Wirtschaftsinformatik studieren: die Brücke
Wer zwischen BWL und Informatik schwankt, landet fast zwangsläufig hier – und das ist häufig die richtige Entscheidung. Wirtschaftsinformatik hat den vielleicht besten Arbeitsmarkt aller wirtschaftsnahen Fächer. Sie verlangt dafür etwas Ungewohntes: die Bereitschaft, in keinem der beiden Lager der Beste zu sein – und genau daraus einen Wert zu machen.
Das Wichtigste in Kürze. Wirtschaftsinformatik verbindet Betriebswirtschaft, Informatik und Methodik zu einem eigenständigen Fach – nicht zu einer Halbierung von beidem. Sie programmieren tatsächlich, aber weniger tief als in der Informatik; Sie lernen BWL, aber weniger breit als in der BWL. Der Mathematikanteil liegt zwischen beiden Fächern und ist damit für viele der entscheidende Vorteil. Der Arbeitsmarkt ist ausgezeichnet: Praktisch jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse und sucht Menschen, die Fachbereich und IT verstehen. Die eine Bedingung: Sie müssen die Vermittlerrolle bewusst annehmen. Wer versucht, der bessere Entwickler oder der bessere Controller zu sein, verliert gegen die jeweiligen Spezialisten – wer übersetzt, wird gebraucht wie kaum ein anderes Profil.
Steckbrief
Wirtschaftsinformatik studieren – alle Eckdaten auf einen Blick
Im Studienfeld Wirtschaft & Management ist Wirtschaftsinformatik der Studiengang mit der derzeit besten Relation aus Zugangshürde und Arbeitsmarktlage.
| Merkmal | Wirtschaftsinformatik (B.Sc.) | Einordnung |
|---|---|---|
| Abschluss | Bachelor of Science, danach Master of Science | Direkteinstieg nach dem Bachelor ist verbreitet |
| Regelstudienzeit | 6 Semester Bachelor, 4 Semester Master | An FHs häufig 7 Semester mit Praxissemester |
| Typischer NC | 2,0 bis 2,8, an vielen Standorten frei | Deutlich zugänglicher als reine BWL an Spitzenstandorten |
| Informatikanteil | ca. 40 Prozent der Credits | Programmierung, Datenbanken, Systemarchitektur |
| BWL-Anteil | ca. 30 Prozent der Credits | Rechnungswesen, Prozesse, Organisation |
| RIASEC-Profil | I + E (Investigative, Enterprising) | Analytisch plus gestaltend – die Kombination ist der Kern |
| Abbruchquote | zwischen BWL und Informatik | Der Mathematikanteil ist die häufigste Hürde |
| Einstiegsgehalt | ca. 50.000 bis 62.000 Euro brutto pro Jahr | Über BWL, nahe an der Informatik |
| Arbeitsmarkt | ausgezeichnet, branchenübergreifend | Nachfrage in nahezu jedem Wirtschaftszweig |
Alle Angaben sind Orientierungswerte, Stand August 2026. Die Gewichtung zwischen Informatik und BWL unterscheidet sich zwischen Hochschulen erheblich – an manchen Standorten ist Wirtschaftsinformatik faktisch ein Informatikstudium mit BWL-Nebenfach, an anderen umgekehrt. Das Modulhandbuch ist die einzige verlässliche Quelle. Weitere Hinweise unter Zulassung und Bewerbung.
Der wichtigste Abschnitt dieser Seite
Die Positionierung: Warum „von beidem etwas" kein Nachteil ist
Der häufigste Einwand gegen Wirtschaftsinformatik lautet: Man könne nichts richtig. Der Einwand hat einen wahren Kern – und zieht die falsche Schlussfolgerung daraus.
Abb. 1: Die Schnittmenge ist nicht der Rest, der von beidem übrig bleibt, sondern ein eigenständiges Arbeitsfeld mit eigener Methodik.
Warum diese Rolle gebraucht wird
In fast jedem IT-Projekt scheitert dieselbe Stelle: Der Fachbereich beschreibt, was er braucht – die Entwicklung baut, was sie verstanden hat. Dazwischen liegt eine Lücke, die Geld, Zeit und Projekte kostet. Wirtschaftsinformatik ist genau die Ausbildung für diese Lücke: Anforderungen erheben, Prozesse modellieren, technische Machbarkeit einschätzen, Systeme auswählen und einführen, Ergebnisse zurückübersetzen.
Die Bedingung, unter der es funktioniert. Sie müssen diese Rolle bewusst annehmen. Wer versucht, im Entwicklerteam der beste Programmierer zu sein, verliert gegen Informatiker. Wer im Controlling die beste Bilanzanalyse liefern will, verliert gegen Betriebswirte. Wer dagegen das Gespräch zwischen beiden führen kann, ist unersetzlich – und wird entsprechend bezahlt. Diese Selbstverortung ist der eigentliche Erfolgsfaktor des Fachs, und sie fällt Menschen schwer, die Anerkennung über fachliche Tiefe definieren.
Der Vergleich in Zahlen. Wer sich zwischen den drei Fächern entscheidet, sollte alle drei Seiten lesen: BWL studieren zeigt den Differenzierungsdruck eines Massenfachs, Informatik studieren die hohe Mathematikhürde bei offenem Zugang. Wirtschaftsinformatik liegt in beiden Punkten dazwischen – zugänglicher als Informatik, profilierter als BWL.
Die häufigste Frage
Wie viel Programmieren und Mathematik kommt wirklich vor?
Beide Extremannahmen sind falsch: Weder ist Wirtschaftsinformatik ein BWL-Studium mit Excel-Kurs, noch ein verkapptes Informatikstudium. Der Vergleich macht es greifbar.
Abb. 2: Orientierungswerte über verschiedene Modulhandbücher hinweg. Die Streuung zwischen Hochschulen ist bei Wirtschaftsinformatik größer als bei den beiden Nachbarfächern.
Was Sie konkret programmieren
Sie lernen mindestens eine Programmiersprache solide – meist Java, Python oder C#. Dazu kommen SQL und Datenbankmodellierung, die im Berufsalltag häufig wichtiger sind als das Programmieren selbst, sowie Grundlagen von Webtechnologien und Softwarearchitektur. Was fehlt, ist die theoretische Tiefe der Informatik: Berechenbarkeit, Komplexitätstheorie, Compilerbau. Praktische Folge: Sie können ein Programm schreiben, eine Architektur beurteilen und mit Entwicklern auf Augenhöhe sprechen – aber Sie werden nicht der Spezialist für hochperformante Systeme.
Ein Test vor der Bewerbung. Arbeiten Sie ein kostenloses Online-Tutorial zu Python oder SQL durch – etwa zehn Stunden. Wenn Sie dabei Freude empfinden, sobald etwas funktioniert, ist Wirtschaftsinformatik eine sehr gute Wahl. Wenn Sie den Vorgang als reine Pflicht erleben, spricht das für BWL. Und wenn Sie danach wissen wollen, warum der Interpreter so arbeitet, wie er arbeitet, sollten Sie über Informatik nachdenken. Diese zehn Stunden klären mehr als jede Studiengangsbeschreibung.
Studieninhalte
Was Sie im Studium tatsächlich lernen
Das Studium ruht auf vier Säulen: Informatik, Betriebswirtschaft, die genuin wirtschaftsinformatischen Kernfächer und quantitative Methoden. Die dritte Säule ist die, die das Fach von einer bloßen Kombination unterscheidet.
Abb. 3: Die WI-Kernfächer ab dem dritten Semester machen den Unterschied zu einem bloßen Doppelstudium – hier entsteht das eigentliche Profil.
Informatik
Programmierung über zwei Semester, Datenbanken und SQL, Softwaretechnik, Netze und Betriebssysteme, teils Softwarearchitektur. Anwendungsorientierter als in der Informatik, aber ohne Rabatt beim Handwerk – Sie schreiben Code und werden dafür geprüft.
Betriebswirtschaft
Einführung in die BWL, Rechnungswesen, Controlling, Organisation, Marketing und Logistik. Nicht die volle Breite eines BWL-Studiums, aber genug, um Geschäftsprozesse zu verstehen und mit Fachbereichen inhaltlich zu sprechen.
Die WI-Kernfächer
Hier liegt das eigenständige Profil: Geschäftsprozessmodellierung, Anforderungsanalyse, ERP-Systeme wie SAP, IT-Management und IT-Governance, IT-Projektmanagement, Systemeinführung. Diese Fächer gibt es weder in der Informatik noch in der BWL – sie beschreiben die Übersetzungsarbeit zwischen beiden Welten und sind im Beruf unmittelbar anwendbar.
Quantitative Methoden
Wirtschaftsmathematik, Statistik, zunehmend Data Analytics und maschinelles Lernen in anwendungsorientierter Form. Der Bereich mit dem stärksten Zuwachs – und der, der Wirtschaftsinformatik in Richtung Data Science öffnet.
Zugang
NC, Zulassung und die Wahl des Standorts
Der Zugang ist moderat: An vielen Hochschulen ist Wirtschaftsinformatik zulassungsfrei, wo es einen NC gibt, liegt er meist im Zweierbereich. Wichtiger als der NC ist bei diesem Fach allerdings eine andere Prüfung.
| Aspekt | Einordnung | Hinweis |
|---|---|---|
| Universität | NC 2,0–2,6 oder frei | Höherer Theorie- und Methodenanteil |
| FH / HAW | meist zulassungsfrei | Praxissemester, Projekte mit Unternehmen |
| Duales Studium | Bewerbung beim Unternehmen | Bei WI besonders gut ausgebaut, hohe Übernahmequoten |
| Privathochschule | meist zulassungsfrei | Gebühren, dafür Netzwerk und kleine Gruppen |
| Die eigentliche Prüfung | das Modulhandbuch | Verhältnis Informatik zu BWL variiert stark |
Warum das Modulhandbuch hier wichtiger ist als anderswo. „Wirtschaftsinformatik" ist keine geschützte Bezeichnung mit festem Zuschnitt. An manchen Hochschulen liegt der Informatikanteil bei über der Hälfte der Credits, an anderen bei einem Viertel. Beide Varianten heißen gleich und führen in unterschiedliche Berufsfelder. Prüfen Sie konkret: Wie viele Programmiermodule sind Pflicht? Gibt es ERP- und Prozessmodule? Wie viel Mathematik? Zwanzig Minuten im Modulhandbuch ersparen hier eine Fehlentscheidung. Standorte finden Sie über den Hochschulfinder, das duale Studium ist in diesem Fach besonders attraktiv.
Diagnostische Perspektive
Das Eignungsprofil: Was Wirtschaftsinformatik trägt
Wir betrachten Studiengänge nach dem Anforderungsprofil. Bei Wirtschaftsinformatik ist die Besonderheit, dass zwei sonst selten kombinierte Interessenrichtungen zugleich vorhanden sein müssen. Diese Perspektive stammt aus der Orientierungsberatung und aus über 10.000 Beratungen.
Abb. 4: Informatik ist I-R-C, BWL ist E-C-I. Wirtschaftsinformatik verbindet das I der einen mit dem E der anderen Seite – wer nur eines mitbringt, ist im jeweiligen Nachbarfach besser aufgehoben.
Kognitives Anforderungsprofil
Abstrahieren und modellieren
Einen unübersichtlichen Geschäftsprozess in ein sauberes Modell überführen. Die Kernleistung des Fachs – verwandt mit dem Programmieren, aber auf der fachlichen statt der technischen Ebene.
Quantitatives Arbeiten
Wirtschaftsmathematik, Statistik, Datenanalyse, Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Deutlich weniger theoretisch als in der Informatik, aber dauerhaft präsent.
Zwei Sprachen sprechen
Ein technisches Problem für den Fachbereich verständlich machen und eine fachliche Anforderung für Entwickler präzise formulieren. Die Fähigkeit, die diesen Beruf wirtschaftlich wertvoll macht.
Persönlichkeitsseitige Passung
Drei Merkmale prägen den Weg. Offenheit trägt die Bereitschaft, sich dauerhaft in neue Systeme, Technologien und Branchen einzuarbeiten – Wirtschaftsinformatik ist ein Fach mit kurzer Halbwertszeit des Faktenwissens. Extraversion ist stärker gefragt als in der Informatik: Der Beruf besteht zu großen Teilen aus Gesprächen, Workshops und Präsentationen. Und Gewissenhaftigkeit trägt die Dokumentation und Projektstruktur, an der IT-Vorhaben regelmäßig scheitern. Wie diese Dimensionen gemessen werden, erklären wir beim Persönlichkeitstest; einen kostenlosen Big-Five-Test finden Sie dort ebenfalls.
Die Frage, die vor der Fachwahl steht. Nicht „Mag ich Technik oder Wirtschaft?" – sondern: Habe ich Freude daran, zwischen Menschen zu vermitteln, die einander nicht verstehen? Wer diese Frage bejaht, findet in Wirtschaftsinformatik eine ungewöhnlich gute Passung. Wer lieber allein an einem Problem arbeitet, ist in der Informatik zufriedener. Messung statt Schätzung liefert die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten; als kostenloser erster Schritt genügt oft der Potenzial-Selbstcheck.
Ehrliche Einordnung
Wer typischerweise an Wirtschaftsinformatik scheitert
Die Abbruchquote liegt zwischen BWL und Informatik – der Mathematik- und Programmieranteil sortiert weniger aus als in der reinen Informatik, aber deutlich mehr als in der BWL. Fünf Muster erklären den Großteil.
Als BWL-Ersatz gewählt
Der häufigste Fall. Wer Wirtschaftsinformatik wählt, weil BWL zu voll oder der NC zu hoch war, trifft im ersten Semester auf Programmierung und Wirtschaftsmathematik. Das Fach ist keine BWL-Variante.
Als Informatik light gewählt
Der Programmieranteil ist real und wird geprüft. Wer glaubt, hier ohne Code durchzukommen, irrt – und wer die technische Tiefe der Informatik sucht, ist unterfordert.
Modulhandbuch nicht gelesen
Der Zuschnitt schwankt zwischen Hochschulen erheblich. Wer ein prozessorientiertes Studium erwartet und an einem informatiklastigen Standort landet, hat nicht das falsche Fach, sondern den falschen Standort gewählt.
Die Vermittlerrolle nicht angenommen
Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, leidet in diesem Fach dauerhaft – es wird immer jemanden geben, der besser programmiert oder besser bilanziert. Der Wert liegt in der Verbindung.
Kein Praxisbezug aufgebaut
Kein Abbruch, aber ein Nachteil: Wer ohne Werkstudententätigkeit oder Praktikum abschließt, kann die Vermittlerrolle im Bewerbungsgespräch nicht belegen – und genau darauf wird geschaut.
Was vorher hilft
Zehn Stunden Python oder SQL ausprobieren, Modulhandbuch lesen, Mathematik-Vorkurs belegen und ab dem dritten Semester eine Werkstudentenstelle suchen – im IT-Umfeld gibt es davon viele.
Wer bereits im Studium zweifelt, findet Einordnung unter Studienabbruch – der Wechsel in BWL oder Informatik ist bei Wirtschaftsinformatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich, was das Risiko dieses Fachs strukturell senkt. Die häufigsten Denkfehler vor der Wahl sammelt unser Beitrag zu den Fehlern bei der Studienwahl, konkrete Vorgehensweisen die 19 Tipps zur Studienwahl.
Nach dem Abschluss
Berufsfelder und Gehalt
Wirtschaftsinformatik hat einen der verlässlichsten Arbeitsmärkte überhaupt: Praktisch jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse, und praktisch überall fehlen Menschen, die Fachbereich und IT verbinden. Konkrete Tätigkeitsprofile finden Sie in unseren Berufsbildern.
Abb. 5: Das Niveau liegt durchgehend über BWL und nahe an der Informatik – bei deutlich moderaterer Zugangshürde.
IT- & Prozessberatung
Prozesse analysieren, Systeme auswählen, Einführungen begleiten. Wechselnde Kunden, steile Lernkurve, hohe Reisetätigkeit – der klassische und bestbezahlte Einstieg.
Passt zu: Belastbarkeit, Kommunikationsstärke, Freude an wechselnden Branchen.
ERP-Systeme & SAP
Einführung, Anpassung und Betreuung betrieblicher Standardsoftware. Ein eigener, sehr großer Arbeitsmarkt mit starker Nachfrage und guten Konditionen – und einer der planbarsten Wege.
Passt zu: Prozessdenken und Freude an strukturierten Systemen.
Business Analyst & Requirements
Anforderungen erheben, Fachkonzepte schreiben, zwischen Fachbereich und Entwicklung vermitteln. Die reinste Ausprägung der Rolle, für die das Fach ausbildet.
Passt zu: analytischem Zuhören und präziser Formulierung.
Data & Business Intelligence
Datenmodelle, Auswertungen, Dashboards, zunehmend Machine Learning in angewandter Form. Das am schnellsten wachsende Feld – hier zahlt sich der quantitative Teil des Studiums unmittelbar aus.
Passt zu: starkem I-Anteil und Freude an Zahlen.
IT-Projekt- & Produktmanagement
Projekte steuern, Produkte verantworten, Teams koordinieren. Der Weg, auf dem sich Verantwortung und Vergütung am schnellsten entwickeln – und der häufigste Aufstiegspfad im Feld.
Passt zu: ausgeprägtem E-Anteil und Organisationstalent.
Inhouse-IT & Digitalisierung
IT-Abteilung eines Unternehmens, Digitalisierungsprojekte, IT-Sicherheit, Governance. Planbare Arbeitszeiten, tiefe Kenntnis eines Geschäftsmodells, im Mittelstand oft mit früher Verantwortung.
Passt zu: Wunsch nach Kontinuität und Gestaltungsspielraum.
Einordnung aus der Personalauswahl. Wirtschaftsinformatik ist eines der wenigen Profile, bei denen wir in Suchmandaten regelmäßig mehr offene Positionen als geeignete Kandidaten sehen – über Branchen hinweg, vom Konzern bis zum mittelständischen Maschinenbauer. Der Grund ist strukturell: Jedes Unternehmen digitalisiert, und die Engstelle sind selten die Entwickler, sondern die Menschen, die wissen, was gebaut werden soll. Den Fachvergleich der Einstiegsgehälter finden Sie in unserer Auswertung der Einstiegsgehälter nach Fachrichtung. Zur Automatisierbarkeit gibt der Check Ist mein Beruf automatisierbar? eine Einschätzung: Standardauswertungen und einfache Implementierung werden automatisiert – Anforderungsklärung, Prozessgestaltung und die Moderation zwischen Interessengruppen gewinnen an Wert.
Verwandte Studiengänge
Alternativen – nach Motiv sortiert
Motiv: Tiefer in die Technik
Informatik oder Software Engineering gehen deutlich weiter in Theorie und Systemtiefe – mit höherem Mathematikanteil und höherer Abbruchquote.
Vertiefung: Informatik studieren
Motiv: Breiter in die Wirtschaft
BWL oder International Management öffnen den vollen kaufmännischen Fächerkanon – dafür mit deutlich größerem Differenzierungsdruck am Arbeitsmarkt.
Vertiefung: BWL studieren
Motiv: Daten statt Prozesse
Data Science, Statistik oder Wirtschaftsmathematik setzen stärker auf Modellierung und Analyse – mit höherem quantitativem Anspruch.
Motiv: Technik plus Wirtschaft, aber gegenständlich
Wirtschaftsingenieurwesen verbindet Betriebswirtschaft mit Maschinenbau oder Elektrotechnik statt mit IT.
Vergleich: Maschinenbau studieren
Die strukturelle Stärke dieses Fachs. Weil Wirtschaftsinformatik Module beider Nachbarfächer enthält, ist ein Wechsel in BWL oder Informatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich – meist bis zum vierten Semester. Wer zwischen den drei Fächern schwankt und sich nicht entscheiden kann, beginnt deshalb sinnvollerweise in der Mitte: Von dort ist der Weg in jede Richtung kurz. Optionen vergleichen Sie über den Studiengangfinder und die Übersicht aller neun Studienfelder.
Entscheidungshilfe
Fünf Fragen, die Sie vor der Bewerbung beantworten sollten
- Habe ich zehn Stunden Python oder SQL ausprobiert? Der aussagekräftigste Test überhaupt – und kostenlos. Wenn es Freude macht, sobald etwas funktioniert, passt das Fach.
- Habe ich das Modulhandbuch gelesen? Bei diesem Fach wichtiger als bei jedem anderen, weil der Zuschnitt zwischen Hochschulen erheblich schwankt.
- Reizt mich die Vermittlerrolle? Zwischen Menschen zu übersetzen, die einander nicht verstehen – das ist der Kern des Berufs, nicht ein Nebenaspekt.
- Kann ich damit leben, in keinem der beiden Lager der Beste zu sein? Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, wird in diesem Fach dauerhaft unzufrieden – auch bei objektivem Erfolg.
- Kenne ich mein Anforderungsprofil – gemessen, nicht geschätzt? Interessen über den Studienwahltest, kognitives Profil und Persönlichkeit über eine Potenzialanalyse.
Geprüfte Expertise · E-E-A-T
Wer diese Seite verantwortet
Jan Bohlken
Diplom-Sozialökonom · Gründer und Geschäftsführer Profiling Institut · DIN 33430 zertifiziert · RIASEC-Experte · Mitglied nfb, DGfK, dvb
Jan Bohlken besetzt seit über 25 Jahren mit Bohlken Consulting Fach- und Führungspositionen in Industrie und Mittelstand. Wirtschaftsinformatische Profile gehören seit Jahren zu den am schwersten zu besetzenden Positionen überhaupt.
„Der Engpass in der Digitalisierung sind selten die Entwickler. Es sind die Leute, die wissen, was gebaut werden soll. Genau dafür bildet Wirtschaftsinformatik aus – und deshalb bekommen wir für diese Profile regelmäßig mehr Anfragen als Kandidaten."
Raphaela Peitsch
Diplom-Psychologin · Systemische Beraterin (DGSF) · Eignungsdiagnostik
Raphaela Peitsch verantwortet die fachliche Prüfung dieser Seite. Ihr Schwerpunkt liegt auf Interessenprofilen mit ungewöhnlichen Kombinationen – und auf der Frage, wann Menschen mit einer Vermittlerrolle langfristig zufrieden sind.
Transparenz
Quellen und Stand der Angaben
- Modulhandbücher und Prüfungsordnungen eigene Auswertung wirtschaftsinformatischer Studiengänge an Universitäten und Fachhochschulen, Stand August 2026. Grundlage der Angaben zur Gewichtung von Informatik, BWL und Kernfächern. Die Streuung zwischen Hochschulen ist erheblich.
- Zulassungswerte Angaben der Hochschulen sowie hochschulstart.de zum Wintersemester 2025/26. NC-Werte sind Ergebnis eines Vergabeverfahrens und schwanken je Semester.
- Heublein, U. et al. (2023) Studienabbruchstudie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).
- Statistisches Bundesamt Studierenden- und Absolventenzahlen nach Fächergruppen und Studienbereichen.
- Holland, J. L. (1997) Making Vocational Choices: A Theory of Vocational Personalities and Work Environments. 3. Auflage, Psychological Assessment Resources. Theoretische Grundlage des RIASEC-Anforderungsprofils.
- Costa, P. T., & McCrae, R. R. (1992) Revised NEO Personality Inventory professional manual. Psychological Assessment Resources. Grundlage der Big-Five-Diagnostik im Profiling Institut.
- Arbeitsmarkt- und Gehaltsangaben Auswertung des Profiling Instituts auf Basis öffentlich verfügbarer Vergütungsdaten sowie laufender Suchmandate im Executive Search, Stand August 2026.
- DIN 33430:2016-07 Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen. Norm, nach der das Profiling Institut zertifiziert ist.
Alle Angaben ohne Gewähr. Diese Seite ersetzt weder die offizielle Studienberatung der Hochschulen noch die verbindlichen Angaben der Zulassungsstellen. Arbeitsmarkteinschätzungen sind Momentaufnahmen. Rechtsstand und Datenstand: August 2026.
Häufige Fragen
FAQ: Wirtschaftsinformatik studieren
Muss ich programmieren können?
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, aber Sie werden es lernen – und geprüft. Rund 40 Prozent der Credits entfallen auf Informatik, darunter mindestens zwei Programmiermodule, Datenbanken und SQL. Wer glaubt, hier ohne Code durchzukommen, irrt. Wer dagegen die theoretische Tiefe der Informatik sucht, wird unterfordert sein.
Wie viel Mathematik kommt vor?
Etwa 24 Prozent der Credits, also deutlich weniger als in der Informatik mit rund 54 Prozent und etwas weniger als in der BWL bezogen auf den quantitativen Teil. Inhaltlich verschiebt sich der Schwerpunkt: weniger Beweisführung und Theorie, mehr angewandte Statistik, Modellierung und Wirtschaftsmathematik. Für viele ist genau das der entscheidende Vorteil gegenüber der reinen Informatik.
Ist Wirtschaftsinformatik ein Kompromiss?
Nur wenn man es so anlegt. Die Schnittmenge ist keine Halbierung, sondern ein eigenes Arbeitsfeld: Wie wird ein Geschäftsprozess in ein System übersetzt? Diese Frage kann weder die Informatik noch die BWL allein beantworten. Entscheidend ist, die Vermittlerrolle bewusst anzunehmen, statt der bessere Entwickler oder der bessere Controller sein zu wollen.
Welchen NC brauche ich?
An Universitäten meist zwischen 2,0 und 2,6, an vielen Fachhochschulen und kleineren Standorten ist das Fach zulassungsfrei. Damit ist Wirtschaftsinformatik deutlich zugänglicher als BWL an nachgefragten Standorten – bei besserem Arbeitsmarkt.
Was ist der Unterschied zu BWL?
BWL geht in die Breite des kaufmännischen Fächerkanons, Wirtschaftsinformatik in die Tiefe der Prozess- und Systemgestaltung. Praktisch bedeutet das: In der BWL lernen Sie mehr über Finanzierung, Marketing und Personal, in der Wirtschaftsinformatik mehr über Datenbanken, Programmierung und ERP-Systeme. Am Arbeitsmarkt hat Wirtschaftsinformatik derzeit das klarere Profil und den geringeren Differenzierungsdruck.
Was ist der Unterschied zu Informatik?
Der Informatik fehlt der betriebswirtschaftliche Kontext, der Wirtschaftsinformatik die theoretische Tiefe. Informatik beantwortet die Frage, wie ein System gebaut wird; Wirtschaftsinformatik die Frage, welches System ein Unternehmen braucht und wie es eingeführt wird. Der Mathematikanteil ist der spürbarste Unterschied im Studienalltag.
Welches RIASEC-Profil passt?
Der Holland-Code lautet I-E-C. Interessant ist der Vergleich: Informatik ist I-R-C, BWL ist E-C-I. Wirtschaftsinformatik verbindet das analytische I der einen Seite mit dem gestaltenden E der anderen – eine Kombination, die relativ selten vorkommt und genau deshalb am Arbeitsmarkt wertvoll ist. Ihr Profil ermitteln Sie mit dem kostenlosen Studienwahltest.
Wie sind die Berufsaussichten?
Ausgezeichnet und branchenübergreifend. Nahezu jedes Unternehmen digitalisiert Prozesse und sucht Menschen, die Fachbereich und IT verbinden. In Suchmandaten sehen wir bei diesen Profilen regelmäßig mehr offene Positionen als geeignete Kandidaten – vom Konzern bis zum mittelständischen Industrieunternehmen.
Was verdient man nach dem Studium?
Der Einstieg liegt je nach Rolle zwischen etwa 46.000 und 70.000 Euro brutto pro Jahr. IT-Consulting und Data-Rollen liegen vorn, Inhouse-IT im Mittelstand am unteren Rand – dafür mit planbareren Arbeitszeiten. Insgesamt liegt das Niveau über BWL und nahe an der Informatik.
Warum ist das Modulhandbuch hier so wichtig?
Weil „Wirtschaftsinformatik" keine geschützte Bezeichnung mit festem Zuschnitt ist. An manchen Hochschulen liegt der Informatikanteil bei über der Hälfte der Credits, an anderen bei einem Viertel. Beide Varianten heißen gleich und führen in unterschiedliche Berufsfelder. Prüfen Sie konkret: Wie viele Programmiermodule sind Pflicht, gibt es ERP- und Prozessmodule, wie viel Mathematik?
Lohnt sich ein Master?
Für Consulting bei großen Häusern, Data-Science-nahe Rollen und spätere Führungspositionen ja. In ERP-Beratung, Inhouse-IT und Business Analysis ist der Direkteinstieg nach dem Bachelor verbreitet und gut bezahlt; dort zählt Berufserfahrung meist mehr als der zusätzliche Abschluss.
Ist ein duales Studium sinnvoll?
Bei Wirtschaftsinformatik besonders. Das duale Modell ist in diesem Fach stark ausgebaut, die Übernahmequoten sind hoch, und der Wechsel zwischen Theorie- und Praxisphasen entspricht genau der späteren Arbeitsweise. Zusätzlich lösen die Praxisphasen das Problem, die Vermittlerrolle im Bewerbungsgespräch belegen zu müssen.
Was, wenn ich mich doch für die andere Seite entscheide?
Das ist die strukturelle Stärke dieses Fachs: Weil Module beider Nachbardisziplinen enthalten sind, ist ein Wechsel in BWL oder Informatik in beide Richtungen mit erheblicher Anrechnung möglich, meist bis zum vierten Semester. Wer zwischen den drei Fächern schwankt, beginnt deshalb sinnvollerweise in der Mitte.
Wann ist eine professionelle Studienberatung sinnvoll?
Besonders wenn Sie zwischen BWL, Informatik und Wirtschaftsinformatik schwanken – die drei Fächer verlangen deutlich verschiedene Interessenprofile, und die Selbsteinschätzung ist hier besonders unzuverlässig, weil kaum jemand vor dem Studium beides ausprobiert hat. Eine Studienberatung nach DIN 33430 arbeitet mit normierten Verfahren.
Themenwelt
Weiterführende Seiten zur Studienwahl
Das Studienfeld und seine Nachbarn
Die drei Fächer im direkten Vergleich
Orientierung, Zugang und Finanzierung
Diagnostik und Beratung
Fazit
Das Fach mit der besten Relation aus Aufwand und Aussicht
Wirtschaftsinformatik ist zugänglicher als Informatik, profilierter als BWL und wird am Arbeitsmarkt verlässlicher gesucht als beide. Der Mathematikanteil liegt in der Mitte, der Programmieranteil ist real, und die Kernfächer bilden für eine Rolle aus, die in jedem digitalisierenden Unternehmen gebraucht wird.
Die eine Bedingung steht in der Mitte dieser Seite: Sie müssen die Vermittlerrolle annehmen wollen. Wer Anerkennung über fachliche Tiefe definiert, wird hier dauerhaft unzufrieden sein. Wer Freude daran hat, zwischen Welten zu übersetzen, findet eines der tragfähigsten Profile überhaupt.
Der nächste Schritt
Interessen klären Sie in zehn Minuten mit dem kostenlosen Studienwahltest. Ob Ihr Profil die seltene Kombination aus analytischem und gestaltendem Interesse trägt, lässt sich dagegen nicht schätzen – dafür gibt es die Potenzialanalyse für Schüler und Abiturienten mit normierten Verfahren, Gutachten und Auswertungsgespräch. Das telefonische Erstgespräch ist kostenfrei und unverbindlich.
Zuletzt fachlich geprüft: August 2026 · Jan Bohlken, Dipl.-Sozialökonom, DIN 33430 · Fachliche Zweitprüfung: Raphaela Peitsch, Dipl.-Psychologin. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand August 2026. Der Zuschnitt wirtschaftsinformatischer Studiengänge unterscheidet sich zwischen Hochschulen erheblich; maßgeblich ist stets das Modulhandbuch der jeweiligen Hochschule.