Was kostet ein Studium – und wie finanziert man es?
Semesterbeitrag, Miete, Lernmaterial, Versicherung: Die echten Kosten eines Studiums liegen weit über dem, was die meisten Studieninteressierten erwarten. Alle Zahlen für 2026, die einmaligen Startkosten, acht Finanzierungswege, drei realistische Beispielrechnungen – und der ehrliche Blick auf die Frage, ob sich das rechnet.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- An staatlichen Hochschulen fallen keine Studiengebühren an – die Kosten entstehen fast vollständig durch Lebenshaltung.
- Realistisch sind 810 bis 1.360 € monatlich, im Mittel rund 850 €. Über sechs Semester ergibt das etwa 29.000 bis 49.000 €.
- Hinzu kommen einmalige Startkosten von grob 1.500 bis 3.500 €, die in den meisten Rechnungen fehlen.
- Die Miete ist der größte Hebel: Zwischen Leipzig und München liegen über sechs Semester rund 18.000 €.
- BAföG immer beantragen – die Freibeträge wurden angehoben, viele unterschätzen ihren Anspruch.
- Mehr als 20 Wochenstunden Nebenjob erhöhen das Abbruchrisiko deutlich; die Rechnung geht dann selten auf.
Die echten Kosten: Was ein Studium 2026 wirklich kostet
Die gute Nachricht zuerst: An staatlichen Hochschulen in Deutschland gibt es keine allgemeinen Studiengebühren – mit Ausnahmen für Nicht-EU-Studierende in Baden-Württemberg und für einzelne Zweitstudiengänge. Die weniger gute Nachricht: Das Studium kostet trotzdem erheblich Geld, und zwar fast vollständig über die Lebenshaltung.
| Kostenposition | Pro Monat | Pro Semester | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Semesterbeitrag | ca. 50 € | 150–400 € | Enthält Semesterticket, Studierendenwerk und Studierendenschaft. Variiert nach Hochschule und Verkehrsverbund. |
| Miete und Nebenkosten | 350–600 € | 2.100–3.600 € | Der größte Block. Wohnheimplätze liegen deutlich darunter, haben aber Wartezeiten. |
| Lebensmittel | 200–300 € | 1.200–1.800 € | Mensa 2–4 € pro Mahlzeit. Selbst kochen spart rund 30 %. |
| Krankenversicherung | 110–130 € | 660–780 € | Studentischer Tarif bis 30. Unter 25 häufig noch Familienversicherung ohne eigene Kosten. |
| Lernmaterial | 20–50 € | 120–300 € | Fachliteratur, Software, Druckkosten. Bibliothek und Open Access senken das erheblich. |
| Mobilität | 0–80 € | 0–480 € | In vielen Verbünden vollständig über das Semesterticket abgedeckt. |
| Kommunikation und Internet | 30–50 € | 180–300 € | Mobilfunk und Anschluss, Studierendentarife nutzen. |
| Freizeit und Soziales | 50–100 € | 300–600 € | Sport, Kultur, Ausgehen. Hochschulsport ist meist sehr günstig. |
| Gesamt | 810–1.360 € | 4.860–8.160 € | Mittelwert laut Sozialerhebung rund 850 € monatlich |
Für einen Bachelor über sechs Semester ergeben sich damit Gesamtkosten von etwa 29.000 bis 49.000 €. Diese Zahl wirkt zunächst abschreckend. Sie steht allerdings einem im Mittel deutlich höheren Lebenseinkommen gegenüber – wobei dieser Durchschnitt, wie weiter unten ausgeführt, stark nach Fach und Abschluss auseinanderläuft.
Die Hochschulwahl ist damit immer auch eine finanzielle Entscheidung. Wer den Studienort frei wählen kann, entscheidet über mehrere zehntausend Euro. Private Hochschulen verlangen zusätzlich zwischen 400 und 2.000 € monatlich an Studiengebühren.
Die einmaligen Startkosten, die niemand einplant
Monatsrechnungen übersehen regelmäßig den teuersten Einzelmonat des gesamten Studiums: den ersten. Wer von zu Hause auszieht, muss innerhalb weniger Wochen einen vierstelligen Betrag aufbringen – oft bevor die erste BAföG-Zahlung eingegangen ist.
| Posten | Typische Höhe | Anmerkung |
|---|---|---|
| Mietkaution | 700–1.800 € | Bis zu drei Kaltmieten, wird erst nach dem Auszug zurückgezahlt |
| Erstausstattung Wohnung | 300–1.200 € | Möbel, Küchenausstattung, Lampen – gebraucht deutlich günstiger |
| Umzug | 150–600 € | Transporter, Kartons, Helfer |
| Laptop und Technik | 500–1.500 € | Bildungsrabatte prüfen; in MINT-Fächern teils höhere Anforderungen |
| Erster Semesterbeitrag | 150–400 € | Fällig vor Studienbeginn, unabhängig von der Finanzierungslage |
| Rundfunkbeitrag, Anmeldungen, Bürgschaften | 100–300 € | Befreiung ist bei BAföG-Bezug möglich, muss aber beantragt werden |
| Summe | ca. 1.900–5.800 € | realistischer Korridor: 1.500–3.500 € |
Acht Wege, das Studium zu finanzieren
Kaum jemand finanziert ein Studium aus einer einzigen Quelle. Der Regelfall ist ein Mix aus zwei bis vier Bausteinen, der sich im Studienverlauf verschiebt. Die folgenden acht Wege sind die relevanten.
BAföG – das Fundament
Bis zu 934 € monatlich, zur Hälfte Zuschuss, zur Hälfte zinsloses und in der Rückzahlung gedeckeltes Darlehen. Die Rückzahlung beginnt frühestens fünf Jahre nach Studienende. Beantragen Sie in jedem Fall – die Freibeträge wurden angehoben, und viele unterschätzen ihren Anspruch erheblich.
Stipendien
Über 3.400 Programme, aber nur rund 6 % der Studierenden nutzen sie. Die Begabtenförderungswerke zahlen BAföG-analog plus Studienkostenpauschale, das Deutschlandstipendium 300 € ohne Einkommensprüfung. Alle Optionen im Ratgeber Stipendien.
Werkstudium und Nebenjob
Werkstudierende arbeiten bis zu 20 Wochenstunden, sind weitgehend sozialversicherungsbefreit und sammeln einschlägige Erfahrung. Der Minijob ist unkomplizierter, aber schlechter bezahlt und ohne Bezug zum Fach.
Duales Studium
Das Unternehmen zahlt eine Vergütung von etwa 800 bis 1.500 € monatlich und übernimmt häufig die Gebühren. Finanziell die mit Abstand attraktivste Studienform – Details unter Duales Studium.
Studienkredit
Einkommensunabhängig, planbar, aber verzinst. Sinnvoll als Ergänzung oder Überbrückung, nicht als Hauptquelle. Prüfen Sie effektiven Jahreszins, Auszahlungsdauer und vor allem die Rückzahlungsphase.
Elternunterhalt
Eltern sind bis zum Abschluss der ersten Berufsausbildung unterhaltspflichtig. Der Rechtsanspruch besteht, praktisch funktioniert er aber nur bei kooperativen Eltern. Planen Sie immer einen zweiten Strang ein.
Wohngeld und Sozialleistungen
Wer keinen BAföG-Anspruch hat, kann unter Umständen Wohngeld beziehen. Für Studierende mit Kind kommen Kinderzuschlag, Elterngeld und Zuschüsse der Studierendenwerke infrage – diese Töpfe werden häufig übersehen.
Steuerliche Absetzbarkeit
Im Zweitstudium sind die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar – ein erheblicher Hebel, besonders bei einem Fernstudium neben dem Beruf. Im Erststudium ist der Abzug als Sonderausgaben begrenzt.
Drei realistische Beispielrechnungen
Abstrakte Spannen helfen wenig. Die folgenden drei Fälle zeigen, wie ein tragfähiger Finanzierungsmix konkret aussieht – jeweils für einen Bedarf, der zur Situation passt.
Fall 1: Abiturientin, mittleres Elterneinkommen, Studium in Leipzig
Bedarf rund 850 € monatlich. Zusammensetzung: BAföG-Teilbetrag 300 €, Elternunterhalt 300 €, Minijob 250 €. Der Nebenjob bleibt bewusst klein, damit das erste Studienjahr fachlich funktioniert. Ab dem dritten Semester Wechsel auf eine Werkstudentenstelle mit 12 Wochenstunden, wodurch der Elternanteil sinken kann. Rücklage für Startkosten: rund 2.000 € aus Ferienjobs vor Studienbeginn.
Fall 2: Student ohne Elternunterstützung, Studium in Köln
Bedarf rund 1.050 € monatlich. Zusammensetzung: BAföG-Höchstsatz 934 € sowie Werkstudentenstelle mit 10 Wochenstunden. Zusätzlich Bewerbung auf das Deutschlandstipendium, das nicht angerechnet wird und den Puffer schafft, in Prüfungsphasen die Arbeitszeit zu reduzieren. Wohnheimplatz statt WG senkt den Bedarf um rund 150 € monatlich – Bewerbung deshalb ein Jahr im Voraus.
Fall 3: Berufserfahrene, 34 Jahre, berufsbegleitendes Fernstudium
Kein BAföG-Anspruch, dafür laufendes Einkommen. Zusammensetzung: Studiengebühren 320 € monatlich, davon rund die Hälfte über die steuerliche Absetzbarkeit als Zweitausbildung zurück, dazu Arbeitgeberbeteiligung gegen eine zweijährige Bindung nach Abschluss. Parallel Bewerbung auf das Aufstiegsstipendium, das einkommensunabhängig und berufsbegleitend beziehbar ist. Kritische Größe ist hier nicht das Geld, sondern die Zeit.
Kosten nach Studienformat im Vergleich
| Format | Studiengebühren | Monatliche Gesamtkosten | Parallel verdienen |
|---|---|---|---|
| Staatliches Präsenzstudium | keine, nur Semesterbeitrag | 810–1.360 € | Werkstudium gut möglich |
| Private Hochschule | 400–2.000 € / Monat | 1.200–3.000 € | eingeschränkt, hohe Präsenzdichte |
| Duales Studium | keine, Unternehmen zahlt | positiv durch Vergütung | im Modell enthalten |
| Fernstudium staatlich | ca. 20 € / Monat | abhängig von der Lebenssituation | Vollzeitstelle möglich |
| Fernstudium privat | 200–700 € / Monat | plus laufende Lebenshaltung | Vollzeitstelle möglich |
| Auslandsstudium EU | je nach Land, teils vierstellig p. a. | 900–1.500 € | je nach Aufenthaltsrecht begrenzt |
Die Tabelle macht einen häufig übersehenen Punkt sichtbar: Das teuerste Format ist nicht automatisch das mit den höchsten Gebühren, sondern das, in dem sich am schlechtesten parallel verdienen lässt. Wer die Finanzierung nicht gesichert bekommt, sollte das Format bewusst danach auswählen – ein Auslandsstudium etwa verlangt in der Regel deutlich mehr Eigenmittel, weil Nebentätigkeiten aufenthaltsrechtlich und sprachlich begrenzt sind.
Studienkosten nach Stadt: Wo lebt es sich am günstigsten?
Die Miete ist der mit Abstand größte Kostenblock und variiert zwischen den Hochschulstädten um mehr als den Faktor zwei. Die folgende Übersicht zeigt Orientierungswerte für die zehn größten Hochschulstandorte.
| Stadt | Warmmiete WG-Zimmer | Gesamtkosten / Monat | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| München | ca. 620 € | 1.250–1.450 € | Teuerster Standort, sehr lange Wartelisten bei Wohnheimen |
| Frankfurt am Main | ca. 520 € | 1.100–1.300 € | Hohe Mieten, dafür sehr guter Werkstudentenmarkt |
| Hamburg | ca. 490 € | 1.050–1.250 € | Semesterticket deckt den gesamten Verkehrsverbund ab |
| Stuttgart | ca. 470 € | 1.030–1.200 € | Sehr viele Werkstudentenstellen in der Industrie |
| Berlin | ca. 450 € | 1.000–1.200 € | Mieten steigen deutlich, Angebot bleibt knapp |
| Köln | ca. 430 € | 980–1.150 € | Große Hochschule mit vergleichsweise vielen Wohnheimplätzen |
| Düsseldorf | ca. 420 € | 970–1.150 € | Ausgewogenes Verhältnis von Kosten und Angebot |
| Hannover | ca. 370 € | 880–1.050 € | Mittleres Preisniveau bei breitem Fächerangebot |
| Leipzig | ca. 310 € | 780–950 € | Günstigste Großstadt mit stark wachsender Hochschule |
| Dresden | ca. 300 € | 770–940 € | Forschungsstarke Universität bei niedrigen Lebenshaltungskosten |
Über sechs Semester summiert sich der Unterschied zwischen Dresden und München auf rund 18.000 € – mehr als die Hälfte der gesamten Studienkosten an einem günstigen Standort. Wer örtlich flexibel ist, hat hier den größten Einzelhebel. Welche Hochschulen infrage kommen, zeigt der Hochschulfinder; ob das Wunschfach dort angeboten wird, klärt die Übersicht der Studienfelder.
Ein Abbruch im fünften Semester kostet mehr als jede Miete. Unsere Potenzialanalyse prüft mit normierten Verfahren, ob Fach und Anforderungsprofil zu Ihnen passen – bevor die Investition läuft.
Die häufigsten Finanzierungsfehler
BAföG nicht beantragen
„Meine Eltern verdienen zu viel“ ist die häufigste falsche Annahme. Durch die angehobenen Freibeträge haben deutlich mehr Studierende Anspruch. Selbst ein Teilbetrag von 250 € monatlich summiert sich über sechs Semester auf einen fünfstelligen Betrag.
Nur auf Elternunterhalt bauen
Der Rechtsanspruch besteht, praktisch funktioniert er aber nur bei kooperativen Eltern. Konflikte, Trennungen oder Einkommenseinbrüche treffen sonst mit voller Wucht. Ein zweiter Strang gehört von Anfang an dazu.
Keine Stipendien suchen
Die wenigsten Programme verlangen ein Einserabitur. Engagement, besondere Lebenssituation oder eine klare fachliche Motivation reichen oft. Wer sich bei drei bis fünf Programmen bewirbt, hat realistische Chancen.
Zu viel arbeiten
Jenseits von 20 Wochenstunden steigt die Abbruchwahrscheinlichkeit deutlich. Ein Semester mehr kostet rund 5.000 € – das verdient kaum ein Nebenjob wieder ein. Weitere Anregungen unter Tipps zur Studienwahl.
Format nicht an die Finanzlage anpassen
Wer sich ein Vollzeitstudium nicht leisten kann, sollte ein duales oder berufsbegleitendes Modell ernsthaft prüfen – statt sich durch ein chronisch unterfinanziertes Präsenzstudium zu arbeiten.
Startkosten und Puffer vergessen
Kaution, Ausstattung und der Zeitversatz bis zur ersten Auszahlung führen häufig direkt in den Dispositionskredit. Wer die Finanzierung ohne Puffer plant, gerät schon im ersten Semester unter Druck – ein Muster, das im Ratgeber Studienabbruch regelmäßig auftaucht.
Auffällig ist, dass fast alle diese Fehler nichts mit Sparsamkeit zu tun haben, sondern mit Planung. Die häufigsten finanziellen Engpässe entstehen nicht durch zu hohe Ausgaben, sondern durch nicht beantragte Leistungen und fehlende Puffer – siehe auch die Übersicht der typischen Fehler bei der Studienwahl.
Sonderfall: Studieren ohne Abitur und die Finanzierung
Wer über den dritten Bildungsweg studiert, steht finanziell vor einer anderen Ausgangslage: Meist besteht bereits ein Einkommen, häufig auch Familie und laufende Verpflichtungen. Der Verzicht auf Arbeitszeit wiegt hier schwerer als die Studienkosten selbst.
Drei Optionen sind in dieser Konstellation besonders relevant. Das Aufstiegs-BAföG fördert Aufstiegsfortbildungen wie Meister- oder Fachwirtlehrgänge alters- und weitgehend einkommensunabhängig – es greift allerdings für die Fortbildung selbst, nicht für ein anschließendes Studium. Das Aufstiegsstipendium richtet sich ausdrücklich an Menschen mit Berufsausbildung und Berufserfahrung, ist einkommensunabhängig und auch berufsbegleitend beziehbar. Und die Arbeitgeberbeteiligung ist bei berufsbegleitenden Formaten deutlich üblicher als viele annehmen – in der Regel gegen eine Bindungsfrist nach Abschluss, deren Laufzeit und Rückzahlungsstaffel verhandelbar sind.
Die formalen Voraussetzungen des Zugangs erklärt der Ratgeber Studieren ohne Abitur, die Bewerbungswege die Seite Zulassung und Bewerbung. Bei zulassungsfreien Studiengängen ist der Prozess in der Regel unkomplizierter und damit auch die Finanzierungsplanung besser vorhersehbar. Für Detailfragen zum konkreten Verfahren ist die zentrale Studienberatung der Zielhochschule die richtige Adresse.
Sparen im Studium: zehn konkrete Hebel
- BAföG-Antrag stellen – immer, auch bei vermeintlich hohem Elterneinkommen. Der Aufwand ist einmalig, die Wirkung läuft über Jahre.
- Auf drei bis fünf Stipendien parallel bewerben – Mehrfachbewerbungen sind zulässig, die Exklusivität greift erst bei der Annahme.
- Wohnheim statt WG – die Studierendenwerke sind meist deutlich günstiger. Bewerbung ein bis zwei Semester im Voraus einplanen.
- Mensa systematisch nutzen – subventionierte Preise, und an den übrigen Tagen selbst kochen statt auswärts essen.
- Semesterticket ausreizen – prüfen Sie den Geltungsbereich, bevor Sie zusätzlich ein Monatsticket kaufen.
- Bibliothek statt Buchhandlung – Lehrbücher kosten 30 bis 80 € pro Stück; Fernleihe, Hochschullizenzen und Open Access decken fast alles ab.
- Studierendenrabatte konsequent nutzen – Software, Hardware, Abonnements und internationale Ermäßigungsausweise summieren sich spürbar.
- Werkstudium statt Minijob – höherer Stundenlohn, einschlägige Erfahrung und ein Lebenslauf, der beim Berufseinstieg zählt.
- Steuererklärung abgeben – auch ohne nennenswertes Einkommen; im Zweitstudium ist der Werbungskostenabzug ein erheblicher Hebel.
- Studienstadt strategisch wählen – der mit Abstand größte Einzelposten, wenn Sie örtlich flexibel sind.
Rechnet sich das Studium überhaupt?
Die Standardantwort lautet, Akademiker verdienten im Lebensverlauf deutlich mehr. Das stimmt im Durchschnitt – aber der Durchschnitt verdeckt hier mehr, als er zeigt. Drei Einschränkungen gehören dazu.
Erstens die Streuung. Der Abstand zwischen zwei Studienfächern ist oft größer als der zwischen Studium und qualifizierter Ausbildung. Ein Meister mit eigenem Betrieb liegt regelmäßig über einer geisteswissenschaftlichen Laufbahn im öffentlichen Sektor. Wer mit dem Durchschnitt rechnet, rechnet mit einer Zahl, die für die eigene Situation kaum aussagekräftig ist – welche Felder tatsächlich wachsen, zeigt der Ratgeber Studium mit Zukunft.
Zweitens die entgangenen Einkünfte. Die eigentlichen Kosten eines Studiums sind nicht die 35.000 € Lebenshaltung, sondern die drei bis fünf Jahre ohne volles Erwerbseinkommen. Wer aus einer laufenden Beschäftigung heraus studiert, muss diese Lücke in die Rechnung aufnehmen – einschließlich der fehlenden Rentenpunkte.
Drittens der Abschluss selbst. Der Ertrag entsteht durch den Abschluss, nicht durch die Immatrikulation. Ein Abbruch im fünften Semester bedeutet die vollen Kosten ohne den Ertrag – und das ist mit Abstand das teuerste Szenario. Genau deshalb ist die Frage der Passung keine weiche Größe, sondern die zentrale finanzielle Frage.
Praktisch heißt das: Rechnen Sie nicht mit Durchschnittswerten, sondern mit Ihrem Fach, Ihrem Standort und Ihrer Abschlusswahrscheinlichkeit. Eine unabhängige Studienberatung mit normierter Diagnostik erhöht genau diese letzte Größe – und eine anschließende Karriereplanung sorgt dafür, dass der Abschluss auch dort ankommt, wo er sich auszahlt.
Fundierte Studienwahl statt Bauchgefühl
Ein Studium ist eine Investition im mittleren fünfstelligen Bereich. Wir prüfen mit validierten Testverfahren, ob Fach, Format und Anforderungsprofil zusammenpassen – damit diese Investition zu einem Abschluss führt.
Zur StudienberatungHäufig gestellte Fragen
Für einen Bachelor über sechs Semester liegen die Gesamtkosten je nach Studienort etwa zwischen 29.000 und 49.000 Euro. Der überwiegende Teil davon entfällt auf Lebenshaltung, nicht auf Gebühren. Hinzu kommen einmalige Startkosten von grob 1.500 bis 3.500 Euro.
An staatlichen Hochschulen fallen keine allgemeinen Studiengebühren an, sondern nur ein Semesterbeitrag von etwa 150 bis 400 Euro, der meist das Semesterticket enthält. Ausnahmen gelten für Nicht-EU-Studierende in Baden-Württemberg, für bestimmte Zweitstudiengänge und in einigen Ländern für sehr lange Studienzeiten. Private Hochschulen erheben eigene Gebühren.
Der Höchstsatz liegt bei 934 Euro monatlich. Die tatsächliche Höhe hängt vom Einkommen der Eltern, vom eigenen Vermögen und von der Wohnsituation ab. Die Hälfte wird als Zuschuss gezahlt, die andere Hälfte als zinsloses Darlehen mit gedeckelter Rückzahlung ab frühestens fünf Jahre nach Studienende.
Ja. Die Freibeträge wurden angehoben, wodurch deutlich mehr Studierende einen zumindest teilweisen Anspruch haben. Auch Geschwister in Ausbildung, Fahrtkosten und besondere Belastungen der Eltern wirken sich aus. Der Antrag ist einmaliger Aufwand mit möglicher Wirkung über mehrere Jahre.
Als Werkstudierende gilt während der Vorlesungszeit die Grenze von 20 Wochenstunden, damit der Status als Studierende erhalten bleibt. Fachlich gilt dieselbe Zahl als Warnschwelle: Oberhalb davon steigt die Abbruchwahrscheinlichkeit deutlich. Beim BAföG sind zusätzlich die Freibeträge für eigenes Einkommen zu beachten.
Unter den großen Hochschulstädten liegen Dresden und Leipzig mit rund 770 bis 950 Euro Gesamtkosten monatlich am günstigsten, München mit 1.250 bis 1.450 Euro am teuersten. Über sechs Semester ergibt das eine Differenz von etwa 18.000 Euro. Kleinere Universitätsstädte liegen häufig noch darunter.
Mietkaution, Erstausstattung der Wohnung, Umzug, Laptop, erster Semesterbeitrag sowie diverse Anmeldungen. Realistisch liegt die Summe bei 1.500 bis 3.500 Euro, im Einzelfall auch darüber. Da die erste BAföG-Auszahlung häufig Monate auf sich warten lässt, sollte für diesen Zeitraum eine Rücklage bestehen.
Im Zweitstudium, also etwa im Master oder nach abgeschlossener Berufsausbildung, sind die Kosten in voller Höhe als Werbungskosten abziehbar. Im Erststudium ist der Abzug als Sonderausgaben der Höhe nach begrenzt und wirkt nur bei entsprechenden Einkünften im selben Jahr. Für die konkrete Gestaltung sollten Sie steuerlichen Rat einholen.
Wohnheimplätze der Studierendenwerke sind in der Regel deutlich günstiger als WG-Zimmer auf dem freien Markt, oft um 100 bis 250 Euro monatlich. Der Nachteil sind Wartezeiten von ein bis mehreren Semestern. Bewerben Sie sich daher, sobald die Zulassung absehbar ist, und nicht erst nach der Einschreibung.
Das ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich, insbesondere wenn dem Grunde nach kein BAföG-Anspruch besteht. Für Studierende mit Kind kommen zusätzlich Kinderzuschlag, Elterngeld und Zuschüsse der Studierendenwerke infrage. Diese Töpfe werden häufig übersehen und lohnen eine Prüfung beim zuständigen Amt.
Als Ergänzung oder Überbrückung ja, als Hauptfinanzierung selten. Ein Studienkredit ist einkommensunabhängig und planbar, aber verzinst und in voller Höhe zurückzuzahlen. Prüfen Sie effektiven Jahreszins, Auszahlungsdauer und vor allem die Rückzahlungsphase, bevor Sie abschließen. Dies ist eine allgemeine Einordnung und keine Finanzberatung.
Im Durchschnitt ja, aber der Durchschnitt taugt für die eigene Entscheidung wenig. Der Abstand zwischen zwei Studienfächern ist oft größer als der zwischen Studium und qualifizierter Ausbildung. Entscheidend sind drei Größen: das Fach, der tatsächliche Abschluss und die entgangenen Einkünfte während der Studienzeit. Ein Abbruch im fünften Semester ist das mit Abstand teuerste Szenario.