Curriculum

Curriculum: Der Gesamtplan eines Bildungsgangs

Ein Curriculum ist der Gesamtplan eines Bildungsgangs: Es legt fest, welche Kompetenzen erreicht werden sollen, über welche Inhalte, in welcher Reihenfolge und wie die Erreichung überprüft wird. Der Begriff kommt von lateinisch currere, laufen – gemeint ist der Lauf durch einen Bildungsweg.

Curriculum, Lehrplan und was sonst noch verwechselt wird

Der klassische Lehrplan war ein Stoffkatalog: Er listete auf, was behandelt wird. Das Curriculum setzt am Ergebnis an – bei der Frage, was Lernende danach können sollen – und leitet Inhalte, Methoden und Prüfungen daraus ab. Diese Verschiebung von der Stoff- zur Kompetenzorientierung prägt die deutschen Bildungspläne seit den 2000er-Jahren; die Länder sprechen deshalb überwiegend von Bildungsplänen oder Kernlehrplänen statt von Lehrplänen.

An Hochschulen gibt es kein Dokument mit dem Namen Curriculum. Seine Funktion erfüllen Studien- und Prüfungsordnung – rechtlich verbindlich – sowie das Modulhandbuch, das für jedes Modul Lernziele, Inhalte, Arbeitsaufwand, Prüfungsform und Voraussetzungen beschreibt. Wer das Curriculum eines Studiengangs lesen will, liest das Modulhandbuch.

Zwei nützliche Begriffe aus der Curriculumforschung: Das Spiralcurriculum nach Jerome Bruner greift dieselben Grundgedanken auf steigendem Niveau mehrfach auf, statt Themen einmal abzuhaken. Der heimliche Lehrplan bezeichnet all das, was Lernende nebenbei lernen, ohne dass es irgendwo steht – etwa dass Pünktlichkeit wichtiger ist als Verständnis, oder dass Nachfragen als Schwäche gilt. Er wirkt oft stärker als der offizielle Plan.

Keine Verbindung besteht zum Curriculum Vitae – dort steckt dasselbe lateinische Wort, gemeint ist aber der „Lauf des Lebens“, also der Lebenslauf. Die Wortgleichheit führt regelmäßig zu Verwechslungen in Suchergebnissen und Übersetzungen.

Wie man ein Curriculum liest, bevor man sich entscheidet

Für die Studien- oder Schulwahl ist das Modulhandbuch die ehrlichste verfügbare Quelle – ehrlicher als jeder Werbetext, weil es verbindlich ist. Vier Dinge lassen sich daraus in einer halben Stunde ablesen.

Was tatsächlich unterrichtet wird.

Studiengänge mit gleichem Namen unterscheiden sich erheblich. Ein Wirtschaftspsychologie-Studium kann drei Statistikmodule enthalten oder eines; das entscheidet über die Erfahrung der ersten zwei Jahre mehr als der Titel.

Wie hoch die Belastung ist.

Die Credit Points pro Modul geben den kalkulierten Arbeitsaufwand an. Auffällig sind Semester mit vielen kleinen Modulen – jedes bringt eine eigene Prüfung, und die Prüfungsdichte ist ein häufigerer Abbruchgrund als der Schwierigkeitsgrad.

Wie viel Wahlfreiheit besteht.

Der Anteil an Wahlpflichtmodulen entscheidet darüber, ob man sich im Verlauf noch spezialisieren kann oder ob der Weg feststeht.

Welche Voraussetzungsketten es gibt.

Wenn Modul C das bestandene Modul A verlangt, kostet eine nicht bestandene Prüfung nicht ein Semester, sondern zwei.

Diese Prüfung ersetzt allerdings nicht die Vorfrage, ob die Richtung überhaupt passt – dafür ist ein Studienwahltest der belastbarere Ausgangspunkt, und die Studienberatung ordnet ein, was die Unterschiede zwischen zwei Modulhandbüchern praktisch bedeuten.

Aus der Beratungspraxis: Studiengänge werden nach Namen, Stadt und Zulassungsgrenze verglichen, fast nie nach Modulhandbuch. Dabei steht dort in nüchterner Form, wie die nächsten drei Jahre tatsächlich aussehen – und genau daran entscheidet sich, ob jemand bleibt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Curriculum und Lehrplan?

Der klassische Lehrplan listet Stoff auf – was behandelt wird. Ein Curriculum geht vom Ergebnis aus: Es bestimmt, welche Kompetenzen erreicht werden sollen, und leitet Inhalte, Methoden und Prüfungen daraus ab. Deutsche Länder sprechen deshalb überwiegend von Bildungs- oder Kernlehrplänen.

Was ist ein heimlicher Lehrplan?

Alles, was Lernende nebenbei lernen, ohne dass es im offiziellen Plan steht – etwa welche Verhaltensweisen belohnt werden, ob Nachfragen erwünscht ist oder ob Ergebnis vor Verständnis geht. Der Begriff stammt aus der Curriculumforschung und beschreibt Wirkungen, die häufig stärker sind als die geplanten.

Persönliche Beratung

Was bedeutet das für Ihre Situation?

Begriffe erklären den Rahmen – die Entscheidung treffen Sie im eigenen Kontext. Unsere Beraterinnen und Berater ordnen ein, was für Ihren Weg wirklich zählt: in der Schul-, Studien- und Berufsberatung ebenso wie in der beruflichen Neuorientierung.