Wie viele Studierende brechen ihr Studium in Deutschland tatsächlich ab? Welche Unterschiede gibt es zwischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften – und in welchen Fächern ist die Studienabbruchquote besonders hoch? Belastbare Statistiken helfen dir, deinen eigenen Studienverlauf besser einzuordnen und Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen.

Auf dieser Seite findest du aktuelle Zahlen und Studien zum Studienabbruch in Deutschland, leicht verständlich aufbereitet – inklusive Grafiken, weiterführenden Quellen und Verweisen auf vertiefende Inhalte rund um Gründe, Folgen und Alternativen zum Studienabbruch.

Wichtig: Statistiken zeigen Trends und Wahrscheinlichkeiten, aber sie entscheiden nicht über deinen persönlichen Weg. Sie können dir Orientierung geben, ersetzen aber nicht deine individuelle Abwägung – zum Beispiel im Rahmen einer Studienberatung für Studienabbrecher.

Studienabbruch in Deutschland: ein Überblick in Zahlen

In der öffentlichen Diskussion ist häufig von „jedem Vierten“ die Rede, der sein Studium ohne Abschluss beendet. Tatsächlich zeigen Auswertungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), dass rund 28 % der Bachelor-Studierenden in Deutschland ihr Studium ohne Abschluss beenden, wenn man den Abschlussjahrgang 2020 und einen pandemiebedingt längeren Studienverbleib berücksichtigt (deutsche Studierende). Die Abbruchquote im Masterstudium liegt mit rund 21 % deutlich niedriger.

Die Zahlen helfen, den eigenen Studienverlauf realistisch einzuordnen: Ein Studienabbruch ist kein Einzelfall, sondern ein verbreitetes Phänomen. Wichtig ist daher weniger, ob jemand abbricht, sondern wie gut der anschließende Weg zu den eigenen Stärken und Zielen passt – dazu findest du vertiefende Hinweise auf den Seiten „Gründe für einen Studienabbruch“ und „Folgen & Chancen nach dem Studienabbruch“.

Studienabbruchquoten im Bachelor- und Masterstudium (Deutschland, Abschlussjahrgang 2020)

Die Balken zeigen die auf Basis des DZHW berechneten Abbruchquoten im Bachelor- und Masterstudium (deutsche Studierende).

Bachelor
28 %
Master
21 %
Quelle: DZHW-Brief „Die Entwicklung der Studienabbruchquoten in Deutschland“, Auswertung auf Basis des Abschlussjahrgangs 2020 (deutsche Studierende).

Unterschiede nach Hochschulart: Universitäten vs. Hochschulen für angewandte Wissenschaften

Die Studienabbruchquote unterscheidet sich deutlich zwischen den Hochschularten. Für den Bachelorbereich zeigen Auswertungen, dass im Abschlussjahrgang 2020 rund 35 % der deutschen Bachelorstudierenden an Universitäten ihr Studium ohne Abschluss beendet haben, während es an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) rund 20 % waren.

Praxisorientierte Studiengänge an HAW weisen insgesamt geringere Abbruchquoten auf, während an Universitäten einzelne Fächergruppen deutlich über dem Durchschnitt liegen. Diese Unterschiede hängen unter anderem zusammen mit:

  • dem unterschiedlichen Fächerprofil von Universitäten und HAW,
  • dem Verhältnis von Theorie und Praxis im Studium,
  • unterschiedlichen Studierendengruppen und Zugangsvoraussetzungen.

Studienabbruchquoten im Bachelor nach Hochschulart (Deutschland, Abschlussjahrgang 2020)

Die Balken vergleichen die Abbruchquoten von Bachelorstudierenden an Universitäten, HAW und den Gesamtwert.

Universitäten
35 %
Hochschulen f. angew. Wiss.
20 %
Gesamt Bachelor
28 %
Quelle: DZHW, Auswertungen der Studienabbruchquoten im Bachelorstudium nach Hochschulart (Abschlussjahrgang 2020, deutsche Studierende).

Studienabbruch nach Fachrichtung: wo ist das Risiko besonders hoch?

Die Abbruchquoten unterscheiden sich nicht nur nach Hochschulart, sondern auch stark nach Fächergruppen. Besonders hohe Werte finden sich laut DZHW-Auswertungen unter anderem in:

  • Mathematik und Naturwissenschaften – an einigen Universitäten mit Abbruchquoten um oder über 50 % im Bachelor,
  • Teilen der Geisteswissenschaften, wo ebenfalls sehr hohe Abbruchquoten berichtet werden,
  • einzelnen ingenieurwissenschaftlichen Fächern.

Deutlich niedriger fallen die Abbruchquoten dagegen in Fächergruppen wie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften aus. Diese Unterschiede zeigen, dass Studienwahl und Studienorganisation einen erheblichen Einfluss auf das Abbruchrisiko haben – ein wichtiges Thema, das auf der Seite „Gründe für einen Studienabbruch“ vertieft wird.

Studienabbruchquoten ausgewählter Fächergruppen (Universitäten, Beispielwerte)

Die Balken illustrieren, wie unterschiedlich hoch die Abbruchquoten in verschiedenen Fächergruppen ausfallen können.

Rechts-, Wirtschafts- & Sozialwissenschaften
≈20 %
Ingenieurwissenschaften
≈30 %
Mathematik, Natur- & Geisteswissenschaften
bis ~50 %
Quelle: Zusammenfassung verschiedener Auswertungen zu Abbruchquoten nach Fächergruppen (u. a. DZHW-Brief 05|2022, Bildungsserver, CHE). Konkrete Werte variieren je nach Fach, Hochschulart und Jahrgang.

Wann brechen Studierende besonders häufig ab?

Statistiken zeigen, dass ein relevanter Teil der Abbrüche bereits in den ersten Semestern stattfindet. Für den Bachelor-Erststudienjahrgang 2019 wird berichtet, dass rund 12 % der Studierenden ihr Studium innerhalb der ersten drei Semester abgebrochen haben. Ein weiterer Teil wechselt Studienfach oder Hochschule, bevor sich ein stabiler Studienverlauf einstellt.

Diese frühen Abbrüche stehen häufig im Zusammenhang mit:

  • falschen Vorstellungen vom Studienfach,
  • fehlender Passung zwischen Anforderungen und individuellen Stärken,
  • Überforderung durch Stoffumfang und Prüfungslast.

Gerade in dieser frühen Phase kann eine Beratung bei Studienabbruch & Studienzweifeln helfen, rechtzeitig gegenzusteuern – sei es durch einen Studienfachwechsel, gezielte Unterstützungsangebote oder eine bewusste Neuorientierung.

Studienabbruch und Fachkräftemangel

Die absoluten Zahlen verdeutlichen die gesellschaftliche Dimension: Hochgerechnet auf die entsprechenden Kohorten verlassen jährlich rund 120.000 bis 130.000 Studierende das Hochschulsystem ohne Abschluss. Angesichts des Fachkräftemangels wird daher intensiv darüber diskutiert, wie Hochschulen und Politik auf hohe Abbruchquoten reagieren sollten – etwa durch bessere Studienorientierung, Mentoring, Tutorien und engere Verknüpfungen zwischen akademischer und beruflicher Bildung.

Gleichzeitig gilt: Ein Studienabbruch ist nicht automatisch „verlorene Zeit“. Viele Studienabbrecher:innen finden über eine Ausbildung, ein duales Studium oder einen neuen Studiengang passgenaue Wege in den Beruf. Eine Übersicht möglicher Perspektiven findest du auf der Seite „Alternativen zum Studium“.

Was die Statistiken für deine Entscheidung bedeuten

Statistiken können Orientierung geben – aber sie sagen nichts darüber, welcher Weg für dich persönlich richtig ist. Einige Impulse für deine Interpretation:

  • Hohe Abbruchquoten in einem Fach können ein Hinweis auf besondere Anforderungen oder strukturelle Probleme sein – aber auch darauf, dass eine gute Vorab-Orientierung besonders wichtig ist.
  • Dass viele Studierende das Studium abbrechen oder wechseln, bedeutet nicht, dass ein Bruch im Lebenslauf „verpönt“ ist – entscheidend ist, wie schlüssig du deine Entscheidungen begründen kannst (siehe „Bewerbung nach dem Studienabbruch“).
  • Wenn du dich in den Zahlen wiederfindest (z. B. frühe Zweifel, Überforderung in bestimmten Fächern), kann eine individuelle Studienberatung für Studienabbrecher:innen helfen, aus einem Statistikfall eine bewusste, gut begründete Entscheidung zu machen.

Weiterführende Quellen und Daten zum Studienabbruch

Wenn du tiefer in die Zahlen einsteigen möchtest, sind unter anderem diese Quellen hilfreich:

Für deine persönliche Situation können diese Daten eine gute Grundlage sein – die eigentliche Entscheidung entsteht jedoch im Zusammenspiel von Zahlen, Selbstreflexion und individueller Beratung.

Häufige Fragen zu Studienabbruch-Statistiken

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