KI & Beruf · Studienwahl
Studienwahl mit KI: welche Studiengänge trotz KI Zukunft haben
„Welches Studium hat überhaupt noch Zukunft?" ist die Frage, die vor dem Abitur inzwischen am häufigsten gestellt wird. Sie lässt sich nicht pro Studiengang beantworten – sondern nur pro Tätigkeit. Diese Seite zeigt, welche Zahlen es dazu wirklich gibt, wie weit sie tragen und wo die Listen im Netz aufhören.

Kurz & klar: Kein Studiengang ist als solcher KI-sicher oder KI-gefährdet. Entscheidend ist das Tätigkeitsbündel dahinter – und das streut innerhalb eines Fachs stärker als zwischen zwei Fächern. Die belastbaren Zahlen sagen zweierlei: Akademikerberufe haben weiterhin das mit Abstand niedrigste Substituierbarkeitspotenzial (35,8 Prozent), holen aber am schnellsten auf (plus 9,7 Prozentpunkte in drei Jahren). Die brauchbare Frage lautet deshalb nicht welcher Studiengang, sondern welcher Anteil Ihrer späteren Arbeit aus Routine besteht.
Diese Seite behandelt die Studienwahl. Wenn Sie vor der Frage nach dem Beruf stehen – mit oder ohne Studium –, gehört sie auf Berufswahl mit KI. Die Liste der Berufe mit niedriger Exposition führt KI-sichere Berufe. Die Zukunftsfrage ohne KI-Bezug – Arbeitsmarktprognosen, Zukunftsbranchen und der ehrliche Vergleich der Studienfelder – steht auf Studium mit Zukunft. Hier geht es um den Teil, den KI verändert.
„Welcher Studiengang ist KI-sicher?" – warum die Frage nicht funktioniert
Ein Studiengang ist kein Beruf. Er ist eine Eintrittskarte in ein Bündel von Berufen, die sich in ihrem Tätigkeitsprofil erheblich unterscheiden. Aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium werden Personalsachbearbeitung, Controlling, Marketingsteuerung oder Geschäftsführung – und diese vier Tätigkeiten sind unterschiedlich stark automatisierbar, obwohl ihnen derselbe Abschluss zugrunde liegt.
Wie groß dieser Unterschied ist, lässt sich an unserem eigenen Datensatz zeigen. Für 478 Berufe haben wir den Anteil der Tätigkeiten berechnet, die heute schon von Software übernommen werden könnten. Fünf typische Zielberufe eines Wirtschaftsstudiums liegen darin 35 Prozentpunkte auseinander.
Dasselbe Muster zeigt sich überall: In der Informatik liegen mathematisch-technische Softwareentwicklung (59 Prozent), Softwareentwicklung (48 Prozent) und Data Science (44 Prozent) deutlich auseinander. Im Recht trennen die Anwaltstätigkeit (33 Prozent) und die Rechtsanwaltsfachangestellte (74 Prozent) mehr als 40 Punkte – bei identischem Rechtsgebiet.
Wer also eine Liste „KI-sicherer Studiengänge" sucht, sucht nach einer Antwort auf eine Frage, die so nicht gestellt werden kann. Nützlich wird es erst eine Ebene tiefer.
Was die Zahlen je Berufsfeld hergeben
Auf der Ebene der Berufsfelder sind die Unterschiede dagegen stabil und gut belegt. Der Mittelwert über alle 478 ausgewerteten Berufe liegt bei 44 Prozent; die neun Felder streuen zwischen 29 und 56 Prozent.
Für die Studienwahl heißt das: Wer in Richtung Bildung, Soziales, Gesundheit oder Pflege geht, landet strukturell im unteren Drittel. Wer in Richtung Verwaltung, Technik oder IT geht, landet im oberen – und muss sich stärker darum kümmern, welche Rolle innerhalb des Felds er anstrebt.
Welche Fächer in welches Feld führen, steht auf den Seiten der einzelnen Studienfelder: Technik und Informatik, Wirtschaft und Management, Gesundheit und Medizin, Soziales und Pädagogik, Lehramt, Naturwissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Medien und Kommunikation, Kunst und Design und Sport.
Der unbequeme Befund: Akademikerberufe holen am schnellsten auf
Die wichtigste Zahlenreihe für Studieninteressierte stammt nicht aus einem Ranking, sondern aus dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Das IAB bewertet seit Jahren, welcher Anteil der Tätigkeiten eines Berufs von Computern erledigt werden könnte – das sogenannte Substituierbarkeitspotenzial –, und schlüsselt das nach Anforderungsniveau auf.
Zwei Lesarten gehören zusammen. Die erste: Ein Studium bleibt der Weg mit der geringsten Exposition; 35,8 Prozent gegenüber 61,6 Prozent bei den Fachkraftberufen ist ein deutlicher Abstand. Die zweite: Dieser Abstand schrumpft, und er schrumpft zuerst dort, wo akademische Arbeit aus Text, Analyse und Standardgutachten besteht. In der Langfristrechnung des IAB sinkt der Bedarf mittelfristig bei Spezialisten am stärksten, langfristig bei Experten.
Wichtig für die Einordnung: „Substituierbarkeitspotenzial" heißt könnte technisch, nicht wird. Zwischen technischer Machbarkeit und betrieblicher Wirklichkeit liegen Kosten, Recht, Tarifbindung und schlicht die Frage, ob jemand die Umstellung bezahlt. Die gesamtwirtschaftliche Rechnung des IAB kommt für einen Zeitraum von 15 Jahren auf einen Beschäftigungsstand wie ohne KI – bei rund 1,6 Millionen Arbeitsplätzen, die der Strukturwandel verschiebt.
Lohnt sich Informatik noch? Und Jura? Und Lehramt?
Informatik
Der meistgestellte Einzelfall. Programmieren ist die Tätigkeit mit dem größten gemessenen Produktivitätssprung durch KI – in kontrollierten Studien rund 56 Prozent, gegenüber etwa 14 Prozent im Kundenservice. Daraus folgt aber nicht „weniger Informatiker", sondern eine verschobene Einstiegshürde: Was früher klassische Junior-Arbeit war, übernimmt das Werkzeug. Gleichzeitig ist Informationsdienstleistung der einzige Bereich, für den das IAB-Szenario über 15 Jahre einen klaren Aufbau ausweist (rund plus 110.000 Stellen). Informatik bleibt tragfähig – der Einstieg verlangt nur früher eine Spezialisierung als vor fünf Jahren.
Rechtswissenschaft
Hier liegen die beiden Extreme im selben Fach. Standardgutachten, Schriftsatzentwürfe, Vertragsprüfung und Recherche sind gut modellierbar. Mandatsführung, Verhandlung, Prozessstrategie und die Verantwortung für das Ergebnis sind es nicht. Die Anwaltstätigkeit steht in unserem Datensatz bei 33 Prozent – im unteren Drittel. Der Beruf verändert sich also stark, ohne dass die Zulassungsfrage berührt wird.
Lehramt und soziale Fächer
Bildung und Soziales ist mit 29 Prozent das Feld mit dem niedrigsten Wert – und das einzige, in dem Demografie und Personalmangel in dieselbe Richtung zeigen. KI verändert hier die Vorbereitung und die Differenzierung von Material, nicht die Kernaufgabe.
Geistes- und Sozialwissenschaften
Der Reflex, sie für besonders gefährdet zu halten, greift zu kurz. Was tatsächlich exponiert ist, ist das Verfassen von Standardtexten. Was nicht exponiert ist, ist die Fähigkeit, eine Fragestellung zu entwickeln, Quellen zu beurteilen und Widersprüche auszuhalten. Der Unterschied zwischen beidem entscheidet sich weniger im Fach als im späteren Tätigkeitszuschnitt – und genau deshalb ist die Passungsfrage hier besonders wichtig.
Fach für Fach: die Zahlen zu 20 Studiengängen
Die Übersicht ordnet jedem Fach einen typischen akademischen Zielberuf zu und nennt dessen Anteil automatisierbarer Tätigkeiten aus unserem Datensatz. Zwei Hinweise, damit die Tabelle nicht falsch gelesen wird. Erstens gilt der Wert für den Beruf, nicht für den Abschluss – fast jedes Fach führt in mehrere Berufe mit deutlich abweichenden Werten. Zweitens heißt ein hoher Wert, dass sich die Tätigkeit verändert, nicht dass der Beruf verschwindet.
| Studienfach | Zielberuf | Automatisierbar | Band |
|---|---|---|---|
| BWL | Controlling | 53 % | mittel |
| Wirtschaftsinformatik | Data Engineering | 50 % | mittel |
| Informatik | Softwareentwicklung | 48 % | mittel |
| Chemie | Chemieingenieur | 48 % | mittel |
| Kommunikationsdesign | Grafikdesign | 47 % | mittel |
| Medienwissenschaft | Redaktion | 45 % | mittel |
| Wirtschaftspsychologie | Personalentwicklung | 43 % | mittel |
| Humanmedizin | Allgemeinmedizin | 41 % | mittel |
| Bauingenieurwesen | Bauingenieur | 40 % | mittel |
| Wirtschaftsingenieurwesen | Wirtschaftsingenieur | 35 % | mittel |
| Maschinenbau | Maschinenbau (Ing.) | 35 % | mittel |
| Soziale Arbeit | Soziale Arbeit | 35 % | mittel |
| Rechtswissenschaft | Anwaltstätigkeit | 33 % | gering |
| Architektur | Architektur | 33 % | gering |
| Elektrotechnik | Elektroingenieur | 32 % | gering |
| Pflege | Pflegefachkraft | 30 % | gering |
| Psychologie | Beratung | 28 % | gering |
| Physiotherapie | Physiotherapie | 21 % | gering |
| Lehramt | Lehrkraft | 20 % | gering |
| Erziehungswissenschaft | Erziehung | 17 % | gering |
Der eigentliche Befund steckt in der Spannweite. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Fach dieser Liste liegen 36 Prozentpunkte – von der Frühkindlichen Bildung mit 17 bis zum Controlling mit 53 Prozent. Innerhalb eines einzigen Fachs sind es 35, wie die fünf Zielberufe des Wirtschaftsstudiums weiter oben zeigen. Die Wahl des Fachs entscheidet also kaum weniger als die Wahl der Rolle, in die Sie damit gehen.
Für sechs weitere Fächer führt der Datensatz keinen eigenen akademischen Zielberuf, weil ihre Berufsausgänge zu breit streuen, um einen einzelnen Wert zu rechtfertigen: Zahnmedizin, Biologie, Germanistik, Politikwissenschaft, Soziologie und Sportwissenschaft. Für sie gilt der Feldwert aus dem Abschnitt oben als grobe Einordnung – und die vier Merkmale im nächsten Abschnitt als das genauere Werkzeug.
Vier Merkmale, die ein Studium robust machen
Quer durch alle Datensätze wiederholen sich vier Eigenschaften. Sie beschreiben keine Fächer, sondern Tätigkeitsanteile – und lassen sich für jeden Studiengang durchgehen.
Es gibt ein fünftes Merkmal, das in keinem dieser Rankings vorkommt und trotzdem am stärksten wirkt: die Passung. Ein robustes Fach, das nicht zu Ihnen passt, endet überdurchschnittlich häufig im Abbruch – und ein Abbruch kostet mehr Zeit als jede Fehleinschätzung über KI.
KI als Werkzeug bei der Studienwahl: was sie leistet
Als Recherchewerkzeug ist ein Sprachmodell für die Studienwahl gut geeignet. Es erklärt unbekannte Fächer verständlich, findet Studiengänge, die Sie nicht auf dem Schirm hatten, trägt Voraussetzungen und Zulassungsfragen zusammen und bereitet Gespräche mit Hochschulen oder Studienberatungen vor. Wer nur zehn Fächer kennt, kommt damit auf vierzig.
Was es strukturell nicht kann, ist messen. Es hat keine Normstichprobe, liefert bei derselben Frage an zwei Tagen zwei verschiedene Ergebnisse und neigt dazu, Ihnen zuzustimmen – gerade dann, wenn Sie Ihre Neigung in der Frage schon mitgeliefert haben. Für die Studienwahl ist das die kritische Stelle, weil genau hier die Selbsteinschätzung überprüft werden müsste. Die vier systematischen Fehler und ein Selbsttest dazu stehen ausführlich auf Berufswahl mit KI.
Der brauchbare Prompt: Nicht „Welches Studium passt zu mir?", sondern „Ich habe mich für diese drei Fächer entschieden. Nenne mir für jedes die drei häufigsten Gründe, aus denen Studierende es abbrechen, und welche Tätigkeiten im späteren Berufsalltag überwiegen." Das nutzt die Stärke des Werkzeugs – Breite und Struktur – und umgeht seine Schwäche.
Von der Liste zur Entscheidung
Alle Zahlen auf dieser Seite beschreiben Berufe, nicht Sie. Sie grenzen das Feld ein, sie entscheiden es nicht. Der Schritt von „diese fünf Fächer kommen infrage" zu „dieses eine schreibe ich in die Bewerbung" braucht eine andere Art von Information – nämlich Aussagen über Ihre Fähigkeiten, Interessen und Arbeitsweise, die auch dann noch gelten, wenn Sie gerade schlecht gelaunt sind.
Dafür gibt es drei Stufen, die aufeinander aufbauen:
Der kostenlose Studienwahltest ordnet Ihre Interessen nach dem RIASEC-Modell und zeigt, welche Studienrichtungen dazu passen. 15 Minuten, ohne Anmeldung. Ein guter erster Filter, wenn die Liste noch lang ist.
Die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten misst mit normierten Verfahren nach DIN 33430, was ein Fragebogen nicht hergibt: kognitive Leistungsprofile, Persönlichkeitsmerkmale, Motivstruktur. Das ist die Grundlage, auf der sich zwei ähnlich attraktive Fächer tatsächlich unterscheiden lassen.
In der Studienberatung wird aus dem Befund eine Entscheidung: mit Blick auf Ihre Situation, den Arbeitsmarkt des Fachs und die Alternativen, die Sie noch nicht geprüft haben. Auch die Frage, wie KI Ihr Wunschfach verändert, gehört hier hinein – nicht als Prognose, sondern als Tätigkeitsanalyse. Zeigt sich dabei, dass es kein Studium sein soll, ist die Berufsberatung der breitere Rahmen – sie deckt Ausbildung, duales Studium und Berufseinstieg mit ab.
Nächster Schritt
Eine Liste kann man googeln. Eine Entscheidung nicht.
Seit über 25 Jahren begleiten wir Abiturientinnen und Abiturienten bei genau dieser Frage – mit eignungsdiagnostischen Verfahren nach DIN 33430 statt mit Zukunftsprognosen. An sieben Standorten und online.
Häufige Fragen zur Studienwahl mit KI
Welches Studium ist KI-sicher?
Keines – und zugleich viele. Kein Studiengang ist als Ganzes sicher oder gefährdet, weil hinter jedem Abschluss Berufe mit sehr unterschiedlichen Tätigkeitsprofilen stehen. Fünf typische Zielberufe eines Wirtschaftsstudiums liegen in unserem Datensatz 35 Prozentpunkte auseinander. Sinnvoll ist die Frage erst auf Tätigkeitsebene: Wie viel Ihrer späteren Arbeit besteht aus Routine, und wie viel aus Urteil, Verantwortung und Arbeit mit Menschen?
Welche Studiengänge haben trotz KI Zukunft?
Strukturell am robustesten sind Felder, in denen Arbeit am Menschen, getragene Verantwortung, körperliche Präsenz oder Entscheidungen unter Unsicherheit überwiegen – Gesundheit und Pflege (33 Prozent Substituierbarkeitspotenzial) sowie Bildung und Soziales (29 Prozent) liegen deshalb am unteren Ende. Das ist aber kein Argument, ein Fach zu wählen, das nicht zu Ihnen passt: Ein Abbruch kostet mehr als jede Fehleinschätzung über Technologie.
Lohnt sich ein Informatikstudium noch?
Ja, aber mit verschobenem Einstieg. Programmieren zeigt in Studien den größten Produktivitätsgewinn durch KI, was vor allem klassische Junior-Aufgaben betrifft. Gleichzeitig ist Informationsdienstleistung der Bereich, für den das IAB über 15 Jahre den stärksten Beschäftigungsaufbau ausweist. Wer Informatik studiert, sollte früher als früher üblich eine fachliche Richtung wählen – Daten, Sicherheit, eingebettete Systeme, Fachdomäne – statt allgemein zu bleiben.
Kann ChatGPT mir sagen, was ich studieren soll?
Es kann Ihnen Fächer erklären und Alternativen zeigen, die Sie nicht kannten. Es kann nicht messen, was Sie können und wollen: Es hat keine Normstichprobe, liefert bei gleicher Frage unterschiedliche Antworten und neigt dazu, Ihre eigene Vermutung zu bestätigen. Als Rechercheschritt sinnvoll, als Entscheidungsgrundlage nicht.
Werden Geisteswissenschaften durch KI überflüssig?
Exponiert ist das Verfassen von Standardtexten, nicht das Fach. Fragestellungen entwickeln, Quellen beurteilen, Widersprüche aushalten – das bleibt. Entscheidend ist, in welchen Tätigkeitszuschnitt Sie nach dem Abschluss gehen, und genau darüber entscheidet nicht das Fach, sondern die Passung und der Weg dorthin.
Sollte ich lieber eine Ausbildung machen statt zu studieren?
Auf die KI-Frage allein lässt sich das nicht stützen: Fachkraftberufe liegen mit 61,6 Prozent Substituierbarkeitspotenzial deutlich über den Expertenberufen mit 35,8 Prozent. Für die Entscheidung zwischen Ausbildung und Studium zählen andere Kriterien stärker – Lernstil, finanzielle Situation, Praxisnähe und die Frage, ob ein duales Modell beides verbindet.
Wie verlässlich sind die Prozentangaben überhaupt?
Sie sind Potenzialwerte, keine Prognosen. Sie sagen, welcher Anteil der Tätigkeiten technisch von Software erledigt werden könnte – nicht, was tatsächlich passiert. Je nach Methode kommen Studien zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: berufsbasiert 42 Prozent für Deutschland, tätigkeitsbasiert 12 Prozent. Genau diese Spannweite ist der Grund, die Frage nicht über Listen, sondern über Tätigkeiten zu beantworten.
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