Beruf · BIBB Top-10💻 Reform 2020 · Cloud & Security · Fachkräftemangel

Fachinformatiker/in Systemintegration: Ausbildung & Karriere

Fachinformatiker/in für Systemintegration (kurz FISI) ist die meistgewählte IT-Fachrichtung Deutschlands – mit rund 10.000 Neuverträgen jährlich und einem der stärksten Fachkräftemärkte überhaupt. Wer FISI wird, plant, installiert und betreibt Server, Netzwerke, Cloud-Umgebungen und Sicherheits-Systeme – das gesamte IT-Rückgrat moderner Unternehmen. Anders als der Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung (FIAE), der Software programmiert, ist FISI der Infrastruktur-Spezialist: Windows Server, Linux, VMware, Azure, AWS, Firewalls, Backup, Active Directory. Die Ausbildungsverordnung von 2020 hat den Beruf grundlegend modernisiert – mit gestreckter Abschlussprüfung, betrieblichem Projektauftrag und deutlich mehr Cloud- und Security-Themen. Wir zeigen das RIASEC-Profil RIC, die typischen Technologiebereiche und Karrierewege vom 1st-Level-Support bis zum Cloud Architect oder IT-Security-Spezialisten.

~10.000
Neue Verträge 2024 (größte IT-Fachrichtung)
1.000–1.400€
Ø Ausbildungsvergütung Monat
3 Jahre
Reguläre Ausbildungsdauer (dual, IHK)
149.000
Offene IT-Stellen bundesweit (Bitkom 2024)
Steckbrief

Kurzüberblick: Fachinformatiker/in Systemintegration

FISI planen, installieren und administrieren IT-Infrastruktur: Server, Netzwerke, Storage, Backup, Virtualisierung, Cloud-Dienste und Sicherheits-Systeme. Sie sind der Infrastruktur-Spezialist unter den vier Fachinformatiker-Fachrichtungen (Systemintegration, Anwendungsentwicklung, Daten- und Prozessanalyse, Digitale Vernetzung). Typische Aufgaben: Windows- und Linux-Server aufsetzen, Netzwerk-Switches konfigurieren, Firewalls verwalten, Active Directory pflegen, Cloud-Migrationen begleiten, Störungen im 2nd/3rd Level Support bearbeiten. Die Ausbildungsverordnung von 2020 (in Kraft seit August 2020) hat den Beruf grundlegend reformiert: gestreckte Abschlussprüfung, betrieblicher Projektauftrag statt Facharbeit, stärkerer Fokus auf Cloud, Security und Automation. Aufsicht und Prüfung erfolgen über die Industrie- und Handelskammern (IHK).

Fachinformatiker Systemintegration: Die Ausbildung dauert 3 Jahre und wird mit 1.000–1.400 € im Monat vergütet. Das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt bei 36.000–48.000 € brutto im Monat. Die Bundesagentur für Arbeit führt den Beruf 2025 nicht als Engpassberuf. Im Beruf liegt das Medianentgelt bei 5.189 € brutto im Monat (Vollzeit, Bundesagentur für Arbeit).

Auf einen Blick

Alle Eckdaten

BerufFachinformatikerinnen und Fachinformatiker Systemintegration
Ausbildungsdauer3 Jahre (Verkürzung auf 2 mit Abitur möglich)
Ausbildungsvergütung1.000–1.400 € (IT-Tarif, Region & Branche)
Einstiegsgehalt nach der Ausbildung36.000–48.000 € brutto im Monat
Medianentgelt im Beruf5.189 € brutto im Monat (Median, Vollzeit; mittlere 50 Prozent 4.101 bis 6.741 €), Bundesagentur für Arbeit
ZugangMittlere Reife (40 %), Fachabitur/Abitur (55 %)
Abschluss und PrüfungIHK (gestreckte Abschlussprüfung seit 2020)
LernorteSystemhäuser, IT-Abteilungen, Cloud-Provider
RIASEC-InteressencodeRIC – Realistic · Investigative · Conventional
KI-Risiko56 Prozent automatisierbar, Platz 128 von 478
Fachkräftelagelaut Bundesagentur für Arbeit kein Engpassberuf (2025)
Neue Ausbildungsverträge 202515.072 (BIBB)
ZukunftsscoreNote C, 47 von 100
Was macht ein FISI?

Aufgaben & Arbeitsalltag

Der Arbeitsalltag eines FISI ist geprägt von Planung, Installation, Betrieb und Fehlersuche in komplexen IT-Umgebungen. Anders als beim Kollegen aus der Anwendungsentwicklung wird nicht programmiert, sondern Systeme konfiguriert, verkabelt, überwacht und gehärtet. Ein typischer Tag beginnt oft mit einem Blick ins Monitoring-Dashboard, Ticket-Bearbeitung im Support-System, geplante Wartungsarbeiten (Patches, Updates), Projektarbeit an neuer Infrastruktur und regelmäßiger Dokumentation. Rufbereitschaft ist bei Systemhäusern und großen IT-Abteilungen üblich – wenn Systeme nachts ausfallen, muss jemand ran. Die Ausbildungsverordnung 2020 definiert neun zentrale Tätigkeitsfelder.

1

Server & Betriebssysteme

Installation und Administration von Windows Server (Active Directory, Exchange, IIS) und Linux (Debian, Ubuntu, RHEL, SUSE). Rollen und Features konfigurieren, Group Policies, User- und Rechteverwaltung, Patch-Management.

2

Netzwerk-Infrastruktur

Switches konfigurieren (Cisco, HP, MikroTik), VLANs planen, Router und Firewalls administrieren (Sophos, Fortinet, pfSense), VPN-Verbindungen (IPsec, WireGuard), WLAN-Setups, IP-Adressplanung.

3

Virtualisierung & Storage

VMware ESXi, Microsoft Hyper-V oder Proxmox VE für Server-Virtualisierung. Storage-Systeme (NAS, SAN, iSCSI, NFS), Datensicherung mit Veeam, Bareos oder Acronis. Snapshot-Management, Disaster Recovery.

4

Cloud-Dienste

Microsoft 365, Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud administrieren. Hybride Cloud-Setups, Migration von On-Premises in die Cloud, Identity Management (Entra ID / Azure AD), Cost-Monitoring.

5

IT-Sicherheit

Firewall-Regeln, Endpoint Protection, Sicherheitspatches, DSGVO-konforme Konfiguration, NIS2-Vorbereitung, Multi-Faktor-Authentifizierung, Backup-Strategien nach 3-2-1-Regel, Incident-Response bei Angriffen.

6

Automatisierung & Scripting

PowerShell (Windows) und Bash (Linux) für Automatisierung. Ansible für Konfigurationsmanagement, Terraform für Infrastructure-as-Code, Task Scheduler / Cron für regelmäßige Jobs. Zunehmend GitLab CI, GitHub Actions.

7

Monitoring & Betrieb

Systemüberwachung mit Nagios, Zabbix, Checkmk, PRTG oder Grafana. Log-Analyse mit ELK-Stack oder Graylog. Ticket-Systeme (Jira Service Management, OTRS, Zendesk) für Nutzeranfragen. Auf-Wiedervorlage-Tickets im 2nd Level.

8

Nutzer-Support & Kundendialog

1st/2nd Level Support: Nutzeranfragen entgegennehmen, Probleme analysieren, Lösungen erarbeiten, Wissen dokumentieren. Kundenschulungen, Rollouts neuer Software, Onboarding neuer Mitarbeiter. Kommunikation ist zentral.

9

Dokumentation & Projekte

Netzwerkpläne, Betriebshandbücher, Wiki-Einträge (Confluence, BookStack), Incident-Reports. Projektarbeit an neuer Infrastruktur (Server-Migration, Cloud-Umzug, Site-Neuaufbau). Der betriebliche Projektauftrag ist Teil der Abschlussprüfung.

⚡ 5 Spezialisierungsbereiche · Wahl im 3. Jahr

Die 5 typischen Technologiebereiche

Die Ausbildungsverordnung 2020 kennt keine formalen Fachrichtungen innerhalb der Systemintegration – der Ausbildungsbetrieb prägt den technologischen Schwerpunkt. In der Praxis kristallisieren sich diese fünf Karrierepfade heraus. Wer schon in der Ausbildung fokussiert, hat später deutlich bessere Verhandlungspositionen.

1. Systemadministration (~35 %)

Klassischer Weg: Windows Server, Active Directory, Exchange, File- und Print-Services, VMware/Hyper-V. Häufig im Mittelstand oder in konzerneigenen IT-Abteilungen. Solide Karrierebasis, aber zunehmend durch Cloud-Migration unter Druck.

2. Netzwerk & Infrastruktur (~20 %)

Switches, Router, Firewalls, WLAN, SD-WAN. Zertifizierungen wie CCNA (Cisco), FCA (Fortinet), JNCIA (Juniper) sind Türöffner. Systemhäuser und Provider suchen händeringend. Gehaltssprünge in der Regel groß.

3. Cloud Engineering (~20 %, wachsend)

Azure Administrator, AWS SysOps, Google Cloud Engineer. Kubernetes, Docker, Terraform, GitOps. Der klare Wachstumsbereich – viele FISIs wechseln nach 2–3 Jahren aus der klassischen Administration in Cloud-Rollen. Deutlich höhere Gehälter.

4. IT-Security (~15 %, wachsend)

SOC-Analyst, Firewall-Spezialist, Endpoint-Security, Penetration Testing (nach Weiterbildung). Angetrieben durch NIS2 (2024), DORA, Cyber-Resilience-Act. Zertifizierungen: BSI IT-Grundschutz, CompTIA Security+, später CISSP.

5. DevOps & Automation (~10 %)

Zwischen klassischer Systemintegration und Softwareentwicklung: CI/CD-Pipelines, Infrastructure-as-Code, Kubernetes-Cluster betreiben. Verlangt Skript-Skills (Python, Go) und ist der bestbezahlte Bereich. Häufig Wechsel Richtung Site Reliability Engineering.

1st/2nd-Level-Support als Einstieg

Viele frisch ausgebildete FISIs starten im Support (Ticket-Bearbeitung, Nutzeranfragen). Guter Einstieg, aber nach 1–2 Jahren sollte man in eine der obigen Spezialisierungen wechseln – sonst stagniert das Gehalt.

Branchen

In welchem Betrieb soll ich lernen?

Die Wahl des Ausbildungsbetriebs prägt die IT-Karriere fundamental. Systemhäuser bieten Technologie-Breite und Kundenkontakt. Konzern-IT-Abteilungen bieten Größenordnung und Spezialisierung. Startups und Scale-ups bieten Modernität und Verantwortung. Behörden bieten Sicherheit und Standards. Hier die wichtigsten Arbeitgeber-Typen.
SYSHAUS

Systemhäuser (~35 %)

Bechtle, Cancom, Computacenter, Axians, DATAGROUP, aber auch tausende regionale IT-Systemhäuser. Kunden-orientiert, breite Technologiepalette, viel Herstellerbeziehungen (Microsoft, VMware, HP, Dell). Klassisch stark im Mittelstands-Support. Oft mit Rufbereitschaft.

KONZERN

Konzern-IT-Abteilungen (~25 %)

Große Industriekonzerne (Siemens, BASF, VW, BMW), Banken (Deutsche Bank, Sparkassen), Versicherungen (Allianz, HDI, ERGO) mit eigenen IT-Abteilungen. Spezialisierung möglich, klare Prozesse, tarifgebunden. Oft weniger Technologie-Breite als bei Systemhäusern.

IT-DIENST

IT-Dienstleister & MSPs (~15 %)

T-Systems, Atos, Capgemini, IBM, Accenture, Fujitsu. Große Outsourcing-Projekte, häufig Schicht-Betrieb bei 24/7-Services. Auch Managed Service Provider im Mittelstand-Umfeld. Karrierepfade in Consulting und Projektmanagement.

CLOUD

Cloud-Provider & Hosting (~8 %)

Microsoft, AWS, Google Cloud (deutsche Standorte), plus deutsche Hoster: Hetzner, IONOS, plusserver, STRATO. Sehr technisch, oft Skript- und Automation-fokussiert. Karriereweg Richtung Site Reliability Engineering und Cloud Architect.

BEHÖRDE

Behörden & öffentliche IT (~10 %)

ITZBund, kommunale Rechenzentren, BSI, Bundeswehr Cyber & Informationsraum, Länder-IT-Dienstleister (Dataport, IT.NRW, LDS BW). TVöD-Tarif (etwas niedriger als Industrie), aber Beamtenverbeamtung möglich. Hohe Sicherheitsstandards.

STARTUP

Startups & Mittelstand (~7 %)

Kleinere, moderne Unternehmen mit „One-Man-IT". Cloud-first (Azure, AWS, Google Workspace), viel Automation, breite Aufgabenpalette. Beste Lernkurve, aber selten strukturierte Ausbildung. Häufig Home-Office und Remote-Work.

Voraussetzungen & Eignung

Passt dieser Beruf zu dir?

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen laut BIBB 53 % Abitur oder Fachhochschulreife mit, 39 % einen mittleren Abschluss und 5 % höchstens einen Hauptschulabschluss. FISI ist damit ein eher Abi-affiner Beruf – besonders die schriftliche Abschlussprüfung mit englischen Fachtexten und komplexen Netzwerkkonzepten setzt gutes theoretisches Verständnis voraus. Wichtiger als der Schulabschluss ist aber echtes IT-Interesse jenseits von Gaming: eigene Erfahrungen mit Linux, kleinen Netzwerken zu Hause, Bastelprojekten (Raspberry Pi, Home-Server), erste Programmierversuche – all das ist ein starkes Signal im Bewerbungsgespräch. Wer nur „irgendwas mit Computern" machen will, weil man ja „viel damit macht", scheitert oft an der Anspruchstiefe der Ausbildung.

Formale Voraussetzungen

  • Abitur oder Fachhochschulreife ist der häufigste Abschluss der neuen Azubis (53 %), mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss starten 5 % (BIBB)
  • Solide Noten in Mathematik, Physik, Englisch, Informatik
  • Englisch-Grundlagen zwingend (Fachtexte, Doku, Fehlermeldungen)
  • Erste IT-Erfahrung wünschenswert (Windows/Linux privat)
  • Verkürzung auf 2 Jahre mit Abitur möglich
  • Anrechnung Informatik-Studium oder Fachhochschulreife IT
  • Mindestalter 15 (mit Schulabschluss)
  • Kein spezieller Test vorgeschrieben (aber Betriebe testen oft)

Persönliche Eigenschaften

  • Analytisches Denken – Probleme systematisch lösen
  • Frustrationstoleranz – Fehler suchen dauert manchmal Stunden
  • Neugier auf neue Technologien und ständiges Lernen
  • Sorgfalt und Genauigkeit (Systemausfälle kosten Geld)
  • Kommunikationsfreude für Support und Kundendialog
  • Selbstständigkeit und Eigenverantwortung
  • Teamfähigkeit (Projekte sind selten Einzelarbeit)
  • Bereitschaft zu Rufbereitschaft und Wochenend-Einsätzen
R
I
C

RIASEC-Profil: RIC – Realistic · Investigative · Conventional

Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist Realistic-dominant: praktische Arbeit mit Geräten, Servern, Kabeln, Konfigurationen. Ergänzt durch Investigative (Fehlersuche, Ursachenanalyse, Systemverständnis, technische Recherche) und Conventional (systematisches Vorgehen, Dokumentation, standardisierte Prozesse, exaktes Arbeiten). Ähnliches Profil wie beim Kfz-Mechatroniker (RIC) und Mechatroniker (RIC), aber mit deutlich höherem Investigative-Anteil durch die abstrakteren Problemstellungen. Wer stark auf Kreativität (Artistic) oder soziale Interaktion (Social) ausgerichtet ist, sollte eher Anwendungsentwicklung (mehr Kreativität) oder Kaufmann für Digitalisierungsmanagement (mehr Kundenkontakt) prüfen.

Unsicher, ob das wirklich Ihr Profil ist? Der wissenschaftliche Berufswahltest für Schüler ermittelt Ihren persönlichen Code in rund 5 Minuten. Für umfassende Persönlichkeitsdiagnostik empfehlen wir den Big-Five-Persönlichkeitstest.

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Passt der Beruf zu deinen Interessen?

Beantworte acht Aussagen ehrlich. Der Check gleicht deine Antworten mit dem Interessenprofil des Berufs (RIC) ab und zeigt dir, ob er passt – und welche Berufe sonst in Frage kommen.

1. Ich schraube, baue oder repariere gern Dinge mit meinen Händen.

2. Ich will verstehen, warum etwas funktioniert, und tüftle gern an kniffligen Problemen.

3. Ich gestalte gern etwas Eigenes – Texte, Bilder, Musik oder Design.

4. Ich helfe, erkläre oder betreue gern andere Menschen.

5. Ich überzeuge gern andere, verhandle und übernehme die Führung.

6. Ich arbeite gern genau und geordnet – mit Zahlen, Listen und klaren Abläufen.

7. Rufbereitschaft, auch mal nachts oder am Wochenende, nehme ich in Kauf.

8. Mich ständig in neue Technik einzuarbeiten, auch auf Englisch, macht mir Spaß.

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Oder besser FIAE, Daten- und Prozessanalyse, IT-System-Elektroniker? 20 Minuten Klarheit.

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Gehalt: Vergütung in der Ausbildung & Einstiegsgehalt

Die Ausbildungsvergütung liegt bei IT-Berufen deutlich über dem Durchschnitt anderer Ausbildungsberufe – tarifgebundene Betriebe (IG Metall, TVöD, ver.di) zahlen 1.100–1.400 €, kleinere IT-Betriebe eher 900–1.100 €. Konzerne und Cloud-Provider zahlen deutlich am besten. Nach der Ausbildung zeigt sich der IT-Fachkräftemangel klar am Gehalt: Einstiegsgehälter liegen 20–40 % über dem Bundesdurchschnitt für Ausbildungsberufe. Mit gezielter Spezialisierung (Cloud, Security, DevOps) lassen sich innerhalb weniger Jahre 75.000–100.000+ € erreichen – meist ohne Studium.

Ausbildungsvergütung 2025 (Bandbreite Branchen)

Lehrjahr
IG Metall / Konzern
Mittleres Systemhaus
Kleiner IT-Betrieb
1. Jahr
~1.150 €
~1.020 €
~900 €
2. Jahr
~1.230 €
~1.100 €
~980 €
3. Jahr
~1.330 €
~1.200 €
~1.080 €

Werte gerundet. Quellen: IG-Metall-Tarifverträge (Metall- und Elektroindustrie), TVöD Bund/Länder, Bitkom-Gehaltsstudie 2024. Deutlich höher als Verkäufer oder Handwerksberufe. Ähnlich wie Industriekaufmann.

Einstiegsgehalt nach der Ausbildung

Junior Sysadmin / Support
36.000–48.000 €
1st/2nd Level, Systemhaus oder IT-Abteilung
Nach 3–5 Jahren + Zertifikaten
48.000–68.000 €
Sysadmin, Cloud-/Netzwerk-Spezialist
Senior / Cloud / Security
70.000–100.000+ €
Cloud Architect, SRE, IT-Security-Spezialist
Verlauf

Ausbildungsablauf: Was passiert in den 3 Jahren?

Die Ausbildung erfolgt dual: 3–4 Tage pro Woche im Ausbildungsbetrieb, 1–2 Tage in der Berufsschule (teilweise als Blockunterricht). Seit August 2020 gilt die reformierte Ausbildungsverordnung mit „gestreckter Abschlussprüfung" (GAP) und Wegfall der klassischen Zwischenprüfung. Stattdessen zählt Teil 1 der Abschlussprüfung nach 18 Monaten mit 20 % und Teil 2 am Ende mit 80 % zur Gesamtnote.

1. Jahr

IT-Grundlagen & erste Server

Grundlagen der Informationstechnik, Betriebssystem-Basiswissen (Windows Client, Linux CLI), Netzwerk-Fundamente (OSI-Modell, TCP/IP), erste Server-Installationen, Benutzerverwaltung, Ticket-System-Bedienung. Praktikanten-artige Betriebsphase mit Hospitation.

Mitte 2. J.

Teil 1 der Abschlussprüfung

Schriftliche Prüfung nach 18 Monaten. Themen: Einrichten eines IT-Arbeitsplatzes (90 Min.). Zählt mit 20 % zur Endnote. Wer hier durchfällt, macht keine Zwischenprüfung nachträglich – die Note bleibt in der Gesamtnote.

2. Jahr

Vertiefung & Selbstständigkeit

Selbstständige Server- und Netzwerkarbeit, Virtualisierung vertiefen, Firewall-Grundlagen, erste Cloud-Erfahrungen, PowerShell/Bash lernen. Teilnahme an echten Kunden- oder internen Projekten. Weiterbildungs-Zertifikate parallel möglich (Microsoft, Cisco).

3. Jahr

Projekt & Spezialisierung

Eigenverantwortung, Betriebssoftware-Spezialisierung, umfangreichere Projekte, Wissen für Teil 2 der Abschlussprüfung vertiefen. Wahl des betrieblichen Projektauftrags (36 Std. Bearbeitungszeit, 30 Seiten Dokumentation) für die Abschlussprüfung.

Ende 3. J.

Teil 2 der Abschlussprüfung

Vier Prüfungsteile: (1) Betrieblicher Projektauftrag mit Präsentation + Fachgespräch (50 %), (2) schriftlich Konzeption und Administration IT-Systeme (90 Min., 10 %), (3) schriftlich Analyse und Entwicklung (90 Min., 10 %), (4) schriftlich Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Min., 10 %). Abschluss: Fachinformatiker/in für Systemintegration mit IHK-Zeugnis.

Wann ist deine Prüfung? Für die schriftliche Zwischen- und Abschlussprüfung gelten bei den meisten IHK-Berufen bundesweit feste Termine. Alle Termine bis Winter 2027/28 stehen in unserer Übersicht IHK-Prüfungstermine 2026/2027.

Nach der Ausbildung

Karrierewege: Vom Junior zum Cloud Architect

Die FISI-Ausbildung bietet vier strukturell unterschiedliche Karriere-Pfade: die Spezialisierungs-Karriere mit Zertifikaten, den Aufstieg zum IT-Techniker/Operativen Professional, das duale oder berufsbegleitende Studium und den Wechsel in Beratung/Consulting. Anders als bei traditionellen Ausbildungsberufen ist der Meister nicht der Standard-Karriereweg – IT-Karrieren laufen fast immer über Zertifikate, Spezialisierung und ggf. Studium.

Zertifikats-Karriere

Der schnellste Weg zu Gehaltssprüngen – IT-Zertifikate sind das Karriere-Fundament.

  • Microsoft: MS-102, AZ-104, AZ-500 (Cloud)
  • AWS: SAA-C03 (Solutions Architect), SOA-C02 (SysOps)
  • Cisco: CCNA, CCNP (Netzwerk)
  • Security: CompTIA Security+, BSI Grundschutz-Praktiker, später CISSP
  • Kubernetes: CKA, CKAD, CKS
  • Kosten je Zertifikat 200–1.500 €, ROI oft binnen 6 Monaten

IT-Techniker & Professional

Klassische Aufstiegsfortbildungen der IHK und staatlichen Techniker-Schulen.

  • Staatlich geprüfter Techniker Informatik (2 Jahre Vollzeit / 4 Jahre berufsbegleitend)
  • Operative Professional IT (IHK, DQR 6 = Bachelor-Niveau)
  • Strategische Professional IT (IHK, DQR 7 = Master-Niveau)
  • IT-Projektleiter, Systems Engineer, Enterprise Architect
  • Voraussetzung für viele Leitungspositionen im Mittelstand

Duales / berufsbegleitendes Studium

Für den akademischen Weg – oft parallel oder direkt anschließend an die Ausbildung.

  • Bachelor (Wirtschafts-)Informatik – berufsbegleitend an FOM, IU, HAW
  • DHBW/Duales Studium – oft schon während Ausbildung möglich
  • Master IT-Security, Data Science, Cloud Computing
  • Öffnet Türen zu Enterprise Architect, CIO-Track
  • Deutlich höhere Gehaltsdecken (100.000+ € möglich)

Consulting & Selbstständigkeit

Freelance-Karriere ist im IT-Bereich extrem verbreitet – oft ab dem 3–5. Berufsjahr.

  • IT-Consulting bei Accenture, Capgemini, Roland Berger, PwC
  • Freelance Sysadmin/Cloud-Engineer (Tagessatz 700–1.200 €)
  • Startup: Eigene IT-Firma / Managed Service Provider
  • Interim-Manager für IT-Transformationen
  • Nach 5 Jahren FISI: 120.000–180.000 € auf Freelance-Basis möglich

Sie sind bereits in der Ausbildung und überlegen den nächsten Schritt? Eine berufliche Neuorientierung oder Studienberatung hilft bei der fundierten Karriereplanung.

Einstellungstest

Einstellungstest Fachinformatiker/in Systemintegration: Was im Auswahlverfahren geprüft wird

Wer sich für einen IT-Beruf bewirbt, sollte im Einstellungstest vor allem mit Logikaufgaben rechnen – sie gelten als bester Hinweis auf die Fähigkeit, sich in Programmierung und Systeme einzudenken. Ablauf, Beispielaufgaben und einen eigenen Trainer finden Sie auf der Seite Einstellungstest Fachinformatiker.

RechnenhochSprachemittelLogikhochKonzentrationmittelAllgemeinwissengeringTechnikmittelPersönlichkeitmittel

Typische Schwerpunkte im Einstellungstest für Fachinformatiker/in Systemintegration – redaktionelle Einschätzung nach Berufsfeld. Verbindlich ist, was der Betrieb in der Einladung mitteilt.

Diese Testteile sollten Sie üben

  • Rechnen – Typisch für diesen Beruf: Zahlensysteme, Dreisatz und Textaufgaben. Meist ohne Taschenrechner und mit knapper Zeit.
  • Logik – Zahlenreihen und Buchstabenreihen, Analogien und Schlussfolgerungen – der Testteil, der einem Intelligenztest am nächsten kommt.
  • Rechtschreibung und Sprache – Diktat, Lückentext oder Fehlersuche – das/dass, Kommas und Groß- und Kleinschreibung sind die häufigsten Fehlerquellen. Das Schreiben nach Gehör übt der Diktat-Trainer.
  • Konzentration und Merkfähigkeit – Zeichen zählen, Daten abgleichen, Listen merken – einfache Aufgaben in großer Zahl, bei denen Tempo und Sorgfalt zählen.

Typischer Zugang: Mittlere Reife (40 %), Fachabitur/Abitur (55 %). Die Aufgaben liegen dann häufig auf Oberstufenniveau, besonders in Mathematik und Logik.

Die Konkurrenz ist spürbar: 2025 standen bundesweit 3.276 unversorgten Bewerbern ohne Alternative nur 594 unbesetzte Plätze gegenüber. Betriebe können auswählen, und der Einstellungstest ist oft die erste Hürde – hier zahlt sich Vorbereitung besonders aus. (Quelle: BIBB, Erhebung zum 30.09.2025)

Das typische Interessenprofil für diesen Beruf ist RIC – vor allem praktisch-technisch und forschend-analytisch. Genau solche Interessen fragen viele Betriebe im Persönlichkeits- und Interessenteil des Einstellungstests ab. Ob Ihr eigenes Profil passt, zeigt der kostenlose Berufswahltest.

Einstellungstest Fachinformatiker/in Systemintegration kostenlos üben

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Zukunftsprofil

Zukunftsaussichten Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker Systemintegration: Wie robust ist der Beruf?

Vier belastbare Kennzahlen statt Bauchgefühl – und ein daraus errechneter Zukunftsscore. Alle Werte stammen aus amtlichen Quellen oder aus unserer eigenen, offengelegten Auswertung.

CZukunftsscore 47 von 100drei gewichtete Dimensionen, Methodik unten offengelegt
KI-Risiko56 %der Kerntätigkeiten sind automatisierbar · Platz 128 von 478 Berufen · mittlere Automatisierbarkeit
FachkräftelageKein EngpassberufBA-Engpassanalyse 2025 · Berufe in der Informatik (o.S.) (Fachkräfte) · 6,5 Arbeitsuchende je gemeldete Stelle · Vakanzzeit 72 Tage
Neue Ausbildungsverträge 202515.072BIBB, Stichtag 30. September · gegenüber 2024 -14,6 % · gegenüber 2019 -8,3 %
Ausbildungsmarkt594unbesetzte Ausbildungsplätze 2025 · dazu 3.276 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber · Stellenüberhang 3,2 % der Nachfrage

Standardinstallation, Monitoring-Routinen und Erstsupport sind in weiten Teilen automatisierbar; Netzarchitektur, Sicherheit und die Fehlersuche in gewachsenen Umgebungen nicht. Als Engpassberuf ist die Berufsgruppe „Berufe in der Informatik (o.S.)“ 2025 nicht ausgewiesen – auf eine gemeldete Stelle kommen rechnerisch 6,5 Arbeitsuchende. Auf der Spezialistenebene derselben Berufsgruppe liegt dagegen ein Engpass vor: Die Ausbildung führt in ein Feld, das eine Stufe weiter oben knapp ist. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge liegt leicht unter dem Niveau von 2019.

Methodik. Zukunftsscore: KI-Risiko (invertiert) 45 %, Fachkräftelage 35 %, Entwicklung der Ausbildungsverträge 20 %; A+ ab 85, A ab 76, B+ ab 68, B ab 60, C+ ab 52, C ab 44, darunter D. Der Ausbildungsmarkt wird bewusst nur informativ ausgewiesen und fließt nicht in den Score ein.
Quellen: Automatisierbarkeit – eigene Auswertung von 478 Berufen auf Basis von IAB, ZEW/Frey-Osborne und WEF, Methodik im Automatisierbarkeits-Check. Fachkräftelage – Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025. Ausbildungsverträge und Ausbildungsmarkt – BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September 2025. Stand: September 2026.

Ausbildung in Zahlen

Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker Systemintegration: wie viele durchhalten, wie viele bestehen und wer die Ausbildung macht

Die drei Fragen, die Eltern und Schüler am häufigsten stellen – beantwortet mit den amtlichen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung.

Vorzeitig gelöste Verträge18 %Von 100 begonnenen Ausbildungsverträgen werden rund 18 vor dem Ende gelöst · Schnitt aller Berufe 29 %. Nicht jede Lösung ist ein Abbruch – viele wechseln nur den Betrieb oder den Beruf.
Abschlussprüfung bestanden96 %der Prüfungsteilnehmenden haben die Abschlussprüfung 2024 bestanden · Schnitt aller Berufe 91 %
Frauenanteil11 %der neuen Azubis 2024 sind Frauen · 17.175 neue Verträge · Schnitt aller Berufe 36 %

Mit welchem Schulabschluss Azubis wirklich starten

  • Ohne oder mit Erstem Schulabschluss (Hauptschule): 5 %
  • Mittlerer Schulabschluss: 39 %
  • Abitur oder Fachhochschulreife: 53 %
  • Im Ausland erworben: 3 %

Die meisten neuen Azubis bringen Abitur oder Fachhochschulreife mit (53 %). Mit Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss beginnen nur 5 % – ohne höheren Abschluss wird es schwer. Diese Zahlen zeigen, mit welchem Abschluss Betriebe tatsächlich einstellen – nicht, was die Ausbildungsordnung verlangt.

Damit du nicht zu den 18 % gehörst

Ein großer Teil der Vertragslösungen passiert früh, oft schon in der Probezeit – meist, weil Beruf oder Betrieb nicht passen. Prüfe vorher, ob dieser Beruf zu deinen Interessen und Stärken passt: kostenlos im Berufswahltest oder persönlich in unserer Berufsberatung.

Berufswahltest starten →

Quelle. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Datensystem Auszubildende (DAZUBI), Berichtsjahr 2024; Werte für „Fachinformatiker/-in“. Vertragslösungsquote nach dem Schichtenmodell des BIBB; Prüfungserfolg als Erfolgsquote II (Anteil der Prüfungsteilnehmenden mit bestandener Abschlussprüfung); Schulabschluss und Frauenanteil bezogen auf die neu abgeschlossenen Verträge. Schnitt aller Berufe: eigene Berechnung, gewichtet nach Neuverträgen.

Ehrlicher Blick

Pro & Contra: Stärken und Herausforderungen

FISI ist einer der zukunftssichersten Ausbildungsberufe Deutschlands – mit exzellentem Gehalt, klaren Karrierewegen und dem stärksten Fachkräftemangel überhaupt (149.000 offene IT-Stellen laut Bitkom 2024). Gleichzeitig ist er anspruchsvoll, technisch komplex und mit Rufbereitschaft belastet. Wichtigster Tipp: Vor Ausbildungsbeginn ehrlich prüfen, ob wirklich technisches Grundinteresse da ist – oder nur der Wunsch nach „irgendwas mit Computern".

Was für den Beruf spricht

  • Exzellente Zukunftschancen – 149.000 offene IT-Stellen
  • Sehr gute Ausbildungsvergütung (bis 1.400 €)
  • Klare Gehalts-Sprünge mit Zertifikaten
  • Vielfältige Spezialisierungen (Cloud, Security, DevOps)
  • Home-Office und Remote-Work üblich
  • Ohne Studium 100.000+ € realistisch erreichbar
  • Freelance-Karriere jederzeit möglich
  • Internationale Berufsperspektive

Was Sie wissen sollten

  • Rufbereitschaft – Nachts und am Wochenende Einsätze
  • Sehr technisch – Frustrationstoleranz notwendig
  • Lebenslanges Lernen zwingend (Technologien ändern sich schnell)
  • Englisch-Sprachkenntnisse zwingend erforderlich
  • Prüfungen anspruchsvoll (durchschnittliche Bestehensquote 89 %)
  • Anfangs oft „nur" 1st-Level-Support (Ticket-Bearbeitung)
  • Sitzende Tätigkeit (Bewegung nur privat kompensiert)
  • Kunden-Erwartungen manchmal überzogen (24/7-Verfügbarkeit)
Berufsvergleich

FISI vs. verwandte IT-Berufe

Drei verwandte IT-Berufe werden häufig verglichen. Diese Tabelle zeigt die zentralen Unterschiede – wer welchen Berufstyp bevorzugt, sollte gezielt wählen.

Kriterium
FISI
FIAE (Anwendungsentw.)
Fachinformatiker DPA
Schwerpunkt
IT-Infrastruktur
Software programmieren
Daten- und Prozessanalyse
Kerntätigkeit
Server, Netzwerk, Cloud, Security
Code schreiben, Testing, DevOps
BI, Data Warehouses, Analytics
Neuverträge 2024
~10.000 (größte)
~7.500
~600 (neu seit 2020)
Programmieranteil
Wenig (Skripte)
Hoch (Kern)
Mittel (SQL, Python)
Rufbereitschaft
Häufig
Selten
Selten
RIASEC-Profil
RIC
ICR
IRC
Karrieretop
Cloud Architect, SRE, CISO
Software Architect, CTO
Data Scientist, BI-Analyst
Expertenstimmen

Einschätzung unserer Berater

Jan Bohlken

Jan Bohlken

Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom

„FISI ist mit Abstand der Beruf mit den besten Karriereperspektiven ohne Studium in Deutschland. Aus über 20 Jahren Beratung sehe ich zwei entscheidende Weichenstellungen: Erstens der Ausbildungsbetrieb – wer bei einem modernen Systemhaus, Cloud-Provider oder Konzern mit ordentlicher IT lernt, ist nach 3 Jahren technisch auf einem völlig anderen Level als wer bei einem verstaubten Mittelständler nur Drucker austauscht. Zweitens die Spezialisierung im 2./3. Jahr – wer sich früh auf Cloud, Security oder DevOps fokussiert und die entsprechenden Zertifikate erwirbt, verdient nach 3 Jahren Berufserfahrung locker 65.000–80.000 €. Wer im 1st-Level-Support hängen bleibt, dümpelt bei 42.000–48.000 €. Mein klarer Rat: Ausbildungsbetrieb mit Bedacht wählen, Zertifikate parallel machen, nach 2 Jahren spätestens spezialisieren. Wer clever spielt, ist mit 30 auf 100.000+ € – ganz ohne Studium.“

Raphaela Peitsch

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · Fachlicher Beirat

Häufige Fragen

FISI-Ausbildung – FAQ

Der FISI (Systemintegration) plant, installiert und betreibt IT-Infrastruktur – Server, Netzwerke, Cloud-Umgebungen, Sicherheits-Systeme. Der FIAE (Anwendungsentwicklung) programmiert Software – Webanwendungen, mobile Apps, Backend-Systeme, Automatisierung. Faustregel: Wer gerne mit Geräten, Kabeln und Betriebssystemen arbeitet, ist FISI. Wer gerne Code schreibt und Logik in Software gießt, ist FIAE. Es gibt Überschneidungen (DevOps), aber der Grundcharakter ist unterschiedlich. Ausführlicher Vergleich in der Fachinformatiker-Übersicht.

Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis bringen 40 % der Auszubildenden mittlere Reife mit, 55 % Fachabitur oder Abitur, nur 5 % Hauptschulabschluss. FISI ist damit ein eher Abi-affiner Beruf. Solide Noten in Mathematik, Physik, Englisch, Informatik sind Vorteil. Wichtiger als der Schulabschluss ist echtes IT-Interesse – eigene Erfahrungen mit Linux, kleinen Netzwerken zu Hause, Bastelprojekten. Wer nur „irgendwas mit Computern" machen will, sollte ehrlich prüfen, ob der Beruf wirklich passt.

Bandbreite je nach Betrieb und Tarif: 1. Lehrjahr 900–1.150 €, 2. Lehrjahr 980–1.230 €, 3. Lehrjahr 1.080–1.330 €. IG-Metall-gebundene Konzerne (Siemens, VW, BASF) und große Cloud-Provider zahlen am besten. Kleinere IT-Betriebe und regionale Systemhäuser zahlen weniger. Deutlich über dem Durchschnitt anderer Ausbildungsberufe. Quelle: IG-Metall-Tarifverträge, Bitkom-Gehaltsstudie 2024.

Als Junior Sysadmin im 1st/2nd Level Support: 36.000–48.000 € Brutto/Jahr. Nach 3–5 Jahren mit Zertifikaten (Microsoft, Cisco, AWS): 48.000–68.000 €. Als Senior Cloud Engineer oder Security Specialist: 70.000–100.000+ €. In der Freelance-Karriere als Cloud-Consultant sind Tagessätze von 700–1.200 € realistisch (entspricht ~120.000–180.000 € Jahresäquivalent). Das ist im Vergleich zu vielen anderen Ausbildungsberufen extrem attraktiv – FISI ist mit ~ dem Industriekaufmann vergleichbar, aber mit deutlich höherer Gehaltsdecke.

Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil ist RIC (Realistic-Investigative-Conventional). Wer praktisch mit Systemen arbeitet (R), Fehler analytisch löst (I) und systematisch dokumentiert (C), ist hier richtig. Wichtig: Frustrationstoleranz, Neugier auf Technik, Lernbereitschaft. Wer sehr kreativ ist (Artistic), sollte eher Anwendungsentwicklung prüfen. Wer sozial-orientiert ist (Social), sollte eher Kundendialog/Vertrieb prüfen. Der wissenschaftliche Berufswahltest für Schüler oder eine Persönlichkeitstestung klärt das in unter 30 Minuten.

Die neue Ausbildungsverordnung 2020 hat die klassische Zwischenprüfung durch eine gestreckte Abschlussprüfung (GAP) ersetzt. Teil 1 nach 18 Monaten (90 Min. schriftlich zum Thema „Einrichten eines IT-Arbeitsplatzes") zählt bereits mit 20 % zur Gesamtnote. Teil 2 am Ende zählt mit 80 %: (1) betrieblicher Projektauftrag mit 36 Std. Bearbeitungszeit + Präsentation + Fachgespräch (50 %), (2) schriftlich Konzeption/Administration (10 %), (3) schriftlich Analyse/Entwicklung (10 %), (4) Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %). Wer in Teil 1 durchfällt, kann das nicht nachholen – die Note bleibt im Zeugnis.

Grundlagen ja, tiefe Programmier-Skills nein. Als FISI werden Sie regelmäßig PowerShell (Windows) und Bash (Linux) für Automatisierungen schreiben, auch YAML/JSON für Konfigurationen und teilweise Python für kleinere Skripte. Softwareentwicklung im engeren Sinne (Web-Apps, Backend-Systeme, komplexe Anwendungen) ist das Feld des Fachinformatikers für Anwendungsentwicklung (FIAE). Wer sehr gerne komplexen Code schreibt, sollte FIAE wählen. Wer Systeme lieber konfiguriert als programmiert, ist FISI.

Ja, mit Abitur oder Fachhochschulreife ist eine Verkürzung auf 2,5 oder sogar 2 Jahre möglich. Voraussetzung ist ein gemeinsamer Antrag von Auszubildendem und Ausbildungsbetrieb bei der IHK. Auch mit einer vorherigen Ausbildung im IT-Bereich (z.B. IT-Systemelektroniker) oder einem abgebrochenen Informatik-Studium ist Verkürzung möglich. Bei sehr guten Leistungen in der Ausbildung können Sie außerdem die Abschlussprüfung vorziehen („vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung").

Sehr wichtig – wichtiger als in fast jedem anderen Beruf. IT-Zertifikate (Microsoft, Cisco, AWS, Kubernetes, Security-Zertifikate wie CompTIA Security+ oder BSI Grundschutz-Praktiker) sind das Karriere-Fundament. Faustregel: Jedes relevante Zertifikat bringt bei der nächsten Gehaltsverhandlung 3.000–8.000 € p.a. Viele Ausbildungsbetriebe finanzieren die Zertifikate während der Ausbildung oder direkt danach. Wer nach der Ausbildung nicht kontinuierlich weiter zertifiziert, riskiert Karriere-Stagnation.

Ein Ausbildungsabbruch oder Berufswechsel ist kein Versagen. Bei FISIs sind die häufigsten Wechselgründe: Rufbereitschaft, Überforderung durch Komplexität, schlechter Ausbildungsbetrieb, Wunsch nach mehr Kundenkontakt. Wechsel zu FIAE (mehr Programmierung), IT-System-Elektroniker (mehr Hardware), Kaufmann für Digitalisierungsmanagement (mehr Kunden), oder ins Studium der Wirtschaftsinformatik sind erprobt. Eine fundierte berufliche Neuorientierung oder eine persönliche Berufsberatung hilft bei der Klärung.

Klarheit vor der Bewerbung schaffen

FISI ist einer der zukunftsstärksten Ausbildungsberufe Deutschlands – aber nur dann, wenn das RIC-Profil, Rufbereitschaft-Bereitschaft und echtes technisches Interesse zusammenpassen. Bevor Sie sich für 3 Jahre Ausbildung entscheiden, sollten Sie wissen, ob Sie in Fehlersuche aufblühen oder frustriert werden. Wir bieten wissenschaftlich validierte Diagnostik und persönliche Beratung – an sieben Standorten oder online.

Weiterführende Themen

Quellen & Methodik

  • Verordnung über die Berufsausbildung zum Fachinformatiker/zur Fachinformatikerin vom 28. Februar 2020 (BGBl. I S. 274), in Kraft seit 1. August 2020.
  • BIBB-Datenreport 2024: Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn.
  • Bitkom-Studie 2024: „IT-Fachkräftemangel – 149.000 offene IT-Stellen in Deutschland".
  • IG-Metall-Tarifverträge Metall- und Elektroindustrie: Ausbildungsvergütungen 2024/2025.
  • TVöD Bund und Länder: Ausbildungsvergütungen öffentlicher Dienst 2024.
  • Bitkom-Gehaltsstudie 2024: IT-Gehälter im Vergleich.
  • IHK-Prüfungsordnung Fachinformatiker/in Systemintegration: Rahmenprüfungsplan der DIHK, Berlin 2020.
  • NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555): Cyber-Sicherheits-Regulierung, umzusetzen ab 17. Oktober 2024.
  • DORA (Digital Operational Resilience Act): EU-Verordnung für Finanzdienstleister ab 17. Januar 2025.
  • RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices", 3. Auflage, PAR.
  • Hinweis zu Gehaltsangaben: Bandbreiten beziehen sich auf tarifliche Vergütungen und Einkommens-Statistiken 2024/2025. Tatsächliche Vergütungen variieren nach Betrieb, Region und Spezialisierung.