Lokführer/in werden: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Der Kindheitstraum mit harten Fakten: 1.357 bis 1.583 Euro Ausbildungsvergütung, schrittweise 35-Stunden-Woche und massiver Fachkräftemangel. Dafür Schichtdienst, medizinische und psychologische Eignungsprüfung und ein Mindestalter für den Triebfahrzeugführerschein. Wir zeigen Aufgaben, Voraussetzungen und Perspektiven.
Kurzüberblick: Eisenbahner/in im Betriebsdienst – Lokführer/in und Transport
Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport führen Triebfahrzeuge im Personen- und Güterverkehr. Sie prüfen Fahrzeuge vor der Fahrt, rangieren, stellen Züge zusammen, beobachten Signale und Strecke und handeln bei Betriebsstörungen. Seit dem Ausbildungsjahr 2022 ist die Fachrichtung vollständig eigenständig; die frühere Fachrichtung Fahrweg wurde zum eigenen Beruf.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag ist verantwortungsvoll und einsam zugleich: Sie sitzen allein im Führerstand und tragen Verantwortung für Hunderte Fahrgäste oder tonnenschwere Fracht. Die Verantwortung ist mit der eines Piloten vergleichbar – und die Arbeitszeiten liegen dort, wo Züge fahren: rund um die Uhr.
Triebfahrzeuge führen
Züge im Nah-, Fern- oder Güterverkehr sicher, pünktlich und energieeffizient steuern.
Fahrzeuge prüfen
Vor jeder Fahrt Bremsen, Sicherheitseinrichtungen und Funktionen kontrollieren und Bremsproben durchführen.
Rangieren und Züge bilden
Wagen kuppeln, Züge in der erforderlichen Zusammensetzung bereitstellen und Rangierfahrten durchführen.
Signale und Strecke beobachten
Signalbegriffe erfassen, Geschwindigkeiten einhalten und Sicherheitssysteme bedienen.
Bei Störungen handeln
Fehler eingrenzen, Notfallmaßnahmen einleiten, mit der Leitstelle kommunizieren und Fahrgäste informieren.
Dokumentieren
Fahrten, Vorkommnisse und Prüfungen nach den betrieblichen Vorschriften festhalten.
Was den Beruf 2026 attraktiv macht – und welche Hürden es gibt
Der Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn hat den Beruf spürbar aufgewertet: Vereinbart wurde die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche ohne Entgeltreduzierung. Auch Auszubildende profitierten – neben einer deutlichen Erhöhung der Vergütung haben Auszubildende mit Fahrtätigkeit seit August 2024 Anspruch auf die Verpflegungspauschale. Dem stehen klare Zugangshürden gegenüber.
Eignungsuntersuchung
Zum Auswahlprozess gehört eine medizinische und psychologische Eignungsuntersuchung. Geprüft werden unter anderem Seh- und Hörvermögen, Reaktionsvermögen, Konzentration und Belastbarkeit.
Mindestalter für den Führerschein
Der Triebfahrzeugführerschein wird erst ab einem Mindestalter erteilt – in der Regel mit 20 Jahren. Wer sehr früh startet, erwirbt ihn entsprechend am Ende der Ausbildung.
Fachkräftemangel als Chance
Lokführer werden bundesweit dringend gesucht – bei der DB, bei privaten Eisenbahnunternehmen, im S- und U-Bahn-Bereich und bei Industrieunternehmen mit eigener Werksbahn.
Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird
Eisenbahnbetrieb
Regeln für Zug- und Rangierfahrten, Betriebsverfahren und Kommunikation mit der Leitstelle.
Signaltechnik
Signalbegriffe, Sicherungssysteme, Zugbeeinflussung und Verhalten bei Störungen.
Fahrzeugtechnik
Aufbau und Funktion von Triebfahrzeugen, Bremssysteme, Bremsproben und Fehlersuche.
Fahrpraxis
Schulung auf Simulatoren und auf echten Strecken mit unterschiedlichen Zugtypen.
Rangieren und Zugbildung
Kuppeln, Wagenreihung, Bremsberechnung und Bereitstellung von Zügen.
Rechtliche Grundlagen
Eisenbahnrecht, Sicherheitsvorschriften, Arbeits- und Ruhezeiten.
Notfallmanagement
Verhalten bei Unfällen, Personenschäden und technischen Störungen einschließlich Nachsorge.
Energieeffizientes Fahren
Fahrweise, die Energie spart und Verschleiß reduziert – zunehmend wichtiger Ausbildungsinhalt.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Konzentration über lange Zeiträume, absolute Regeltreue und die Fähigkeit, allein zu arbeiten. Hinzu kommt eine besondere Belastung, über die selten gesprochen wird: die mögliche Konfrontation mit Personenschäden im Gleis. Genau diese Passungsfrage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. In einer Berufsberatung wird sie mit wissenschaftlich validierten Verfahren geprüft – bevor eine Bewerbung geschrieben wird.
Formale Voraussetzungen
- Mindestens ein Realschulabschluss wird in der Regel erwartet
- Gute Noten in Mathematik und Physik
- Medizinische und psychologische Eignungsuntersuchung
- Mindestalter für den Triebfahrzeugführerschein beachten
- Uneingeschränktes Farbsehen für Signalerkennung
- Bereitschaft zu Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst
Persönliche Eigenschaften
- Dauerhafte Konzentration – auch nach Stunden am Steuer
- Absolute Regeltreue bei Signalen und Vorschriften
- Ruhe und Entscheidungsfähigkeit in Notfallsituationen
- Bereitschaft, allein zu arbeiten
- Zuverlässigkeit bei Schichtplanung
- Psychische Belastbarkeit bei Extremereignissen
RIASEC-Profil: RCI – Realistic · Conventional · Investigative
Der Beruf verbindet praktisch-technisches Bedienen von Fahrzeugen (R) mit strikt vorschriftengebundener Arbeitsweise (C) und technischer Fehleranalyse bei Störungen (I).
Das C ist im Bahnbetrieb sicherheitsrelevant: Vorschriften werden nicht abgewogen, sondern befolgt. Wer eigene Wege sucht, ist hier fehl am Platz. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Fahren oder steuern?
Lokführer fährt den Zug, die Zugverkehrssteuerung lenkt den Verkehr. Beide Berufe sind seit 2022 getrennt. Der Berufswahltest hilft weiter.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Die Vergütung gehört zu den höchsten überhaupt. Eine aktuelle Ausschreibung der Deutschen Bahn für den Ausbildungsstart 2026 nennt 1.357 bis 1.583 Euro monatlich je nach Ausbildungsjahr – deutlich über der gesetzlichen Mindestvergütung.
Vergütung und Rahmenbedingungen
Maßgeblich sind die Tarifverträge der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Unternehmen, die keinem dieser Tarifwerke angehören, sind nicht daran gebunden und können abweichend vergüten – fragen Sie bei privaten Eisenbahnunternehmen gezielt nach der Tarifbindung.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung liegt das Einkommen im oberen Bereich der gewerblich-technischen Berufe. Zur Grundvergütung kommen Schicht-, Nacht-, Sonntags- und Feiertagszuschläge, die das Nettoeinkommen erheblich erhöhen. Der Fachkräftemangel ist ausgeprägt: Lokführer werden bundesweit gesucht, auch von privaten Eisenbahnunternehmen und Industrieunternehmen mit eigener Werksbahn.
Ausbildungsablauf: Theorie, Simulator, Führerstand
Die dreijährige Ausbildung beginnt mit einer fundierten theoretischen Grundausbildung und führt über Simulatorschulungen zu Fahrten auf echten Strecken.
Theoretische Grundausbildung
Eisenbahnbetrieb, Sicherheitsvorschriften, Signaltechnik und rechtliche Grundlagen.
Fahrzeugtechnik und Rangieren
Triebfahrzeugkunde, Bremstechnik, Rangierfahrten, Zugbildung und erste Simulatorschulungen.
Etwa nach der Hälfte
Schriftliche und praktische Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Fahrpraxis
Begleitete Fahrten auf echten Strecken mit verschiedenen Zugtypen, Notfallmanagement und Streckenkunde.
Prüfung und Führerschein
Abschlussprüfung sowie Erwerb des Triebfahrzeugführerscheins bei Erreichen des Mindestalters.
Karrierewege: Ausbilden, disponieren, studieren
Der Beruf bietet mehrere Richtungen: fachliche Vertiefung über zusätzliche Fahrzeug- und Streckenberechtigungen, den Wechsel in Ausbildung und Disposition – und damit auch eine körperlich und zeitlich entlastende Perspektive. Weil diese Wege sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, lohnt eine frühe Standortbestimmung – etwa in einer Berufsberatung mit diagnostischer Grundlage.
Fachlich erweitern
Zusätzliche Berechtigungen erhöhen Einsatzbreite und Vergütung.
- Weitere Fahrzeugbaureihen
- Zusätzliche Streckenkenntnis
- Gefahrgutbeförderung
- Rangierbegleitung und Wagenprüfung
Ausbilden und begleiten
Erfahrene Lokführer werden dringend als Ausbilder gebraucht.
- Lehrlokführer/in
- Ausbildereignung (AEVO)
- Prüfer im Betriebsdienst
- Simulatortraining
Ins Büro wechseln
Betriebserfahrung ist in Steuerung und Planung sehr gefragt.
- Disposition und Leitstelle
- Fahrplanung
- Betriebsplanung
- Sicherheitsmanagement
Fortbildung und Studium
Auch akademische Wege stehen offen.
- Meister/in für Bahnverkehr
- Fachwirt/in Bahnbetrieb
- B.Eng. Verkehrsingenieurwesen
- Eisenbahnwesen
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Wirtschaftlich einer der stärksten Ausbildungsberufe überhaupt – mit Belastungen, die man vorher kennen sollte.
Was für den Beruf spricht
- Sehr hohe Ausbildungsvergütung von 1.357 bis 1.583 €
- Schrittweise 35-Stunden-Woche ohne Entgeltreduzierung
- Massiver Fachkräftemangel sichert die Nachfrage
- Hohe Verantwortung und gesellschaftliche Relevanz
- Zuschläge erhöhen das Nettoeinkommen deutlich
- Verkürzung auf zwei Jahre möglich
Was Sie wissen sollten
- Schicht-, Nacht- und Wochenenddienst ist die Regel
- Medizinische und psychologische Eignungsprüfung als Hürde
- Mindestalter für den Triebfahrzeugführerschein
- Lange Phasen allein im Führerstand
- Mögliche Konfrontation mit Personenschäden
- Unregelmäßige Zeiten belasten das Privatleben
Lokführer vs. Zugverkehrssteuerung vs. Fachkraft im Fahrbetrieb
Drei Verkehrsberufe mit hoher Verantwortung – und sehr unterschiedlichem Arbeitsplatz.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Bei kaum einem Beruf klaffen Kindheitstraum und Realität so weit auseinander – und trotzdem lohnt er sich. Die Zahlen sind außergewöhnlich: 1.357 bis 1.583 Euro Ausbildungsvergütung, schrittweise 35-Stunden-Woche, massiver Fachkräftemangel. Die Realität heißt aber auch Schichtdienst, Nachtfahrten und viel Zeit allein. Wer das ehrlich mit Ja beantwortet, findet einen der wirtschaftlich stärksten Ausbildungsberufe überhaupt.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Ich spreche bei diesem Beruf immer ein Thema an, das gern vermieden wird: die mögliche Konfrontation mit Personenschäden im Gleis. Das ist selten, aber real, und Lokführer sind darauf angewiesen, dass ihr Unternehmen professionelle Nachsorge bietet. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch danach. Wer weiß, dass es Unterstützung gibt, trägt diese Verantwortung deutlich leichter.“
Eisenbahner/in im Betriebsdienst – Lokführer/in und Transport – FAQ
Seit dem Ausbildungsjahr 2022 sind die früheren Fachrichtungen des Eisenbahners im Betriebsdienst vollständig voneinander getrennt. Zuvor differenzierten sich die Lerninhalte nach der Ausbildungsordnung von 2004 erst im Verlauf der Ausbildung. Heute gibt es zwei eigenständige Berufe: den Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport und den Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung mit eigener Ausbildungsverordnung. Die frühere Bezeichnung „Fachrichtung Fahrweg“ wird nicht mehr verwendet.
Sehr gut. Eine aktuelle Ausschreibung der Deutschen Bahn für den Ausbildungsstart 2026 nennt 1.357 bis 1.583 Euro monatlich je nach Ausbildungsjahr. Hinzu kommt seit August 2024 für Auszubildende mit Fahrtätigkeit ein Anspruch auf die Verpflegungspauschale. Maßgeblich sind die Tarifverträge von GDL und EVG; nicht tarifgebundene private Unternehmen können abweichen.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Sie darf nie unterschritten werden. Die tarifgebundenen Verkehrsunternehmen zahlen deutlich darüber.
In der Regel mindestens einen Realschulabschluss. Hinzu kommt eine medizinische und psychologische Eignungsuntersuchung im Auswahlprozess – geprüft werden unter anderem Seh- und Hörvermögen, Farbsehen, Reaktionsvermögen und Belastbarkeit. Der Triebfahrzeugführerschein wird zudem erst ab einem Mindestalter erteilt, in der Regel mit 20 Jahren.
Der Tarifabschluss bei der Deutschen Bahn sieht die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche ohne Entgeltreduzierung vor – ein historischer Abschluss für die Branche. Für einen Schichtberuf mit Nacht- und Wochenenddiensten ist das ein erheblicher Gewinn an Lebensqualität. Auszubildende profitierten zusätzlich von einer deutlichen Vergütungserhöhung.
Deutlich. Züge fahren rund um die Uhr, deshalb sind Schicht-, Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste die Regel. Dafür gibt es Zuschläge, die das Nettoeinkommen spürbar erhöhen. Wer Familie plant, sollte diese Frage früh ehrlich prüfen – die schrittweise Arbeitszeitverkürzung verbessert die Lage, hebt den Schichtcharakter aber nicht auf.
Ja. Die Regeldauer beträgt drei Jahre, eine Verkürzung auf bis zu zwei Jahre ist bei entsprechender Vorbildung oder guten Leistungen möglich. Beachten Sie dabei das Mindestalter für den Triebfahrzeugführerschein – wer sehr früh beginnt und verkürzt, kann den Schein erst zum spätestmöglichen Zeitpunkt erwerben.
Außergewöhnlich sicher. Lokführer werden bundesweit dringend gesucht – bei der Deutschen Bahn, bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen, im S- und U-Bahn-Bereich sowie bei Industrieunternehmen mit eigener Werksbahn, etwa in der Stahlindustrie. Die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene verstärkt den Bedarf zusätzlich.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Spitzenvergütung und hohe Verantwortung – bei Schichtdienst und strenger Eignungsprüfung. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Ausbildungsverordnung Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport; seit dem Ausbildungsjahr 2022 sind die Fachrichtungen vollständig getrennt.
- Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz vom 17.12.2021 für Eisenbahner im Betriebsdienst Lokführer und Transport sowie Eisenbahner in der Zugverkehrssteuerung.
- Tarifabschluss Deutsche Bahn: schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche ohne Entgeltreduzierung; Verpflegungspauschale für Auszubildende mit Fahrtätigkeit ab August 2024 (GDL).
- Ausbildungsausschreibung der Deutschen Bahn für 2026: Vergütung zwischen 1.357 und 1.583 € je nach Ausbildungsjahr; medizinische und psychologische Eignungsuntersuchung im Auswahlprozess.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.
- Hinweis: Nicht tarifgebundene private Eisenbahnunternehmen können von den Tarifvergütungen abweichen.