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Berufsbild · Management auf Zeit

Interim Manager: Aufgaben, Tagessatz & Einstieg 2026

Führungsverantwortung auf Zeit, bezahlt pro Tag statt pro Jahr: Interim Manager übernehmen befristete Mandate in Restrukturierungen, Vakanzen, Carve-outs und Wachstumsprojekten. Was der Beruf verlangt, was ein Mandat wirklich einbringt – und warum Interim Management für erfahrene Führungskräfte ab 45 häufig der realistischste Weg zurück in Verantwortung ist.

1.317 €
Ø Tagessatz 2026 (DDIM)
144 – 154
Einsatztage pro Jahr
ECI
RIASEC-Idealprofil
51 – 65
Jahre: Alter der Mehrheit
DIN 33430 zertifiziert
25+ Jahre Executive Search
Datenbasis: DDIM & AIMP-Marktstudien
RIASEC-Eignungsprofil enthalten
Aktualisiert: August 2026

Was macht ein Interim Manager?

Ein Interim Manager übernimmt für einen befristeten Zeitraum eine operative Führungsposition in einem Unternehmen – mit Weisungsbefugnis, Budgetverantwortung und Ergebnisverpflichtung, aber ohne Anstellungsvertrag. Rechtlich ist er selbständiger Unternehmer, der auf Basis eines Dienstvertrags ein Mandat abwickelt und pro Einsatztag abrechnet. Faktisch sitzt er in derselben Runde wie die angestellte Geschäftsführung, unterschreibt Freigaben, führt Mitarbeitergespräche und verantwortet Zahlen. Der Unterschied zur Festanstellung liegt nicht in der Aufgabe, sondern im Zeithorizont, in der Vergütungslogik und im Risiko.

Auf einen Blick

Interim Manager

Profiling Institut: Für den Beruf Interim Manager liegt das Verdienst in Deutschland im Median bei 1.317 Euro, die Spanne reicht von 800 Euro bis 2.000 Euro. Gefragt sind vor allem Führung auf Zeit, Restrukturierung und Sanierung, Liquiditätsplanung. Das Interessenprofil nach RIASEC ist E-C-I.

BerufInterim Manager (auch: Interim Management, Manager auf Zeit, Interim Executive)
AufgabenschwerpunkteÜbernahme einer befristeten Führungsposition, Diagnose der Ausgangslage in den ersten 30 Tagen, Entscheidungen unter Zeitdruck treffen und durchsetzen, Berichterstattung an Gesellschafter, Beirat oder Banken, Übergabe an die dauerhafte Nachfolge
Zugang und QualifikationHochschulabschluss oder vergleichbare Qualifikation, mehrjährige Führungserfahrung im oberen oder mittleren Management, nachweisbare Projekt- oder Interim-Erfahrung mit Referenzen, tragfähiger Businessplan (Voraussetzungen nach DDIM)
Verdienst (Median)1.317 Euro
Gehaltsspanne800 Euro bis 2.000 Euro
Gefragte KompetenzenFührung auf Zeit, Restrukturierung und Sanierung, Liquiditätsplanung, Carve-out und Post-Merger-Integration, Change Management, Verhandlung mit Betriebsräten
RIASEC-InteressenprofilE-C-I (Enterprising, Conventional, Investigative)
EinsatzgebietDeutschland
EignungsprüfungPassung zum Anforderungsprofil über Persönlichkeits- und Potenzialdiagnostik nach DIN 33430
StandSeptember 2026

Diese Doppelnatur macht das Berufsbild schwer greifbar. Interim Management ist weder klassische Unternehmensberatung noch Zeitarbeit noch Freelancing im Projektgeschäft. Ein Berater analysiert und empfiehlt, ein Interim Manager entscheidet und setzt um. Ein Zeitarbeitnehmer wird überlassen und ist weisungsgebunden, ein Interim Manager erbringt eine Dienstleistung in eigener Verantwortung. Und während ein IT-Freelancer typischerweise eine Fachrolle füllt, tritt der Interim Manager mit Personal- und Ergebnisverantwortung an – häufig auf der ersten oder zweiten Führungsebene. Die AIMP-Marktstudie 2024/25 weist aus, dass 29 Prozent der Mandate auf der ersten und 35 Prozent auf der zweiten Führungsebene besetzt werden.

Der typische Auftrag hat einen klar umrissenen Anlass: Eine Position ist unerwartet vakant, ein Sanierungsfall braucht kurzfristig eine erfahrene Hand, ein Unternehmensteil wird herausgelöst und verkauft, ein Werk soll verlagert oder hochgefahren werden, ein ERP-Rollout entgleist. In all diesen Situationen sucht das Unternehmen nicht die perfekte Langfristbesetzung, sondern jemanden, der in zwei Wochen anfängt, das Thema kennt und nach sechs bis zwölf Monaten wieder geht. Genau dafür wird ein deutlicher Aufschlag gegenüber dem Festgehalt bezahlt – und genau deshalb ist das Mandat endlich.

Die Mandatslogik: vier Phasen statt Dauerbetrieb

Ein Mandat folgt fast immer demselben Muster. In der Anbahnung erfährt der Manager über einen Provider oder das eigene Netzwerk von einem Bedarf, schickt sein Profil, führt ein bis zwei Gespräche und verhandelt Tagessatz, Einsatztage pro Woche und Laufzeit. Vom ersten Kontakt bis zum Start vergehen häufig nur ein bis zwei Wochen – Geschwindigkeit ist das Hauptargument des Marktes. In den ersten 30 Tagen verschafft sich der Manager ein Bild: Zahlen, Prozesse, Menschen, informelle Machtverhältnisse. Wer hier zu lange analysiert, verliert das Mandat inhaltlich, bevor es begonnen hat. Die Umsetzungsphase macht den Hauptteil aus: entscheiden, priorisieren, Führungslücken schließen, unangenehme Gespräche führen, Ergebnisse dokumentieren. Und schließlich der Übergabeprozess: Der Interim Manager arbeitet auf die eigene Entbehrlichkeit hin, übergibt an die Nachfolge und verlässt das Unternehmen.

Diese Logik verlangt eine Haltung, die viele langjährige Angestellte erst lernen müssen: Man baut kein Imperium auf, man sammelt keine Verbündeten für die nächste Beförderung, man plant keine Dreijahresstrategie für die eigene Abteilung. Man liefert ein Ergebnis und geht. Wer emotional an Positionen hängt oder Anerkennung über Zugehörigkeit bezieht, tut sich mit dieser Rolle dauerhaft schwer.

07:30
Ankommen vor Ort
Mandate laufen überwiegend in Präsenz, oft drei bis vier Tage pro Woche beim Kunden, mit Anreise am Montagmorgen und Hotel unter der Woche.
08:00
Shopfloor- oder Zahlen-Runde
Kurzer Abgleich mit dem Führungsteam: Auftragseingang, Liquidität, Lieferfähigkeit, Personalthemen – je nach Mandatsanlass.
09:30
Entscheidungen treffen
Freigaben, Priorisierungen, Eskalationen. Interim Manager entscheiden schneller als Angestellte, weil sie keine interne Karriere zu schützen haben.
11:00
Führungsgespräche
Einzelgespräche mit Bereichsleitern, Klarheit über Rollen und Erwartungen, gelegentlich auch Trennungsgespräche.
14:00
Arbeit am Auftrag
Sanierungskonzept, Carve-out-Plan, Werksanlauf, Nachfolgeaufbau – der eigentliche Mandatsgegenstand.
17:00
Statusbericht an den Auftraggeber
Gesellschafter, Beirat oder Konzernzentrale erwarten kurze, belastbare Fortschrittsberichte – meist wöchentlich, in Krisen täglich.
Abends
Eigenes Geschäft
Netzwerkpflege, Providerkontakte, Angebote, Buchhaltung. Das laufende Mandat finanziert die Gegenwart, die Akquise die Zukunft.

Typische Einsatzanlässe im Interim Management

Interim Management wird nicht gebucht, weil es günstig ist, sondern weil ein Unternehmen ein Zeitproblem hat. Die AIMP-Marktstudie 2024/25 nennt als häufigste Projektarten die Vakanzüberbrückung (41 Prozent), Beratungsleistungen und Change Management (je 39 Prozent) sowie Restrukturierung (36 Prozent); Mehrfachnennungen waren möglich. Die DDIM-Auswertung zum Jahr 2025 kommt in der Einzelgewichtung zu einem ähnlichen Bild mit Restrukturierung und Sanierung (13,7 Prozent), Projektmanagement (12,9 Prozent) und Prozessoptimierung (11,0 Prozent) an der Spitze. Vier Anlasstypen decken den Großteil des Marktes ab.

Restrukturierung & Sanierung
Ergebnis- oder Liquiditätskrise, Bankengespräche, Sanierungsgutachten nach IDW S6, Personalabbau, Standortschließung. Der Auftraggeber ist oft nicht die Geschäftsführung, sondern Gesellschafter, Beirat oder finanzierende Bank. Hier werden die höchsten Tagessätze gezahlt – und die härtesten Entscheidungen verlangt.
Vakanzüberbrückung
Der CFO kündigt, der Werksleiter fällt langfristig aus, die Personalleitung wechselt kurzfristig. Eine Nachbesetzung über Executive Search dauert vier bis neun Monate – der Interim Manager hält die Funktion stabil, bis die Dauerbesetzung steht, und bereitet den Nachfolger häufig sogar ein.
Carve-out, M&A und Post-Merger
Ein Konzern trennt sich von einem Geschäftsbereich, ein Private-Equity-Investor kauft zu, zwei Organisationen sollen zusammenwachsen. Gefragt sind Transitional-Service-Agreements, eigenständige IT- und Finanzstrukturen, Carve-out-Bilanzen und die Führung einer verunsicherten Belegschaft.
Wachstums- und Transformationsprojekte
Werksanlauf, Standortaufbau im Ausland, ERP-Einführung, Digitalisierung der Supply Chain, Aufbau einer Vertriebsorganisation. Hier geht es nicht um Krise, sondern um fehlende Kapazität und fehlende Erfahrung im eigenen Haus.

Auffallend ist die Branchenkonzentration: Nach AIMP-Daten entfallen rund 26 Prozent der Mandate auf den Maschinenbau, 13 Prozent auf Automotive, 10 Prozent auf Chemie und Pharma sowie 9 Prozent auf IT und Telekommunikation. Wer aus einer dieser Industrien kommt, findet strukturell mehr Anschluss als jemand aus dem Handel oder dem öffentlichen Sektor. Der Automotive-Anteil ist allerdings zuletzt deutlich zurückgegangen – die DDIM-Marktstudie 2026 weist für Zulieferer einen Rückgang von 11,6 auf 7,9 Prozent aus, was die Krise der Branche auch im Interim-Markt sichtbar macht.

Kompetenzprofil: Was ein Mandat wirklich verlangt

Fachliche Tiefe ist die Eintrittskarte, aber sie entscheidet selten über den Erfolg eines Mandats. Ein Interim Manager wird in eine fremde Organisation gesetzt, die ihn nicht kennt, oft nicht will und häufig Grund zur Sorge hat. Er hat keine gewachsene Autorität, keine Hausmacht und keine Zeit, sich beides zu erarbeiten. Die eigentliche Kernkompetenz ist deshalb die Fähigkeit, in kurzer Zeit Vertrauen und Wirksamkeit gleichzeitig herzustellen – ohne die Organisation zu beschädigen, die nach dem Mandat weiterarbeiten muss.

Führung & Wirksamkeit
Erste 100 Tage Stakeholder-Mapping Entscheidungen unter Unsicherheit Konfliktfähigkeit Trennungsgespräche Gremienarbeit
Finanzen & Steuerung
Liquiditätsplanung 13-Wochen-Cashflow IDW S6 Working Capital Business Case Bankenkommunikation
Methoden & Recht
Lean / Shopfloor Change-Architektur Projektportfolio Betriebsverfassungsrecht Interessenausgleich Compliance
Eigenes Geschäft
Providerarbeit Positionierung Angebot & Vertrag Haftpflicht & D&O Liquiditätspuffer Altersvorsorge

Die letzte Spalte wird von Einsteigern regelmäßig unterschätzt. Interim Management ist ein Geschäftsmodell, kein Job: Es braucht eine klare Positionierung auf zwei bis drei Themen, eine belastbare Referenzliste, einen ordentlichen Vertrag mit Haftungsbegrenzung, eine Berufshaftpflicht, eine saubere Trennung von Privat- und Betriebsvermögen und einen Liquiditätspuffer für mandatsfreie Monate. Wer diese Seite nicht aufbaut, scheitert nicht am ersten Mandat, sondern an der Lücke danach.

Interim Manager werden: Wege und Voraussetzungen

Interim Manager ist kein Ausbildungsberuf und kein geschützter Titel – jeder darf sich so nennen. Der Markt reguliert sich über Referenzen. Der Branchenverband DDIM nennt als Aufnahmevoraussetzungen einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation, mehrjährige Führungserfahrung im oberen oder mittleren Management, nachweisbare Interim- oder vergleichbare Projekterfahrung, klar definierte Kernkompetenzen mit Referenzen sowie einen tragfähigen Businessplan. Praktisch heißt das: Vor dem ersten Mandat stehen in aller Regel 15 bis 25 Jahre Berufserfahrung mit echter Linienverantwortung.

Der Einstieg erfolgt fast nie über eine Bewerbung. Er erfolgt über drei Kanäle: das eigene Netzwerk aus der bisherigen Laufbahn, spezialisierte Interim-Provider und – mit Abstand am seltensten – kalte Eigenakquise. Eine Meta-Auswertung der Marktstudien für 2024 kommt auf rund 50 Prozent der Mandate über Provider, 37 Prozent über das eigene Netzwerk und etwa 12 Prozent über proaktive Eigenakquise. Die Providerbeziehung ist damit die wichtigste Vertriebsinfrastruktur des Berufs – und sie ist keine Einbahnstraße: Provider leben davon, innerhalb weniger Tage ein passendes, geprüftes Profil liefern zu können, und arbeiten deshalb bevorzugt mit Managern, die sie bereits erlebt haben.

Klassisch
Aus der Linie in das Mandat
Der häufigste Weg: 20 Jahre Konzern- oder Mittelstandskarriere bis zur Bereichs-, Werks- oder Geschäftsführungsebene, danach bewusster Wechsel in die Selbständigkeit. Der Marktwert speist sich aus der Funktion, die zuletzt geführt wurde, und aus der Branche, in der sie geführt wurde. Ideal ist ein sauberer Abschluss beim letzten Arbeitgeber – er wird häufig zum ersten Auftraggeber.
Voraussetzung: 15 – 25 Jahre Linienerfahrung
Aus der Beratung
Vom Berater zum Umsetzer
Partner und Principals aus Restrukturierungs-, Strategie- oder Transformationsberatungen wechseln in die Umsetzungsrolle. Sie bringen Methodik, Analysegeschwindigkeit und Gremienerfahrung mit, müssen aber den Beweis antreten, dass sie auch führen und nicht nur empfehlen können. Der Übergang gelingt am besten über Mandate, die ohnehin beratungsnah sind.
Voraussetzung: Umsetzungsreferenzen, nicht nur Konzepte
Nach Trennung
Neuorientierung ab 45+
Der wachsende dritte Weg: Führungskräfte, deren Position im Zuge einer Restrukturierung, eines Eigentümerwechsels oder eines Standortabbaus entfallen ist. Der Arbeitsmarkt für Festanstellungen wird ab Mitte 40 sprürbar enger – der Interim-Markt bewertet dieselbe Erfahrung dagegen als Aktivposten. Entscheidend ist, den Wechsel als bewusste Entscheidung zu gestalten und nicht als Notlösung zu kommunizieren.
Voraussetzung: Finanzieller Puffer für 6 – 12 Monate

Warum Interim Management der natürliche Weg für Führungskräfte ab 45 ist

Kaum ein anderes Berufsbild dreht das Alterssignal so vollständig um. In Auswahlverfahren für Festanstellungen wirkt ein Lebenslauf mit 55 Jahren häufig als Risiko – Gehaltserwartung, Restlaufzeit, Anpassungsbereitschaft werden hinterfragt. Im Interim-Markt ist genau dieses Profil der Standard: Nach der AIMP-Marktstudie 2024/25 sind 47 Prozent der befragten Interim Manager zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 40 Prozent zwischen 60 und 69; die DDIM-Auswertung ordnet rund 81 Prozent in die Spanne von 51 bis 65 Jahren ein. Der Kunde kauft ausdrücklich Erfahrung, weil er keine Einarbeitungszeit finanzieren will.

Damit ist Interim Management für viele erfahrene Führungskräfte die realistischste Anschlussoption nach einer Trennung – realistischer jedenfalls als das Warten auf eine gleichwertige Festanstellung. Wer nach einer Freisetzung eine strukturierte Standortbestimmung sucht, findet sie in der Outplacement-Beratung für Führungskräfte: Dort werden Marktwert, übertragbare Kompetenzen und die Frage geklärt, ob Festanstellung, Interim-Mandat oder eine Mischform der tragfähigere Weg ist. Wer den Wechsel ohne akuten Anlass vorbereitet, ist in der Beratung zur beruflichen Neuorientierung besser aufgehoben – dort steht die Frage im Vordergrund, ob die eigene Motivstruktur zu einem Leben in Mandaten passt.

Häufiger Fehler beim Einstieg
Viele Einsteiger positionieren sich zu breit: „Geschäftsführer mit Erfahrung in Vertrieb, Produktion, IT und HR.“ Provider können ein solches Profil keinem Suchauftrag zuordnen und legen es beiseite. Wirksam ist die Verengung auf zwei bis drei Themen, die man mit Zahlen belegen kann – etwa „Werksleitung im Anlauf- und Verlagerungsfall, Automotive-Zulieferer, 200 bis 800 Mitarbeiter“. Die Positionierung darf später wachsen; sie muss nur am Anfang trennscharf sein.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Scheinselbständigkeit

Interim Manager arbeiten in der Regel auf Basis eines Dienstvertrags nach § 611 BGB – entweder direkt mit dem Kunden oder über einen Provider, der als Vertragspartner zwischengeschaltet ist. Weil die Rolle Führungsaufgaben umfasst, berührt sie zwangsläufig die Abgrenzung zur abhängigen Beschäftigung. Risikomindernd wirken: ein klar umrissener Projektgegenstand statt einer offenen Dauertätigkeit, mehrere Auftraggeber im Jahr, eigene Betriebsmittel, eigenes unternehmerisches Risiko, keine Eingliederung in Urlaubs- und Schichtpläne und eine Vergütung, die erkennbar über dem Festgehaltsniveau der Position liegt. Bei Organstellungen – etwa der Bestellung zum Geschäftsführer auf Zeit – kommen Haftungsfragen hinzu, die eine D&O-Versicherung erfordern. Eine rechtliche Einzelfallprüfung ersetzt dieser Überblick nicht.

Interim Manager Tagessatz 2026 – und was davon übrig bleibt

Interim Manager verdienen nicht in Jahresgehältern, sondern in Tagessätzen. Das klingt nach einer reinen Umrechnungsfrage, ist aber der zentrale Unterschied zur Festanstellung – und die häufigste Fehleinschätzung beim Einstieg. Ein Tagessatz wird nur für Tage bezahlt, die tatsächlich fakturiert werden. Es gibt kein Urlaubsgeld, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und keine bezahlte Akquisezeit. Die entscheidende Kennzahl ist deshalb nicht der Tagessatz, sondern das Produkt aus Tagessatz und Auslastung.

Die DDIM-Marktstudie 2026 weist für das laufende Jahr einen durchschnittlichen Tagessatz von 1.317 Euro aus, nach 1.297 Euro im Vorjahr. Die AIMP-Marktstudie 2024/25 kommt für Deutschland auf 1.338 Euro, für Österreich auf 1.282 Euro und für die Schweiz auf 1.712 Euro. Die Werte liegen nah beieinander und beschreiben denselben Markt aus zwei Erhebungsperspektiven.

1.317 €
Ø Tagessatz 2026
DDIM-Marktstudie 2026
1.250 – 1.499 €
häufigster Tagessatz-Korridor
38 % der Befragten, AIMP 2024/25
144 Tage
fakturierte Einsatztage 2025
DDIM; 2026 geplant: 154 Tage
213.342 €
Ø Jahresumsatz netto
AIMP 2024, ab 75 fakturierten Tagen

Tagessätze nach Funktion

Die Spannbreite ist erheblich und folgt vor allem der Hierarchieebene und der Ergebnisverantwortung. Erste-Ebene-Mandate und Sanierungsfälle liegen am oberen Rand, Fach- und Stabsfunktionen am unteren. Eine Meta-Auswertung der Marktdaten für 2024 nennt als Durchschnittswerte 1.373 Euro für die erste Managementebene, 1.413 Euro in der Finanzbranche und 1.474 Euro für Geschäftsführungsmandate.

Funktion im MandatTagessatz-SpanneEinordnung
Geschäftsführung / CEO auf Zeit1.400 – 2.500 €Sanierung, Gesellschafterwechsel, Organstellung mit Haftung
CFO / Kaufmännische Leitung1.400 – 2.500 €Liquiditätssteuerung, Bankengespräche, Carve-out-Bilanzen
CTO / Technische Leitung1.400 – 2.500 €Produktkrisen, Entwicklungsverzüge, Technologiewechsel
IT-Management1.000 – 2.000 €ERP-Rollouts, IT-Carve-out, Cybersecurity-Vorfälle
Supply Chain Management900 – 1.700 €Lieferengpässe, Werksverlagerung, Bestandsabbau
Projektmanagement800 – 1.800 €Großprojekte in Schieflage, PMO-Aufbau
Sales-Management900 – 1.600 €Vertriebsaufbau, Marktein- und -austritte
HR-Management / Personalleitung800 – 1.500 €Interessenausgleich, Personalabbau, HR-Transformation
Marketing-Management900 – 1.500 €Markenrelaunch, Digitalisierung der Kundenansprache
Controlling800 – 1.200 €Reporting-Aufbau, Kostentransparenz, Planungsprozesse

Tagessatz-Spannen nach Funktion: Erhebung der Interim Profis GmbH, Stand 2025. Durchschnittswerte: DDIM-Marktstudie 2026 und AIMP-Marktstudie 2024/25.

Wie sich die Tagessätze im Markt verteilen

Die AIMP-Marktstudie 2024/25 hat 550 Interim Manager im DACH-Raum nach ihrem realisierten Tagessatz gefragt. Das Ergebnis zeigt, dass die Spitzensätze der Tabelle oben Ausnahmen sind: Nur vier Prozent liegen über 2.000 Euro, während zwei Drittel des Marktes sich zwischen 1.000 und 1.499 Euro bewegen.

Tagessatz-KlasseAnteil der Interim ManagerTypisches Profil
über 2.000 €4 %Sanierungs- und Organmandate, Konzernebene, Nischenexpertise
1.500 – 1.999 €14 %Erste Führungsebene im größeren Mittelstand
1.250 – 1.499 €38 %Marktmitte: erfahrene Bereichs- und Werksleitungsmandate
1.000 – 1.249 €28 %Zweite Ebene, Projekt- und Fachmandate
750 – 999 €15 %Einstiegsmandate, Stabsfunktionen, kleinere Unternehmen
unter 750 €1 %Selten; meist Teilzeitmandate oder Anschlussaufträge

Quelle: AIMP-Marktstudie 2024/25, Befragung von 550 Interim Managern im DACH-Raum.

Auslastung: der entscheidende Faktor

Wer einen Tagessatz von 1.317 Euro mit 220 Arbeitstagen multipliziert, landet bei knapp 290.000 Euro und hält Interim Management für ein sehr einträgliches Geschäft. Diese Rechnung ist der klassische Anfängerfehler. Kein Interim Manager ist ganzjährig im Mandat. Die DDIM-Marktstudie 2026 weist für 2025 eine reale Auslastung von 79 Prozent aus, was rund 144 fakturierten Einsatztagen entspricht; für 2026 planen die Befragten mit 81 Prozent beziehungsweise 154 Tagen. Die AIMP-Marktstudie kommt für 2024 auf durchschnittlich 134 Einsatztage im DACH-Raum und 140 Tage in Deutschland. Realistisch sind also 130 bis 155 fakturierbare Tage im Jahr – nicht 220.

Der Rest des Jahres ist nicht frei, sondern unbezahlt: Akquise, Providergespräche, Angebotserstellung, Weiterbildung, Buchhaltung, Urlaub und die Lücken zwischen zwei Mandaten. Hinzu kommt, dass Kranken- und Pflegeversicherung sowie die gesamte Altersvorsorge ohne Arbeitgeberanteil selbst zu tragen sind und Reisekosten je nach Vertrag nur teilweise erstattet werden. Die folgende Modellrechnung macht sichtbar, was von einem durchschnittlichen Tagessatz tatsächlich als Einkommen übrig bleibt.

Modellrechnung: vom Tagessatz zum Jahreseinkommen
Grundlage sind die Marktdurchschnitte der DDIM-Marktstudie 2026. Die Kostenblöcke sind Annahmen für eine Einzelunternehmung ohne Angestellte und variieren je nach Reiseanteil, Versicherungsniveau und Vorsorgestrategie erheblich.
Durchschnittlicher Tagessatz (DDIM 2026)
1.317 €
Fakturierte Einsatztage 2025 (Auslastung 79 %)
144 Tage
Honorarumsatz im Jahr (netto, ohne Umsatzsteuer)
≈ 190.000 €
Betriebsausgaben: Reise-Eigenanteil, Büro, Versicherungen, Steuerberatung, Marketing, Weiterbildung (Annahme 20 %)
– 38.000 €
Kranken- und Pflegeversicherung sowie Altersvorsorge in voller Höhe (Annahme)
– 30.000 €
Verbleibendes Einkommen vor Einkommensteuer
≈ 122.000 €
Das entspricht ungefähr einer Festanstellung mit 100.000 bis 115.000 Euro Jahresbrutto zuzüglich Arbeitgeberanteilen – also einer gut dotierten Bereichs- oder Werksleitung, nicht einem Vorstandsgehalt. Interim Management ist damit finanziell kein Sprung nach oben, sondern der Preis für Freiheit, Abwechslung und Unabhängigkeit vom Stellenmarkt. Wer deutlich mehr verdienen will, muss entweder über 180 Tage im Jahr fakturieren oder in Tagessatzregionen jenseits von 1.800 Euro vordringen – beides gelingt nur mit einer sehr klaren Spezialisierung. Ein Vergleich der Vergütungsniveaus über Berufsbilder hinweg findet sich im Gehaltsvergleich der Berufsbilder.
Providermarge: Kundenpreis ist nicht gleich Managerhonorar
Wird ein Mandat über einen Provider vermittelt, liegt der Preis, den der Kunde zahlt, über dem Honorar des Managers. Der DDIM nennt für die Vermittlung üblicherweise 25 bis 35 Prozent des vereinbarten Tagessatzes. In Verhandlungen ist deshalb immer zu klären, ob der genannte Satz der Kunden- oder der Managerpreis ist. Der Aufschlag ist kein Ausbeutungsmerkmal, sondern bezahlt Vertrieb, Vertragsabwicklung, Bonitätsrisiko und Zahlungsziel – rund die Hälfte aller Mandate entsteht über diesen Kanal.

Mandatsdauer und Planbarkeit

Die durchschnittliche Mandatsdauer liegt je nach Erhebung zwischen sieben und zwölf Monaten: Die DDIM-Auswertung nennt für über Provider vermittelte Mandate 7,1 Monate, marktweite Meta-Auswertungen kommen auf 11 bis 12 Monate. Der DDIM ordnet knapp die Hälfte der Einsätze in das Fenster von sechs bis zwölf Monaten ein, ein weiteres Viertel in vier bis sechs Monate. Wichtig für die eigene Planung: Ein Mandat sichert selten mehr als fünf Tage pro Woche und endet in der Regel ohne Vorlauf für das nächste. Die Akquise läuft deshalb parallel zum laufenden Mandat – abends und an mandatsfreien Tagen.

Welche Persönlichkeit passt zum Interim Management?

Interim Management belohnt eine ungewöhnliche Kombination: hohe Belastbarkeit bei gleichzeitig geringem Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wer seine berufliche Identität über Firmenzugehörigkeit, Titel und Teamzugehörigkeit bezieht, verliert in diesem Modell einen wesentlichen Teil seiner Stabilität. Wer sie über gelöste Probleme bezieht, gewinnt.

In der Diagnostik zeigen sich vier Merkmale als besonders erfolgskritisch. Emotionale Stabilität: Mandate beginnen in Situationen, die andere als Krise erleben, und enden planmäßig mit dem eigenen Ausscheiden. Wer Unsicherheit schlecht aushält, zahlt dafür gesundheitlich. Durchsetzungsstärke ohne Dominanzbedürfnis: Der Interim Manager muss Entscheidungen gegen Widerstand treffen, darf die Organisation aber nicht beschädigen, weil sie nach ihm weiterarbeitet. Hohe Anschlussfähigkeit: In den ersten Tagen entscheidet sich, ob die zweite Ebene mitzieht oder blockiert – das ist eine Frage von Zuhören und Anerkennung, nicht von Autorität. Und unternehmerische Selbstverantwortung: Kein Vorgesetzter strukturiert das Jahr, kein Personalbereich kümmert sich um Vorsorge, kein Vertrieb bringt Aufträge.

Weniger wichtig als vermutet ist Extraversion im geselligen Sinn. Viele erfolgreiche Interim Manager sind eher zurückhaltend, aber ausgesprochen klar. Und deutlich wichtiger als vermutet ist die Bereitschaft, Woche für Woche zu reisen und die Familienlogistik darauf einzustellen – dieser Faktor beendet mehr Interim-Karrieren als fehlende Aufträge.

RIASEC-Eignungsprofil: Interim Manager

Das RIASEC-Modell nach John L. Holland beschreibt berufliche Interessen in sechs Orientierungen. Für das Interim Management ergibt sich ein klares Profil mit dem Code ECI – unternehmerisch führend, strukturiert steuernd, analytisch diagnostizierend. Das unterscheidet den Interim Manager vom Unternehmensberater (stärker I) und vom angestellten Geschäftsführer (stärker S durch dauerhafte Personalführung).

E
Enterprising
Sehr hohe Passung
C
Conventional
Hohe Passung
I
Investigative
Hohe Passung
S
Social
Führung auf Zeit
R
Realistic
Nur in Technikmandaten
A
Artistic
Nicht zentral
Der E-Typ (Enterprising) dominiert deutlich: Führen, verhandeln, entscheiden, das eigene Geschäft aufbauen – wer diese Orientierung nicht mitbringt, erlebt vor allem die Belastungen des Modells und wenig von seinem Reiz. Der C-Typ (Conventional) ist überraschend hoch ausgeprägt: Liquiditätspläne, Reportinglogiken, Vertragswerke, Dokumentationspflichten und die eigene Buchhaltung sind tägliches Geschäft. Der I-Typ (Investigative) liefert die Diagnosefähigkeit für die ersten Wochen – Ursachen von Symptomen trennen, Zahlen hinterfragen, Hypothesen bilden. Ein sehr starker S-Typ mit ausgeprägtem Bedürfnis nach langfristiger Beziehungsarbeit passt besser in eine feste Führungsrolle oder in die Personalentwicklung. Ein dominanter A-Typ findet in der Mandatslogik wenig Gestaltungsspielraum.
RIASEC-Modell und alle sechs Interessenstypen im Überblick

Karrierestufen im Interim Management

Eine Karriere im klassischen Sinn gibt es hier nicht – es gibt keine Beförderungen und keine nächste Ebene. Was es gibt, ist eine Entwicklung von Marktzugang, Tagessatz und Auslastung über die Jahre. Die entscheidende Kennzahl ist dabei nicht der einzelne Tagessatz, sondern die Wiederbeauftragungsquote: Wer nach dem ersten Mandat vom selben Auftraggeber oder Provider erneut angefragt wird, hat das Geschäftsmodell verstanden. Die folgenden Stufen sind Orientierungswerte, abgeleitet aus der Tagessatzverteilung und den Auslastungsdaten der Marktstudien.

Stufe 1
Marktzugang
Jahr 0 – 1
900 – 1.200 €
Positionierung schreiben, Profil bei zehn bis zwölf Providern platzieren, Netzwerk aktivieren. Oft nur 40 bis 80 fakturierte Tage – das erste Jahr ist finanziell das schwächste.
Stufe 2
Erste Mandate
Jahr 1 – 3
1.000 – 1.300 €
Zwei bis drei abgeschlossene Mandate mit belastbaren Referenzen. Der Tagessatz steigt mit jedem dokumentierten Ergebnis; Auslastung typisch 80 bis 120 Tage.
Stufe 3
Etabliert
Jahr 3 – 8
1.250 – 1.500 €
Die Marktmitte: stabile Providerbeziehungen, Anschlussmandate ohne Akquiseaufwand, Auslastung von 130 bis 170 Tagen. Hier verdienen 38 Prozent des Marktes.
Stufe 4
Spezialist / Erste Ebene
Jahr 8 – 15
1.500 – 2.000 €
Klare Nische mit knappem Angebot – etwa Carve-out-CFO, Werksanlauf in Osteuropa, ERP-Sanierung. Mandate kommen überwiegend über Empfehlung.
Stufe 5
Organ- & Sanierungsmandate
15+ Jahre
1.800 – 2.500 €+
Bestellung als Geschäftsführer auf Zeit, Verantwortung gegenüber Banken und Gesellschaftern, persönliche Haftung. Nur rund vier Prozent des Marktes erreichen diese Region.

Spezialisierungen im Interim Management

Die Positionierung entscheidet über Tagessatz und Auslastung mehr als jede andere Stellschraube. Provider suchen nicht nach guten Managern, sondern nach exakten Passungen zu einem konkreten Suchprofil. Diese Spezialisierungen sind im deutschsprachigen Markt besonders nachgefragt:

Restrukturierung & Sanierung
Chief Restructuring Officer, IDW-S6-Umfeld, Bankenkommunikation, Insolvenznähe. Höchste Sätze, höchste Belastung.
Carve-out & Post-Merger
Herauslösung von Geschäftsbereichen, Transitional Services, Aufbau eigenständiger Finanz- und IT-Strukturen.
Werks- und Produktionsleitung
Anläufe, Verlagerungen, Qualitätskrisen, Kapazitätsaufbau. Stärkster Einzelbereich im Maschinenbau.
Interim CFO
Liquiditätssteuerung, Reporting-Aufbau, Jahresabschluss unter Zeitdruck, Investorenkommunikation.
Supply Chain & Einkauf
Lieferantenausfälle, Second-Source-Aufbau, Bestandsabbau, Zoll- und Lieferkettenregulatorik.
IT- und ERP-Transformation
S/4HANA-Migrationen, gescheiterte Rollouts, IT-Sicherheitsvorfälle, Aufbau interner IT-Organisationen.
HR & Personalabbau
Interessenausgleich, Sozialplan, Standortschließungen, Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften.
Internationalisierung
Aufbau von Landesgesellschaften, Joint Ventures, Werksgründungen in Osteuropa, Mexiko oder Asien.

Arbeitsmarkt und Zukunftsaussichten

Der deutschsprachige Interim-Markt ist überschaubar und gut vermessen. Die DDIM-Marktstudie 2026 rechnet für Deutschland mit einem Marktvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro und etwa 12.500 aktiven Interim Managern. Die AIMP-Marktstudie kommt für den gesamten DACH-Raum auf 3,09 Milliarden Euro und rund 13.600 Manager, davon 2,4 Milliarden Euro in Deutschland, 400 Millionen Euro in der Schweiz und 260 Millionen Euro in Österreich. Zum Vergleich: Das ist ein Bruchteil des Marktes für klassische Unternehmensberatung – Interim Management bleibt ein Nischenmarkt mit hoher Professionalisierung.

Die konjunkturelle Lage wirkt zweischneidig. Einerseits erzeugt die Industriekrise Bedarf: Restrukturierungen, Standortschließungen und Sanierungen sind klassische Interim-Anlässe. Andererseits sparen Unternehmen in der Krise zuerst an externen Budgets, weshalb die DDIM-Studie für 2025 eine Auslastung von nur 79 Prozent ausweist. Bezeichnend ist die Entwicklung im Automotive-Sektor: Der Anteil der Zulieferer an den Mandaten fiel von 11,6 auf 7,9 Prozent – dort, wo die Krise am tiefsten ist, wird auch am Interim Management gespart. Trotzdem blicken laut DDIM 62 Prozent der befragten Interim Manager vorsichtig optimistisch auf 2026 und planen mit einer Auslastung von 81 Prozent.

Strukturell sprechen mehrere Faktoren für das Modell. Die demografische Entwicklung führt zu unbesetzbaren Führungspositionen, gerade im Mittelstand. Nachfolgeregelungen in eigentümergeführten Unternehmen erzeugen Übergangsphasen, in denen niemand dauerhaft besetzt werden soll. Und die Zahl der Transformationsvorhaben – Energie, Lieferketten, Digitalisierung, Regulatorik – übersteigt die interne Kapazität vieler Unternehmen deutlich. Eine Einordnung der langfristigen Perspektiven verschiedener Berufe bietet die Übersicht zu den Zukunftsaussichten der Berufsbilder.

Einfluss von KI auf das Berufsbild

Der Kern des Interim Managements – in einer fremden Organisation unter Unsicherheit Entscheidungen treffen und durchsetzen – ist schwer automatisierbar. KI verändert aber die Arbeitsweise im Mandat spürbar. Die Analysephase verkürzt sich: Datenauswertungen, Prozessanalysen, Vertragsprüfungen und Marktrecherchen, für die früher ein Analystenteam nötig war, erledigt ein einzelner Manager heute in Tagen. Das erhöht die Erwartung an die Geschwindigkeit der ersten Diagnose und senkt zugleich den Wert reiner Analysekompetenz.

Wo Interim Management durch KI unter Druck gerät, ist der beratungsnahe Rand des Marktes: Mandate, die im Kern aus Konzeptarbeit und Dokumentation bestehen, werden preissensibler. Wo es gewinnt, ist die Umsetzungsseite – Verhandlungen mit Betriebsräten, Bankengespräche, Trennungsgespräche, das Zusammenhalten einer verunsicherten Belegschaft. Zugleich entsteht ein neues Mandatsfeld: KI-Einführung und Datenorganisation sind Transformationsvorhaben, für die vielen Mittelständlern die interne Führungserfahrung fehlt. Wer sein Profil in diese Richtung erweitert, arbeitet gegen den Preisdruck statt dagegen.

Typische Auftraggeber

Anders als bei Festanstellungen ist der Auftraggeber nicht immer das Unternehmen selbst. Häufig beauftragen Gesellschafter, Beiräte, Investoren oder finanzierende Banken – mit entsprechend anderen Loyalitätsverhältnissen im Mandat. Nach AIMP-Daten kommen die Kunden überwiegend aus dem größeren Mittelstand: 29 Prozent beschäftigen 1.000 bis 9.999 Mitarbeitende, 25 Prozent 500 bis 999, 20 Prozent 250 bis 499.

Familienunternehmen
Eigentümergeführter Mittelstand in Nachfolge-, Wachstums- oder Krisensituationen – der größte Einzelmarkt.
Private Equity
Beteiligungsgesellschaften setzen Interim Manager in Portfoliounternehmen ein – für Wertsteigerung, 100-Tage-Pläne und Exit-Vorbereitung.
Konzerne
Vakanzüberbrückung, Carve-outs, Werksverlagerungen und Projekte, für die kein Kopf im Stellenplan vorgesehen ist.
Banken & Gläubiger
Finanzierende Institute verlangen bei Sanierungen häufig die Einsetzung eines externen Restrukturierers als Auflage.
Interim-Provider
Rund 85 spezialisierte Provider in Deutschland vermitteln etwa die Hälfte aller Mandate und sind häufig selbst Vertragspartner.
Start-ups & Scale-ups
Wachstumsunternehmen holen erfahrene CFOs oder COOs auf Zeit, um Strukturen für die nächste Finanzierungsrunde aufzubauen.

Vorteile und Nachteile – ehrlich betrachtet

Interim Management wird in der Selbstdarstellung der Branche häufig als Freiheitsversprechen erzählt. Es ist aber vor allem ein Geschäftsmodell mit deutlichem Eigenrisiko – und für einen Teil derjenigen, die es versuchen, endet es nach zwei bis drei Jahren wieder in einer Festanstellung. Beide Seiten gehören zur Entscheidungsgrundlage.

Dafür spricht
Erfahrung und Alter sind Aktivposten statt Bewerbungshindernis – 87 Prozent der Interim Manager sind über 50.
Kein Bewerbungsmarathon: Mandate entstehen über Provider und Netzwerk, oft binnen ein bis zwei Wochen.
Inhaltliche Abwechslung – mehrere Branchen, Gesellschaftsformen und Problemstellungen pro Jahrzehnt.
Freiheit von interner Politik: Wer nach neun Monaten geht, muss keine Koalitionen pflegen.
Selbstbestimmte Auslastung – planbare Auszeiten zwischen Mandaten sind möglich, wenn die Reserven stimmen.
Kein Renteneintrittsalter: Vier von zehn Interim Managern sind zwischen 60 und 69 Jahre alt.
Dagegen spricht
Einkommensunsicherheit: 79 Prozent Auslastung bedeuten im Schnitt gut zwei mandatsfreie Monate pro Jahr – unbezahlt.
Keine soziale Absicherung: Kranken-, Pflege- und Altersvorsorge vollständig selbst zu tragen, keine Lohnfortzahlung.
Hohe Reisebelastung – Mandate laufen überwiegend in Präsenz, meist mit Wochenpendeln.
Konjunkturabhängigkeit: In der Krise wird an externen Budgets zuerst gespart, wie der Automotive-Rückgang zeigt.
Dauerhafter Vertriebsdruck – Akquise läuft neben dem Mandat, in Abendstunden und an freien Tagen.
Rechtliche Risiken: Scheinselbständigkeit, Organhaftung und Vertragsgestaltung erfordern laufende Sorgfalt.
Rückweg erschwert: Je länger die Selbständigkeit dauert, desto skeptischer bewerten Arbeitgeber eine Rückkehr in Festanstellung.
Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert

Passt Interim Management zu Ihnen?

Der Wechsel von der Festanstellung ins Mandat ist keine Frage der Qualifikation allein – er hängt an Motivstruktur, Risikotoleranz, finanziellem Spielraum und der familiären Situation. Das Profiling Institut prüft mit wissenschaftlicher Diagnostik, ob Ihr Stärken- und Motivprofil zum Leben in Mandaten passt, welche Spezialisierung Ihr Marktwert hergibt – und ob eine Festanstellung für Sie der tragfähigere Weg wäre.

Bohlken Consulting · Executive Search seit über 25 Jahren
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Bohlken Consulting besetzt seit über 25 Jahren Führungspositionen in der Automobil-, Chemie- und Maschinenbauindustrie – vom Werksleiter über den CFO bis zur Geschäftsführung. Gerade dort, wo ein Interim Mandat die Übergangszeit überbrückt, entsteht parallel die Frage nach der dauerhaften Besetzung. Wir kennen beide Seiten des Marktes: die Anforderungen der Auftraggeber und die Profile erfahrener Führungskräfte, die sich zwischen Mandat und Festanstellung entscheiden.
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Beratungsangebote des Profiling Instituts

Der Schritt ins Interim Management wird selten aus einer stabilen Lage heraus gegangen – häufig steht am Anfang eine Trennung, eine Umstrukturierung oder die Erkenntnis, dass die nächste Festanstellung auf sich warten lässt. Diese drei Beratungsformen sind auf genau diese Situation zugeschnitten:

Verwandte Berufsbilder

Interim Management überschneidet sich mit mehreren Führungs- und Beratungsberufen – je nach Schwerpunkt kann eines dieser Profile besser passen:

Häufige Fragen zum Beruf Interim Manager

Der durchschnittliche Tagessatz liegt 2026 laut DDIM-Marktstudie bei 1.317 Euro; die AIMP-Marktstudie 2024/25 nennt für Deutschland 1.338 Euro. Entscheidend ist aber die Auslastung: 2025 wurden im Schnitt 144 Tage fakturiert, für 2026 planen die Befragten mit 154 Tagen. Das ergibt einen Honorarumsatz von etwa 190.000 bis 200.000 Euro im Jahr. Davon gehen Betriebsausgaben, Reisekosten, Versicherungen sowie die vollständige Kranken- und Altersvorsorge ab, sodass rund 120.000 Euro vor Steuern verbleiben. Das entspricht etwa einer Festanstellung mit 100.000 bis 115.000 Euro Jahresbrutto – nicht dem Vielfachen, das die reine Tagessatzrechnung nahelegt.
Der Berater analysiert, konzipiert und empfiehlt – die Entscheidung und die Umsetzung bleiben beim Kunden. Der Interim Manager übernimmt die Linienfunktion selbst: Er hat Weisungsbefugnis, Budgetverantwortung und wird an Ergebnissen gemessen, nicht an Konzepten. Auch die Vergütungslogik unterscheidet sich: Beratungen rechnen über Projektbudgets und Teams ab, Interim Manager über den eigenen Tagessatz. In der Praxis verschwimmen die Grenzen, weil viele Mandate Beratungsanteile enthalten – die AIMP-Studie führt Beratung mit 39 Prozent sogar als zweithäufigste Projektart.
Realistisch sind 130 bis 155 fakturierte Tage. Die DDIM-Marktstudie weist für 2025 eine Auslastung von 79 Prozent aus, was rund 144 Tagen entspricht; die AIMP-Erhebung kommt für 2024 auf 134 Tage im DACH-Raum und 140 Tage in Deutschland. Nur etwa jeder fünfte Interim Manager erreicht mehr als 225 Tage. Im ersten Jahr nach dem Einstieg liegen die Werte deutlich darunter – 40 bis 80 Tage sind typisch, weil Providerbeziehungen und Referenzen erst entstehen müssen. Wer mit 220 Tagen kalkuliert, plant an der Marktrealität vorbei.
Es gibt keinen formalen Zugang. Der DDIM nennt als Voraussetzungen einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation, mehrjährige Führungserfahrung im oberen oder mittleren Management, nachweisbare Projekt- oder Interim-Erfahrung, klar definierte Kernkompetenzen mit Referenzen und einen tragfähigen Businessplan. Praktisch sind drei Schritte entscheidend: erstens eine scharfe Positionierung auf zwei bis drei Themen statt eines Allrounderprofils, zweitens die Registrierung bei zehn bis zwölf spezialisierten Providern mit persönlichem Erstgespräch, drittens ein Liquiditätspuffer für sechs bis zwölf mandatsarme Monate. Bis zum ersten Mandat vergehen typischerweise drei bis neun Monate.
Ja – der Interim-Markt ist einer der wenigen, in denen Alter kein Nachteil ist. Nach AIMP-Daten sind 47 Prozent der Interim Manager zwischen 50 und 59 Jahre alt, weitere 40 Prozent zwischen 60 und 69; der DDIM ordnet rund 81 Prozent in die Spanne von 51 bis 65 Jahren ein. Auftraggeber kaufen bewusst Erfahrung, weil sie keine Einarbeitungszeit bezahlen wollen. Die Einschränkung liegt woanders: Der Aufbau eines tragfähigen Mandatsgeschäfts dauert zwei bis drei Jahre. Wer mit 62 startet, hat weniger Zeit, diese Anlaufphase wieder einzuspielen.
Beides, in dieser Reihenfolge der Bedeutung: Rund die Hälfte der Mandate entsteht über spezialisierte Provider, etwa 37 Prozent über das eigene Netzwerk und rund 12 Prozent über proaktive Eigenakquise. In Deutschland sind mehr als 85 Provider aktiv; die Branchenverbände DDIM und AIMP bündeln Provider und Manager. Für die Vermittlung berechnen Provider üblicherweise 25 bis 35 Prozent des vereinbarten Tagessatzes. Empfehlenswert ist eine Doppelstrategie: Provider liefern Volumen und Zahlungssicherheit, das eigene Netzwerk liefert die besser bezahlten und länger laufenden Mandate.
Es besteht, lässt sich aber gestalten. Kritisch bewertet werden lange Mandate bei nur einem Auftraggeber, feste Arbeitszeiten, Eingliederung in Urlaubs- und Schichtpläne, eine Firmen-E-Mail-Adresse als einziges Arbeitsmittel und Vergütungen auf Festgehaltsniveau. Risikomindernd wirken ein klar umrissener Projektgegenstand mit Laufzeitende, mehrere Auftraggeber pro Jahr, eigene Betriebsmittel und ein Tagessatz, der das unternehmerische Risiko erkennbar einpreist. Bei Bestellung zum Geschäftsführer auf Zeit kommen Organhaftungsfragen hinzu, die eine D&O-Versicherung erfordern. Eine rechtliche Prüfung des konkreten Vertrags ersetzt diese Einordnung nicht.
Möglich, aber mit zunehmender Dauer schwieriger. Etwa fünf Prozent der Mandate münden in eine Übernahme in Festanstellung – meist dann, wenn ein Vakanzmandat gut gelaufen ist und beide Seiten die Zusammenarbeit fortsetzen wollen. Unabhängig davon bewerten Personalverantwortliche längere Selbständigkeitsphasen zunehmend skeptisch, weil sie Bindungsbereitschaft und Anpassung an interne Prozesse hinterfragen. Wer den Rückweg offenhalten will, sollte längere Mandate bei wenigen Auftraggebern gezielt aufbauen und die Selbständigkeit im Lebenslauf als bewusste Karriereentscheidung darstellen, nicht als Überbrückung.
Jan Bohlken – Diplom-Sozioökonom, Gründer Profiling Institut
Autor & Fachexperte
Jan Bohlken
Diplom-Sozioökonom · Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Headhunter (Bohlken Consulting)
Jan Bohlken besetzt seit über 25 Jahren Führungspositionen in der Automobil-, Chemie- und Maschinenbauindustrie und begleitet Führungskräfte in Trennungs- und Umbruchsituationen. In der Beratungspraxis ist Interim Management der häufigste realistische Anschlussweg für erfahrene Manager ab 45, deren Position im Zuge einer Restrukturierung entfallen ist – vorausgesetzt, Positionierung, Providerzugang und finanzielle Reserven werden vorher geplant. Das Profiling Institut ist DIN 33430 zertifiziert und an sieben Standorten bundesweit tätig.
DIN 33430 zertifiziert Diplom-Sozioökonom nfb DGfK dvb 25+ Jahre Executive Search

Passt dieser Beruf zu Ihnen?

Interim Manager ist ein möglicher Weg – ob er zu Ihnen passt, entscheidet sich an drei Dingen: Fähigkeiten, Motiven und finanziellem Spielraum. Wer nach einer Trennung neu ansetzt, findet den strukturierten Rahmen dafür in der Outplacement-Beratung. Wer den Wechsel in Ruhe vorbereitet, startet mit der Beratung zur beruflichen Neuorientierung.