Pferdewirt/-in
Ein Beruf, in dem der Arbeitstag um sechs Uhr im Stall beginnt und das Wochenende Turniertag heißt. Pferdewirtinnen und Pferdewirte versorgen, bewegen, züchten und trainieren Pferde – je nach Fachrichtung in einem Reitbetrieb, einem Gestüt oder einem Rennstall. 2025 wurden bundesweit 642 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Diese Seite zeigt, was die fünf Fachrichtungen unterscheiden, was verdient wird und wie belastbar der Arbeitsmarkt ist.
Kurzüberblick: Pferdewirt/-in
Pferdewirtin und Pferdewirt ist ein anerkannter Ausbildungsberuf der Agrarwirtschaft. Zuständig ist die Landwirtschaftskammer, die Ausbildung dauert drei Jahre und wird in einer von fünf Fachrichtungen absolviert. Gemeinsam ist allen der Kern: Fütterung, Gesundheitskontrolle, Stallarbeit und der sichere Umgang mit einem großen Fluchttier.
Aufgaben und Arbeitsalltag
Der Alltag ist körperlich und wetterunabhängig getaktet. Pferde brauchen jeden Tag dasselbe, unabhängig von Feiertag, Urlaub oder Grippewelle – das ist die prägende Eigenschaft dieses Berufs.
Fütterung und Versorgung
Rationen nach Alter, Leistung und Gesundheitszustand zusammenstellen, Wasser und Heu kontrollieren, Veränderungen im Fressverhalten früh bemerken.
Stall- und Weidemanagement
Ausmisten, Einstreu, Weidepflege, Zäune prüfen. Unspektakulär, täglich, und der größte Zeitanteil des Berufs.
Gesundheitskontrolle
Lahmheiten, Koliksymptome und Hautveränderungen erkennen, Temperatur messen, Tierärztin oder Schmied hinzuziehen und Behandlungen begleiten.
Bewegung und Training
Longieren, Reiten, Führen an der Hand oder Fahren – je nach Fachrichtung mit unterschiedlichem Anspruch an das eigene reiterliche Können.
Ausbildung junger Pferde
In der klassischen Reitausbildung: Gewöhnung an Sattel und Reiter, Grundausbildung, Vorbereitung auf Prüfungen.
Zucht und Aufzucht
In der Fachrichtung Pferdezucht: Rossekontrolle, Bedeckung oder Besamung begleiten, Abfohlen überwachen, Fohlen aufziehen.
Kundenkontakt
Einstallungsgespräche, Reitunterricht, Beratung von Pensionskunden. In Service- und Reitbetrieben ein großer Teil des Tages.
Technik und Betrieb
Hoflader, Miststreuer, Fütterungsanlagen und Bewegungsgeräte bedienen und warten.
Fünf Fachrichtungen – und sie legen die Laufbahn früh fest
Die Fachrichtung steht im Ausbildungsvertrag und prägt den späteren Einsatzbereich stärker als bei den meisten anderen Ausbildungsberufen. Wer im Rennstall lernt, arbeitet anders als jemand in einem Pensionsbetrieb mit Reitschule.
Pferdehaltung und Service
Der breiteste Weg: Pensionshaltung, Betreuung von Kundenpferden, Reitbetrieb. Am ehesten mit geregelten Strukturen und Kundenkontakt.
Klassische Reitausbildung
Ausbildung von Pferd und Reiter, Turniervorstellung. Verlangt überdurchschnittliches reiterliches Können bereits vor Ausbildungsbeginn.
Zucht, Rennen, Spezialreitweisen
Drei enger gefasste Wege: Gestütsarbeit, Galopp- und Trabrennsport oder Westernreiten und Gangpferde. Wenige Betriebe, dafür klare Spezialisierung.
Passt dieser Beruf zu dir?
Formal ist kein Schulabschluss vorgeschrieben. Praktisch entscheidet etwas anderes über den Erfolg: Vorerfahrung im Umgang mit Pferden und die realistische Einschätzung, dass aus einem Hobby ein körperlich fordernder Beruf mit ungewöhnlichen Arbeitszeiten wird.
Formale Voraussetzungen
- Kein Abschluss vorgeschrieben, üblich sind Hauptschul- oder Realschulabschluss
- Reiterliche Grundkenntnisse werden in fast allen Betrieben vorausgesetzt
- Für die klassische Reitausbildung häufig Turniererfahrung erwartet
- Gesundheitliche Eignung: Rücken, Gelenke, keine Heustauballergie
- Führerschein wird in vielen Betrieben erwartet oder während der Ausbildung erworben
Persönliche Eigenschaften
- Körperliche Belastbarkeit – der Beruf ist ganzjährig draußen und schwer
- Verlässlichkeit – Tiere brauchen auch sonntags und an Weihnachten Versorgung
- Ruhe und Konsequenz im Umgang mit einem Fluchttier
- Beobachtungsgabe für kleine Veränderungen im Verhalten
- Bereitschaft zu Wochenend- und Feiertagsdiensten
- Im Servicebereich zusätzlich Freundlichkeit gegenüber Einstellern und Reitschülern
RIASEC-Profil: RSE – Realistic · Social · Enterprising
Der Beruf ist zuerst Realistic: körperliche Arbeit mit Tier, Gerät und Material. Die Social-Komponente kommt über Einsteller, Reitschüler und Teamarbeit im Stall dazu, die Enterprising-Komponente vor allem dort, wo der Betrieb ein Dienstleistungsbetrieb ist. Wer Tiere mag, aber Menschen meidet, wird in der Pensionshaltung nicht glücklich.
Unsicher, ob das Profil passt? Der Berufswahltest für Schüler ermittelt Ihr persönliches RIASEC-Profil, der Big-Five-Persönlichkeitstest ergänzt die Arbeitsweise.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung und Einstiegsgehalt
Die Vergütung liegt im unteren Drittel aller Ausbildungsberufe und hängt stark vom Bundesland und davon ab, ob der Betrieb tarifgebunden ist. Kost und Logis werden in vielen Betrieben gestellt und auf die Vergütung angerechnet – danach sollte man ausdrücklich fragen.
Ausbildungsvergütung nach Lehrjahr
Angaben gerundet, Stand 2026. Fragen Sie im Vorstellungsgespräch ausdrücklich nach der Anrechnung von Unterkunft und Verpflegung – sie verändert den auszahlbaren Betrag erheblich.
Nach der Ausbildung
Ausbildungsablauf
Die Ausbildung ist dual organisiert: Betrieb und Berufsschule im Blockunterricht, dazu überbetriebliche Lehrgänge an einer Landesreit- oder Fachschule.
Grundversorgung und Sicherheit
Umgang mit dem Pferd, Fütterung, Stallarbeit, Sicherheitsregeln, erste eigene Pflegepferde.
Zwischenprüfung
Praktische und schriftliche Prüfung vor der Landwirtschaftskammer.
Fachrichtung vertiefen
Je nach Wahl Reitausbildung, Zuchtarbeit oder Trainingsbetrieb; zunehmend eigenverantwortliche Pferdegruppen.
Selbstständiges Arbeiten
Eigene Verantwortung für Pferde und Abläufe, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.
Abschlussprüfung
Praktische Prüfung am Pferd, Fachgespräch und schriftliche Prüfungsbereiche.
Karrierewege: Vom Pferdewirt zur Betriebsleitung
Der klassische Weg führt über den Meisterbrief. Er ist in diesem Beruf mehr als ein Titel: Er ist Voraussetzung für Ausbildungsberechtigung, Betriebsleitung und die meisten besser bezahlten Positionen.
Fachlicher Weg
- Spezialisierung als Bereiter oder Trainer in einer Disziplin
- Verantwortung für Zuchtstuten oder Jungpferdeaufzucht im Gestüt
- Turnierstall: Vorstellung und Beritt von Kundenpferden
- Wechsel in Futtermittelberatung, Fachhandel oder Versicherung mit Pferdebezug
Fortbildung
- Pferdewirtschaftsmeister mit Ausbilder- und Betriebsleiterbefugnis
- Trainerlizenzen der FN in der jeweiligen Disziplin
- Fachagrarwirt oder Techniker Agrarwirtschaft
- Studium Pferdewissenschaften oder Agrarwirtschaft
Sie stecken bereits im Beruf und fragen sich, ob es das war? Eine berufliche Neuorientierung oder eine Orientierungsberatung klärt das mit Diagnostik statt Bauchgefühl.
Zukunftsaussichten Pferdewirtinnen und Pferdewirte: Wie robust ist der Beruf?
Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.
Versorgung, Ausbildung und Bewegung von Pferden sind körperliche Arbeit am Lebewesen und praktisch nicht automatisierbar. Technisierbar sind allenfalls Fütterungsanlagen und die Stallverwaltung. Als Engpassberuf ist die Berufsgruppe „Berufe in der Pferdewirtschaft“ 2025 nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,8 Arbeitsuchende. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist seit 2019 um 17,1 % gesunken – der Jahrgang schrumpft schneller als der Ausbildungsmarkt insgesamt.
Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.
Pro und Contra
Dafür spricht
- Arbeit mit Tieren, für viele der eigentliche Grund
- Sehr geringes Automatisierungsrisiko – Platz 345 von 478
- Früh eigene Verantwortung für Pferde und Abläufe
- Klarer Aufstiegspfad über den Meisterbrief
- Bundesweit Betriebe, auch im ländlichen Raum
Dagegen spricht
- Vergütung und späteres Gehalt liegen deutlich unter dem Durchschnitt
- Wochenend-, Feiertags- und Frühdienste sind die Regel
- Körperlich fordernd, mit realem Verletzungsrisiko
- Als Engpassberuf ist die Pferdewirtschaft nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen 6,8 Arbeitsuchende
- Die Zahl der Ausbildungsverträge sinkt seit Jahren
Pferdewirt/-in – häufige Fragen
Drei Jahre in dualer Form. Bei guten Leistungen oder einschlägiger Vorbildung ist eine Verkürzung möglich; sie wird gemeinsam mit Betrieb und Landwirtschaftskammer beantragt.
Fünf: Pferdehaltung und Service, Pferdezucht, Klassische Reitausbildung, Pferderennen sowie Spezialreitweisen. Die Wahl steht im Ausbildungsvertrag.
Formal nicht, praktisch fast immer. Für die klassische Reitausbildung erwarten Betriebe gefestigte reiterliche Grundlagen, häufig mit Turniererfahrung.
Rund 700 bis 1.000 Euro je nach Lehrjahr, Bundesland und Betrieb. Werden Unterkunft und Verpflegung gestellt, wird das auf die Vergütung angerechnet.
Sehr sicher: 29 Prozent der Kerntätigkeiten sind nach unserer Auswertung von 478 Berufen automatisierbar, Platz 345. Automatisierbar sind Fütterungsanlagen und Verwaltung, nicht die Arbeit am Pferd.
Der Arbeitsmarkt ist nicht angespannt: Die Bundesagentur für Arbeit führt die Pferdewirtschaft 2025 nicht als Engpassberuf, auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,8 Arbeitsuchende. Wer flexibel beim Standort ist, findet dennoch Betriebe.
In diesem Beruf ja. Er ist Voraussetzung für Ausbildungsberechtigung und Betriebsleitung und der wichtigste Hebel für das Einkommen.
Klarheit vor der Bewerbung schaffen
Reiten als Hobby und Reiten als Beruf sind zwei verschiedene Dinge. Wer vor der Entscheidung Klarheit über Interessen und Belastbarkeit gewinnt, spart sich einen Abbruch im zweiten Jahr.
Quellen: BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025; Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025; Vergütungsspannen nach Angaben der Ausbildungsportale, Stand 2026. Zuletzt geprüft: September 2026.