Fachkraft für Gastronomie: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Der Beruf hieß bis 2022 Fachkraft im Gastgewerbe – und wurde nicht nur umbenannt, sondern umstrukturiert: Neu sind die zwei Schwerpunkte Restaurantservice und Systemgastronomie. Nach zwei Jahren lässt sich ein drittes Jahr anhängen. Wir zeigen Aufgaben, Schwerpunktwahl und den Weg zum vollen Abschluss.
Kurzüberblick: Fachkraft für Gastronomie
Fachkräfte für Gastronomie betreuen Gäste und sichern den Serviceablauf: Sie decken ein, servieren Speisen und Getränke, beraten, kassieren und wirken bei der Vorbereitung mit. Der Beruf hieß bis 2022 Fachkraft im Gastgewerbe und wurde mit der Neuordnung umstrukturiert – neu sind die Schwerpunkte Restaurantservice und Systemgastronomie.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag spielt sich am Gast ab – und unter Zeitdruck. Im Service zählen Tempo, Übersicht und Freundlichkeit gleichzeitig: mehrere Tische im Blick behalten, Bestellungen korrekt aufnehmen und trotzdem zugewandt bleiben. Je nach Schwerpunkt unterscheidet sich das Tempo erheblich.
Gäste betreuen
Empfangen, platzieren, beraten und auf Wünsche eingehen – die Kernleistung des Berufs.
Servieren und eindecken
Tische vorbereiten, Speisen und Getränke fachgerecht servieren und abräumen.
Bestellungen aufnehmen
Bestellungen korrekt erfassen, an die Küche weitergeben und Sonderwünsche klären.
Kassieren und abrechnen
Rechnungen erstellen, Zahlungsarten bearbeiten und die Kasse abrechnen.
Vorbereitung sichern
Mise en place, Warenannahme, Lagerpflege und Sauberkeit im Servicebereich.
Hygiene einhalten
Vorgaben zu Lebensmittelhygiene, Allergenkennzeichnung und Eigenkontrollen umsetzen.
Umbenannt – und um zwei Schwerpunkte erweitert
Der bisherige Beruf Fachkraft im Gastgewerbe wurde umstrukturiert und heißt seit dem 1. August 2022 Fachkraft für Gastronomie. Die wichtigste inhaltliche Änderung: Auszubildende wählen zwischen den Schwerpunkten Restaurantservice und Systemgastronomie. Damit gewinnt die zweijährige Ausbildung an Profil und Anschlussfähigkeit.
Zwei Schwerpunkte zur Wahl
Restaurantservice zielt auf klassische Gastronomie und Hotellerie, Systemgastronomie auf standardisierte Konzepte mit hohem Durchsatz. Die Wahl prägt Alltag und Anschluss.
Modularer Aufbau
Nach zwei Jahren kann ein drittes Jahr angehängt werden – zum Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie oder zum Fachmann für Systemgastronomie. Bei Vereinbarung sind die kompletten 24 Monate anrechenbar.
Schwerpunkt und Anschluss passen zusammen
Optimal vorbereitet ist, wer bereits den entsprechenden Schwerpunkt absolviert hat – zwingend ist das aber nicht.
Ausbildungsinhalte: Was in den zwei Jahren vermittelt wird
Servicetechniken
Eindecken, Servieren, Abräumen, Tragetechniken und Arbeitssicherheit im Service.
Gastorientierung
Empfang, Beratung, Umgang mit Wünschen und Beschwerden.
Speisen- und Getränkekunde
Angebotskenntnis, Empfehlungen, Allergene und Kennzeichnungspflichten.
Kasse und Abrechnung
Rechnungsstellung, Zahlungsarten, Kassensysteme und Abrechnung.
Hygiene
Lebensmittelhygiene, Eigenkontrollen, Reinigung und Dokumentation.
Warenwirtschaft
Warenannahme, Lagerung, Bestandspflege und Vermeidung von Verlusten.
Schwerpunkt Restaurantservice
Gehobener Service, Getränkeberatung, Veranstaltungen und Gastgeberrolle.
Schwerpunkt Systemgastronomie
Standardisierte Abläufe, Durchsatzsteuerung, Qualitätsstandards und Kennzahlen.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Freude am Gast, Tempo und Belastbarkeit. Wichtig ist die realistische Einordnung: Als Endqualifikation bleiben Verantwortung und Verdienst begrenzt – das dritte Jahr lohnt sich fast immer. Ob Ihr Interessen- und Fähigkeitsprofil tatsächlich zu diesen Anforderungen passt, lässt sich in einer Berufsberatung objektiv klären – mit validierten Testverfahren statt mit Bauchgefühl.
Formale Voraussetzungen
- Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben
- Der Beruf ist bewusst niedrigschwellig angelegt
- Gesundheitszeugnis nach Infektionsschutzgesetz
- Körperliche Belastbarkeit für langes Stehen und Gehen
- Gepflegtes Auftreten und Freundlichkeit
- Bereitschaft zu Abend- und Wochenendarbeit
Persönliche Eigenschaften
- Freundlichkeit unter Zeitdruck – auch bei vollem Haus
- Übersicht über mehrere Tische gleichzeitig
- Merkfähigkeit für Bestellungen und Angebot
- Belastbarkeit bei langem Stehen und Gehen
- Teamfähigkeit zwischen Service und Küche
- Motivation, gegebenenfalls das dritte Jahr anzuhängen
RIASEC-Profil: SEC – Social · Enterprising · Conventional
Der Beruf führt mit direkter Gastbetreuung (S), verbindet sie mit verkaufsorientiertem Empfehlen (E) und standardgebundener, abrechnungsgenauer Arbeitsweise (C).
Im Schwerpunkt Systemgastronomie ist das C stärker ausgeprägt, im Restaurantservice das S – die Schwerpunktwahl passt also zum eigenen Profil. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Welcher Schwerpunkt passt?
Restaurantservice oder Systemgastronomie: zwei sehr unterschiedliche Arbeitswelten. Der Berufswahltest hilft bei der Wahl.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Auch für diesen Beruf gilt der allgemeinverbindliche Tarifvertrag des Hotel- und Gaststättengewerbes, rückwirkend zum 1. August 2024 mit erhöhten Ausbildungsvergütungen.
Zwei Jahre gegen drei Jahre
Die Anrechnung der kompletten 24 Monate ist möglich, wenn sie zwischen Auszubildendem und Ausbildungsbetrieb vereinbart wird – sie ist ausdrücklich kein Muss. Klären Sie das vor Vertragsabschluss schriftlich; es entscheidet über Ihre weitere Perspektive.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Als Endqualifikation liegt das Einkommen im unteren Bereich. Der wirtschaftlich entscheidende Schritt ist das angehängte dritte Jahr zum Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie oder zur Systemgastronomie. Wer nicht anschließt, findet die besten Bedingungen in Betriebsgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung mit planbareren Arbeitszeiten.
Ausbildungsablauf: Zwei Jahre mit Schwerpunkt
Die zweijährige Ausbildung ist praxisnah aufgebaut. Die Zwischenprüfung findet bereits nach zwölf Monaten statt.
Servicegrundlagen
Eindecken, Servieren, Gastorientierung, Speisen- und Getränkekunde, Hygiene und Kasse.
Nach 12 Monaten
Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.
Schwerpunkt und Eigenständigkeit
Vertiefung in Restaurantservice oder Systemgastronomie, eigenständige Stationen.
IHK-Prüfung
Praktische Aufgabe mit Gastgespräch sowie schriftliche Teile.
Drittes Ausbildungsjahr
Zum ReVa oder zur Systemgastronomie, bei Vereinbarung mit voller Anrechnung.
Karrierewege: Drittes Jahr und Schwerpunktwahl
Der Beruf ist als Modul konzipiert. Der entscheidende Schritt ist das dritte Jahr – und die Schwerpunktwahl bestimmt, welcher Abschluss dann naheliegt. Welcher dieser Wege zu Ihnen passt, hängt von Interessen, Belastbarkeit und Lebensplanung ab – und genau das ist Gegenstand einer Berufsberatung.
Drittes Jahr anhängen
Der planmäßige und wirtschaftlich entscheidende Schritt.
- Fachmann/-frau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie
- Fachmann/-frau für Systemgastronomie
- Anrechnung der 24 Monate vereinbaren
- Wechsel des Schwerpunkts möglich
Schwerpunkt nutzen
Die beiden Welten unterscheiden sich deutlich.
- Restaurantservice: gehobene Gastronomie
- Systemgastronomie: standardisierte Konzepte
- Bankett und Veranstaltungen
- Betriebsgastronomie mit Tagesdienst
Verantwortung übernehmen
In der Systemgastronomie besonders schnell erreichbar.
- Schichtleitung
- Stationsverantwortung
- Einarbeitung neuer Kräfte
- Qualitätssicherung
Langfristig
Nach dem dreijährigen Abschluss stehen alle Wege offen.
- Restaurantmeister/in
- Geprüfte/r Betriebswirt/in
- Storemanagement
- Selbstständigkeit
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Ein niedrigschwelliger Einstieg mit neuer Schwerpunktwahl – wirtschaftlich tragfähig vor allem mit angehängtem drittem Jahr.
Was für den Beruf spricht
- Zugang ohne bestimmten Schulabschluss
- Seit 2022 zwei Schwerpunkte zur Wahl
- Bis zu 24 Monate anrechenbar auf die dreijährigen Berufe
- Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag seit 2024
- Sehr viele Ausbildungsplätze bundesweit
- Schnelle Verantwortung in der Systemgastronomie
Was Sie wissen sollten
- Als Endqualifikation begrenzt in Verantwortung und Verdienst
- Anrechnung ist Vereinbarungssache, kein Automatismus
- Abend-, Wochenend- und Feiertagsarbeit ist die Regel
- Körperlich fordernd durch langes Stehen und Gehen
- Hoher Zeitdruck bei vollem Haus
- Hohe Fluktuation in der Branche
Fachkraft für Gastronomie vs. ReVa vs. Fachkraft Küche
Die zweijährigen und dreijährigen Gastronomiewege seit 2022.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Zwei Dinge sind bei diesem Beruf wichtig. Erstens der Name: Fachkraft im Gastgewerbe heißt seit 2022 Fachkraft für Gastronomie. Zweitens die Schwerpunktwahl – Restaurantservice und Systemgastronomie sind zwei sehr verschiedene Arbeitswelten. Wer den passenden Schwerpunkt wählt, ist optimal auf das dritte Jahr vorbereitet. Und wie immer bei den zweijährigen Berufen: Anrechnung schriftlich vereinbaren, sie ist kein Automatismus.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Im Service zeigt sich sehr schnell, ob jemand Menschen mag. Sie stehen bei vollem Haus zwischen zehn Tischen, die Küche ist im Verzug, und ein Gast wird ungeduldig – und Sie müssen trotzdem freundlich bleiben. Wer daraus Energie zieht, weil ihm der Kontakt Spaß macht, blüht auf. Wer ihn als Belastung erlebt, erschöpft sich schnell. Ein Praktikum klärt das zuverlässiger als jedes Gespräch.“
Fachkraft für Gastronomie – FAQ
Ja. Bis zum 31. Juli 2022 hieß er Fachkraft im Gastgewerbe. Mit der Neuordnung wurde er nicht nur umbenannt, sondern umstrukturiert: Neu sind die beiden Schwerpunkte Restaurantservice und Systemgastronomie. Damit gewann die zweijährige Ausbildung an Profil und Anschlussfähigkeit.
Zum 1. August 2022 wurden die gastgewerblichen Berufe erstmals seit über zwanzig Jahren neu geordnet – seither gibt es sieben statt sechs Ausbildungsberufe. Neu geschaffen wurde die Fachkraft Küche als erster zweijähriger Küchenberuf. Umbenannt wurden: Fachkraft im Gastgewerbe zur Fachkraft für Gastronomie, Restaurantfachmann zum Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie und Hotelkaufmann zum Kaufmann für Hotelmanagement. Koch, Hotelfachmann und Fachmann für Systemgastronomie behielten ihre Bezeichnung, wurden aber inhaltlich modernisiert. Übergangsregeln gibt es nicht: Alle Verträge ab dem 1. August 2022 fallen automatisch unter die neue Verordnung.
Das hängt vom gewünschten Umfeld ab. Restaurantservice zielt auf klassische Gastronomie und Hotellerie mit individueller Gastbetreuung. Systemgastronomie arbeitet mit standardisierten Konzepten, hohem Durchsatz und starker Kennzahlensteuerung. Wichtig: Der Schwerpunkt bereitet optimal auf den entsprechenden dreijährigen Anschlussberuf vor – zwingend ist diese Kombination aber nicht.
Ja – dafür ist der Beruf konzipiert. Nach erfolgreichem Abschluss kann ein drittes Ausbildungsjahr angehängt werden, um Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie oder Fachmann für Systemgastronomie zu werden. Bei Vereinbarung zwischen Auszubildendem und Betrieb können die kompletten 24 Monate angerechnet werden – das ist allerdings kein Muss.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Hotel- und Gaststättengewerbe gilt zusätzlich ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag, der rückwirkend zum 1. August 2024 die Ausbildungsvergütungen erhöht hat.
Nur eingeschränkt. Als Endabschluss bleibt die Tätigkeit ausführend, und Verantwortung wie Verdienst bleiben unter den dreijährigen Berufen. Der Beruf ist ausdrücklich als Modul mit Anschlussperspektive gedacht. Wer nicht anschließt, sollte gezielt in Betriebsgastronomie oder Gemeinschaftsverpflegung gehen – dort sind die Arbeitszeiten deutlich planbarer.
Unregelmäßig. In der Gastronomie sind Abend-, Wochenend- und Feiertagsarbeit die Regel, häufig in geteilten Diensten. Im Schwerpunkt Systemgastronomie ist der Betrieb oft durchgehend, dafür stärker in festen Schichten organisiert. Planbarer sind Betriebsgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung mit Tagesdienst – diese Betriebsformen werden bei der Suche oft übersehen.
Bereits nach zwölf Monaten – also nach der Hälfte der Ausbildungszeit. Das ist bei zweijährigen Berufen üblich und bedeutet, dass die Grundlagen früh sitzen müssen. Die Abschlussprüfung am Ende umfasst eine praktische Aufgabe mit Gastgespräch sowie schriftliche Teile.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein niedrigschwelliger Einstieg mit Schwerpunktwahl – und einer Perspektive, die vom dritten Jahr abhängt. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Verordnung über die Berufsausbildung zur Fachkraft für Gastronomie, veröffentlicht am 14.03.2022 im Bundesgesetzblatt, in Kraft seit 01.08.2022; Nachfolge der Fachkraft im Gastgewerbe.
- Zwei Schwerpunkte: Restaurantservice und Systemgastronomie; die Wahl bereitet auf den entsprechenden dreijährigen Anschlussberuf vor, ist dafür aber nicht zwingend.
- Modularer Aufbau: Anschluss an Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie oder Fachmann für Systemgastronomie; bei Vereinbarung sind die kompletten 24 Monate anrechenbar – kein Muss.
- Zwischenprüfung nach 12 Monaten gemäß Ausbildungsordnung.
- Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag im Hotel- und Gaststättengewerbe, rückwirkend zum 01.08.2024.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 € für zweijährige Ausbildungen).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.