Studienfeld Wirtschaft & Management · RIASEC I + E

Wirtschaftsinformatik studieren: die Brücke

Wer zwischen BWL und Informatik schwankt, landet fast zwangsläufig hier – und das ist häufig die richtige Entscheidung. Wirtschaftsinformatik hat den vielleicht besten Arbeitsmarkt aller wirtschaftsnahen Fächer. Sie verlangt dafür etwas Ungewohntes: die Bereitschaft, in keinem der beiden Lager der Beste zu sein – und genau daraus einen Wert zu machen.

2,0–2,8NC, vielerorts zulassungsfrei
6 + 4Semester Bachelor + Master
ca. 25 %Programmieranteil im Studium
I + ERIASEC-Profil des Fachs
DIN 33430 zertifiziert
Quellen mit Stand angegeben
25+ Jahre Arbeitsmarkterfahrung
Lesezeit ca. 15 Minuten

Das Wichtigste in Kürze. Wirtschaftsinformatik verbindet Betriebswirtschaft, Informatik und Methodik zu einem eigenständigen Fach – nicht zu einer Halbierung von beidem. Sie programmieren tatsächlich, aber weniger tief als in der Informatik; Sie lernen BWL, aber weniger breit als in der BWL. Der Mathematikanteil liegt zwischen beiden Fächern und ist damit für viele der entscheidende Vorteil. Der Arbeitsmarkt ist ausgezeichnet: Praktisch jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse und sucht Menschen, die Fachbereich und IT verstehen. Die eine Bedingung: Sie müssen die Vermittlerrolle bewusst annehmen. Wer versucht, der bessere Entwickler oder der bessere Controller zu sein, verliert gegen die jeweiligen Spezialisten – wer übersetzt, wird gebraucht wie kaum ein anderes Profil.

Steckbrief

Wirtschaftsinformatik studieren – alle Eckdaten auf einen Blick

Im Studienfeld Wirtschaft & Management ist Wirtschaftsinformatik der Studiengang mit der derzeit besten Relation aus Zugangshürde und Arbeitsmarktlage.

MerkmalWirtschaftsinformatik (B.Sc.)Einordnung
AbschlussBachelor of Science, danach Master of ScienceDirekteinstieg nach dem Bachelor ist verbreitet
Regelstudienzeit6 Semester Bachelor, 4 Semester MasterAn FHs häufig 7 Semester mit Praxissemester
Typischer NC2,0 bis 2,8, an vielen Standorten freiDeutlich zugänglicher als reine BWL an Spitzenstandorten
Informatikanteilca. 40 Prozent der CreditsProgrammierung, Datenbanken, Systemarchitektur
BWL-Anteilca. 30 Prozent der CreditsRechnungswesen, Prozesse, Organisation
RIASEC-ProfilI + E (Investigative, Enterprising)Analytisch plus gestaltend – die Kombination ist der Kern
Abbruchquotezwischen BWL und InformatikDer Mathematikanteil ist die häufigste Hürde
Einstiegsgehaltca. 50.000 bis 62.000 Euro brutto pro JahrÜber BWL, nahe an der Informatik
Arbeitsmarktausgezeichnet, branchenübergreifendNachfrage in nahezu jedem Wirtschaftszweig

Alle Angaben sind Orientierungswerte, Stand August 2026. Die Gewichtung zwischen Informatik und BWL unterscheidet sich zwischen Hochschulen erheblich – an manchen Standorten ist Wirtschaftsinformatik faktisch ein Informatikstudium mit BWL-Nebenfach, an anderen umgekehrt. Das Modulhandbuch ist die einzige verlässliche Quelle. Weitere Hinweise unter Zulassung und Bewerbung.

Der wichtigste Abschnitt dieser Seite

Die Positionierung: Warum „von beidem etwas" kein Nachteil ist

Der häufigste Einwand gegen Wirtschaftsinformatik lautet: Man könne nichts richtig. Der Einwand hat einen wahren Kern – und zieht die falsche Schlussfolgerung daraus.

Wo Wirtschaftsinformatik tatsächlich steht BWL Prozesse Rechnungswesen Organisation Informatik Programmierung Datenbanken Architektur Wirtschafts- informatik Anforderungen übersetzen Systeme einführen Der entscheidende Gedanke: In der Schnittmenge steht keine Halbierung, sondern eine eigene Disziplin – die Frage, wie ein Geschäftsprozess in ein System übersetzt wird. Das kann keine der beiden Seiten allein.

Abb. 1: Die Schnittmenge ist nicht der Rest, der von beidem übrig bleibt, sondern ein eigenständiges Arbeitsfeld mit eigener Methodik.

Warum diese Rolle gebraucht wird

In fast jedem IT-Projekt scheitert dieselbe Stelle: Der Fachbereich beschreibt, was er braucht – die Entwicklung baut, was sie verstanden hat. Dazwischen liegt eine Lücke, die Geld, Zeit und Projekte kostet. Wirtschaftsinformatik ist genau die Ausbildung für diese Lücke: Anforderungen erheben, Prozesse modellieren, technische Machbarkeit einschätzen, Systeme auswählen und einführen, Ergebnisse zurückübersetzen.

Die Bedingung, unter der es funktioniert. Sie müssen diese Rolle bewusst annehmen. Wer versucht, im Entwicklerteam der beste Programmierer zu sein, verliert gegen Informatiker. Wer im Controlling die beste Bilanzanalyse liefern will, verliert gegen Betriebswirte. Wer dagegen das Gespräch zwischen beiden führen kann, ist unersetzlich – und wird entsprechend bezahlt. Diese Selbstverortung ist der eigentliche Erfolgsfaktor des Fachs, und sie fällt Menschen schwer, die Anerkennung über fachliche Tiefe definieren.

Der Vergleich in Zahlen. Wer sich zwischen den drei Fächern entscheidet, sollte alle drei Seiten lesen: BWL studieren zeigt den Differenzierungsdruck eines Massenfachs, Informatik studieren die hohe Mathematikhürde bei offenem Zugang. Wirtschaftsinformatik liegt in beiden Punkten dazwischen – zugänglicher als Informatik, profilierter als BWL.

Die häufigste Frage

Wie viel Programmieren und Mathematik kommt wirklich vor?

Beide Extremannahmen sind falsch: Weder ist Wirtschaftsinformatik ein BWL-Studium mit Excel-Kurs, noch ein verkapptes Informatikstudium. Der Vergleich macht es greifbar.

Drei Fächer im direkten Vergleich – Anteile im Bachelorstudium Mathematik & Theorie Programmierung & Systeme BWL & Prozesse Sonstiges Informatik 54 % 34 % Wirtschaftsinformatik 24 % 40 % 30 % BWL 30 % 51 % Der Mathematikanteil ist der entscheidende Unterschied zur Informatik: weniger Theorie und Beweisführung, mehr angewandte Statistik und Modellierung.

Abb. 2: Orientierungswerte über verschiedene Modulhandbücher hinweg. Die Streuung zwischen Hochschulen ist bei Wirtschaftsinformatik größer als bei den beiden Nachbarfächern.

Was Sie konkret programmieren

Sie lernen mindestens eine Programmiersprache solide – meist Java, Python oder C#. Dazu kommen SQL und Datenbankmodellierung, die im Berufsalltag häufig wichtiger sind als das Programmieren selbst, sowie Grundlagen von Webtechnologien und Softwarearchitektur. Was fehlt, ist die theoretische Tiefe der Informatik: Berechenbarkeit, Komplexitätstheorie, Compilerbau. Praktische Folge: Sie können ein Programm schreiben, eine Architektur beurteilen und mit Entwicklern auf Augenhöhe sprechen – aber Sie werden nicht der Spezialist für hochperformante Systeme.

Ein Test vor der Bewerbung. Arbeiten Sie ein kostenloses Online-Tutorial zu Python oder SQL durch – etwa zehn Stunden. Wenn Sie dabei Freude empfinden, sobald etwas funktioniert, ist Wirtschaftsinformatik eine sehr gute Wahl. Wenn Sie den Vorgang als reine Pflicht erleben, spricht das für BWL. Und wenn Sie danach wissen wollen, warum der Interpreter so arbeitet, wie er arbeitet, sollten Sie über Informatik nachdenken. Diese zehn Stunden klären mehr als jede Studiengangsbeschreibung.

Studieninhalte

Was Sie im Studium tatsächlich lernen

Das Studium ruht auf vier Säulen: Informatik, Betriebswirtschaft, die genuin wirtschaftsinformatischen Kernfächer und quantitative Methoden. Die dritte Säule ist die, die das Fach von einer bloßen Kombination unterscheidet.

Typischer Aufbau eines Wirtschaftsinformatik-Bachelors Informatik BWL WI-Kernfächer Quantitative Methoden Praxis 1. Sem. Programmierung I Einführung BWL Wirtschaftsmathematik 2. Sem. Programmierung II, Datenbanken Rechnungswesen Statistik 3. Sem. Softwaretechnik Controlling Geschäftsprozessmodellierung 4. Sem. Netze & Systeme Marketing, Logistik ERP-Systeme, IT-Management 5. Sem. Data Analytics Vertiefung, Projektmanagement Praxisprojekt 6. Sem. Wahlvertiefung Bachelorarbeit, häufig mit Unternehmenspartner Anteil an den Credits über das gesamte Bachelorstudium Informatik 30 % BWL 22 % WI-Kern 24 % Quant. 14 % 10 % Orientierungswerte. Die Streuung zwischen Hochschulen ist erheblich – an manchen Standorten dominiert der Informatikanteil deutlich.

Abb. 3: Die WI-Kernfächer ab dem dritten Semester machen den Unterschied zu einem bloßen Doppelstudium – hier entsteht das eigentliche Profil.

Informatik

Programmierung über zwei Semester, Datenbanken und SQL, Softwaretechnik, Netze und Betriebssysteme, teils Softwarearchitektur. Anwendungsorientierter als in der Informatik, aber ohne Rabatt beim Handwerk – Sie schreiben Code und werden dafür geprüft.

Betriebswirtschaft

Einführung in die BWL, Rechnungswesen, Controlling, Organisation, Marketing und Logistik. Nicht die volle Breite eines BWL-Studiums, aber genug, um Geschäftsprozesse zu verstehen und mit Fachbereichen inhaltlich zu sprechen.

Die WI-Kernfächer

Hier liegt das eigenständige Profil: Geschäftsprozessmodellierung, Anforderungsanalyse, ERP-Systeme wie SAP, IT-Management und IT-Governance, IT-Projektmanagement, Systemeinführung. Diese Fächer gibt es weder in der Informatik noch in der BWL – sie beschreiben die Übersetzungsarbeit zwischen beiden Welten und sind im Beruf unmittelbar anwendbar.

Quantitative Methoden

Wirtschaftsmathematik, Statistik, zunehmend Data Analytics und maschinelles Lernen in anwendungsorientierter Form. Der Bereich mit dem stärksten Zuwachs – und der, der Wirtschaftsinformatik in Richtung Data Science öffnet.

Zugang

NC, Zulassung und die Wahl des Standorts

Der Zugang ist moderat: An vielen Hochschulen ist Wirtschaftsinformatik zulassungsfrei, wo es einen NC gibt, liegt er meist im Zweierbereich. Wichtiger als der NC ist bei diesem Fach allerdings eine andere Prüfung.

AspektEinordnungHinweis
UniversitätNC 2,0–2,6 oder freiHöherer Theorie- und Methodenanteil
FH / HAWmeist zulassungsfreiPraxissemester, Projekte mit Unternehmen
Duales StudiumBewerbung beim UnternehmenBei WI besonders gut ausgebaut, hohe Übernahmequoten
Privathochschulemeist zulassungsfreiGebühren, dafür Netzwerk und kleine Gruppen
Die eigentliche Prüfungdas ModulhandbuchVerhältnis Informatik zu BWL variiert stark

Warum das Modulhandbuch hier wichtiger ist als anderswo. „Wirtschaftsinformatik" ist keine geschützte Bezeichnung mit festem Zuschnitt. An manchen Hochschulen liegt der Informatikanteil bei über der Hälfte der Credits, an anderen bei einem Viertel. Beide Varianten heißen gleich und führen in unterschiedliche Berufsfelder. Prüfen Sie konkret: Wie viele Programmiermodule sind Pflicht? Gibt es ERP- und Prozessmodule? Wie viel Mathematik? Zwanzig Minuten im Modulhandbuch ersparen hier eine Fehlentscheidung. Standorte finden Sie über den Hochschulfinder, das duale Studium ist in diesem Fach besonders attraktiv.

Diagnostische Perspektive

Das Eignungsprofil: Was Wirtschaftsinformatik trägt

Wir betrachten Studiengänge nach dem Anforderungsprofil. Bei Wirtschaftsinformatik ist die Besonderheit, dass zwei sonst selten kombinierte Interessenrichtungen zugleich vorhanden sein müssen. Diese Perspektive stammt aus der Orientierungsberatung und aus über 10.000 Beratungen.

RIASEC-Anforderungsprofil des Fachs Wirtschaftsinformatik IInvestigative – analysieren, modellieren, prüfen sehr hoch EEnterprising – vermitteln, überzeugen, steuern sehr hoch · der Unterschied zur Informatik CConventional – strukturieren, dokumentieren hoch RRealistic – technisch umsetzen, bauen mittel SSocial – zuhören, beraten, im Team arbeiten mittel · im Beruf steigend AArtistic – gestalten, entwerfen niedrig Der Holland-Code lautet I-E-C. Genau diese Kombination aus I und E macht das Fach aus – und ist selten.

Abb. 4: Informatik ist I-R-C, BWL ist E-C-I. Wirtschaftsinformatik verbindet das I der einen mit dem E der anderen Seite – wer nur eines mitbringt, ist im jeweiligen Nachbarfach besser aufgehoben.

Kognitives Anforderungsprofil

Schlussfolgernd

Abstrahieren und modellieren

Einen unübersichtlichen Geschäftsprozess in ein sauberes Modell überführen. Die Kernleistung des Fachs – verwandt mit dem Programmieren, aber auf der fachlichen statt der technischen Ebene.

Numerisch

Quantitatives Arbeiten

Wirtschaftsmathematik, Statistik, Datenanalyse, Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Deutlich weniger theoretisch als in der Informatik, aber dauerhaft präsent.

Verbal

Zwei Sprachen sprechen

Ein technisches Problem für den Fachbereich verständlich machen und eine fachliche Anforderung für Entwickler präzise formulieren. Die Fähigkeit, die diesen Beruf wirtschaftlich wertvoll macht.

Persönlichkeitsseitige Passung

Drei Merkmale prägen den Weg. Offenheit trägt die Bereitschaft, sich dauerhaft in neue Systeme, Technologien und Branchen einzuarbeiten – Wirtschaftsinformatik ist ein Fach mit kurzer Halbwertszeit des Faktenwissens. Extraversion ist stärker gefragt als in der Informatik: Der Beruf besteht zu großen Teilen aus Gesprächen, Workshops und Präsentationen. Und Gewissenhaftigkeit trägt die Dokumentation und Projektstruktur, an der IT-Vorhaben regelmäßig scheitern. Wie diese Dimensionen gemessen werden, erklären wir beim Persönlichkeitstest; einen kostenlosen Big-Five-Test finden Sie dort ebenfalls.

Die Frage, die vor der Fachwahl steht. Nicht „Mag ich Technik oder Wirtschaft?" – sondern: Habe ich Freude daran, zwischen Menschen zu vermitteln, die einander nicht verstehen? Wer diese Frage bejaht, findet in Wirtschaftsinformatik eine ungewöhnlich gute Passung. Wer lieber allein an einem Problem arbeitet, ist in der Informatik zufriedener. Messung statt Schätzung liefert die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten; als kostenloser erster Schritt genügt oft der Potenzial-Selbstcheck.

Ehrliche Einordnung

Wer typischerweise an Wirtschaftsinformatik scheitert

Die Abbruchquote liegt zwischen BWL und Informatik – der Mathematik- und Programmieranteil sortiert weniger aus als in der reinen Informatik, aber deutlich mehr als in der BWL. Fünf Muster erklären den Großteil.

Muster 1

Als BWL-Ersatz gewählt

Der häufigste Fall. Wer Wirtschaftsinformatik wählt, weil BWL zu voll oder der NC zu hoch war, trifft im ersten Semester auf Programmierung und Wirtschaftsmathematik. Das Fach ist keine BWL-Variante.

Muster 2

Als Informatik light gewählt

Der Programmieranteil ist real und wird geprüft. Wer glaubt, hier ohne Code durchzukommen, irrt – und wer die technische Tiefe der Informatik sucht, ist unterfordert.

Muster 3

Modulhandbuch nicht gelesen

Der Zuschnitt schwankt zwischen Hochschulen erheblich. Wer ein prozessorientiertes Studium erwartet und an einem informatiklastigen Standort landet, hat nicht das falsche Fach, sondern den falschen Standort gewählt.

Muster 4

Die Vermittlerrolle nicht angenommen

Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, leidet in diesem Fach dauerhaft – es wird immer jemanden geben, der besser programmiert oder besser bilanziert. Der Wert liegt in der Verbindung.

Muster 5

Kein Praxisbezug aufgebaut

Kein Abbruch, aber ein Nachteil: Wer ohne Werkstudententätigkeit oder Praktikum abschließt, kann die Vermittlerrolle im Bewerbungsgespräch nicht belegen – und genau darauf wird geschaut.

Gegenmittel

Was vorher hilft

Zehn Stunden Python oder SQL ausprobieren, Modulhandbuch lesen, Mathematik-Vorkurs belegen und ab dem dritten Semester eine Werkstudentenstelle suchen – im IT-Umfeld gibt es davon viele.

Wer bereits im Studium zweifelt, findet Einordnung unter Studienabbruch – der Wechsel in BWL oder Informatik ist bei Wirtschaftsinformatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich, was das Risiko dieses Fachs strukturell senkt. Die häufigsten Denkfehler vor der Wahl sammelt unser Beitrag zu den Fehlern bei der Studienwahl, konkrete Vorgehensweisen die 19 Tipps zur Studienwahl.

Nach dem Abschluss

Berufsfelder und Gehalt

Wirtschaftsinformatik hat einen der verlässlichsten Arbeitsmärkte überhaupt: Praktisch jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse, und praktisch überall fehlen Menschen, die Fachbereich und IT verbinden. Konkrete Tätigkeitsprofile finden Sie in unseren Berufsbildern.

Einstiegsgehälter nach Rolle – Orientierungswerte in Euro brutto pro Jahr IT-Consulting 56.000 – 70.000 Data & Business Intelligence 54.000 – 66.000 ERP & SAP-Beratung 53.000 – 65.000 Business Analyst 50.000 – 62.000 IT-Projektmanagement 49.000 – 61.000 Inhouse-IT, Mittelstand 46.000 – 57.000 Orientierungswerte, Stand August 2026. Consulting zahlt beim Einstieg am besten, verlangt dafür hohe Reisetätigkeit; Inhouse-Rollen im Mittelstand bieten planbarere Arbeitszeiten bei moderaterem Gehalt.

Abb. 5: Das Niveau liegt durchgehend über BWL und nahe an der Informatik – bei deutlich moderaterer Zugangshürde.

Feld 1

IT- & Prozessberatung

Prozesse analysieren, Systeme auswählen, Einführungen begleiten. Wechselnde Kunden, steile Lernkurve, hohe Reisetätigkeit – der klassische und bestbezahlte Einstieg.

Passt zu: Belastbarkeit, Kommunikationsstärke, Freude an wechselnden Branchen.

Feld 2

ERP-Systeme & SAP

Einführung, Anpassung und Betreuung betrieblicher Standardsoftware. Ein eigener, sehr großer Arbeitsmarkt mit starker Nachfrage und guten Konditionen – und einer der planbarsten Wege.

Passt zu: Prozessdenken und Freude an strukturierten Systemen.

Feld 3

Business Analyst & Requirements

Anforderungen erheben, Fachkonzepte schreiben, zwischen Fachbereich und Entwicklung vermitteln. Die reinste Ausprägung der Rolle, für die das Fach ausbildet.

Passt zu: analytischem Zuhören und präziser Formulierung.

Feld 4

Data & Business Intelligence

Datenmodelle, Auswertungen, Dashboards, zunehmend Machine Learning in angewandter Form. Das am schnellsten wachsende Feld – hier zahlt sich der quantitative Teil des Studiums unmittelbar aus.

Passt zu: starkem I-Anteil und Freude an Zahlen.

Feld 5

IT-Projekt- & Produktmanagement

Projekte steuern, Produkte verantworten, Teams koordinieren. Der Weg, auf dem sich Verantwortung und Vergütung am schnellsten entwickeln – und der häufigste Aufstiegspfad im Feld.

Passt zu: ausgeprägtem E-Anteil und Organisationstalent.

Feld 6

Inhouse-IT & Digitalisierung

IT-Abteilung eines Unternehmens, Digitalisierungsprojekte, IT-Sicherheit, Governance. Planbare Arbeitszeiten, tiefe Kenntnis eines Geschäftsmodells, im Mittelstand oft mit früher Verantwortung.

Passt zu: Wunsch nach Kontinuität und Gestaltungsspielraum.

Einordnung aus der Personalauswahl. Wirtschaftsinformatik ist eines der wenigen Profile, bei denen wir in Suchmandaten regelmäßig mehr offene Positionen als geeignete Kandidaten sehen – über Branchen hinweg, vom Konzern bis zum mittelständischen Maschinenbauer. Der Grund ist strukturell: Jedes Unternehmen digitalisiert, und die Engstelle sind selten die Entwickler, sondern die Menschen, die wissen, was gebaut werden soll. Den Fachvergleich der Einstiegsgehälter finden Sie in unserer Auswertung der Einstiegsgehälter nach Fachrichtung. Zur Automatisierbarkeit gibt der Check Ist mein Beruf automatisierbar? eine Einschätzung: Standardauswertungen und einfache Implementierung werden automatisiert – Anforderungsklärung, Prozessgestaltung und die Moderation zwischen Interessengruppen gewinnen an Wert.

Verwandte Studiengänge

Alternativen – nach Motiv sortiert

Motiv: Tiefer in die Technik

Informatik oder Software Engineering gehen deutlich weiter in Theorie und Systemtiefe – mit höherem Mathematikanteil und höherer Abbruchquote.

Vertiefung: Informatik studieren

Motiv: Breiter in die Wirtschaft

BWL oder International Management öffnen den vollen kaufmännischen Fächerkanon – dafür mit deutlich größerem Differenzierungsdruck am Arbeitsmarkt.

Vertiefung: BWL studieren

Motiv: Daten statt Prozesse

Data Science, Statistik oder Wirtschaftsmathematik setzen stärker auf Modellierung und Analyse – mit höherem quantitativem Anspruch.

Motiv: Technik plus Wirtschaft, aber gegenständlich

Wirtschaftsingenieurwesen verbindet Betriebswirtschaft mit Maschinenbau oder Elektrotechnik statt mit IT.

Vergleich: Maschinenbau studieren

Die strukturelle Stärke dieses Fachs. Weil Wirtschaftsinformatik Module beider Nachbarfächer enthält, ist ein Wechsel in BWL oder Informatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich – meist bis zum vierten Semester. Wer zwischen den drei Fächern schwankt und sich nicht entscheiden kann, beginnt deshalb sinnvollerweise in der Mitte: Von dort ist der Weg in jede Richtung kurz. Optionen vergleichen Sie über den Studiengangfinder und die Übersicht aller neun Studienfelder.

Entscheidungshilfe

Fünf Fragen, die Sie vor der Bewerbung beantworten sollten

  1. Habe ich zehn Stunden Python oder SQL ausprobiert? Der aussagekräftigste Test überhaupt – und kostenlos. Wenn es Freude macht, sobald etwas funktioniert, passt das Fach.
  2. Habe ich das Modulhandbuch gelesen? Bei diesem Fach wichtiger als bei jedem anderen, weil der Zuschnitt zwischen Hochschulen erheblich schwankt.
  3. Reizt mich die Vermittlerrolle? Zwischen Menschen zu übersetzen, die einander nicht verstehen – das ist der Kern des Berufs, nicht ein Nebenaspekt.
  4. Kann ich damit leben, in keinem der beiden Lager der Beste zu sein? Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, wird in diesem Fach dauerhaft unzufrieden – auch bei objektivem Erfolg.
  5. Kenne ich mein Anforderungsprofil – gemessen, nicht geschätzt? Interessen über den Studienwahltest, kognitives Profil und Persönlichkeit über eine Potenzialanalyse.

Persönliche Beratung an sieben Standorten. Wir beraten in Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart und Hannover. Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei.

Geprüfte Expertise · E-E-A-T

Wer diese Seite verantwortet

Jan Bohlken, Gründer und Geschäftsführer des Profiling Instituts

Jan Bohlken

Diplom-Sozialökonom · Gründer und Geschäftsführer Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert · RIASEC-Experte · Mitglied nfb, DGfK, dvb

Jan Bohlken besetzt seit über 25 Jahren mit Bohlken Consulting Fach- und Führungspositionen in Industrie und Mittelstand. Wirtschaftsinformatische Profile gehören seit Jahren zu den am schwersten zu besetzenden Positionen überhaupt.

„Der Engpass in der Digitalisierung sind selten die Entwickler. Es sind die Leute, die wissen, was gebaut werden soll. Genau dafür bildet Wirtschaftsinformatik aus – und deshalb bekommen wir für diese Profile regelmäßig mehr Anfragen als Kandidaten."

Raphaela Peitsch, Diplom-Psychologin am Profiling Institut

Raphaela Peitsch

Diplom-Psychologin · Systemische Beraterin (DGSF) · Eignungsdiagnostik

Raphaela Peitsch verantwortet die fachliche Prüfung dieser Seite. Ihr Schwerpunkt liegt auf Interessenprofilen mit ungewöhnlichen Kombinationen – und auf der Frage, wann Menschen mit einer Vermittlerrolle langfristig zufrieden sind.

Transparenz

Quellen und Stand der Angaben

  • Modulhandbücher und Prüfungsordnungen eigene Auswertung wirtschaftsinformatischer Studiengänge an Universitäten und Fachhochschulen, Stand August 2026. Grundlage der Angaben zur Gewichtung von Informatik, BWL und Kernfächern. Die Streuung zwischen Hochschulen ist erheblich.
  • Zulassungswerte Angaben der Hochschulen sowie hochschulstart.de zum Wintersemester 2025/26. NC-Werte sind Ergebnis eines Vergabeverfahrens und schwanken je Semester.
  • Heublein, U. et al. (2023) Studienabbruchstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).
  • Statistisches Bundesamt Studierenden- und Absolventenzahlen nach Fächergruppen und Studienbereichen.
  • Holland, J. L. (1997) Making Vocational Choices: A Theory of Vocational Personalities and Work Environments. 3. Auflage, Psychological Assessment Resources. Theoretische Grundlage des RIASEC-Anforderungsprofils.
  • Costa, P. T., & McCrae, R. R. (1992) Revised NEO Personality Inventory professional manual. Psychological Assessment Resources. Grundlage der Big-Five-Diagnostik im Profiling Institut.
  • Arbeitsmarkt- und Gehaltsangaben Auswertung des Profiling Instituts auf Basis öffentlich verfügbarer Vergütungsdaten sowie laufender Suchmandate im Executive Search, Stand August 2026.
  • DIN 33430:2016-07 Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen. Norm, nach der das Profiling Institut zertifiziert ist.

Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Seite ersetzt weder die offizielle Studienberatung der Hochschulen noch die verbindlichen Angaben der Zulassungsstellen. Arbeitsmarkteinschätzungen sind Momentaufnahmen. Rechtsstand und Datenstand: August 2026.

Häufige Fragen

FAQ: Wirtschaftsinformatik studieren

Muss ich programmieren können?

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber Sie werden es lernen – und geprüft. Rund 40 Prozent der Credits entfallen auf Informatik, darunter mindestens zwei Programmiermodule, Datenbanken und SQL. Wer glaubt, hier ohne Code durchzukommen, irrt. Wer dagegen die theoretische Tiefe der Informatik sucht, wird unterfordert sein.

Wie viel Mathematik kommt vor?

Etwa 24 Prozent der Credits, also deutlich weniger als in der Informatik mit rund 54 Prozent und etwas weniger als in der BWL bezogen auf den quantitativen Teil. Inhaltlich verschiebt sich der Schwerpunkt: weniger Beweisführung und Theorie, mehr angewandte Statistik, Modellierung und Wirtschaftsmathematik. Für viele ist genau das der entscheidende Vorteil gegenüber der reinen Informatik.

Ist Wirtschaftsinformatik ein Kompromiss?

Nur wenn man es so anlegt. Die Schnittmenge ist keine Halbierung, sondern ein eigenes Arbeitsfeld: Wie wird ein Geschäftsprozess in ein System übersetzt? Diese Frage kann weder die Informatik noch die BWL allein beantworten. Entscheidend ist, die Vermittlerrolle bewusst anzunehmen, statt der bessere Entwickler oder der bessere Controller sein zu wollen.

Welchen NC brauche ich?

An Universitäten meist zwischen 2,0 und 2,6, an vielen Fachhochschulen und kleineren Standorten ist das Fach zulassungsfrei. Damit ist Wirtschaftsinformatik deutlich zugänglicher als BWL an nachgefragten Standorten – bei besserem Arbeitsmarkt.

Was ist der Unterschied zu BWL?

BWL geht in die Breite des kaufmännischen Fächerkanons, Wirtschaftsinformatik in die Tiefe der Prozess- und Systemgestaltung. Praktisch bedeutet das: In der BWL lernen Sie mehr über Finanzierung, Marketing und Personal, in der Wirtschaftsinformatik mehr über Datenbanken, Programmierung und ERP-Systeme. Am Arbeitsmarkt hat Wirtschaftsinformatik derzeit das klarere Profil und den geringeren Differenzierungsdruck.

Was ist der Unterschied zu Informatik?

Der Informatik fehlt der betriebswirtschaftliche Kontext, der Wirtschaftsinformatik die theoretische Tiefe. Informatik beantwortet die Frage, wie ein System gebaut wird; Wirtschaftsinformatik die Frage, welches System ein Unternehmen braucht und wie es eingeführt wird. Der Mathematikanteil ist der spürbarste Unterschied im Studienalltag.

Welches RIASEC-Profil passt?

Der Holland-Code lautet I-E-C. Interessant ist der Vergleich: Informatik ist I-R-C, BWL ist E-C-I. Wirtschaftsinformatik verbindet das analytische I der einen Seite mit dem gestaltenden E der anderen – eine Kombination, die relativ selten vorkommt und genau deshalb am Arbeitsmarkt wertvoll ist. Ihr Profil ermitteln Sie mit dem kostenlosen Studienwahltest.

Wie sind die Berufsaussichten?

Ausgezeichnet und branchenübergreifend. Nahezu jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse und sucht Menschen, die Fachbereich und IT verbinden. In Suchmandaten sehen wir bei diesen Profilen regelmäßig mehr offene Positionen als geeignete Kandidaten – vom Konzern bis zum mittelständischen Industrieunternehmen.

Was verdient man nach dem Studium?

Der Einstieg liegt je nach Rolle zwischen etwa 46.000 und 70.000 Euro brutto pro Jahr. IT-Consulting und Data-Rollen liegen vorn, Inhouse-IT im Mittelstand am unteren Rand – dafür mit planbareren Arbeitszeiten. Insgesamt liegt das Niveau über BWL und nahe an der Informatik.

Warum ist das Modulhandbuch hier so wichtig?

Weil „Wirtschaftsinformatik" keine geschützte Bezeichnung mit festem Zuschnitt ist. An manchen Hochschulen liegt der Informatikanteil bei über der Hälfte der Credits, an anderen bei einem Viertel. Beide Varianten heißen gleich und führen in unterschiedliche Berufsfelder. Prüfen Sie konkret: Wie viele Programmiermodule sind Pflicht, gibt es ERP- und Prozessmodule, wie viel Mathematik?

Lohnt sich ein Master?

Für Consulting bei großen Häusern, Data-Science-nahe Rollen und spätere Führungspositionen ja. In ERP-Beratung, Inhouse-IT und Business Analysis ist der Direkteinstieg nach dem Bachelor verbreitet und gut bezahlt; dort zählt Berufserfahrung meist mehr als der zusätzliche Abschluss.

Ist ein duales Studium sinnvoll?

Bei Wirtschaftsinformatik besonders. Das duale Modell ist in diesem Fach stark ausgebaut, die Übernahmequoten sind hoch, und der Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen entspricht genau der späteren Arbeitsweise. Zusätzlich lösen die Praxisphasen das Problem, die Vermittlerrolle im Bewerbungsgespräch belegen zu müssen.

Was, wenn ich mich doch für die andere Seite entscheide?

Das ist die strukturelle Stärke dieses Fachs: Weil Module beider Nachbardisziplinen enthalten sind, ist ein Wechsel in BWL oder Informatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich, meist bis zum vierten Semester. Wer zwischen den drei Fächern schwankt, beginnt deshalb sinnvollerweise in der Mitte.

Wann ist eine professionelle Studienberatung sinnvoll?

Besonders wenn Sie zwischen BWL, Informatik und Wirtschaftsinformatik schwanken – die drei Fächer verlangen deutlich verschiedene Interessenprofile, und die Selbsteinschätzung ist hier besonders unzuverlässig, weil kaum jemand vor dem Studium beides ausprobiert hat. Eine Studienberatung nach DIN 33430 arbeitet mit normierten Verfahren.

Themenwelt

Weiterführende Seiten zur Studienwahl

Das Studienfeld und seine Nachbarn

Die drei Fächer im direkten Vergleich

Orientierung, Zugang und Finanzierung

Diagnostik und Beratung

Fazit

Das Fach mit der besten Relation aus Aufwand und Aussicht

Wirtschaftsinformatik ist zugänglicher als Informatik, profilierter als BWL und wird am Arbeitsmarkt verlässlicher gesucht als beide. Der Mathematikanteil liegt in der Mitte, der Programmieranteil ist real, und die Kernfächer bilden für eine Rolle aus, die in jedem digitalisierenden Unternehmen gebraucht wird.

Die eine Bedingung steht in der Mitte dieser Seite: Sie müssen die Vermittlerrolle annehmen wollen. Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, wird hier dauerhaft unzufrieden sein. Wer Freude daran hat, zwischen Welten zu übersetzen, findet eines der tragfähigsten Profile überhaupt.

Der nächste Schritt

Interessen klären Sie in zehn Minuten mit dem kostenlosen Studienwahltest. Ob Ihr Profil die seltene Kombination aus analytischem und gestaltendem Interesse trägt, lässt sich dagegen nicht schätzen – dafür gibt es die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten mit normierten Verfahren, Gutachten und Auswertungsgespräch. Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei und unverbindlich.

Zuletzt fachlich geprüft: August 2026 · Jan Bohlken, Dipl.-Sozialökonom, DIN 33430 · Fachliche Zweitprüfung: Raphaela Peitsch, Dipl.-Psychologin. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand August 2026. Der Zuschnitt wirtschaftsinformatischer Studiengänge unterscheidet sich zwischen Hochschulen erheblich; maßgeblich ist stets das Modulhandbuch der jeweiligen Hochschule.