Azubi-Auswahl: Eignungstest und die richtigen Fragen
Fast jeder dritte Ausbildungsvertrag in Deutschland wird vorzeitig gelöst. Der Grund ist selten mangelndes Können, sondern eine Passung, die im Bewerbungsgespräch niemand geprüft hat. Wir erheben Gewissenhaftigkeit, Leistungsmotivation, Belastbarkeit und Teamverhalten mit normierten Verfahren – dem NEO-PI-3, der bereits ab zwölf Jahren einsetzbar ist, und dem LMI zur berufsbezogenen Leistungsmotivation. Ausgewertet von Diplom-Psycholog:innen, dokumentiert nach DIN 33430.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 29 % aller Ausbildungsverträge werden vorzeitig gelöst (BIBB-Datenreport 2024). Die häufigsten Gründe sind Konflikte im Betrieb und falsche Vorstellungen vom Beruf – beides ist vor der Einstellung prüfbar.
- Zeugnisnoten allein tragen die Entscheidung nicht. Sie sind zwischen Schulformen, Bundesländern und Jahrgängen nur eingeschränkt vergleichbar und sagen wenig über Beharrlichkeit, Konfliktverhalten und Belastbarkeit.
- Zwei Verfahren, zwei Fragen: Der NEO-PI-3 beschreibt die Persönlichkeit über fünf Dimensionen und 30 Facetten und ist bereits ab zwölf Jahren einsetzbar – also auch bei sehr jungen Bewerbern. Das LMI misst berufsbezogene Leistungsmotivation über 17 Dimensionen.
- Kein Verfahren entscheidet allein. Diagnostik ersetzt weder das strukturierte Interview noch das Praktikum. Sie sortiert nicht aus, sondern zeigt, worüber im Gespräch zu reden ist.
- Preise: jedes Verfahren 250 € inklusive Auswertung und Bericht. Bei Kombination mehrerer Verfahren und bei mehreren Bewerbern sind Sonderpreise möglich – sprechen Sie uns an.
- Rechtlich sauber: Einwilligung, bei Minderjährigen zusätzlich die der Erziehungsberechtigten, Rückmeldung an jeden Getesteten und Dokumentation nach DIN 33430 gehören zum Verfahren, nicht zur Kür.
- Sie sind selbst auf Ausbildungsplatzsuche? Dann führt der Persönlichkeitstest für Jugendliche weiter, zum Üben der kostenlose Einstellungstest-Trainer.
| Leistung | Eignungsdiagnostik für die Auswahl von Auszubildenden |
|---|---|
| Verfahren | NEO-PI-3 und LMI, auf Wunsch mit strukturiertem Interview |
| Altersbereich | NEO-PI-3 ab 12 Jahren, LMI ab 16 Jahren |
| Bearbeitungsdauer | 30 bis 45 Minuten je Verfahren |
| Ergebnis | Normiertes Profil je Bewerber plus Einordnung für den Ausbildungsbetrieb |
| Kosten | 250 Euro je Verfahren, Sonderpreise bei Kombination |
| Grundlage | Eignungsbeurteilung nach DIN 33430 |
Warum die Auswahl von Auszubildenden anders funktioniert
In der Fachkräfteauswahl ist der beste Einzelprädiktor die bisherige Leistung in vergleichbarer Tätigkeit. Bei einer Bewerberin, die gerade die zehnte Klasse beendet hat, gibt es dieses Signal schlicht nicht. Genau deshalb greifen die üblichen Auswahlroutinen hier ins Leere – und genau deshalb lohnt sich Diagnostik ausgerechnet in dieser Gruppe am meisten.
Es gibt keine Berufserfahrung
Kein Lebenslauf mit Stationen, keine Referenz einer früheren Führungskraft, oft nicht einmal ein Praktikum im Zielberuf. Was bleibt, sind Noten, ein kurzes Gespräch und ein Bauchgefühl. Auf dieser Grundlage entscheiden Betriebe über drei Jahre gemeinsame Zeit.
Noten messen Schule, nicht Betrieb
Zeugnisnoten sind zwischen Schulformen, Bundesländern und Jahrgängen nur begrenzt vergleichbar. Sie bilden Wissenserwerb unter schulischen Bedingungen ab – nicht Beharrlichkeit bei monotonen Aufgaben, nicht Verhalten in Konflikten, nicht die Fähigkeit, morgens um sechs verlässlich anzutreten.
Abbrüche sind selten Leistungsabbrüche
Wer vorzeitig geht, scheitert meistens nicht an der Zwischenprüfung. Genannt werden Konflikte mit Ausbildenden oder Kollegen, eine völlig andere Vorstellung vom Beruf und Belastungen, mit denen niemand gerechnet hatte. Alle drei Punkte sind vor Vertragsschluss ansprechbar.
Die Bewerber sind mitten in der Entwicklung
Mit sechzehn ist Persönlichkeit weniger stabil als mit dreißig. Das ist kein Argument gegen Diagnostik, sondern eines für die richtige: altersnormierte Verfahren, vorsichtige Formulierungen und ein Bericht, der Entwicklungsrichtungen beschreibt statt Urteile zu fällen.
Was einen guten Azubi ausmacht
Die Frage wird uns in fast jedem Vorgespräch gestellt, und die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf den Platz an. Vier Merkmale tauchen aber über Branchen hinweg immer wieder auf, wenn Ausbildende beschreiben, warum jemand gut durch die drei Jahre gekommen ist – und keines davon ist eine Note.
Verlässlichkeit im Kleinen
Pünktlichkeit, Bescheid sagen, wenn etwas nicht klappt, Zugesagtes einhalten. Klingt banal, ist aber der Punkt, an dem Ausbildende am häufigsten die Geduld verlieren. Diagnostisch liegt das in der Gewissenhaftigkeit und ihren Facetten Pflichtbewusstsein und Ordnungsliebe – und es ist eines der wenigen Merkmale, die sich über die Ausbildung hinweg noch deutlich entwickeln lassen.
Durchhalten, wenn es unspektakulär wird
Die ersten Wochen sind neu, die vierzehnte Woche ist Routine. Wer nur über Neugier läuft, fällt genau dort ab. Beharrlichkeit und kompensatorische Anstrengung sind im LMI eigene Dimensionen, weil sie sich von Begeisterungsfähigkeit klar unterscheiden – und weil sie den Ausbildungserfolg besser tragen.
Fragen statt überspielen
Der teuerste Fehler eines Auszubildenden ist nicht der Fehler selbst, sondern der Versuch, ihn zu verbergen. Wer nachfragt, wenn er etwas nicht verstanden hat, kostet in Woche eins mehr Zeit und in Monat sechs deutlich weniger. Das hängt weniger am Charakter als an der Erfahrung, dass Nachfragen folgenlos bleibt – also auch an Ihnen.
Kritik überstehen
Eine sachliche Rückmeldung darf nicht drei Tage nachwirken. Belastbarkeit und Kritikstabilität entscheiden darüber, ob aus einer Korrektur Lernen wird oder Rückzug. Bei sechzehn- bis achtzehnjährigen Bewerbern ist das erwartungsgemäß schwächer ausgeprägt als bei Erwachsenen – deshalb wird gegen altersgerechte Normen gerechnet und nicht gegen die Belegschaft.
Was in dieser Aufzählung fehlt, ist genauso aufschlussreich: fachliches Vorwissen, Notenschnitt und ein sicheres Auftreten im Gespräch. Alle drei werden regelmäßig übergewichtet. Vorwissen holt ein motivierter Azubi in Wochen auf, ein Notenschnitt beschreibt eine andere Umgebung, und ein sicheres Auftreten mit siebzehn sagt vor allem etwas darüber aus, wie oft jemand so eine Situation schon erlebt hat.
Was eine Fehlbesetzung kostet
Der Ausbildungsabbruch ist der teuerste Personalfehler, den ein Betrieb machen kann – weil er spät auffällt, weil die Investition bereits geflossen ist und weil der Ausbildungsplatz für diesen Jahrgang verloren ist.
Vertragslösungsquote in Deutschland, BIBB-Datenreport 2024
- Der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe.
- Ein großer Teil fällt in die Probezeit und das erste Ausbildungsjahr.
- Zwischen Berufen und Regionen liegen mehr als dreißig Prozentpunkte.
Auffallend ist der Zeitpunkt: Ein großer Teil der Lösungen fällt in die Probezeit und das erste Ausbildungsjahr. Das ist genau die Phase, in der der Betrieb am meisten hineingesteckt und am wenigsten herausbekommen hat.
Zum Vergleich: Ein vollständiges diagnostisches Profil kostet 250 Euro je Verfahren. Das ist ein Bruchteil dessen, was ein einziger Abbruch im ersten Jahr bindet.
Vorgespräch vereinbarenVorteile und Nachteile psychometrischer Auswahl
Wer Verfahren verkauft, sollte auch sagen, was sie nicht können. Die folgende Gegenüberstellung ist die, die wir auch im Vorgespräch führen – einschließlich der Fälle, in denen wir von einer Testung abraten.
- Vergleichbarkeit. Alle Bewerber beantworten dieselben Aussagen unter denselben Bedingungen. Das Ergebnis hängt nicht davon ab, wer das Gespräch geführt hat und an welchem Tag.
- Merkmale, die im Gespräch nicht sichtbar werden. Beharrlichkeit bei monotoner Arbeit, Umgang mit Kritik, Erholungsfähigkeit nach Belastung – nichts davon zeigt sich in vierzig Minuten Vorstellungsgespräch.
- Weniger Bauchgefühl, weniger Ähnlichkeitsfehler. Ausbildende wählen unbewusst gern Bewerber, die ihnen selbst ähneln. Ein normiertes Profil unterbricht dieses Muster.
- Ein Gesprächsleitfaden statt einer Zahl. Der Bericht liefert konkrete Nachfragen für das Interview – dort, wo das Profil auffällig ist, wird nachgefragt statt geraten.
- Rechtssicherheit. Eine nach DIN 33430 dokumentierte Eignungsbeurteilung ist nachvollziehbar begründet. Das hilft bei Absagen ebenso wie gegenüber dem Betriebsrat.
- Bindungswirkung. Bewerber, die eine ernsthafte, fachlich begleitete Auswahl erleben und eine Rückmeldung bekommen, entscheiden sich häufiger für den Betrieb – und wissen besser, worauf sie sich einlassen.
- Keine Ja-Nein-Antwort. Es gibt keine Ausprägung, die Ausbildungserfolg garantiert, und keine, die ihn ausschließt. Wer eine Ampel erwartet, wird enttäuscht – und sollte kein Verfahren einsetzen.
- Keine Absicherung gegen Selbstdarstellung. Fragebogen erfassen Selbstauskunft. Kontrollskalen erkennen auffällig schönfärberische Antwortmuster, aber kein Verfahren ist fälschungssicher. Deshalb nie allein entscheiden lassen.
- Keine Prognose für den Einzelfall. Diagnostik verbessert Trefferquoten über viele Entscheidungen hinweg. Für genau diese eine Bewerberin bleibt Unsicherheit – das ist Statistik, kein Qualitätsmangel.
- Keine klinische Aussage. Wir stellen keine Diagnosen. Zeigt sich im Gespräch etwas, das ärztlich abzuklären wäre, sagen wir das der getesteten Person – nicht dem Betrieb.
- Kein Ersatz für Praktikum und Probearbeit. Die beste Vorhersage bleibt die Beobachtung im echten Arbeitsumfeld. Diagnostik ergänzt sie, wo sie nicht möglich ist, und macht sie zielgerichteter, wo sie stattfindet.
- Kein Sinn bei einem Bewerber auf einen Platz. Wo es nichts zu vergleichen gibt, empfehlen wir statt einer Auswahltestung ein Orientierungsgespräch – oder gar nichts.
Der teuerste Fehler ist der falsche Gebrauch, nicht das falsche Verfahren
Ein gutes Instrument, mit dem eine Rangliste erzeugt und der Erstplatzierte eingestellt wird, richtet mehr Schaden an als gar kein Instrument. Ein Testwert ist ein Datenpunkt neben Zeugnis, Interview, Praktikumseindruck und Motivationsschreiben – und er ist der einzige davon, der ohne fachliche Auswertung nicht interpretierbar ist.
Die Verfahren: NEO-PI-3 und LMI
Zwei Instrumente, zwei verschiedene Fragen. Das eine beschreibt, wie jemand ist. Das andere, woraufhin jemand arbeitet. Erst zusammen ergeben sie ein Bild, mit dem sich ein Ausbildungsverhältnis planen lässt.
NEO-PI-3 – die Persönlichkeit
Die dritte Fassung des NEO-Persönlichkeitsinventars von Costa und McCrae. Sie erfasst die fünf Dimensionen des Fünf-Faktoren-Modells – Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit – mit je sechs Facetten über 240 Aussagen. Entscheidend für die Azubi-Auswahl: Die Itemformulierungen wurden gegenüber dem NEO-PI-R sprachlich vereinfacht, sodass das Verfahren bereits ab zwölf Jahren einsetzbar ist. Bewerber der Klassen acht bis zehn fallen damit nicht mehr aus dem Altersbereich.
LMI – die Leistungsmotivation
Das Leistungsmotivationsinventar von Schuler und Prochaska misst berufsbezogene Leistungsorientierung über 170 Aussagen und 17 Dimensionen – darunter Beharrlichkeit, Zielsetzung, Selbstständigkeit, Lernbereitschaft, Kompensatorische Anstrengung, Furchtlosigkeit und Statusorientierung. Genau die Merkmale, an denen sich entscheidet, ob jemand die dritte Woche Lagerarbeit durchsteht oder innerlich kündigt. Der LMI ist ab 16 Jahren normiert; für jüngere Bewerber steht die Kurzform LMI-K oder allein der NEO-PI-3 zur Verfügung.
| NEO-PI-3 | LMI | |
|---|---|---|
| Konstrukt | Persönlichkeit nach dem Fünf-Faktoren-Modell | Berufsbezogene Leistungsmotivation |
| Struktur | 5 Dimensionen, 30 Facetten | 17 Dimensionen, ein Gesamtwert |
| Aussagen | 240, fünfstufige Zustimmungsskala | 170, siebenstufige Skala; Kurzform mit 30 Aussagen |
| Dauer | ca. 35 bis 45 Minuten | ca. 30 bis 40 Minuten |
| Altersbereich | ab 12 Jahren | ab 16 Jahren |
| Beantwortet die Frage | Wie arbeitet und reagiert dieser Mensch typischerweise? | Wofür strengt er sich an – und wie lange? |
| Besonders relevant für | Teamfähigkeit, Sorgfalt, Belastbarkeit, Umgang mit Kritik | Durchhaltevermögen, Eigeninitiative, Lernbereitschaft, Abbruchrisiko |
| Was es nicht leistet | Keine Aussage über Wissen, Intelligenz oder Fertigkeiten | Keine Aussage über Fähigkeiten, nur über Antrieb |
Beide Verfahren sind bezugsberechtigungspflichtig, werden über das Hogrefe Testsystem durchgeführt und ausschließlich von Diplom-Psycholog:innen ausgewertet. Wer die kognitive Seite mit abdecken möchte, kombiniert sie mit einem normierten Intelligenztest; für die Interessenrichtung eignet sich ein Berufswahltest auf RIASEC-Basis.
| Ausbildungsfeld | Gewissen- haftigkeit | Beharr- lichkeit | Team- verhalten | Belast- barkeit | Lern- bereitschaft |
|---|---|---|---|---|---|
| Handwerk und Technik | |||||
| Kaufmännisch und Verwaltung | |||||
| Handel und Kundenkontakt | |||||
| Gesundheit und Pflege | |||||
| IT und Digitales |
Beispielaufgaben: so sind die Aussagen aufgebaut
Kein Wissenstest, keine Rechenaufgabe – Aussagen über das eigene Arbeitsverhalten, eingeordnet auf einer fünfstufigen Skala. Zwölf nachgebildete Beispiele zeigen Format und Zuordnung, so wie ein Bewerber sie erlebt.
Warum das nachgebildete und keine echten Items sind
Die Originalaussagen von NEO-PI-3 und LMI dürfen nicht veröffentlicht werden. Das ist Testschutz: Ein Instrument, dessen Items vorab bekannt sind, misst nicht mehr das Merkmal, sondern die Vorbereitung darauf. Die folgenden Aussagen bilden Format und Logik nach, stammen aber nicht aus den Verfahren.
Itemformat-Demo
Zwölf Aussagen · keine richtigen oder falschen Antworten · läuft im Browser, nichts wird gespeichert
Ordnen Sie jede Aussage danach ein, wie gut sie das eigene Arbeitsverhalten beschreibt. Nach der zwölften Aussage sehen Sie einen Profilbogen über vier Bereiche – und warum zwölf Aussagen dafür bei Weitem nicht genügen.
Im echten Verfahren speisen acht Aussagen je Facette den Wert, und jede Ausprägung wird gegen eine altersgerechte Normstichprobe gerechnet. Aus zwölf Aussagen entsteht kein Prozentrang – die Demo zeigt die Form der Auswertung, nicht ihren Inhalt.
Was Auswahlverfahren tatsächlich vorhersagen
Die Eignungsdiagnostik gehört zu den am besten untersuchten Feldern der Psychologie. Metaanalysen fassen über Jahrzehnte hinweg zusammen, wie stark einzelne Verfahren mit späterer Berufsleistung zusammenhängen. Das Bild ist nüchterner, als Anbieter gern behaupten – und aufschlussreicher, als Betriebe erwarten.
Drei Dinge folgen daraus, und alle drei widersprechen der üblichen Praxis. Erstens: Das unstrukturierte Bewerbungsgespräch – also das, was in den meisten Betrieben die Entscheidung trägt – liegt am unteren Ende. Dasselbe Gespräch, entlang eines festen Leitfadens geführt und mit einheitlichen Bewertungsankern versehen, verdoppelt seinen Wert. Zweitens: Kein Einzelverfahren erklärt mehr als einen kleinen Teil der Unterschiede. Wer eine sichere Vorhersage verkauft, verkauft etwas, das es nicht gibt. Drittens: Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit liegen für sich genommen niedrig – ihr Wert liegt darin, dass sie etwas anderes messen als Fähigkeitstests und deshalb zusätzliche Vorhersagekraft beisteuern. Deshalb kombiniert man.
Für die Ausbildung kommt ein Punkt hinzu, den die Tabelle nicht abbildet: Beim Ausbildungsabbruch ist die entscheidende Größe nicht Leistung, sondern Bleibemotivation. Genau dort setzt das LMI an – und genau deshalb ist es in dieser Zielgruppe wichtiger als in der Fachkräfteauswahl.
Die richtigen Fragen im Gespräch mit Azubi-Bewerbern
Wenn das strukturierte Interview der stärkste Einzelprädiktor ist, dann entscheidet sich die Qualität Ihrer Auswahl an diesen zwanzig Minuten. Struktur heißt: dieselben Fragen für alle, vorab festgelegte Bewertungsanker, Notiz unmittelbar nach dem Gespräch. Die folgenden zwölf Fragen sind nach den vier Merkmalen geordnet, die in der Ausbildung tragen – und jede zielt auf eine erlebte Situation, nicht auf eine Selbsteinschätzung.
- Erzählen Sie mir von etwas, das Sie zugesagt hatten und dann doch nicht schaffen konnten. Wie ist es ausgegangen?Ob von sich aus Bescheid gesagt wurde – oder ob es erst aufgefallen ist.
- Wie behalten Sie den Überblick, wenn mehrere Abgaben gleichzeitig anstehen?Ein konkretes System, und sei es ein Zettel. Vage Antworten sind hier aussagekräftig.
- Wann sind Sie zuletzt zu spät irgendwo angekommen, wo es wichtig war?Ob eine Ursache benannt wird oder nur Umstände. Nicht die Verspätung zählt, sondern die Erklärung.
- Was war das Langweiligste, das Sie länger durchgezogen haben – und warum haben Sie nicht aufgehört?Ob überhaupt ein Beispiel kommt. Der Grund ist wichtiger als die Tätigkeit.
- Gab es etwas, das Sie abgebrochen haben? Was war der Ausschlag?Offenheit statt Beschönigung. Ein reflektierter Abbruch ist kein Ausschlusskriterium.
- Wie sieht bei Ihnen eine Woche aus, in der niemand Ihnen sagt, was zu tun ist?Eigene Struktur oder Leerlauf – und ob die Antwort ehrlich wirkt.
- Beschreiben Sie eine Situation, in der Sie etwas nicht verstanden haben. Was haben Sie gemacht?Nachgefragt oder abgewartet. Das ist die vielleicht wichtigste Frage im ganzen Gespräch.
- Wann hatten Sie zuletzt Streit in einer Gruppe? Wie ging es aus?Ob die Gegenseite überhaupt vorkommt oder nur die eigene Sicht geschildert wird.
- Mit welcher Sorte Mensch arbeiten Sie ungern zusammen?Eine ehrliche Antwort. Wer behauptet, mit allen zurechtzukommen, hat die Frage nicht beantwortet.
- Wann hat Ihnen zuletzt jemand gesagt, dass Sie etwas falsch gemacht haben? Was ist danach passiert?Wie lange es nachgewirkt hat und ob eine Konsequenz folgte.
- Was stellen Sie sich unter einem normalen Arbeitstag bei uns vor?Der wirksamste Schutz vor Abbruch: falsche Vorstellungen jetzt sichtbar machen, nicht in Woche drei.
- Was müsste passieren, damit Sie die Ausbildung hier abbrechen?Ungewöhnlich direkt und deshalb aufschlussreich. Die Antwort nennt oft genau das Risiko.
Welche Fragen Sie nicht stellen dürfen
Unzulässig sind Fragen nach Schwangerschaft und Familienplanung, Gesundheitszustand ohne Tätigkeitsbezug, Religion, Weltanschauung, Parteizugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Vermögensverhältnissen der Eltern und Vorstrafen ohne konkreten Bezug zum Ausbildungsplatz. Der Maßstab ist derselbe wie bei der Testung: erheblich für die Tätigkeit oder gar nicht. Bei unzulässigen Fragen dürfen Bewerber die Unwahrheit sagen, ohne dass daraus etwas folgt – die Antwort ist also nicht nur rechtlich riskant, sondern auch wertlos.
Diese zwölf Fragen sind ein Anfang, kein Leitfaden. Ein echter Leitfaden ist auf Ihren Ausbildungsplatz zugeschnitten, hat je Frage drei Bewertungsanker und einen Bogen, den alle Beteiligten gleich ausfüllen. Genau den bauen wir in der Anforderungsanalyse mit Ihnen – im Vorgespräch kostenlos.
Leitfaden besprechenSie sind selbst Bewerberin oder Bewerber und suchen die andere Seite des Tisches? Dann hilft der kostenlose Einstellungstest-Trainer beim Üben, und der Persönlichkeitstest für Jugendliche bei der Frage, was überhaupt zu Ihnen passt.
Die fünf häufigsten Fehler bei der Auswahl
Aus über zwei Jahrzehnten Auswahlverfahren – und aus den Gesprächen mit Betrieben, die nach dem zweiten Abbruch in Folge anrufen.
Nach Noten sortieren und den Rest dem Gespräch überlassen
Die Vorauswahl über den Notendurchschnitt filtert nicht nach Eignung, sondern nach Schulform und Elternhaus. Wer so vorsortiert, verliert regelmäßig genau die Bewerber, die in der Praxis aufblühen – und behält solche, die schulisch stark und betrieblich unmotiviert sind. Besser: Mindestanforderungen definieren, alles darüber gleich behandeln.
Jeder führt sein eigenes Gespräch
Wenn drei Ausbildende drei verschiedene Fragen stellen und danach ihr Gefühl vergleichen, wird nicht der beste Bewerber gewählt, sondern der sympathischste. Der Ähnlichkeitsfehler ist der stabilste Befund der Auswahlforschung. Besser: ein fester Leitfaden, dieselben Fragen für alle, Bewertung unmittelbar nach dem Gespräch und getrennt voneinander.
Den Beruf schöner darstellen, als er ist
Ein Ausbildungsplatz, der im Gespräch nach Projektarbeit klingt und in Woche drei nach Inventur, produziert genau die Enttäuschung, die zur Lösung führt. Bei Bewerbermangel ist die Versuchung groß. Besser: die unangenehmen Anteile aktiv ansprechen. Wer danach noch will, will wirklich.
Ein Testergebnis als Rangliste lesen
Ein Profil ist keine Punktzahl. Wer die Bewerber nach einem Gesamtwert sortiert und von oben einstellt, macht aus einem guten Verfahren ein schlechtes – und riskiert obendrein eine Benachteiligung, die er nicht begründen kann. Besser: das Profil als Landkarte für das Interview nutzen und die Entscheidung nach dem Gespräch treffen.
Nach der Zusage aufhören
Die meisten Lösungen fallen in die Probezeit. Zwischen Zusage im Frühjahr und Start im September vergehen Monate, in denen nichts passiert – und in denen ein anderer Betrieb anruft. Besser: Kontakt halten, das Profil beim Einstieg mit dem Ausbildenden besprechen und nach vier Wochen ein strukturiertes Feedbackgespräch führen.
Der Ablauf in fünf Schritten
Vom ersten Telefonat bis zum Bericht vergehen in der Regel zwei bis drei Wochen. Die Testung selbst läuft online und ortsunabhängig.
Anforderungsanalyse
Bevor ein Verfahren ausgewählt wird, klären wir, was der Ausbildungsplatz verlangt: Arbeitet der Azubi allein oder im Team, im Kundenkontakt oder in der Werkstatt, in getakteten Abläufen oder in wechselnden Projekten? Die DIN 33430 macht diesen Schritt zur Voraussetzung – und er ist der wichtigste, weil er festlegt, welche Merkmale überhaupt relevant sind.
Verfahrensauswahl und Einwilligung
Wir schlagen die passende Kombination vor und stellen Ihnen den Text für die Einwilligungserklärung bereit – bei minderjährigen Bewerbern einschließlich der Erklärung für die Erziehungsberechtigten. Jeder Bewerber erfährt vorab, was gemessen wird, wer das Ergebnis sieht und wie lange es gespeichert bleibt.
Online-Testung
Die Bewerber erhalten einen persönlichen Zugang und bearbeiten die Verfahren am eigenen Gerät, wahlweise auch bei Ihnen im Haus. Rechnen Sie mit 30 bis 45 Minuten je Verfahren. Es gibt keine Zeitbegrenzung und keine richtigen Antworten – das nimmt Druck aus einer ohnehin angespannten Situation.
Auswertung durch Diplom-Psycholog:innen
Kein automatisch erzeugter Standardtext. Die Rohwerte werden gegen altersgerechte Normstichproben gerechnet, Kontrollskalen geprüft und das Profil gegen die Anforderungen aus Schritt 1 gespiegelt. Sie erhalten je Bewerber eine Einordnung samt konkreter Nachfragen für das Interview.
Besprechung und Rückmeldung an die Bewerber
Wir gehen die Profile mit Ihnen durch – im Gespräch, nicht per Mailanhang. Und jeder getestete Bewerber bekommt auf Wunsch eine eigene Rückmeldung, unabhängig davon, ob er den Platz erhält. Das ist fachlicher Standard, kostet wenig und wirkt auf Ihr Arbeitgeberbild stärker als jede Anzeige.
Was rechtlich zulässig ist
Eignungstests im Bewerbungsverfahren sind zulässig – unter Bedingungen. Bei Auszubildenden kommt hinzu, dass ein Teil der Bewerber minderjährig ist. Die folgenden Punkte klären wir vor jeder Testung; sie ersetzen keine Rechtsberatung.
Einwilligung, und zwar informiert
Eine Testung ohne ausdrückliche Zustimmung ist unzulässig. Informiert ist die Einwilligung erst, wenn der Bewerber weiß, welche Merkmale erhoben werden, wer das Ergebnis erhält und wie lange es aufbewahrt wird. Bei minderjährigen Bewerbern müssen die Erziehungsberechtigten mit einwilligen.
Nur, was mit dem Ausbildungsplatz zu tun hat
Erhoben werden darf, was für die Tätigkeit erheblich ist. Gesundheitsdaten, Weltanschauung, Familienplanung oder Herkunft gehören nicht dazu – und ein Persönlichkeitsverfahren darf nicht zur Hintertür dafür werden. Die Anforderungsanalyse aus Schritt 1 ist genau die Begründung, die Sie im Zweifel brauchen.
Gleiche Bedingungen für alle
Wer testet, testet alle Bewerber derselben Ausschreibung nach demselben Verfahren. Eine Auswahl, wer getestet wird, ist selbst schon eine Vorentscheidung – und im Streitfall schwer zu begründen. Ein einheitliches Verfahren ist zugleich der beste Schutz gegen den Vorwurf der Benachteiligung nach dem AGG.
Ergebnisse gehören nicht in die Personalakte
Testdaten sind zweckgebunden. Nach abgeschlossenem Verfahren werden sie gelöscht, sofern nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart ist. Ein Profil, das drei Jahre später bei einer Beförderungsfrage wieder auftaucht, ist ein Datenschutzproblem – und diagnostisch ohnehin wertlos, weil veraltet.
Diese Übersicht gibt den fachlichen Standard wieder, den wir anwenden, und stellt keine Rechtsberatung dar. Ob in Ihrem Haus ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats nach Paragraf 94 Betriebsverfassungsgesetz greift, klären Sie bitte intern.
Preise und Kombinationen
Transparent und ohne versteckte Posten. Das Vorgespräch einschließlich Anforderungsanalyse ist kostenlos und unverbindlich.
NEO-PI-3 oder LMI
- normiertes Profil, altersgerecht gerechnet
- Auswertung durch Diplom-Psycholog:innen
- schriftliche Einordnung für den Betrieb
- Nachfragen für das Interview
- Rückmeldung an den Bewerber auf Wunsch
NEO-PI-3 und LMI
- Persönlichkeit und Leistungsmotivation im Verbund
- ein gemeinsamer Bericht statt zweier Einzelprofile
- Widersprüche zwischen beiden Profilen aufgelöst
- Einschätzung zum Abbruchrisiko
- Besprechung der Profile im Gespräch
Auswahlverfahren für mehrere Bewerber
- Anforderungsanalyse für alle Ausbildungsberufe im Haus
- Interviewleitfaden für Ihre Ausbildenden
- vergleichende Übersicht über den Jahrgang
- auf Wunsch Assessment-Center-Bausteine
- Dokumentation nach DIN 33430
Jedes Verfahren kostet 250 Euro je Bewerber, unabhängig davon, welches Sie wählen. Sobald mehrere Verfahren kombiniert oder mehrere Bewerber getestet werden, sind Sonderpreise möglich – sprechen Sie uns im Vorgespräch darauf an. Für Unternehmen gelten die Beträge netto zuzüglich 19 % Mehrwertsteuer.
Warum das Ergebnis belastbar ist
Vier Punkte trennen eine eignungsdiagnostische Beurteilung von einem Online-Fragebogen mit bunter Auswertung.
Normierte Verfahren
NEO-PI-3 und LMI sind veröffentlichte, bezugsberechtigungspflichtige Verfahren mit publizierten Gütekriterien. Die Reliabilitäten sind nachprüfbar, die Normstichproben dokumentiert. Ein Wert bedeutet immer: im Vergleich zu wem.
Kontrollskalen
Beide Verfahren erkennen auffällig einheitliche oder durchgängig sozial erwünschte Antwortmuster. Ein solches Muster macht ein Profil nicht wertlos, es ändert aber, wie es zu lesen ist – und es wird im Bericht ausgewiesen statt verschwiegen.
Auswertung durch Menschen
Die Interpretation stammt von Diplom-Psycholog:innen, nicht aus einem Textbaustein-Generator. Genau dort entsteht der Unterschied: Zwei identische Profile bedeuten in einem Kfz-Betrieb und in einer Steuerkanzlei nicht dasselbe.
Dokumentation nach DIN 33430
Anforderungsanalyse, Verfahrensbegründung, Durchführungsbedingungen und Ergebnisinterpretation werden festgehalten. Das macht die Entscheidung nachvollziehbar – für Sie selbst, für den Betriebsrat und im Zweifel vor Gericht.
Häufige Fragen zur Auswahl von Auszubildenden
Verfahren, Recht, Kosten und was das Ergebnis leistet.
Der NEO-PI-3 ist ab zwölf Jahren einsetzbar – das ist der zentrale Unterschied zur Vorgängerfassung NEO-PI-R, die erst ab sechzehn vorgesehen war. Damit lassen sich auch sehr junge Bewerberinnen und Bewerber erfassen, etwa im Handwerk oder bei Einstiegen nach Klasse neun. Das LMI ist ab sechzehn Jahren normiert. Bei jüngeren Bewerbern setzen wir es entweder gar nicht ein oder greifen auf die Kurzform zurück und weisen im Bericht aus, dass die Normbasis hier eingeschränkt ist.
Ja, unter drei Bedingungen: Die Bewerber willigen informiert ein, es werden ausschließlich Merkmale erhoben, die für den Ausbildungsplatz erheblich sind, und alle Bewerber derselben Ausschreibung durchlaufen dasselbe Verfahren. Genau diese drei Punkte begründen im Streitfall auch die Sachlichkeit der Entscheidung. Ob in Ihrem Betrieb zusätzlich der Betriebsrat einzubinden ist, klären Sie bitte intern – wir liefern die fachliche Grundlage, keine Rechtsberatung.
Ja. Bei Bewerbern unter achtzehn Jahren holen wir zusätzlich zur Einwilligung des Jugendlichen die der Erziehungsberechtigten ein. Wir stellen Ihnen die Erklärung in einer Fassung bereit, die auch für Eltern verständlich ist – erfahrungsgemäß ist Transparenz an dieser Stelle kein Hindernis, sondern ein Argument für Ihren Betrieb.
Beeinflussen ja, kontrolliert fälschen kaum. Beide Verfahren enthalten Kontrollskalen, die durchgängig sozial erwünschte oder auffällig einheitliche Antwortmuster sichtbar machen. Wer über 240 beziehungsweise 170 Aussagen hinweg konsistent ein fremdes Profil vortäuschen will, müsste wissen, welches Profil gefragt ist – und das steht nirgends. Trotzdem gilt: Kein Fragebogen ist fälschungssicher. Deshalb entscheidet nie der Test allein, sondern die Kombination aus Profil, Interview und Praxiseindruck.
Jedes Verfahren kostet 250 Euro je Bewerber, einschließlich Auswertung durch Diplom-Psycholog:innen und schriftlicher Einordnung. Werden mehrere Verfahren kombiniert – typischerweise NEO-PI-3 und LMI – oder mehrere Bewerber getestet, sind Sonderpreise möglich; ab fünf Bewerbern rechnen wir mit Staffelpreisen. Das Vorgespräch mit Anforderungsanalyse ist kostenlos. Für Unternehmen gelten die Beträge netto zuzüglich Mehrwertsteuer.
Nein, es macht das Gespräch besser. Das strukturierte Interview ist nach der aktuellen Forschungslage der stärkste Einzelprädiktor überhaupt – deutlich vor jedem Fragebogen. Der Nutzen der Diagnostik liegt darin, dass sie Ihnen sagt, wonach Sie im Gespräch fragen sollten: Zeigt das Profil eine auffällig niedrige Beharrlichkeit, fragen Sie gezielt nach einer Situation, in der es länger zäh wurde. Ohne Profil fragt man ins Blaue.
Beide erfassen dasselbe Modell: fünf Persönlichkeitsdimensionen mit je sechs Facetten über 240 Aussagen. Der NEO-PI-3 ist die überarbeitete Fassung von McCrae und Costa, in der ein Teil der Items sprachlich vereinfacht und einzelne Aussagen mit schwacher Trennschärfe ersetzt wurden. Das Ergebnis ist ein Verfahren, das bereits ab zwölf Jahren einsetzbar ist – für die Auswahl von Auszubildenden der entscheidende Punkt. Für Erwachsene bleiben beide Fassungen weitgehend gleichwertig; Details zum Vorgänger finden Sie auf unserer Seite zum NEO-PI-R.
Für die Bewerber 30 bis 45 Minuten je Verfahren, also rund eineinhalb Stunden bei der Kombination aus NEO-PI-3 und LMI – verteilbar auf zwei Termine. Für Ihren Betrieb vergehen zwischen Vorgespräch und Ergebnisbesprechung in der Regel zwei bis drei Wochen. In der Hochphase der Ausbildungsplatzvergabe planen Sie besser etwas mehr Vorlauf ein.
Auf Wunsch ja, und wir empfehlen es ausdrücklich. Eine Rückmeldung ist fachlicher Standard, sie kostet Sie nichts zusätzlich und sie wirkt: Wer sich ernst genommen fühlt, spricht über Ihren Betrieb – auch nach einer Absage. Die Rückmeldung erfolgt in einer Sprache, die Sechzehnjährige verstehen, und beschreibt Entwicklungsrichtungen statt Defizite.
Wenn Sie einen Bewerber auf einen Platz haben, raten wir von einer Auswahltestung ab; es gibt nichts zu vergleichen. Sinnvoll bleibt dann etwas anderes: ein Profil zur Gestaltung des Ausbildungsverhältnisses. Wer weiß, dass ein Azubi wenig Struktur von sich aus mitbringt, aber stark auf Rückmeldung reagiert, kann die ersten Wochen anders anlegen – und verhindert genau den Abbruch, der bei Bewerbermangel besonders wehtut.
Die DIN 33430 ist die deutsche Norm für berufsbezogene Eignungsbeurteilungen. Sie schreibt keine bestimmten Tests vor, sondern regelt den Prozess: Anforderungsanalyse vor der Verfahrenswahl, Qualifikation der Beteiligten, Durchführungsbedingungen, Interpretation und Dokumentation. Für Sie ist sie vor allem eines – eine nachvollziehbare Begründung dafür, warum Sie so entschieden haben, wie Sie entschieden haben.
Über Branchen hinweg nennen Ausbildende vier Dinge: Verlässlichkeit im Kleinen, Durchhaltevermögen auch bei Routine, die Bereitschaft nachzufragen statt zu überspielen, und die Fähigkeit, eine Korrektur zu verkraften. Was auffallend selten genannt wird: Notenschnitt, fachliches Vorwissen und sicheres Auftreten im Gespräch. Alle drei werden bei der Auswahl regelmäßig übergewichtet.
Zulässig ist, was für den Ausbildungsplatz erheblich ist. Unzulässig sind Fragen nach Schwangerschaft und Familienplanung, Gesundheitszustand ohne Tätigkeitsbezug, Religion, Weltanschauung, Parteizugehörigkeit, Gewerkschaftsmitgliedschaft, den Vermögensverhältnissen der Eltern und Vorstrafen ohne konkreten Bezug. Auf eine unzulässige Frage darf die Unwahrheit gesagt werden, ohne dass daraus etwas folgt – die Antwort ist also auch inhaltlich wertlos. Gute Fragen zielen ohnehin auf erlebte Situationen, nicht auf Eigenschaften.
Aus eignungsdiagnostischer Sicht drei Dinge: eine Anforderungsanalyse vor der Auswahl, ein einheitliches Verfahren für alle Bewerber derselben Ausschreibung und eine dokumentierte Begründung der Entscheidung. Formal kommen Ausbildungsvertrag, Eintragung bei der zuständigen Stelle, Berufsschulanmeldung, bei Minderjährigen die ärztliche Erstuntersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz und die Zustimmung der Erziehungsberechtigten hinzu. Zu den formalen Schritten berät Ihre Kammer, zur Auswahl beraten wir.
Dürfen ja, empfehlen würden wir es nicht. Ein selbst gebauter Test hat keine Normstichprobe, also gibt es keinen Maßstab, gegen den ein Ergebnis etwas bedeutet; er hat keine geprüfte Reliabilität, also schwankt das Ergebnis unkontrolliert; und er hat keine Validitätsbelege, also weiß niemand, ob er das misst, worauf es ankommt. Im Streitfall ist er zudem schwer zu verteidigen. Sinnvoll selbst gemacht ist dagegen die Arbeitsprobe: eine echte Aufgabe aus dem Betrieb, für alle gleich, mit vorher festgelegten Bewertungskriterien.
Fast nie wegen fachlicher Überforderung. Genannt werden Konflikte mit Ausbildenden oder Kollegen, eine Vorstellung vom Beruf, die mit dem Alltag nichts zu tun hatte, und Belastungen – Schichten, Körperlichkeit, Kundenkontakt – mit denen niemand gerechnet hatte. Alle drei lassen sich vor Vertragsschluss ansprechen. Der wirksamste Einzelschritt ist unspektakulär: die unangenehmen Anteile des Ausbildungsplatzes im Gespräch offen benennen, statt sie zu übergehen.
Alle, die es in die engere Auswahl geschafft haben – aber nicht mehr. Eine Testung nur einzelner Bewerber ist selbst schon eine Vorentscheidung und im Streitfall schwer zu begründen. Praktisch bewährt sich, nach Sichtung der Unterlagen eine Gruppe von drei bis acht Bewerbern je Ausbildungsplatz zu bilden und diese vollständig zu testen. Bei einem einzigen Bewerber raten wir von einer Auswahltestung ab; dann ist ein Profil zur Gestaltung des Ausbildungsverhältnisses sinnvoller als eines zur Auswahl.
Autor und Quellen
Fachliche Grundlagen
- McCrae, R. R. & Costa, P. T.: NEO Inventories – NEO-PI-3. Erweiterter Altersbereich gegenüber dem NEO-PI-R, fünf Dimensionen mit je sechs Facetten.
- Ostendorf, F. & Angleitner, A.: NEO-Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae, revidierte Fassung, Hogrefe – deutschsprachige Normen und Gütekriterien.
- Schuler, H. & Prochaska, M.: Leistungsmotivationsinventar (LMI), Hogrefe – 17 Dimensionen berufsbezogener Leistungsorientierung, 170 Items, Kurzform LMI-K.
- Sackett, P. R., Zhang, C., Berry, C. M. & Lievens, F. (2022): Revisiting meta-analytic estimates of validity in personnel selection. Journal of Applied Psychology.
- Bundesinstitut für Berufsbildung: Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2024 – Vertragslösungsquote und Ausbildungsmarktdaten.
- DIN 33430: Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogenen Eignungsbeurteilungen.
- Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen: Beurteilungskriterien für psychodiagnostische Verfahren.
Weiterführende Themen
Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: September 2026. Die auf dieser Seite beschriebenen Verfahren sind eignungsdiagnostische Instrumente nach DIN 33430. Sie sind keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnostik und ersetzen weder eine ärztliche Abklärung noch eine Therapie. Die Hinweise zum rechtlichen Rahmen geben den fachlichen Standard wieder und stellen keine Rechtsberatung dar. Preise, Dauer und Verfügbarkeit können sich ändern; verbindlich sind die Angaben im Vorgespräch.
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