IT- und Digitalberufe: Alle Ausbildungen im Überblick
Das technologisch dynamischste Berufsfeld: Mit der IT-Reform 2020 wurde der Fachinformatiker um zwei neue Fachrichtungen erweitert (Daten- & Prozessanalyse, Digitale Vernetzung). Heute umfasst das Feld 10 anerkannte IT- und Digitalberufe – von der klassischen Software-Entwicklung über IT-Systemadministration und IT-Kaufleute bis hin zum digitalen Design. IT-Ausbildungen haben den schnellsten Gehaltssprung in den ersten 3 Berufsjahren und konkurrieren direkt mit Hochschulabsolventen. Gemeinsames RIASEC-Profil: ICR.
Was eint IT- und Digitalberufe?
IT-Berufe arbeiten mit digitaler Logik – Code, Systeme, Daten, Netzwerke, Schnittstellen. Wer hier eine Ausbildung absolviert, hat Zugang zu einem der am stärksten wachsenden Arbeitsmärkte Deutschlands: Laut Bitkom-Studie 2025 sind in Deutschland über 96.000 IT-Stellen unbesetzt. Das Berufsfeld zeichnet sich durch besondere Eigenheiten aus: Home Office als Norm, internationale Wettbewerbsfähigkeit, schneller Gehaltssprung in den ersten 3 Berufsjahren und ein klarer Akademisierungs-Trend.
Die IT-Reform 2020 hat das Berufsfeld grundlegend neu aufgestellt: Der Fachinformatiker wurde von 2 auf 4 Fachrichtungen erweitert, mit den neuen Schwerpunkten Daten- und Prozessanalyse (Datenanalyse, Business Intelligence, KI-Anwendungen) und Digitale Vernetzung (IoT, Industrie 4.0, Cloud). Auch die IT-Kaufleute wurden in Kaufmann/-frau für IT-System-Management und Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement umbenannt. Eine IT-Ausbildung dauert 3 Jahre dual und kann mit Abitur auf 2,5 Jahre verkürzt werden.
Gemeinsame Kernkompetenzen
Logisches Denken, Problemlösung in abstrakten Strukturen, Englisch-Kenntnisse (technische Dokumentation), Selbstlernfähigkeit (Tech entwickelt sich schnell), Geduld bei Fehler-Debugging, Teamfähigkeit in agilen Projekten.
KI & Cybersecurity als Trends
2024/2025 dominieren zwei Themen: generative KI (GitHub Copilot, ChatGPT-API, AI-Agenten) verändert die Software-Entwicklung; Cybersecurity wächst mit zweistelligen Raten – fast jede IT-Stelle hat heute Security-Anteile.
Quereinsteiger willkommen
IT ist das Berufsfeld mit den höchsten Quereinsteiger-Quoten: Bootcamps, Bachelor-Studium, Selbststudium und Umschulung sind als Wege akzeptiert. Wer mit Ausbildung startet, hat aber den Vorteil von 3 Jahren bezahlter Berufserfahrung und Tarifschutz.
Die 10 IT- und Digitalberufe in Deutschland
Vier Untergruppen strukturieren das Feld. Berufe mit „Übersicht"-Badge haben eigene Detail-Subpage mit RIASEC, Gehalt und Karriere. Berufe mit „Geplant"-Badge folgen in den kommenden Wochen.
Software-Entwicklung & Anwendungen
3 BerufeFachinformatiker/in – Anwendungsentwicklung (FIAE)
Mit Abstand größte IT-Fachrichtung in Deutschland und der klassische Programmierer-Beruf: Software-Entwicklung in Java, Python, C# oder modernen Web-Stacks (React, TypeScript, Node). Inklusive Datenbankdesign, Schnittstellen-Programmierung, agilen Methoden (Scrum, Kanban) und automatisiertem Testing. Größte IT-Reform 2020 hat das Berufsbild deutlich erweitert in Richtung Cloud, DevOps und KI-Anwendung — Top-Aufstiegspfade zum Senior Developer, Tech Lead oder Software-Architekten.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ICA (Investigative · Conventional · Artistic)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.380 €/Monat
- Einstieg: 42.000–55.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 65.000–85.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: SAP, Bosch, Deutsche Bank, Allianz, Konzern-IT, Software-Häuser
Fachinformatiker/in – Daten- und Prozessanalyse (FIDP)
Eine der vier Fachrichtungen seit IT-Reform 2020: Aufbau und Pflege von Datenpipelines (ETL), Business Intelligence mit Tools wie Power BI oder Tableau, Datenvisualisierung, Datenqualitäts-Management und Beratung von Fachbereichen bei datengetriebenen Entscheidungen. Klare Schnittstelle zu Data Engineering und KI-Anwendungen — sehr stark wachsendes Berufsbild mit ~1.200 Neuabschlüssen 2025 und Aufstiegspfaden zum Data Engineer oder BI Specialist.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ICA (Investigative · Conventional · Artistic)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.380 €/Monat
- Einstieg: 42.000–55.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 65.000–85.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: SAP, Deutsche Bank, Versicherungen, Bosch, Telekom
Mathematisch-technische/r Softwareentwickler/in (MATSE)
Anspruchsvollster IT-Ausbildungsberuf mit ausgeprägtem mathematisch-wissenschaftlichem Schwerpunkt: numerische Algorithmen, Simulation, Optimierungs- und Statistikprogramme, oft mit Bezug zu KI und Machine Learning. Abitur ist faktisch Pflicht, häufige Ausbildungsorte sind RWTH Aachen, Fraunhofer-Institute oder Forschungsabteilungen großer Konzerne. Ideale Vorstufe zum Informatik- oder Mathematik-Bachelor mit klarer Forschungs-Karriere.
- Dauer: 3 Jahre dual (Hochschul-/Institutsanbindung üblich)
- RIASEC: ICI (Investigative · Conventional · Investigative)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.380 €/Monat
- Einstieg: 45.000–58.000 €/Jahr
- Mit Bachelor nach 7 J.: 65.000–85.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: RWTH Aachen, Fraunhofer, DLR, Max-Planck-Institute, SAP
IT-Systeme, Netzwerke & Hardware
3 BerufeFachinformatiker/in – Systemintegration (FISI)
Tragende Säule jeder IT-Abteilung und die zweite große IT-Fachrichtung neben FIAE: Server-Administration, Netzwerke, Firewalls, Backup-Systeme, Virtualisierung (VMware, Hyper-V), Cloud-Infrastruktur (Azure, AWS) sowie Cybersecurity-Grundlagen. Mit IT-Reform 2020 deutlich erweitert um DevOps, Container-Orchestrierung (Docker, Kubernetes) und Cloud-native Architekturen — Karrierepfade zum Senior System Engineer, Cloud Architect oder DevOps Specialist.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ICR (Investigative · Conventional · Realistic)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.380 €/Monat
- Einstieg: 40.000–52.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 62.000–82.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Telekom, IBM, SAP, Konzern-IT-Abteilungen, IT-Service-Provider
Fachinformatiker/in – Digitale Vernetzung (FIDV)
Vierte Fachrichtung seit IT-Reform 2020 und das Bindeglied zwischen IT und Operational Technology: Konfiguration von IoT-Devices, M2M-Kommunikation, Industrie-4.0-Vernetzung, Smart-Building-Systeme und Cloud-Anbindung von Produktionsanlagen. Besonders gesucht in Maschinenbau-Konzernen mit Industrie-4.0-Strategien (Bosch, Siemens, ABB) sowie bei Energieversorgern und Building-Automation-Anbietern.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ICR (Investigative · Conventional · Realistic)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.380 €/Monat
- Einstieg: 40.000–52.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 60.000–80.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Bosch, Siemens, ABB, EnBW, RWE, Smart-Building-Spezialisten
IT-System-Elektroniker/in (ITSE)
Schnittstellenberuf zwischen Elektronik und IT mit hohem Anteil an Vor-Ort-Service-Einsätzen: Installation und Wartung von Telekommunikationsanlagen, Netzwerk-Hardware, Glasfaser- und Kupfer-Verkabelung, Servern und Funktechnik. Hauptarbeitgeber sind Telekommunikations-Unternehmen (Deutsche Telekom, Vodafone), IT-Service-Provider und größere Industrie-Unternehmen mit eigener Telekommunikations-Infrastruktur.
- Dauer: 3,5 Jahre dual
- RIASEC: RIC (Realistic · Investigative · Conventional)
- Vergütung 1. LJ: 1.000–1.260 €/Monat
- Einstieg: 36.000–46.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 48.000–62.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Deutsche Telekom, Vodafone, 1&1, kommunale Stadtwerke, IT-Service
IT-Kaufmännisch & Beratung
2 BerufeKaufmann/-frau für IT-System-Management
Bis 2020 hieß der Beruf IT-System-Kaufmann und ist heute der zentrale kaufmännische Schnittstellenberuf zwischen IT und Vertrieb: Kundenberatung bei IT-Beschaffung, Angebotskalkulation, Lizenz-Management, Vertragsverhandlung und Projektkoordination. Typische Karrierepfade führen zum Account Manager IT, IT-Projektleiter oder Vertriebsleiter im Systemhaus-Geschäft. Wachstumsmarkt durch anhaltenden IT-Beschaffungs-Boom in Mittelstand und Konzernen.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ECI (Enterprising · Conventional · Investigative)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.330 €/Monat
- Einstieg: 36.000–46.000 €/Jahr
- Account Mgr nach 5 J.: 55.000–80.000 €/Jahr (+ Provisionen)
- Top-Arbeitgeber: Bechtle, Cancom, Computacenter, SAP-Reseller, Software-Häuser
Kaufmann/-frau für Digitalisierungsmanagement
Bis 2020 hieß der Beruf Informatikkaufmann und wurde im Zuge der IT-Reform 2020 grundlegend neu aufgestellt: Begleitung von Digitalisierungs-Projekten in Unternehmen, Anforderungsmanagement für neue IT-Systeme, Prozessoptimierung, Schnittstelle zwischen Fachabteilung und IT. Stark wachsender Markt durch den Digitalisierungs-Druck im deutschen Mittelstand — typische Karrierepfade führen zum IT-Projektleiter, Business Analyst oder Digital Transformation Manager.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: ECS (Enterprising · Conventional · Social)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.330 €/Monat
- Einstieg: 36.000–46.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 55.000–75.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Mittelstand mit Digitalstrategie, Beratungen (Accenture, Capgemini), Konzern-IT
Digital Design & CAD
2 BerufeMediengestalter/in Digital und Print
Mit ~6.000 Neuabschlüssen einer der beliebtesten Gestaltungsberufe in Deutschland und der zentrale Schnittpunkt von Kreativität und Technik. Drei Fachrichtungen seit Reform 2013: Beratung & Planung (kaufmännisch-strategisch), Konzeption & Visualisierung (klassische Designer-Schiene), Gestaltung & Technik (operative Umsetzung). Mit Adobe Creative Cloud, Figma und KI-Tools — der Beruf steht im KI-Umbruch und belohnt frühe Spezialisierung in KI-resistenten Disziplinen wie Brand Strategy oder Motion Design.
- Dauer: 3 Jahre dual (2,5 mit Abitur)
- RIASEC: AIC (Artistic · Investigative · Conventional)
- Vergütung 1. LJ: 920–1.150 €/Monat
- Einstieg: 32.000–42.000 €/Jahr
- Senior Designer nach 5 J.: 55.000–78.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Werbeagenturen, Druckereien, Konzern-Marketing, Verlage, Selbstständigkeit
Technische/r Produktdesigner/in
CAD-Konstruktionsberuf mit Schwerpunkt 3D-Modellierung in Industrie-Standard-Tools wie CATIA, SolidWorks, NX und Creo. Zwei Fachrichtungen: Produktgestaltung & -konstruktion (für Konsumgüter und Maschinenbau) sowie Maschinen- & Anlagenkonstruktion (industrieller Anlagenbau). Klassischer Sprungbrett-Beruf in das Maschinenbau-Studium oder zum Konstruktions-Techniker — sehr gesucht in Automobil-Zulieferern und Sondermaschinenbau.
- Dauer: 3,5 Jahre dual
- RIASEC: RIA (Realistic · Investigative · Artistic)
- Vergütung 1. LJ: 1.080–1.330 €/Monat
- Einstieg: 38.000–48.000 €/Jahr
- Senior nach 5 J.: 55.000–72.000 €/Jahr
- Top-Arbeitgeber: Automobil-Zulieferer, Bosch, Siemens, Sondermaschinenbau-Mittelstand
Wer passt zu IT- und Digitalberufen?
Praktisch alle IT-Berufe teilen ein klares RIASEC-Profil: ICR (Investigative · Conventional · Realistic). Wer hier dominant punktet, denkt analytisch, arbeitet präzise an Logik und Code, mag dabei aber auch die handfeste Arbeit mit Hardware oder Systemen. Subprofile mit hohem A (Artistic) tendieren zu Anwendungsentwicklung, Frontend-Design oder Mediengestaltung. Hoher E-Anteil (Enterprising) führt zur IT-Kaufmann/-frau-Schiene und in Richtung Solution Architect.
ICR — Investigative · Conventional · Realistic
Das wissenschaftlich validierte RIASEC-Profil nach Holland-Code ordnet IT-Berufen dominant I zu: analytisches Denken, Problemlösen, Faszination für Logik und Systeme. Sekundär C: Präzision in Code, Dokumentation, Compliance, Code-Standards. Tertiär R: Hands-on mit Hardware, Servern, Netzwerken oder Code-Werkzeugen.
I – Investigative
Sie verstehen abstrakte Systeme, analysieren Fehler, finden Muster in Daten. Sie haben Spaß am Debugging und am tiefen Verständnis von Code.
C – Conventional
Sie arbeiten präzise nach Code-Standards, dokumentieren sorgfältig, halten Code-Reviews und Versionierung ein. Konsistenz ist Ihnen wichtig.
R – Realistic
Sie haben praktischen Bezug zur Technik – sei es Server, Hardware, Mikrocontroller oder das Werkzeug Code-Editor. Sie wollen Dinge zum Laufen bringen.
Ist ein IT- oder Digitalberuf wirklich Ihr Profil?
20 Minuten Klarheit statt 3 Jahre Umweg – wissenschaftlicher RIASEC-Test für Schüler.
Gehalt in der IT: Schnellster Sprung der dualen Ausbildung
IT-Berufe haben den schnellsten Gehaltssprung nach der Ausbildung: Wer als Fachinformatiker einsteigt (40.000–50.000 €), kann nach 3 Jahren Berufserfahrung auf 55.000–70.000 € klettern – mit Spezialisierung in Cloud, DevOps oder Cybersecurity sogar 75.000–95.000 €. Spitzenverdiener sind Cloud-Architekten und Senior-Entwickler in Konzernen oder Beratungen mit 95.000–130.000 €. Wichtig: IT-Gehälter sind stark unternehmensabhängig – Konzerne und Beratungen zahlen deutlich besser als Mittelstand-IT.
Bandbreiten gerundet. Quellen: BIBB-Vergütungserhebung 2025, Bitkom-Gehaltsstudie 2025, Stepstone-Report IT-Gehälter 2025, ITK-Tarifvertrag 2025. Hinweis: Konzerne (DAX, Top-200) und Beratungen zahlen 15–30 % über Mittelwert; Mittelstand-IT oft 10–15 % unter Mittelwert.
Drei Karrierewege nach IT-Ausbildung
IT-Karrieren sind flexibler als die meisten Berufsfelder – mit weniger Hierarchie und mehr Spezialisierungs-Pfaden. Drei Hauptwege sind etabliert, oft auch kombinierbar.
1. Spezialisten-Pfad
Vertiefung in einem Tech-Stack oder Domain – mit Zertifikaten und Senior-Titeln statt klassischer Hierarchie. Im IT-Bereich Standard.
- Senior Software Developer / Senior Cloud Architect
- DevOps Engineer, SRE (Site Reliability Engineer)
- Cybersecurity Specialist (CISSP, CEH)
- Data Engineer / ML Engineer / AI Engineer
2. Studium-Pfad
Berufsbegleitendes oder anschließendes Studium – das anerkannteste Eintrittsticket zu Konzernen und Top-Beratungen.
- Informatik B.Sc./M.Sc. (Voll- oder berufsbegleitend)
- Wirtschaftsinformatik (Schnittstelle Business/IT)
- Data Science B.Sc./M.Sc. (Aufsteiger-Studium)
- Duales Studium IT mit Ausbildungsanrechnung
3. Selbstständig / Freelance
Eigene Software-Firma, Freelance-Entwicklung oder SaaS-Startup. IT ist das Berufsfeld mit dem niedrigsten Gründungshindernis.
- Freelance Entwickler (Tagessätze 600–1.200 €)
- Eigene Software-Agentur / IT-Consulting
- SaaS-Startup / Indie-Hacker
- Tech-Coach / Bootcamp-Trainer
Sie planen den Schritt ins Informatik-Studium oder die Selbstständigkeit? Eine berufliche Neuorientierung oder Studienberatung hilft bei der fundierten Karriereplanung.
Nicht das Richtige? Verwandte Bereiche im Vergleich
Wer schwankt zwischen IT und einem verwandten Feld, findet hier die richtige Abgrenzung.
Was sagen unsere Berater zu IT- und Digitalberufen?
Jan Bohlken
Gründer & Geschäftsführer Profiling Institut · Dipl.-Sozioökonom
„IT ist das Berufsfeld mit der besten Risiko-Rendite-Relation. Mein Rat aus 25 Jahren Headhunting: Wer mit 18 als Fachinformatiker Anwendungsentwicklung startet, ist mit 25 ein begehrter Senior Developer mit 75.000–95.000 € pro Jahr – ohne Studium. Mit Studium-Aufsatz nach der Ausbildung (B.Sc. Informatik berufsbegleitend) geht's bei 30 in Richtung 100.000 €. Achtung KI-Disruption: Die nächsten 5 Jahre werden KI-Tools die Junior-Aufgaben automatisieren – wer heute startet, sollte sich auf Senior-Aufgaben (Architektur, Cloud, Security) ausrichten, statt nur auf Coding. Cybersecurity wächst zweistellig und ist KI-resistent."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · DGSF-zertifiziert
„IT-Berufe haben ein besonderes Persönlichkeitsprofil: hohe analytische Geduld, Faszination für Logik, aber auch Frustrations-Toleranz beim Debugging. Wer schnelle sichtbare Ergebnisse braucht, ist eher unzufrieden – ein Bug kann Tage kosten. Vor der Entscheidung 4 Wochen Praktikum in IT-Abteilung machen: Wer dann immer noch begeistert ist, gehört ins Feld. Frauen in der IT sind aktuell bei 17 % (FIAE/FISI 12 %, MATSE 30 %, Mediengestalter 70 %). Förderprogramme wie „Girls' Day Academy" und „Code+Design Camps" wirken – mit klarem Aufwärtstrend bei Frauen in Tech."
IT-Ausbildung – FAQ
In der Ausbildung verdienen alle Fachinformatiker-Fachrichtungen sowie MATSE, IT-Kaufleute und Technischer Produktdesigner ähnlich (1.080–1.380 € im 3. Lehrjahr). Im Berufsleben führen Senior-Spezialisten: Senior Cloud Architect 95.000–130.000 €, Data Engineer / ML Engineer 85.000–120.000 €, DevOps / SRE 80.000–115.000 €, Cybersecurity Lead 95.000–135.000 €. Spitzenverdiener als Freelance Entwickler mit Tagessätzen 800–1.200 € erreichen Jahresumsätze 150.000–220.000 €. Konzerne und Beratungen zahlen 15–30 % über Mittelstand-Niveau.
Rechtlich reicht in den meisten IT-Berufen die mittlere Reife. Real wird in vielen Unternehmen Abitur oder Fachhochschulreife erwartet – die Konkurrenz unter Bewerbern ist hoch. Hauptschulabschluss reicht formal für IT-System-Elektroniker, ist in der Praxis aber selten ausreichend. Empfehlung: Wer eine IT-Ausbildung will, sollte mindestens mittlere Reife mit guten Noten in Mathematik, Englisch und Informatik mitbringen. Mit Abitur verkürzt sich die Ausbildung oft auf 2 oder 2,5 Jahre. Wer mit eigenen Projekten (GitHub, Webseiten, Apps) bewerben kann, kompensiert auch schwächere Noten.
Mit der IT-Reform 2020 wurde der Fachinformatiker von 2 auf 4 Fachrichtungen erweitert: 1. Anwendungsentwicklung (FIAE) – klassische Software-Entwicklung in Java, Python, C#, Web-Stacks. 2. Systemintegration (FISI) – Server, Netzwerke, Cloud-Migration, IT-Operations. 3. Daten- und Prozessanalyse (FIDP) – neue Fachrichtung 2020: Big Data, Business Intelligence, ETL, KI-Anwendungen. 4. Digitale Vernetzung (FIDV) – neue Fachrichtung 2020: IoT, Industrie 4.0, M2M-Kommunikation, Smart-Building. Alle 4 haben gleichen Tarif und dauern 3 Jahre. Die Wahl der Fachrichtung passiert im Ausbildungsvertrag – ein Wechsel im 2. oder 3. Lehrjahr ist möglich.
Beides hat Vorteile: Vorteile Ausbildung: 3 Jahre bezahlte Praxis statt 3–5 Jahre Studienkosten, faktische Job-Garantie nach Abschluss, Quereinstieg ins Studium später jederzeit möglich (Bachelor berufsbegleitend in 3 Jahren). Vorteile Studium: Türöffner zu Konzernen und Top-Beratungen (Bain, McKinsey, Accenture-Tech), 10–20 % höhere Einstiegsgehälter, theoretische Tiefe für Forschung und Architektur-Rollen. Smart Move: Ausbildung machen, danach berufsbegleitend B.Sc. – Sie haben dann mit 25 Bachelor + 3 Jahre Praxis, was Bachelor-Absolventen mit 23 nicht haben. Übrigens: Mit IT-Abschluss können Sie ohne Abitur Informatik studieren (Fachhochschulreife reicht).
Massiv – aber differenziert: Junior-Coding-Aufgaben (CRUD-Apps, Standard-Algorithmen, einfache Bug-Fixes) werden durch GitHub Copilot, ChatGPT, Claude und Cursor stark beschleunigt. Einstiegsgehälter könnten in den nächsten 5 Jahren stagnieren. Senior-Aufgaben (System-Architektur, Cloud-Design, Security-Konzepte, Code-Reviews) gewinnen an Wert. Neue Berufsfelder entstehen: AI Engineer, Prompt Engineer, MLOps Engineer. Strategie für Einsteiger: 1) Nicht nur Coding lernen, sondern Software-Architektur und Cloud verstehen. 2) Spezialisierung in KI-Anwendungs-Entwicklung (FIDP-Fachrichtung) oder Cybersecurity (KI-resistent). 3) Konstantes Lernen einplanen – Tech-Stack verändert sich alle 2–3 Jahre.
Vier Leitfragen helfen bei der Eingrenzung:
1. Eher Code schreiben oder Systeme administrieren? Code: FIAE, MATSE, FIDP. Systeme: FISI, FIDV, IT-System-Elektroniker.
2. Eher technisch tief oder Beratung & Kunden? Tech: alle Fachinformatiker, MATSE. Beratung: Kaufmann IT-System-Management, Kaufmann Digitalisierungsmanagement.
3. Software oder Hardware? Software: FIAE, MATSE, FIDP, Mediengestalter. Hardware: FISI, FIDV, ITSE, Technischer Produktdesigner.
4. Mathematisch-wissenschaftlich oder klassisch betriebliche IT? Math-Sci: MATSE, FIDP (KI). Klassisch: FIAE, FISI, ITSE.
Ein wissenschaftlicher Berufswahltest klärt das Profil in unter 20 Minuten.
Ja – IT ist das Berufsfeld mit den höchsten Quereinsteiger-Quoten in Deutschland. Drei Wege: 1. Bootcamps (3–12 Monate Intensivkurs in Coding, Data Science oder UX): bewährt sind Le Wagon, Spiced Academy, neue digitale Karrieren. 2. Umschulung über Arbeitsagentur (Bildungsgutschein) – meist 18–24 Monate IT-Umschulung zum Fachinformatiker. 3. Selbststudium mit Online-Plattformen (Udemy, Coursera, freeCodeCamp) plus eigene Projekte auf GitHub. Erfolgskritisch: Portfolio mit echten Projekten ist wichtiger als Zertifikate. Quereinsteiger können nach 1–2 Jahren Erfahrung den gleichen Tarif wie ausgebildete Fachinformatiker erreichen. Tipp: Kombinieren Sie die alte Fachexpertise mit IT – Quereinsteiger aus BWL, Recht oder Medizin sind in jeweiligen Domain-IT-Stellen besonders gefragt.
Stark wachsend, aber noch unterrepräsentiert. Aktuelle Frauen-Anteile: Fachinformatiker FIAE und FISI 12 %, FIDP (Daten) 18 %, MATSE 30 %, IT-Kaufleute 35 %, Mediengestalter Digital und Print 70 %. Förderprogramme: Girls' Day Academy, Code+Design Camps, „Frauen Studieren MINT", Initiative „She Codes". Karriere-Vorteil: Frauen in IT sind in vielen Konzernen aktiv gesucht und werden in Führungspositionen schnell gefördert – Diversity-Quoten machen den Unterschied. Strategie: Bewerbungen direkt bei Tech-Konzernen mit aktiven Frauen-Förderprogrammen (SAP, Siemens, Bosch, Deutsche Bahn, Telekom) – diese zahlen häufig 5–10 % über Mittelwert und bieten Mentoring-Programme.
Der ITK-Tarifvertrag (IT- und Kommunikations-Tarifvertrag) ist der Branchen-Tarif des bitkom für IT- und Telekommunikationsunternehmen. Er regelt Mindestlöhne, Ausbildungsvergütungen, 35-Stunden-Woche, Urlaubsanspruch (30 Tage) und Sonderzahlungen. Tarifgebundene Unternehmen: Telekom, Deutsche Bahn IT, IBM Deutschland, einige Beratungen. Nicht im ITK-Tarif: Die meisten Mittelstand-IT-Firmen und viele Konzern-IT-Töchter haben eigene Haustarife oder zahlen außertariflich (oft über Tarif, manchmal darunter). Vor jeder Bewerbung: Tarifbindung prüfen, da der Unterschied zwischen Tarif und außertariflich gravierend sein kann. Vorteil Konzerne: Tarif + Konzern-Zulagen + Aktien-/Bonus-Programm.
Die Übernahmequote in der IT liegt 2025 bei ~93 % im Schnitt – die höchste aller Berufsfelder neben Gesundheit und Bau. Praktisch alle IT-Berufe: Fachinformatiker 94 %, MATSE 96 %, IT-Kaufleute 88 %, Technischer Produktdesigner 90 %. Konkret: Auf einen ausgelernten Fachinformatiker kommen aktuell 5–7 offene Stellen – ein dramatischer Bewerbermarkt. Wer nicht übernommen wird, findet binnen 1–2 Wochen einen neuen Arbeitgeber, oft mit 10–20 % höherem Gehalt. Tipp: Nach 2–3 Jahren Gesellen-Zeit lohnt sich ein Wechsel zu einem höher-zahlenden Konzern oder einer Beratung deutlich – im IT-Bereich ist der erste Job selten der bestbezahlte.
Welcher IT- oder Digitalberuf passt zu Ihnen?
10 IT- und Digitalberufe sind weniger als andere Felder – aber sie unterscheiden sich extrem in Tätigkeit, Tech-Stack und Karrierechancen. Unser wissenschaftlicher RIASEC-Test und die persönliche Beratung durch zertifizierte Psychologinnen und Psychologen schaffen Klarheit in unter 20 Minuten.
Weiterführende Themen
Quellen & Methodik
- BIBB-Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen, Bundesinstitut für Berufsbildung, veröffentlicht 03.03.2026.
- IT-Berufeverordnung 2020: Rechtsgrundlage der 4 Fachinformatiker-Fachrichtungen.
- BIBB-Vergütungserhebung 2025: Tarifliche Ausbildungsvergütungen.
- Bitkom-Gehaltsstudie 2025: IT- und Digital-Gehälter in Deutschland.
- Stepstone IT-Gehaltsreport 2025: Marktdaten für Software-Entwicklung, DevOps, Security.
- ITK-Tarifvertrag 2025: bitkom Tarifvertrag für IT- und Kommunikationsbranche.
- Bitkom-Studie „IT-Fachkräftemangel 2025": 96.000 offene IT-Stellen.
- RIASEC-Modell nach John L. Holland (1997): „Making Vocational Choices", 3. Auflage, PAR.
- Hinweis: Bandbreiten in den Gehaltstabellen beziehen sich auf marktübliche Vergütungen 2025. Tatsächliche Vergütungen variieren stark nach Unternehmensgröße, Region, Tech-Stack und Spezialisierung.