

Klarheit vor der Bewerbung schaffen

Reiten als Hobby und Reiten als Beruf sind zwei verschiedene Dinge. Wer vor der Entscheidung Klarheit über Interessen und Belastbarkeit gewinnt, spart sich einen Abbruch im zweiten Jahr.

Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025; Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025; Vergütungsspannen nach Angaben der Ausbildungsportale, Stand 2026. Zuletzt geprüft: September 2026.