Elektroniker/in für Informations- und Systemtechnik: Ausbildung, Gehalt und Karriere
Dieser Beruf liegt genau zwischen Elektrotechnik und IT: Systeme aus Hardware, Software und Netzwerk werden entwickelt, integriert, programmiert und in Betrieb genommen. Ausgebildet wird in der tarifstarken Industrie. Wir zeigen Aufgaben, die Abgrenzung zum Fachinformatiker und die Karrierewege.
Kurzüberblick: Elektroniker/in für Informations- und Systemtechnik
Elektronikerinnen und Elektroniker für Informations- und Systemtechnik entwickeln, integrieren und betreuen informationstechnische Systeme aus Hardware, Software und Netzwerk. Sie erstellen Systemkomponenten, programmieren, konfigurieren Netzwerke, nehmen Systeme in Betrieb und betreuen sie im laufenden Einsatz. Ausgebildet wird überwiegend in der Metall- und Elektroindustrie sowie bei Systemherstellern.
Aufgaben & Arbeitsalltag
Der Alltag verbindet Labor, Werkstatt und Rechner. Wer hier arbeitet, muss beide Seiten verstehen: Wenn ein System nicht funktioniert, kann die Ursache in der Hardware, in der Konfiguration oder in der Software liegen – und genau diese Unterscheidung ist die Kernkompetenz des Berufs.
Systeme konzipieren und aufbauen
Komponenten auswählen, Hardware aufbauen, verkabeln und zu einem funktionierenden System zusammenfügen.
Programmieren und konfigurieren
Steuerungs- und Systemsoftware erstellen oder anpassen, Parameter setzen und Schnittstellen einrichten.
Netzwerke einrichten
Netzstrukturen aufbauen, Adressierung und Zugriffsrechte konfigurieren und die Kommunikation sicherstellen.
Systeme in Betrieb nehmen
Funktionen prüfen, Abläufe testen, Sicherheitsanforderungen umsetzen und Anwender einweisen.
Fehler eingrenzen
Zwischen Hardware, Verkabelung, Konfiguration und Software unterscheiden und die Ursache systematisch bestimmen.
Systeme betreuen und aktualisieren
Wartung, Updates, Datensicherung und Anpassung an veränderte Anforderungen.
Der Beruf an der Schnittstelle – und was ihn vom Fachinformatiker trennt
Der Beruf wird häufig mit dem Fachinformatiker verwechselt. Der Unterschied ist die Hardwarekompetenz: Hier wird nicht nur konfiguriert und programmiert, sondern auch elektrotechnisch aufgebaut, gemessen und geprüft. Wer eingebettete Systeme, Industriesteuerungen oder Geräte mit eigener Firmware betreut, braucht genau diese Kombination. Auch dieser Beruf wurde 2018 teilnovelliert und bietet die drei Zusatzqualifikationen.
Elektrotechnik als Basis
Anders als der Fachinformatiker bringt dieser Beruf eine vollwertige elektrotechnische Ausbildung mit – einschließlich Messtechnik und elektrischer Sicherheit.
Embedded und Industrie
Das typische Arbeitsfeld sind Systeme, in denen Hardware und Software untrennbar zusammengehören: Steuerungen, Geräte mit Firmware, industrielle Kommunikationssysteme.
Drei Zusatzqualifikationen
Digitale Vernetzung, IT-Sicherheit und Programmierung stehen optional zur Verfügung – in diesem Beruf besonders naheliegend.
Ausbildungsinhalte: Was in den dreieinhalb Jahren vermittelt wird
Elektrotechnische Grundlagen
Schaltungstechnik, Messtechnik, Bauelemente und elektrische Sicherheit.
Digitaltechnik und Mikrocontroller
Logik, Prozessoren, Speicher, Schnittstellen und Firmwaregrundlagen.
Programmierung
Strukturierte Programmierung, Testen, Fehlersuche und Versionsverwaltung.
Netzwerktechnik
Netzstrukturen, Protokolle, Adressierung, industrielle Kommunikation und Fernzugriff.
Systemintegration
Hardware, Software und Netzwerk zu einem funktionierenden System zusammenführen.
Inbetriebnahme und Test
Testverfahren, Abnahme, Dokumentation und Anwendereinweisung.
IT-Sicherheit und Datenschutz
Zugriffsschutz, Netztrennung, Updatestrategien und Umgang mit Daten.
Digitalisierung der Arbeit
Seit 2018 verbindliche Berufsbildposition zu vernetztem Arbeiten und Informationssicherheit.
Passt der Beruf zu mir?
Der Beruf verlangt Interesse an beiden Welten – Elektrotechnik und Software. Wer nur programmieren möchte, ist beim Fachinformatiker besser aufgehoben; wer nur schrauben will, in der Betriebstechnik. Wer unsicher ist, ob das eigene Profil zu diesen Anforderungen passt, gewinnt in einer individuellen Berufsberatung Klarheit – auf Basis diagnostischer Verfahren statt subjektiver Einschätzung.
Formale Voraussetzungen
- In der Praxis meist mittlere Reife, häufig auch höher
- Gute Noten in Mathematik, Physik und Informatik
- Logisches Denkvermögen für Programmierung
- Handwerkliches Geschick für Hardwareaufbau
- Englischkenntnisse für Dokumentationen
- Häufig Einstellungstest der Industrie
Persönliche Eigenschaften
- Beidseitiges Interesse an Hardware und Software
- Systematisches Vorgehen bei der Fehlereingrenzung
- Geduld bei langwierigen Testläufen
- Sorgfalt bei Dokumentation und Versionspflege
- Bereitschaft zu ständigem Lernen
- Teamfähigkeit zwischen Entwicklung, Fertigung und Service
RIASEC-Profil: RIC – Realistic · Investigative · Conventional
Der Beruf verbindet praktischen Hardwareaufbau (R) mit analytischer Programmier- und Fehlersucharbeit (I) und strukturierter, dokumentierter Systemarbeit (C).
Das I ist bei diesem Beruf besonders stark ausgeprägt – stärker als bei Geräte und Systeme, weil Softwareentwicklung und Systemintegration überwiegen. Ihren persönlichen Code ermitteln Sie kostenlos im Berufswahltest.
Elektrotechnik, IT – oder beides?
Informations- und Systemtechnik liegt genau dazwischen. Der Berufswahltest zeigt, welche Seite bei Ihnen stärker ausgeprägt ist.
Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt
Wie alle industriellen Elektroberufe profitiert dieser Beruf vom Tarif der Metall- und Elektroindustrie. Weil zusätzlich IT-Kompetenz gefragt ist, ist die Verhandlungsposition nach der Ausbildung besonders gut.
Vergütung nach Betriebstyp
Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG bildet die Untergrenze; tarifgebundene Industriebetriebe zahlen deutlich darüber. Fragen Sie zusätzlich nach den Zusatzqualifikationen – gerade in diesem Beruf sind Programmierung und IT-Sicherheit besonders naheliegend, und einen Anspruch darauf gibt es nicht.
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung
Nach der Ausbildung liegt das Einstiegsgehalt im oberen Bereich der technischen Ausbildungsberufe. Besonders gefragt sind Fachkräfte, die Embedded-Systeme, industrielle Kommunikation und IT-Sicherheit verbinden können – eine Kompetenzkombination, die auf dem Arbeitsmarkt knapp ist. Den größten Sprung bringen Techniker, Industriemeister oder ein Studium.
Ausbildungsablauf: Hardware, Software, System
Die dreieinhalbjährige Ausbildung führt von elektrotechnischen Grundlagen über Programmierung zur eigenständigen Systemintegration. Die Abschlussprüfung ist gestreckt.
Grundlagen
Elektrotechnik, Messtechnik, Bauelemente, Digitaltechnik und Arbeitssicherheit.
Programmierung und Netzwerke
Strukturierte Programmierung, Mikrocontroller, Netzstrukturen und erste Systemaufbauten.
Nach etwa 18 Monaten
Praktische und schriftliche Aufgaben, die bereits zur Endnote zählen.
Systemintegration
Hardware, Software und Netzwerk zusammenführen, Testverfahren, IT-Sicherheit.
Eigenverantwortung und Abschluss
Betrieblicher Auftrag, Prüfungsteil 2 und gegebenenfalls Fachgespräch zur Zusatzqualifikation.
Karrierewege: Embedded, Netzwerke, Entwicklung
Der Beruf ist eine der besten Grundlagen für Embedded-Entwicklung und industrielle IT. Wer Hardware und Software gleichermaßen beherrscht, besetzt eine Schnittstelle, die auf dem Arbeitsmarkt knapp ist. Welche dieser Richtungen die richtige ist, lässt sich früh klären: Eine Berufsberatung ordnet Neigungen, Stärken und Lebensplanung zu einem tragfähigen Weg.
Aufstiegsfortbildungen
Berufsbegleitend oder in Vollzeit, über Aufstiegs-BAföG förderfähig.
- Staatlich geprüfte/r Techniker/in Elektrotechnik
- Industriemeister/in Elektrotechnik
- Geprüfte/r IT-Spezialist/in
- Ausbildereignung (AEVO)
Fachlich spezialisieren
Bestimmte Kombinationen sind besonders knapp.
- Embedded-Programmierung
- Industrielle Kommunikation und Feldbusse
- IT-Sicherheit in der Produktion
- Testautomatisierung
Verantwortung übernehmen
Systemverantwortung ist eine gut bezahlte Rolle.
- Inbetriebnahme und Systemtest
- Entwicklungsbegleitung
- Technischer Support Level 3
- Projektleitung Systemtechnik
Studium
Mit Techniker oder Meister auch ohne Abitur möglich.
- B.Eng. Technische Informatik
- Elektrotechnik
- Automatisierungstechnik
- IT-Sicherheit
Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen des Berufs
Der Beruf verbindet zwei stark nachgefragte Kompetenzfelder und bietet Industrievergütung. Die Anforderungen sind entsprechend hoch – man muss beide Welten mögen.
Was für den Beruf spricht
- Hardware und Software in einer Ausbildung
- Sehr hohe Vergütung durch den M+E-Tarif
- Knappe und gefragte Kompetenzkombination
- Drei Zusatzqualifikationen besonders naheliegend
- Ausgezeichnete Grundlage für Embedded-Entwicklung
- Weniger Schichtarbeit als in der Serienfertigung
Was Sie wissen sollten
- Hoher Theorieanteil in Mathematik, Physik und Programmierung
- Kein Rechtsanspruch auf die Zusatzqualifikationen
- Ständiger Lernaufwand durch schnellen technischen Wandel
- Fehlersuche kann langwierig und frustrierend sein
- Abhängigkeit von der Industriekonjunktur
- Beruf wird häufig mit dem Fachinformatiker verwechselt
Informations- und Systemtechnik vs. Fachinformatiker vs. Geräte und Systeme
Drei Berufe an der Grenze zwischen Technik und IT – mit klar unterschiedlichem Schwerpunkt.
Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„Diesen Beruf empfehle ich Jugendlichen, die sich zwischen Elektrotechnik und IT nicht entscheiden wollen – und das ist hier keine Verlegenheitslösung, sondern der Kern des Profils. Eingebettete Systeme und industrielle Kommunikation brauchen Menschen, die Hardware messen und Software schreiben können. Diese Kombination ist auf dem Arbeitsmarkt knapp, und die Metall- und Elektroindustrie zahlt sie entsprechend gut.“

Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„Die entscheidende Eigenschaft ist Frustrationstoleranz bei der Fehlersuche. Wenn ein System nicht läuft, kann es an einem Bauteil liegen, an einer Verkabelung, an einer Konfiguration oder an einer Zeile Code. Diese Suche kann Tage dauern. Wer daraus ein Rätsel macht, blüht auf. Wer schnelle Erfolge braucht, gerät unter Druck – das sollte man vorher ehrlich prüfen.“
Elektroniker/in für Informations- und Systemtechnik – FAQ
Zum 1. August 2018 wurden die industriellen Metall- und Elektroberufe teilnovelliert. Neu aufgenommen wurde die integrative Berufsbildposition Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit – sie gilt für alle Auszubildenden. Hinzu kamen drei optionale Zusatzqualifikationen für die Elektroberufe: Digitale Vernetzung, IT-Sicherheit und Programmierung. Jede umfasst rund acht Wochen und wird in der Abschlussprüfung Teil 2 als fallbezogenes Fachgespräch auf Basis einer betrieblichen Praxisaufgabe geprüft. Wichtig: Es besteht kein Rechtsanspruch darauf – die Vermittlung ist eine freiwillige Leistung des Betriebs. Fragen Sie deshalb im Bewerbungsgespräch gezielt nach.
Die Hardwarekompetenz. Dieser Beruf bringt eine vollwertige elektrotechnische Ausbildung mit – einschließlich Messtechnik, Bauelementen und elektrischer Sicherheit – und verbindet sie mit Programmierung und Netzwerktechnik. Der Fachinformatiker arbeitet stärker mit Software, IT-Systemen und Anwendungen, mit deutlich geringerem elektrotechnischem Anteil. Wer eingebettete Systeme und Industriesteuerungen betreuen will, braucht diese Kombination.
Für Ausbildungsverhältnisse, die 2026 beginnen, beträgt die Mindestausbildungsvergütung nach § 17 BBiG 724 € im ersten, 854 € im zweiten, 977 € im dritten und 1.014 € im vierten Ausbildungsjahr. Sie darf nie unterschritten werden. Tarifgebundene Betriebe des Elektrohandwerks und der Industrie zahlen in der Regel deutlich darüber.
Ausgebildet wird überwiegend in der Metall- und Elektroindustrie, einer der tarifstärksten Branchen. Die Vergütung liegt deshalb deutlich über der gesetzlichen Mindestvergütung, häufig mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Kleine Systemintegratoren ohne Tarifbindung zahlen weniger – fragen Sie gezielt nach.
Viel – der Softwareanteil ist der höchste unter den industriellen Elektroberufen. Programmiert wird vor allem systemnah: Mikrocontroller, Firmware, Schnittstellen und Steuerungslogik. Hinzu kommen Konfiguration von Netzwerken und Testautomatisierung. Wer die Zusatzqualifikation Programmierung mitnimmt, vertieft diesen Bereich zusätzlich.
In der Praxis meist die mittlere Reife, häufig auch Fachhochschulreife oder Abitur – der Theorieanteil ist hoch. Wichtig sind gute Noten in Mathematik, Physik und Informatik sowie Englischkenntnisse, weil technische Dokumentationen überwiegend englischsprachig sind. Viele Industriebetriebe setzen Einstellungstests ein.
Seltener als in der Serienfertigung. Weil der Schwerpunkt auf Systemaufbau, Inbetriebnahme und Betreuung liegt, wird überwiegend in regulären Arbeitszeiten gearbeitet. Schicht- oder Rufbereitschaft kann bei Unternehmen mit laufendem Systembetrieb hinzukommen – etwa in der Verkehrs- oder Medizintechnik. Fragen Sie im Bewerbungsgespräch gezielt nach der Arbeitszeitregelung.
Sehr gut. Die Kombination aus Elektrotechnik und IT ist auf dem Arbeitsmarkt knapp, und der Bedarf wächst mit der Vernetzung industrieller Systeme. Besonders stabil sind Branchen mit langfristigem Bedarf und hohen Sicherheitsanforderungen: Medizintechnik, Verkehrstechnik und Automatisierung. Wer zusätzlich IT-Sicherheit beherrscht, ist besonders gefragt.
Vor der Bewerbung Klarheit gewinnen
Der Beruf verbindet Elektrotechnik und IT auf hohem Niveau – und verlangt Freude an beiden Welten. Ob das Profil passt, klären wir mit wissenschaftlich validierter Diagnostik nach DIN 33430. An sieben Standorten oder online.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- Verordnung über die Berufsausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik nach dem Berufsbildungsgesetz, teilnovelliert durch die Verordnungen vom 28.06.2018.
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB): Umsetzungshilfe zu den industriellen Elektroberufen und zur Berufsbildposition „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“.
- Zusatzqualifikationen Digitale Vernetzung, IT-Sicherheit und Programmierung: je rund acht Wochen, Prüfung als fallbezogenes Fachgespräch; kein Rechtsanspruch.
- Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie als Grundlage der Ausbildungsvergütung.
- § 17 BBiG zur Mindestausbildungsvergütung 2026 (724 / 854 / 977 / 1.014 €).
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices“, 3. Auflage, PAR.
- Hinweis: Vergütungsangaben sind Orientierungswerte und richten sich nach Tarifgebiet und Betrieb.