Welche Kompetenzen fehlen in deutschen Unternehmen wirklich? Der Stifterverband hat dazu gemeinsam mit der Haufe Akademie 1.001 Führungskräfte aus der Privatwirtschaft befragt. Die Antwort fällt klarer aus als erwartet: Die größten Lücken sehen die Befragten nicht bei Kommunikation oder Teamarbeit, sondern bei Künstlicher Intelligenz. Ganz oben steht ausgerechnet das Grundverständnis – die Frage, was KI kann, was nicht und wie man sie sinnvoll einsetzt.
Das Wichtigste in Kürze
| Kurzfassung | Stifterverband-Befragung von 1.001 Führungskräften: größte Lücke beim KI-Grundverständnis (30,9 %), dazu Change Management und Ambiguitätskompetenz. Einordnung und Tipps. |
|---|---|
| Themenbereich | Digitalisierung, Führungskräfte, Karriere |
| Veröffentlicht | 28. September 2026 |
| Autor | Jan Bohlken, Diplom-Sozioökonom, Geschäftsführer des Profiling Instituts |
| Passende Leistung des Instituts | Karriereberatung ab 160 Euro je Stunde, Orientierungs-Beratung ab 900 Euro |
| Herausgeber | Profiling Institut, Eignungsdiagnostik nach DIN 33430, sieben Standorte in Deutschland |

Die Befragung
Die Studie „Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen?“ stammt von Anna Sandmeir, Florian Rampelt, Henning Koch und Bentley Schieckoff. Befragt wurden die 1.001 Führungskräfte online zwischen dem 23. März und dem 2. April 2026; der Stifterverband hat die Ergebnisse am 22. September 2026 vorgestellt. Grundlage ist das Future-Skills-Framework des Stifterverbands, das 30 Kompetenzen in fünf Kategorien ordnet: grundlegende, transformative, gemeinschaftsorientierte, digitale und technologische Kompetenzen. Gefragt wurde, in welchem Ausmaß die Führungskräfte in ihrer Belegschaft Lücken sehen.
Die größten Lücken
- KI-Grundverständnis (AI Literacy): 30,9 Prozent
- AI Engineering: 30,8 Prozent
- Autonome Systeme und Robotik: 29,7 Prozent
- Data Science und Analytics: 26,3 Prozent
- Change Management und KI-Führung: 25,5 Prozent
- Ambiguitätskompetenz: 23,9 Prozent
- Kritisches Denken: 23,0 Prozent
- Kreativität: 22,6 Prozent
Am unteren Ende stehen Informationskompetenz, Dialogkompetenz, Diversitätskompetenz, ethische Kompetenz und Data Literacy mit jeweils 17 bis 19 Prozent. Bemerkenswert ist das Gesamtbild: Bei den meisten Future Skills sehen rund 70 Prozent der Führungskräfte keine größeren Lücken. Beim KI-Grundverständnis dagegen sieht rund ein Drittel Nachholbedarf in der Breite der Belegschaft. Gleichzeitig halten rund 80 Prozent alle fünf Kompetenzbereiche für wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens.
Nicht nur eine Technikfrage
Auf den ersten Blick ist das Ergebnis eine Aufforderung zu mehr KI-Schulungen. Die Autorinnen und Autoren lesen es differenzierter. Der Stifterverband betont, dass neben KI-Kompetenzen auch kritisches Denken und Kreativität gefragt sind. Auf Platz fünf und sechs der Lückenliste stehen mit Change Management und Ambiguitätskompetenz zwei Fähigkeiten, die mit Technik wenig zu tun haben: Veränderungen begleiten und Unsicherheit aushalten. Wer KI im Unternehmen einführt, braucht beides – das technische Verständnis und die Fähigkeit, Menschen durch den Wandel zu führen.
Laut Studie reicht Lernbereitschaft allein nicht aus. Nötig seien passende und zugängliche Weiterbildungsangebote, strukturierte Lernpfade und eine Unternehmenskultur, die Weiterentwicklung fördert. Seit Februar 2025 verpflichtet die europäische KI-Verordnung Unternehmen zudem, für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu sorgen. Was das konkret bedeutet, erklären wir unter KI-Kompetenz-Pflicht.
Was Führungskräfte daraus machen können
- Lücken messen statt vermuten. Die Befragung gibt die Einschätzung der Führungskräfte wieder, nicht die tatsächlichen Fähigkeiten der Belegschaft. Wer gezielt fördern will, sollte den Stand erheben – etwa mit standardisierten Verfahren statt Bauchgefühl.
- Grundverständnis vor Spezialwissen. Nicht jede Mitarbeiterin muss Modelle trainieren können. Aber jede sollte wissen, wo KI Fehler macht und wann ein Ergebnis zu prüfen ist.
- Überfachliche Kompetenzen mitdenken. Ambiguitätstoleranz, kritisches Denken und Veränderungsbereitschaft lassen sich diagnostisch erfassen und entwickeln. Ein Überblick über diese Fähigkeiten findet sich in unserem Bereich Soft Skills.
- Bei sich selbst anfangen. Führungskräfte sind im Wandel Vorbild. Eine ehrliche Standortbestimmung zur eigenen Rolle gibt unser Persönlichkeitstest für Führungskräfte.
Einen schnellen, kostenlosen Selbstcheck zur eigenen KI-Kompetenz bietet unser KI-Kompetenz-Test; wie der Arbeitsalltag mit KI gelingt, zeigt der Beitrag Mit KI arbeiten. Für Unternehmen, die Kompetenzen im Team systematisch erfassen möchten, bieten wir Eignungsdiagnostik für Unternehmen und die Potenzialanalyse für Unternehmen nach DIN 33430 an.
Einordnung der Studie
Die Studie misst Wahrnehmungen: Führungskräfte schätzen die Kompetenzen ihrer Belegschaft ein. Das ist wertvoll, weil diese Einschätzung über Weiterbildung und Einstellungen entscheidet. Eine objektive Kompetenzmessung ist es nicht. Angaben zu Weiterbildungsbudgets oder Lernzeiten enthält die Studie nicht. Nicht zu verwechseln ist sie mit der „Future Skills Studie 2026“ der Haufe Akademie vom Juni 2026, die Fach- und Führungskräfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt hat.
Quellen
- Sandmeir, A., Rampelt, F., Koch, H., Schieckoff, B.: „Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen? Ergebnisse einer Befragung von 1.001 Führungskräften“, Stifterverband 2026, DOI 10.5281/zenodo.21976573 – zenodo.org
- Stifterverband: Pressemitteilung vom 22.09.2026 – stifterverband.org
Hinweis zur Abbildung: Die Grafik in diesem Beitrag wurde KI-generiert.


