Duales Handwerk · 3 Jahre · ZulassungspflichtigTarifvergütung 1.460 € im 3. Lehrjahr

Dachdecker/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere

Dachdecken ist eines der bestbezahlten Handwerke überhaupt – im dritten Lehrjahr sind es nach Tarif 1.460 Euro. Und der Beruf ist mitten in der Energiewende: Photovoltaik, Dämmung und Abdichtung gehören heute zum Kerngeschäft. Wir zeigen Aufgaben, die klaren Tarifzahlen und die Karrierewege.

3 Jahre
Duale Ausbildung im Handwerk
1.000–1.460 €
Tarifvergütung je Lehrjahr
ca. 3.490 €
Mittleres Einstiegsgehalt brutto
RCE
RIASEC-Interessencode
Steckbrief

Kurzüberblick: Dachdecker/in

Dachdeckerinnen und Dachdecker decken und decken um, dämmen, dichten ab und bauen an. Sie arbeiten an Steil- und Flachdächern, an Fassaden und zunehmend an Photovoltaikanlagen. Der Beruf gehört zu den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A und ist tariflich durch den Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks und die IG BAU geregelt – mit einer der höchsten Ausbildungsvergütungen aller Handwerksberufe.

Dachdecker/in: Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die Vergütung ist tariflich geregelt. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt bei ca. 3.490 € brutto im Monat. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Beruf 2025 als Engpassberuf. Im Beruf liegt das Medianentgelt bei 3.783 € brutto im Monat (Vollzeit, Bundesagentur für Arbeit).

Auf einen Blick

Alle Eckdaten

BerufDachdecker/in
Ausbildungsdauer3 Jahre, bei guten Leistungen verkürzbar
AusbildungsvergütungTariflich 1.000 / 1.150 / 1.400 €, ab 10/2026 höher
Einstiegsgehalt nach der Ausbildungca. 3.490 € brutto im Monat
Medianentgelt im Beruf3.783 € brutto im Monat (Median, Vollzeit; mittlere 50 Prozent 3.297 bis 4.277 €), Bundesagentur für Arbeit
ZugangFormal keiner, praktisch Haupt- oder Realschulabschluss
Abschluss und PrüfungGesellenprüfung vor der Handwerkskammer
LernorteDachdeckerbetrieb plus Berufsschule
RechtsgrundlageAusbildungsverordnung nach BBiG, HwO Anlage A
RIASEC-InteressencodeRCE
KI-Risiko33 Prozent automatisierbar, Platz 326 von 478
Fachkräftelagelaut Bundesagentur für Arbeit Engpassberuf (2025)
Neue Ausbildungsverträge 20254.140 (BIBB)
ZukunftsscoreNote A+, 85 von 100
Arbeitsalltag

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Alltag findet draußen statt – bei Sonne, Wind und Kälte, in der Höhe und mit Materialien, die schwer sind. Dafür ist am Abend sichtbar, was geschafft wurde. Der Beruf ist körperlich fordernd und wird tariflich entsprechend vergütet; die Regelarbeitszeit beträgt 39 Stunden pro Woche.

01

Dächer decken und umdecken

Ziegel, Schiefer, Metall oder Bitumenbahnen verlegen, Unterkonstruktion vorbereiten und An- und Abschlüsse fachgerecht ausbilden.

02

Dämmen und abdichten

Wärmedämmung einbauen, Dampfsperren setzen, Flachdächer abdichten – energetisch der wichtigste Teil der Arbeit.

03

Photovoltaik montieren

Unterkonstruktionen setzen, Module montieren, Durchdringungen dicht ausbilden – ein stark wachsender Aufgabenbereich am Dach.

04

Fassaden bekleiden

Wandflächen mit Schiefer, Metall oder Faserzement bekleiden und hinterlüftete Konstruktionen ausführen.

05

Entwässerung herstellen

Rinnen, Fallrohre und Notentwässerung montieren und an die Gebäudetechnik anschließen.

06

Schäden beurteilen und sanieren

Undichtigkeiten finden, Ursachen bewerten, Sanierungswege vorschlagen und Reparaturen ausführen.

Tarif & Energiewende

Klare Tarifzahlen und ein Beruf mitten in der Energiewende

Das Dachdeckerhandwerk ist bundesweit tariflich geregelt – ungewöhnlich klar für ein Handwerk. Seit dem 1. Oktober 2025 gelten 1.000, 1.150 und 1.400 Euro je Lehrjahr; zum 1. Oktober 2026 steigen sie auf 1.050, 1.200 und 1.460 Euro. Inhaltlich hat sich der Beruf stark verändert: Dämmung, Abdichtung und Photovoltaik machen ihn zu einem der praktischen Träger der Energiewende.

Bundeseinheitlicher Tarif

ZVDH und IG BAU vereinbaren die Ausbildungsvergütung bundesweit. Der Ecklohn für Gesellen liegt bei 22,51 Euro je Stunde und steigt bis Oktober 2026 auf 23,28 Euro.

Branchenmindestlöhne steigen

Für Gesellen wurde ein Branchenmindestlohn vereinbart, der bis 2028 stufenweise auf 17,60 Euro je Stunde steigt – ungelernte Kräfte liegen deutlich darunter. Das sichert den Wert der Ausbildung.

Photovoltaik am Dach

Solaranlagen werden auf Dächern montiert – und jede Durchdringung muss dicht sein. Damit ist die Photovoltaik unmittelbar ein Dachdeckerthema und ein wachsendes Geschäftsfeld.

Lerninhalte

Ausbildungsinhalte: Was in den drei Jahren vermittelt wird

Die Ausbildung verbindet Deckungstechnik, Bauphysik und Abdichtung. Der bauphysikalische Anteil wird unterschätzt: Wer nicht versteht, wie Feuchtigkeit und Wärme durch ein Dach wandern, baut Schäden ein.
01

Deckwerkstoffe und Deckarten

Ziegel, Betonstein, Schiefer, Metall, Bitumen und Kunststoffbahnen mit ihren jeweiligen Regeln und Mindestdachneigungen.

02

Bauphysik

Wärme-, Feuchte- und Schallschutz, Taupunkt, Dampfdiffusion und die Vermeidung von Bauschäden.

03

Dämmung und Energieeffizienz

Dämmstoffe, Aufbauten, luftdichte Ebene und Anforderungen aus dem Gebäudeenergierecht.

04

Abdichtungstechnik

Flachdachabdichtung, Anschlüsse, Durchdringungen und Detailausbildung – der häufigste Ort von Schäden.

05

Energietechnik am Dach

Montage von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen einschließlich dichter Durchdringungen und Lastannahmen.

06

Klempner- und Metalltechnik

Rinnen, Fallrohre, Kehlen und Metallanschlüsse zuschneiden, kanten und fügen.

07

Statik und Konstruktion

Dachtragwerke, Lastannahmen für Wind und Schnee, Befestigungstechnik und Unterkonstruktionen.

08

Arbeitssicherheit

Absturzsicherung, Gerüst- und Leiterverwendung, persönliche Schutzausrüstung – in diesem Beruf lebenswichtig.

Selbstcheck

Passt dieser Beruf zu dir?

Der Beruf verlangt körperliche Belastbarkeit, Schwindelfreiheit und Wetterfestigkeit. Wer das mitbringt, bekommt dafür eine der höchsten Ausbildungsvergütungen im Handwerk und ein Berufsfeld mit sichtbaren Ergebnissen und stabiler Nachfrage. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.

Formale Voraussetzungen

  • Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben
  • In der Praxis meist Haupt- oder Realschulabschluss erwartet
  • Gute Noten in Mathematik sind hilfreich (Flächen, Neigungen, Mengen)
  • Schwindelfreiheit ist zwingend erforderlich
  • Körperliche Eignung für schweres Heben und Arbeiten im Freien
  • Häufig Praktikum oder Probearbeit im Auswahlverfahren

Persönliche Eigenschaften

  • Schwindelfreiheit und Trittsicherheit – nicht verhandelbar
  • Körperliche Belastbarkeit bei Wetter und Materialgewicht
  • Sorgfalt bei Anschlüssen und Details – dort entstehen Schäden
  • Teamfähigkeit: Auf dem Dach wird selten allein gearbeitet
  • Verantwortungsbewusstsein bei Absturzsicherung
  • Räumliches Vorstellungsvermögen für Dachgeometrien
R
C
E

RIASEC-Profil: RCE – Realistic · Conventional · Enterprising

Der Beruf verbindet körperlich-handwerkliches Arbeiten (R) mit regelgebundener, normorientierter Ausführung (C) und eigenverantwortlicher Baustellenorganisation (E).

Das C ist wichtiger, als das Bild vom Handwerk nahelegt: Dachdeckerregeln, Mindestdachneigungen und Abdichtungsvorgaben sind detailliert festgelegt – wer sie missachtet, verursacht Bauschäden. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest für Schüler.

Bauberuf – aber welcher?

Dachdecker, Zimmerer oder Klempner arbeiten oft am selben Gebäude, aber an verschiedenen Gewerken. Der Berufswahltest hilft bei der Eingrenzung.

Berufswahltest für Schüler starten →
Verdienst

Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Hier liegt eine der größten Stärken des Berufs. Die Ausbildungsvergütung ist bundesweit tariflich geregelt und gehört zu den höchsten aller Ausbildungsberufe – im dritten Lehrjahr sind es 1.400 Euro, ab Oktober 2026 sogar 1.460 Euro.

Tarifvergütung im Dachdeckerhandwerk

Ausbildungsjahr
ab 01.10.2025
ab 01.10.2026
Gesetzliches Minimum 2026
1. Ausbildungsjahr
1.000,00 €
1.050,00 €
724 €
2. Ausbildungsjahr
1.150,00 €
1.200,00 €
854 €
3. Ausbildungsjahr
1.400,00 €
1.460,00 €
977 €
Regelarbeitszeit
39,0 h/Woche
≙ 169 h/Monat

Die Werte beruhen auf dem Tarifvertrag des Dachdeckerhandwerks zwischen ZVDH und IG BAU. Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden – dort gilt mindestens die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG. Der Unterschied ist erheblich: Im dritten Lehrjahr liegen zwischen Tarif und Minimum über 400 Euro monatlich. Fragen Sie deshalb ausdrücklich nach der Tarifbindung.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Nach der Gesellenprüfung liegt das mittlere Einstiegsgehalt bei etwa 3.490 € brutto monatlich, typischerweise im Korridor von 3.160 bis 3.860 Euro. Der Median über alle Berufsjahre beträgt rund 3.630 Euro, erfahrene Fachkräfte erreichen etwa 4.100 Euro. Der Ecklohn für Gesellen liegt bei 22,51 Euro je Stunde und steigt bis Oktober 2026 auf 23,28 Euro. Mit dem Meisterbrief sind im Durchschnitt rund 4.541 Euro erreichbar, mit eigenem Betrieb je nach Auftragslage über 5.000 Euro.

Einstieg
ca. 3.490 €
Korridor 3.160 bis 3.860 €
Median
ca. 3.630 €
Über alle Berufsjahre
Meister
ca. 4.541 €
Mit eigenem Betrieb über 5.000 €
Ausbildungsablauf

Ausbildungsablauf: Vom Ziegel zur Energietechnik

Die dreijährige Ausbildung beginnt mit Deckungstechnik und Arbeitssicherheit und führt über Abdichtung und Bauphysik zur Energietechnik am Dach. Am Ende steht die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer.

1. Jahr

Grundlagen und Deckungstechnik

Werkstoffe, Deckarten, Unterkonstruktion, Arbeitssicherheit und Absturzsicherung. Erste eigene Flächen unter Anleitung.

2. Jahr

Abdichtung und Bauphysik

Flachdach, Dämmung, Dampfsperren, Anschlüsse und Detailausbildung. Klempnerarbeiten an Rinnen und Kehlen.

Zwischenprüfung

Etwa nach der Hälfte

Praktische und schriftliche Aufgaben über die bisherigen Inhalte.

3. Jahr

Energietechnik und Eigenverantwortung

Photovoltaik- und Solarthermiemontage, Sanierung, Schadensbeurteilung, selbstständige Ausführung von Teilbereichen.

Abschluss

Gesellenprüfung

Praktische Prüfungsstücke, schriftliche Teile und Fachgespräch vor der Handwerkskammer.

Perspektiven

Karrierewege: Meister, Energietechnik, eigener Betrieb

Das Dachdeckerhandwerk hat einen klaren Aufstiegsweg – und mit der Energietechnik am Dach ein Wachstumsfeld, das fachlich und wirtschaftlich attraktiv ist. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.

Meisterprüfung

Voraussetzung für einen eigenen Betrieb und der größte Gehaltssprung.

  • Dachdeckermeister/in
  • Aufstiegs-BAföG als Förderweg
  • Ausbildereignung (AEVO)
  • Betriebswirt des Handwerks

Fachlich spezialisieren

Bestimmte Bereiche sind besonders gefragt und besser vergütet.

  • Photovoltaik und Solarthermie
  • Flachdachabdichtung und Bauwerksabdichtung
  • Gründach und Retention
  • Denkmalpflege und Schieferdeckung

Verantwortung übernehmen

Auf der Baustelle führt der Weg über Vorarbeit und Kolonnenführung.

  • Vorarbeiter/in oder Kolonnenführer/in
  • Bauleitung im Betrieb
  • Aufmaß und Kalkulation
  • Sachverständigentätigkeit

Technik und Studium

Mit Meister ist ein Studium auch ohne Abitur möglich.

  • Staatlich geprüfte/r Techniker/in
  • B.Eng. Bauingenieurwesen
  • Gebäudeenergieberatung
  • Bauphysik
Ehrliche Bilanz

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Dachdecken gehört zu den bestbezahlten Handwerksberufen mit klaren Tarifzahlen und stabiler Nachfrage. Die Kehrseite ist eindeutig: körperliche Belastung, Witterung und Absturzrisiko.

Was für den Beruf spricht

  • Eine der höchsten Ausbildungsvergütungen im Handwerk
  • Bundeseinheitlicher Tarif mit klaren, planbaren Zahlen
  • Sehr gutes Einstiegsgehalt von rund 3.490 €
  • Nur drei Jahre Ausbildungsdauer
  • Photovoltaik und Dämmung als Wachstumsfelder
  • Sichtbares Ergebnis und stabile Auftragslage

Was Sie wissen sollten

  • Körperlich sehr fordernd – schweres Material, Zwangshaltungen
  • Arbeit im Freien bei jeder Witterung
  • Absturzrisiko – Arbeitssicherheit ist lebenswichtig
  • Schwindelfreiheit ist zwingende Voraussetzung
  • Saisonale Schwankungen im Winter
  • Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden – große Vergütungsunterschiede
Abgrenzung

Dachdecker vs. Zimmerer vs. Klempner

Drei Bauhandwerke, die häufig am selben Gebäude arbeiten – mit klar getrennten Gewerken.

Kriterium
Dachdecker
Zimmerer
Klempner
Gewerk
Dachhaut und Abdichtung
Tragwerk aus Holz
Metall an Dach und Fassade
Ausbildungsdauer
3 Jahre
3 Jahre
3,5 Jahre
Arbeit in der Höhe
sehr hoch
sehr hoch
hoch
Energietechnikbezug
sehr hoch
hoch
mittel
Tarifvergütung
sehr hoch
sehr hoch
hoch
Meisterpflicht
ja
ja
ja
RIASEC-Profil
RCE
RCE
RCI
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Dachdecker ist der Beruf, den ich am häufigsten nenne, wenn Jugendliche sagen, Handwerk werde schlecht bezahlt. Im dritten Lehrjahr sind es nach Tarif 1.400 Euro, ab Oktober 2026 sogar 1.460 – das schlägt die meisten kaufmännischen Ausbildungen deutlich. Entscheidend ist die Frage nach der Tarifbindung: Zwischen Tarif und gesetzlichem Minimum liegen im dritten Jahr über vierhundert Euro monatlich.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert

„Bei diesem Beruf prüfe ich zwei Dinge sehr genau: Schwindelfreiheit und die körperliche Perspektive auf zwanzig Jahre. Schwindelfreiheit lässt sich nicht antrainieren – ein Praktikum klärt das in zwei Tagen. Und wer mit siebzehn auf dem Dach steht, sollte wissen, dass der Körper mit fünfundvierzig andere Antworten gibt. Wer früh Meister oder Bauleitung mitdenkt, hat einen Weg, der langfristig trägt.“

Zukunftsprofil

Zukunftsaussichten Dachdecker/in: Wie robust ist der Beruf?

Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.

A+Zukunftsscore 85 von 100drei gewichtete Dimensionen, Methodik unten offengelegt
KI-Risiko33 %der Kerntätigkeiten sind automatisierbar · Platz 326 von 478 Berufen · geringe Automatisierbarkeit
FachkräftelageEngpassberufBA-Engpassanalyse 2025 · Berufe in der Dachdeckerei (Fachkräfte) · 1,4 Arbeitsuchende je gemeldete Stelle · Vakanzzeit 155 Tage
Neue Ausbildungsverträge 20254.140BIBB, Stichtag 30. September · gegenüber 2024 +6,0 % · gegenüber 2019 +17,2 %
Ausbildungsmarkt624unbesetzte Ausbildungsplätze 2025 · dazu 153 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber · Stellenüberhang 14,5 % der Nachfrage

Dieser Beruf gehört zu den robusteren im Vergleich. Der Kern der Arbeit besteht aus Tätigkeiten, die sich schlecht in Regeln fassen lassen: Handarbeit am Objekt, Arbeit an und mit Menschen oder Entscheidungen unter wechselnden Bedingungen. Software übernimmt hier vor allem Dokumentation und Planung, nicht die Tätigkeit selbst. Wichtig bleibt die Leserichtung: Der Wert misst, was technisch möglich wäre, nicht was ein Betrieb tatsächlich tut. Kosten, Tarif, Regulierung und Kundenerwartung entscheiden mit. Die Bundesagentur für Arbeit führt die Berufsgruppe „Berufe in der Dachdeckerei“ 2025 als Engpassberuf – auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 1,4 Arbeitsuchende. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge liegt über dem Niveau von 2019 – gegen den Trend des Gesamtmarkts.

Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.

Häufige Fragen

Dachdecker/in – FAQ

Die Ausbildungsvergütung ist bundesweit tariflich geregelt. Seit dem 1. Oktober 2025 beträgt sie 1.000 € im ersten, 1.150 € im zweiten und 1.400 € im dritten Ausbildungsjahr. Zum 1. Oktober 2026 steigt sie auf 1.050 €, 1.200 € und 1.460 €. Damit zählt sie zu den höchsten aller Ausbildungsberufe. Nicht alle Betriebe sind tarifgebunden – dort gilt mindestens die gesetzliche Mindestvergütung.

Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten, 977 € im dritten und 1.014 € im vierten Ausbildungsjahr. Sie darf nie unterschritten werden. Tarifgebundene Betriebe zahlen in der Regel deutlich darüber.

Das mittlere Einstiegsgehalt liegt bei etwa 3.490 € brutto monatlich, typischerweise zwischen 3.160 und 3.860 €. Der Median über alle Berufsjahre beträgt rund 3.630 €, erfahrene Fachkräfte erreichen etwa 4.100 €. Der tarifliche Ecklohn für Gesellen liegt bei 22,51 € je Stunde und steigt bis Oktober 2026 auf 23,28 €. Mit Meisterbrief sind im Schnitt rund 4.541 € erreichbar.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und findet dual im Dachdeckerbetrieb und in der Berufsschule statt. Bei guten Leistungen ist eine Verkürzung möglich. Sie endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Die tarifliche Regelarbeitszeit beträgt 39 Stunden pro Woche.

Ja, das ist eine zwingende Voraussetzung. Ein erheblicher Teil der Arbeit findet in Höhe statt, auf geneigten Flächen und an Dachrändern. Schwindelfreiheit lässt sich nicht antrainieren – ein Praktikum vor der Bewerbung klärt diese Frage zuverlässig und in wenigen Tagen. Ebenso wichtig ist die konsequente Nutzung der Absturzsicherung.

Sehr viel. Solaranlagen werden auf Dächern montiert, und jede Befestigung ist eine Durchdringung der Dachhaut, die dicht bleiben muss. Damit ist Photovoltaik unmittelbar ein Dachdeckerthema – ebenso wie Dämmung und Abdichtung im Rahmen energetischer Sanierungen. Der Beruf ist einer der praktischen Träger der Energiewende und hat dadurch ein stabiles Wachstumsfeld.

Sehr sicher. Dächer müssen unabhängig von der Konjunktur instand gehalten werden, und die energetische Sanierung des Gebäudebestands ist eine Daueraufgabe. Hinzu kommt der Photovoltaikausbau. Die Arbeit lässt sich weder ins Ausland verlagern noch automatisieren. Die steigenden Branchenmindestlöhne – für Gesellen stufenweise bis 17,60 € je Stunde im Jahr 2028 – zeigen, dass die Betriebe um Fachkräfte konkurrieren.

Deutlich. Schweres Material, Arbeit in Zwangshaltungen, Witterung und Höhe fordern den Körper über Jahre. Wer den Beruf wählt, sollte früh eine Perspektive mitdenken, die langfristig weniger belastet: Meister mit Betriebsleitung, Bauleitung, Aufmaß und Kalkulation oder Sachverständigentätigkeit. Der tariflich geregelte Urlaub steigt mit der Gewerkszugehörigkeit auf bis zu 30 Arbeitstage.

Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen

Dachdecken bietet Spitzenvergütung und stabile Nachfrage – verlangt aber Schwindelfreiheit und körperliche Belastbarkeit. Ob das Profil passt und welche langfristige Perspektive trägt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Verordnung über die Berufsausbildung zum Dachdecker nach dem Berufsbildungsgesetz sowie HwO Anlage A.
  • Tarifvertrag des Dachdeckerhandwerks (ZVDH und IG BAU): Ausbildungsvergütung ab 01.10.2025 (1.000 / 1.150 / 1.400 €) und ab 01.10.2026 (1.050 / 1.200 / 1.460 €); Regelarbeitszeit 39 h/Woche.
  • Branchenmindestlöhne im Dachdeckerhandwerk: stufenweise Anhebung für Gesellen bis 17,60 € je Stunde im Jahr 2028; Ecklohn 22,51 € je Stunde, ab Oktober 2026 23,28 €.
  • § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 €).
  • Gehaltserhebungen 2026: Einstieg rund 3.490 €, Median 3.630 €, erfahrene Fachkräfte rund 4.100 €, Meister im Schnitt 4.541 €.
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.
  • Hinweis: Die Tarifwerte gelten für tarifgebundene Betriebe. Nicht alle Dachdeckerbetriebe sind tarifgebunden.