Gold- und Silberschmied/in: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Wichtig vorweg: Den Ausbildungsberuf Goldschmied gibt es seit dem 1. August 2025 nicht mehr. Er wurde mit dem Silberschmied zu einem Beruf zusammengeführt – mit den Fachrichtungen Goldschmieden und Silberschmieden. Wer noch nach der alten Bezeichnung sucht, findet veraltete Informationen.
Kurzüberblick: Gold- und Silberschmied/in
Gold- und Silberschmiedinnen und -schmiede entwerfen, fertigen und reparieren Objekte aus Edelmetall: Schmuck, Ketten, Juwelenarbeiten sowie Gefäße und Geräte aus Silber. Sie schmelzen und legieren Metalle, formen, fügen, fassen Edelsteine und veredeln Oberflächen. Seit der Neuordnung zum 1. August 2025 bilden Goldschmied und Silberschmied einen gemeinsamen Ausbildungsberuf.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag ist feinmotorisch und konzentriert. Gearbeitet wird sitzend am Werktisch mit Säge, Feile, Lötrohr und Lupe – an Stücken, die oft nur wenige Millimeter groß sind. Hinzu kommt Kundenkontakt: Viele Aufträge sind Einzelanfertigungen zu Verlobung, Hochzeit oder Trauer.
Edelmetalle schmelzen und legieren
Gold, Silber und Platin einschmelzen, Legierungen herstellen und Halbzeuge vorbereiten.
Formen und fügen
Sägen, Feilen, Biegen, Treiben, Löten und Schweißen von Werkstücken.
Edelsteine fassen
Steine erkennen und zuordnen, Zargen- und Krappenfassungen anfertigen und Steine sicher fassen.
Schmuck gestalten
Entwürfe zeichnen, Modelle anfertigen und Einzelstücke nach Kundenwunsch umsetzen.
Reparieren und umarbeiten
Beschädigte Stücke instand setzen, Ringe weiten, Erbstücke umarbeiten.
Oberflächen veredeln
Schleifen, Polieren, Mattieren, Galvanisieren und Patinieren.
Was sich zum 1. August 2025 geändert hat
Wegen der weitreichenden inhaltlichen Überschneidungen wurden die bisherigen Berufe Goldschmied und Silberschmied zu einem Ausbildungsberuf zusammengefasst. Die bisherigen Fachrichtungen Schmuck, Juwelen und Ketten gehen in der neuen Fachrichtung Goldschmieden auf; die früheren Schwerpunkte Email und Metall in der Fachrichtung Silberschmieden. Die Ausbildungsdauer bleibt bei dreieinhalb Jahren.
Von fünf Wegen auf zwei
Statt drei Goldschmied-Fachrichtungen und zwei Silberschmied-Schwerpunkten gibt es nun zwei klare Fachrichtungen. Das vereinfacht die Wahl und verbreitert zugleich die Grundausbildung.
Neue Schwerpunkte im Rahmenplan
Mit der Neuordnung rücken Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kundenberatung stärker in den Vordergrund – Themen, die im Schmuckhandwerk lange randständig waren.
Edelsteinfasser bleibt eigenständig
Der Beruf Edelsteinfasser besteht mit ebenfalls dreieinhalb Jahren fort. Die ersten beiden Jahre sind inhaltlich identisch, sodass gemeinsame Beschulung und gegenseitige Anrechnung möglich sind – ein Wechsel bleibt also offen.
Ausbildungsinhalte: Was in den dreieinhalb Jahren vermittelt wird
Werkstoffkunde
Edelmetalle, Legierungen, Edelsteine und organische Stoffe erkennen und handhaben.
Schmelzen und Legieren
Feingehalte, Legierungsrechnung, Schmelzen und Gießen.
Umformen und Trennen
Sägen, Feilen, Biegen, Treiben, Walzen und Ziehen.
Fügetechnik
Löten, Schweißen und Nieten kleiner Bauteile.
Fasstechnik
Zargen- und Krappenfassungen anfertigen und Steine sicher fassen.
Gestaltung und Entwurf
Zeichnen, Modellieren, Proportion und Stilkunde.
Oberflächentechnik
Schleifen, Polieren, Mattieren, Galvanik und Patina.
Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Beratung
Recycling von Edelmetall, CAD und 3D-Druck sowie Kundengespräch.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt außergewöhnliche Feinmotorik, Geduld und Gestaltungswillen. Wer sich stundenlang auf millimetergroße Arbeiten konzentrieren kann, findet eines der letzten wirklich kunsthandwerklichen Gewerke. Genau diese Passungsfrage lässt sich nicht am Schreibtisch beantworten. In einer Berufsberatung wird sie mit wissenschaftlich validierten Verfahren geprüft – bevor eine Bewerbung geschrieben wird.
Formale Voraussetzungen
- Formal ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben
- In der Praxis häufig mittlere Reife erwartet
- Sehr gute Feinmotorik und ruhige Hand
- Gutes Sehvermögen, auch im Nahbereich
- Zeichnerisches Talent ist ein deutlicher Vorteil
- Häufig wird eine Arbeitsprobe verlangt
Persönliche Eigenschaften
- Geduld – ein Ring entsteht in vielen kleinen Schritten
- Höchste Sorgfalt beim Umgang mit wertvollem Material
- Gestaltungsgespür für Form und Proportion
- Konzentrationsfähigkeit über lange Zeiträume
- Einfühlungsvermögen bei persönlichen Anlässen
- Zuverlässigkeit im Umgang mit Kundeneigentum
RIASEC-Profil: ARI – Artistic · Realistic · Investigative
Der Beruf führt mit gestalterischem Entwerfen und Formgeben (A), verbindet es mit feinmotorischer handwerklicher Bearbeitung (R) und analytischem Verständnis für Werkstoffe, Legierungen und Fasstechnik (I).
Das führende A ist selten in einem Handwerk – hier ist Gestaltung nicht Zugabe, sondern Kern der Leistung. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Kunsthandwerk als Beruf?
Hoher Gestaltungsanteil, aber begrenzte Vergütung. Der Berufswahltest hilft bei der realistischen Einordnung.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Hier ist Ehrlichkeit wichtiger als Begeisterung: Die Vergütung liegt im unteren Bereich des Handwerks. Wer den Beruf wählt, tut das wegen der Sache – und sollte den wirtschaftlichen Weg bewusst planen.
Vergütung und Profil nach Betriebstyp
Weil die Ausbildung dreieinhalb Jahre dauert, greift im letzten Halbjahr die vierte Stufe der Mindestvergütung. Achten Sie bei der Betriebswahl darauf, ob eigene Entwürfe und Anfertigungen gemacht werden – Betriebe, die fast nur Reparaturen und Handelsware anbieten, vermitteln den gestalterischen Kern kaum.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Gesellenprüfung bleibt das Einkommen im Handwerksvergleich bescheiden. Wirtschaftlich tragfähiger sind drei Wege: die Schmuckindustrie mit CAD- und Serienkompetenz, die Restaurierung historischer Silberarbeiten und – am stärksten – der Meisterbrief mit eigenem Atelier und eigener Marke. Kunsthandwerk trägt sich vor allem über Sichtbarkeit und Kundenbindung.
Ausbildungsablauf: Gemeinsame Basis, späte Spezialisierung
Die dreieinhalbjährige Ausbildung beginnt fachrichtungsübergreifend – inhaltlich identisch mit dem Edelsteinfasser – und vertieft sich danach in der gewählten Fachrichtung.
Grundlagen der Metallbearbeitung
Werkstoffkunde, Sägen, Feilen, Löten, Werkzeugpflege und Arbeitssicherheit.
Techniken vertiefen
Schmelzen, Legieren, Umformen, erste Fassarbeiten und Entwurfszeichnen.
Gestreckte Prüfung
Erster von zwei zeitlich getrennten Prüfungsteilen.
Fachrichtung
Goldschmieden oder Silberschmieden mit fachspezifischen Techniken.
Eigenständige Arbeiten und Abschluss
Komplette Werkstücke nach eigenem Entwurf; zweiter Prüfungsteil.
Karrierewege: Meister, Atelier, Restaurierung
Der Beruf trägt wirtschaftlich vor allem dann, wenn eigene Gestaltung dazukommt – als Marke, als Restaurator oder als Designer in der Industrie. Weil diese Wege sehr unterschiedliche Anforderungen stellen, lohnt eine frühe Standortbestimmung – etwa in einer Berufsberatung mit diagnostischer Grundlage.
Meister und eigenes Atelier
Der klassische Weg im Kunsthandwerk.
- Gold- und Silberschmiedemeister/in
- Eigenes Atelier mit eigener Handschrift
- Ausbildungsberechtigung
- Direktvertrieb und Onlinehandel
Fachlich spezialisieren
Nischen mit besserer Marge.
- Edelsteinfassen
- Restaurierung historischer Silberarbeiten
- Trauringe und Einzelanfertigung
- Emailtechnik
In die Industrie
Planbarer und häufig besser bezahlt.
- CAD und 3D-Druck für Schmuck
- Modellbau und Prototyping
- Serienfertigung und Qualitätssicherung
- Produktentwicklung
Studium und Gestaltung
Mit Meister auch ohne Abitur möglich.
- B.A. Schmuckdesign
- Produktdesign
- Gestaltung an einer Kunsthochschule
- Betriebswirt/in im Handwerk
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Eines der letzten echten Kunsthandwerke – mit hohem Gestaltungsanteil und ebenso hoher wirtschaftlicher Unsicherheit.
Was für den Beruf spricht
- Sehr hoher Gestaltungsanteil – A führt im RIASEC-Code
- Neuordnung 2025 verbreitert die Grundausbildung
- Nachhaltigkeit und CAD neu im Rahmenplan
- Wechsel zum Edelsteinfasser durch Anrechnung möglich
- Eigenes Atelier mit eigener Handschrift möglich
- Arbeit an Werkstücken mit persönlicher Bedeutung
Was Sie wissen sollten
- Vergütung im unteren Bereich des Handwerks
- Sehr wenige Ausbildungsplätze – hohe Konkurrenz
- Wirtschaftlich stark von Konjunktur und Goldpreis abhängig
- Belastung für Augen, Rücken und Hände
- Viele Betriebe machen fast nur Reparaturen
- Selbstständigkeit verlangt Marketing und Vertrieb
Gold- und Silberschmied vs. Edelsteinfasser vs. Zahntechniker
Drei feinmechanische Berufe mit sehr unterschiedlichem Marktumfeld.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Zuerst die Namensklärung: Goldschmied gibt es als Ausbildungsberuf seit August 2025 nicht mehr – der Beruf heißt jetzt Gold- und Silberschmied mit den Fachrichtungen Goldschmieden und Silberschmieden. Inhaltlich ist die Neuordnung gelungen, besonders weil Nachhaltigkeit, CAD und Kundenberatung dazugekommen sind. Wirtschaftlich muss man ehrlich sein: Die Vergütung liegt im unteren Bereich des Handwerks. Wer hier langfristig bestehen will, braucht entweder Industrieerfahrung mit CAD oder eine eigene Marke.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Dieser Beruf zieht Menschen an, die gestalten wollen – und genau da liegt die Aufgabe der Beratung. Die Frage ist nicht, ob jemand kreativ ist, sondern ob er Kreativität unter Bedingungen aushält: Kundenwunsch statt freier Entwurf, Reparatur statt Neuschöpfung, Materialwert, der keinen Fehler erlaubt. Wer das annehmen kann, findet hier große Erfüllung. Wer freie Kunst sucht, sollte einen gestalterischen Studiengang prüfen.“
Gold- und Silberschmied/in – FAQ
Nicht als eigenen Ausbildungsberuf. Seit dem 1. August 2025 sind Goldschmied und Silberschmied zum Beruf Gold- und Silberschmied/in zusammengefasst, mit den Fachrichtungen Goldschmieden und Silberschmieden. Wer später Schmuck aus Gold, Silber oder Platin herstellen möchte, wählt die Fachrichtung Goldschmieden – dort gehen die alten Fachrichtungen Schmuck, Juwelen und Ketten auf.
Sie bestehen nicht mehr als eigene Fachrichtungen, sondern gehen in der Fachrichtung Goldschmieden auf. Die Inhalte bleiben erhalten: Schmuckgestaltung, Juwelentechniken einschließlich Zargen- und Krappenfassungen sowie Kettenfertigung. Ebenso gehen die früheren Silberschmied-Schwerpunkte Email und Metall in der Fachrichtung Silberschmieden auf.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten, 977 € im dritten und 1.014 € im vierten Ausbildungsjahr – das vierte Jahr greift hier, weil die Ausbildung dreieinhalb Jahre dauert. Im Handwerk gelten häufig Innungstarife, die darüber liegen.
Ja, und das ist bewusst so angelegt. Der Edelsteinfasser bleibt ein eigenständiger Beruf mit ebenfalls dreieinhalb Jahren. Die Inhalte der ersten beiden Jahre sind identisch, sodass gemeinsame Beschulung und gegenseitige Anrechnung der erlernten Inhalte möglich sind. Ein Wechsel nach zwei Jahren ist damit ohne Zeitverlust denkbar.
Möglich, aber anspruchsvoll. Der Meisterbrief ist der Schlüssel; entscheidend für den Erfolg sind danach jedoch eigene Handschrift, Sichtbarkeit und Kundenbindung. Reines Handwerk ohne Marke trägt sich selten. Realistisch ist ein Aufbau über Jahre, oft neben einer Anstellung – mit Trauringen und Einzelanfertigungen als tragfähigstem Segment.
Darauf, ob eigene Entwürfe und Anfertigungen gemacht werden. Viele Juweliergeschäfte betreiben Werkstätten fast ausschließlich für Reparaturen und Ringgrößenanpassungen – dort lernen Sie handwerklich sauber, aber den gestalterischen Kern kaum. Fragen Sie konkret: Werden Einzelstücke nach Kundenwunsch gefertigt? Wird selbst entworfen? Gibt es CAD?
Zweigeteilt. Standardschmuck steht unter Druck durch Onlinehandel und industrielle Fertigung. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Individualität, Reparatur und Umarbeitung – etwa wenn Erbstücke neu gestaltet werden. Die Neuordnung greift das mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung auf: Edelmetallrecycling und CAD sind die Kompetenzen, die den Unterschied machen.
Es ist ein deutlicher Vorteil – Entwurfszeichnen ist fester Ausbildungsinhalt, und viele Betriebe verlangen bei der Bewerbung eine Arbeitsprobe oder Mappe. Ebenso wichtig sind sehr gute Feinmotorik und Nahsehvermögen: Gearbeitet wird an millimetergroßen Details, oft unter der Lupe. Wer beides mitbringt, kann fehlende Vorkenntnisse gut aufholen.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Ein Kunsthandwerk mit hohem Gestaltungsanteil – und begrenzter Vergütung. Ob das Profil und die Erwartungen zusammenpassen, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Neue Ausbildungsordnung Gold- und Silberschmied/Gold- und Silberschmiedin, in Kraft seit 01.08.2025: Zusammenführung der bisherigen Berufe Goldschmied und Silberschmied; Fachrichtungen Goldschmieden und Silberschmieden; Ausbildungsdauer unverändert 3,5 Jahre.
- Überführung der Fachrichtungen: Schmuck, Juwelen und Ketten gehen in der Fachrichtung Goldschmieden auf; die Schwerpunkte Email und Metall in der Fachrichtung Silberschmieden.
- Edelsteinfasser bleibt eigenständiger Ausbildungsberuf (3,5 Jahre); die Inhalte der ersten beiden Jahre sind identisch, gemeinsame Beschulung und gegenseitige Anrechnung sind möglich.
- Neue Rahmenplaninhalte: Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Kundenberatung.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 / 1.014 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.
- Hinweis: Vergütungen im Schmuckhandwerk schwanken stark nach Betriebsgröße und Region. Stand: August 2026.