Beamtenausbildung · Mittlerer PolizeivollzugsdienstOhne Abitur zur Polizei · nicht in allen Bundesländern möglich

Polizeimeister/-in: Ausbildung im mittleren Dienst, Gehalt und Karriere

Polizeimeister/-in ist das Einstiegsamt im mittleren Polizeivollzugsdienst, also der Weg zur Polizei ohne Abitur und ohne Studium. Anders als ein klassischer Ausbildungsberuf ist es eine Beamtenausbildung: Sie werden als Polizeimeisteranwärter/-in Beamtin oder Beamter auf Widerruf, erhalten Anwärterbezüge und schließen nach zwei bis zweieinhalb Jahren mit der Laufbahnprüfung ab. Der wichtigste Punkt vorab: Nicht jedes Bundesland bildet noch für den mittleren Dienst aus. Wir zeigen, wo es den Weg gibt, was er bezahlt, wie die Ausbildung abläuft und wie Sie sich auf den Einstellungstest vorbereiten.

Bund + 10
Dienstherren mit mittlerem Dienst
1.560 €
Anwärtergrundbetrag Bund 2026
2–2,5 Jahre
Dauer des Vorbereitungsdienstes
A 7
Eingangsamt nach der Prüfung
Steckbrief

Kurzüberblick: Polizeimeister/-in

Polizeimeister/-innen sind die Polizeivollzugsbeamten der Laufbahngruppe 1, früher und umgangssprachlich mittlerer Dienst genannt. Sie fahren Streife, nehmen Unfälle und Anzeigen auf, sichern Einsätze und Veranstaltungen ab und sind bei der Bundespolizei an Grenzen, Bahnhöfen und Flughäfen im Einsatz. Die Ausbildung ist kein Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz, sondern ein Vorbereitungsdienst, den der Bund und jedes Land in eigenen Verordnungen regeln. Deshalb heißen Laufbahn und Abschnitte je nach Dienstherr unterschiedlich, etwa zweite Qualifikationsebene in Bayern oder Laufbahngruppe 1, zweites Einstiegsamt in anderen Ländern.

Polizeimeister/-in: Der Vorbereitungsdienst dauert zwei bis zweieinhalb Jahre, bei der Bundespolizei genau zweieinhalb. Als Anwärter/-in erhalten Sie 2026 beim Bund einen Anwärtergrundbetrag von 1.560,06 € brutto im Monat, in den Ländern je nach Land rund 1.470 bis 1.590 €. Nach bestandener Laufbahnprüfung folgt die Ernennung zum Polizeimeister in Besoldungsgruppe A 7.

Auf einen Blick

Alle Eckdaten

BerufPolizeimeister/-in (Polizeivollzugsbeamter/-in im mittleren Dienst)
LaufbahnLaufbahngruppe 1, mittlerer Polizeivollzugsdienst; Bezeichnung je nach Dienstherr verschieden
Art der AusbildungBeamtenrechtlicher Vorbereitungsdienst, Beamtenverhältnis auf Widerruf
Dauer2 bis 2,5 Jahre; Bundespolizei 2,5 Jahre
AnwärterbezügeBund 1.560,06 € (2026, Abschlag unter Vorbehalt), Länder rund 1.470 bis 1.590 €; in allen Ausbildungsjahren gleich
Nach der AusbildungPolizeimeister/-in, Besoldungsgruppe A 7, plus Polizeizulage
ZugangMittlerer Schulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung
AbschlussLaufbahnprüfung
Wo möglichBundespolizei und zehn Länder; nicht in Bremen, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland
RIASEC-InteressencodeRSE – Realistic · Social · Enterprising (redaktionelle Einschätzung)
FachkräftelageBeamtenlaufbahn, daher nicht Teil der BA-Engpassanalyse
Was macht ein Polizeimeister?

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Alltag im mittleren Dienst spielt sich überwiegend auf der Straße und auf der Wache ab. Bei den Landespolizeien ist das vor allem der Wach- und Wechseldienst einer Polizeiinspektion oder eines Reviers, ergänzt durch Einsätze der Bereitschaftspolizei. Bei der Bundespolizei kommen Aufgaben hinzu, die nur der Bund hat: Grenzschutz, Bahnpolizei und Luftsicherheit.

1

Streifendienst

Fuß- und Funkstreife, Präsenz zeigen, Gefahren abwehren und als Erste vor Ort sein, wenn ein Notruf eingeht.

2

Hilfe in Notsituationen

Unfallstellen absichern, Erste Hilfe leisten, Streit schlichten, Menschen in akuten Krisen schützen.

3

Verkehrsunfälle und Kontrollen

Unfälle aufnehmen, Personalien feststellen, Verkehrskontrollen durchführen und Ordnungswidrigkeiten ahnden.

4

Anzeigen und Berichte

Auf der Wache Anrufe annehmen, Strafanzeigen aufnehmen und Berichte schreiben. Ein großer Teil der Arbeit ist Schreibarbeit, deshalb zählt Rechtschreibung schon im Einstellungstest.

5

Strafverfolgung im ersten Angriff

Spuren sichern, Beweismittel sicherstellen, Zeugen befragen, bei Fahndungen und Festnahmen mitwirken.

6

Einsätze der Bereitschaftspolizei

Demonstrationen, Fußballspiele und Großveranstaltungen absichern, oft in geschlossenen Einheiten und auch über Landesgrenzen hinweg.

7

Grenzschutz (Bundespolizei)

Grenzen zu Land, zu Wasser und aus der Luft überwachen, den grenzüberschreitenden Verkehr kontrollieren und grenzüberschreitende Kriminalität bekämpfen.

8

Bahnpolizei (Bundespolizei)

Streifen- und Kontrollgänge auf Bahnhöfen und in Zügen, Gefahrenabwehr auf den Bahnanlagen des Bundes.

9

Luftsicherheit (Bundespolizei)

An Flughäfen die Kontrolle von Fluggästen und Gepäck verantworten und Gefahren für den Luftverkehr abwehren.

Laufbahnfrage · vor der Bewerbung klären

Mittlerer oder gehobener Dienst: Ausbildung oder Studium?

Bei der Polizei gibt es zwei Einstiege. Der mittlere Dienst ist eine Ausbildung von zwei bis zweieinhalb Jahren und steht mit mittlerem Schulabschluss offen. Der gehobene Dienst ist ein dreijähriges duales Bachelorstudium und verlangt in der Regel Abitur oder Fachhochschulreife; er führt zum Polizeikommissar in Besoldungsgruppe A 9. Der Trend geht seit Jahren zum Studium: Mehrere Länder haben den mittleren Dienst abgeschafft und stellen nur noch über das Bachelorstudium ein. Wer heute als Polizeimeister/-in beginnt, ist deshalb auf den Bund oder eines der zehn Länder angewiesen, die noch ausbilden.

Mittlerer Dienst

Ausbildung, 2 bis 2,5 Jahre. Zugang mit mittlerem Schulabschluss. Eingangsamt Polizeimeister/-in, A 7. Endamt Polizeihauptmeister/-in, A 9.

Gehobener Dienst

Duales Studium, meist 3 Jahre, Abschluss Bachelor. Zugang mit Abitur oder Fachhochschulreife. Eingangsamt Polizeikommissar/-in, A 9.

Aufstieg möglich

Der mittlere Dienst ist keine Sackgasse. Wer sich bewährt, kann über das Aufstiegsverfahren seines Dienstherrn in den gehobenen Dienst wechseln, meist mit einem verkürzten Studium.

Bund und Länder

Wo gibt es die Ausbildung im mittleren Dienst?

Polizei ist Ländersache. Jedes Land entscheidet selbst, ob es noch für den mittleren Dienst ausbildet, und legt Einstellungstermine, Altersgrenzen und Auswahlverfahren fest. Die Bundespolizei bildet bundesweit aus, in Aus- und Fortbildungszentren unter anderem in Bamberg, Bielefeld, Diez, Eschwege, Neustrelitz, Oerlenbach, Rotenburg an der Fulda, Swisttal und Walsrode. Die Höchstalter in der Tabelle sind Richtwerte für den Einstieg im mittleren Dienst; verbindlich ist immer die aktuelle Ausschreibung des Landes.
Dienstherr
Mittlerer Dienst
Höchstalter (Richtwert)
Hinweis
Bundespolizei
Ja, 2,5 Jahre
laut Ausschreibung
Grenze, Bahn, Flughafen, Bereitschaftspolizei
Baden-Württemberg
Ja
32 Jahre
Einstellung im Frühjahr und Herbst
Bayern
Ja (2. Qualifikationsebene)
30 Jahre
Start meist bei der Bereitschaftspolizei
Berlin
Ja
35 Jahre
Einstellung im Frühjahr und Herbst
Brandenburg
Ja
35 Jahre
Ausbildung in Oranienburg
Hamburg
Ja, 2,5 Jahre
36 Jahre
Akademie der Polizei Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Ja
34 Jahre
Termine laut Karriereportal
Sachsen
Ja (Laufbahngruppe 1.2)
34 Jahre
höchster Anwärtergrundbetrag 2026
Sachsen-Anhalt
Ja (Laufbahngruppe 1, 2. Einstiegsamt)
37,5 Jahre
Fachhochschule Polizei Aschersleben
Schleswig-Holstein
Ja (Laufbahngruppe 1.2)
42,5 Jahre
vergleichsweise hohe Altersgrenze
Thüringen
Ja
35 Jahre
Bildungszentrum Meiningen
Bremen, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland
Nein, nur Bachelorstudium
–
teils Vorbereitungswege ohne Abitur, siehe unten

Ohne Abitur in einem Land ohne mittleren Dienst? Einige dieser Länder bieten einen Vorbereitungsweg an. In Niedersachsen führt die zweijährige Fachoberschule Wirtschaft und Verwaltung mit Zusage der Polizeiakademie automatisch ins Bachelorstudium. Rheinland-Pfalz bietet den zweijährigen Bildungsgang Polizei und Verwaltung an, in dem Sie die Fachhochschulreife erwerben. Wer in Bremen, NRW oder im Saarland ohne Fachhochschulreife zur Polizei will, bewirbt sich in der Regel bei der Bundespolizei oder in einem Nachbarland mit mittlerem Dienst.

Voraussetzungen & Eignung

Passt dieser Beruf zu dir?

Die Hürde liegt bei der Polizei weniger im Schulzeugnis als im Auswahlverfahren. Neben den beamtenrechtlichen Voraussetzungen prüfen Bund und Länder kognitive Fähigkeiten, Rechtschreibung, Sport, Gesundheit und Persönlichkeit, meist an mehreren Tagen. Wie das abläuft und wie Sie üben, zeigt unsere Seite zum Einstellungstest Polizei.

Formale Voraussetzungen

  • Mittlerer Schulabschluss oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung
  • Deutsche Staatsangehörigkeit oder, je nach Dienstherr, die eines anderen EU-Staates
  • Mindestalter 16 Jahre, Höchstalter je nach Land zwischen 30 und gut 40 Jahren
  • Polizeidiensttauglichkeit nach ärztlicher Untersuchung
  • Bestandener Sporttest, häufig dazu ein Schwimmnachweis
  • Einwandfreier Leumund und Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung
  • Mindestgröße nur in einem Teil der Länder, Werte unterschiedlich
  • Führerschein Klasse B wird oft verlangt oder in der Ausbildung erworben

Persönliche Eigenschaften

  • Belastbarkeit – Unfälle, Gewalt und Konflikte gehören zum Dienst
  • Durchsetzungsvermögen mit Augenmaß, auch gegenüber aufgebrachten Menschen
  • Kommunikationsstärke und Fähigkeit zur Deeskalation
  • Gerechtigkeitssinn und Respekt vor Recht und Gesetz
  • Körperliche Fitness über die ganze Dienstzeit
  • Teamfähigkeit – Streife ist Arbeit im Team
  • Sorgfalt beim Schreiben von Anzeigen und Berichten
  • Bereitschaft zu Schichtdienst und Einsätzen fern vom Wohnort
R
S
E

RIASEC-Profil: RSE – Realistic · Social · Enterprising

Unsere redaktionelle Einschätzung des Interessenprofils: Realistic für das praktische, körperliche Arbeiten draußen, mit Fahrzeug, Ausrüstung und Einsatztraining. Social für den ständigen Kontakt mit Menschen in Ausnahmesituationen, als Helfer, Schlichter und Ansprechpartner. Enterprising für das Durchsetzen von Maßnahmen und das Führen von Situationen, in denen schnell entschieden werden muss. Im Vergleich zum Polizeikommissar im gehobenen Dienst liegt der Schwerpunkt stärker auf dem praktischen Einsatz und weniger auf Sachbearbeitung und Führung.

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Gehalt: Anwärterbezüge in der Ausbildung & Besoldung danach

In der Polizeiausbildung gibt es keine Ausbildungsvergütung nach Tarif, sondern Anwärterbezüge nach dem Besoldungsrecht des Dienstherrn. Anders als bei Azubis steigen sie nicht von Jahr zu Jahr, sondern sind in der ganzen Ausbildung gleich hoch. Dazu kommen je nach Dienstherr Familienzuschlag und Zulagen. Beamtinnen und Beamte zahlen keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung; die Krankenversorgung läuft je nach Dienstherr über die freie Heilfürsorge oder über Beihilfe.

Anwärtergrundbetrag mittlerer Dienst 2026

Dienstherr
Pro Monat
Pro Jahr
Hinweis
Bund (Bundespolizei)
1.560,06 €
~18.720 €
Abschlag unter Vorbehalt, Anpassungsgesetz steht aus
Sachsen
1.588,41 €
~19.060 €
höchster Länderwert 2026
Übrige Länder
ab rund 1.470 €
~17.600 € und mehr
je nach Land und Stichtag

Brutto, Anwärtergrundbetrag ohne Zuschläge. Quelle: Übersichten der Anwärterbezüge 2026 für Bund und Länder (Stand September 2026). Die Länderwerte gelten für alle Laufbahnen des mittleren Dienstes, nicht nur für die Polizei.

Besoldung nach der Laufbahnprüfung

Polizeimeister/-in
A 7
Beim Bund 2026 rund 3.370 € brutto im Monat einschließlich Polizeizulage
Polizeiobermeister/-in
A 8
Erste Beförderung nach Bewährung und Beurteilung
Polizeihauptmeister/-in
A 9
Endamt des mittleren Dienstes, teils mit Amtszulage

Innerhalb jeder Besoldungsgruppe steigt das Grundgehalt mit den Erfahrungsstufen. Die Polizeizulage beträgt beim Bund 2026 zunächst 95 € und nach zwei Dienstjahren 228 € im Monat (vorläufige Werte); in den Ländern liegt sie niedriger. Hinzu kommen Zulagen für Dienst zu ungünstigen Zeiten.

Verlauf

Ausbildungsablauf: Was passiert in den zweieinhalb Jahren?

Am klarsten geregelt ist der Ablauf bei der Bundespolizei. Die Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den mittleren Polizeivollzugsdienst in der Bundespolizei legt zwei Jahre und sechs Monate fest, gegliedert in Grundausbildung, weitere Ausbildung und Laufbahnlehrgang. Die Länder folgen einem ähnlichen Muster aus Polizeischule und Praxisphasen auf den Dienststellen, mit teils kürzerer Gesamtdauer.

Monat 1–12

Grundausbildung

Staats- und Verfassungsrecht, Eingriffsrecht, Straf- und Verkehrsrecht, Einsatzlehre. Dazu Sport, Selbstverteidigung, Schießausbildung, Erste Hilfe und Fahrausbildung. Gelernt wird überwiegend im Aus- und Fortbildungszentrum.

Monat 13–24

Weitere Ausbildung

Praxisphasen auf Dienststellen, etwa im Streifendienst, bei der Bahnpolizei oder am Flughafen, im Wechsel mit vertiefendem Unterricht. Erste Einsätze an der Seite erfahrener Kolleginnen und Kollegen.

Monat 25–30

Laufbahnlehrgang

Wiederholung und Vertiefung aller Fachgebiete, Einsatztraining unter realistischen Bedingungen und gezielte Vorbereitung auf die Prüfung.

Ende

Laufbahnprüfung und Ernennung

Schriftliche, mündliche und praktische Prüfungsteile. Wer besteht, wird zur Polizeimeisterin oder zum Polizeimeister ernannt, zunächst als Beamter auf Probe und nach der Probezeit auf Lebenszeit. Die Bundespolizei sichert die Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung zu.

Nach der Prüfung

Karrierewege: Vom Streifendienst bis zum gehobenen Dienst

Nach der Ernennung beginnen die meisten im Wach- und Wechseldienst oder in einer Einheit der Bereitschaftspolizei. Von dort führen drei Richtungen weiter: Spezialisierung auf bestimmte Verwendungen, Beförderung innerhalb des mittleren Dienstes und der Aufstieg in den gehobenen Dienst.

Einsatz und Bereitschaft

Die klassischen ersten Verwendungen.

  • Wach- und Wechseldienst im Revier oder in der Inspektion
  • Bereitschaftspolizei bei Großlagen
  • Bundespolizei an Grenze, Bahnhof und Flughafen
  • Verkehrspolizei und Autobahnpolizei

Spezialverwendungen

Mit Eignung, Erfahrung und Zusatzlehrgängen.

  • Diensthundeführer/-in
  • Wasserschutzpolizei bzw. Bundespolizei See
  • Bundespolizei-Flugdienst
  • Spezialeinheiten nach eigenem Auswahlverfahren

Beförderung im mittleren Dienst

Aufstieg innerhalb der Laufbahn nach Beurteilung.

  • Polizeimeister/-in, A 7
  • Polizeiobermeister/-in, A 8
  • Polizeihauptmeister/-in, A 9
  • Polizeihauptmeister/-in mit Amtszulage

Aufstieg in den gehobenen Dienst

Der Weg zum Polizeikommissar bleibt offen.

  • Aufstiegsverfahren des Dienstherrn nach Bewährung
  • Studium an der Polizeihochschule, oft verkürzt
  • Danach Sachbearbeitung, Kriminalpolizei, Führungsfunktionen
  • Später auch Zugang zum höheren Dienst möglich

Sie stehen vor der Wahl zwischen Ausbildung und Studium oder zwischen Polizei und einem anderen Beruf? Eine Berufsberatung schafft eine belastbare Grundlage für die Entscheidung.

Ehrlicher Blick

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs

Die Polizei bietet eine Sicherheit, die kaum ein anderer Ausbildungsweg ohne Abitur bietet. Der Preis dafür sind Schichtdienst, Belastung und eine geringe Wahlfreiheit beim Einsatzort, gerade in den ersten Jahren.

Was für den Beruf spricht

  • Beamtenstatus mit Verbeamtung auf Lebenszeit nach der Probezeit
  • Bezahlung schon in der Ausbildung, gleich hoch ab dem ersten Monat
  • Weg zur Polizei ohne Abitur, in vielen Dienstherren noch offen
  • Sinnstiftende Arbeit für Sicherheit und Recht
  • Abwechslung statt Büroalltag
  • Aufstieg in den gehobenen Dienst ist möglich
  • Freie Heilfürsorge oder Beihilfe statt Krankenkassenbeitrag

Was Sie wissen sollten

  • Nicht in jedem Land möglich – unter Umständen ist ein Umzug nötig
  • Schichtdienst an Wochenenden, Feiertagen und nachts
  • Einsatzort nach Bedarf des Dienstherrn, häufig zunächst fern der Heimat
  • Psychische Belastung durch Unfälle, Gewalt und Anfeindungen
  • Hohe Hürde im Auswahlverfahren, oft nur ein Bruchteil der Bewerber
  • Endamt A 9 ohne Aufstieg in den gehobenen Dienst
  • Sport und Gesundheit müssen über die ganze Dienstzeit stimmen
Berufsvergleich

Polizeimeister vs. Polizeikommissar und Sicherheitsberufe

Wer über Sicherheit als Beruf nachdenkt, vergleicht meist drei Wege: den mittleren Polizeidienst, das Polizeistudium im gehobenen Dienst und die private Sicherheitswirtschaft.

Kriterium
Polizeimeister/-in
Polizeikommissar/-in
Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Weg
Beamtenausbildung
Duales Bachelorstudium
Duale Ausbildung
Dauer
2 bis 2,5 Jahre
meist 3 Jahre
3 Jahre
Zugang
Mittlerer Schulabschluss
Abitur oder Fachhochschulreife
gesetzlich offen
Status
Beamter
Beamter
Angestellter
Hoheitliche Befugnisse
Ja
Ja
Nein, nur Jedermannrechte
Eingangsamt
A 7
A 9
Tarif der Sicherheitsbranche
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Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„Der mittlere Dienst ist für viele der realistischste Weg zur Polizei, aber die Entscheidung fällt oft am falschen Punkt. Die erste Frage lautet nicht, ob man Polizist werden will, sondern bei welchem Dienstherrn: Wer in NRW, Hessen oder Niedersachsen lebt, muss sich zwischen Studium, Bundespolizei und Umzug entscheiden. Die zweite Frage ist die Vorbereitung. Im Auswahlverfahren scheitern viele nicht an der Motivation, sondern an Diktat, Konzentrationstest oder Sport – alles Dinge, die man gezielt üben kann. Und wer das Abitur ohnehin in Reichweite hat, sollte den gehobenen Dienst ernsthaft prüfen, weil er mit A 9 dort beginnt, wo der mittlere Dienst endet.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · Fachlicher Beirat

Einstellungstest

Einstellungstest Polizei: Was im Auswahlverfahren geprüft wird

Das Auswahlverfahren der Polizei ist eines der aufwendigsten im öffentlichen Dienst. Es kombiniert einen computergestützten Test, oft ein Diktat, den Sporttest, die ärztliche Untersuchung und ein Auswahlgespräch, je nach Dienstherr verteilt auf mehrere Tage. Ablauf, Beispielaufgaben, Länderunterschiede und einen Trainer mit Laufbahn-Weiche finden Sie auf der Seite Einstellungstest Polizei.

RechtschreibunghochLogikhochKonzentrationhochMerkfähigkeitmittelRechnenmittelAllgemeinwissenmittelSporttesthochPersönlichkeithoch

Typische Schwerpunkte im Auswahlverfahren für den mittleren Polizeidienst – redaktionelle Einschätzung. Verbindlich ist, was der Dienstherr in der Einladung mitteilt.

Diese Testteile sollten Sie üben

Der Sporttest ist der Teil, der sich am wenigsten kurzfristig nachholen lässt. Wer sich bewirbt, sollte die Anforderungen seines Dienstherrn früh kennen und mehrere Monate vorher gezielt trainieren.

Das typische Interessenprofil für diesen Beruf ist RSE – praktisch, sozial und durchsetzungsstark. Ob Ihr eigenes Profil passt, zeigt der kostenlose Berufswahltest.

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Zukunftsprofil

Zukunftsaussichten: Wie sicher ist der Weg in den mittleren Dienst?

Für die meisten Ausbildungsberufe zeigen wir hier einen Zukunftsscore aus KI-Risiko, Fachkräftelage und Ausbildungsmarkt. Für den Polizeivollzugsdienst gibt es diese Daten nicht: Beamtinnen und Beamte fließen weder in die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit noch in die Ausbildungsstatistik des BIBB ein. Wir verzichten deshalb bewusst auf eine Note und ordnen die drei Fragen einzeln ein.

Der Beruf: sehr robust

Polizeiarbeit ist Präsenz, Eingriff und Kontakt mit Menschen vor Ort. Hoheitliche Befugnisse sind nach Artikel 33 Absatz 4 Grundgesetz grundsätzlich Beamtinnen und Beamten vorbehalten. Digitale Werkzeuge verändern Dokumentation und Ermittlung, ersetzen aber nicht die Streife.

Die Stelle: sehr sicher

Nach der Probezeit folgt die Verbeamtung auf Lebenszeit. Eine betriebsbedingte Kündigung gibt es nicht, und die Bundespolizei sichert die Übernahme nach bestandener Ausbildung zu.

Die Laufbahn: unter Druck

Das eigentliche Zukunftsrisiko liegt im Einstieg selbst. Sechs Länder haben den mittleren Dienst bereits abgeschafft und stellen nur noch mit Studium ein. Wer langfristig plant, sollte den Aufstieg in den gehobenen Dienst von Anfang an mitdenken.

Häufige Fragen

Polizeiausbildung im mittleren Dienst – FAQ

Ja, über den mittleren Dienst. Dafür genügt in der Regel ein mittlerer Schulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung. Den mittleren Dienst bieten aber nur noch die Bundespolizei und zehn Länder an: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland stellen nur noch über ein Bachelorstudium für den gehobenen Dienst ein. Niedersachsen und Rheinland-Pfalz bieten mit Fachoberschule bzw. dem Bildungsgang Polizei und Verwaltung einen Vorbereitungsweg zur Fachhochschulreife an. Eine Alternative ohne Umweg ist die Bundespolizei, die bundesweit für den mittleren Dienst ausbildet.

Je nach Dienstherr zwei bis zweieinhalb Jahre. Bei der Bundespolizei sind es genau zweieinhalb Jahre: zwölf Monate Grundausbildung, zwölf Monate weitere Ausbildung und sechs Monate Laufbahnlehrgang, am Ende die Laufbahnprüfung.

Anwärterinnen und Anwärter erhalten Anwärterbezüge, die in der ganzen Ausbildung gleich hoch sind. Der Anwärtergrundbetrag für den mittleren Dienst liegt 2026 beim Bund bei 1.560,06 Euro brutto im Monat, in den Ländern je nach Land bei rund 1.470 bis 1.590 Euro. Je nach Dienstherr kommen Familienzuschlag und Zulagen hinzu.

Polizeimeisterinnen und Polizeimeister werden nach Besoldungsgruppe A 7 bezahlt. Beim Bund sind das 2026 zum Einstieg rund 3.370 Euro brutto im Monat einschließlich Polizeizulage. Mit den Erfahrungsstufen und den Beförderungen zum Polizeiobermeister (A 8) und Polizeihauptmeister (A 9) steigt die Besoldung.

Das Mindestalter liegt bei 16 Jahren. Das Höchstalter legt jeder Dienstherr selbst fest; es reicht ungefähr von 30 Jahren in Bayern bis gut 42 Jahren in Schleswig-Holstein. Maßgeblich ist immer die aktuelle Ausschreibung.

Polizeimeister ist das Eingangsamt des mittleren Dienstes, erreicht über eine Ausbildung mit mittlerem Schulabschluss, Besoldung ab A 7. Polizeikommissar ist das Eingangsamt des gehobenen Dienstes, erreicht über ein dreijähriges duales Bachelorstudium mit Abitur oder Fachhochschulreife, Besoldung ab A 9. Aus dem mittleren Dienst ist der Aufstieg in den gehobenen Dienst möglich.

Am meisten bringt gezieltes Üben der Testteile, die sich trainieren lassen: Diktat und Rechtschreibung, Logik, Konzentration, Merkfähigkeit und Rechnen. Den Sporttest sollten Sie mehrere Monate vorher vorbereiten. Unser kostenloser Trainer zum Einstellungstest Polizei bildet die Testteile mit einer Laufbahn-Weiche für den mittleren Dienst ab.

Die meisten Dienstherren erlauben eine erneute Bewerbung, oft nach einer Wartezeit. Lohnend ist ein ehrlicher Blick darauf, woran es lag: an einem trainierbaren Testteil oder an der Passung zum Beruf. Wenn Sie Alternativen prüfen wollen, etwa Zoll, Justiz, Feuerwehr oder einen Ausbildungsberuf in der Sicherheitsbranche, hilft eine persönliche Berufsberatung.

Klarheit vor der Bewerbung schaffen

Ein Auswahlverfahren bei der Polizei kostet Zeit und Kraft, und die Entscheidung zwischen mittlerem Dienst, Studium und einem anderen Beruf prägt die nächsten Jahrzehnte. Bevor Sie sich bewerben, sollten Sie wissen, ob Ihre Interessen und Stärken zum Polizeidienst passen. Wir bieten wissenschaftlich fundierte Diagnostik und persönliche Beratung – an sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Verordnung über den Vorbereitungsdienst für den mittleren Polizeivollzugsdienst in der Bundespolizei, § 21 Dauer und Gliederung.
  • Bundespolizei, Karriereportal komm-zur-bundespolizei.de: Laufbahnen und Ausbildungsstandorte.
  • Bundesagentur für Arbeit, Berufsinformation Polizeivollzugsbeamter/-in im mittleren Dienst (Bund und Länder).
  • Anwärterbezüge und Polizeizulage 2026: Übersichten für Bund und Länder, Stand September und Oktober 2026; Bundeswerte als Abschlag unter Vorbehalt des Anpassungsgesetzes.
  • Altersgrenzen: Länderübersicht 2026; verbindlich sind die Ausschreibungen der Polizeien.
  • Grundgesetz, Artikel 33 Absatz 4 (Funktionsvorbehalt).
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): Making Vocational Choices, 3. Auflage, PAR.
  • Stand der Länderangaben: Oktober 2026. Ob ein Land den mittleren Dienst anbietet, kann sich durch Reformen ändern.