Fernstudium nach dem Studienabbruch: Flexibel zum Bachelor — neben Job, Ausbildung oder Familie
Wer den akademischen Abschluss will, aber das Präsenzformat als Ursache des Abbruchs identifiziert hat, findet im Fernstudium eine zweite Chance: freie Zeiteinteilung, ortsunabhängig und kompatibel mit Berufstätigkeit. Diese Seite vergleicht die wichtigsten Anbieter, Kosten und Zeitmodelle 2026, klärt die BAföG-Frage und zeigt, für welche Persönlichkeitstypen ein Fernstudium tatsächlich passt — und für welche nicht.
| Staatliche Option | Die FernUni Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität, Studiengebühren ab 0 Euro, Materialbezuege 20 bis 50 Euro je Kurs. |
|---|---|
| Private Anbieter | 250 bis 700 Euro im Monat, je nach Zeitmodell. Über die Regelstudienzeit summiert sich das auf 10.000 bis 25.000 Euro. |
| Wert des Abschlusses | Ein Fernstudien-Bachelor ist einem Präsenzabschluss rechtlich gleichwertig. |
| Wichtigstes Risiko | Die Abbruchquote im Fernstudium wird auf über 50 Prozent geschätzt und liegt damit höher als im Präsenzstudium. Eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht. |
| BAföG | Der erstmalige Fachwechsel bis zum vierten Fachsemester bleibt ohne Begründung förderfähig. Teilzeit-Fernstudium ist nicht BAföG-fähig. |
| Weitere Finanzierung | Kindergeld 259 Euro im Monat bis 25 Jahre in der Erstausbildung, Deutschlandstipendium 300 Euro, KfW-Studienkredit bis 650 Euro. |
| ECTS | Bereits erbrachte Leistungen lassen sich anrechnen und verkürzen die Studienzeit. |
| Quelle und Stand | Anbieterangaben 2026, BAföG; Stand dieser Seite: September 2026 |
Was ist ein Fernstudium? Grundprinzip und Abgrenzung
Ein Fernstudium ist ein Studium, bei dem die Lehre überwiegend oder vollständig über digitale Lernplattformen, Studienbriefe, Online-Vorlesungen und virtuelle Tutorien stattfindet — ohne oder mit nur wenigen Präsenzterminen. Der Abschluss (Bachelor oder Master) ist rechtlich identisch mit einem Präsenzabschluss und wird auf dem Arbeitsmarkt gleichwertig anerkannt, sofern der Studiengang akkreditiert ist. Die Prüfungen finden je nach Anbieter an regionalen Prüfungszentren, online unter Aufsicht (Online-Klausur) oder als Hausarbeiten und Projektarbeiten statt.
Für Studienabbrecher ist das Fernstudium dann eine sinnvolle Option, wenn der Abbruchgrund nicht im akademischen Arbeiten selbst lag, sondern im Format des Präsenzstudiums: starre Stundenpläne, die mit Nebenjobs oder persönlichen Umständen kollidieren, die Anonymität großer Vorlesungen, oder die Notwendigkeit, am Hochschulort präsent zu sein. Das Fernstudium löst diese Probleme — aber es erzeugt gleichzeitig ein neues: Es erfordert ein hohes Maß an Selbstorganisation und Eigenmotivation, das nicht jede Persönlichkeit mitbringt.
Die Abgrenzung zu verwandten Formaten: Ein berufsbegleitendes Studium (Abend- oder Wochenendstudium) hat regelmäßige Präsenztermine, ein Fernstudium nicht oder kaum. Ein duales Studium verbindet Theorie und Praxis in einem festen Unternehmen — ein Fernstudium ist davon unabhängig. Beide Formate führen zum selben Abschluss, sprechen aber unterschiedliche Persönlichkeitstypen an. Die Potenzialanalyse nach DIN 33430 klärt, welches Format zur individuellen Persönlichkeitsstruktur passt.
Für wen eignet sich ein Fernstudium nach dem Studienabbruch — und für wen nicht?
Die Abbruchquote im Fernstudium liegt geschätzt bei über 50 Prozent — und damit noch höher als im Präsenzstudium. Der Hauptgrund: Die Freiheit des Formats überfordert viele Studierende, die sich ohne feste Strukturen nicht ausreichend motivieren können. Wer bereits ein Präsenzstudium abgebrochen hat und einen zweiten Abbruch vermeiden will, sollte daher ehrlich prüfen, ob die eigene Persönlichkeit zum Fernstudium-Format passt. Der NEO-PI-R-Persönlichkeitstest misst unter anderem die Dimension Gewissenhaftigkeit (Selbstdisziplin, Pflichtbewusstsein) — ein zuverlässiger Prädiktor für den Erfolg im Fernstudium.
Fernstudium-Anbieter im Vergleich 2026
Der Markt für Fernstudiengänge in Deutschland ist unübersichtlich. Die folgende Tabelle vergleicht die wichtigsten Anbieter für Studienabbrecher — nach Kosten, Studienmodell und Besonderheiten:
| Anbieter | Trägerschaft | Kosten/Monat | Prüfungsformat | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| FernUniversität Hagen | Staatlich | Ca. 20–50 € (Materialbezüge) | Präsenzklausuren an Zentren | Einzige staatl. Fernuni, BAföG-fähig, sehr günstig, hohe Abbrecherquote |
| IU Internationale Hochschule | Privat | 250–500 € | Online-Klausuren oder Präsenz | Größte private Fernhochschule, >200 Studiengänge, flexible Zeitmodelle, ECTS-Anrechnung |
| AKAD University | Privat | 250–450 € | Online-Klausuren | Stark in BWL, Technik, Digitalisierung, Sprint-Studiengänge |
| Euro-FH | Privat | 300–500 € | Präsenz + Online | BWL, Logistik, Psychologie, viele Präsenztermine in Hamburg |
| Wilhelm Büchner Hochschule | Privat | 300–450 € | Online + wenige Präsenz | Stark in Technik und Informatik, gute MINT-Auswahl |
Der entscheidende Unterschied: Die FernUni Hagen ist die einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland und daher nahezu kostenfrei (nur Materialbezüge und Semesterbeiträge). Alle anderen Anbieter sind privat und erheben Studiengebühren zwischen 250 und 700 Euro monatlich. Die Gebühren summieren sich über die Regelstudienzeit auf 10.000 bis 25.000 Euro. Prüfen Sie vor der Entscheidung, ob diese Investition durch die erwartete Gehaltsverbesserung gerechtfertigt ist — oder ob eine kostenfreie Ausbildung mit anschließender Aufstiegsfortbildung den gleichen Karriereeffekt erzielt. Die Berufsberatung beim Profiling Institut hilft, diese Kosten-Nutzen-Abwägung auf Basis Ihrer individuellen Karriereziele zu treffen.
Kosten & Finanzierung: Wie Sie ein Fernstudium finanzieren
BAföG im Fernstudium
Grundsätzlich ist ein Fernstudium BAföG-fähig, wenn es als Vollzeitstudium anerkannt ist und die Hochschule staatlich anerkannt ist. Die FernUni Hagen ist BAföG-fähig; bei privaten Anbietern wie der IU oder AKAD ist BAföG möglich, wenn der Studiengang als Vollzeitstudienvariante gewählt wird. Bei einem Teilzeitstudium entfällt der BAföG-Anspruch. Nach einem Studienabbruch gelten die regulären Fachwechsel-Fristen: Erstmaliger Wechsel bis zum vierten Fachsemester ohne Begründung BAföG-fähig.
Steuerliche Absetzbarkeit
Studiengebühren eines Fernstudiums sind als Werbungskosten (bei einem Zweitstudium oder einer Weiterbildung) oder als Sonderausgaben (bei einem Erststudium, gedeckelt auf 6.000 Euro/Jahr) steuerlich absetzbar. Wer das Fernstudium parallel zur Berufstätigkeit absolviert, kann die gesamten Kosten (Gebühren, Fachliteratur, Arbeitsmittel, Fahrtkosten zu Prüfungszentren) als Werbungskosten geltend machen — ohne Deckelungsobergrenze. Das senkt die effektive Belastung erheblich.
Arbeitgeberförderung
Viele Arbeitgeber unterstützen ein berufsbegleitendes Fernstudium finanziell oder durch Freistellung — insbesondere wenn das Studium fachlich zum Berufsfeld passt. Fragen Sie aktiv nach. Eine vertragliche Vereinbarung (Bindungsklausel: Arbeitgeber übernimmt Kosten, Arbeitnehmer bleibt x Jahre im Unternehmen) ist branchenüblich und oft ein guter Deal.
Weitere Finanzierungsoptionen
Kindergeld (259 Euro/Monat bis 25 Jahre) läuft während eines Fernstudiums weiter, sofern es als Erstausbildung gilt. Das Deutschlandstipendium (300 Euro/Monat) ist auch für Fernstudierende möglich. KfW-Studienkredit (bis 650 Euro/Monat) steht Fernstudierenden ebenfalls offen. Wohngeld ist beantragbar, wenn kein BAföG bezogen wird. Details zu allen Finanzierungsoptionen auf der Folgen-und-Chancen-Seite.
ECTS aus dem abgebrochenen Studium anrechnen
Einer der größten Vorteile des Fernstudiums für Studienabbrecher: Die meisten Fernhochschulen haben etablierte Anrechnungsverfahren für bereits erbrachte Studienleistungen. Besonders die großen privaten Anbieter wie IU und AKAD werben aktiv damit, ECTS-Punkte aus früheren Studiengängen anzurechnen — das verkürzt die Studiendauer und spart Gebühren.
Fordern Sie Ihr Transcript of Records beim Prüfungsamt der ehemaligen Hochschule an und reichen Sie es bei der Fernhochschule Ihrer Wahl ein. Die Prüfung der Anrechenbarkeit erfolgt in der Regel innerhalb weniger Wochen. Bei verwandten Fachrichtungen (z. B. BWL-Abbruch und BWL-Fernstudium) können oft ein bis drei Semester eingespart werden. Auch fachübergreifende Module wie Statistik, wissenschaftliches Arbeiten oder Recht werden häufig anerkannt. Mehr zur ECTS-Übertragung auf der Fachwechsel-Seite.
Fernstudium vs. Präsenzstudium vs. Duales Studium: Der Dreifach-Vergleich
| Kriterium | Fernstudium | Präsenzstudium (Uni/FH) | Duales Studium |
|---|---|---|---|
| Flexibilität | Maximal (freie Zeiteinteilung) | Gering (Stundenplan) | Gering (feste Blöcke) |
| Kosten | 0–700 €/Mon. | Semesterbeitrag (~300 €/Sem.) | Oft 0 (Unternehmen zahlt) |
| Einkommen während | Job parallel möglich | Nur Nebenjob | 800–1.500 €/Mon. |
| Praxisanteil | Minimal | Praktika, Projekte | ~50 % |
| Soziale Einbindung | Gering (Online-Gruppen) | Hoch | Hoch (Unternehmen + Hochschule) |
| Selbstdisziplin-Anforderung | Sehr hoch | Mittel | Mittel (extern strukturiert) |
| Abbruchquote | > 50 % | 28 % (Uni), 19 % (FH) | ~15 % |
| Geeignet für | Selbstdiszipliniert, berufstätig, ortsunabhängig | Akademisch interessiert, sozial orientiert | Praxisorientiert + Abschluss wichtig |
Die Tabelle zeigt: Das Fernstudium bietet maximale Flexibilität, hat aber auch die höchste Abbruchquote. Für Studienabbrecher, die bereits einmal gescheitert sind, ist das ein ernstes Risiko. Die Entscheidung sollte daher nicht aus Bequemlichkeit („Dann mache ich es halt von zu Hause“) getroffen werden, sondern auf einer ehrlichen Analyse der eigenen Persönlichkeitsstruktur basieren. Der Berufswahltest für Erwachsene gibt eine erste Orientierung. Die Studienberatung beim Profiling Institut berät gezielt zur Format-Frage: Präsenz, Fern oder dual — was passt zu Ihrer Persönlichkeit?
Risiken des Fernstudiums nach einem Studienabbruch — und wie Sie sie minimieren
Risiko 1: Zweiter Abbruch
Die geschätzte Abbruchquote im Fernstudium liegt über 50 Prozent. Für Studienabbrecher, die bereits einen Abbruch hinter sich haben, ist die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Abbruchs statistisch erhöht — besonders wenn der erste Abbruch auf mangelnde Motivation oder Selbstorganisation zurückzuführen war. Ein Fernstudium verschärft diese Schwächen, statt sie zu lösen. Gegenmaßnahme: Vor der Einschreibung ehrlich prüfen, ob die eigene Persönlichkeit zum Format passt. Die Potenzialanalyse gibt hierzu eine datenbasierte Einschätzung.
Risiko 2: Hohe Kosten ohne Abschluss
Wer ein privates Fernstudium (250–700 Euro/Monat) beginnt und nach zwei Semestern abbricht, hat 6.000 bis 16.800 Euro investiert — ohne Abschluss. Die FernUni Hagen ist hier deutlich risikoärmer, weil die Kosten minimal sind. Private Anbieter bieten häufig Probemonat oder kürzere Kündigungsfristen an — nutzen Sie diese, um das Format zu testen, bevor Sie sich langfristig binden.
Risiko 3: Isolation und fehlende Netzwerke
Ein Fernstudium bietet kaum soziale Einbindung. Für Studienabbrecher, bei denen der Verlust der studentischen Gemeinschaft zur psychischen Belastung beigetragen hat, kann das Fernstudium die Isolation verstärken statt lösen. Gegenmaßnahme: Suchen Sie aktiv Online-Lerngruppen, nutzen Sie die Präsenztermine (sofern vorhanden) für Netzwerkaufbau, und halten Sie die soziale Einbindung über Arbeit, Sport oder Freiwilligenarbeit aufrecht.
Einen Überblick über alle Alternativen nach dem Studienabbruch — einschließlich Ausbildung, duales Studium und Quereinstieg — finden Sie auf der zentralen Vergleichsseite. Die berufliche Neuorientierung muss nicht zwingend über ein Studium führen: In vielen Branchen sind Ausbildungsabschlüsse mit Aufstiegsfortbildung langfristig ebenso karrierefördernd wie ein Bachelor.
Fernstudium, Ausbildung oder duales Studium? Die Antwort ist persönlich.
Die Potenzialanalyse beim Profiling Institut klärt, welches Format wirklich zu Ihrer Persönlichkeit passt — und ob ein Fernstudium für Sie Chance oder Risiko ist. Zertifiziert nach DIN 33430, persönlich an sieben Standorten.
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