Duale Ausbildung · 3 Jahre · HWKMeisterpflicht seit 2020 · Werbetechnik

Schilder- und Lichtreklamehersteller/in: Ausbildung und Karriere

Jede Leuchtschrift, jedes Firmenschild, jede Fahrzeugbeschriftung entsteht in einem Werbetechnikbetrieb. Schilder- und Lichtreklameherstellerinnen und -hersteller gestalten, fertigen und montieren sie – zwischen Grafikprogramm, Werkstatt und Hubarbeitsbühne.

3 Jahre
Duale Ausbildung im Handwerk
Meisterpflicht
Wieder zulassungspflichtig seit 2020
LED
Hat die Leuchtreklame verändert
ARC
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Schilder- und Lichtreklamehersteller/in

Schilder- und Lichtreklameherstellerinnen und -hersteller fertigen Werbeanlagen und Beschriftungen: Sie setzen Entwürfe grafisch um, plotten und schneiden Folien, bearbeiten Kunststoff und Metall, bauen Leuchtkästen und Buchstaben mit LED-Technik, verdrahten sie, montieren am Gebäude und beschriften Fahrzeuge.

Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
LernortWerbetechnikbetrieb plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG, zulassungspflichtiges Handwerk
AbschlussGesellenprüfung vor der Handwerkskammer
VergütungBetrieblich vereinbart
EinsatzorteWerbetechnik, Messebau, Fahrzeugbeschriftung, Objektbeschilderung
ZugangMeist mittlerer Schulabschluss
PerspektiveMeister, eigener Betrieb, Gestaltung
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Beruf verbindet Gestaltung, Fertigung und Montage: Am Rechner wird die Vorlage aufbereitet, in der Werkstatt gefertigt – und dann geht es mit der Hubarbeitsbühne an die Fassade. Diese Mischung macht ihn ungewöhnlich abwechslungsreich.

01

Entwürfe umsetzen

Vorlagen aufbereiten, vektorisieren, Maße und Schriften festlegen.

02

Folien plotten und verkleben

Schneiden, entgittern, übertragen und blasenfrei aufziehen.

03

Werkstoffe bearbeiten

Acrylglas, Aluminium und Verbundplatten schneiden, fräsen und kanten.

04

Leuchtwerbung bauen

Buchstaben und Kästen fertigen, LED-Technik einbauen und verdrahten.

05

Montieren

Anlagen am Gebäude befestigen, ausrichten und elektrisch anschließen.

06

Fahrzeuge beschriften

Folien auf Karosserien anpassen, verlegen und versiegeln.

Technikwandel

Wie LED die Leuchtreklame verändert hat

Früher wurde Leuchtreklame mit Neonröhren gebaut – heute dominiert LED-Technik: sparsamer, wartungsärmer und flexibler in der Gestaltung. Damit ist der Beruf technischer geworden: Netzteile, Ansteuerung, Schutzarten und elektrische Sicherheit gehören zum Alltag.

Meisterpflicht seit 2020

Das Gewerk gehörte bis 2020 zu den zulassungsfreien Handwerken. Seit dem 14. Februar 2020 ist es wieder zulassungspflichtig – auch weil an Gebäuden montiert und elektrisch angeschlossen wird.

Digitaldruck erweitert das Feld

Großformatiger Digitaldruck auf Folien, Planen und Platten hat das Angebot erweitert. Wer Druck, Folientechnik und Montage beherrscht, deckt die gesamte Wertschöpfung ab.

Fahrzeugbeschriftung als Standbein

Firmenfahrzeuge zu bekleben ist ein beständiges Geschäft – anspruchsvoll, weil Folien über Wölbungen und Sicken gelegt werden müssen, ohne Blasen oder Verzug.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Gestaltung, Werkstoffbearbeitung und Elektrotechnik mit Montage.
01

Gestaltung und Schrift

Schriftarten, Proportion, Farbwirkung und Lesbarkeit auf Distanz.

02

Digitale Aufbereitung

Vektorisierung, Datenformate, Plotter- und Drucksteuerung.

03

Folientechnik

Folienarten, Plotten, Entgittern, Verkleben und Versiegeln.

04

Werkstoffbearbeitung

Acrylglas, Aluminium, Verbundplatten, Fräsen, Kanten und Kleben.

05

Leuchttechnik

LED-Module, Netzteile, Ansteuerung, Schutzarten und Wärme.

06

Elektrotechnik

Anschluss, Schutzmaßnahmen, Leitungsführung und Prüfung.

07

Montage

Befestigung, Untergründe, Statik, Höhenarbeit und Absicherung.

08

Recht und Kunde

Genehmigungen, Werberecht, Beratung, Aufmaß und Kalkulation.

Selbstcheck

Passt der Beruf zu mir?

Der Beruf verlangt Gestaltungssinn, handwerkliches Geschick und technisches Verständnis. Wer Kreatives und Technisches verbinden will, findet ein vielseitiges Handwerk. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.

Formale Voraussetzungen

  • Meist mittlerer Schulabschluss erwartet
  • Gestaltungssinn und Auge für Schrift
  • Sicherer Umgang mit dem Computer
  • Schwindelfreiheit für Montagearbeiten
  • Normales Farbsehen
  • Sorgfältiges, ruhiges Arbeiten

Persönliche Eigenschaften

  • Gestaltungssinn für Schrift und Proportion
  • Ruhe und Genauigkeit beim Folienverkleben
  • Technisches Verständnis für LED und Anschluss
  • Schwindelfreiheit bei Fassadenmontage
  • Kundenorientierung bei Entwürfen
  • Sorgfalt bei elektrischen Arbeiten
A
R
C

RIASEC-Profil: ARC – Artistic · Realistic · Conventional

Der Beruf führt mit gestaltender Schrift- und Entwurfsarbeit (A), verbindet sie mit handwerklicher Fertigung und Montage (R) sowie norm- und vorgabengebundener Ausführung bei Elektrik und Befestigung (C).

Ein I-Anteil kommt durch LED- und Anschlusstechnik hinzu. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.

Gestaltung und Technik?

Werbetechnik zwischen Grafik und Fassade. Der Berufswahltest hilft weiter.

Berufswahltest starten →
Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Vergütung wird betrieblich vereinbart; die Betriebe sind meist klein bis mittelgroß.

Vergütung und Profil nach Betriebstyp

Betriebstyp
Schwerpunkt
Vergütungsniveau
Hinweis
Werbetechnikbetrieb
Schilder, Folien, Leuchtwerbung
mittel
breiteste Ausbildung
Objekt- und Fassadenbau
große Anlagen und Montage
mittel bis gut
hoher Montageanteil
Digitaldruckbetrieb
Großformat und Folien
mittel
weniger Montage
Gesetzliches Minimum 2026
724 / 854 / 977 €
nach § 17 BBiG

Fragen Sie, ob der Betrieb Leuchtwerbung selbst baut und ob eigene Montage durchgeführt wird. Reine Druck- und Folienbetriebe vermitteln nur einen Teil – erst Fertigung, Elektrik und Montage ergeben das vollständige Berufsbild.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung sind Fachkräfte gesucht, weil das Gewerk klein ist. Wege führen zum Meister mit eigenem Betrieb sowie in Gestaltung und Projektleitung.

Einstieg
betrieblich vereinbart
Werkstatt und Montage
Mit Montage- und LED-Kompetenz
höher
Größere Anlagen und Objekte
Meister mit eigenem Betrieb
oberes Segment
Seit 2020 Voraussetzung
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Entwurf zur montierten Anlage

Die dreijährige Ausbildung führt von Gestaltung und Folientechnik über Werkstoffbearbeitung und LED-Technik bis zur Montage.

1. Jahr

Grundlagen

Schrift und Gestaltung, digitale Aufbereitung, Folientechnik und Sicherheit.

2. Jahr

Fertigung

Acrylglas und Aluminium bearbeiten, Buchstaben und Kästen bauen.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Technik und Montage

LED, Netzteile, Elektroanschluss, Befestigung und Fahrzeugbeschriftung.

Abschluss

Gesellenprüfung

Anfertigung eines Werkstücks sowie schriftliche Teile.

Perspektiven

Karrierewege: Meister, Gestaltung, Objektgeschäft

Wer Gestaltung und Technik gleichermaßen beherrscht, ist in diesem Handwerk selten – und gefragt. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.

Meister und eigener Betrieb

Seit 2020 Voraussetzung.

  • Schilder- und Lichtreklameherstellermeister/in
  • Eigener Betrieb
  • Ausbildungsberechtigung
  • Zugang zum Studium ohne Abitur

Fachlich spezialisieren

Gefragte Vertiefungen.

  • LED- und Steuerungstechnik
  • Großformat-Digitaldruck
  • Fahrzeugvollverklebung
  • Leitsysteme und Objektbeschilderung

Gestaltung und Projekt

Weg von der Werkstatt.

  • Entwurf und Kundenberatung
  • Projektleitung im Objektgeschäft
  • Kalkulation und Angebotswesen
  • Messe- und Ladenbau

Fortbildung und Studium

Mit Meister auch ohne Abitur möglich.

  • Kommunikationsdesign
  • Betriebswirt/in im Handwerk
  • Medientechnik
  • Gestaltung
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Ein vielseitiges Handwerk zwischen Grafik, Werkstatt und Fassade – mit Montage und Höhenarbeit.

Was für den Beruf spricht

  • Gestaltung und Technik in einem Beruf
  • Sehr abwechslungsreicher Alltag
  • Sichtbare Ergebnisse im öffentlichen Raum
  • Fahrzeugbeschriftung als beständiges Geschäft
  • Eigener Betrieb mit Meisterbrief möglich
  • Kleines Gewerk mit geringer Konkurrenz

Was Sie wissen sollten

  • Arbeit in Höhe an Fassaden
  • Witterung bei Außenmontage
  • Termindruck bei Eröffnungen und Messen
  • Umgang mit Klebstoffen und Lösemitteln
  • Preisdruck durch Onlineanbieter bei Standardware
  • Meisterbrief für Selbstständigkeit nötig
Abgrenzung

Schilder- und Lichtreklamehersteller vs. Mediengestalter vs. Maler und Lackierer

Drei Berufe mit gestalterischem Anteil im Vergleich.

Kriterium
Schilder-/Lichtreklamehersteller/in
Mediengestalter/in
Maler/in und Lackierer/in
Ergebnis
physische Werbeanlage
Datei und Layout
Fläche und Oberfläche
Montageanteil
sehr hoch
keiner
hoch
Elektroanteil
hoch
keiner
keiner
Gestaltungsanteil
hoch
sehr hoch
mittel
Höhenarbeit
hoch
keine
hoch
Meisterpflicht
ja (seit 2020)
nein
ja
RIASEC-Profil
ARC
ARE
RCA
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Dieses Handwerk deckt eine ungewöhnliche Spannweite ab: Am Rechner beginnt es mit Gestaltung, in der Werkstatt folgt die Fertigung, und montiert wird an der Fassade – einschließlich elektrischem Anschluss. Genau deshalb ist es seit 2020 wieder zulassungspflichtig. Fragen Sie, ob der Betrieb Leuchtwerbung selbst baut und selbst montiert; das entscheidet über die Ausbildungsbreite.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Was viele reizt, ist die Sichtbarkeit der Arbeit: Sie fahren durch die Stadt und sehen, was Sie gemacht haben. Das ist ein schönes Gefühl. Man sollte aber wissen, dass ein erheblicher Teil aus Montagearbeit besteht – auf der Hubarbeitsbühne, bei Wind und Wetter, oft unter Termindruck vor einer Eröffnung.“

Häufige Fragen

Schilder- und Lichtreklamehersteller/in – FAQ

Ja – seit 2020 wieder. Dieses Gewerk gehörte zwischen 2004 und 2020 zu den zulassungsfreien Handwerken; mit der Novelle der Handwerksordnung vom 14. Februar 2020 wurde es zusammen mit elf weiteren Gewerken zurück in die Anlage A überführt. Ein eigener Betrieb setzt seither den Meisterbrief oder einen entsprechenden Betriebsleiter voraus; für zuvor gegründete Betriebe gilt Bestandsschutz.

Er gestaltet, fertigt und montiert Werbeanlagen: Er bereitet Entwürfe digital auf, plottet und verklebt Folien, bearbeitet Acrylglas, Aluminium und Verbundplatten, baut Leuchtkästen und Einzelbuchstaben mit LED-Technik, verdrahtet und montiert sie am Gebäude und beschriftet Fahrzeuge.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten und 977 € im dritten Ausbildungsjahr. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen; die Unterschiede zwischen Gewerken und Regionen sind allerdings erheblich.

Erheblich. Früher wurde Leuchtreklame überwiegend mit Neonröhren gebaut – heute dominiert LED-Technik: sparsamer, langlebiger und gestalterisch flexibler. Damit sind Netzteile, Ansteuerung, Schutzarten und Wärmeableitung zu festen Ausbildungsinhalten geworden. Der Beruf ist dadurch deutlich technischer.

Die Form. Karosserien haben Wölbungen, Sicken und Kanten – die Folie muss dort ohne Blasen, Falten und Verzug anliegen und darf sich später nicht lösen. Gearbeitet wird mit Wärme und Rakel, oft in mehreren Bahnen mit passgenauen Übergängen. Vollverklebungen sind die Königsdisziplin.

Ein erheblicher Teil. Werbeanlagen werden am Gebäude befestigt und elektrisch angeschlossen – meist von Leitern, Gerüsten oder Hubarbeitsbühnen. Hinzu kommen Fahrzeugbeschriftungen, die oft beim Kunden erfolgen. Wer überwiegend in der Werkstatt arbeiten möchte, sollte gezielt nach Betrieben mit hohem Fertigungsanteil fragen.

Nicht im künstlerischen Sinn, aber ein gutes Auge für Schrift und Proportion. Werbung muss auf Distanz lesbar sein – Schriftgröße, Kontrast und Abstände entscheiden darüber. Gestaltet wird am Rechner, weshalb sicherer Umgang mit dem Computer wichtiger ist als Freihandzeichnen.

Solide. Werbung wird beständig gebraucht, und Fahrzeugbeschriftung, Objektbeschilderung und Leitsysteme sorgen für Grundauslastung. Unter Preisdruck steht dagegen einfache Standardware durch Onlineanbieter. Weil das Gewerk klein und wenig bekannt ist, sind ausgebildete Fachkräfte knapp.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Ein Handwerk zwischen Gestaltung, Werkstatt und Fassade. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Ausbildungsverordnung Schilder- und Lichtreklamehersteller/in nach dem Berufsbildungsgesetz; dreijährige duale Ausbildung mit Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer.
  • Handwerksordnung: zulassungspflichtiges Handwerk der Anlage A; Wiedereinführung der Meisterpflicht zum 14. Februar 2020 mit Bestandsschutz für zuvor gegründete Betriebe.
  • Technikwandel: Ablösung der Neonröhrentechnik durch LED-Systeme mit Netzteilen, Ansteuerung und Anforderungen an Schutzart und Wärmeableitung.
  • Arbeitsbereiche: Folientechnik und Digitaldruck, Bearbeitung von Acrylglas und Aluminium, Bau und Montage von Leuchtwerbung sowie Fahrzeugbeschriftung.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.